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Węgorzewo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

{{#if: beschreibt die Stadt Węgorzewo in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Zum gleichnamigen Ort in der Woiwodschaft Großpolen siehe Węgorzewo (Okonek).

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}} Vorlage:Infobox Ort in Polen

Węgorzewo [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Angerburg, Vorlage:LtS oder Unguris; Vorlage:PlS früher Wengobork<ref name="Schlieben" /><ref name="Bötticher" >Adolf Bötticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft VI: Masuren, Königsberg 1896. S. 7–20 (Google Books).</ref>) ist eine Stadt mit etwa 11.300 Einwohnern in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit Vorlage:FormatZahl Einwohnern (Stand Vorlage:EWD).

Datei:Węgorzewo UM.jpg
Rathaus Węgorzewo

Die Stadt ist eines der Zentren in der Region Ermland-Masuren. Ihr Name leitet sich von den Aalen, altpreußisch angurgis (Vorlage:PlS) ab, die hier früher in großer Zahl gefangen wurden.

Geographische Lage

Der Ort liegt in der Masurischen Seenplatte im historischen Preußen am Ausfluss der Angerapp (Węgorapa) in den Mauersee (Mamry) bzw. Schwenzaitsee, etwa 95 Kilometer (Luftlinie) südöstlich von Königsberg (Kaliningrad) und 22 Kilometer nördlich der Stadt Lötzen (Giżycko). Die Entfernung zur Grenze der russischen Oblast Kaliningrad im Norden beträgt 20 Kilometer.

Geschichte

Datei:Wegorzewo Hartknoch 1684.jpg
Angerburg 1684 (Christoph Hartknoch)
Datei:Angerburg.jpg
Historische Ansicht von Angerburg
Datei:Angerburg-Markt.jpg
Historische Ansicht des Neuen Marktes in Angerburg
Datei:Angerburg-Luftbild.jpg
Alte Fliegeraufnahme der Angerburger Altstadt, vorne rechts der Neue Markt, hinten rechts der mit Linden umstandene Kirchberg

Mittelalter

Schon in einer Chronik aus dem Jahre 1335 wird eine „Angirburg“ erwähnt, bestehend aus einem Blockhaus, einer Palisade und einem Wachturm. In einem weiteren Dokument von 1341 wird berichtet, dass bei der Angerburg zwölf Prußen wegen treuer Dienste mit Land an den Flüssen Worape und Angrabe (Angerapp) vom Ritterorden belohnt wurden.<ref>Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 46.</ref> 1363 zerstörte der litauische Großfürst Kynstudt die Angerburg.<ref>Lucas David: Preussische Chronik. Band 7, Königsberg 1815, S. 63.</ref> Doch an gleicher Stelle errichtete der Ritterorden dreißig Jahre später eine neue Burg, diesmal aus Stein. Sie sollte der weiteren Erschließung des Landes dienen.

Ende des 15. Jahrhunderts war die Gegend um die Angerburg bereits besiedelt. Es wurde Landwirtschaft betrieben und für den Bau einer Wassermühle der Mauersee bzw. Schwenzaitsee aufgestaut. Um 1450 hatte sich bei der Burg eine Ortschaft entwickelt, deren Name abwechselnd als Neudorf oder Gerothwol erwähnt wird.

Frühe Neuzeit

Nach der Gründung des Herzogtums Preußen wurde die Angerburg Sitz des Amtshauptmanns. Dem Ort „Neudorf“ wurde am 4. April 1571 auf Antrag seiner Bewohner das Stadtrecht und der Name Angerburg verliehen. Bei einem Großbrand im Jahre 1608 wurden weite Teile der Stadt vernichtet, unter ihnen die 1528 errichtete Holzkirche und das gerade zwanzig Jahre alte Rathaus. 1576–1577 war Hans v. Ostau Burggraf und Amtshauptmann zu Angerburg.<ref>George Adalbert von Mülverstedt: Geschichtliche Nachrichten von dem altpreußischen Adelsgeschlecht von Ostau, Verlag E. Baensch jun., Magdeburg 1886, S. 115, Ziffer 51 (Google Books).</ref>

