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Muztagata

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Vorlage:Infobox Berg

Der Muztagata ist mit einer Höhe von Vorlage:Höhe der dritthöchste Gipfel des Pamir-Gebirges in der Volksrepublik China.

Name

Der Name „Muztagata“ (auch Mustagh Ata, Mouztagh-ata oder Muz Tagh Ata) ist uigurischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Vater der Eisberge“. Die uigurische Schreibweise ist Vorlage:ArS, der chinesische Name lautet 慕士塔格峰 Mùshìtǎgé Fēng.

Geographie

Der Muztagata liegt im Ostteil des Pamir-Gebirges, im Westen des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang der Volksrepublik China, ca. 150 km südwestlich von Kaschgar und nur etwa 30 km östlich der chinesisch-tadschikischen Grenze, jenseits der unter anderen die bekannten Pamir-Gipfel Pik Ismoil Somoni und Pik Lenin aufragen. Zusammen mit dem Kongur (Vorlage:Höhe) thront er weithin sichtbar über der Wüste Taklamakan.

Geologie

Das Muztagata-Massiv ist Teil der Sares-Muztagata-Domstruktur, bei der es sich um eine von mehreren Gneisdomen des metamorphen Kerns des Pamir-Teilorogens handelt.<ref name="robinson12">Alexander C. Robinson, Mihai Ducea, Thomas J. Lapen: Detrital zircon and isotopic constraints on the crustal architecture and tectonic evolution of the northeastern Pamir. Tectonics. Bd. 31, Nr. 2, 2012, TC2016, doi:10.1029/2011TC003013.</ref> Die Domstruktur befindet sich auf der Liegendscholle der Kongur-Shan-Abschiebung, einer geologisch sehr jungen Hauptstörung im östlichen Pamir, deren Ausbisslinie das Muztagata-Massiv im Norden, Westen und Süden umgibt.

Das Massiv ist im Wesentlichen aus zwei Einheiten aufgebaut: einer Orthogneiseinheit, hervorgegangen aus triassischen Graniten, sowie deren ordovizischer Schieferhülle.<ref name="robinson12" /> Letztgenannte ist nur an der Westflanke des Berges erhalten. Der Gneis zeigt eine ausgeprägte Bänderung aus besonders quarz- und feldspatreichen (Plagioklas, Kalifeldspat) hellen und aus biotit- und hornblende­reicheren dunklen Lagen. Die Gesteine der Schieferhülle bestehen aus einer Wechsellagerung von amphibolitfaziellen Metapeliten, Metabasiten sowie Marmor und Kalksilikatgesteinen. Die Metapelite zeigen im unteren Teil der Abfolge deutliche Migmatisierung, die auf Teilaufschmelzung des Gesteins als Folge der Entwässerung von Muskovit während der Metamorphose zurückgeht.<ref name="robinson07">Alexander C. Robinson, An Yin, Craig E. Manning, T. Mark Harrison, Shuan-Hong Zhang, Xiao-Feng Wang: Cenozoic evolution of the eastern Pamir: Implications for strain-accommodation mechanisms at the western end of the Himalayan-Tibetan orogen. Geological Society of America Bulletin. Bd. 119, Nr. 7–8, 2007, S. 882–896, doi:10.1029/2011TC003013.</ref>

Die Orthogneiseinheit wird dem permo­triassischen Muztagata-Karakul-Vulkanbogen zugerechnet, der einen Großteil des nordöstlichen Pamir-Gebirges aufbaut. Die Metasedimente der Schieferhülle werden als Teil des paläozoischen Grundgebirges des Zentralpamir-Terrans interpretiert, das den Muztagata-Karakul-Arc nach Schließung des Paläo-Tethys-Beckens im frühen Jura überfuhr, was wiederum die Metamorphose der Metasedimente und des Gneises in ca. 35 km<ref>Jennifer Schmidt, Bradley R. Hacker, Lothar Ratschbacher, Konstanze Stübner, Michael Stearns, Andrew Kylander-Clark, John M. Cottle, A. Alexander, G. Webb, George Gehrels, Vladislav Minaev: Cenozoic deep crust in the Pamir. Earth and Planetary Science Letters. Bd. 312, Nr. 3–4, 2011, S. 411–421, doi:10.1016/j.epsl.2011.10.034.</ref> Krustentiefe zur Folge hatte.<ref name="robinson12" /> Die Kontaktfläche von Schieferhülle und Gneiskern entspricht demnach einer Sutur zwischen zwei verschiedenen Krustenblöcken.

