Ngozi Okonjo-Iweala
Ngozi Okonjo-Iweala (* 13. Juni 1954 in Ogwashi Ukwu, Bundesstaat Delta) ist eine nigerianische Politikerin. Seit dem 1. März 2021 ist sie Generaldirektorin der Welthandelsorganisation (WTO). Seit 2015 ist sie zudem Vorstandsvorsitzende der Impfallianz Gavi. Von 2003 bis 2006 war sie nigerianische Finanz- und Wirtschaftsministerin, von Juni bis August 2006 Außenministerin und von 2011 bis 2015 abermals Finanzministerin des Landes.
Werdegang
Beide Eltern von Ngozi Okonjo-Iweala waren Professoren.<ref>Andrea Ritter/Jonas Schulze Pals: Mal kurz die Welt retten ..., in: Stern Nr. 12, 18. März 2021, S. 78.</ref> Ihre Familie gehört zur Bevölkerungsgruppe der Igbo.<ref>Andrea Ritter/Jonas Schulze Pals: Mal kurz die Welt retten ..., in: Stern Nr. 12, 18. März 2021, S. 78.</ref> Da ihre Eltern mit Stipendien in Europa studierten, wuchs Okonjo-Iweala gemeinsam mit ihren Geschwistern zunächst weitgehend bei ihrer Großmutter auf und lernte früh die alltäglichen Arbeiten des Landlebens kennen.<ref name="bbc20210301">Kunle Falayi: Ngozi Okonjo-Iweala makes history at WTO. In: BBC News. 1. März 2021, abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="guardian20210215">Jason Burke; Emmanuel Akinwotu: 'I'm a fighter': first female, African head of WTO ready for battle. In: The Guardian. 15. Februar 2021, abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Erfahrungen von Armut und des Biafra-Kriegs prägten sie nach eigenen Aussagen nachhaltig.<ref name="bbc20210301" /><ref name="guardian20210215" /> Okonjo-Iweala studierte Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University und promovierte 1981 am Massachusetts Institute of Technology.<ref name="bbc20210301" /><ref name="guardian20210215" /> Vor ihrer Tätigkeit als Ministerin war Okonjo-Iweala 25 Jahre als Entwicklungsökonomin bei der Weltbank tätig und stieg dort bis zur geschäftsführenden Leiterin auf.<ref name="bbc20210301" /><ref name="guardian20210215" />
Im Juli 2003 wurde sie von Präsident Olusegun Obasanjo in das Amt der nigerianischen Finanz- und Wirtschaftsministerin berufen. Diese Tätigkeit übte sie bis Juni 2006 aus. Sie war damit die erste Frau an der Spitze des nigerianischen Finanzministeriums.<ref name="bbc20210301" /> In ihrer ersten Amtszeit leitete sie ein Team, das 2005 einen Schuldenerlass von 18 Milliarden US-Dollar für Nigeria aushandelte; zudem erhielt das Land seine erste Bonitätsbewertung als souveräner Staat.<ref name="bbc20210301" /> Zu den von ihr vorangetriebenen Reformen gehörten eine stärkere Entkopplung des Staatshaushalts von den Ölpreisen, die Veröffentlichung der monatlichen Zuweisungen an lokale Gebietskörperschaften sowie Maßnahmen gegen tausende Geisterbeschäftigte und Scheinrentner im Staatsdienst.<ref name="bbc20210301" /> In dieser Zeit erhielt sie in Nigeria auch den Spitznamen „Okonjo-Wahala“ („Trouble Woman“).<ref name="guardian20210215" /> Danach wechselte Okonjo-Iweala für zwei Monate in das Amt der Außenministerin. Auch als Außenministerin war sie die erste Frau in diesem Amt in Nigeria.<ref name="bbc20210301" />
Am 4. Oktober 2007 gab der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, bekannt, dass Okonjo-Iweala ab dem 1. Dezember 2007 als Managing Director wieder für die Weltbank arbeiten werde.<ref>Nachricht auf der Website der Weltbank, abgerufen am 17. Oktober 2007</ref> In dieser Funktion war sie unter anderem an Initiativen für einkommensschwache Staaten beteiligt und half 2010 bei der Einwerbung von fast 50 Milliarden US-Dollar für die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA), den Fonds der Weltbank für die ärmsten Länder.<ref name="bbc20210301" />