Datei:Węgorzewo, wejście do mariny na Węgorapie (Angerburg2).jpg
Blick auf die Stadt von der Angerapp aus Richtung Mauersee
Datei:Węgorzewo.jpg
Stadtzentrum mit Pfarrkirche
Datei:Węgorzewo Zamek 1.jpg
Blick auf das Schloss (2018)
Datei:Wegorzewo.jpg
Innenhof des Schlosses

In den folgenden Jahrzehnten hatte die Stadt unter dem schwedisch-polnischen Krieg, den Tatareneinfällen und mehreren Pestepidemien, zuletzt 1710, zu leiden. Aufschwung erfuhr die Stadt erst wieder, als 1718 Angerburg zur Garnisonsstadt ernannt wurde. Nicht ohne Reibereien mit der Stadtbevölkerung wurden zunächst drei, bald darauf vier und nach einigen Jahren zehn Kompanien des Kürassierregiments Generalmajor v. Katt, die ‚Kattschen Reuter‘, in Angerburg einquartiert.<ref name="Bujack" >Georg Bujack: General von Katt in Angerburg, in: Altpreussische Monatsschrift, Achtzehnter Band, Königsberg i. Pr. 1881, S. 343–349 (Google Books).</ref>

Zur Förderung der Wirtschaft wurde an der Angerapp ein Hafen gebaut, 1740 erhielt die Stadt ein Wasserleitungssystem und die Garnison baute zehn Kasernen. Zu dieser Zeit hatte Angerburg etwa 1800 Einwohner. Das v. Kattsche Kürassierregiment rückte im Jahr 1741 Anfang des Ersten Schlesischen Krieges von Angerburg aus.<ref name="Bujack" />

Danach litten die Bewohner wieder unter den kriegerischen Auseinandersetzungen. Im Siebenjährigen Krieg besetzten russische Truppen die Stadt, in den napoleonischen Kriegen schleppten zuerst die Russen Typhus ein, anschließend plünderten Franzosen und Polen die Stadt.

19. Jahrhundert

1818 wurde Angerburg Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Ostpreußen. 1820 trat wieder eine positive Entwicklung für die Stadt ein, ein Lehrerseminar und eine Taubstummenschule wurden eröffnet. Die Einwohnerzahl stieg auf 3500. Die Kanalisierung der Angerapp und der Ausbau des Hafens 1856 ließen das Gewerbe der Stadt weiter expandieren. Allerdings musste es die Stadt hinnehmen, dass 1858 die Garnison verlegt wurde. Auch das Landgericht und die Staatsanwaltschaft zogen von Angerburg weg, weil der Kreistag die Anbindung der Stadt an das neu entstehende Landstraßennetz und die Eisenbahn verhinderte. In Angerburg bestand bis 1824 das Stadt- und Amtsgericht Angerburg. 1824 wurde daraus das Land- und Stadtgericht Angerburg gebildet. Ab 1849 bestand das Kreisgericht Angerburg und ab 1879 das Amtsgericht Angerburg im Sprengel des Landgerichts Lyck.

Erst als 1898 endlich ein Bahnanschluss geschaffen wurde, konnte sich Angerburg als Handelszentrum etablieren. Große Bedeutung erfuhr die Stadt durch die Errichtung der Behindertenanstalt Bethesda, durch die sie deutschland- und europaweit bekannt wurde. Im 1842 gegründeten Verlag Priddat erschien die Zeitung Bote am Mauersee. Im Jahre 1886 wurde eine zweite Druckerei gegründet, die von 1905 an die Angerburger Kreiszeitung herausbrachte. Diese beiden Zeitungen wurden 1936 zwangsweise vereinigt.<ref>Bernd Braumüller, Erich Pfeiffer: Heimat am Mauersee, Ein Bildband über den Kreis Angerburg/Ostpreußen. Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Angerburg, Rotenburg (Wümme) 1977, S. 85.</ref>

20. Jahrhundert

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Angerburg wieder Garnisonsstadt. Zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung auf 5800 Einwohner gestiegen. Bei der Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914 kam es in der Umgebung Angerburgs zu heftigen Kämpfen. In der Nähe von Angerburg liegt der deutsch-russische Soldatenfriedhof Jägerhöhe. Nach Kriegsende wurde der aus Danzig stammende Architekt Curt Hempel nach Angerburg entsandt, wo er den Wiederaufbau der Stadt nach den Kriegszerstörungen leitete.<ref>Piotr Zygmunt Kowalski, Dawny gmach starostwa w Tczewie jako przyczynek do badań nad nowoczesną formą artystyczną u progu XX wieku, „Architektura Miast. Zbiór studiów“, t. XI, Architektura obiektów administracji państwowej i samorządowej w XIX I XX wieku, red. Bogna Derkowska-Kostkowska, Mateusz Soliński, Bydgoszcz 2024, s. 161.</ref> Der Krieg beeinträchtigte die Stadt nur wenig, und nach seinem Ende wuchs sie durch neue Siedlungsbauten.

Durch die Aufnahme eines regelmäßigen Schiffsverkehrs auf der Angerapp entstand mit dem Fremdenverkehr ein neuer Wirtschaftszweig. Angerburg war ein Zentrum des deutschen Eissegelns. Mehrfach wurden Europameisterschaften auf dem Mauersee durchgeführt.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref>

Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 lebten 7700 Menschen in der Stadt, die zunächst vom Einzug eines Reiterregimentes profitierte. Durch Eingemeindungen wuchs Angerburg weiter an, bei der letzten deutschen Volkszählung 1939 wurden 9846 Einwohner ermittelt.

Als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Rote Armee näher rückte, wurde Angerburg, anders als die östliche Nachbarstadt Goldap, nicht von der deutschen Wehrmacht verteidigt, sondern im Zuge einer Frontbegradigung von ihr aufgegeben. Dadurch konnten die Einwohner planmäßiger als andernorts die Flucht antreten. Da die Rote Armee bereits auf Elbing vorgestoßen und Ostpreußen abgeschnitten war, blieb den meisten Angerburgern nur die Flucht über das Frische Haff oder den Seehafen Pillau. Am 25. Januar 1945 besetzte die Sowjetarmee kampflos die verlassene Stadt und brannte sie zu einem großen Teil nieder. In der Altstadt blieben nur wenige Gebäude erhalten. Der Stadtkern wurde zu etwa 80 % zerstört.

Im März 1945 unterstellte die Rote Armee die Stadt unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen. Diese benannte Angerburg zunächst in Węgobork, dann in Węgorzewo um und unterzog die vorgefundenen Einwohner im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa einer „Verifizierung“, die, verbunden mit der Besiedlung durch Polen, einen nahezu völligen Bevölkerungswechsel zur Folge hatte. Unter den Neusiedlern waren zahlreiche Ukrainer aus den Beskiden.

Nach dem Ende der Volksrepublik 1989 gewann der Ort vor allem an Bedeutung für den Fremdenverkehr der Masurischen Seenplatte.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 Vorlage:02213 ohne die Garnison (ein Bataillon Infanterie)<ref>Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 41; Vorlage:Archive.org.</ref>
1802 Vorlage:02182 <ref name="AAM">Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 248–255, Ziffer 14 (Google Books).</ref>
1810 Vorlage:02187 <ref name="AAM" />
1816 Vorlage:02647 davon 2583 Evangelische, 60 Katholiken und vier Juden<ref name="AAM" />
1821 Vorlage:02813 in 248 Privatwohnhäusern, Kreisstadt mit bedeutender Fischerei, Herstellung von grobem Wollzeug<ref name="AAM" />
1831 Vorlage:02777 Kreisstadt, mit einer Kirche, einer Höheren Bürgerschule und 247 Häusern; Einwohner betreiben Wollweberei, Holzhandel und Fischerei und veranstalten vier Kram-, Vieh- und Pferdemärkte sowie einen Leinwandmarkt; Garnison des 3. Bataillons des 3. Landwehrregiments;<ref>Georg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 638 (Google Books).</ref> nach anderen Angaben Stadt (Wengobork) mit 2971 Einwohnern und 245 Wohngebäuden<ref name="Schlieben" >Wilhelm Ernst August von Schlieben: Neuestes Gemälde der Preußischen Monarchie. Sammer, Wien 1834, S. 270 (Google Books).</ref>
1852 Vorlage:03718 einschließlich des Gutsbezirks (105 Einwohner) und der Cariusschen Besitzung (73 Einwohner)<ref>Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 11 (Google Books).</ref>
1867 Vorlage:04197 am 3. Dezember<ref name="KSB">Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 284–285.(Google Books).

