Schwarze Pfütze
Schwarze Pfütze ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Oerlenbach im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern.<ref>Vorlage:BayernPortal Ortsteile</ref>
Geographische Lage
Der Weiler Schwarze Pfütze liegt an der Staatsstraße 2445, der ehemaligen Bundesstraße 19, und ist zwischen Münnerstadt und Schnackenwerth (Markt Werneck) die einzige Siedlung, durch die die ehemalige B 19 hindurchführt.
Von westlich gelegenen Bad Kissinger Stadtteil Reiterswiesen kommend, kreuzt die Kreisstraße Kreisstraße KG 8 dort die St 2445. Über die im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht als Übungsfläche genutzte Gemarkung von Reiterswiesen ist Schwarze Pfütze auch zu Fuß zu erreichen. Durch den Ort führt der Fränkische Marienweg.
Geschichte
Anlass zum Bau von Schwarze Pfütze war der Bedarf für eine Gaststätte in der Mitte des 18 Kilometer langen Teilabschnitts der „Sächsischen Chaussee“, des Vorläufers der B 19, zwischen Poppenhausen und Münnerstadt. An die Entstehung von Schwarze Pfütze erinnert ein Gedenkstein mit der Jahreszahl 1819. Der Name dürfte von dem gleichnamigen kleinen See unmittelbar neben der Gaststätte herrühren.
Im Jahr 1806 plante der damalige Landesherr, Großherzog Ferdinand III., Joseph Johann Baptist von Habsburg-Toskana, eine neue Siedlung, die „Ferdinandsfeld“ heißen sollte. Die Einwohner von Rottershausen (heute Ortsteil von Oerlenbach) fürchteten jedoch eine Gefährdung ihrer Nahrungsversorgung, da die geplante Siedlung eine Verkleinerung der Gemarkung von Rottershausen bedeutet hätte.
Die ersten Interessenten für den Betrieb einer Gaststätte gab es bereits im Jahr 1800. Im Jahr 1810 wurde durch die Regierung ein Brunnen, dessen gusseisernes Pumpgehäuse sich erhalten hat, zur Trinkwasserversorgung gebohrt. Erster Pächter von Schwarze Pfütze war im Jahr 1820 ein Wirt aus Oerlenbach. Am 22. September 1829 berichtete das Intelligenzblatt für den Unter-Mainkreis von einem Ansiedler, der zwei Häuser bei Schwarze Pfütze errichtete.
Ab 1874 verlor Schwarze Pfütze durch den Bau der parallel zur Straße verlaufenden Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen an Bedeutung. Der Rückgang der Besucherzahlen glich sich wieder etwas aus, als Schwarze Pfütze immer öfter von Kurgästen aus Bad Kissingen aufgesucht wurde. In seinem Führer von Bad Kissingen lobte der Mediziner Dr. Werner im Jahr 1889 „die schöne Aussicht trotz der mäßigen Höhe von 185 m über der Saale und 395 m über dem Meer“.
Anfang der 1970er Jahre wurde ein Parkplatz eingerichtet, wofür die alten Kastanienbäume des Wirtsgartens gefällt wurden.
Von Ende 2004 bis 2006 wurde die Schwarze Pfütze als Swingerclub genutzt.<ref>Schwarze Pfütze: Es hat sich ausgeswingt. In: Mainpost.de. 6. März 2007, abgerufen am 4. März 2018.</ref> Im Dezember 2010 kam es zu einem Pächterwechsel und die Schwarze Pfütze wurde wieder zum Gasthaus umgebaut.<ref>Schwarze Pfütze ist wieder offen. In: Mainpost.de. 21. März 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2018; abgerufen am 4. März 2018. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Am 6. Dezember 2013 brannte das Gasthaus Schwarze Pfütze komplett ab; dabei kam eine Person ums Leben.<ref>Heike Beudert: Feuer in Gasthaus - vermisste Person tot aufgefunden. In: Mainpost.de. 8. Dezember 2013, abgerufen am 4. März 2018.</ref><ref>Schwarze Pfütze: „Keine Anzeichen für Brandstiftung“. In: Mainpost.de. 12. Dezember 2013, abgerufen am 4. März 2018.</ref><ref>Heike Beudert: Brand in der Schwarzen Pfütze fordert ein Opfer. In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 8. Dezember 2013, abgerufen am 4. März 2018.</ref><ref>Heike Beudert: Feuer in Gasthaus - vermisste Person tot aufgefunden. In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 8. Dezember 2013, abgerufen am 4. März 2018.</ref> Nach Ermittlungen der Polizei wurde das Feuer von einer defekten Heizdecke verursacht.<ref>Defekte Heizdecke als Brandursache. In: Mainpost.de. 20. Dezember 2013, abgerufen am 4. März 2018.</ref>
