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Hermann Esser

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Hermann Esser (1933)
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Signatur (1940)

Hermann Oskar Esser (* 29. Juli 1900 in Röhrmoos bei Dachau; † 7. Februar 1981 in Dietramszell) war ein nationalsozialistischer Journalist und Politiker. Als einer der frühesten Gefolgsleute und Freunde Adolf Hitlers bekleidete er während der Weimarer Republik bis 1926 einflussreiche Positionen in der NSDAP, zuletzt als Reichspropagandaleiter, verlor aber nach der Bamberger Führertagung 1926 zunehmend an Einfluss. In der Zeit des Nationalsozialismus war er kurzzeitig bayerischer Wirtschaftsminister sowie von 1939 bis 1945 Staatssekretär für Fremdenverkehr im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Nach Kriegsende kam er für ein Jahr in Haft und lebte dann unbehelligt in Bayern.

Leben

Jugend

Esser war ein Sohn des Oskar Peter Esser (1873–1945) und seine Ehefrau Auguste, geb. Sörgel (1876–1960). Der Vater war Eisenbahndirektor in Kempten. Dort besuchte Esser die Volksschule und das Humanistische Gymnasium Kempten.

Im Juli 1917, während des Ersten Weltkriegs, meldete Esser sich freiwillig zur bayerischen Armee. Er kam im August 1917 zunächst zum 9. bayerischen Feldartillerie-Regiment in Landsberg. In der Schlussphase des Krieges wechselte er 1918, seit Januar 1918 im Rang eines überzähligen Gefreiten stehend, ins 19. bayerische Feldartillerie-Regiment.<ref>Joachim Lilla/ u. a.: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924, 2004, S. 128.</ref>

Ob er im Krieg an der Front kämpfte, ist laut dem Historiker Othmar Plöckinger ungeklärt.<ref>Vorlage:Deutsche Biographie
Anders: Esser, Hermann. In: Verwaltungshandbuch der Bayerischen Landesbibliothek, bayerische-landesbibliothek-online.de; abgerufen am 23. Februar 2012.</ref> 1918 legte er ein Notabitur ab.<ref name="verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de">Esser, Hermann. In: Verwaltungshandbuch der Bayerischen Landesbibliothek, bayerische-landesbibliothek-online.de; abgerufen am 23. Februar 2012.</ref> Nach der Demobilisierung war er für kurze Zeit Mitglied der USPD.<ref>Gerhard Schulz: Aufstieg des Nationalsozialismus. Krise und Revolution in Deutschland. Propyläen Verlag, Frankfurt am Main 1975, S. 199.</ref> 1919 nahm Esser ein Studium der Zeitungswissenschaft auf und volontierte bei der sozialdemokratischen Zeitung Allgäuer Volkswacht (Kempten).<ref name="verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de" /> Er wurde Mitglied der Burschenschaft Danubia München.<ref>Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 1: A–E. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-8253-0339-X, S. 265.</ref>

Im Mai 1919 nahm er als Angehöriger des Freikorps Schwaben an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik teil.<ref name="verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de" /> Im Sommer 1919 besuchte der 19-Jährige einen antibolschewistischen Aufklärungskurs der Propagandaabteilung der bayrischen Reichswehr und beschwerte sich anschließend bei deren Leiter, Hauptmann Karl Mayr, dass die Kursleitung die „Judenfrage“ nicht angesprochen hatte. Besonders interessierte er sich für „jüdische Finanzer“. Mayr bat Esser daraufhin lediglich, sein Temperament zu zügeln.<ref>Othmar Plöckinger: Unter Soldaten und Agitatoren. Hitlers prägende Jahre im deutschen Militär 1918–1920. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77570-2, S. 271.</ref> Anschließend wurde er Mayrs Pressereferent. Hier lernte er Adolf Hitler kennen, mit dem er gemeinsam im Auftrag der Propagandaabteilung Vortragsabende verschiedener Gruppen und Verbände besuchte. Durch Mayr lernten die beiden auch die völkisch-antisemitische Deutsche Arbeiterpartei (DAP) kennen und traten ihr bei.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-73527-1, S. 45 f.</ref>

In der Weimarer Republik

Frühzeit der NSDAP

Am 8. März 1920 trat Esser der im Monat zuvor gegründeten NSDAP bei;<ref name="verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de" /><ref>Albrecht Tyrell (Hrsg.): Führer befiehl… Selbstzeugnisse aus der „Kampfzeit“ der NSDAP. Grondrom Verlag, Bindlach 1991, S. 22.</ref> seine Mitgliedsnummer war 881, wobei jedoch zu beachten ist, dass als erste offizielle Nummer die 501 vergeben worden war, um eine größere Mitgliederzahl der Partei vorzutäuschen. Von September 1920 an veranstaltete der Zwanzigjährige mit zunehmender Regelmäßigkeit an den Wochenenden Werbeveranstaltungen für die NSDAP in verschiedenen Orten Bayerns. In der ersten Jahreshälfte 1921 hielt er über dreißig solcher Veranstaltungen ab, und zwar in Orten, wo sich eventuell früher schon Interesse für den Nationalsozialismus gezeigt hatte.<ref>Albrecht Tyrell: Vom Trommler zum Führer. Der Wandel von Hitlers Selbstverständnis zwischen 1919 und 1924 und die Entwicklung der NSDAP. Wilhelm Fink Verlag, München 1975, S. 67.</ref> Gegen Ende des Jahres 1920 half er mit, als die NSDAP den Völkischen Beobachter erwarb, und wurde im Frühjahr 1921 gemeinsam mit Alfred Rosenberg einer der Redakteure („Schriftleiter“) der damals wöchentlich erscheinenden Zeitung.<ref>Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Augsburg 2008, S. 140.
Vorlage:Deutsche Biographie</ref> Hier veröffentlichte er schlüpfrige Skandalgeschichten mit antisemitischer Tendenz: Immer waren es Juden, denen er unsittliches Verhalten und andere Verfehlungen in die Schuhe schob.<ref>Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. Anhänger, Mitläufer, Gegner aus Politik, Wirtschaft, Militär, Kunst und Wissenschaft. Harnack, München 1983, S. 68.</ref> Damit trug er wesentlich zur Bekanntheit der NSDAP und namentlich Hitlers in München bei.<ref name="Auerbach 21">Hellmuth Auerbach: Hitlers politische Lehrjahre und die Münchener Gesellschaft 1919–1923. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1979, 25, Heft 1, S. 1–45, hier S. 21.</ref>

Esser war neben Ernst Röhm, Julius Streicher, Christian Weber und Dietrich Eckart einer der nur fünf Gefolgsleute Hitlers, mit denen er sich duzte.<ref>Andreas Dornheim: Röhms Mann fürs Ausland. Politik und Ermordung des SA-Agenten Georg Bell. LIT, Münster 1998, S. 65 f.</ref> Diese Männer, zu denen noch Max Amann, Rudolf Heß und Alfred Rosenberg stießen, trafen sich regelmäßig im Café Neumayr am Münchner Viktualienmarkt.<ref name="Auerbach 21" /> Sie waren zumeist Berufslose oder im bürgerlichen Leben Gescheiterte und bildeten eine Clique um Hitler, den sie als „Führer“ bedingungslos bewunderten, bewachten, für den sie Kontakte herstellten und den sie beim Aufbau der nationalsozialistischen Bewegung unterstützten. Indem Hitler meist umgeben von dieser Entourage auftrat, grenzte er sich von allen anderen Mitgliedern der NSDAP ab.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 36 und 44.</ref> Typisch für diesen Kreis war ihr durchweg radikaler Antisemitismus.<ref>Hans Mommsen: Das NS-Regime und die Auslöschung des Judentums in Europa. Wallstein, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1395-8, S. 107 f.</ref>

Hitler und Esser waren 1921 mit dem Vorsitzenden der NSDAP, Anton Drexler, sehr unzufrieden und erwogen bereits die Gründung einer eigenen Partei.<ref>Albrecht Tyrell: Vom Trommler zum Führer. Der Wandel von Hitlers Selbstverständnis zwischen 1919 und 1924 und die Entwicklung der NSDAP. Wilhelm Fink Verlag, München 1975, S. 123.</ref> Stattdessen aber trat Hitler im Juli 1921 aus der NSDAP, deren wichtigster Propagandaredner er mittlerweile war, aus. Für seinen Wiedereintritt verlangte er ultimativ den Parteivorsitz und diktatorische Befugnisse innerhalb der NSDAP. Auch bei diesem Coup stand Esser, den die Parteileitung in der Zwischenzeit aus der Partei ausgeschlossen hatte, an Hitlers Seite. Bei der Parteiversammlung im Hofbräuhaus am 29. Juli 1921, auf der Hitler zum Vorsitzenden gewählt und die Parteisatzung entsprechend geändert wurde, begrüßten die 554 anwesenden Nationalsozialisten Esser und ihn mit „nicht enden wollendem Beifall“.<ref>Albrecht Tyrell: Vom Trommler zum Führer. Der Wandel von Hitlers Selbstverständnis zwischen 1919 und 1924 und die Entwicklung der NSDAP. Wilhelm Fink Verlag, München 1975, S. 129 f.</ref>

Propagandaleiter in der frühen NSDAP (1921 bis 1923)

Für seine Treue wurde Esser 1921 zum ersten Propagandaleiter der NSDAP berufen. In diesem Amt trug er wesentlich zur Verbreitung des Führermythos um Hitler bei.<ref name="NDB">Vorlage:Deutsche Biographie</ref> Er galt als einer der wenigen guten Redner der NSDAP<ref name="Görtemaker 88">Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 88.</ref> und beteiligte sich wiederholt daran, Versammlungen anderer Parteien gewaltsam zu sprengen, deren Anhänger er als Juden oder „Judenzer“ beschimpfte.<ref>Wolfram Selig: Esser, Hermann. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 217.</ref> Am 12. Januar 1922 wurde er wegen Landfriedensbruchs, Erregung öffentlichen Ärgernisses und Körperverletzung zu 100 Tagen Haft verurteilt. Gemeinsam mit Hitler und weiteren Nationalsozialisten hatte er am 14. September 1921 eine Versammlung des föderalistischen Bayernbundes im Münchner Löwenbräukeller gewaltsam gesprengt. Dessen Vorsitzender, der kriegsversehrte Otto Ballerstedt, war dabei schwer am Kopf verletzt worden.<ref>Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel (Hrsg.): Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, München 2016, Bd. 2, S. 1416.</ref> Am 3. November 1922 erklärte Esser, inspiriert vom Marsch auf Rom der italienischen Faschisten wenige Tage zuvor, das sei auch in Deutschland möglich: „Den Mussolini Italiens haben wir auch in Bayern. Er heißt Adolf Hitler.“ Nach einer anderen Quelle nannte er ihn nicht nur Bayerns, sondern „Deutschlands Mussolini“.<ref>Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP 1920–1945. 3. Auflage, PapyRossa, Köln 2009, S. 77.</ref> Einen Monat später erklärte der Völkische Beobachter Hitler – ebenfalls in Anlehnung an den italienischen „Duce“ – zum Führer nicht mehr nur der Partei, sondern für ganz Deutschland.<ref>Hans-Ulrich Thamer: Verführung und Gewalt. Deutschland 1933–1945. Siedler Verlag, Berlin 1994, S. 95.</ref>

Vor der Ruhrbesetzung durch französische Truppen 1923 forderte Esser, 500.000 Juden zu verhaften und zu erschießen, sollte nur ein einziger ausländischer Soldat deutschen Boden betreten. Diesem Vorschlag lag die Wahnidee zugrunde, die deutschen Juden wären insgeheim mit dem Ausland verbündet und eigneten sich daher als Geiseln, um andere Mächte zu beeinflussen. (Ähnliche Vorstellungen finden sich noch in Hitlers Rede vor dem Deutschen Reichstag am 1. September 1939.<ref>Hans Mommsen: Hitler’s Reichstag Speech of 30 January 1939. In: History and Memory 9, Heft 1/2 (1997), S. 147–161, hier S. 150 f.</ref>)

Am 5. Juli 1923 heiratete Esser in erster Ehe Therese Deininger (1901–1955).<ref>Hans Peter Bleuel: Das saubere Reich. Theorie und Praxis des sittlichen Lebens im Dritten Reich, 1972, S. 171.</ref> Nach der standesamtlichen Trauung beim Standesamt München IV folgte eine kirchliche Trauung im katholischen Ritus bei der St. Rupertuskirche am Kiliansplatz. Als Trauzeugen wirkten Adolf Hitler und Anton Drexler an der Zeremonie mit.<ref>Derek Hastings: Catholicism and the Roots of Nazism. Religious Identity and National Socialism, 2011, S. 107;Heike B. Görtemaker: Eva Braun. Leben mit Hitler. C.H. Beck, München 2010, S. 15.</ref> Aus dieser Ehe gingen zwei 1924 und 1926 geborene Söhne hervor, für die Hitler und Ernst Röhm die Patenschaften übernahmen. Der zweite Sohn war der später als Tourismusmanager bekannt gewordene Ernst Esser.<ref>Hans Peter Bleuel: Das saubere Reich. Die verheimlichte Wahrheit. Eros und Sexualität im Dritten Reich. Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S. 189.</ref>

Beim Hitler-Putsch im November 1923 spielte Esser keine besondere Rolle: Zwar war er in die konspirativen Vorbereitungen eingebunden, während der entscheidenden Tage war er aber an Gelbsucht erkrankt.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 77.</ref> Nachdem der Putsch rasch niedergeschlagen worden war, floh er nach Österreich.<ref>Albrecht Tyrell (Hrsg.): Führer befiehl… Selbstzeugnisse aus der „Kampfzeit“ der NSDAP. Grondrom Verlag, Bindlach 1991, S. 70.</ref> Im Mai 1924 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde wegen illegalen Grenzübertritts und Landfriedensbruchs zu drei Monaten Haft verurteilt.<ref>Albrecht Tyrell (Hrsg.): Führer befiehl… Selbstzeugnisse aus der „Kampfzeit“ der NSDAP. Grondrom Verlag, Bindlach 1991, S. 70.</ref>

In der Großdeutschen Volksgemeinschaft (1924/1925)

Nach seiner Freilassung engagierte Esser sich in der Großdeutschen Volksgemeinschaft (GVG), einer der Nachfolgeorganisationen für die verbotene NSDAP, und konnte gemeinsam mit Julius Streicher deren Gründer Rosenberg von der Parteispitze verdrängen,<ref>Albrecht Tyrell (Hrsg.): Führer befiehl… Selbstzeugnisse aus der „Kampfzeit“ der NSDAP. Grondrom Verlag, Bindlach 1991, S. 70.</ref> mit dem er schon in ihrer gemeinsamen Zeit beim Völkischen Beobachter rivalisiert hatte.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 49.</ref> Regelmäßig besuchte er Hitler im Festungsgefängnis Landsberg.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 82.</ref> Gegen die Konkurrenz der GVG, die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung, polemisierte Esser 1924, deren Vorsitzender Erich Ludendorff habe sowohl im Weltkrieg als auch beim Putsch versagt. Die Vorwürfe, die in der als „alljüdisch“ geltenden Frankfurter Zeitung veröffentlicht worden waren, sorgten für erhebliche Empörung im völkischen Lager.<ref>Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches. Adolf Hitlers „Mein Kampf“ 1922–1945. Oldenbourg, München 2011, S. 63.</ref> Ein Treffen der verschiedenen nationalsozialistischen Splittergruppen, das am 20. Juli 1924 in Weimar abgehalten wurde, brachte keine Einigung: Zu verschieden waren die Vorstellungen zu Fragen der Parlamentstaktik oder der Führung.<ref>Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP 1920–1945. PapyRossa, Köln 2009, S. 93.</ref>

Streicher und Esser kritisierten beim Einigungsparteitag knapp einen Monat später, eine „Nationalsozialistische Freiheitsbewegung Großdeutschland“ mit einem Triumvirat Strasser–Ludendorff–Graefe wahre die Hegemonie Hitlers nicht. Aber trotz ihrer „terroristischen Beeinflussungsmethoden“ vermochten sie nicht, die Mitglieder der NS-Gruppierungen zu überzeugen, die meinten, ihre Radikalität gefährde Hitlers Freilassung. Als Streicher auch noch DAP-Versammlungen terrorisieren ließ, wurden Esser und er Anfang August 1924 zunächst von der Landtagsfraktion aus dem Völkischen Block ausgeschlossen und Mitte Oktober aus der völkischen Bewegung. Die beiden verstärkten daraufhin ihre Versammlungs- und Agitationstätigkeit, während viele Ortsgruppen der GVG zur Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung wechselten. Streicher und Esser standen nunmehr in Opposition zu nahezu jeder anderen völkischen Organisation.<ref>Rainer Hambrecht: Der Aufstieg der NSDAP in Mittel- und Oberfranken (1925–1933). (= Nürnberger Werkstücke zur Stadt und Landesgeschichte Bd. 17). Stadtarchiv Nürnberg, Erlangen 1976, S. 72 f., 80 f.; Daniel Roos: Julius Streicher und „Der Stürmer“ 1923–1945. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2014, S. 118.</ref> Gegen die Konkurrenz des Völkischen Blocks, eines weitgehend selbstständigen Regionalverbands der Deutschvölkischen Freiheitspartei, und der fränkischen DAP konnte sich Essers und Streichers GVG nicht durchsetzen.<ref>Hans Mommsen: Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar. 1918–1933. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 978-3-548-26581-0, S. 384.</ref>

Als Hitler am 20. Dezember 1924 aus der Haft in Landsberg entlassen wurde, war fraglich, ob er die Führerschaft über die völkische Bewegung gewinnen würde, die auch Ludendorff beanspruchte. Streicher und Esser waren die einzigen, die ihre Organisation Hitler unterstellen wollten.<ref>Rainer Hambrecht: Der Aufstieg der NSDAP in Mittel- und Oberfranken (1925–1933). (= Nürnberger Werkstücke zur Stadt und Landesgeschichte Bd. 17). Stadtarchiv Nürnberg, Erlangen 1976, S. 85.</ref> Nachdem das NSDAP-Verbot am 9. Februar 1925 aufgehoben worden war, erreichte Hitler auf der Gründungsversammlung der Partei am 27. Februar eine auf offener Bühne demonstrierte Aussöhnung Streichers, Essers und Arthur Dinters auf der einen und Rudolf Buttmanns, Wilhelm Fricks und Gottfried Feders auf der anderen Seite. Rückhalt genoss Hitler aber nur noch in der GVG, die mit ihrer noch einigermaßen intakten Organisation unmittelbar in die NSDAP eingegliedert wurde. Schon am 2. März trat Hitler gemeinsam mit Streicher und Esser auf drei Parallelversammlungen vor insgesamt 4.700 Menschen in Nürnberg auf.<ref>Rainer Hambrecht: Der Aufstieg der NSDAP in Mittel- und Oberfranken (1925–1933). (= Nürnberger Werkstücke zur Stadt und Landesgeschichte Bd. 17). Stadtarchiv Nürnberg, Erlangen 1976, S. 86 f.</ref>

In der neugegründeten NSDAP (1925/1926)

In der im Februar 1925 formal neu gegründeten NSDAP erhielt Esser die Mitgliedsnummer 2.<ref>Wolfram Selig: Esser, Hermann. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 217.</ref> Er war in den völkischen Kreisen Münchens hochumstritten: Anton Drexler, der Gründer der DAP, aus der die ursprüngliche NSDAP hervorgegangen war, weigerte sich beispielsweise, in die neue Partei einzutreten, falls Esser in dieser weiterhin eine größere Rolle spielen sollte.<ref name="Görtemaker 88" /> Esser erhielt zunächst kein Amt in der Partei – nach eigenem Bekunden wollte er die Versöhnung der alten Fronten unter den Nationalsozialisten nicht gefährden.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, ISBN 3-486-56670-9, S. 109.</ref>

Trotz seines schlechten Rufs in der NSDAP, wo Esser wegen seiner ehebrecherischen Liebesaffären als „Lump“ galt, hielt Hitler an ihm fest. Dies ist laut der Historikerin Heike B. Görtemaker mit Essers Loyalität zu erklären, mit seinem rhetorischen Talent und mit seiner Funktion als „Blitzableiter“: Er zog die Kritik aus der Partei auf sich und entlastete dadurch Hitler.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 88 f.</ref>