</ref>

1871 Vorlage:04005 am 1. Dezember, 3906 Evangelische, 25 Katholiken, zwei sonstige Christen und 72 Juden<ref name="KSB" />
1875 Vorlage:04108 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 Vorlage:04327 <ref name="MR" />
1885 Vorlage:04425 davon 4322 Evangelische, 18 Katholiken, 20 sonstige Christen und 65 Juden<ref>Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preussen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, Band I: Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 322–323, Ziffer 1 (Google Books).</ref>
1890 Vorlage:04301 <ref name="MR" />
1895 Vorlage:04509 davon 4390 Evangelische, 16 Katholiken, 44 sonstige Christen und 59 Juden<ref>Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preussen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, Band I: Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 316–317, Ziffer 1 (Google Books).</ref>
1900 Vorlage:05034 meist evangelische Einwohner, Kreisstadt mit einer evangelischen Kirche, einem Schullehrerseminar, einer landwirtschaftlichen Winterschule, einem gräflich Lehndorffschen Feierabendhaus, einem Invalidenheim (‚Krüppelheim‘), Maschinen- und Ofenfabrikation<ref name="MKL">Angerburg, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 1: A–Astigmatismus. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905, S. 518 (Zeno.org).</ref>
1910 Vorlage:05754 am 1. Dezember, Stadt mit einer evangelischen Kirche, einer Höheren Knabenschule, einer Realschule für Mädchen, einem evangelischen Lehrerseminar, einer gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschule, vier Bankhäusern und Sparkassen sowie Zement-, Essig-, Mineralwasser-, Maschinen-, Tonwaren-, Hartstein- und Malzfabrikation;<ref name="mgaz" >Angerburg, rechts der schiffbaren Angerapp, Kreisstadt, Regierungsbezirk Gumbinnen, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Angerburg (meyersgaz.org).</ref> nach anderen Angaben 5855 Einwohner<ref name="MR" />
1925 Vorlage:06911 <ref name="MR" />
1933 Vorlage:07823 <ref name="MR" />
1939 Vorlage:09846 davon 9198 Evangelische, 324 Katholiken, 120 sonstige Christen und 16 Juden<ref name="MR" />
Bevölkerungsentwicklung seit 1945
Jahr 2007 2024
Einwohner 11.634<ref name="GUS2007">Vorlage:Webarchiv Główny Urząd Statystyczny, Stand 31. Dezember 2007</ref> 10.563

Kirche

Vor 1478 hatte der Flecken Angerburg noch keine eigene Kirche; die Einwohner waren auf die Kirche in Engelstein angewiesen, die wohl die älteste der Region war.<ref>Max Toeppen: Geschichte Masurens. Danzig 1870, S. 168; Vorlage:Archive.org.</ref><ref>J. F. Penski: Versuch einer Zusammenstellung der schriftlichen und mündlichen Nachrichten einiger Prediger und Einwohner Engelsteins zur Chronik der dasigen Kirche. In: Preußische Provinzial-Blätter, 1839, Band 22, S. 270–273; Königsberg books.google.de</ref> 1489 erteilte der ermländische Bischof Lucas Watzenrode die Genehmigung zum Bau einer Kapelle in Angerburg.

