Kolë Idromeno
Nikolla „Kolë“ Idromeno [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] (auch Kol Idromeno; * 15. August 1860 in Shkodra; † 12. Dezember 1939 ebenda) war ein albanischer Künstler. Er gilt als einer der ersten Fotografen und Kinematographen Albaniens. Auch sein künstlerisches Werk im Bereich der Malerei gehört zu den einflussreichsten in der Geschichte der Malerei seines Heimatlandes.
Leben und Wirken
Idromenos Vater, Arsen Idromeno, war mittelständischer Bauunternehmer. Er stammte ursprünglich aus Arta in Çamëria und war schon lange in Shkodra ansässig, wo er Roza Saraçi, eine Einheimische, geheiratet hatte.<ref name="nostalgji">Galeria Kombëtare e Arteve (Hrsg.): Nostalgji (Ausstellungskatalog). Tirana 2001.</ref> In seiner Heimatstadt Shkodra lernte Kolë Idromeno von Pjetër Marubi, einem Freund der Familie, die Grundlagen der Fotografie kennen. Mit elf Jahren begann er, erste Aquarelle zu malen.<ref name="mezuraj">mezuraj.museum. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. Februar 2015; abgerufen am 28. August 2012.</ref><ref name="nostalgji" /> Auf Drängen von Marubi und mit dessen Unterstützung studierte er 1876 für sechs Monate in Venedig an der Accademia di belle arti di Venezia Malerei.<ref>Robert Elsie: Frühe Fotografie in Albanien – Einführung. In: albanianphotography.net. Abgerufen am 31. Januar 2023.</ref> Nach dem Abbruch des Studiums arbeitete er im Atelier eines lokalen Malers als dessen Assistent.<ref name="mezuraj" />
Ab 1878, zurück in Albanien, beschäftigte er sich in verschiedenen Bereichen: Er arbeitete als Architekt, Bildhauer, Fotograf, Bühnenbildner, Cinématographe, Ingenieur, Posaunenspieler im Stadtorchester<ref name="mezuraj" /> und Maler.<ref name="guide">Ferid Hudhri: Fine Arts. In: Genc Myftiu (Hrsg.): Guide of Albanian History and Cultural Heritage. Sustainable Economic Development Agency, Tirana 2000, S. 97 f.</ref><ref name="hudhri" /> Zudem machte er sich auch für die albanische Unabhängigkeit stark, weshalb er 1897 für ein Jahr nach Ulcinj auswandern musste.<ref name="mezuraj" /><ref name="nostalgji" />
Als Architekt zeichnete er die Pläne für rund 50 Gebäude. Nebst privaten und öffentlichen Gebäuden entwarf er auch Industrieanlagen, das Kino Rozafa, ein Bankgebäude und das Kafja e Madhe (The Grand Café).<ref name="mezuraj" /> Die Decke der Kathedrale von Shkodra stammt ebenfalls von Idromeno.<ref>Kisha katolike Shkodër: Katedralja e Shen Shtjefnit. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juli 2011; abgerufen am 28. August 2012. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Idromeno hatte 1883 mit der Hilfe von Marubi ein gut gehendes Fotostudio gegründet. 1912 führte er als erster in Albanien mit einem eigenen Projektor Filme vor. Im gleichen Jahr gründete er das erste Kino des Landes.<ref name="chauvin.raby">Loïc Chauvin, Christian Raby: Albania, a photographic journey 1858-1945. Écrits de Lumière, Paris 2011, ISBN 978-2-9538669-1-9.</ref><ref name="elsie">Robert Elsie: Writing in Light – Early Photography of Albania and the Southwestern Balkans / Dritëshkronja – Fotografia e hershme nga Shqipëria dhe Ballkani. ATV Media Company & Arbi, Prishtina 2007, ISBN 978-9951-8735-1-2, S. 9.</ref> Mit den Brüdern Lumière in Paris korrespondierte er laufend. Idromeno lehrte Kunst, sammelte zeitgenössische Kunst<ref name="ficker">Friedbert Ficker: Bildende Kunst. In: Klaus-Detlev Grothusen (Hrsg.): Albanien (= Südosteuropa-Handbuch). Band VII. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-36207-2, S. 705 f.</ref> und regte 1923 die erste Kunstausstellung in Shkodra an.<ref name="guide" />
Werk und Rezeption
