Sevofluran
Sevofluran (Handelsname Sevorane) ist ein 1990 zuerst in Japan und in Deutschland 1996 in die Klinik eingeführtes<ref>Michael Heck, Michael Fresenius: Repetitorium Anaesthesiologie. Vorbereitung auf die anästhesiologische Facharztprüfung und das Europäische Diplom für Anästhesiologie. 2001, S. 804.</ref> volatiles Anästhetikum aus der Gruppe der Flurane. Es hat eine gute hypnotische, jedoch nur schwach analgetische und muskelrelaxierende Wirkung. Die Verwendung von Sevofluran zur Narkoseführung ist weit verbreitet, vor allem in der Kinderanästhesie.
Pharmakologie
Der Blut-Gas-Verteilungskoeffizient von Sevofluran ist ca. 0,65, das heißt bei einer Konzentration von 1 Volumenprozent (Vol-%) in den Lungenbläschen beträgt die Konzentration im Blut 0,65 Vol-%. Die geringe Löslichkeit bewirkt eine schnelle Einschlaf- und Aufwachphase. Die minimale alveoläre Konzentration ist 2 %, Sevofluran ist damit weniger potent als Isofluran. Da Sevofluran nicht schleimhautreizend ist und einen nicht allzu unangenehmen „ätherartigen“ Geruch hat, eignet es sich auch für die inhalative Narkoseeinleitung. Dies erklärt den häufigen Einsatz in der Kinderanästhesie.<ref name="Rosaint">Rossaint, Werner, Zwissler (Hrsg.): Die Anästhesiologie. Allgemeine und spezielle Anästhesiologie, Schmerztherapie und Intensivmedizin. 2. Auflage. Springer, Berlin 2008, ISBN 978-3-540-76301-7, S. 297–320.</ref>
Die Dichte von Sevofluran beträgt als Flüssigkeit 1,52 g/ml,<ref name="sun">R. Sun, M. F. Watcha, P. F. White, G. D. Skrivanek, J. D. Griffin, L. Stool, M. T. Murphy: A cost comparison of methohexital and propofol for ambulatory anesthesia. In: Anesth Analg. Band 89, Nr. 2, Aug 1999, S. 311–316. PMID 10439739.</ref> der Siedepunkt liegt bei 58,5 °C,<ref name="Rosaint" /> der Dampfdruck beträgt bei 25 °C 25,8 kPa.<ref name="Murata" />
Die Metabolisierungsrate von Sevofluran liegt zwischen 3 und 5 %. Dabei wird neben Hexafluorisopropanol anorganisches Fluorid freigesetzt. Weder bei Gesunden noch bei Nierenerkrankten konnte eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion (Nephrotoxizität) durch diese Stoffwechselprodukte gezeigt werden.<ref name="Rosaint" /> Es wurde jedoch auch empfohlen, Sevofluran bei Patienten mit vorbestehender Nierenschädigung sicherheitshalber nicht zu verwenden.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Eine Besonderheit von Sevofluran ist die Reaktion mit dem Atemkalk der halbgeschlossenen Narkosesysteme. Dabei entstehen verschiedene Abbauprodukte (Compound A-E), begünstigend sind dabei ein niedriger Frischgasfluss (Vorlage:Lang-, Vorlage:Lang-Narkose), trockener Atemkalk, der Natriumhydroxid oder Bariumhydroxid als Katalysator enthält, sowie hohe Gaskonzentrationen. Compound A wirkt im Tierversuch in hohen Konzentrationen nierenschädigend (nephrotoxisch), was aber bei der klinischen Anwendung beim Menschen keine Rolle spielt. Für Compound B-E konnte bisher keine schädigende Wirkung nachgewiesen werden. Sevofluran ist in Deutschland für Low-Flow- und Minimal-Flow-Narkosen ohne zeitliche Begrenzung zugelassen.<ref name="Rosaint" /><ref>H. Förster, U. H. Warnken, F. Asskali: Various reactions of sevoflurane with the individual components of soda lime. In: Anaesthesist. Band 46, Nr. 12, Dezember 1997, S. 1071–1075. PMID 9451491.</ref>
Herstellung
Synthesen für Sevofluran sind in der Literatur beschrieben.<ref name="A. Kleemann">Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. 2 Bände erschienen im Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 1-58890-031-2; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.</ref>
Umwelt
Die atmosphärische Lebensdauer von Sevofluran beträgt 1,1 Jahre, das Treibhauspotential 130 und die Emissionen liegen bei (geschätzt) 1200 Tonnen pro Jahr.<ref name="vollmer">Vorlage:Literatur</ref> In der Atmosphäre wandelt sich Sevofluran mit einer Bildungsrate von 7 % in Trifluoressigsäure (TFA) und gelangt mit dem Niederschlag in Böden und Gewässer.<ref>Chemikalieneintrag in Gewässervermindern – Trifluoracetat (TFA) als persistente und mobile Substanz mit vielen Quellen</ref>
Literatur
- M. Alef, G. Oechtering: Praxis der Inhalationsanästhesie. Enke-Verlag, 2003, ISBN 3-8304-1015-8.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />