Iulia (Tochter Caesars)
Iulia (* zwischen 83 und 76 v. Chr.;<ref>So Iulia [5]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 6, Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01476-2, Sp. 1.</ref> † August oder September 54 v. Chr.) war die einzige Tochter Gaius Iulius Caesars und seiner ersten Frau Cornelia.<ref>Sueton, Divus Iulius 1, 1; Plutarch, Caesar 5, 3.</ref>
Leben
Nach dem Tod ihrer Mutter 69/68 v. Chr. wurde Iulia von der Mutter Caesars, Aurelia, großgezogen. Sie wurde Anfang 59 v. Chr. mit einem Quintus Servilius Caepio verlobt<ref>Sueton, Divus Iulius 21, 3; Plutarch, Caesar 14, 3 und Pompeius 47, 6; Appian, Bürgerkriege 2, 14; Cassius Dio 38, 9, 1.</ref> (der möglicherweise mit dem späteren Verschwörer Marcus Iunius Brutus zu identifizieren ist<ref>So Sempronius [I 15]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 11, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01481-9, Sp. 465.</ref>). Die Verlobung wurde kurz darauf aufgelöst.
Im April 59 v. Chr. wurde Iulia von ihrem Vater überraschend mit Gnaeus Pompeius Magnus verheiratet, der mindestens 23 Jahre, möglicherweise sogar 30 Jahre älter war als sie. Die Ehe war ein politisches Zweckbündnis, um Caesar und Pompeius durch familiäre Bande enger aneinander zu binden und so das Ende 60 v. Chr. geschlossene erste Triumvirat zu stärken. Optimaten wie Cato der Jüngere und Cicero, die eine zu große Machtkonzentration fürchteten, sahen diese Eheschließung entsprechend kritisch (Cicero nennt sie etwa in einem Atemzug mit dem von Caesar als Konsul eingebrachten Ackergesetzen).<ref>Cicero, Epistulae ad Atticum 2, 17, 1; Velleius Paterculus 2, 44, 3 und 2, 47, 2; Sueton, Divus Iulius 21, 27 und 50; Aulus Gellius, Noctes Atticae 4, 10, 5–7; Plutarch, Caesar 5, 3 und 14, 3; Plutarch, Pompeius 47, 6; Plutarch, Cato Minor 31, 3; Appian, Bürgerkriege 2, 14; Cassius Dio 38, 9, 1.</ref> Die triumviratsfeindliche Historiographie behauptet polemisch, dass Iulia ihrem Verlobten förmlich aus den Armen gerissen worden sei, um mit Pompeius vermählt werden zu können, während Caepio durch die ihm angebotene Verheiratung mit einer Tochter des Pompeius besänftigt worden sei.<ref>Plutarch, Pompeius 47, 6; dazu Luciano Canfora, Caesar: der demokratische Diktator. Beck, München 2001, S. 79.</ref>
Trotz des großen Altersunterschiedes der Ehepartner und der rein politischen Motivation der Ehe versichern die Quellen, dass Iulia und Pompeius sehr glücklich miteinander verheiratet waren. Der Triumvir soll sogar aufgrund seines intensiven Zusammenlebens mit seiner jungen Frau sein politisches Engagement vernachlässigt haben.<ref>Valerius Maximus 4, 6, 4; Plutarch, Pompeius 48, 5 und 53, 1f.; Plutarch, Crassus 16, 1.</ref> Als es bei den Ädilwahlen im Sommer 55 v. Chr. zu einem Tumult kam und Pompeius’ Toga mit dem Blut von dabei Getöteten bespritzt wurde, wechselte er sein Gewand und ließ die blutbefleckte Toga nach Hause tragen. Aus deren Anblick schloss die schwangere Iulia in ihrer ersten Bestürzung irrtümlich auf Pompeius’ Ermordung, fiel in Ohnmacht und erlitt eine Fehlgeburt.<ref>Plutarch, Pompeius 53, 3; Valerius Maximus 4, 6, 4.</ref> Im nächsten Jahr war sie wieder schwanger.
