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Piritramid

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Piritramid ist ein synthetisches Opioid, das als Arzneistoff (Analgetikum) Verwendung findet. Es unterliegt trotz einer geringen Morphinäquivalenz dem Betäubungsmittelgesetz und ist somit das schwächste Opioid dieser Klassifizierung.

Piritramid wurde 1960 von Paul Janssen synthetisiert und war das erste klinisch eingesetzte potente 4-Aminopiperidinderivat.<ref name="a3">Rolf Rossaint, Christian Werner, Bernhard Zwißler: Die Anästhesiologie. Springer, 2004, S. 261–262.</ref> Piritramid wird vorwiegend in Kontinentaleuropa eingesetzt und ist im anglo-amerikanischen Sprachraum wenig bekannt. Es ist in Deutschland das meist verwendete Opioid in der postoperativen Phase.<ref name=":0">F. J. Kretz, J. Schäffer: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie. Springer, 2006, S. 44.</ref> Zunehmend wird Piritramid auch präklinisch im Bereich der Notfallmedizin eingesetzt.<ref>Schmerztherapie in der Notfall-Akut-Medizin, auf aekktn.at</ref><ref>Analgesia, sedation and anaesthesia in emergency care, auf ai-online.info, abgerufen am 15. Februar 2021</ref>

Pharmakologie

Piritramid ist ein µ-Rezeptor-Agonist und wird in der postoperativen und palliativen Schmerztherapie für die Behandlung mäßiger bis starker Schmerzen eingesetzt. Die analgetische Potenz beträgt ca. 0,7, d. h. 15–20 mg Piritramid entsprechen ca. 10–15 mg Morphin. Piritramid hatte in einer Untersuchung aus dem Jahre 1971 im Vergleich zur wirkungsäquivalenten Menge Morphin eine größere hypnotische Wirkung und weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Hypotonie.<ref>B. Kay: A clinical investigation of Piritramide in the treatment of postoperative pain. In: British Journal of Anaesthesia. Bd. 43, Nr. 12, 1971, S. 1167–1171.</ref> Diese Ergebnisse konnten später in unabhängigen Studien nicht mehr nachgewiesen werden.<ref>Döpfmer UR, Schenk MR, Kuscic S, Beck DH, Döpfmer S, Kox WJ.: A randomized controlled double-blind trial comparing piritramide and morphine for analgesia after hysterectomy. Eur J Anesthesiol 2001; 18: 389–393.</ref><ref>C. Breitfeld, J. Peters, T. Vockel, C. Lorenz, M. Eikermann: Emetic effects of morphine and piritramide. In: British Journal of Anaesthesia. Band 91, Nr. 2, 2003, S. 218–223.</ref> Die atemdepressive Wirkung ist mit der wirkungsäquivalenten Dosis Morphin vergleichbar und durch Naloxon vollständig reversibel. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 4–10 Stunden. Piritramid wird fast vollständig über die Leber metabolisiert, die renale Ausscheidung ist gering.

Indikationen

Piritramid eignet sich als Analgetikum in der postoperativen Phase.<ref name=":0" /> Hierfür kann eine patientengesteuerte Analgesie (PCA) verwendet werden.<ref name=":2" /> Außerdem kann es zur Behandlung eines Durchbruchschmerzes eingesetzt werden.<ref name=":2" />

Kontraindikationen

Unter anderem bei folgenden Krankheiten bzw. Symptomen und Komedikationen ist Piritramid kontraindiziert:

  • schwere obstruktive Lungenerkrankung<ref name=":1">Vorlage:Internetquelle</ref>
  • Komedikation mit MAO-Hemmer<ref name=":1" />
  • bereits vorliegende Atemdepression<ref name=":1" />
  • Überempfindlichkeit
  • komatöse Zustände

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Piritramid sind mit denen von Morphin vergleichbar. Piritramid wirkt jedoch stärker sedierend als Morphin.<ref name=":1" /> Die atemdepressive Wirkung ist mit der wirkungsäquivalenten Dosis Morphin vergleichbar und durch Naloxon vollständig antagonisierbar.

Anwendung

Piritramid kann intravenös (i.v.), subkutan (s.c.) und intramuskulär (i. m.) angewendet werden. Die therapeutische Einzeldosis hat eine Wirkdauer von 5–8 Stunden.<ref>Bausewein, Rémi, Twycross, Wilcock: Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. Elsevier, 2005, S. 200–201.</ref>

Piritramid wird auch für die patientengesteuerte Analgesie (PCA) verwendet.<ref>F. Musshoff, S. A. Padosch, B. Madea: Death during patient-controlled analgesia: piritramide overdose and tissue distribution of the drug. In: Forensic Sci. Int. Band, 154, Nr. 2–3, S. 247–251, PMID 16182973.</ref><ref name=":2">Vorlage:Literatur</ref>

Es ist teurer als Morphin, ist diesem in der patientengesteuerten Analgesie jedoch nicht überlegen.<ref name="a22">Rolf Rossaint, Christian Werner, Bernhard Zwißler: Die Anästhesiologie. Springer, 2004, S. 261–262.</ref> Ein Nachteil, vor allem in der Palliativmedizin, ist die Nichtmischbarkeit mit Metamizol (Novaminsulfon, Handelsname: Novalgin).<ref>Constanze Rémi: Mischinfusionen in der Palliativmedizin. Kompatibilität und Stabilität palliativmedizinisch-relevanter Arzneimittelmischungen. Dissertation München 2017.</ref> Bei gleichzeitiger Applikation aus demselben System kann es zu Ausfallreaktionen im Infusionssystem kommen; Wechselwirkungen zwischen Piritramid und Metamizol sind jedoch nicht bekannt. Dies betrifft möglicherweise auch andere Pharmaka.<ref>Eberhard Klaschik: Schmerztherapie und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin. 2009, S. 464.</ref>

Handelsnamen

Piritramid ist in Deutschland und Österreich unter dem Namen Dipidolor im Handel.

Literatur

  • Eberhard Klaschik: Schmerztherapie und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin. In: Stein Husebø, Eberhard Klaschik (Hrsg.): Palliativmedizin. 5. Auflage, Springer, Heidelberg 2009, ISBN 3-642-01548-4, S. 207–313, hier: S. 234 und 464.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis