Miguel Díaz-Canel
Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez (<templatestyles src="IPA/styles.css" />, * 20. April 1960 in Falcón, Placetas) ist ein kubanischer Politiker und seit dem 19. April 2018 Präsident des Staats- und des Ministerrats der Republik Kuba. Seit dem 10. Oktober 2019 ist er nach der neuen Verfassung Staatspräsident der Republik Kuba und seit dem 19. April 2021 außerdem Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas (PCC), beides als Nachfolger von Raúl Castro.
Leben
Herkunft, Ausbildung und Studium
Díaz-Canel schloss 1982 sein Studium als Elektronikingenieur ab und arbeitete bis 1985 als Funk-Spezialist bei den kubanischen Streitkräften, wo er den Rang eines Oberstleutnants (Teniente Coronel) innehatte.<ref name="Ichikawa">Emilio Ichikawa: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Teniente Coronel Miguel Díaz-Canel: Dos lecturas ( vom 8. Juni 2015 im Internet Archive), 8. Dezember 2013.</ref> Ab April 1985 unterrichtete er an der Universidad Central „Marta Abreu“ de Las Villas (UCLV) in Santa Clara. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitete er bis 1987 hauptamtlich für die Nachwuchsorganisation der PCC, die Unión de Jóvenes Comunistas (UJC).
In den 1980er Jahren trug er seine damals noch blonden Haare lang, hörte Rockmusik und unterstützte den Erhalt eines Nachtklubs für Künstler, Rocker, Bohemiens und Transvestiten, was in Kuba als verdächtig galt.<ref>Von Castros Gnaden – Miguel Díaz-Canel übernimmt in Kuba. In: Spiegel Online, abgerufen am 19. April 2018.</ref>
Zwischen 1987 und 1989 erfüllte er internationalistische Missionen in Nicaragua, wo er politischer Kommissar der UJC-Sektion der Armee war. Als er zurückkehrte, wurde er Leiter der UJC in der Provinz Villa Clara. Er wurde zum Mitglied des Nationalkomitees der UJC und 1991 zum Mitglied des Zentralkomitees der PCC gewählt. 1993 wurde er zum zweiten Sekretär des Nationalkomitees der UJC ernannt.
Politische Karriere bis zur Präsidentschaft
1993 wurde er Mitglied des Provinzkomitees der PCC in Villa Clara und 1994 zu dessen Erstem Sekretär gewählt, dem höchsten öffentlichen Amt auf regionaler Ebene. Unter seiner Führung wurde in der Provinz Villa Clara ein für kubanische Verhältnisse besonders tolerantes Kulturleben ermöglicht. Im Unterschied zu anderen Provinzfunktionären trug er damals oft T-Shirts und fuhr zudem lange mit dem Fahrrad zur Arbeit, bis ihm die Partei dies aus Sicherheitsgründen untersagte.<ref>Cuba Shows Its Next President. In: Havana Times, 25. Februar 2013.</ref><ref name="Tamayo" /> 2003 wechselte er von Villa Clara in die Provinz Holguín, wo er ebenfalls den Posten des Ersten Parteisekretärs und damit den Regierungsvorsitz übernahm. Noch im selben Jahr wurde er auf Vorschlag Raúl Castros mit 43 Jahren als bisher jüngster Politiker ins Politbüro des ZK der PCC gewählt, das höchste Gremium der Partei, das aktuell 14 Mitglieder umfasst.<ref name="Tamayo">Juan Tamayo: Miguel Diaz-Canel, Cuba’s new No. 2, respected as smart and personable. In: Miami Herald vom 24. Februar 2013, abgerufen am 27. Februar 2013 (englisch).</ref> Im Mai 2009 wurde er Minister für Hochschulbildung. Am 22. März 2012 gab er diesen Posten auf, um seine neue Position als Vizepräsident des Ministerrats aufnehmen zu können.