Nachdem Otto May, der seit März 1925 als Leiter der Propagandaabteilung der Parteileitung der NSDAP (Reichspropagandaleiter) und Propagandachef des Völkischen Beobachters amtiert hatte, nach parteiinternen Querelen aus dieser Stellung im August oder September 1925 ausschied, wurde Hermann Esser sein Nachfolger.<ref name="Schmidt 397">Rainer F. Schmidt: Pionier der Propaganda – Der Kulmbacher Otto May und die Grundlegung der nationalsozialistischen Propaganda. In: Ulrich Wirtz, Franz G. Meußdoerffer (Hrsg.): Rund um die Plassenburg. Studien zur Geschichte der Stadt Kulmbach und ihrer Burg. Freunde der Plassenburg, Kulmbach 2003, ISBN 978-3-925162-21-3, S. 397.</ref> Laut Görtemaker amtierte Esser vom 4. August 1925 bis April 1926 als Reichspropagandaleiter der NSDAP. Laut Rainer F. Schmidt stellte May erst am 30. September seine Tätigkeit als Propagandachef ein, so dass Essers Antritt auf den 30. September oder 1. Oktober 1925 fallen würde.<ref name="Schmidt 397" />

Als Leiter der Propagandaabteilung der NSDAP-Zentrale bildete Esser zusammen mit dem Parteigeschäftsführer Philipp Bouhler und dem Schatzmeister der Partei, Franz Xaver Schwarz, ab August/September 1925 jedenfalls die Geschäftsleitung der Reichsleitung der NSDAP.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 88 f.</ref>

Wie aktiv er in diesem Amt war, ist in der Forschung umstritten. Nach Einschätzung des Historikers Detlef Mühlberger entfaltete er eine nur begrenzte Aktivität.<ref>Detlef Mühlberger: Central Control versus Regional Autonomy. A Case Study in Nazi Propaganda in Westphalia, 1925–1932. In: Thomas Childers (Hrsg.): The Formation of the Nazi Constituency 1919-1933. Routledge, New York 1986, S. 70.</ref> Laut Othmar Plöckinger lancierte er dagegen zahlreiche provokante Aktivitäten, die zu Prozessen und dadurch zu medialer Aufmerksamkeit für die NSDAP beitrugen.<ref name="NDB" /> Gesichert ist, dass Esser als Propagandaleiter das letzte Projekt seines Vorgängers, May, fortführte, das in dem Versuch bestanden hatte, den Einfluss der Gauleiter der NSDAP auf die Propagandaarbeit der Partei zurückzuschrauben und eine direkte Verbindung zwischen der Münchener Parteizentrale (d. h. dem dortigen Propagandachef) und den Ortsgruppen herzustellen. Esser kam mit diesem Projekt aber aufgrund des sich zu dieser Zeit auftuenden Konfliktes der süddeutschen Richtung der NSDAP und dem nord- und westdeutschen Flügel um Gregor Strasser und Joseph Goebbels (siehe hierzu unten) nicht voran, da die norddeutschen Parteikreise die Kooperation verweigerten.<ref name="Schmidt 397" />

Dass Esser die Auseinandersetzungen mit den rivalisierenden nationalsozialistischen Gruppen aus der Zeit des Parteiverbots, namentlich mit dem Völkischen Block, 1925/1926 fortsetzte, verprellte dessen Anhänger und schwächte die NSDAP.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 185.</ref> Hinzu kam seine schwache Organisationsarbeit.<ref name="NDB" /> Dies und Essers „Radaustil“<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 174.</ref> warfen ihm die in Norddeutschland aktiven Nationalsozialisten Gregor und Otto Strasser sowie Joseph Goebbels vor und wehrten sich gegen Vorschriften der Münchner Zentrale und insbesondere Essers. Goebbels notierte am 20. August 1925, Strasser habe ihm „viel Trauriges“ über die „Sau- und Luderwirtschaft“ in der Münchner Parteizentrale berichtet: „Hitler ist von den falschen Leuten umgeben. Ich glaube, Hermann Esser ist sein Verhängnis.“<ref>Zitiert nach Sven Felix Kellerhoff: Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder. Klett-Cotta, Stuttgart 2017, S. 125.</ref> Im November 1925 lernte er bei einer Gautagung in Braunschweig Esser persönlich kennen, den er – wohl wegen seines Zweifingerbarts – für eine Imitation Hitlers ansah: „Geschniegelt und gebügelt. Der kleine Hitler. ‚Wie er sich räuspert, wie er spuckt, das hat er ihm trefflich abgeguckt.‘.<ref>Dies ist ein nur leicht verändertes Zitat aus Friedrich Schillers Wallensteins Lager.</ref> Ein hübscher Bengel. Grauenhaft!“<ref>Joseph Goebbels: Tagebücher 1924–1945. Band 1: 1924–1929. Hrsg. v. Ralf Georg Reuth. Piper, München 1999, S. 203 f.; zitiert bei Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, ISBN 978-1-349-51958-3, S. 25.</ref>

Aufgrund der sich zuspitzenden Differenzen mit München weigerte die Arbeitsgemeinschaft Nordwest um die Gebrüder Strasser und Goebbels sich ab Ende September 1925, Essers Anordnungen in Propagandafragen weiterhin Folge zu leisten. Die von den Strasser-Brüdern und Goebbels gegründete eigene Propagandaorganisation wurde zu dieser Zeit von der Propagandaleitung unter Esser abgekoppelt. Außerdem setzten sie durch, dass Esser seine Anweisungen im Völkischen Beobachter nicht mehr namentlich abzeichnen durfte.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 193 f.</ref>

Die Arbeitsgemeinschaft forderte Essers Ablösung von allen Parteiämtern wegen seiner Frauengeschichten und seinem, dem Image der Partei angeblich abträglichen, Lebenswandels.<ref>Rainer F. Schmidt: Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933-1939, Stuttgart 2002, S. 87ff.</ref> Die Esser-Gegner im Norden konkretisierten ihre Kritik, indem sie Essers Absetzung von seinen Ämtern (oder sogar seinen Parteiausschluss) wegen seines „egoistischen und unvölkischen“ Verhaltens forderten. Hintergrund dieser Vorwürfe waren die ordinäre Ausdrucksweise von Essers Beiträgen im Völkischen Beobachter, die sozialistische Ausrichtung der Norddeutschen Arbeitsgemeinschaft sowie Essers ehebrecherische Beziehung zur Ehefrau eines Nürnberger Parteigenossen und Spenders.

Auch der eigentlich zur Münchener Richtung gehörende Alfred Rosenberg, Essers Nachfolger in der Leitung des Völkischen Beobachters, stimmte im Herbst 1925 in den Chor des Esser-Kritiker ein: Rosenberg zog seine Vorwürfe gegen Esser erst zurück, als Esser ihm mit einer Klage wegen Beleidigung drohte. Auch der Gauleiter von Franken, Streicher, eigentlich ein scharfer Gegner von Gregor Strasser als dem Haupt der Norddeutschen Gruppe, stellte sich (speziell wegen der Affäre zur Frau des Nürnberger Spenders) damals gegen Esser. Esser gab Hitler daraufhin sein „Ehrenwort“, nicht mehr nach Nürnberg zu fahren, hielt sich aber nicht daran, weshalb Hitler ihn als Propagandaleiter entließ.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 193 f.; Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 25.</ref> Hitler nahm Streicher und Esser aber demonstrativ auf Reisen nach Norddeutschland mit. Zeitweise erwog er auch, Streicher im Parteigau Franken durch Esser zu ersetzen.<ref>Rainer Hambrecht: Der Aufstieg der NSDAP in Mittel- und Oberfranken (1925–1933). (= Nürnberger Werkstücke zur Stadt und Landesgeschichte Bd. 17). Stadtarchiv Nürnberg, Erlangen 1976, S. 93.</ref>

Ende Januar 1926 war die Situation so verfahren und die Gefahr einer Parteispaltung derart real, dass Hitler sich entschied, Esser von seinem Posten als Propagandaleiter abzuziehen: Am 1. Februar 1926 wurde an seiner Stelle wieder Otto May provisorisch mit der Leitung der Propagandaabteilung betraut.<ref>Rainer F. Schmidt: Pionier der Propaganda – Der Kulmbacher Otto May und die Grundlegung der nationalsozialistischen Propaganda. In: Ulrich Wirtz, Franz G. Meußdoerffer (Hrsg.): Rund um die Plassenburg. Freunde der Plassenburg, Kulmbach 2003, S. 397.
Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 140 ff.</ref>

Während der kurz darauf folgenden Bamberger Führertagung vom 14. Februar 1926 legte Hitler die Streitereien um Esser in seiner Weise bei: Er erteilte zwar allen nationalbolschewistischen Tendenzen eine Absage, sagte dafür aber zu, Esser ganz aus dem Parteileben zu entfernen, und bot als Gegenleistung für die Auflösung der Arbeitsgemeinschaft Nordwest an, ihre beiden wichtigsten Führer mit wichtigen Funktionärsposten in der Partei abzufinden: Gregor Strasser wurde das Amt des Reichspropagandaleiters in Aussicht gestellt und Goebbels das des Gauleiters der Partei in Berlin. Straßer übernahm das Amt des Propagandaleiters dann im September 1926, nach dem Interregnum Mays (und nachdem es seit Mays Entlassung im Mai 1926 de facto vakant war), anstelle von Esser.<ref>Schmidt: Pionier. S. 397 f. und 400.</ref> Goebbels wurde zudem symbolisch in Essers Propagandadomäne München eingeladen, wo er eine vielbeachtete Rede halten durfte.<ref>Hans-Ulrich Thamer: Verführung und Gewalt. Deutschland 1933–1945, Siedler Verlag, Berlin 1994, S. 139.
Peter Longerich: Joseph Goebbels. Biographie, Siedler, München 2010, ISBN 978-3-88680-887-8, S. 80.</ref>

Esser wurde derweil in einer Sondersitzung des Untersuchungs- und Schlichtungsausschusses der NSDAP ein Jahr „Probezeit“ auferlegt: Wenn er sich bis August 1927 nichts zuschulden kommen lasse, „sollte alles vergessen sein“.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 195.</ref> Die von May im April oder Mai 1925 vorgeschlagene vorzeitige Rehabilitierung lehnte Hitler ab. Rainer F. Schmidt vermutet als Grund, dass Hitler eine Fraternisierung von Esser und May – und damit eine erneute Intrige – witterte und sich keine neuen Probleme mit dem starken norddeutschen Flügel schaffen wollte, indem er Esser zu einem inopportunen Zeitpunkt wieder sichtbar in seine Gunst aufnahm.<ref>Rainer F. Schmidt: Pionier der Propaganda – Der Kulmbacher Otto May und die Grundlegung der nationalsozialistischen Propaganda. In: Ulrich Wirtz, Franz G. Meußdoerffer (Hrsg.): Rund um die Plassenburg. Freunde der Plassenburg, Kulmbach 2003,S. 400.</ref>

Nach der Bamberger Führertagung

Trotz seiner begrenzten Abseits-Stellung Essers im Januar 1926 ließ Hitler den Mann, der seit den Anfängen der Partei sein „Faktotum“<ref>So die Formulierung in Albrecht Tyrell (Hrsg.): Führer befiehl… Selbstzeugnisse aus der „Kampfzeit“ der NSDAP. Gondrom Verlag, Bindlach 1991, S. 16.</ref> war, damals nicht vollends fallen. Er setzte Esser vielmehr wiederholt als Redner auf Reichsparteitagen ein und übertrug ihm 1926 die Herausgeberschaft des Illustrierten Beobachters, der Illustrierten der NSDAP.<ref>Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. Anhänger, Mitläufer, Gegner aus Politik, Wirtschaft, Militär, Kunst und Wissenschaft. Harnack, München 1983, S. 67.</ref> Insgesamt bedeutete die Bamberger Tagung aber den Niedergang Essers in der NSDAP.<ref name="NDB" /> Außerdem wurde ihm am 16. September 1926 die Leitung der Parteikreise Oberbayern und Schwaben übertragen, die er aber bereits im Mai 1927 wegen erneuten Streits mit Hitler wieder verlor. Auch die Münchner Parteigenossen wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 195 f.</ref> Goebbels hielt gleichfalls an seiner Abneigung fest: Im März 1926 nannte er ihn in seinem Tagebuch den „Vampir der Bewegung“ und notierte, an Hitler gerichtet: „Es tut mir in der Seele weh / Daß ich dich in der Gesellschaft seh!“<ref>Claus-Ekkehard Bärsch: Der junge Goebbels. Erlösung und Vernichtung. Wilhelm Fink Verlag, München 2004, ISBN 3-7705-3806-4, S. 155. Abgewandeltes Zitat aus Goethes Urfaust, Szene „Marthens Garten“: „Es tut mir lang schon weh! / Daß ich dich in der Gesellschaft seh.“ (Gretchen über Mephistopheles)</ref>

