Hubert Schrübbers
Hubert Schrübbers (* 3. November 1907 (nach anderen Angaben 3. Februar 1901)<ref name="aust">S. Aust u. D. Laabs, „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“, München 2014, S. 80.</ref> in Recklinghausen; † 26. September 1979 in Unterach am Attersee) war ein deutscher Jurist und vom 15. Dezember 1955 bis zum 30. April 1972 Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.
Leben
Schrübbers studierte Rechtswissenschaft und wurde während seines Studiums Mitglied der AV Guestfalia Tübingen im CV. 1933<ref>Friedrich Kießling, Christoph Safferling, „Staatsschutz im Kalten Krieg. Die Bundesanwaltschaft zwischen NS-Vergangenheit, Spiegel-Affäre und RAF“, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 10922, Bonn 2022, S. 200</ref> trat er dem SA-Sturm Münster bei.<ref name="S1">Verfassungsschutz – Nichts Unsittliches, Der Spiegel Nr. 5/1972, S. 26.</ref> Er war von 1938 bis 1941 als Staatsanwalt in Bochum, Dortmund, Arnsberg, dann als Oberstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Hamm<ref name="BA">Kurzbiografie beim Bundesarchiv.</ref> Ankläger in diversen Verfahren gegen rassisch und politisch Verfolgte des NS-Regimes: Die Jüdin Anna Neubeck wurde beispielsweise am 31. März 1941 entsprechend dem Antrag Schrübbers’ zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie im belgischen Exil unter anderem Geld für andere Flüchtlinge gesammelt hatte. Sie kam nie mehr in Freiheit und wurde 1943 im KZ Auschwitz ermordet.<ref>Dieter Deiseroth: Darf die Enthüllung eines illegalen Staatsgeheimnisses strafbar sein? – Historische Erfahrungen in Deutschland und Schlussfolgerungen, in: Dieter Deiseroth, Hartmut Graßl (Hrsg.): Whistleblower-Enthüllungen zu Krebsmittel-Panschereien und illegalen Waffengeschäften, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3786-1, S. 175; Neubeck wurde dort irrtümlich mit ihrem in den Gerichtsakten verwendeten Zwangsvornamen „Sarah“ benannt.</ref><ref name="S2">Der Wille muß gebrochen werden, Der Spiegel, Nr. 5/1972, S. 27; Neubeck auch dort mit dem Zwangsvornamen Sarah benannt.</ref><ref name="S3">Mißglückter Schutz, Der Spiegel, Nr. 6/1972, S. 27 f.</ref> 1941 musste Schrübbers seine Tätigkeit unterbrechen und wurde Soldat.<ref name="Munz">Hubert Schrübbers im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)</ref>
Er diente als Unterwachtmeister in einer Polizeieinheit der SS und geriet 1944 im französischen Chaumont in Kriegsgefangenschaft, wo nach Résistance-Tätigkeit in der Gegend die Deutschen im Januar 20 Männer verhaftet und am 18. März elf von ihnen hingerichtet hatten.<ref>S. Aust u. D. Laabs, „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“, München 2014, S. 80; es handelt sich wahrscheinlich um das Chaumont in der Haute-Marne, da der Ort „nördlich“ von seinem bisherigen Tätigkeitsort liegt, auch gab es hier markante Résistance-Aktivitäten. Hier waren auch in größerem Maß britische Truppen auf Seiten der Befreier aktiv.</ref> 1946 kehrte er aus der britischen Kriegsgefangenschaft zurück.<ref name="Munz" /> Laut Aust/Laabs war er in dieser Zeit vom britischen Geheimdienst angeworben worden, was seine spätere Karriere in der britischen Besatzungszone plausibel macht.<ref name="aust" />
1948 wurde Schrübbers Oberstaatsanwalt beim Obersten Gerichtshof für die britische Zone,<ref name="BA" /> 1950 Bundesanwalt am Bundesgerichtshof,<ref name="BA" /> 1953 Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Düsseldorf.<ref name="BA" /> Zum 15. Dezember 1955 erfolgte seine Ernennung zum Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz.<ref>Geschichte. In: verfassungsschutz.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 28. Juni 2023.</ref> In seine Amtszeit fiel die von Werner Pätsch aufgedeckte „Telefonabhöraffäre“ von 1963,<ref>Absolut sichere Quelle. In: Der Spiegel. Nr. 40, 1963, S. 25 f. (online – 2. Oktober 1963).</ref> die ihm den Vorwurf des Verfassungsbruchs einbrachte<ref>Gutes Gewissen. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1963, S. 19 f. (online – 18. September 1963).</ref> und schließlich 1968 zum Erlass des Gesetzes zu Artikel 10 des Grundgesetzes führte. Ihm wurde vorgeworfen, ehemalige SS-Mitglieder beim BfV eingestellt zu haben.<ref></ref><ref>Die gefallenen Chefs des Verfassungsschutzes. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. Oktober 2018; abgerufen am 17. Oktober 2018. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Am 30. April 1972 wurde Schrübbers nach Vorwürfen wegen seiner Verwicklung in die NS-Justiz in den einstweiligen Ruhestand versetzt, die reguläre Pensionierung wäre ohnehin im gleichen Jahr erfolgt.<ref>Joachim Käppner: „Besser jetzt als gar nicht mehr“. Nach 68 Jahren lässt der Verfassungsschutz die Nazivergangenheit seiner Mitarbeiter systematisch erforschen, Süddeutsche Zeitung vom 28. September 2011, S. 6.</ref>
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Otto John (1950–1954) | Hanns Jess (kommissarisch, 1954–1955) | Hubert Schrübbers (1955–1972) | Günther Nollau (1972–1975) | Richard Meier (1975–1983) | Heribert Hellenbroich (1983–1985) | Ludwig-Holger Pfahls (1985–1987) | Gerhard Boeden (1987–1991) | Eckart Werthebach (1991–1995) | Hansjörg Geiger (1995–1996) | Peter Frisch (1996–2000) | Heinz Fromm (2000–2012) | Hans-Georg Maaßen (2012–2018) | Thomas Haldenwang (2018–2024) | Sinan Selen (seit 2025)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schrübbers, Hubert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (1955–1972) |
| GEBURTSDATUM | 3. November 1907 |
| GEBURTSORT | Recklinghausen |
| STERBEDATUM | 26. September 1979 |
| STERBEORT | Unterach am Attersee |
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