In der kubanischen Staatsführung waren seit 1959 maßgeblich dieselben, überwiegend in den 1920er Jahren geborenen ehemaligen Guerillakämpfer vertreten. Während der Präsidentschaft Raúl Castros gelangten weitere Angehörige des Militärs in hohe politische Ämter. Demgegenüber gehörte Díaz-Canel neben Marino Murillo zur jüngeren Generation erfolgreicher Parteikader. Wie die übrigen jüngeren Kader stand er innerhalb der streng hierarchisch organisierten politischen Ordnung für absolute Treue zur Staats- und Parteiführung. Díaz-Canels Aufstieg verlief schrittweise und stetig, wohingegen die politischen Karrieren mehrerer seiner früheren Vorstandskollegen des kommunistischen Jugendverbands nach zwischenzeitlicher Prominenz unrühmlich endeten, darunter die von Roberto Robaina, Otto Rivero, Carlos Valenciaga und Felipe Pérez Roque.<ref>Andrea Rodriguez: Miguel Diaz-Canel, Raul Castro’s likely heir-apparent, seen as a serious-minded party loyalist. In: Fox News vom 24. Februar 2013, abgerufen am 22. Januar 2014 (englisch).</ref><ref>Paul Haven: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Miguel Diaz-Canel, First Vice President Of Cuba’s Communist Party, Rose Gradually To Castro’s No. 2 ( vom 3. Februar 2014 im Internet Archive). In: Huffington Post vom 25. Februar 2013, abgerufen am 22. Januar 2014 (englisch).</ref> Laut Berichten ausländischer Medien gehörte Díaz-Canel 2002 zu den Belastungszeugen gegen den in Ungnade gefallenen Außenminister Robaina und trat neben weiteren ehemaligen Mitarbeitern in einer rund zweistündigen Videodokumentation auf, die von der Parteiführung ausschließlich Parteikadern zum Beleg der Verfehlungen des entlassenen Funktionärs vorgeführt wurde.<ref>Expulsan del Partido Comunista de Cuba a ex canciller Roberto Robaina. In: La Red 21 vom 1. August 2002, abgerufen am 27. Februar 2013 (spanisch).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />El ex canciller cubano Roberto Robaina es expulsado del PCC y cesado como diputado ( vom 1. Februar 2014 im Internet Archive). In: Diario de Avisos vom 3. August 2002, abgerufen am 27. Februar 2013 (spanisch).</ref> Im folgenden Jahr erfolgte dann Canels Berufung ins Politbüro.
Auf dem VI. Parteitag der PCC im April 2011 stellte Díaz-Canel dem Plenum den Beschlussentwurf zum zuvor von Staats- und Parteichef Raúl Castro vorgetragenen Hauptbericht vor.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Resolución sobre el Informe Central. ( vom 23. April 2011 im Internet Archive) In: Granma vom 19. April 2011, abgerufen am 31. März 2012 (spanisch).</ref> Diese prominente Rolle wurde als ein Zeichen seines Aufstiegs in der Parteihierarchie gewertet.<ref>Gerardo Arreola: Aprobado, el plan de reforma de Raúl Castro; eligen al Comité Central. In: La Jornada vom 19. April 2011, abgerufen am 31. März 2012 (spanisch).</ref> Neben seiner exekutiven Position und seinen Parteiämtern vertritt Díaz-Canel den Wahlbezirk Holguín als Abgeordneter im nationalen Parlament, der Asamblea Nacional del Poder Popular.
Im Februar 2013 wurde Díaz-Canel als Nachfolger des 82-jährigen José Ramón Machado Ventura zum Ersten Vizepräsidenten des Staatsrates und damit zu Kubas „Nummer Zwei“ nach Raúl Castro ernannt.<ref>Arleen Rodríguez Derivet: Ratificado Raúl como presidente del Consejo de Estado y del Consejo de Ministros (+ Fotos) Artikel vom 24. Februar 2013 auf cubadebate.cu. Abgerufen am 21. April 2021 (spanisch).</ref> Seit seiner Wahl zum Vorsitzenden der PCC (Erster Sekretär) im April 2021 auf dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas besitzt er die volle Macht im Staat.
