Red Porsche Killer
Red Porsche Killer ist der Name eines Motorrads, das nach einer Idee des Comiczeichners Rötger Brösel Feldmann als Einzelexemplar aufgebaut wurde. Von der ersten Erwähnung (im Comic Werner Eiskalt) 1985 bis zum realen Rennen im September 1988 vergingen rund 3 Jahre. Der Red Porsche Killer ist technisch als Drag Bike für reine Beschleunigungsrennen auf gerader Strecke ausgelegt.
Hintergrund
Fiktional
Der Ursprung des Red Porsche Killer liegt im 1985 erschienenen Comicalbum Werner Eiskalt, im Kapitel „Das Rennen“.<ref name=":2" /> Dort entbrennt ein Streit zwischen den Protagonisten Werner (einem Horex-Schrauber) und Holgi (Porsche-Fahrer) über die Leistungsfähigkeit ihrer jeweiligen Fahrzeuge, was zur Vereinbarung eines Wettrennens führt.
Dialog (Auszüge):
Holgi: Das is das schnellste Auto überhaupt
Werner: Da lach ich doch drüber – deinen Salzstreuer verblasen wir doch allemal
Holgi: Mit eurem Schrott? … ihr seid doch froh, wenn euer Geraffel überhaupt anspringt
Werner: dich leder ich mit meiner Horex ab, Macker... wir mach‘n n Rennen…
Holgi: Da lach ich ja – das schafft ihr nie...
Werner: wir bauen einfach zwei Motor'n hinternander, – dann siehst DU kein Land mehr
Andi (Werners Bruder): Wir könn' auch vier Motor'n nehm, – dann siehst du Gaanix mehr!...
Im Comic wird das Motorrad gebaut und auf den bekannten Namen getauft. Das Rennen findet statt, endet aber unentschieden, da Werner in einen vom LKW gefallenen Auflieger mit Strohballen fährt, und Holgi wegen vergessenem Motorenöl einen Motorschaden hat.
Real
Das Comic erreichte hohe Auflagenzahlen und die Episode wurde sehr bekannt. Immer öfter erhielten Rötger Feldmann und sein Umfeld Anfragen, wann das Rennen „nun endlich stattfindet“. Dies führte letztlich zum Entschluss, die Geschichte tatsächlich umzusetzen, das Motorrad zu bauen und das Rennen in Verbindung mit einem Musikfestival unter dem Titel „Werner: Das Rennen“ zu veranstalten. Ursprünglich war geplant, das Rennen auf einem Teilstück der damals noch nicht eröffneten Autobahn 210 zwischen Kiel und Rendsburg durchzuführen, wofür die Organisatoren jedoch keine Genehmigung erhielten.
Technik
Der ursprüngliche Plan sah vor, einfach vier Motoren einer Horex Regina hintereinander zu stellen, die Getriebe abzutrennen, und die Kurbelwellen über Primärketten miteinander zu verbinden.<ref name=":0">redporschekiller. Abgerufen am 18. Juli 2025.</ref> Diese Bauweise basiert auf den Drag Bikes der 1960er und 1970er Jahre, als Versuche unternommen wurden, mehrere Motoren hintereinander zu montieren. Zusammen mit eigens angefertigten Rahmen, angeschraubten Kompressoren und selbst konstruierten Primärantrieben entstanden gegen Ende dieser Area Bikes, die mit ihren bis zu drei hintereinander eingebauten Honda- oder Kawasaki-Vierzylindermotoren sowohl technisch als auch körperlich extrem schwer zu beherrschen waren.
Im Comic „Werner Eiskalt“ werden die Basis-Motoren definiert als „Original HOREX Blockmotor, 400 ccm, 1955, 22 PS, Grauguß-Zyl.“, die Einsatz-Triebwerke werden als „modifiziertes Ölfuß-Aggregat, 600 ccm, 1985, 45 PS, Alu-Zylinder“ beschrieben. Ein altes Getriebe aus einer BSA sollte die Leistung an das Hinterrad übertragen, wurde aber letztendlich aus Stabilitätsgründen durch ein Sportgetriebe ersetzt, das für Harley-Davidson-Maschinen im Drag Racing angeboten wird.<ref name=":0" /> Eine ebenfalls im Buch abgebildete Tabelle (mit technischen Zeichnungen)<ref>galerie. Abgerufen am 18. Juli 2025.</ref> gibt folgende Werte für den Red Porsche Killer an:
| Red Porsche Killer | |
|---|---|
| Hubraum | 2,4 l |
| Bohrung | 84 mm |
| Hub | 110 mm |
| Leistung | 162 PS |
| Max. Drehm. | 36 kpm bei 3200 U. |
| Vergaser | Dellorto 36 mm |
| Getriebe | Zweigang |
| Radstand | 2290 mm |
| Höhe | 790 mm |
| Sitzhöhe | 490 mm |
| Anmerkung: Diese Daten sind unverändert aus dem Buch übernommen.<ref name=":2">Brösel (Rötger Feldmann) „Werner Eiskalt“. Semmel Verlag, Kiel. 1985. – Leider keine Seitenzahlen im Buch. ISBN 3-922969-22-4</ref> | |
-
Horex Regina: Ihr 400 cm³ Einzylinder bildete die Basis für das 4-Zylinder-Triebwerk des „RPK“
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Top-Fuel-Bike mit zwei hintereinander verbauten Kawasaki 4-Zyl.-Motoren und vorgeschaltetem Kompressor (1976)
Sowohl im Comic als auch in der Realität ist Feldmanns Freund Wolfgang „Ölfuß“ Ußleber federführend für die Pläne des Red Porsche Killer und deren Umsetzung zuständig.<ref>»Spät ans Leben gewöhnt«. In: Der Spiegel. 11. September 1988, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. Juli 2025]).</ref> Später wurde das Motorrad von Feldmanns Bruder Andi nochmal technisch weiterentwickelt.
- Die Motoren wurden für die erwarteten Belastungswerte modifiziert und Kurbelwellen, Pleuel, Lager und Kurbelwangen entsprechend angepasst bzw. extra angefertigt. Die Aluzylinder und Laufbuchsen für die einzelnen Motoren mit je 550 cm³ mussten ebenfalls eigens berechnet und angefertigt werden. Die gewuchteten Wellen und Lager wurden ebenfalls für das gewünschte Leistungsniveau ausgelegt.<ref name=":0" /> Die Abgasentsorgung findet über acht ungedämpfte Einzelkrümmer statt.
- Aufwändige Umbauten waren an der hintersten Kurbelwelle notwendig, die über einen breiten Zahnriemen die Leistung an das Getriebe abgab. Von dort sorgte eine Kette für den Hinterradantrieb.<ref name=":0" />
- Das Synchronisieren aller relevanten Elemente erwies sich ebenfalls als sehr arbeitsintensiv. Dazu wurden nicht nur die Vergaser auf den gleichen Durchfluss eingestellt, sondern auch die Zündzeitpunkte und deren Verstellung bei höheren Drehzahlen exakt abgestimmt.
- Der Rahmen und die dazugehörigen Komponenten (z. B. Gabel) sind eine komplette Eigenentwicklung.
- Die Bremsanlage wurde modifiziert, und ein System von Brembo (Doppelscheibe vorne / Scheibe hinten) verbaut
- Gestartet wird das Motorrad über einen externen Anlasser.
- Die Gesamtkosten für das Projekt beliefen sich damals auf 280.000 DM, das entspräche 2025 einem (inflationsbereinigten) Betrag von 288.400,00 €<ref>Rechner aktueller Wert Deutsche Mark, Francs, Lire, Dollars - Historische Inflation Konverter. Abgerufen am 18. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Für das Rennen 2018 wurde das Motorrad von Rötgers Bruder Andi Feldmann nochmals weiterentwickelt: Der vierte Motor bekam (Zitat) „Umbiegungssnüffelstücke“ – im typischen Werner-Slang steht dies für nach hinten gerichtete Ansaugrohre, die so nicht mehr von den Beinen des Fahrers abgedeckt werden können.<ref name=":1">André Klohn: Brösel gelingt die Revanche auf www.welt.de vom 2. September 2018, abgerufen am 2. September 2018</ref>
In der sportlichen Drag-Racing-Szene wurde das Motorrad für die technische Umsetzung des Projekts und seine Originalität durchweg gelobt. Die reine Wettbewerbsfähigkeit unter realen Rennbedingungen und in einer offiziellen Meisterschaft wurde eher gering eingeschätzt. Das liegt zu einem großen Teil an der äußerst schwierigen Einordnung in eine passende Wettkampfklasse und an der technischen Leistungsfähigkeit der Konkurrenten in den möglichen Kategorien.
Sportliche Bilanz
- Das erste Rennen fand im September 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm (Schleswig-Holstein) im Rahmen eines dreitägigen Festivals statt. Das eigentliche Rennen ging über 600 Meter – also deutlich über der klassischen Drag-Racing-Distanz von 402,34 m (Viertelmeile) hinaus und dauerte 20 Sekunden. Nachdem Rötger „Brösel“ Feldmann auf seinem Red Porsche Killer auf den ersten 50 Metern in Führung gelegen war, wurde er von Holger Henze in seinem auf 215 PS (158,13 kW) getunten Porsche 911 mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss passiert. Feldmann erklärte später, dass er sich verschaltet habe und im zweiten statt im ersten Gang gestartet sei und deshalb während des Rennens mehrfach versucht habe, in den vierten Gang zu schalten, ohne zu bemerken, dass er diesen bereits eingelegt hatte. Zudem hatten seine Beine die Ansaugrohre (Zitat: „Snüffelstücke“) des vierten Motors abgedeckt, sodass dieser zu wenig Luft bekam.<ref>Schleswig-Holstein Magazin. In: ndr.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. August 2018; abgerufen am 12. März 2024.</ref>
- Zweites Rennen: Im September 2004 kam es auf dem Lausitzring zu einer Neuauflage des Rennens. Rötger Feldmann verlor aufgrund technischer Probleme, als er bei drei Startversuchen jeweils nach wenigen Metern stehenblieb.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig 30 000 Werner-Fans feiern Riesenparty am Lausitzring.] In: Mitteldeutsche Zeitung. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 21. Juni 2021.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Brösel zerbröselt.] In: Berliner Kurier. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. Juni 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Wer kesselt gegen Andi?] In: Sächsische Zeitung. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. Juni 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Ölfuß Ußleber bewältigte später (außer Konkurrenz) die 250-Meter-Distanz.
- Das dritte Rennen fand vom 30. August bis zum 2. September 2018 wieder auf dem Flugplatz Hartenholm statt.<ref>R.SH. Abgerufen am 12. Mai 2017.</ref> Feldman gewann das diesmal über die klassische Achtelmeile (201,17 m) ausgetragene Rennen mit 10,08 Sekunden knapp vor Henze.<ref>time-for-metal.eu: Rückblick auf das Werner-Rennen 2018. 11. September 2018, abgerufen am 18. Juli 2025.</ref><ref name=":1" />
- Eine vierte Veranstaltung mit dem Titel „Das Werner Rennen“ fand als „Motorsportfestival“ Ende August 2019 in Hartenholm ohne Beteiligung des Red Porsche Killer statt. Feldmanns Bruder Andi trat dabei in einem reinen Auto-Dragrace (das von Brösel kommentiert wurde) gegen Konny Reimann an.<ref>https://www.si-shk.de/so-lief-das-werner-rennen-2019-65356/</ref><ref>Nicole Scholmann: Werner-Rennen: 45.000 Besucher gezählt. In: Kieler Nachrichten. 1. September 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2019; abgerufen am 27. Oktober 2019.</ref>
Sonstiges
Der Modellbausatzhersteller Revell brachte 2001 einen Plastikbausatz des Motorrads heraus, der aber wegen eines Einspruchs von Porsche unter der Bezeichnung Red XXXXXXX Killer in die Läden kam.<ref>07812 - WERNER Red XXXXXXX Killer (Red Porsche Killer) - Bauplanarchiv - Das Wettringer Modellbauforum. Abgerufen am 18. Juli 2025.</ref><ref>Werner Red XXXXXXX Killer aka Red Porsche Killer. In: scalemates.com. Abgerufen am 18. Juli 2025.</ref>
Weblinks
- Filmtrailer: Porschekiller in Garage WERNER EISKALT (Kinostart: 23. Juni 2011). Auf YouTube.
- Bericht NDR hamburg journal 4.9.1988 Werner Rennen 1988 Hartenholm. Auf YouTube.
- Porsche YouTube-Kanal: Holger Henze über die Anfänge, den Comic, das Rennen und die Revanche. Auf YouTube.
Einzelnachweise
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