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Landhaus J. C. Godeffroy

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Datei:Herrenhaus Hirschpark.jpg
Landhaus Cesar Godeffroy

Das Landhaus J. C. Godeffroy, auch Hirschparkhaus, ist ein vom Architekten Christian Frederik Hansen entworfenes klassizistisches Landhaus an der Elbchaussee in Hamburg-Nienstedten.

Geschichte und Ausstattung

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Landhaus Cesar Godeffroy um 1865
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Gartenseite Landhaus Cesar Godeffroy um 1865

Am 30. Oktober 1786 wurde Cesar Godeffroy (1742–1818) Besitzer des größten Landgutes der Gegend, das er nach dem Tode des Vorbesitzers Berend Johann Rodde käuflich erworben hatte. Er beauftragte als erster Bauherr den für die dänischen Landesteile Holstein und Altona/Elbe zuständigen Landbaumeister Christian Frederik Hansen 1789 mit dem Bau eines Land- oder Sommerhauses. Die Bauzeit betrug etwa drei Jahre. Die Villa besteht aus einem zweigeschossigen Mittelbau mit fünf Achsen und zwei eingeschossigen Seitenflügeln mit drei Achsen. Die Eingangstür Richtung Norden wird von zwei großen Sandsteinsäulen eingerahmt. „Der Ruhe weisem Genuss“ lautet die Inschrift, die jeden Besucher empfängt. Sie soll von dem dänischen Theologen Peter Christian Steenvinkel (1742–99) stammen.<ref>E.H. Beilcke: Jes Bundsen und der König von Dänemark. elbaol Verlag für Printmedien, Hamburg 2004, S. 105.</ref>

Hansens erstes bedeutendes Bauwerk in Altona leitete die heutige städtebauliche Entwicklung der Elbchaussee ein, dem ein Auftrag für das nahe gelegene Landhaus P. Godeffroy – das Weiße Haus – von Cesars Bruder Peter Godeffroy folgte. Mit ähnlichen Grundrissen weisen beide Landhäuser einen mittleren südlich zur Elbe gelegenen Gartensaal mit Säulenloggia auf, der beim Halbrund des Landhauses J. C. Godeffroy an Hansens Lehrer Nicolas-Henri Jardin und Caspar Frederik Harsdorff erinnert.<ref>Architekturzeichnung der Nationalen Dänischen Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Nienstedten, Elbchaussee 499, C. Godeffroy’s Landhus (online).</ref> Mit seinen rechteckigen Umrissen und einfachen Wandgliederungen verweist das Landhaus auf die Revolutionsarchitekten Claude-Nicolas Ledoux und François-Joseph Bélanger. Die Fensterumrahmungen und Dreiecksgiebel der Erdgeschossfenster sind mit Sandstein abgesetzt. Die aufwendige Materialwahl setzte sich im Inneren mit Stuckaturen von Diele und Speisesaal im Westflügel fort, der mit Blumenranken und Puttenreliefs verziert wurde. Die 1856 erneuerte Stuckatur des sich südlich an die Diele anschließenden Gartensaals erreichte nicht die feine ursprüngliche Ausführung. Der weite Blick über die Elbe rechtfertigt die südliche Ausrichtung anstatt zum Park. Um 1800 entstand ein reetgedecktes Kavaliershaus. Über die damalige Einrichtung gibt es keine Kenntnisse. Im Jahr 1856 war der in Hamburg bekannte Möbelfabrikant und Innenarchitekt Ludwig Piglhein mit einer Neuausstattung beauftragt worden. Vermutlich ab 1880 wurde das Landhaus erstmals von Cesar Godeffroy (1813–1885) ganzjährig bewohnt.

Das Landhaus J. C. Godeffroy wurde nahezu 100 Jahre lang von drei Generationen Cesar Godeffroy und deren Familien in den Sommermonaten bewohnt. Am 3. Juli 1845 waren hier Cesar Godeffroy (1781–1845) und am 9. Februar 1885 dessen Sohn verstorben.