Evangelisch

Kirchengebäude

Pfarrkirche

Vorlage:Hauptartikel

Datei:Węgorzewo, kościół św. Piotra i Pawła (Angerburg).jpg
Kirche St. Peter und Paul
Datei:Węgorzewo Kościół Świętych Piotra i Pawła 016.jpg
Blick auf den Schnitzaltar von 1652 eines Königsberger Meisters in der Pfarrkirche

Eine Kirche aus Holz errichtete man bereits im Jahre 1528.<ref name="ostpreussen">Pfarrkirche St. Peter und Paul und katholische Kirche Zum Guten Hirten. ostpreussen.net</ref> Sie wurde 1605 bis 1611 durch einen Backsteinbau ersetzt – der letzten Kirche gotischen Stils in Ostpreußen.<ref name="Hubatsch2">Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 87–89, Abb. 345–347.</ref> Das Gotteshaus hat einen dreiseitig geschlossenen Chor und einen vorgesetzten Westturm. Der reich geschnitzte Altar stammt aus dem Jahr 1652 und wurde von einer Königsberger Werkstatt gefertigt. Die Orgel stammt aus 1647/48 und der Werkstatt von Joachim Thiele in Rastenburg (Vorlage:PlS). Im frühen 18. Jahrhundert erweiterte man die Kirche durch einen Anbau von Querflügeln.<ref name="ostpreussen" /> Der Turm wurde 1743 erhöht, seine Haube mit Laterne erhielt er 1826. Die Kirche ist heute ein Gotteshaus der Römisch-katholischen Kirche und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.<ref name="diecezja">Pfarrei St. Peter und Paul. Website des Bistums Ełk.</ref>

Kreuzkirche

Vorlage:Hauptartikel In den Jahren 1930 bis 1933 wurde der Neubau der Anstaltskirche des Angerburger „Krüppelheims“ errichtet und am 2. Oktober 1933 eingeweiht, der man den offiziellen Titel „Bethesda-Jubiläums-Kreuzkirche“ gab. Sie dient heute als Gotteshaus der Griechisch-katholischen Kirche.

Kirchengemeinde

Schon bald nach Einführung der lutherischen Reformation wurde im Jahre 1528 in Angerburg eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.<ref name="Hubatsch3">Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 476</ref> Hier nahmen zwei Geistliche ihren Dienst auf, verstärkt um einen Hilfsprediger zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<ref name="Moeller">Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 16</ref> Bis 1726 war die Kirchengemeinde in die Inspektion Rastenburg (Kętrzyn) eingegliedert, bis 1945 war Angerburg dann Sitz und namensgebend für einen eigenen Kirchenkreis (Synode) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Zur Kirchengemeinde Angerburg gehörten im Jahre 1925 insgesamt 10.000 Gemeindeglieder, von denen mehr als zwei Drittel in der Stadt lebten. Neben der Stadtkirchengemeinde mit ihrem weitflächigen Kirchspiel gab es seit 1912 die Anstaltsgemeinde der Betreuungseinrichtung „Bethesda“ mit der Kreuzkirche.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Kriegsfolge ließen 1945 das kirchliche Leben der evangelischen Gemeinden zum Erliegen kommen. Heute leben nur wenige evangelische Einwohner in Węgorzewo, die von der Pfarrei in Giżycko (Lötzen) als Filialgemeinde betreut werden. Sie gehört zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Die der griechisch-katholischen Gemeinde gehörende Kreuzkirche dient ihnen in Mitbenutzung als Gotteshaus.

Kirchenkreis Angerburg

Bis 1945 war Angerburg Sitz einer Superintendentur für einen Kirchenkreis mit zehn Pfarreien und elf Gemeinden:

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Ortsname Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Ortsname
Angerburg-Pfarrkirche Węgorzewo Kruglanken Kruklanki
Angerburg-Kreuzkirche Węgorzewo Kutten Kuty
Benkheim Banie Mazurskie Olschöwen Kanitz Olszewo Węgorzewskie
Buddern Budry Possessern Großgarten Pozezdrze
Engelstein Węgielsztyn Rosengarten-
Doben
Radzieje
Doba

Römisch-katholisch

Kirchengebäude

Kirche Zum Guten Hirten

Im Jahre 1913 wurde in Angerburg eine erste katholische Kirche errichtet und „Kirche Zum Guten Hirten“ (Vorlage:PlS) genannt. Bis heute dient sie als römisch-katholisches Gotteshaus. Am 9. Juni 2013 wurde mit einem Festgottesdienst das 100-jährige Bestehen gefeiert.

Kirche St. Peter und Paul

Vorlage:Hauptartikel Nach 1945 übernahm die Römisch-katholische Kirche in Polen die bisher der evangelischen Gemeinde gehörende aus dem 17. Jahrhundert stammende Pfarrkirche. Sie war nur unwesentlich im Kriege in Mitleidenschaft gezogen worden, dennoch wurden in der Folgezeit Restaurierungsarbeiten erforderlich. Sie ist heute die größte katholische Kirche in Węgorzewo und den Aposteln Peter und Paul (Vorlage:PlS) gewidmet.<ref name="diecezja" />

Kirche der Muttergottes von Fatima

In den Jahren 1988/89 erbaut konnte die jüngste aller Kirchen in Węgorzewo am 27. Juni 1989 von Bischof Edmund Piszcz geweiht werden. Die ist der Gottesmutter von Fatima gewidmet (Vorlage:PlS).

Pfarrgemeinden

Eine katholische Pfarrgemeinde existierte in Angerburg erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie gehörte zum Bistum Ermland und war für etwa 200 Gemeindeglieder in Angerburg und Umgebung zuständig. Heute gibt es in Węgorzewo drei Pfarrgemeinden, die im Dekanat Węgorzewo mit sechs Umlandgemeinden zusammengeschlossen sind. Es ist Teil des seit 1992 bestehenden Bistums Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Dekanat Węgorzewo

Das Dekanat Węgorzewo ist eines von 21 Dekanaten im Bistum Ełk. Ihm sind neun Pfarrgemeinden zugeordnet:

Name Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1945
Budry Buddern
Kuty Kutten
Olszewo Węgorzewskie Olschöwen Kanitz
Pozezdrze Possessern Großgarten
Radzieje Rosengarten
Węgielsztyn Engelstein
Węgorzewo (Zum Guten Hirten) Angerburg
Węgorzewo (St. Peter und Paul) Angerburg
Węgorzewo (Muttergottes von Fatima) Angerburg
Datei:Węgorzewo, cerkiew greckokatolicka.jpg
Griechisch-katholische Kreuzkirche

Griechisch-katholisch

Vorlage:Hauptartikel In Węgorzewo besteht eine Gemeinde der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche. Ihr Gotteshaus ist die frühere Bethesda-Anstaltskirche, die ihren früheren Namen „Kreuzkirche“ (Vorlage:PlS) beibehalten konnte. Sie war vorübergehend im Besitz der Evangelischen Kirche, die sie jedoch der Griechisch-katholischen Gemeinde übereignete. Dafür dürfen hier auch evangelische Gottesdienste stattfinden.

Wappen

Blasonierung: „In Blau ein wachsender, quadratischer, über Eck gestellter, silberner Zinnenturm mit schwarzgefugtem, vorkragendem Sockel und rotem Zeltdach, roter Turmkugel und silberner, links abwehender Windfahne, rechtsseitig drei Bogenfenster 2:1, oben schwarz, unten silbern, auf der Frontseite ein geteilter Schild bis über die Sockelkante, oben in Silber ein wachsender, goldbewehrter Adler mit goldenen Kleestängeln, unten von Silber und Schwarz geviert.“

Wappenerklärung: Der rote Adler weist auf den Markgrafen von Brandenburg hin, das silber-schwarze Schachbrettmuster auf die Hohenzollern. In ähnlicher Form werden diese Symbole auch in den Wappen der nahe gelegenen Gemeinden Gołdap und Olecko (Treuburg) verwendet. - Das Stadtwappen wurde durch Herzog Albrecht Friedrich von Preußen im Jahre 1571 erteilt.

