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Mannitolhexanitrat

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Mannitolhexanitrat oder auch Nitromannit ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Salpetersäureester und ein selten gebrauchter Sprengstoff. Es kann sowohl als Initialsprengstoff als auch als Hauptladung verwendet werden. Aufgrund seiner geringen Stabilität wird es in Europa nicht verwendet, da man es durch andere stabilere Sprengstoffe ersetzen kann. Nur in den USA hat es eine gewisse Bedeutung als Sprengkapselfüllung erlangt. Es wird mit Ammoniumcarbonat stabilisiert und muss absolut säurefrei sein, da es sonst spontan detonieren kann.

Gewinnung und Darstellung

Es wird durch die Veresterung von Mannitol mit Salpetersäure gewonnen. Hierzu wird Mannit in kalter konzentrierter Salpetersäure gelöst und danach mit konzentrierter Schwefelsäure ausgefällt.<ref name="Explosivstoffe" />

Eigenschaften

Mannitolhexanitrat bildet farblose kristalline Nadeln, die bei 112 bis 113 °C schmelzen.<ref name="Explosivstoffe" /> Die Standardbildungsenthalpie ΔfH0solid beträgt −708,8 kJ·mol−1,<ref name="Handrick">G. R. Handrick: Report of the study of pure explosive compounds. Part IV: Calculation of heat of combustion of organic compounds from structural features and calculation of power of high explosives. In: Report C-58247 for the Office of the Chief of Ordnance, contract DA-19-020-ORD-47 by the Arthur D. Little, Inc. Cambridge, MA, 1956, S. 467–573.</ref> die Verbrennungsenthalpie ΔcH0solid −2936 kJ·mol−1.<ref name="Handrick" />

Explosionskenngrößen

Mannitolhexanitrat ist ein explosionsgefährlicher Stoff. Er ist im Sprengstoffgesetz in der Liste der einheitlich explosionsgefährlichen Stoffe enthalten, für die das Gesetz in vollem Umfang gilt.<ref name="Roth_Weller">L. Roth, U. Weller: Gefährliche Chemische Reaktionen. ecomed Verlag, 64. Ergänzungslieferung, 8/2011.</ref> Wichtige Explosionskennzahlen sind:

  • Explosionswärme: 5928 kJ·kg−1 (H2O (g)).<ref name="Explosivstoffe" />
  • Detonationsgeschwindigkeit: 8260 m·s−1 bei der Dichte von 1,73 g·cm−3<ref name="Explosivstoffe">J. Köhler, R. Meyer, A. Homburg: Explosivstoffe. 10., vollst. überarb. Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32009-7.</ref>
  • Normalgasvolumen: 755 l·kg−1.<ref name="Explosivstoffe" />
  • Spezifische Energie: 1087 kJ·kg−1<ref name="Explosivstoffe" />
  • Verpuffungspunkt: 185 °C<ref name="Explosivstoffe" />
  • Bleiblockausbauchung: 51 cm3·g−1<ref name="Explosivstoffe" />
  • Schlagempfindlichkeit: 0,8 N·m<ref name="Explosivstoffe" />, 1 N·m<ref name="Energetic Materials Encyclopedia">Klapötke, T.M.: Energetic Materials Encyclopedia, de Gruyter, Berlin/Boston 2018, ISBN 978-3-11-044139-0, S. 281.</ref>
  • Reibempfindlichkeit: 30 N<ref name="Energetic Materials Encyclopedia" />

Verwendung

Neben seiner Anwendung als Sprengstoff dient es in der Medizin als gefäßerweiterndes Mittel bei Angina pectoris.<ref name="GESTIS" />

Einzelnachweise

<references />