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Spinett

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Datei:Querspinett.jpg
Querspinett im Bachhaus in Eisenach, um 1765 von Johann Heinrich Silbermann

Das Spinett (entweder von it. spina, „Dorn“ oder nach dem venezianischen Instrumentenbauer Giovanni Spinetti (um 1500)) ist eine drei- bis fünfeckige kleine Bauform des Cembalos. Es gehört also zu den Kielinstrumenten, bei denen die Saiten von einem Kiel (Plektrum) über eine von der Klaviatur bediente Zupfmechanik gezupft werden.

Bezeichnung

Die Bezeichnung Spinett ist bis zu einem gewissen Grade verschwommen oder irreführend: Im 16. und frühen 17. Jahrhundert, und auch heute noch je nach Land und Epoche, wurden Virginale oft als Spinett bezeichnet. Dies gilt z. B. für Italien, wo man das Wort spinetta im 16./17. Jahrhundert für Virginale verwendete;<ref>Edwin M. Ripin, Denzil Wraight, Darryl Martin: Virginal. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Vol. 26, 2. edition, 2001, S. 780.</ref> in Frankreich meint man bis heute mit dem Wort épinette sowohl Virginale als auch Spinette im engeren Sinne.<ref>Viele Instrumente, die auf Wiki-Commons auf Französisch als épinette bezeichnet werden, sind also eigentlich Virginale.</ref> Zu den zusammengesetzten Instrumentennamen im Französischen gehören épinette à archet, ein 1745 von Renaud aus Orléans entwickeltes Streichinstrument mit Tastatur; épinette muette, ein von Marin Mersenne 1636 so benanntes, leise klingendes Clavichord und épinette des Vosges für eine Bordunzither.<ref>Sibyl Marcuse: Musical Instruments: A Comprehensive Dictionary. A complete, autoritative encyclopedia of instruments throughout the world. Country Life Limited, London 1966, S. 174</ref> In Flandern und Holland hießen Virginale mit der Tastatur links oder in der Mitte spinetten (16./17. Jahrhundert).<ref>Edwin M. Ripin, Denzil Wraight, Darryl Martin: Virginal. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Vol. 26, 2. edition. 2001, S. 780; Grant O’Brian: Ruckers – A harpsichord and virginal building tradition. Cambridge University Press, Cambridge 1990, S. 35 und S. 311 (O’Brian zitiert: Klaas Douwes, Grondig Ondersoek van de Toonen der Musijk, Franeker, 1699; facs. Amsterdam, 1970. S. 104 f.)</ref>

Geschichte

Das Spinett im engeren Sinne wird auch als Querspinett bezeichnet<ref>Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente – Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München u. a. 2000, S. 53, und S. 10–11 (Abbildung a mit 10 verschiedenen Formen historischer Querspinette, mit den Namen der Cembalobauer, die sie benutzten).</ref> und wurde nach heutigem Wissen von Girolamo Zenti (ca. 1609 – ca. 1668) erfunden. Das berichtete 1695 der Musiker, Komponist, Historiker und Architekt Andrea Bontempi.<ref>Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente – Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München 2000, S. 53.</ref> Von Zenti ist auch das früheste dieser Instrumente erhalten, ein kleines Oktavspinett von 1631 im Musée Instrumental in Brüssel.<ref>Das heißt, dieses Instrument klingt eine Oktave höher, also im sogenannten 4-Fuß (abgekürzt: 4'). Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 139.</ref> Da er um 1662 und 1666 in Frankreich und 1664 in England war,<ref>Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 137.</ref> liegt die Vermutung nahe, dass er das Querspinett auch in diesen Ländern einführte. In Frankreich hieß dieses Instrument espinette á l’italienne (Spinett in italienischer Manier).<ref>Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 139.</ref> Es war besonders beliebt in England am Ende des 17. und im 18. Jahrhundert und heißt im englischsprachigen Raum bentside-spinet.<ref>Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 139.</ref> Von einigen englischen Cembalobauern sind fast ausschließlich und in relativ großer Zahl Spinette erhalten, z. B. von Stephen Keene (um 1640 – um 1719),<ref>Laut Beurmann 12 datierte (1685 bis 1711) und 15 undatierte Spinette. Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente – Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München u. a. 2000, S. 128.</ref> oder der Familie Hitchcock.<ref>Laut Beurmann allein von Thomas Hitchcock (um 1685–nach 1733) „etwa 36 Spinette“, davon das letzte datierte Instrument von 1733. Das letzte undatierte erhaltene Spinett hat die Seriennummer 1518. Zum Vergleich ist von Th. Hitchcock nur ein einziges zweimanualiges Cembalo (um 1725) erhalten. Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente – Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München 2000, S. 132.</ref><ref>Die Sammlung Beurmann in Hamburg besitzt allein 5 englische Spinette, davon eins von St. Keene (1705) und vier von Th. Hitchcock (1715, 1718 (oder 1703), 1729, 1730), dazu zwei italienische Querspinette von D. Cesare Borsari del Buonporti (1638/1643) und von Anonymus (um 1650; ein Oktavspinett) und drei französische Spinette 1710 (Anonymus), von Pierre Kettenhoven (1777) und Pascal (Taskin?) 1784. Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente – Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München 2000.</ref> Auch von Johann Heinrich Silbermann (1727–1799) sind 14 Spinette erhalten.<ref>Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 276f, 335.</ref>

Bauweise und Eigenschaften

Kennzeichnend für das (Quer-)Spinett sind die schräg-seitlich zur Klaviatur verlaufenden Saiten, was eine platzsparende Bauweise ermöglicht. Im Gegensatz zum Virginal werden die Saiten nahe und parallel der Tastatur angezupft. Alle Tastenhebel sind gleich groß und relativ kurz. Daher ist im Vergleich zum Virginal der Anschlag vor allem in den mittleren und oberen Lagen leichter, angenehm, beweglicher und mit weniger Klopfgeräusch verbunden.

Ein Spinett ist deutlich kleiner als ein Cembalo und im Gegensatz zum letzteren ein Haus- und kein Konzertinstrument. Es ist meist mit nur einem Manual und nur einem Register in der 8'-Lage ausgestattet. Der Klang ist normalerweise silbrig-schillernd und dabei füllig.

Datei:Petite épinette 1778.JPG
Oktavspinett von Barbarani (?) 1778. Museo degli Strumenti Musicali, Rom

Eine beliebte Sonderform waren die Oktavspinette, die kleiner sind und eine Oktave höher in der sogenannten 4-Fuß-Lage (4') klingen. Manche dieser Instrumente haben so kurze Tasten, dass sie vermutlich für Kinder gedacht waren.

Zweimanualige Spinette oder Spinette mit mehr als einem 8'-Register blieben Ausnahmen (siehe Weblinks). Der berühmte Cembalobauer Christofori baute Spinette mit 8'-4'-Disposition – diese nannte er spinettone da teatro (großes Theater-Spinett), weil sie offenbar für den engen Orchesterbereich italienischer Opernhäuser gedacht waren.<ref>Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 211, S. 213–215 (Abb. S. 215). Kottick bespricht das spinettone da teatro im Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig.</ref>

Ähnliche Instrumente

Trivia

Als Spinett (engl. spinet) werden auch einige Modelle der Hammond-Orgel bezeichnet.

Weblinks

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Literatur

Datei:Epinette Rouaud.JPG
Moderner Nachbau eines Spinetts nach französischem Vorbild
  • Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente – Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München u. a. 2000.
  • Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003. (engl.; mit einem ausführlichen Literaturverzeichnis über das Thema Cembalo und andere Kielinstrumente.)
  • Edward L. Kottick, George Lucktenberg: Early Keyboard Instruments in European Museums. Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 1997 (engl.).
  • Ulrich Michels (Hrsg.): Die Kielinstrumente. In: dtv-Atlas zur Musik. Tafeln und Texte. Systematischer Teil, Bd. 1. München 1994, S. 36.
  • Grant O’Brian: Ruckers – A harpsichord and virginal building tradition. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1990.
  • Edwin M. Ripin, Denzil Wraight, Darryl Martin: Virginal. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Bd. 26, 2. Aufl. 2001, S. 780–788.
  • John Henry van der Meer: Cembalo, Klavizitherium, Spinett, Virginal. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Sachteil, Bd. 2. Bärenreiter-Verlag, Kassel / J.-B.-Metzler-Verlag, Stuttgart 1995, S. 487–528, hier besonders: S. 487, 492–494.

Einzelnachweise

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