Tod
Iulia starb im August oder September 54 v. Chr. im Wochenbett. Das Kind starb nur wenige Tage später. Je nach Quelle soll es ein Mädchen<ref>So Plutarch (Pompeius 53, 4) und Cassius Dio (39, 64, 1).</ref> oder ein Junge<ref>So Velleius (2, 47, 2) und wahrscheinlich auch Sueton (Divus Iulius 26, 1) und Lucan (Pharsalia 5, 474 und 9, 1049).</ref> gewesen sein; nach der Ansicht des Althistorikers Friedrich Münzer war es wohl eher ein Mädchen.<ref>Friedrich Münzer: Iulius 547. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band X,1, Stuttgart 1918, Sp. 895.</ref> Laut Seneca erhielt Caesar die Todesnachricht, als er seinen zweiten Britannienfeldzug durchführte, war aber ob des Verlustes seines einzigen (ehelichen) Kindes äußerst gefasst.<ref>Seneca, De Consolatione ad Marciam 14, 3; zur Datierung: Cicero, Epistulae ad Quintum fratrem 3, 1 und Epistulae ad familiares 7, 9, 1.</ref>
Pompeius wollte die Asche seiner Gattin auf seinem albanischen Landgut beisetzen. Das Volk, das um Iulia trauerte, setzte jedoch das Begräbnis ihrer Urne auf dem Marsfeld durch, auch gegen den Widerstand des amtierenden Konsuls Lucius Domitius Ahenobarbus, der dies laut Cassius Dio durch die Tribunen verhindern lassen wollte, weil diese Ehrenbezeugung einer Beisetzung an einem heiligen Platz eines ausdrücklichen Senatsbeschlusses bedurft hätte.<ref>Cassius Dio 39, 64; Sueton, Divus Iulius 84, 1; Plutarch, Pompeius 53, 4 und Caesar 23, 4; Livius, periochae 106.</ref>
Caesar wollte nach Iulias Tod die Triumviratspolitik fortsetzen. Dies zeigt sich auch daran, dass er Pompeius anbot, nun seine Großnichte Octavia Minor zu ehelichen, was Pompeius jedoch ablehnte.<ref>Sueton, Divus Iulius 27, 1.</ref> Mit Iulias Tod erlosch Pompeius’ familiäre Bindung an die Julier, insbesondere Caesar. Damit ebnete ihr Tod den Weg für den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius, der 49 v. Chr. begann. Diesen Sachverhalt betonte schon die antike Überlieferung.<ref>Vergleiche etwa Lucan, Pharsalia 1, 111–120; Velleius 2, 47, 2.</ref>
Im Jahr 46 v. Chr. richtete Caesar in Erfüllung seines Versprechens an das Volk zu Ehren seiner Tochter umfangreiche Leichenspiele einschließlich Gladiatorenkämpfen aus, wofür er eigens eine neue Arena im Forum Romanum errichten ließ.<ref>Sueton, Divus Iulius 26, 2; Plutarch, Caesar 55, 3; Cassius Dio 43, 22, 3.</ref> Das Datum der Leichenspiele wurde im September bewusst so gewählt, dass es mit den ludi Veneris Genetricis, den Feierlichkeiten zu Ehren der göttlichen Ahnmutter der Julier, Venus Genetrix, zusammenfiel. Octavian, der Erbe Caesars, wiederholte dieses Modell im Jahre 44 v. Chr., als er die ludi funebres für Caesar ausrichtete und dafür bewusst die ludi Veneris Genetricis vom September in den Monat Juli verschob. Als Octavian nach der Ermordung des Diktators Anfang Mai 44 v. Chr. in Rom einzog, sollen zwei Omina seinen künftigen Ruhm verkündet haben, zum einen das Auftreten eines Sonnenhalos und zum anderen der Einschlag eines Blitzes in das Grabmal Iulias.<ref>Sueton, Augustus 95; dazu Jochen Bleicken, Augustus, Berlin 1998, S. 64.</ref>
Literatur
- Friedrich Münzer: Iulius (547). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band X,1, Stuttgart 1918, Sp. 894 f.
Weblinks
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- Jona Lendering: Julia (2). In: Livius.org (englisch)
Anmerkungen
<references/>
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Iulia |
| ALTERNATIVNAMEN | Iulia Caesaris; Julia; Julia Caesaris |
| KURZBESCHREIBUNG | Tochter Caesars |
| GEBURTSDATUM | zwischen 83 v. Chr. und 76 v. Chr. |
| STERBEDATUM | August 54 v. Chr. oder September 54 v. Chr. |