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Sartorit

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Sartorit
Datei:Sartorite-7270 (Henk Smeets, tomeikminerals).jpg
Sartorit aus dem Steinbruch Lengenbach, Binntal, Kanton Wallis, Schweiz (Sichtfeld 2 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Sat<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Arsenomelan (nach von Waltershausen)<ref name="Dana" />
  • Binnit (nach Heusser),<ref name="Dana" /> nicht der mit Tennantit identische Binnit (nach Des Cloizeaux)
  • Bleiarsenglanz (nach Groth)
  • Skleroklas (nach vom Rath und von Waltershausen)<ref name="Dana" />
Chemische Formel PbAs2S4<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.06
II/E.25-030<ref name="Lapis" />

2.HC.05a
03.07.08.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/n (Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2<ref name="StrunzNickel"/>
Gitterparameter a = 19,62 Å; b = 7,89 Å; c = 4,19 Å
β = 90,0°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung häufig Wiederholungszwillinge nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,10; berechnet: 5,13<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig; extrem spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe dunkelbleigrau; polierte Flächen rein weiß, selten mit tiefroten Innenreflexen<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe dunkelbraun<ref name="Lapis" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Metallglanz

Sartorit, veraltet auch als Arsenomelan, Bleiarsenglanz oder Skleroklas bekannt, ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung PbAs2S4. Sartorit ist damit chemisch gesehen ein Blei-Arsen-Sulfid, das allerdings strukturell zu den Sulfosalzen zählt.

Sartorit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt prismatische Kristalle von bis zu zehn Zentimeter Länge mit abgerundeten kavernösen Kristallenden. Häufig treten diese zu parallel ausgerichteten Gruppen zusammen. Die Prismenflächen zeigen meist in Längsrichtung, das heißt parallel der b-Achse [010], eine starke Flächenstreifung aufgrund wiederholter Verzwilligung.

Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der dunkelbleigrauen Kristalle einen metallischen Glanz. Polierte Anschliffe erscheinen im Auflicht rein weiß, selten auch mit tiefroten Innenreflexen. Die Strichfarbe ist dagegen dunkelbraun.

Etymologie und Geschichte

Erstmals beschrieben wurde das Mineral bereits 1864 von Gerhard vom Rath unter der Bezeichnung Skleroklas anhand von Mineralproben aus dem Binntal im Schweizer Kanton Wallis. Dieser gab in seiner Beschreibung an, dass der Name ursprünglich von dem Göttinger Geologie-Professor Wolfgang Sartorius von Waltershausen für ein Gemenge aus Arsenomelan und Skleroklas verwendet wurde, aus dem der von ihm untersuchte Dufrénoysit bestehen würde.<ref name="Rath" />

Seinen bis heute gültigen Namen erhielt Sartorit 1868 von James Dwight Dana, der das Mineral nach Wolfgang Sartorius von Waltershausen benannte.<ref name="Dana" />

Als genaue Typlokalität gilt inzwischen die Grube Lengenbach nahe Fäld (auch Imfeld) im genannten Binntal.<ref name="Typlokalität" />

Da der Sartorit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Sartorit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Sartorit lautet „Sat“.<ref name="Warr" />

Typmaterial für das Mineral ist nicht definiert<ref name="Handbookofmineralogy" /> beziehungsweise dessen Aufenthaltsort nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Nach der aktuellen IMA-Klassifikation der Sulfosalze gehört Sartorit zusammen mit Sartorit-9c, Twinnit und Guettardit zur isotypen Sartoritgruppe. Zusammen mit den strukturell verwandten Mineralen vom Baumhauerit-Typ, Dufrénoysit-Typ und Pierrotit-Typ ist Sartorit hier Teil zur homologen Sartorit-Serie in der Familie der Blei-Sulfosalze mit großen 2-dimensionalen Fragmenten, die sich auf den PbS/SnS-Strukturtyp zurückführen lassen.<ref name="Moelo-et-al" />

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Sartorit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er gemeinsam mit Baumhauerit, Dufrénoysit, Geokronit, Gratonit, Jordanit, Liveingit und Rathit in der „Sartorit-Jordanit-Gruppe (Bleiarsenspießglanze)“ mit der Systemnummer II/D.06 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.25-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Sartorit zusammen mit Argentoliveingit, Barikait, Carducciit, Dekatriasartorit, Enneasartorit, Guettardit, Hendekasartorit, Heptasartorit, Hyršlit, Incomsartorit, Liveingit, Marumoit, Polloneit, Rathit und Twinnit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.25 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sartorit in die neu definierte Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Guettardit und Twinnit die „Sartoritgruppe“ mit der Systemnummer 2.HC.05a bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Sartorit die System- und Mineralnummer 03.07.08.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y = 2 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Sartoritgruppe“, in der auch Guettardit, Twinnit und Marumoit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Sartorit kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2 mit den Gitterparametern a = 19,62 Å; b = 7,89 Å, c = 4,19 Å und β = 90,0° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel"/>

Bildung und Fundorte

Datei:Sartorite-tuc1053c.jpg
Sartorit in Dolomit aus dem Binntal, Wallis, Schweiz
Datei:Sartorite-Realgar-232896.jpg
Sartorit (dunkelgrau) mit Realgar (rot) aus dem gleichen Fundort

Das Mineral bildet sich unter hydrothermalen Bedingungen bei der Reaktion von arsenreichen Lösungen mit Galenit. Als Ergebnis dieser Umwandlung findet man in der Typlokalität Lengenbach (Schweiz) eine Serie von strukturell verwandten Sulfosalzen mit zunehmenden As-Gehalten, beginnend mit Jordanit, gefolgt von Dufrénoysit, Liveingit, Baumhauerit, Rathit und schließlich Sartorit.<ref name="Pring" />

Als seltene Mineralbildung konnte Sartorit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 15 Vorkommen<ref name="Mindat-Anzahl" /> dokumentiert sind (Stand 2025). An seiner Typlokalität in der Grube Lengenbach im Binntal fand sich Sartorit in Dolomit, vergesellschaftet mit Dufrénoysit, Pyrit, Rathit, Realgar und Tennantit<ref name="Handbookofmineralogy" /> sowie Hatchit und Seligmannit.<ref name="Berlepsch" /> Des Weiteren konnte das Mineral in der Schweiz noch an Dolomit-Ausbiss am Mässerbach etwa 200 m entfernt von der Grube Lengenbach sowie am Reckibach zwischen Binn und Giessen entdeckt werden.<ref name="Fundorte" />

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist ein Salzbergwerk bei Absam im Halltal in Tirol.

Weitere bisher dokumentierte Fundorte sind unter anderem<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Sartorite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Sartorit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Sartorite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Sartorite Mineral Data. In: webmineral.com. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Sartorite. In: rruff.info. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Sartorite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Sartorite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Berlepsch"> </ref> <ref name="Dana"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Sartorit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Januar 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – S. (PDF 315 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 1. Februar 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Sartorite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Moelo-et-al"> </ref> <ref name="Pring"> </ref> <ref name="Rath"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typlokalität"> Typlokalität Grube Lengenbach, Fäld (Imfeld, Im Feld), Binntal, Bezirk Goms, Kanton Wallis, Schweiz für Sartorit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 1. Februar 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>