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Puente de Alconétar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Puente de Alconétar
Puente de Alconétar
Puente de Alconétar
Überreste der Alconétar-Brücke mit ihren Flachbögen
Querung von Tajo
Ort Garrovillas de Alconétar, Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)
Konstruktion Segmentbogenbrücke mit Keilsteingewölbe
Gesamtlänge 290 m (einschl. Brückenrampe)
Breite 6,55–6,80 m
Anzahl der Öffnungen Ca. 18 (mit Flutdurchlässen)
Lichte Weite 7,20–15 m
Pfeilerstärke Ca. 4,4 m
Bogendicke (Scheitel) 1,20 m (2. Flutdurchlass)
Pfeilverhältnis 4–5:1
Durchflussprofil 73 %
Bogenschlankheit 6:1 (2. Flutdurchlass)
Höhe Mind. 12,50 m
Bauzeit Vermutlich zw. 98 und 138 n. Chr.
Zustand Ruine
Lage
Koordinaten 39° 45′ 14″ N, 6° 26′ 14″ WKoordinaten: 39° 45′ 14″ N, 6° 26′ 14″ W
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Alle Werte beruhen auf Messungen vor der Relozierung und sind durch den Zerstörungszustand bedingt notwendigerweise fragmentarisch.

Die Brückenreste wurden 1970 an einen neuen Standort 6 km flussaufwärts verlegt.

Die Puente de Alconétar (spanisch für „Brücke von Alconétar“), auch bekannt als Puente de Mantible, war eine römische Segmentbogenbrücke in der Provinz Cáceres in der spanischen Region Extremadura. Das antike Bauwerk zählt mit seinen flachgespannten Bögen (Pfeilverhältnis von 4–5:1) zu den frühesten Beispielen dieses Brückentyps überhaupt.<ref>Durán 184; Fernández: Puente de Alconétar; Prieto 150</ref> Aufgrund ihrer Bauart wird angenommen, dass die Brücke im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. unter den Kaisern Trajan oder Hadrian errichtet wurde, womöglich unter Anleitung von Apollodor von Damaskus, dem berühmtesten Baumeister seiner Zeit.<ref>Prieto 155; O'Connor 108f.; Galliazzo 359</ref>

Die beinahe 300 m lange Alconétar-Brücke trug die Vía de la Plata, die bedeutendste Nord-Süd-Verbindung im westlichen Hispanien,<ref name="O'Connor 20">O'Connor 20</ref> über den Tajo, den längsten Fluss auf der Iberischen Halbinsel. Sie blieb wohl bis zur Reconquista in Betrieb, zahlreiche neuzeitliche Wiederaufbauversuche durch spanische Ingenieure scheiterten. Die Brückenreste, die im Wesentlichen am rechten Flussufer standen, wurden 1970 vor der Flutung des Alcántara-Stausees in Sicherheit gebracht.

Lage und Straßenanbindung

Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Pic 07.jpg
Die relozierten Brückenreste bei Hochwasser

Die historische Puente de Alconétar, die nicht mit der monumentalen Brücke von Alcántara weiter flussabwärts zu verwechseln ist, überbrückte den Tajo unweit der Mündung des Almonte im Herzen der spanischen Provinz Cáceres in der Region Extremadura.<ref name="Prieto 147">Prieto 147</ref> Die verkehrsgünstige Lage der Römerbrücke zwischen Nord- und Südspanien unterstreichen eine moderne Schnellstraße und eine Eisenbahnstrecke, die den Tajo in unmittelbarer Nähe überqueren.<ref name="Prieto 147"/> Die heute sichtbare Brückenruine wurde 1970 beim Bau der Alcántara-Talsperre von ihrem ursprünglichen Standort auf eine 6 km nördlich gelegene Wiese nahe der Gemeinde Garrovillas de Alconétar versetzt.<ref name="O'Connor 108f.">O'Connor 108f.</ref> Von der benachbarten antiken Brücke über den Almonte sind dagegen keine nennenswerten Reste erhalten geblieben.<ref name="Prieto 149">Prieto 149</ref>

Im Altertum gehörte die Alconétar-Brücke zur Römerstraße Iter ab Emerita Caesaraugustam, später auch als Vía de la Plata bezeichnet. Diese wichtige inneriberische Verbindung führte in Süd-Nord-Richtung von der Provinzhauptstadt Mérida durch die Flusstäler des Alagón, Tiétar und Tajo hinunter in die westliche Meseta mit ihren Hauptorten Salamanca und Zamora.<ref name="Durán 182">Durán 182</ref> Ihr Endpunkt lag in Astorga im Nordwesten.<ref name="O'Connor 20"/> Die Vía de la Plata gehörte zu den vier Hauptwegen, die von Augustus (30 v. Chr.–14 n. Chr.) und seinen Nachfolgern zur militärischen Kontrolle der Halbinsel und zur Ausbeutung der reichen spanischen Gold- und Silbervorkommen erbaut wurden.<ref name="O'Connor 20"/>

Außer dem Übergang über den Tajo lassen sich entlang der Straße die Überreste vier weiterer Brückenbauten aus der Antike identifizieren, nämlich über den Albarregas, den Aljucén, bei Cáparra und über den Tormes.<ref name="Durán 91f.">Durán 91f.</ref> Auf den Höhen oberhalb der Alconétar-Brücke wurde, wie es den damaligen Entfernungsintervallen entsprach, eine römische Mansio mit dem Namen Turmulus (span. Ad Túrmulos) eingerichtet,<ref name="Prieto 149"/> die vierte von insgesamt sechzehn im Streckenabschnitt zwischen Mérida und Astorga.<ref>Gil 9f.</ref>

Geschichte

Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Pic 02.jpg
Brückenruine ab dem 2. Flutdurchlass
Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Pic 03.JPG
2. Flutdurchlass. Die Dicke der antiken Keilsteine beträgt 1,20 m.
Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Pic 04.jpg
Die beiden Reparaturbögen 1 und 3 aus späterer Zeit
Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Pic 05.JPG
Totale

Das genaue Baudatum der Puente de Alconétar ist in Ermangelung literarischer oder epigrafischer Hinweise unbekannt.<ref name="Prieto 155">Prieto 155</ref> Ihre Segmentbögen legen jedoch eine Datierung ins frühe 2. Jahrhundert n. Chr. nahe, namentlich in die Ära Kaiser Trajans (98–117 n. Chr.), der selbst aus der spanischen Provinz Baetica stammte und bei seinem Regierungsantritt das Iter ab Emerita Caesaraugustam instand setzen ließ.<ref>Prieto 155; O'Connor 108f.</ref> Segmentbögen fanden bei Trajans Hofarchitekt Apollodor von Damaskus häufig Verwendung, so im Trajansforum und vor allem beim größten Ingenieurbauwerk der Zeit, der hölzernen Trajansbrücke, die auf 20 gewaltigen Betonpfeilern die über 1000 m breite Donau überspannte und zum Aufmarsch in den Dakerkriegen diente.<ref name="O'Connor 142f.">O'Connor 142f.</ref>

Auch arabische Geographen schweigen sich über die antike Brücke aus, obgleich sie die ebenfalls über den Tajo führende Römerbrücke von Alcántara in den höchsten Tönen loben.<ref name="Prieto 10f.">Prieto 10f.</ref> Immerhin lässt sich für das 13. Jahrhundert vorübergehend die Existenz einer Ortschaft namens Alconétar, Alconétara oder Alcontra (arab. kleine Brücke) nachweisen – womöglich eine indirekte Bezugnahme zur hochaufragenden Alcántara-Brücke.<ref name="Prieto 149"/> Ungeklärt bleibt auch, warum die Alconétar-Brücke im lokalen Volksmund als Puente de Mantible firmiert, eine Anspielung auf die Legende von Karl dem Großen und seinen Zwölf Paladinen.<ref name="Prieto 158">Prieto 158</ref>

Die Brücke blieb vermutlich bis zur Reconquista in Gebrauch, als der Tajo vom 11. bis zum 13. Jahrhundert die Grenze zwischen dem christlichen und arabischen Machtbereich bildete, und die häufigen Kampfhandlungen das antike Bauwerk leicht unbrauchbar gemacht haben könnten.<ref name="Prieto 155f.; Durán 182">Prieto 155f.; Durán 182</ref> Einer anderen Theorie zufolge könnte sich zu jener Zeit die langsame Unterspülung der antiken Fundamente negativ bemerkbar gemacht haben.<ref name="Prieto 155f.; Durán 182"/>

Urkundlich erwähnt wird die Puente de Alconétar erstmals 1231 und – nunmehr ausdrücklich unter Verkehr stehend – 1257.<ref name="Prieto 157f.">Prieto 157f.</ref> Wahrscheinlich wurde sie von den Tempelrittern instand gesetzt, die die Brücke samt dem Dorf Alconétar in der Zwischenzeit unter ihre Obhut genommen hatten;<ref name="Prieto 157f."/> aus dieser Zeit sollen die heute noch sichtbaren Reparaturbögen 1 und 3 stammen.<ref name="Prieto 157f."/> Bereits um 1340 scheint der Flussübergang jedoch wieder unbrauchbar gewesen zu sein, so dass zum Übersetzen Boote eingesetzt wurden, deren Gebrauch auch für spätere Zeiten belegt ist.<ref name="Prieto 157f."/> An der Stelle des antiken Rastplatzes wurde im Mittelalter eine Festung errichtet,<ref name="Fernández: Puente de Alconétar">Fernández: Puente de Alconétar</ref> deren Turm aus römischen Spolien heute aus dem Stausee bei Niedrigwasser ragt.

Zahlreiche Versuche in der Neuzeit, die Brücke wieder in Betrieb zu setzen, verliefen ergebnislos: 1553 veranschlagte der Architekt Rodrigo Gil de Hontañón 80.000 Dukaten für die Instandsetzung, ohne dass es zu einer Umsetzung seiner Pläne kam. Auch das Bauvorhaben von Alonso de Covarrubias und Hernán Ruiz 1560 kam über das Stadium der Planung nicht hinaus, genauso wenig wie ein weiteres Projekt zwischen 1569 und 1580.<ref name="Durán 182"/>

Im 18. Jahrhundert scheiterten 1730 und 1760–70 zwei erneute Reparaturversuche; beim letzteren sahen die Pläne des Militäringenieurs José García Galiano einen vollständigen Neubau mit drei weitgespannten Flachbögen vor. Der Planzeichnung lässt sich entnehmen, dass die erhaltenen Brückenbögen sich bereits damals auf das rechte Ufer beschränkten, was der Aufriss von Fernando Rodríguez aus dem Jahr 1797 und die ausgezeichneten Stiche in Alexandre de Labordes Voyage pittoresque de l'Espagne wenige Jahre später bestätigten.<ref name="Durán 182"/> Der zeichnerische Rekonstruktionsversuch von Rodríguez (siehe Grafik unten) zeigt ein gleichmäßig ansteigendes Brückenprofil, das in Flussmitte von drei zentralen Rundbögen bestimmt wird, die zu beiden Seiten von neun weiteren Segmentbögen flankiert werden. Der symmetrische Charakter des Bogenwerks deutet darauf hin, dass in der Antike anstelle der flussaufwärts rechts gesehenen Uferbefestigung ein weiterer Segmentbogen gestanden haben könnte.<ref name="Durán 183"/>

Grundlage der modernen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Puente de Alconétar bildet die Studie des Straßenbauingenieurs Antonio Prieto (1925), die den Zustand der Brücke vor ihrer Verlegung wiedergibt. Obgleich man um einen originalgetreuen Wiederaufbau sichtlich bemüht war, können laut Durán bei einer derartigen Aktion geringfügige Veränderungen des Baukörpers grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden.<ref name="Durán 181, 184">Durán 181, 184</ref>

Die Puente de Alconétar wird von den spanischen Behörden seit 1931 als "historisches Erbe" geführt (Stand 2010).<ref>Patrimonio histórico: Bienes culturales protegidos. Consulta de bienes inmuebles. Bien: "Puente de Alconétar"</ref>

Konstruktion

Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Drawing 01.jpg
Grundriss des erhaltenen Brückenteils
Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Pic 08.jpg
Der Reparaturbogen 3. Am rechten Pfeiler 3 lässt sich die schräge Auflagefläche für den römischen Segmentbogen gut erkennen.
Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Drawing 02.jpg
Seitenansicht des Pfeilers 3: Anhand des Neigungswinkels der original erhaltenen Auflageflächen für den Bogenansatz konnte das Pfeilverhältnis der antiken Segmentbögen ermittelt werden.

Hauptcharakteristikum der Puente de Alconétar waren ihre flachen Segmentbögen,<ref>Prieto 149f.; Fernández: Puente de Alconétar; O'Connor 108f.</ref> die im antiken Brückenbau relativ selten Verwendung fanden. Prieto zufolge besaß die Brücke ohne die beiden Hochwasserdurchlässe der rechten Auffahrt sechzehn Bögen mit folgenden Spannweiten (Schätzungen in Klammern, alle in m):

7,30 – 8,20 – 9 – 10,15 – (11 – 12 – 13 – 14 – 15 – 14) – 13 – 12 – 11 – (10) – 9,30 – 9,10.<ref name="Prieto 155"/>

Andere Angaben reichen dagegen von elf bis fünfzehn Bögen.<ref name="Durán 184">Durán 184</ref> Die Gesamtlänge des geradlinig verlaufenden Bauwerks betrug 290 m, von denen 190 m auf die Überbrückung des Flussbetts bei Niedrigwasser entfielen.<ref name="Prieto 149" /> Addiert man die lichten Bogenweiten und nimmt auf Basis der erhaltenen Pfeiler eine durchschnittliche Pfeilerstärke von 4,4 m an, dann betrug die Entfernung zwischen beiden Brückenrampen 244 m (= 178 + 15 × 4,4), was einem Flussquerschnitt von 73 % entsprach.<ref name="O'Connor 108f."/> Zum Vergleich: Die entsprechenden Werte der Römerbrücken zu Córdoba, zu Mérida und Salamanca belaufen sich auf 62 %, 64 % und 80 %.<ref name="O'Connor 165">O'Connor 165</ref>

Die erhalten gebliebene Bausubstanz konzentrierte sich vor der Relozierung auf das rechte Tajo-Ufer, wo die Strömung weniger stark war; eine Anzahl Pfeilerstümpfe ragte aus der Flussmitte dicht über die Wasseroberfläche empor, während am linken Ufer noch zwei Pfeiler aufrecht standen, an die sich das linke Widerlager anschloss.<ref name="Prieto 150f.">Prieto 150f.</ref> Die 1970 versetzten Brückenteile waren im Wesentlichen (siehe Fotos): die rechte Brückenrampe mit ihren zwei bogenförmigen Flutöffnungen, die Pfeiler 1, 2, 3 mit den Resten von 4 und 6 sowie die Bogengewölbe 1 und 3.<ref name="O'Connor 108f."/> Die wenigen sonstigen Überreste versanken 1970 in den Fluten des Alcántara-Stausees.<ref>Galliazzo 358</ref>

Die Anrampung hat eine Länge von 42 m und eine Breite von 6,55–6,80 m.<ref name="Durán 184" /> Die lichten Weiten der beiden Segmentbögen im Widerlager betragen 6,95 m und 7,40 m,<ref name="Durán 184"/> was einer Überhöhung von 4,0 bzw. 3,3 zu 1 entspricht.<ref name="González 250, Tab. 2">González 250, Tab. 2</ref> Die passgenaue schräge Auflagefläche für die Kämpfersteine belegt eindeutig den römischen Ursprung dieser Bögen.<ref>Prieto 149f.; Fernández: Puente de Alconétar; O'Connor 108f.; Durán 184</ref> Die 1,20 m mächtigen Keilsteine wirken im Verhältnis zur Spannweite stark überdimensioniert (Verhältnis von 1 zu 5,8 bzw. 6,2).<ref name="Durán 184"/> Bei den beiden erhaltenen Brückenbögen Nr. 1 und 3 handelt es sich dagegen um wenig tragfähige Ersatzbögen aus unsauber vermauerten Bruchsteinen;<ref>Prieto 150; Durán 183</ref> ihr Alter ist wie das aller Reparaturarbeiten unbekannt, möglicherweise stammen sie aus der Zeit der Tempelritter.<ref name="Prieto 157f."/>

Ebenfalls erkennbar nachantik ist das Mauerwerk der ersten beiden Brückenpfeiler oberhalb des unteren Gesims, das bei allen Pfeilern auf der gleichen Höhe vorkragt.<ref name="Prieto 150">Prieto 150</ref> Der Oberbau der Pfeiler könnte für eine Zugbrücke<ref name="Prieto 150"/> oder einen Turm rekonstruiert worden sein, der nach einer Abbildung in der Voyage pittoresque auf Pfeiler 2 aufsaß.<ref name="Fernández: Puente de Alconétar"/> Dagegen hat sich beim dritten Pfeiler die römische Bausubstanz bis zur Spitze von 12,50 m erhalten; das sorgfältig bearbeitete Quadermauerwerk und das zweite Gesims, das alle antiken Pfeiler durchlief, vermitteln den klarsten Eindruck von der Originalgestalt der Römerbrücke.<ref>Prieto 152; Durán 185f.</ref>

Insbesondere lässt sich anhand des Winkels der geneigten Auflagefläche für den Bogenansatz die Pfeilhöhe der originalen Segmentbögen recht genau rekonstruieren.<ref name="Fernández: Puente de Alconétar"/> Demnach beschrieb der dritte Bogen ursprünglich einen Kreisausschnitt von 95°,<ref name="Durán 184"/> was auf ein Pfeilverhältnis im Bereich von 4–5 zu 1 bei den restlichen Segmentbögen schließen lässt.<ref name="Fernández: Puente de Alconétar"/> Dieser Wert wird durch die Stiche de Labordes gestützt, nach denen noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein intakter römischen Segmentbogen das benachbarte vierte Joch überspannte.<ref name="Prieto 150"/> Damit gehört die Brücke von Alconétar – neben weiteren frühen Beispielen wie der Limyra-Brücke oder der Ponte San Lorenzo – zu den ältesten Segmentbogenbrücken der Welt und legt Zeugnis davon ab, dass römische Brückenbauer entgegen früheren Lehrmeinungen mit dem Flachbogen vertraut waren.<ref name="O'Connor 171">O'Connor 171</ref>

Die Pfeilerstärken nehmen mit 4,25 m, 4,45 m, 4,55 m und 4,80 m Richtung Flussmitte leicht zu, während die Intervalle zwischen den Pfeilern sich von 7,30 m auf 10,20 m vergrößern.<ref name="Durán 183">Durán 183</ref> Der fünfte und letzte erhaltene Flusspfeiler besitzt unter dem bezeichnenden Namen ‚Tisch des Bischofs‘ den bei weitem größten Querschnitt (8,10 m) und steht als Solitär weit vorgeschoben im Flussbett. Womöglich handelt es sich um einen mittelalterlichen Pfeiler, der anstelle zweier antiker Bögen als Fundament für einen Verteidigungsturm errichtet worden sein könnte.<ref name="Prieto 151">Prieto 151</ref> Alle fünf Pfeiler sind an der Oberstromseite mit spitz zulaufenden Wellenbrechern verstärkt.<ref name="Prieto 150, Abb. 3">Prieto 150, Abb. 3</ref>

Die Schalenmauer der Brückenpfeiler besteht aus örtlich geschlagenen Granitquadern, die ohne Mörtel- oder Ankerverbindungen in der Opus-quadratum-Bauweise aufgemauert wurden; das Innere der Pfeiler und der Rampen wurde wie bei vielen Römerbrücken mit römischen Beton verfüllt.<ref>Prieto 152; Fernández: Puente de Alconétar; Galliazzo 359</ref> Äußerlich dürften die für antike Verhältnisse und auch spätere Zeiten außergewöhnlich flachgespannten Bögen dem Bauwerk ein recht gedrungenes Profil verliehen haben, so dass die Fahrbahn entweder horizontal oder zu beiden Seiten leicht ansteigend verlief.<ref name="Durán 186f.">Durán 186f.</ref>

