Hintersee (Ramsau)
Hintersee ist ein Gemeindeteil von Ramsau bei Berchtesgaden, benannt nach dem Hintersee, an dessen Westufer er liegt.
Lage
Der Ortsteil ist seitens der amtlichen Statistik als Dorf klassifiziert<ref name="AOB">Vorlage:Ortsverzeichnis Bayern 1987</ref> und hat seinen Namen vom Hintersee, an dessen Westufer es sich über 1600 Meter in Richtung Südwesten bis zum Gasthof Auzinger, und weiter bis zum Klausbachhaus (Nationalpark-Informationsstelle) an der Hirschbichlstraße erstreckt. Der Ortsteil liegt in der Gemarkung Ramsau an der Grenze zur Gemarkung des Forstes Hintersee, einem früher gemeindefreien Gebiet, das seit dem 1. Januar 1984 zur Gemeinde Ramsau gehört. Die Gemarkungsgrenze verläuft entlang des Westufers, während der Hintersee selbst bereits Teil der Gemarkung Forst Hintersee ist.
Durch den Ortsteil fließt der Antonigraben, einer der Zuflüsse des Hintersees, der unterhalb des Edelweißlahnerkopfs entspringt und wenige Meter von der Antonikapelle entfernt in den See mündet. Weitere durch den Ort gehende Zuflüsse des Hintersees sind der Toneckergraben und der Hinterseegraben.
Geschichte
Am heutigen Ortsteil Hintersee vorbei führte ein wichtiger Handelsweg über den Hirschbichl in den Pinzgau, der vermutlich nach Gründung des Klosterstifts Berchtesgaden auch zur ersten Besiedlung der „Urgnotschaft“ Ramsau beigetragen hat.<ref>Gemeinde Ramsau - Geschichte online unter ramsau.de</ref>
Bereits 1389 stand auf dem einstigen Anwesen Hintersee eine Taferne, und das Wörndllehen wurde erstmals 1461 urkundlich erwähnt.<ref name="schoener283" />
Noch 1698 werden für das Gebiet des heutigen Ortsteils Hintersee lediglich die beiden Anwesen Hintersee (Hofjagdstallgebäude) und Wörndllehen innerhalb des zweiten Gnotschafterbezirks der damaligen „Urgnotschaft“ Ramsau aufgeführt.<ref>Historischer Atlas von Bayern</ref> Dieser zweite Gnotschafterbezirk entspricht jetzt den Gnotschaften Antenbichl und Taubensee. Außer diesen Anwesen gab es im Bereich des heutigen Dorfes nur noch die Antonikapelle 500 Meter weiter nördlich.<ref>Karte von 1806</ref> Erst etwa 30 Jahre später ist auf Karten ein weiteres Anwesen namens Keinziel zu finden,<ref>Karte von ca. 1830 bis 1840</ref> das auf der aktuellen topographischen Karte als Kainzierl<ref>Amtliche Topographische Karte</ref> eingetragen aber allgemein unter dem Namen Kainzierlhof bekannt ist.<ref>Kainzierlhof.</ref> Das bislang im ausmärkischen Forstbezirk Hintersee gelegene Hofjagdstallgebäude Hintersee wurde 1904 in die Gemeinde Ramsau eingemeindet.<ref>Historischer Atlas, Seite 35</ref>
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Als eine der ersten Postbuslinien wurde 1907 ab dem Vorplatz des Berchtesgadener Bahnhofs die Verbindung Berchtesgaden–Hintersee eingerichtet, die zugleich auch den Fremdenverkehr vor Ort befördern half.<ref>Zu Berchtesgaden–Hintersee siehe Friedrich Schelle: Spaziergänge durch Berchtesgaden und Umgebung 1860–1920. Fotos mit Bildtexten. Plenk Verlag, Berchtesgaden 2. Aufl. 1977. Unpaginiert, daher keine Seitenangabe möglich.</ref>
Anfang der 1940er Jahre erwarb der NS-Autobahnfunktionär und spätere Rüstungsminister Fritz Todt das Zollhaus. Dieses Haus an der Hirschbichl-Straße wurde 1978 von seinen Töchtern verkauft.<ref name="schoener283" />
Nach der Bombardierung des Obersalzbergs wurde ein Teil der NS-Funktionäre an den Ortsteil Hintersee verlegt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde dort am 1. Mai 1945 auf Befehl von General August Winter das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) mit sämtlichen Text- und Anlagenbänden vernichtet.<ref>Percy E. Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Augsburg 2005, Lizenzausgabe für Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Band 2, erster Halbband, S. 569, ISBN 3-8289-0525-0</ref> Ebenso wurden dort auf Geheiß des Leiters des Stenografischen Dienstes im Führerhauptquartier, Kurt Peschel, und des persönlichen Referenten Martin Bormanns, Hans Müller, auch die maschinenschriftlichen Protokolle aller Lagebesprechungen in den sogenannten Führerhauptquartieren von September 1942 bis April 1945 sowie die Originalstenogramme verbrannt. Einige der Stenogramme konnten am 9. Mai durch den US-Militär-Nachrichtendienst CIC geborgen werden.<ref>Detlef Peitz: An den Lippen Hitlers hängend. In: Frankfurter Rundschau, 28. April 2015; Ders., Hitlers Protokolle. In: Berliner Zeitung, 30. April/1. Mai 2015</ref>
Von 1929 bis 1967 hatte Hintersee eine eigene Poststelle und eine eigene Postleitzahl (8241). 1967 wurde die Poststelle aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.
Erstmals im Amtlichen Ortsverzeichnis für Bayern zur Volkszählung 1961 wurde Hintersee als separater amtlich benannter Gemeindeteil gelistet, mit Klammer-Zusatz Teil der Gnotsch. Antenbichl, und seit dem entsprechenden Verzeichnis zur Volkszählung 1970 als Dorf und ohne Klammer-Zusatz.
Einwohnerentwicklung
Bei der Volkszählung 1961 wurden in Hintersee 176 Einwohner in 25 Wohngebäuden festgestellt und es war 1964 ein Ortsteil der Gemeinde Ramsau, südwestlich in der Gnotschaft Antenbichl gelegenen.<ref name="AOB2">Vorlage:Ortsverzeichnis Bayern 1961</ref> In den Daten der Volkszählung vom 25. Mai 1987 wird Hintersee als Dorf geführt, mit nur noch 95 Einwohnern, die in 22 Gebäuden mit Wohnraum in 37 Wohnungen lebten.<ref name="AOB" />
Gastronomie
Auf dem einstigen Anwesen Hintersee wurde bereits 1389 einem „Hansi Hinterseer“ für die Taferne am Hintersee als erstem Gasthaus der Gegend ein „Erbrechtsbrief“ der Reichsprälatur Berchtesgaden ausgestellt.<ref name="schoener283">Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, S. 283</ref> Das im Auslauf des Hinterseegrabens später als Hint. See Wirth eingetragene „alte Wirtshaus“ wurde in den Jahren 1809, 1862 und 1867 durch Lawinen zerstört. Danach hat man diesen Standort aufgegeben und den heute denkmalgeschützten Gasthof Auzinger,<ref name="schoener283" /> der ab 1879 dank Babette Auzinger auch vielen bekannten Landschaftsmalern der Münchner und Wiener Schule als Herberge diente,<ref name="FAZ">faz.net Weindl, Georg: Ein Leben zwischen Staffelei und Wirtshaus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2003</ref> etwa 200 m westlich davon und damit außerhalb der Gefahrenzone errichtet.
In dem 1867 erbauten Forsthaus am Hintersee ist des Öfteren Prinzregent Luitpold nach der Jagd abgestiegen.<ref name="schoener283" /> Nach Begründung der Bayerischen Räterepublik suchte dort auch König Ludwig III. Zuflucht,<ref name="schoener283" /> bevor er im Salzburger Anif seine Beamten und Soldaten in der „Anifer Erklärung“ vom Treueeid entband.
Das Seehotel Gamsbock wurde 1883 eröffnet und 1959/69 von der Eigentümerfamilie Hörmann mehrfach baulich verändert und erweitert.<ref name="schoener283" /> 2008 wurde es geschlossen uns später zu Eigentumswohnungen umgebaut.
Nachdem das ehemalige Gasthaus Wartstein ausgebrannt war, wurde 1907 ein Neubau errichtet und unter dem Namen Hotel Post wiedereröffnet. 1969 an die "Gesellschaft für internationale Jugendbewegung e. V." verkauft, ging es 1981 in das Eigentum des Gesamtverbandes des CVJM in Kassel über, der es seither als CVJM-Gästehaus führt.<ref name="schoener283" />
Der Gasthof Wörndlhof ist seit 1937 im Besitz der Familie Bartels und wurde 1938 um den Alpenhof ergänzt. Einer der Inhaber war Wolfgang Bartels (1940–2007), der Bronzemedaillengewinner in der Abfahrt von 1964 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Der Wörndlhof entstand aus dem bereits 1461 urkundlich erwähnten Wörndllehen.<ref name="schoener283" />
1958/59 wurde das im Familienbesitz befindliche Café Gelfart<ref name="schoener283" /> und 1974/75 das Gasthaus Seeklause erbaut.<ref name="schoener283" />
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Naturschönheiten
Den Hintersee kann man auch auf einem Weg durch den so genannten Zauberwald erreichen. Der Zauberwald ist ein Geotop mit Bergsturztrümmern zwischen den Bäumen, dem eine sich im Namen widerspiegelnde, romantische Atmosphäre nachgesagt wird.
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Gebäude am Hintersee vor der Reiter Alm
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Hochkalter mit Spiegelung im Hintersee
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Zauberwald
Der Nationalpark Berchtesgaden, der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands, liegt mit der Wimbachklamm und dem Wimbachtal zu großen Teilen auf Ramsauer Gemeindegebiet. Am Eingang des Klausbachtals unweit des Hintersees dient das dorthin versetzte historische Klausbachhaus als Nationalpark-Informationsstelle und bildet den Startpunkt für viele Wanderungen und Exkursionen im Nationalparkgebiet.
Bauwerke
Profangebäude
- Der Gasthof Auzinger ist ein traditionsreicher, denkmalgeschützter<ref>Wilhelm Neu, Volker Liedke, Otto Braasch: Oberbayern: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, Band 1 von Denkmäler in Bayern, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1986, ISBN 978-3-486-52392-8, S. 141</ref> Gasthof nahe dem Hintersee.
- Klausbachhaus (ehemaliges Laroslehen), translozierter Wohnteil eines denkmalgeschützten Berchtesgadener Lehens, heute Nationalpark-Informationsstelle
Sakralgebäude
- Antonikapelle mit Walmdach, denkmalgeschütztes Kirchengebäude aus dem 17. Jahrhundert
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Landschaftsmalerei
Im 19. Jahrhundert hatte sich ab den 1830ern am Hintersee eine bekannte Malerkolonie vor allem aus Vertretern der Münchner und Wiener Schule entwickelt,<ref name="FAZ" /> darunter Wilhelm Busch,<ref name="FAZ" /> Carl Rottmann,<ref name="FAZ" /> Ludwig Richter,<ref name="Auzinger">auzinger.de Zur Geschichte des Gasthof Auzinger</ref> Carl Schuch,<ref name="Auzinger" /> Karl Hagemeister,<ref name="Auzinger" /> Thomas Fearnley,<ref name="Auzinger" /> Friedrich Gauermann,<ref name="Auzinger" /> Ferdinand Waldmüller<ref name="Auzinger" /> und Frederik Christian Kiærskou (1805–1891).<ref name="Auzinger" /> Unter ihnen hat dann u. a. Carl Rottmann auch den See selbst zum Bildmotiv erhoben. Vielen von ihnen dienten der Gasthof Auzinger und seine Vorgängerwirtschaft Hint. See Wirth als Treffpunkt und Herberge.<ref name="FAZ" />
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Nationalpark-Festspiele
Im Sommer 2010 wurde Die Martinsklause von Ludwig Ganghofer im Rahmen bislang einmaliger Nationalpark-Festspiele als Freilichtaufführung am Hintersee inszeniert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20130615133924
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Wirtschaft und Infrastruktur
Tourismus
Hintersee ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen und Bergtouren zu den Gebirgsstöcken Hochkalter und Reiter Alpe sowie ins Klausbachtal Richtung Hirschbichl. Der Ort bietet Touristen Unterkunft im Gästehaus Alpen Experience - CVJM Aktivzentrum Hintersee sowie in einigen Hotels und Gaststätten.
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
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- Hintersee in der Ortsdatenbank Bayern
- Hintersee (Gemarkung Ramsau) S. 141 in: Wilhelm Neu, Volker Liedke, Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Oberbayern (Band). Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 14. Februar 1986
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- Ort im Landkreis Berchtesgadener Land
- Geographie (Ramsau bei Berchtesgaden)