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Pozořice

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Vorlage:Infobox Ort in Tschechien

Datei:Sivice - Pozořice.jpg
Blick auf den südwestlichen Teil von Pozořice

Pozořice (deutsch: Posorschitz, auch Posoritz) ist eine Minderstadt in der tschechischen Region Jihomoravský kraj.

Geographie

Pozořice liegt an der Grenze zwischen der Drahanská vrchovina (Drahaner Höhe) und Vyškovská brázda (Wischauer Tor), ca. 15 km östlich von Brünn und neun km von Slavkov u Brna.

Nachbarorte sind Hostěnice im Norden, Olšany im Nordosten, Vítovice, Královopolské Vážany, Viničné Šumice und Kovalovice im Osten, Holubice im Süden sowie Sivice im Westen.

Geschichte

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1318, als Půta von Posorschitz als Eigentümer des Dorfes genannt wird. 1371 verkauften die Herren von Wildenberg die Burg Wildenberg mit allem Zubehör, darunter auch Pozořice, an Markgraf Johann Heinrich. Im Verlauf des mährischen Bruderkriegs zwischen Johann Heinrichs Söhnen wurde die Burg aufgegeben. Durch Markgraf Jobst erfolgte zwischen 1385 und 1406 ein Ausverkauf der Dörfer der Wildenberger Herrschaft. 1402 überließ er die Dörfer Pozořice, Šumice, Kovalovice und Sivice als Geschenk an Peter von Krawarn auf Plumlov. 1447 veräußerte dessen Neffe Jiřík den Besitz an Mikuláš Cigán von Čelechovice, der Pozořice noch im selben Jahr an Jan von Popůvek weiterverkaufte. Auf Jan folgten sein Sohn Hynek und später dessen Tochter Markéta. Sie heiratete zunächst Jan von Widbach und in zweiter Ehe Oldřich Přepický von Richenburg. Letzterer verkaufte 1568 die Veste und das Dorf Pozořice sowie Slavíkovice an Mikuláš Kokorský von Kokoř. 1569 erwarb Albrecht von Boskowitz und Černahora den Besitz. Ihm folgte sein Bruder Johann, mit dessen Tod 1597 die männliche Stammlinie der Boskowitzer erlosch. Die Herrschaft erbte Johanns Tochter Katharina. 1604 ließ sie ihren Ehemann Maximilian von Liechtenstein als Teilhaber ihrer Besitzungen in die mährische Landtafel eintragen. Nach Katharinas Tod 1637 fiel die Herrschaft vollständig an das Haus Liechtenstein. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die örtliche Veste zu einem Schloss umgebaut, das fortan als Verwaltungssitz diente. 1724 erfolgte die Einweihung der barocken Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Von 1803 bis 1817 betrieb der Unternehmer Gottlieb Schäfer in Pozořice eine Tuchmacher-Manufaktur mit 16 Webstühlen und bis zu 70 Beschäftigten. Die Firma ging nach einem Konjunkturrückgang in Konkurs. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieben die Liechtensteiner Grundherren von Pozořice.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Pozořice ab 1850 eine politische Gemeinde in der Bezirkshauptmannschaft Vyškov. 1890 zählte das Dorf 1.000 Einwohner (davon 11 Deutsche). Im Besitz der Liechtensteiner befanden sich damals eine Dampfmühle, ein Ziegelwerk, eine Brauerei sowie eine Schnapsbrennerei. 1921 wurde die Gemeinde an das elektrische Stromnetz angeschlossen. 1925 wurden eine regelmäßige Busverbindung nach Brünn eingerichtet und regelmäßige Filmvorführungen im örtlichen Kino aufgenommen. Während des Zweiten Weltkriegs flohen sechs junge Männer ins Ausland und dienten als Soldaten in den britischen Streitkräften. 1992 wurden sie posthum zu Ehrenbürgern der Gemeinde ernannt. In den nationalsozialistischen Konzentrationslagern kamen vier Einheimische und sieben jüdische Flüchtlinge, die in Pozořice Schutz gesucht hatten, ums Leben. Die deutsche Besatzung endete im April 1945. Am 25. April 1945 rückten Truppen der Roten Armee in Pozořice ein. Bei den Kampfhandlungen wurden drei Einheimische und 37 sowjetische Soldaten getötet. Etwa fünf Gebäude wurden durch Luftangriffe zerstört.

1948/49 kam es zur Verstaatlichung und Auflösung der Kleinindustrie. 1950 wurde die Gemeinde dem Okres Slavkov zugeordnet. 1951 wurde die Landwirtschaft durch die Gründung einer Genossenschaft kollektiviert. 1960 entstand ein neues Schulgebäude. Seit 1961 ist die Gemeinde Teil des Okres Brno-venkov. 1980 wurden die Ortsstraßen asphaltiert. 1988 erfolgte der Anschluss an die Gasversorgung. 2004 wurden 17 Altenwohnungen mit Pflegedienst und 24 kommunale Wohnungen gebaut. Am 26. Oktober 2006 erhielt Pozořice den Status einer Městys (Minderstadt).

Gemeindegliederung

Für die Gemeinde Pozořice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Pozořice gehört seit 1942 die Ansiedlung Jezera (Jesera).

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Gemeinde verfügt über jährliche Steuereinnahmen (2021) von ca. 500 € pro Einwohner. Zum Kataster gehören 1075 ha Waldboden, 310 ha Ackerland und ca. 1 ha Weinberge. Die meisten arbeitsfähigen Einwohner sind traditionell, seit etwa 1900 in Brünn beschäftigt. Busverbindung gibt es nach Brünn im Stundentakt, Autobahn- und Eisenbahnanschluss ist etwa 4 km entfernt. Fast alle Familien besitzen ein Wohnhaus mit durchschnittlich ca. 700 m² Garten.

Im Ort gibt es etwa 15 kleine Gewerbetreibende im Handwerk und Dienstleistungssektor, kleine Produktionen von Beton- und Plastikteilen, landwirtschaftliche Produktion hat wenig Bedeutung.

Dienstleistungseinrichtungen

Eine Grundschule wird im Ort schon Anfang des 17. Jahrhunderts erwähnt. Im Schuljahr 2008/2009 sind 286 Schüler an der neunjährigen Schule angemeldet, in den Klassen 6–9 sind Kinder aus fünf umliegenden Dörfern.

Zu den Einrichtungen gehören auch ein Kindergarten für 60 Kinder, Poststelle, öffentliche Bücherei, die Freiwillige Feuerwehr Pozořice. Zur technischen und hygienischen Standardausstattung fehlte in der Gemeinde im Jahr 2009 nur noch ein Breitbandanschluss ans Internet.

Im Ort gibt es 3 Ärzte, eine Apotheke, eine Reihe von Lebensmittel- und Fachgeschäften, sowie kleinen Handwerksbetrieben, etwa 5 Gaststätten und Cafés, Unterkunft in einer Touristenherberge und eine Diskothek.

Freizeit und Sport

In der Gemeinde sind 3 Sportvereine für Fußball, Volleyball, Tennis, Bowling, Aerobic, Radfahren aktiv, sowie Pfadfinder, Naturschützer, Bienenzüchter und etwa fünf andere Hobbyvereine. Im Jahr 2009 investiert die Gemeinde in Sportanlagen 220.000 €.

Literatur

Weblinks

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Einzelnachweise

<references /> Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Okres Brno-venkov