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Monte Viso

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(Weitergeleitet von Monviso)

Vorlage:Infobox Berg

Monte-Viso. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1957)

Der Monviso (auch: Monte Viso, franz. Mont Viso, okzitan. Vìsol, piemont.: Ël Viso) ist mit 3841 m Höhe der höchste Gipfel der Cottischen Alpen. Er liegt im Nordwesten Italiens nahe der Grenze zu Frankreich. Seit dem 29. Mai 2013 gehört das Gebiet als grenzüberschreitendes Biosphärenreservat (mit Frankreich) zum UNESCO-Welterbe.<ref>Vorlage:Cite web</ref>

Lage und Landschaft

Der Monte Viso ist für seine pyramidenartige Form bekannt. Da er seine benachbarten Gipfel um etwa 500 Meter überragt, ist er aus großer Entfernung sichtbar, unter anderem von der piemontesischen Ebene, dem Theodulpass im Skigebiet von Zermatt, dem Matterhorn, dem Col du Galibier sowie von den Gipfeln des Mont-Blanc-Massivs. An einem sehr klaren Tag kann er sogar von den Türmen des Mailänder Doms aus gesehen werden. Aufgrund seiner markanten Erscheinung spielt er eine wichtige Rolle in der regionalen Kultur. Dies unterstreicht auch die gebräuchliche Bezeichnung des Bergs als re di pietra („König aus Stein“).

An den nördlichen Hängen des Monte Viso befindet sich das Quellgebiet des Po, beim sogenannten Pian del Re (2020 m). Die Monviso-Gruppe ist weiterhin umgeben vom Valle Varaita und, auf französischer Seite, dem Guil-Tal und der Landschaft Queyras. Der nördliche Bereich der Gruppe, von der Punta Gastaldi bis zum Col de la Traversette, befindet sich an der französischen Grenze.

Geologie

Das Massiv wird vor allem aus den Gesteinen Serpentinit, Metagabbro und Metabasit (Monviso-Metaophiolith-Komplex) gebildet.<ref name="Balestro 2013">Lit. Balestro et al.: Geological map 2013;
Vergl. The Monviso meta-ophiolite complex in the frame of the Penninic domain of southwestern Cottian Alps. Abb. 4. in Daniele Castelli et al.: Crust-mantle interactions during subduction of oceanic & continental crust. Juni 2014, DOI:10.3301/GFT.2014.03 (Abb. auf researchgate.net).</ref>

Im Jahr 2003 wurde von Pierre Pétrequin von der Université de Franche-Comté in Besançon und seiner Frau Anne-Marie eine früh-jungsteinzeitliche Abbaustelle des sehr seltenen Gesteins Jadeitit entdeckt.<ref name="Pétrequin etal 2005">P. Pétrequin, A. M. Pétrequin et al.: Beigua, Monviso e Valais. All'origine delle grandi asce levigate di origine alpina in Europa occidentale durante il V millenio. In: Rivista di Scienze Preistoriche LV, 2005, S. 265–322.</ref><ref name="Petrequin etal 2012">Pierre Petrequin, Serge Cassen, Michel Errera, Lutz Klassen, Alison Sheridan; Anne-Marie Petrequin (Red.): Jade. Grandes haches alpines du Neolithique europeen. Ve et IVe millenaires av. J.-C. (= Les Cahiers de la MSHE Ledoux Band 17; Presses Universitaires de Franche-Comte et Centre de Recherche Archeologique de la Vallee de lAin Band 1224), Besançon 2012, ISBN 978-2-84867-412-4 (Besprechung, B. Ramminger, in Germania 95, dt., pdf, ub.uni-heidelberg.de).</ref> Es findet sich in Blöcken, die aus dem anstehenden Serpentinit auserodiert und talwärts verfrachtet wurden.<ref name="lda-lsa 2008">Ein 6000 Jahre altes Symbol der Macht. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: Fund des Monats: Januar 2008; insb. auch Abb. 3: Die Lage von Monte Viso und Monte Beigua und die Verbreitung großer Beile aus seltenen Gesteinen von diesen beiden Bergen.</ref>

Geschichte

Datiert wird der 2003 entdeckte Jadeitit-Steinbruch auf zwischen 5200 und 4000 vor Chr.<ref name="Pétrequin etal 2006">Pierre Pétrequin, Michel Errera, Anne-Marie Pétrequin, Pierre Allard: The Neolithic Quarries of Mont Viso, Piedmont, Italy: Initial Radiocarbon Dates. In: European Journal of Archaeology 9(1), April 2006, S. 7–30, doi:10.1177/1461957107077703 (researchgate.net).</ref><ref name="lda-lsa 2008" /> Der weitere Abbau des extrem zähen Materials kann nur durch Hitzesprengung erfolgt sein, bei der plattige Zerkleinerung möglich ist.<ref name="lda-lsa 2008" /> Aus dem Mineral, das sonst nur noch am Monte Beigua (südöstlich im Ligurischen Apennin) abgebaut wurde, wurden Steinbeilklingen hergestellt, die bis in die Bretagne (der Typ Rarogne), nach Bulgarien, Irland und Niedersachsen (Bermbeck)<ref>Jadeitbeile im Neolithikum, auf lwl-landesmuseum-herne.de, abgerufen am 28. September 2025</ref> getauscht wurden.<ref name="lda-lsa 2008" /><ref name="Rolfo etal 2015">Franco Rolfo et al.: The Monviso Massif and the Cottian Alps as Symbols of the Alpine Chain and Geological Heritage in Piemonte, Italy. In: Geoheritage, März 2015, Volume 7, Issue 1, S. 65–84 (link.springer.com).</ref> Heute wird der Jadeitabbau auf die Zeit zwischen 4500 und 3800 v. Chr. datiert. Das Mineral diente der Herstellung von Prunkbeilen, die in ganz Europa als Handelsgut galten.<ref>Wulf Hein, Rengert Elburg: Jadeit vom Monte Viso, in: Archäologie in Deutschland 06|2025, S. 40 f.</ref>

Wegen seiner Höhe und Fernsicht galt der Monviso bei den Römern als der höchste Berg der Alpen und des Römischen Reiches.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Der Gipfel wurde bereits von Vergil in der Aeneis erwähnt,<ref>Vergil: Aeneis, X, 708–9: „Actus aper, multos Vesulus quem pinifer annos defendit multosque palus Laurentia“. Vergleiche dazu etwa Vergil: Aeneis. Zweiter Teil. Siebentes bis zwölftes Buch: Die Waffen. Herausgegeben von Carl Thiel. Berlin 1838, S. 525. Abgerufen am 29. Januar 2017</ref> später in Dantes Göttlicher Komödie und Geoffrey Chaucers Canterbury Tales.

Erste Bergsteigungsversuche

Der erste dokumentierte Versuch, den Monviso zu besteigen, wurde 1836 vom Geometer Domenico Ansaldi aus Saluzzo unternommen. Aufgrund schlechter Wetterbedingungen in der Höhe scheiterte er jedoch und erreichte lediglich eine Höhe von 3700 m.

Um 1850 wurde ein weiterer Versuch von einem anonymen Zollhauptmann aus Abriès im Tal des Guil verzeichnet.

Paul Gullielmin schrieb: Vorlage:Zitat

1851 scheiterte ein weiterer Versuch, ebenfalls an der Nordwestwand, durch den Amerikaner Black aus Boston am Gletscher des Triangolo, kurz unterhalb des Gipfels.

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Blick auf den Mont Viso und das Hochtal Guil im Queyras (Hautes-Alpes, Frankreich).

1860 misslang der erste Versuch der Gruppe um den Engländer William Mattews, zu der Croz, Bonney und Hawkschaw gehörten, ebenfalls an der Nordwestwand.

Datei:Monviso001.jpg
Nordwestwand des Monte Viso

In den Jahren 1860 und 1861 reiste Edward Whymper, der später im Jahr 1865 als Erstbesteiger des Matterhorns bekannt wurde, in die Gegend des Monte Viso, beauftragt von einem Londoner Magazin, Zeichnungen des Berges anzufertigen. In der Gegend versuchte er vor allem, neue Alpenübergänge zu erkunden und zu eröffnen, die das französische Guil-Tal mit dem italienischen Po-Tal verbinden.

1861 formierte sich die Gruppe von William Mattews neu, bestehend aus den Brüdern Michel und Jean Baptiste Croz, Bergführern aus Chamonix, sowie dem Engländer William Jacomb. Von Turin aus stiegen sie das Varaita-Tal hinauf bis nach Casteldelfino und erreichten mit Hilfe einheimischer Bergbewohner das Vallone delle Forciolline südlich des Monviso. Sie übernachteten auf 3400 m auf einer Felsplattform an der Südwand und erreichten am folgenden Morgen um 9:20 Uhr den Gipfel am 30. August 1861. Die von den Alpinisten begangene Route wurde später als Mattews-Route oder Südroute bezeichnet und gilt heute als Normalweg, also als die einfachste und am häufigsten genutzte Route zum Gipfel.<ref name="Mikuteit 2009">Die Erstbesteigungen des Monviso. Blog, Wolfram Mikuteit, auf westalpen.wordpress.com, 27. Februar 2009 (zuletzt abgerufen am 6. Oktober 2019).</ref>

1862 erreichte eine zweite Gruppe unter der Führung des Engländers Tuckett den Gipfel über die Mattews-Route.

1863, in einer Zeit des patriotischen Enthusiasmus nach der italienischen Einigung, organisierte der Senator Quintino Sella die erste italienische Expedition zum Monviso. Aufgrund der Bedeutung und Sichtbarkeit des Gipfels sollte dies eine propagandistische Botschaft des nationalen Aufschwungs sein. Die italienische Expedition erreichte den Gipfel am 12. August 1863. Am selben Tag wurde in Turin von den Teilnehmern der Club Alpino Italiano gegründet.

1864 fand die erste weibliche Besteigung durch Alessandra Boarelli und Cecilia Fillia statt.<ref name=":0">Vorlage:Literatur</ref>

Routen und Hütten

Südwand (Normalweg) auch Via Mattews

Datei:Monviso sud.jpg
Normalroute auf der Südwand, auch Mattews-Route genannt

Den Normalweg, der über die Südseite auf den Gipfel führt, erreicht man vom Vallone delle Forciolline im oberen Varaita-Tal. Die meisten Bergsteiger erreichen jedoch den Startpunkt des Normalweges von der im oberen Po-Tal gelegenen Quintino-Sella-Hütte über den Passo delle Sagnette.

Der Weg folgt der von der Matthews-Gruppe im Jahr 1861 bei ihrer Erstbesteigung eröffneten Route entlang der am wenigsten steilen Südwand. Ein Stützpunkt für die Besteigung über den Normalweg ist das auf 3277 Metern Höhe gelegene Bivacco Andreotti, von dem aus man innerhalb von zwei Stunden den Gipfel erreichen kann. Es ist jedoch nur als Notunterkunft vorgesehen.

Der Normalweg umfasst Kletterpassagen im Schwierigkeitsgrad II/III- und ist insgesamt mit dem Schwierigkeitsgrad PD− bewertet. Die Schwierigkeit des Weges hängt jedoch deutlich von der Schneelage und den Wetterbedingungen ab.

Ostgrat

Die erste offizielle Besteigung des Ostgrats erfolgte am 7. August 1902 durch Adolfo und Elena Kind, Ubaldo Valbusa und Alberto Weber.<ref name=":1">Vorlage:Internetquelle</ref>

Die Besteigung weist alpinistische Schwierigkeiten vor allem des Grades AD (assez difficile) auf, mit Kletterpassagen bis zum Grad IV, insbesondere am Turm Saint Robert. Das Klettern ist nicht übermäßig technisch, erfordert jedoch große Aufmerksamkeit aufgrund der Exposition und der körperlichen Anstrengung, die erforderlich ist, um den langen und steilen Grat zu bewältigen.<ref name=":1" />

Der Startpunkt des Ostgrats ist die Quintino-Sella-Hütte (ca. 2020 m) und der Gipfel des Monviso liegt auf 3841 m, was einem Gesamt Höhenunterschied von ca. 1900 m entspricht. Der Aufstieg dauert je nach gewählter Route 5–7 Stunden und verläuft im oberen Teil überwiegend auf dem Grat.<ref name=":1" />

Nordwand (Couloir Coolidge)

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Route der Nordwand entlang des Coolidge-Couloirs

Die Erstbesteigung der Nordwand erfolgte am 28. Juli 1881 durch den amerikanischen Theologen und Bergsteiger William Augustus Brevoort Coolidge zusammen mit den Bergführern Christian und Ulrich Almer. Angesichts der extremen Schwierigkeit und der Umweltbedingungen der Wand galt diese Leistung damals als Pionierleistung und als sehr avantgardistisch.<ref name=":0" />

Die Nordwand zeichnet sich durch ihre kältere und anspruchsvollere Lage im Vergleich zu den anderen Wänden des Monviso aus. Sie befindet sich nordöstlich des Hauptgipfels oberhalb des Lago Chiaretto entlang der Coolidge-Rinne, die oft auch im Sommer schneebedeckt ist. Die Besteigung weist alpinistische Schwierigkeiten vor allem des Grades D+ (difficile) auf.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Nordwestroute (voie Guillemin)

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Wanderwege

Der Monte Viso wird vom Wanderweg Giro di Viso umrundet, der auch durch den Tunnel Buco di Viso führt.<ref>vgl. Kürschner 2017, S. 198–203.</ref>

Seit einigen Jahren findet – klassischerweise Ende August – auf Wegen im Gebiet um den Gipfel ein Traillauf-Wettkampf, die Tour Monviso Trail, statt. Diese umfasst drei Einzelwettkämpfe: Die 11 Kilometer lange Tour Monviso Walk mit 450 Höhenmetern im Aufstieg, die 23,3 Kilometer lange Tour Monviso Race mit 1825 Höhenmetern im Aufstieg und als längste Disziplin die 43 Kilometer lange Tour Monviso Trail mit 3066 Höhenmetern im Aufstieg.<ref>Tour Monviso Trail. Abgerufen am 27. Januar 2017</ref>

Kultur und Naturschutz

Das Monviso-Massiv ist als UNESCO-Biosphärenreservat ausgewiesen. Die Jadeitit-Abbaustellen sind ebenso ein Geotop wie archäologisches Denkmal von überragender Bedeutung.<ref name="Rolfo etal 2015" /> Es ist der exklusive Lebensraum einer endemischen Art, des Lanzai-Alpensalamanders (Salamandra lanzai), der mit einem Lebenszyklus von über 6 Jahren und nur wenigen Hundert Exemplaren von der IUCN als gefährdet (Vulnerable) eingestuft wird.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

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Lanzai-Alpensalamander (Salamandra lanzai) – eine endemische Art des Monviso-Massivs, von der IUCN als gefährdet (Vulnerable) eingestuft

Literatur

Archäologie

  • Pierre Pétrequin, Anne-Marie Pétrequin: Chronologie et organisation de la production dans le massif du Mont Viso, in: Anne-Marie Pétrequin, Pierre Pétrequin, Alison Sheridan, Serge Cassen, François Alexandre Mariethoz, Yvan Pailler, Elisabetta Starnini, Henk Kars, Michel G. L. Errera, Lutz Klassen (Hrsg.): Jade. Grandes haches alpines du Néolithique européen. Ve et IVe millénaires av. J.-C. Besançon, Presses Universitaires de Franche-Comté et Centre de Recherche Archéologique de la Vallée de l’Ain, Bd. 1, 2012, S. 214–257 (zu Jadeit-Beilen vom Monviso). (academia.edu)

Geologie

  • Gianni Balestro, Gianfranco Fioraso, Bruno Lombardo: Geological map of the Monviso massif (Western Alps). In: Journal of Maps 9:4 (2013), S. 623–634, doi:10.1080/17445647.2013.842507 (pdf, tandfonline.com)

Alpinismus

  • Sabine Bade, Wolfram Mikuteit: Piemont Wandern. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2010, ISBN 978-3-89953-566-2.
  • Sabine Bade, Wolfram Mikuteit: Giro del Monviso – Rund um und kreuz und quer durch die Region des Re di Pietra, Fernwege.de, Roxheim 2010, ISBN 978-3-941366-11-4.
  • Sabine Bade, Wolfram Mikuteit, Partisanenpfade im Piemont. Orte und Wege des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso, Querwege Verlag, Konstanz 2012, ISBN 978-3-941585-05-8.
  • Iris Kürschner: Piemont Süd Wanderführer, 50 Touren zwischen Monviso und den Ligurischen Alpen, Bergverlag Rother München, 1. Auflage 2008, ISBN 978-3-7633-4359-1.
  • Iris Kürschner: Hüttentrekking, Band 3: Westalpen, Bergverlag Rother München; 1. Auflage 2010; 3., aktualisierte Auflage 2017; ISBN 978-3-7633-3040-9.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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