Sehenswürdigkeiten

Veranstaltungen

  • Seven Festival: Musikveranstaltung mit Rock-Konzerten über 4 Tage im Sommer in Węgorzewo.

Gemeinde

Vorlage:Hauptartikel Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Węgorzewo mit einer Fläche von 341,1 km² gehören die Stadt selbst und 35 Dörfer mit Schulzenämtern.

Wirtschaft und Verkehr

Datei:Masovias 99. Stiftungsfest.jpg
Ausflugsdampfer Angerburg (1929)

Die Wirtschaft belebte sich nach dem 1880 gegründeten Siechen- und Krüppelheim, den »Wohltätigkeitsanstalten Bethesda« und nach 1920 durch den Eissegelsport auf dem Mauersee bzw. Schwenzaitsee.

Als Industriestadt hat Angerburg vor 1945 nie größere Bedeutung gehabt, sondern vor allem als regionales Dienstleistungszentrum. Bekanntester Betrieb war die Fischbrutanstalt, in der vor allem Maränen und Aale gezüchtet wurden. Der Tourismus entwickelte sich hier schon recht früh und ist heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Die Grenzziehung von 1945 schnitt Angerburg hart vom nördlichen Umland ab.

Nach Stilllegung des Personenverkehrs nach Kętrzyn (Rastenburg) hat die Stadt heute keinen Bahnanschluss mehr. Die Verbindungen nach Gołdap (Goldap) und Giżycko (Lötzen) wurden bald nach Kriegsende demontiert und nicht wieder aufgebaut, die Strecken nach Gussew (Gumbinnen) und Schelesnodoroschny (Gerdauen) wurden durch die Grenze unterbrochen. Węgorzewo ist mit der Dampfern der Weißen Flotte, per Haus- und Segelboot erreichbar. Auch der Stadthafen ist wieder befahrbar.

Im Bahnhofsgebäude in Węgorzewo wurde am 16. September 2017 das 110. Jubiläum zur Eröffnung der Bahnstrecke Rastenburg–Angerburg sowie der 10. Jahrestag des Bestehens des im Bahnhofsgebäude untergebrachten Eisenbahnmuseums gefeiert.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Vorlage:Siehe auch

Persönlichkeiten

In der Stadt geboren

Mit der Stadt verbunden

  • Otto Streicher (1882–1945), Architekt und sozialdemokratischer Landrat, umgekommen in KZ Auschwitz
  • Berthold Beitz (1913–2013), Unternehmer, wuchs zum Teil in Angerburg auf.

Siehe auch

Literatur

  • Angerburg, rechts der schiffbaren Angerapp, Kreisstadt, Regierungsbezirk Gumbinnen, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Angerburg (meyersgaz.org).
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 308–311 (Google Books).
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 40–41; Vorlage:Archive.org.
  • Nachrichten über den Unterstützungsverein für verwaisete und arme Kindern zu Angerburg. In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 2, Königsberg 1829, S. 539–553 (Google Books).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 56–57, Nr. 20; Vorlage:Archive.org.
  • O. W. L. Richter: Zur Geschichte der Stadt Angerburg (1750–1831). In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 20, Königsberg 1838, S. 200–222 (Google Books).
  • Max Toeppen: Geschichte Masurens. Ein Beitrag zur preußischen Landes- und Kulturgeschichte. 1870 (540 Seiten); Nachdruck 1979, S. 111–112 (Google Books), und S. 304–306 (Google Books).
  • Adolf Bötticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft VI: Masuren, Königsberg 1896. S. 7–20 (Google Books).
  • Johannes Zachau: Chronik der Stadt Angerburg. Priddat, Angerburg 1921.
  • Walter Grunert: Angerburg. In Erich Weise (Hrsg.): Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 4 f. (= Handbuch der historischen Stätten, Kröners Taschenausgabe, Band 317).
  • Vorlage:MerianTopo

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Navigationsleiste Gmina Węgorzewo

Vorlage:Normdaten