Präsidentschaft
Díaz-Canel wurde am 19. April 2018 vom Parlament zum Nachfolger Raúl Castros als Präsident des Staats- und Ministerrats gewählt.<ref>Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten Kubas gewählt. Abgerufen am 21. April 2018.</ref> Er ist damit der erste nach der Revolution geborene Präsident Kubas. Jedoch hat er zumindest vorerst nicht die Machtfülle der Castro-Brüder bekommen: Raúl blieb Erster Sekretär des ZK der PCC, der laut Verfassung die Führungsrolle im Staat zukommt.<ref>Andreas Ross: Das Ende der Ära Castro: Ein Kind der Revolution. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. April 2018, abgerufen am 18. April 2018.</ref> Den Respekt in der Bevölkerung, den seine Vorgänger genossen, konnte er für sich jedoch nicht verbuchen.<ref>Frances Robles: ¿Cuba puede sobrevivir sin el petróleo de Venezuela? In: The New York Times. 17. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sein Vorgänger Raúl Castro blieb weiterhin Graue Eminenz mit der wahren Macht in Kuba.<ref>Marc Caputo: Scoop: Inside the historic U.S.-Cuba negotiations in Havana. In: Axios. 17. April 2026, abgerufen am 17. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nach seiner Wahl zum Präsidenten des Staats- und Ministerrats erklärte er in seiner ersten Rede vor der Nationalversammlung: „Ich übernehme die Verantwortung, für die ich gewählt wurde, mit der Überzeugung, dass alle Kubaner dem Erbe des Oberbefehlshabers Fidel Castro treu bleiben werden“, und betonte, den sozialistischen Weg verteidigen und perfektionieren zu wollen.<ref>Kein Emporkömmling – keine Notlösung: Castro-Nachfolger Diaz-Canel. Abgerufen am 19. April 2018.</ref> Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage sowie der unter Raúl angestoßenen, aber nur zum Teil umgesetzten Reformen bleibt jedoch der Druck groß, dass die Regierung Díaz-Canel weitere Veränderungen angehen muss.<ref>Bert Hoffmann: Kuba nach Raúl: Der Reformdruck bleibt hoch. Abgerufen am 29. Mai 2018.</ref>
Im April 2019 trat in Kuba die neue Verfassung in Kraft, nach der es erstmals seit 1976 wieder einen kubanischen Staatspräsidenten gibt. Am 10. Oktober 2019 wurde Miguel Díaz-Canel daraufhin zum Staatspräsidenten Kubas gewählt.<ref>Kuba: Díaz-Canel zum ersten Präsidenten seit 1976 gewählt</ref>
Mit der Wahl von Díaz-Canel verband die Bevölkerung zunächst die Hoffnung, dass mit der Verjüngung der Führungsspitze ein frischer Wind wehen würde. Diese wurde jedoch schnell enttäuscht. Seit 2019 kommt das Land nicht mehr aus dem Krisenmodus heraus. Beginnend mit der Corona-Pandemie und der mitten in die Pandemie fallenden verunglückten Währungsreform zum Jahreswechsel 2020/2021, als der Peso Convertible (CUC) durch die digitale Moneda Libremente Convertible (MLC) ersetzt wurde, sank die Wirtschaft in fast allen Bereichen. Die Versorgung der Bevölkerung nimmt ab, die Inflation steigt, Stromausfälle nehmen stetig zu und kulminierten im Oktober 2024 in einem mehrtägigen landesweiten Stromausfall. Immer wieder aufflammende Antiregierungsproteste werden brutal unterdrückt. Zwar macht die Regierung hierfür, wie üblich, die US-‚Blockade‘ verantwortlich, jedoch wirft selbst Partner China Kubas Führung mangelnden Reformwillen vor.<ref>Sandra Weiss: Bankrott der Unbelehrbaren. In: IPG-Journal. Friedrich-Ebert-Stiftung, 25. Oktober 2024, abgerufen am 25. Oktober 2024.</ref>
In der konstituierenden Sitzung der neu gewählten Nationalversammlung wurde Díaz-Canel am 19. April 2023 für eine weitere fünfjährige Amtszeit gewählt. Als große Herausforderungen seiner zweiten Amtszeit werden die Inflation und die Versorgung der Insel mit Medikamenten, Nahrungsmitteln und Elektrizität genannt.<ref>tagesschau.de: Kuba: Díaz-Canel als Präsident bestätigt. 20. April 2023, abgerufen am 20. April 2023.</ref>
Am 11. Juli 2025, dem Jahrestag der Massenunruhen in Kuba 2021, wurden die US-Sanktionen gegen Kuba auf Díaz-Canel persönlich sowie den Verteidigungs- und Innenminister und deren unmittelbaren Angehörige ausgeweitet.<ref>USA belegen Kubas Präsident Díaz-Canel mit Sanktionen. In: Spiegel.de. 12. Juli 2025, abgerufen am 12. Juli 2025.</ref> Da die Sanktionen hauptsächlich aus Visa-Beschränkungen bestehen, könnte dies bedeuten, dass Díaz-Canel beispielsweise nicht mehr an UN-Vollversammlungen teilnehmen kann.<ref>Trump bricht mit Biden-Plan: USA belegen Kubas Präsident Diaz-Canel mit Sanktionen. In: Frankfurter Rundschau. 12. Juli 2025, abgerufen am 12. Juli 2025.</ref>
Im Rahmen von bilateralen Verhandlungen im Zuge der Ende Januar 2026 verhängten Ölblockade gegen Kuba, um dort einen Regimewechsel zu erringen und auf kubanischer Seite mutmaßlich von Raúl Castros Enkel Raúl Guillermo Rodríguez Castro federführend geführt werden, erklärten die USA, dass ein Abtritt Díaz-Canels zwingende Voraussetzung zur Erlangung eines „Deals“, wie Donald Trump ein mögliches Abkommen bezeichnet.<ref>Nora Gámez Torres: As talks with Cuba advance, Trump administration eyes change in top leadership. In: Miami Herald. 4. März 2026, abgerufen am 4. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Privatleben
Miguel Díaz-Canel ist in zweiter Ehe mit der Kulturwissenschaftlerin und Tourismusfunktionärin Lis Cuesta Peraza verheiratet. Aus erster Ehe mit der Zahnärztin Marta Villanueva hat er zwei erwachsene Kinder.<ref>Mimi Whitefield und Nora Gámez Torres: ¿Quién es Miguel Díaz-Canel, el nuevo gobernante de Cuba? In: El Nuevo Herald. 19. April 2018, abgerufen am 21. April 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Sandra Weiss: Miguel Díaz-Canel beerbt Raúl Castro als Präsident Kubas. In: Augsburger Allgemeine. 19. April 2018, abgerufen am 21. April 2018.</ref>
Literatur
- Miguel Díaz-Canel in: Internationales Biographisches Archiv 24/2013 vom 11. Juni 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez – Kurzlebenslauf auf der Webseite der Kommunistischen Partei Kubas (spanisch)
- Marco Wermann: Cuba’s Next President-In-Waiting (mit Audio, 4:14 Min.), Interview auf PRI.org mit Peter Kornbluh über Díaz-Canel (englisch)
Einzelnachweise
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Präsident der Republik in Waffen:
Carlos M. de Céspedes |
Salvador C. Betancourt |
Juan B. Spotorno |
Tomás Estrada Palma |
Francisco J. de Céspedes |
Vicente García |
Manuel de Jesús Calvar |
Salvador Cisneros Betancourt |
Bartolomé Masó
Präsidenten der Republik Kuba:
Tomás Estrada Palma |
José Miguel Gómez |
Mario García Menocal |
Alfredo Zayas y Alfonso |
Gerardo Machado y Morales |
Carlos Manuel de Céspedes y Quesada |
La Pentarquía (Ramón Grau San Martín, Guillermo Portela, José Miguel Irizarri, Sergio Carbó, Porfirio Franca) |
Ramón Grau San Martín |
Carlos Hevia |
Manuel Márquez Sterling |
Carlos Mendieta y Montefur |
José A. Barnet |
Miguel Mariano Gómez |
Federico Laredo Brú |
Fulgencio Batista y Zaldívar |
Ramón Grau San Martín |
Carlos Prío Socarrás |
Fulgencio Batista y Zaldívar |
Anselmo Alliegro y Milá |
Manuel Urrutia Lleó |
Osvaldo Dorticós Torrado
Präsident des Staatsrates der Republik Kuba:
Fidel Castro Ruz |
Raúl Castro Ruz |
Miguel Díaz-Canel
Präsidenten der Republik Kuba:
Miguel Díaz-Canel
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang José Miguel Pérez (1925) | José Peña Vilaboa (1925–1926) | Jorge Vivo (1927–1933) | Blas Roca (1933–1961) | Fidel Castro (1961–2011) | Raúl Castro (2011–2021) | Miguel Díaz-Canel (seit 2021) Vorlage:Klappleiste/Ende
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Díaz-Canel, Miguel |
| ALTERNATIVNAMEN | Díaz-Canel Bermúdez, Miguel Mario (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | kubanischer Politiker und Vizepräsident des Ministerrats |
| GEBURTSDATUM | 20. April 1960 |
| GEBURTSORT | Falcón, Placetas, Kuba |