Rekonstruktion und Abmessungen

Datei:Puente de Alconétar, Cáceres Province, Spain. Drawing 04.jpg
Seiten- und Grundriss von Fernando Rodríguez aus dem Jahr 1797 (Blick flussaufwärts). Oben der damalige Zustand, unten sein Rekonstruktionsversuch der römerzeitlichen Brücke.
Abmessungen der Brückenteile von links nach rechts flussaufwärts gesehen
Brückenteil Galiano
(ca. 1770)
Rodríguez
(1797)
Prieto
(1925)<ref group="A.">Angenommene Werte in Klammern</ref>
Durán
(2004)<ref group="A.">Alle Werte beziehen sich auf die wiederaufgebaute Brücke.</ref>
Spannweite 1. Flutdurchlass 06,86 07,04 07,00 06,95
Rampenstärke 10,60 11,63 12,00 14,00
Spannweite 2. Flutdurchlass 07,40 07,10 07,50 07,40
Rampenstärke 12,90 11,65 13,00 13,50
Spannweite 1. Bogen 07,50 07,62 07,30 07,30
Stärke 1. Pfeiler 05,60 04,17 04,25 04,25
Spannweite 2. Bogen 09,00 08,44 08,20 08,10
Stärke 2. Pfeiler 05,60 04,19 04,25 04,45
Spannweite 3. Bogen 09,86 08,92 08,95 08,50
Stärke 3. Pfeiler 05,50 04,21 04,25 04,55
Spannweite 4. Bogen 10,10 10,32 10,15 10,20
Stärke 4. Pfeiler 04,81 04,80
Spannweite 5. Bogen 12,03 (11,00)
Stärke 5. Pfeiler 06,21
Spannweite 6. Bogen 16,72 (12,00)
Stärke 6. Pfeiler 06,21
Spannweite 7. Bogen 08,92 (13,00)
Stärke 7. Pfeiler 06,21
Spannweite 8. Bogen 16,74 (14,00)
Stärke 8. Pfeiler 06,21
Spannweite 9. Bogen 11,93 (15,00)
Stärke 9. Pfeiler 04,79
Spannweite 10. Bogen 10,22 (14,00)
Stärke 10. Pfeiler 04,19
Spannweite 11. Bogen 08,82 13,00
Stärke 11. Pfeiler 04,19
Spannweite 12. Bogen 08,38 12,00
Stärke 12. Pfeiler 04,19
Spannweite 13. Bogen 11,00
Stärke 13. Pfeiler
Spannweite 14. Bogen (10,00)
Stärke 14. Pfeiler
Spannweite 15. Bogen 09,30
Stärke 15. Pfeiler
Spannweite 16. Bogen 09,10

Siehe auch

Literatur

  • Antonio Prieto Vives: El Puente Romano de Alconétar. In: Archivo Español de Arte y Arqueología, Bd. 2 (Mai/Aug. 1925), S. 147–158.
  • Carlos Fernández Casado: Historia del Puente en España. Puentes Romanos: Puente de Alconétar. Instituto Eduardo Torroja de la Construcción y del Cemento, Madrid 1970 ohne Seitennummerierung.
  • Colin O’Connor: Roman Bridges. Cambridge University Press 1993, ISBN 0-521-39326-4, S. 108f., 171.
  • Juan Gil Montes: Via Delapidata. In: Elementos de la Ingeniería Romana, Congreso Europeo: Las Obras Públicas Romanas, Tarragona 2004.
  • Manuel Durán Fuentes: La Construcción de Puentes Romanos en Hispania. Xunta de Galicia, Santiago de Compostela 2004, ISBN 978-84-453-3937-4, S. 181–87.
  • Teresa González Limón et al.: A Brief Analysis of the Roman Bridges of the Way "La vía de la Plata" (PDF; 386 kB). In: P. B. Lourenço, P. Roca (Hrsg.): Historical Constructions. Guimarães 2001, S. 247–256.
  • Vittorio Galliazzo: I ponti romani. Catalogo generale, Bd. 2, Edizioni Canova, Treviso 1994, ISBN 88-85066-66-6, S. 358–361 (Nr. 755).

Weblinks

Commons: Puente de Alconétar – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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