Die Exhumierung (Aufstieg zur Oberfläche) dieser Gesteine mit Bildung der Domstruktur erfolgte schließlich im Miozän und Pliozän, bedingt durch fortgesetzte Krustenverkürzung in der Region im Zuge des Zusammenstoßes der Indischen Platte mit Asien.<ref>Rasmus C. Thiede, Edward R. Sobel, Jie Chen, Lindsay M. Schoenbohm, Daniel F. Stockli, Masafumi Sudo, Manfred R. Strecker: Late Cenozoic extension and crustal doming in the India-Eurasia collision zone: New thermochronologic constraints from the NE Chinese Pamir. Tectonics. Bd. 32, Nr. 3, 2013, S. 763–779, doi:10.1002/tect.20050.</ref>

Bergsteigen

Allgemeines

Bergsteiger stufen den Muztagata als technisch eher einfach, jedoch aufgrund der Höhe konditionell sehr fordernd ein. Er gehört zu den beliebtesten Expeditionsbergen weltweit. Seine ebenmäßigen Flanken prädestinieren ihn für eine Begehung mit Tourenski oder Schneeschuhen.<ref name=":0" />

Erstbesteigung

Am 31. Juli 1956 wurde der Muztagata im Rahmen einer sowjetisch-chinesischen Expedition von 31 Alpinisten in mehreren Seilschaften (u. a. Witali Michailowitsch Abalakow, Qu Yinhua) erstbestiegen.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Zitat

Datei:Sven Hedin from Hildebrand Sveriges historia.jpg
Sven Hedin

Bei seiner ersten Expedition 1893 bis 1897 gelang es Sven Hedin im Jahr 1894 nicht, den Muztagata zu besteigen. Von seinem Höhenlager in Vorlage:Höhe Höhe hatte er aber einen einzigartigen Blick auf den Vorlage:Höhe hohen Muztagata:<ref name=":0">Vorlage:Internetquelle</ref>

Vorlage:Zitat

Geschwindigkeitsrekorde

Am 23. August 2005 stellten die beiden jungen Münchner Extremskibergsteiger Benedikt Böhm und Sebastian Haag einen Rekord in der Besteigung des Muztagata mit anschließender Skiabfahrt auf. Als Teilnehmer einer Expedition, die unter der Leitung des international renommierten Höhenbergsteigers Matthias Robl stand, starteten sie ihren Besteigungsversuch vom Basislager auf Vorlage:Höhe um 4 Uhr morgens. Der ursprünglich mit eingeplante Spanier Javier Martín de Villa konnte krankheitsbedingt nicht an der Tour teilnehmen. Bei Temperaturen bis zu minus 35 °C erreichten die Athleten den Gipfel bereits um 13:25 Uhr. Nach anschließender Abfahrt waren sie bereits um 14:41 Uhr wieder zurück im Basislager.<ref name="dynafit1">Dynafit: Neue Ära im Höhen-Skibergsteigen eingeläutet, 15. September 2005.</ref>

Am 10. August 2007 verbesserte Matthias Robl den Rekord auf 9:37 Stunden.

Eine erneute Verbesserung des Rekords gelang Markus Amon am 12. August 2009. Er startete um 4 Uhr morgens aus dem Basislager. Vorbei an den Hochlagern erreichte er schon um 12:50 Uhr nach einer Solospeedbegehung den Gipfel. Die Aufstiegszeit betrug 8 Stunden und 50 Minuten. Die anschließende Abfahrt und der Abstieg gelangen bei besten Bedingungen zurück bis ins Basislager. Schon eine Woche vorher, am 5. August 2009, konnte er aus dem Lager 1 (Vorlage:Höhe) in 5 Stunden den Gipfel erreichen und anschließend ebenfalls bis ins Basislager abfahren.<ref>Website Markus Amon; abgerufen am 26. August 2009.</ref>

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Normdaten