Otto I. von Minden
Otto (* wahrscheinlich 1225; † 11. oder 19. November 1275 in Rom oder Dijon) war von 1266 bis zu seinem Tod 1275 Fürstbischof von Minden. Um ihn von gleichnamigen Nachfolgern zu unterscheiden, wird er als Mindener Bischof auch als Otto I. bezeichnet.
Herkunft
Ottos Herkunft ist nicht geklärt. Teils wird gemutmaßt, er sei Bruder der Mindener Bischofs Wedekind<ref>vgl. Karl Friedrich Pauli: Allgemeine preußische Staats-Geschichte des dazu gehörigen Königreichs, Churfürstenthums und aller Herzogthümer, Fürstenthümer, Graf- und Herrschaften aus bewährten Schriftstellern und Urkunden bis auf gegenwärtige Regierung. Band 5. Christoph Peter Franckens, Halle 1764, S. 96 (Digitalisat bei Google Books).</ref> und damit Sohn Heinrichs I. gewesen,<ref>Person Page - 4741. Otto von Hoya. In: Our Royal, Titled, Noble, and Commoner Ancestors & Cousins. Abgerufen am 9. September 2012.</ref> der von 1202 bis 1235 Hoya regierte. Damit wäre er auch Bruder des in der Grafschaft Hoya von 1235 bis 1290 regierenden Grafen Heinrich II.<ref>Für einen Überblick vgl. Heinrich Leo: Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes und Reiches. Die Territorien des deutschen Reiches im Mittelalter seit dem 13. Jahrhunderte. Band 5. Eduard Anton, Halle 1867, S. 509 (Digitalisat bei Google Books).</ref> Ein weiterer Bruder Ottos I. wäre demnach der Verdener Bischof Gerhard von Hoya. Sollte diese Vermutung richtig sein, so stammte Otto aus dem Haus Hoya, deren Mitglieder in Minden mehrfach den Bischof stellten. Ottos Name könnte daher auch Otto, Graf von Hoya lauten.
Otto wird manchmal aber auch als Otto aus Stendal bezeichnet,<ref>vgl. Ernst Friedrich Moyer: Onomasticon chronographikon hierarchiae germanicae: Verzeichniß der deutschen Bischöfe seit dem Jahre 800 nach Chr. Geb. nebst einem Anhang, die Würdenträger einiger Abteien und Ritterträger enthaltend. Selbstverlag des Verfassers, Minden 1854, S. 70/71 (Digitalisat bei Google Books).</ref> was eher für eine Herkunft aus bürgerlichem Stand spricht. Besonders neuere Forschungsergebnisse unterstützen die These einer Herkunft aus dem Raum Stendal und lehnen die These einer Abstammung aus Hoya ab. Vermutlich ist Otto aus Stendal demnach 1225 in Stendal geboren um zunächst Karriere im Militär zu machen. Im Militär erwarb er sich den Beinamen von Wall, weil er Wälle geschickt in seine Schlachtplanung einbezog. Nach dem Tod von Frau und Kind beendete er früh seine Karriere im Militär.<ref name="SCHLIPKÖTHER">vgl. C. El-Sauaf-Harmuth: Bernd Schlipköther schreibt Biografie über Mindener Bischof Otto von Wall. Minden und Region in neuem Licht. In: Der Dom. Erzbischof von Paderborn, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Februar 2015; abgerufen am 10. September 2012. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Kirchliche Laufbahn
Nach dieser schmerzhaften Erfahrung wurde Otto von Wall aus Trauer Predigermönch. Ab 1244 studierte er Theologie in Paris u. a. bei Albertus Magnus und Thomas von Aquin und wurde zum Doktor der Theologie promoviert. 1254 wurde er Prior des Dominikanerklosters Seehausen bei Seehausen in der Altmark Brandenburg. 1261 wurde Otto aus Stendal als Kanzleibeamter an den päpstlichen Hof in Viterbo berufen. Als Sekretär und Kaplan war er sechs Jahre für Kardinal Henricus de Segusio tätig. Im August 1267 (anderen Quellen zufolge bereits 1266<ref>vgl. Minden. In: Lexikon des Mittelalters. Band VI. Artemis & Winkler-Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-7608-8906-9, S. 631 (HTML).</ref>) bestellte Papst Klemens IV. Otto aus Stendal zum Bischof von Minden.<ref name="SCHLIPKÖTHER" />
In seine Regentschaft fiel die Vollendung der Stadtmauer Mindens. Otto I. brachte die Burg Reineberg wieder zurück in den Besitz des Bistums und ließ sie weitgehend modernisieren. Er bereitete das Zweite Konzil von Lyon mit vor.<ref name="SCHLIPKÖTHER" />
Auf der Rückreise starb er im Dominikanerkloster von Dijon am 11. November 1275. Seine Beisetzung erfolgte in der Klosterkirche St. Annen. Eine Zeichnung seiner dortigen Grabplatte, die im Original vermutlich nicht erhalten ist, wurde im 17. Jahrhundert angefertigt und wird heute in der französischen Nationalbibliothek in Paris verwahrt.<ref name="SCHLIPKÖTHER" /> Allerdings sind sein Todesdatum und der Ort seines Todes wie auch seine Herkunft umstritten. Teils wird auch berichtet, er sei am Elisabethtag, also dem 19. November 1275 in Rom verstorben.<ref>vgl. Karl Friedrich Pauli: Allgemeine preußische Staats-Geschichte des dazu gehörigen Königreichs, Churfürstenthums und aller Herzogthümer, Fürstenthümer, Graf- und Herrschaften aus bewährten Schriftstellern und Urkunden bis auf gegenwärtige Regierung. Band 5. Christoph Peter Franckens, Halle 1764, S. 96 (Digitalisat bei Google Books).</ref> Neue Forschungen und auch die Zeichnung des Epitaphs unterstützen jedoch eher die Ansicht, dass er in Dijon verstarb.<ref name="SCHLIPKÖTHER" />
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Karl Friedrich Pauli: Allgemeine preußische Staats-Geschichte des dazu gehörigen Königreichs, Churfürstenthums und aller Herzogthümer, Fürstenthümer, Graf- und Herrschaften aus bewährten Schriftstellern und Urkunden bis auf gegenwärtige Regierung. Band 5. Christoph Peter Franckens, Halle 1764, S. 96 (Digitalisat bei Google Books).
Weblinks
- C. El-Sauaf-Harmuth: Bernd Schlipköther schreibt Biografie über Mindener Bischof Otto von Wall. Minden und Region in neuem Licht. In: Der Dom. Erzbischof von Paderborn, abgerufen am 10. September 2012.
- Nico Buchholz: Bielefelder erforscht die Geschichte des Mindener Bischofs Otto von Wall. Bernd Schlipköther und der Aufsteiger des Mittelalters. nw.news.de; Zeitungsverlag Neue Westfälische, 20. Januar 2012, abgerufen am 9. September 2012.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Kuno | Bischof von Minden 1266–1275 | Volkwin von Schwalenberg |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Otto von Minden |
| ALTERNATIVNAMEN | Otto I.; Hoya, Otto von; Stendal, Otto von; Wall, Otto von |
| KURZBESCHREIBUNG | Bischof von Minden |
| GEBURTSDATUM | unsicher: 1225 |
| STERBEDATUM | 11. November 1275 oder 19. November 1275 |
| STERBEORT | Rom oder Dijon |
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- Prior
- Römisch-katholischer Bischof (13. Jahrhundert)
- Bischof von Minden
- Deutscher
- Geboren im 13. Jahrhundert
- Gestorben 1275
- Mann