Zu einem Problem für die Nationalsozialisten wurde in den 1920er Jahren ihr Vorbild, das faschistische Italien. Der Diktator Mussolini verfolgte im deutschsprachigen Südtirol nämlich eine rigide Italianisierungspolitik, weshalb völkische Publizisten zu einem Boykott italienischer Waren aufriefen. Um Hitlers proitalienische Politik zu verteidigen, hielt Esser am 25. Februar 1926 gemeinsam mit Streicher eine Versammlung zum Thema „Südtirol, Mussolini und Held“ ab. Dort behauptete er, der Faschismus habe die Italiener von einem „Volk von Bettlern und Strauchdieben“ zu einer stolzen Nation gemacht. Deswegen werde er bekämpft von der „Dreieinheit der antifaschistischen Front: Hochfinanz, Marxismus und Freimaurertum im Zeichen des Davidsterns“. Es gehe also nicht um Südtirol, sondern um einen „Kampf der heutigen Weltbeherrscher“.<ref>Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel (Hrsg.): Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, München 2016, Bd. 2, S. 1180.</ref> 1927 veröffentlichte Esser seine antisemitische Hetzschrift Die jüdische Weltpest, die in der Zeit des Nationalsozialismus mehrere Neuauflagen erlebte.<ref>Auch zum Folgenden Angelika Benz: Die jüdische Weltpest (Hermann Esser, 1927). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 6: Schriften und Periodika. De Gruyter Saur, Berlin 2013, S. 380 f., ISBN 978-3-11-025872-1.</ref> Darin behauptete er unter Aufnahme zahlreicher antisemitischer Stereotypen, die Juden hätten seit dem Alten Ägypten alle anderen Völker stets ausgebeutet und unterjocht, der Jerusalemer Tempel sei in Wahrheit ein Bankhaus gewesen, das Alte Testament rufe dazu auf, alle Nichtjuden auszubeuten. Die angebliche Gefährlichkeit der „jüdischen Rasse“ für die Menschheit zeige sich im Talmud, den die Juden vergeblich versuchen würden geheim zu halten, und in den Protokollen der Weisen von Zion. Aus dieser Fälschung, die erstmals 1903 in Russland veröffentlicht worden war und angebliche Weltherrschaftspläne der Juden enthält, zitierte er vier Seiten lang und den Schluss, den der jüdische Publizist Binjamin W. Segel, der die Authentizität der Protokolle bereits 1924 bezweifelt hatte, angeblich als einzig angemessene Strafe dafür genannt haben soll: „massenhafte Ausrottung“.<ref>Hermann Esser: Die jüdische Weltpest. Judendämmerung auf dem Erdball. Franz Eher Verlag, München 1943, S. 132 (hier die Zitate); Randall L. Bytwerk: Believing in “Inner Truth”: The Protocols of the Elders of Zion in Nazi Propaganda, 1933–1945. In: Holocaust and Genocide Studies, 2015, 29, Heft 2, S. 212–229, hier S. 220 f.</ref> Gegenargumente gegen diese Verschwörungstheorie ließ er keine gelten: „Was die von jüdischem Geld bestochene und gemästete Auslandsjournaille über innerdeutsche Angelegenheiten schreibt, läßt jeden Deutschen kalt bis ans Herz hinan.“ Auf Hitlers kurz zuvor erschienenes Buch Mein Kampf ging Esser nicht ein. Der Historiker Othmar Plöckinger sieht darin ein Indiz für eine Reserviertheit zwischen dem ins Abseits gedrängten Esser und Hitler.<ref>Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches. Adolf Hitlers „Mein Kampf“ 1922–1945. Oldenbourg, München 2011, S. 347.</ref> Laut Heike Görtemaker war Esser aber einer der regelmäßigen Gäste in Hitlers privatem Refugium, dem Berghof bei Berchtesgaden.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 208.</ref> Weil er weiterhin mit sexuellen Eskapaden auffiel, entzog Hitler ihm aber 1936 das vertraute Du.<ref name="Spiegel">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:| Zitat: {{

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Mit seiner Arbeit für den Illustrierten Beobachter beschäftigte Esser auch weiterhin die Gerichte: Dreimal wurde er wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, einmal wegen Verstoßes gegen das Republikschutzgesetz.<ref>Christoph Jahr: Antisemitismus vor Gericht. Debatten über die juristische Ahndung judenfeindlicher Agitation in Deutschland (1879–1960). Campus, Frankfurt am Main/New York 2011, S. 268.</ref> Insgesamt war seine Tätigkeit seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre auf Bayern beschränkt.<ref name="NDB" /> Im November 1926 wurde er wegen gewaltsamer Sprengung einer Versammlung des von Anton Drexler gegründeten und geführten Nationalsozialen Volksbundes im Münchener Hofbräuhaus im Februar 1926 zu einer Haftstrafe von zwei Wochen und der Aufhebung der Bewährungsfrist verurteilt, die seit seiner Verurteilung wegen Teilnahme am Hitlerputsch lief. Er ging in Berufung, die Strafe wurde im Februar 1927 vom Landgericht München I zu einer Geldstrafe von 150 Mark reduziert.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 172.</ref>

1928 wurde Esser in den oberbayerischen Kreistag gewählt, 1929 zog er in den Münchner Stadtrat ein, wo er den Vorsitz der NSDAP-Fraktion übernahm. An konstruktiver Sachpolitik zeigte er keinerlei Interesse, sondern fiel nur durch polemische Zwischenrufe und Störmanöver auf: Im Februar 1932 inszenierte er im Stadtrat einen regelrechten Tumult. Im Frühjahr des Jahres setzte ihn die Parteileitung als Propagandaleiter für den Wahlkampf zur bayerischen Landtagswahl ein.<ref>Matthias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg, München 2002, S. 358 und 511–514.</ref> Am 24. April wurde die NSDAP zweitstärkste Partei nach der Bayerischen Volkspartei. Esser selbst wurde in den Landtag gewählt<ref>Wolfram Selig: Esser, Hermann. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 217.</ref> und beendete seine Tätigkeit beim Illustrierten Beobachter.

In der Zeit des Nationalsozialismus

Minister in Bayern

Kurz nach der Machtergreifung kündigte Esser im Bürgerbräukeller das Ende der Pressefreiheit an:

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Von 1933 bis zur Aufhebung des Bayerischen Landtags am 30. Januar 1934 durch das Gesetz über den Neuaufbau des Reichs war Esser dessen Präsident. 1933 zog er als Abgeordneter für Oberbayern/Schwaben in den Reichstag ein. Von Dezember 1933 bis 1945 war er einer von dessen Vizepräsidenten. Im März 1933 gelang es ihm, den bayrischen Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp zu bewegen, ihn zunächst zum Minister zur besonderen Verwendung zu ernennen. Zudem wurde er Chef der Bayerischen Staatskanzlei.<ref name="NDB" /> Im Kabinett von Ministerpräsident Ludwig Siebert (NSDAP) bekleidete er ab April 1933 das Amt des Landwirtschaftsministers, ab dem 1. März 1934 das des Wirtschaftsministers<ref>Wolfram Selig: Esser, Hermann. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 217.</ref> – der Höhepunkt seiner Karriere.<ref name="NDB" />

In diesem Amt hatte er zahlreiche Konflikte mit Heinrich Himmler, dem Reichsführer SS, und mit dem bayerischen Innenminister und Gauleiter Adolf Wagner um Fragen der Presse, für deren Lenkung sich alle drei zuständig fühlten.<ref name="NDB" /> Nach einer gescheiterten Intrige gegen Wagner, dem Bekanntwerden einer weiteren Affäre Essers, diesmal mit einer Minderjährigen, und finanzieller Unregelmäßigkeiten – er hatte von bayerischen Industriellen Gelder erpresst – musste er 1935 zurücktreten.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 219.</ref> Hinzu kam ein schmutziger Scheidungskrieg: Esser hatte mit seiner Geliebten Anna Bacherl mittlerweile drei Kinder. Eine Scheidung von seiner Frau, die seit 1933 zweimal die Scheidung eingereicht hatte, wurde aber beide Male von ihr abgewiesen.<ref>Hans Peter Bleuel: Das saubere Reich. Die verheimlichte Wahrheit. Eros und Sexualität im Dritten Reich. Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S. 190.</ref>

Im Propagandaministerium

Datei:Bundesarchiv Bild 183-2006-1128-501, Berlin, "Fest der deutschen Reise".jpg
Hermann Esser als Vorsitzender der Reichsgruppe Fremdenverkehr beim „Fest der deutschen Reise“ in Berlin, zweite Hälfte der 1930er Jahre

1933 rückte Esser nach dem Ausscheiden Erhard Milchs in den Aufsichtsrat der Lufthansa nach.<ref>Lothar Gall: Die Deutsche Bank 1870–1995. C.H. Beck, München 1995, S. 358.</ref> 1935 erhielt er den Tourismus als neues Betätigungsfeld zugewiesen, das dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) zugeordnet war. Esser wurde Vorsitzender der Reichsgruppe Fremdenverkehr, am 27. Januar 1939 übernahm er zudem im Range eines Staatssekretärs die Fremdenverkehrsabteilung im RMVP. Goebbels hatte sich seit 1935 dagegen gewehrt,<ref>Peter Longerich: Joseph Goebbels. Biographie. Siedler, München 2010, S. 368 f.</ref> musste die Ernennung aber hinnehmen, da Esser, wie er selber, zu „Hitlers Hofstaat“ (Heike B. Görtemaker) gehörte.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 219 f.</ref> Essers Versuch, sich mit einem eigenen Tourismusministerium unabhängig zu machen, scheiterte an Goebbels’ Widerstand.<ref name="NDB" /> Eine echte Gefahr für dessen Macht im NS-Staat stellte Esser, anders als Rosenberg oder Martin Bormann, aber zu keiner Zeit dar.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 27.</ref>

Im RMVP setzte Esser durch, dass die Förderung des Tourismus weiterhin zentralistisch von Berlin gesteuert wurde. Ansätze zur Gründung regionaler Verbände vereitelte er.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 29 f.</ref> Außerdem lag ihm am Herzen, die Reisebüros im nationalsozialistischen Sinn aufzuwerten. Beim ersten deutschen Reisebürotag erklärte er 1936 in Frankfurt am Main, die Reisebüros seien „Brückenbauer in die Heimat“, sowohl innerhalb des Reichs als auch über die Grenzen des Vaterlands hinaus.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 36.</ref> Als die Reisebüros anfingen, mit Dumpingpreisen der NS-Freizeitorganisation Kraft durch Freude Kunden abzunehmen, unterband er dies 1936.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 103 f.</ref> Reiseangebote in die Sowjetunion verurteilte Esser, aber verbot sie nicht.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 136 f.</ref> 1938 forderte Esser unter dem Titel „Ein Reich – ein Fremdenverkehr“ die Reisebüros auf, auch Reisen in die kürzlich erworbenen Gebiete anzubieten, um sie bei den Volksgenossen bekannter zu machen und „die Einheit Großdeutschlands“ zu betonen.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 171.</ref> Esser und seine Abteilung für Fremdenverkehr bemühten sich, den Kitsch bei Reiseandenken zu bekämpfen, etwa indem gute und unerwünschte Beispiele für Souvenirs ausgestellt wurden.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 78 f.</ref> Größer waren Essers Erfolge bei der Verwissenschaftlichung des Fremdenverkehrs: Ab 1938 erschien ein Jahrbuch des Deutschen Fremdenverkehrs, in München wurde ein Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr gegründet, 1939 folgte die Hermann-Esser-Forschungsgemeinschaft für Fremdenverkehr in Frankfurt.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 39.</ref>

Die Positionen, die Esser im NS-Staat erreichte, waren politisch einflusslos, sicherten ihm aber ein respektables Einkommen. Durch seine persönliche Nähe zu Hitler wurde er von verschiedenen Seiten hofiert bzw. regelrecht bestochen: Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) etwa finanzierte ihm 1938 den Kauf und den Umbau einer Villa in Berlin-Wannsee. Zuvor hatte Esser dafür gesorgt, dass Baubetriebe der DAF am prestigeträchtigen Bau des Hauses des Fremdenverkehrs beteiligt wurden, das als eines der wenigen Teile des geplanten Projekts Welthauptstadt Germania bereits begonnen wurde.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 220 ff.</ref>

Zwei Monate nach den Novemberpogromen von 1938 legte er eine Neuauflage seiner Jüdischen Weltpest vor, in der er behauptete, die Juden bekämen nur, was ihnen gebühre:

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1938 strengte Esser erneut eine Scheidungsklage gegen seine Frau Therese an, der er unter anderem vorwarf, ihrerseits die Ehe gebrochen und seine Stellung in der NSDAP durch ehrverletzende Behauptungen über den Schatzmeister Franz Xaver Schwarz unterminiert zu haben. Tatsächlich wurde Therese Esser 1939 wegen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz und übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Esser ließ auch seine politischen Beziehungen spielen und erreichte, dass sich die Reichskanzlei, Justizminister Franz Gürtner und Hitler persönlich zu seinen Gunsten in seinen Scheidungsprozess einschalteten.<ref>Dirk Blasius: Ehescheidung in Deutschland 1794–1945. Scheidung und Scheidungsrecht in historischer Perspektive. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1987, S. 215 ff.</ref> Im März des Jahres wurde die Ehe in einem Revisionsverfahren als „zerrüttet“ geschieden, eine Möglichkeit, die erst wenige Monate zuvor durch das nationalsozialistische Ehegesetz eingeführt worden war. Hitler erklärte, bei dieser Entscheidung Essers Ehe vor Augen gehabt zu haben.<ref>Hans Peter Bleuel: Das saubere Reich. Die verheimlichte Wahrheit. Eros und Sexualität im Dritten Reich. Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S. 190–193.</ref> Am 5. April 1939 heiratete er seine langjährige Geliebte Anny Bacherl, die Tochter des Wirts des Münchner Hofbräuhauses Hans Bacherl, mit der er bereits vor der Ehe mehrere Kinder zeugte. Anny Bacherl war eine enge Freundin von Eva Braun.<ref>Karina Urbach, Hitlers Duzfreund, in: taz vom 24. Dezember 2025, s. https://taz.de/Hermann-Esser-eine-deutsche-Karriere/!6136193/</ref>

Ein eher skurriles Beispiel für die polykratietypischen Konflikte, in die Esser immer wieder geriet, war seine Romreise im April 1939: Dabei vereinbarte er eine Audienz bei Mussolini zur gleichen Uhrzeit wie Hermann Göring. Solche Audienzen galten unter den führenden Nationalsozialisten als so prestigeträchtig, dass Hitler sich vorbehielt, sie einzeln zu genehmigen. Die Doppelbuchung löste hektische Betriebsamkeit aus und konnte schließlich zur Zufriedenheit beider Alten Kämpfer entzerrt werden.<ref>Wolfgang Schieder: Mythos Mussolini. Deutsche in Audienz beim Duce. Oldenbourg, München 2013, ISBN 978-3-486-70937-7, S. 182.</ref> Ein weiteres Beispiel ist Essers erfolgreicher Widerstand gegen die Bemühungen Robert Leys, innerhalb der DAF eine Abteilung für Tourismus zu etablieren. Dennoch meint die kanadische Historikerin Kristin Semmens, dass die Kämpfe um Zuständigkeiten, die den NS-Staat kennzeichneten, im Tourismussektor deutlich seltener auftraten als in anderen Politikfeldern.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 25 f.</ref>

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs trat Esser nur noch selten hervor. Der Fremdenverkehr ging stark zurück, Auslandsreisen waren kaum mehr möglich. Esser versuchte dem einen positiven Spin zu geben und freute sich im September 1939, statt des Fremdenverkehrs könne man nun „Gästeverkehr im besten wahrsten Sinne des Wortes“ genießen.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 178.</ref> 1940 sorgte er dafür, dass Juden der Zugang zu den Bädern und Kurorten der „Ostmark“ verboten wurde.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 257.</ref> 1941 geriet er in einen Konflikt mit Baldur von Schirach, dem Beauftragten für die Kinderlandverschickung: Als immer mehr Ferienquartiere und Pensionen in Sommerfrischen durch Kinder und deren Mütter belegt wurden, die vor dem Bombenkrieg aus den Großstädten evakuiert wurden, befürchtete Esser tiefere Eingriffe in seine Zuständigkeiten. Er mahnte an, im Interesse der Volksgesundheit doch wenigstens die Heilbäder zu verschonen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Im November 1941 bestimmte er per Verordnung, dass der Aufenthalt in Ferienorten nur noch Wehrmachtsangehörigen, Rüstungsarbeitern und anderen kriegswichtigen Personen gestattet sei.<ref>Katja Klee: Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953. Politik, soziale Lage, Erfahrungen. Oldenbourg, München 1999, S. 111 f.</ref> Während des Krieges begann Esser, seine Abteilung umzustrukturieren, um eine noch größere Kontrolle über den Freizeitreiseverkehr zu gewinnen. Eine noch stärkere Vereinheitlichung der Organisationen und der Arbeiten im Fremdenverkehrswesen versprach er für die Zeit nach dem Endsieg, für die er einen beispiellosen Aufschwung des Tourismus prognostizierte.<ref>Kristin Semmens: Seeing Hitler’s Germany. Tourism in the Third Reich. Palgrave Macmillan, New York 2005, S. 164 f. und 168.</ref>

1943 hielt Esser vor Alten Kämpfern die Festrede zum dreiundzwanzigjährigen Gründungsjubiläum der NSDAP, am 24. Februar 1945 verlas er Hitlers letzte öffentliche Rede, in der die desaströse Lage Deutschlands mit den Anfängen der NSDAP verglichen wurde: In beiden Fällen hätte „das internationale Judentum“ sich „zur Vernichtung der Freiheit und des sozialen Glücks der Völker“ sowohl des Kapitalismus als auch des Bolschewismus bedient.<ref>Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Band 2: Die Jahre der Vernichtung 1939–1945. C.H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54966-7, S. 675.</ref>

Nach dem Ende des Nationalsozialismus

Bei Kriegsende wurde Esser von der amerikanischen Armee verhaftet und im Lager 307 Augsburg-Göggingen interniert.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 320.</ref> Im Verhör am 6. Dezember 1946 behauptete er, sich nach seinem Rücktritt als Minister nicht mehr politisch betätigt zu haben. Das Buch Die jüdische Weltpest stamme nicht von ihm, sondern von Rosenberg. Der konnte zu dieser Lüge nicht mehr Stellung nehmen, weil er bereits hingerichtet worden war. Der amerikanische Ermittler notierte, Esser sei ein Gegner der Nürnberger Rassengesetze gewesen, sein Dissens mit Hitler habe sich an der „jüdischen Frage“ entzündet und er habe keine persönliche Beziehung mehr zu ihm gehabt. Von den „Grausamkeiten in den Konzentrationslagern“ hätte er erstmals im Januar 1945 erfahren.<ref>Heike B. Görtemaker: Eva Braun. Leben mit Hitler. C.H. Beck, München 2010, S. 182 f.; dieselbe: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 356.</ref>

Um einem Spruchkammerverfahren zu entgehen, tauchte er im Dezember 1947 unter. Am 8. August 1949 stufte ihn die Münchner Entnazifizierungskammer in Abwesenheit als Hauptschuldigen ein und verurteilte ihn zu fünf Jahren Arbeitslager. Im September 1949 wurde Esser gefasst und zur Verbüßung seiner Strafe in das Arbeits- und Festhaltelager Eichstätt verbracht. Dort wurde er im Herbst 1950 nach nur einem Jahr vorzeitig entlassen.<ref>Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach. C.H. Beck, München 2019, S. 357.</ref>

Danach trat Esser nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Er lebte unbehelligt in München und arbeitete in leitender Position im Bayerischen Reisebüro.<ref>Claus-Ekkehard Bärsch: Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiösen Dimensionen der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler. Fink, München 2002, S. 292.</ref>

Im Juli 1980 gratulierte der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) dem „Staatsminister a. D.“ offiziell zum 80. Geburtstag.<ref name="Spiegel" /> Esser starb am 7. Februar 1981.<ref name="NDB" />

Forschungsstand und Rezeption

Eine umfassende wissenschaftliche Biografie zu Esser legte 2025 der Historiker Paul Hoser vor.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Sie stellt die Fremdwahrnehmung Essers als „dumpfen, banalen Mann, der kein großer Entscheidungsträger war“, heraus, der jedoch entgegen seiner schnellen Entnazifizierung relevanter Propagandist des Nationalsozialismus gewesen sei.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Veröffentlichungen

Datei:Hermann Esser Weltpest 1939 Einband.jpg
Die jüdische Weltpest (1939)

Literatur

Monographien:

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  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-039309-0.
  • Jana Richter: Hermann Esser. In: Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. S. Fischer, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-10-091052-4, S. 113.
  • Wolfram Selig: Esser, Hermann. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 217.
  • Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. Anhänger, Mitläufer, Gegner aus Politik, Wirtschaft, Militär, Kunst und Wissenschaft. Harnack, München 1983, S. 66 ff.

Aufsätze:

  • Paul Hoser: Hermann Essers Besuch in Memmingen. In: Regina Gropper, Leo Hiemer (Hrsg.): Vervolkt. Dieses Projekt kann Spuren von Nazis enthalten! Katalog zur Ausstellung. Metropol-Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-86331-699-0, S. 176–183.
  • Paul Hoser: Hermann Esser und Kempten. In: Allgäuer Geschichtsfreund. Zeitschrift für historische Forschung und Heimatpflege, 2021, 121, S. 67–95.

Weblinks

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Einzelnachweise

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Nach dem Zweiten Weltkrieg:
Bayer. Beratender Landesauschuss (1946): G. StangBayer. Verfassunggebende Landesversammlung (1946): M. HorlacherBayer. Landtag (seit 1946): M. Horlacher | G. Stang | A. Hundhammer | H. Ehard | R. Hanauer | F. Heubl | W. Vorndran | J. Böhm | A. Glück | B. Stamm | I. Aigner

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