Auf dem Gelände ließ Cesar Godeffroy (1781–1845) 1835 durch den Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf für 3.300 Mark Banco ein Gartenhaus errichten.<ref>Zitat: „Gärtnerhaus, im Park (Elbchaussee 491). Um 1835 von A. de Chateauneuf.“ Quelle: Renata Klée Gobert: Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg, Bd. II: Altona – Elbvororte, Hamburg 1953, S. 225. Das Landhaus hatte die Hausnummer Elbchaussee 499 und lag daher in einiger Entfernung zum Gärtnerhaus.</ref> Es ist erhalten, wobei das Äußere stark verändert wurde.

Der Park war zu Lebzeiten der Godeffroys der Öffentlichkeit zeitweilig zugänglich. Die Längsachse des Parkes parallel zur Elbchaussee wurde durch die vorhandene vierreihige Lindenallee vorgegeben, die aus der Zeit des Vorbesitzers A. Oldehorst ab 1620 stammt.

Nachnutzung

Datei:IMG 2278 - Arbeitskopie 2.jpg
Umrisskupferstich gezeichnet und gestochen von Rege und Steineck, ca. 1806, Altonaer Museum
Datei:Max Liebermann - Das Godeffroy’sche Landhaus im Hirschpark von Nienstedten an der Elbe.jpg
Max Liebermann, Hamburger Kunsthalle, 1902

1890 wurde das Haus samt Parkanlagen an den Kaufmann Ernst August Wriedt verkauft. 1924 wurden Haus und Parkanlagen von der Gemeinde Blankenese erworben, bevor diese mit dem Groß-Hamburg-Gesetz 1938 an Hamburg übergingen. Er ist seit 1924 als Hirschpark uneingeschränkt öffentlich zugänglich, die Räumlichkeiten des Hauses sind an eine Ballettschule vermietet.<ref>Landhaus J.C. Godeffroy (Hirschparkhaus). hamburg.de (Bezirk Altona) Baudenkmäler, abgerufen am 19. April 2013.</ref>

Park

Ansichten und Pläne

Literatur

  • Ulrich Bauche u. a.: Gärten, Landhäuser und Villen des hamburgischen Bürgertums. Hrsg.: Museum f. Hamburgische Geschichte, Hamburg. (Ausstellungskatalog). Hamburg 1975, S. 228.
  • Richard Ehrenberg: Aus der Vorzeit von Blankenese und den benachbarten Ortschaften Wedel, Dockenhuden, Nienstedten und Flottbek. Otto Meißner Verlag, Hamburg 1897, Die Entstehung der ersten Hamburgischen Lustgärten an der Elbe. Dockenhuden, III., S. 95–96 (uni-hamburg.de).
  • Joachim Gerhardt: Das Landhaus Godeffroy im Hirschpark. In: Blankenese. Band 13, Januar 1960, S. 18–19 (uni-hamburg.de).
  • Paul Theodor Hoffmann: Die Elbchaussee, ihre Landsitze, Menschen u. Schicksale. 8. Auflage. Christians Verlag, Hamburg 1977, ISBN 3-7672-0496-7.
  • Wolfgang Kemp: Hansens Landhäuser in Altona; ihre räumliche Organisation, in Bärbel Hedinger (Hrsg.): C. F. Hansen in Hamburg, Altona und den Elbvororten, München 2000, S. 39–46, (pdf, 2 MB, Universität Heidelberg).
  • Renata Klee-Gobert, Heinz Ramm: Landhaus J.C. Godeffroy und Hirschpark. In: Günther Grundmann, Kulturbehörde (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. 2. Auflage. Band 2. Christians Verlag, Hamburg 1970, ISBN 3-7672-0595-5, S. 222–225.
  • Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Edition Axel Menges, Stuttgart 1995, ISBN 3-930698-58-7 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3DTrNKZxfO3g8C~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA242~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  • Hakon Lund, Anne Lise Thygesen: Christian Frederik Hansen. Band I., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1999, ISBN 978-3-422-06247-4, S. 76–84

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 53° 33′ 30″ N, 9° 49′ 21,1″ O

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