2011 wurde sie erneut nigerianische Finanzministerin im Kabinett von Präsident Goodluck Jonathan. In ihrer zweiten Amtszeit setzte sie ihren Reformkurs fort und ging insbesondere gegen Missbrauch im System der Treibstoffsubventionen vor.<ref name="bbc20210301" /> Kurz nach ihrer Vereidigung veröffentlichte WikiLeaks Berichte, nach denen sie 2004 einem Bruder namens Jon-Jon einen Vertrag über 50 Millionen US-Dollar widerrechtlich zukommen gelassen hätte. Okonjo-Iweala wies die Vorwürfe zurück und bestreitet die Existenz eines Bruders namens Jon-Jon.<ref name="TAZWikileaks">Katrin Gänsler: Wikileaks-Skandal um Finanzministerin. In: die tageszeitung. 16. September 2011, abgerufen am 19. September 2011.</ref> Als die Regierung 2012 die Treibstoffsubventionen abschaffen wollte, kam es jedoch zu landesweiten Protesten, sodass der Schritt weitgehend zurückgenommen wurde.<ref name="bbc20210301" />
Im März 2012 wurde bekannt, dass Okonjo-Iweala sich um die Nachfolge des scheidenden Weltbank-Präsidenten Robert Zoellick beworben hatte. Sie konnte sich jedoch nicht gegen den favorisierten US-amerikanischen Gesundheitsexperten Jim Yong Kim durchsetzen (der ehemalige kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo hatte seine Kandidatur kurz vor der Entscheidung des Weltbank-Exekutivrats zurückgezogen).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachfolger für Zoellick nominiert: US-Amerikaner Kim wird neuer Chef der Weltbank ( vom 19. April 2012 im Internet Archive) bei tagesschau.de, 16. März 2012 (abgerufen am 16. März 2012).</ref>
Im Dezember 2012 entführten Kidnapper ihre Mutter, um Okonjo-Iweala zum Rücktritt zu zwingen.<ref>Andrea Ritter/Jonas Schulze Pals: Mal kurz die Welt retten ..., in: Stern Nr. 12, 18. März 2021, S. 78.</ref><ref name="bbc20210301" /> Okonjo-Iweala erklärte später, die Täter hätten zunächst ihren Rücktritt und anschließend Lösegeld verlangt; sie habe beides abgelehnt.<ref name="bbc20210301" /> Sie brachte die Entführung mit den Interessen jener Kreise in Verbindung, die sie durch ihr Vorgehen gegen Korruption im Ölsektor getroffen hatte.<ref name="bbc20210301" />
Im Auswahlverfahren für die Nachfolge Roberto Azevêdos gehörte sie im Oktober 2020 zu den beiden Finalistinnen; erstmals in der Geschichte der WTO erreichten damit zwei Frauen die Endrunde.<ref name="nyt20210205">Concepción de León: Ngozi Okonjo-Iweala Set to Become W.T.O.’s First Female Leader. In: The New York Times. 5. Februar 2021, abgerufen am 30. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Okonjo-Iweala gilt als erfahrene Verhandlerin. Anfang 2021 setzte sie sich als Nachfolgerin Roberto Azevêdos gegen die einzige noch verbliebene Mitbewerberin Yoo Myung-hee für den Posten als Generaldirektorin der Welthandelsorganisation durch.<ref name="tagessch-101">Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala zur neuen WTO-Chefin ernannt. In: spiegel.de. 15. Februar 2021, abgerufen am 15. Februar 2021.</ref> Yoo war noch von US-Präsident Donald Trump unterstützt worden, jedoch schwenkten die Vereinigten Staaten unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden auf Okonjo-Iweala um, die bereits von allen anderen WTO-Mitgliedsstaaten unterstützt worden war.<ref name="tagessch-101" /> Weil für die Ernennung im Konsensverfahren kein Mitglied der WTO formell widersprechen darf, hatte die Unterstützung der Trump-Regierung für Yoo den Abschluss des Verfahrens zunächst blockiert.<ref name="nyt20210205" /> Yoo zog daraufhin ihre Kandidatur zurück.<ref>Reuters: Final WTO talks under way on selecting new leader, delegates say, 8. Februar 2021.</ref>
Okonjo-Iweala wurde am 15. Februar 2021 als einzige verbliebene Kandidatin einstimmig von den WTO-Botschaftern aller Mitgliedsstaaten zur neuen Generaldirektorin gewählt.<ref>Frankfurter Allgemeine Zeitung: Nigerianerin Okonjo-Iweala jetzt Chefin der WTO, 15. Februar 2021.</ref> Mit Okonjo-Iweala erhielt die WTO erstmals eine Frau und erstmals eine Afrikanerin an ihrer Spitze.<ref name="nyt20210205" /><ref name="bbc20210301" /><ref name="guardian20210215" /> Sie hat diesen Posten in Zeiten einer schweren inneren Krise der WTO übernommen, die durch Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten, China und der Europäischen Union ausgelöst worden war.<ref name="tagessch-101" /> Sie trat ihr Amt am 1. März 2021 in Genf an und kündigte an, Reformen der in eine schwere Krise geratenen Organisation voranzutreiben sowie die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie stärker in den Blick zu nehmen.<ref name="bbc20210301" /><ref name="nyt20210205" /><ref name="guardian20210215" /> In ihrer Bewerbung forderte sie zudem, die WTO müsse die stärkere Beteiligung von Frauen am internationalen Handel fördern, insbesondere in Entwicklungsländern.<ref name="bbc20210301" /> Sie wählte im Mai 2021 zu ihren stellvertretenden Generaldirektoren Angela Ellard, Anabel González, Jean-Marie Paugam und Xiangchen Zhang.<ref>WTO | Deputy Directors-General. In: wto.org. Abgerufen am 30. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Anfang 2021 wurde Okonjo-Iweala durch die G20 in das High Level Independent Panel (HLIP) zur Finanzierung globaler Gemeinschaftsaufgaben bei der Vorbereitung auf und die Bekämpfung von Pandemien an der Seite von Tharman Shanmugaratnam, Rebeca Grynspan und Lawrence Summers berufen.<ref>https://www.mef.gov.it/en/ufficio-stampa/comunicati/2021/The-G20-establishes-a-High-Level-Independent-Panel-on-financing-the-Global-Commons-for-Pandemic-Preparedness-and-Response-00001/ Ministry of Economy and FinanceThe G20 establishes a High Level Independent Panel on financing the Global Commons for Pandemic Preparedness and Response, Presseerklärung des italienischen Wirtschafts- und Finanzministerium vom 27. Januar 2021, abgerufen am 22. März 2023.</ref>
Im Juni 2022 leitete sie die 12. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation, die zum ersten Mal seit 2013 ein neues Abkommen<ref>Dies war das Trade Facilitation Agreement</ref>, nämlich zu Fischereisubventionen, zustande brachte. Sie wurde 2024 für eine zweite Amtszeit als Generaldirektorin nominiert und ist nach Ablauf der Nominierungsfrist am 8. November 2024 die einzige Kandidatin.<ref>Nominations for Director-General closed; Ngozi Okonjo-Iweala confirmed as sole candidate. In: wto.org. 9. November 2024, abgerufen am 28. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Persönliches
Okonjo-Iweala ist mit einem Neurochirurgen verheiratet und hat vier Kinder.<ref name="bbc20210301" /> Eines ihrer Kinder ist der Schriftsteller Uzodinma Iweala, Autor des Romans Beast of No Nation.<ref name="bbc20210301" /> Seit 2019 besitzt sie auch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten.<ref>U.S. backs Okonjo-Iweala, first woman and African, to head WTO. Politico vom 5. Februar 2021.</ref>
Auszeichnungen
- 2004: „Heldin des Jahres“ – Time Magazine
- 2005: „Finance Minister of the year“ – Euromoney Magazine
- 2006: Ehrendoktorwürde der Brown University
- 2019: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
- 2020: eine der 50 mächtigsten Frauen Afrikas – Forbes<ref>Forbes Africa: Africa’s 50 Most Powerful Women. In: Forbes Africa. 6. März 2020, abgerufen am 30. Januar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2023: Weltwirtschaftlicher Preis
Weblinks
- Vorlage:EconBiz
- Interview mit der britischen Zeitung The Guardian
- Artikel in The Independent
- Video einer Rede von Ngozi Okonjo-Iweala 2007 (englisch)
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Okonjo-Iweala, Ngozi |
| KURZBESCHREIBUNG | nigerianische Politikerin |
| GEBURTSDATUM | 13. Juni 1954 |
| GEBURTSORT | Ogwashi Ukwu |
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- Generaldirektor der Welthandelsorganisation
- Außenminister (Nigeria)
- Finanzminister (Nigeria)
- Wirtschaftsminister (Nigeria)
- Ehrendoktor der Brown University
- Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
- Absolvent der Harvard University
- 100 Women (BBC)
- Nigerianer
- Geboren 1954
- Frau