Pentoxifyllin
Pentoxifyllin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Xanthin-Derivate, der einerseits zur Beeinflussung der rheologischen Eigenschaften (Fließeigenschaften) des Blutes eingesetzt wird, andererseits werden seine antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) Eigenschaften genutzt.
Darstellung und Gewinnung
Die Synthese von Pentoxifyllin erfolgt durch die Umsetzung von 1-Brom-5-hexanon mit dem Natriumsalz von Theobromin.<ref name="Kleemann" />
Klinische Angaben
Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten
- Periphere Durchblutungsstörungen
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) – arteriosklerotischen oder diabetischen Ursprungs (z. B. mit Claudicatio intermittens und Ruheschmerz)
- Zerebrale ischämische Erkrankungen (als Antidementivum bzw. Nootropikum)
- Trophische Läsionen (z. B. Ulcus cruris und Gangrän)<ref name="Trental">Vorlage:Webarchiv Sanofi-Aventis U.S., Stand der Information: Oktober 2007.</ref>
- Alkoholische Steatohepatitis
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Pentoxifyllin, andere Methylxanthine
- Massenblutungen und frische Zerebral- und Netzhautblutungen (Gefahr der Zunahme der Blutungen)
- Frischer Myokardinfarkt (Herzinfarkt, Erhöhung eines bereits bestehenden Risikos von Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall)
- Hämorrhagische Diathese (eine krankhaft gesteigerte Blutungsneigung)
- Ulcera im Magen und/oder Darmbereich<ref name="Trental" />
Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)
- Schwindel, Tremor, Kopfschmerzen, Fieber, Unruhe, Schlafstörungen
- Herzrhythmusstörungen (wie z. B. Tachykardien)
- Überempfindlichkeitsreaktionen mit Juckreiz, Hautrötung, Urtikaria.
- Sehstörungen, Konjunktivitis
Pentoxifyllin kann die Wirkung von Diabetes-Medikamenten und blutdrucksenkenden Medikamenten beeinflussen.
Pentoxifyllin kann eine aplastische Anämie auslösen. Regelmäßige Blutbildkontrollen sollten während der Anwendung des Medikaments durchgeführt werden.<ref>Ernst Mutschler, Gerd Geislinger, Heyo K. Kroemer, Sabine Menzel, Peter Ruth: Mutschler Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. 10. Auflage. Stuttgart 2013, S. 523.</ref>
Pharmakologische Eigenschaften
Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)
- Hämorheologie: Pentoxifyllin hemmt das Enzym Phosphodiesterase und hat somit einen Einfluss auf das cAMP und weiter auf den Gefäßtonus und hat offenbar eine gefäßerweiternde Wirkung. Es soll die Blutviskosität durch einen Einfluss auf die Verformbarkeit der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) senken und den Plasmafibrinogenspiegel absenken. Folge wäre dann eine Verbesserung der Gewebeperfusion (Gewebsdurchblutung) durch eine Hemmung der Blutgerinnung. Es findet unter anderem eine Anwendung bei arteriellen Verschlusserkrankungen. Pentoxifyllin wird bei vaskulärer Insuffizienz als Rheologikum eingesetzt. Die Verordnung von Rheologika ist in der Medizin umstritten, da bisher kein überzeugender Wirksamkeitsnachweis gelang.
- Anti-inflammatorische Wirkung: Pentoxifyllin hemmt die Freisetzung von Interleukinen und von TNF-Alpha. Es kommt zu einer Degranulationshemmung von neutrophilen Granulozyten. Es hat sich ein synergistischer Effekt mit Corticosteroiden gezeigt.
Handelsnamen
Monopräparate
Agapurin (D), Claudicat (D), Haemodyn (A), Pentohexal (A), Pentomer (A), Pentoxi (A), Rentylin (D), Trental (D, A, CH), Vasonit (A), diverse Generika (D, A, CH)<ref>Rote Liste online, Stand: Oktober 2009.</ref><ref>AM-Komp. d. Schweiz, Stand: Oktober 2009.</ref><ref>AGES-PharmMed, Stand: Oktober 2009.</ref>
Literatur
- J. Hakim, G. J. Mandell, W. J. Novick (Hrsg.): Pentoxifylline and analogues. Effekts in leucocyte function. Karger, Basel / München / Paris 1990.
- P. Zabel: Pentoxifylline in treatment of sarcoidosis. In: Am. J. Respir. Crit. Care Med., Mai 1997, Band 155, Nr. 5, S. 1665–1669.
- R. S. O’Shea u. a.: AASLD Practice Guidelines: Alcoholic Liver Disease. In: Hepatology, 2010, Band 51, S. 307.
Weblinks
- Pentoxifyllin. arznei-telegramm.de
Einzelnachweise
<references />