Nach dem Feuer in der Ruine verkaufte der Bruder des im Gasthaus Verstorbenen das Gebäude. Da jedoch nach dem Kauf keine Zahlungen geleistet wurden, wurde das Gebäude am 20. Dezember 2017 zu einem Startpreis vom 1 € versteigert.<ref>Warum die Schwarze Pfütze versteigert wird. In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 26. Oktober 2017, abgerufen am 4. März 2018.</ref> Bei der Versteigerung war ein Schweinfurter Investor bereit, 7.432,15 € zu zahlen (noch fällige Kosten für Grundsteuer und Mahnungen).<ref name= "Versteigerung">Oerlenbach: "Schwarze Pfütze" hat keinen neuen Besitzer. In: BR.de. 20. Dezember 2017, abgerufen am 5. September 2019.</ref> Da der Besitzer sich jedoch einen höheren Betrag zwischen 25.000 € und 30.000 € erhofft hatte, zog er das Angebot zurück.<ref name= "Versteigerung"/>
Nachdem das Gebäude durch das Landratsamt Bad Kissingen im Jahr 2019 als einsturzgefährdet eingestuft wurde, wurde es aus Sicherheitsgründen von oben bis zur Kante des Erdgeschosses eingerissen. Die Denkmalschutzbehörde sah den Schaden als unwiederbringlich an und strich das Gebäude im Jahr 2020 aus der Denkmalliste.<ref name="Saale-Zeitung August 2022">Was wird aus der Schwarzen Pfütze? In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 10. August 2022, abgerufen am 16. August 2022.</ref> Die Gebäudereste wurden im November 2023 abgerissen; sie sollen einer Grünanlage zum Verweilen weichen.
Steinbruch Schwarze Pfütze
In der Nähe der Schwarzen Pfütze befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch eine Motocrossstrecke des MMC Schweinfurt, auf der auch Wettkämpfe ausgetragen werden. Die im Steinbruch ehemals für ganz Mitteleuropa einmalig in dieser Fläche aufgeschlossen im Oberen Muschelkalk an der Schwarzen Pfütze anstehende in der Zeit der Mittleren Trias vor etwa 242 Millionen Jahren abgelagerte Tetractinella-Bank sowie die nur wenig oberhalb anstehenden Flächen mit Seelilien und Biohermen der riffbildenden Muschel Placunopsis ostracina sind, obgleich Teilbereiche seinerzeit als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen wurden, im Zuge verschiedener Umgestaltungsmaßnahmen zum Motorsportgelände heute vernichtet und nicht mehr erkennbar bzw. auch nachweisbar. Zahlreiche dieser früher im Steinbruch Schwarze Pfütze gefundenen Fossilien sind heute im Museum Terra Triassica Euerdorf ausgestellt oder wurden in dessen Sammlungsbestand aufgenommen.
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Armfüßer Tetractinella trigonella (SCHLOTHEIM, 1820), Oberer Muschelkalk, Trochitenkalk-Formation, Tetractinella-Bank, Mittel-Trias, Spät-Anisium, Illyrium, atavus-Zone, Schwarze Pfütze bei Bad Kissingen, SMTE 5826-9-85, Museum Terra Triassica Euerdorf
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Tetractinella trigonella (SCHLOTHEIM, 1820) mit Skulpturanomalie, Oberer Muschelkalk, Trochitenkalk-Formation, Tetractinella-Bank, Mittel-Trias, Spät-Anisium, Illyrium, atavus-Zone, Schwarze Pfütze bei Bad Kissingen, SMTE 5826-9-357, Museum Terra Triassica Euerdorf
Literatur
- Traditionsgaststätte – Die „Schwarze Pfütze“. In: Peter Ziegler: Prominenz auf Promenadenwegen. Kaiser – Könige – Künstler – Kurgäste in Bad Kissingen. Ferdinand Schöningh, Würzburg 2004, ISBN 978-3-87717-809-6, S. 184–189.
Weblinks
- Gaststätte Schwarze Pfütze. In: Website des Denkmalnetzes Bayern
- Vorlage:Bavarikon Ort
Einzelnachweise
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Altenfelderhof | Ebenhausen | Eltingshausen | Forsthof | Oerlenbach | Rottershausen | Schwarze Pfütze | Waldsiedlung
Vorlage:Klappleiste/Ende Koordinaten: 50° 11′ N, 10° 9′ O
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