„Als ersten genuin albanischen Künstler wird man den Maler Kol Idromeno bezeichnen …“
Idromeno gilt als wichtigster Maler der albanischen nationalen Wiedergeburt und Begründer des Realismus' in Albanien.<ref name="hudhri">Ferid Hudhri: Albania Through Art. Onufri, Tirana 2003, ISBN 99927-53-67-6.</ref><ref name="mezuraj" />
Bis 1896 malte er hauptsächlich Bilder mit religiösen Themen. Später malte er als wohl erster Albaner laizistische und realistische Bilder mit historischen Ereignissen und Alltagsmotiven wie Feste (Shkodraner Hochzeit) und Trachten.<ref name="mezuraj" /> Idromeno war der erste Landschaftsmaler in der modernen albanischen Malerei (Hof eines Hauses in Shkodra). Der Realismus in seinen Gemälden gelangte durch eine schon fast fotografische Detailgetreue zum Ausdruck.<ref name="mezuraj" /> Idromeno schuf auch viele Porträts – oft von Familienmitgliedern oder Persönlichkeiten aus Shkodra. Sein berühmtestes Werk ist Motra Tone, das seine Schwester Tona zeigt und manchmal auch als Albanische Mona Lisa bezeichnet wird.<ref name="hudhri" /><ref name="ficker" /> Im Jahr 1883 gemalt, ist es sein erstes bekanntes Werk nach seiner Rückkehr aus Venedig. Es gilt als erstes säkulares Porträt der bildenden Kunst Albaniens.<ref name="nostalgji" />
Seine Arbeiten wurden auf internationalen Ausstellungen, zum Beispiel 1898 in Budapest, 1900 in Wien und 1939 in New York, sowie an der ersten Nationalen Kunstausstellung in Tirana im Jahr 1931 gezeigt.<ref name="guide" /><ref name="nostalgji" /> Heute sind sie in Shkodra<ref name="trescher">Renate Ndarurinze: Albanien entdecken. Trescher Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89794-091-4, S. 109.</ref> sowie in Tirana in der Nationalen Kunstgalerie, die 26 Werke besitzt, und im Mezuraj Museum, das mindestens über ein Bild verfügt, zu sehen.<ref name="mezuraj" /><ref name="nostalgji" />
Idromenos fotografisches Schaffen ist durch zahlreiche Postkarten erhalten, die insbesondere zur Zeit der Besatzung Shkodras durch österreichisch-ungarische Truppen während des Ersten Weltkriegs entstanden sind. Auch hier zeigt sein Werk – inspiriert durch die Fotografie von Pjetër Marubi – nebst Aufnahmen der Stadt und Alltagsszenen wie den Markt viele Porträts insbesondere von Frauen in ihren Trachten, zum Teil auch verschleiert. Die Fotografie diente ihm zum Teil als Vorlage für Bilder, war aber vor allem eigenständiger Ausdruck seines künstlerischen Schaffens.<ref name="chauvin.raby" />
Im Jahr 1985 wurde Idromeno im kommunistischen Albanien postum zum Maler des Volkes (albanisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ernannt.<ref name="nostalgji" />
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Motra Tone (Schwester Tona);
Öl, 1883, Nationale Kunstgalerie Tirana -
Oborri i shtëpisë shkodrane (Hof des Shkodraner Hauses);
Öl, um 1920, Nationale Kunstgalerie Tirana -
Dasma shkodrane (Shkodraner Hochzeit);
Öl, 1924, Nationale Kunstgalerie Tirana -
Frau aus Shkodra in katholischer Tracht;
Postkarte um 1910 -
Decke der St. Stefanskathedrale in Shkodra
Literatur
- Mikel Prenushi: Kolë Idromeno (1860–1939), jeta dhe vepra. 8 Nëntori, Tirana 1984.
- Eleni Laperi: Kolë Idromeno: themeluesi i artit realist shqiptar. Mediaprint, Tirana 2022, ISBN 978-9928-08605-1.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Idromeno, Kolë |
| ALTERNATIVNAMEN | Idromeno, Nikolla (wirklicher Name); Idromeno, Kol |
| KURZBESCHREIBUNG | albanischer Künstler |
| GEBURTSDATUM | 15. August 1860 |
| GEBURTSORT | Shkodra, Albanien |
| STERBEDATUM | 12. Dezember 1939 |
| STERBEORT | Shkodra, Albanien |
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