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St. Martinus (Birgel)

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Datei:St. Martinus 02.JPG
St. Martinus in Birgel
Datei:Düren-Birgel Denkmal-Nr. 4-003, Bergstraße 35 (428).jpg
Choransicht

St. Martinus ist eine römisch-katholische Nebenpfarrkirche im Dürener Stadtteil Birgel im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen. Die Kirche wurde zwischen 1902 und 1903 nach Plänen von Franz Statz errichtet und ist dem Patrozinium des hl. Martin von Tours unterstellt. Sie ist als Baudenkmal in die Liste der Baudenkmäler in Düren eingetragen<ref>Herbert Pawliczek: Denkmälerverzeichnis der Stadt Düren 1984. In: Dürener Geschichtsblätter. Nr. 76, Düren 1987, ISSN 0416-4180</ref> und gehört zur Pfarre St. Elisabeth von Thüringen/Düren im Pastoralen Raum Düren.

Lage

Die Birgeler Kirche befindet sich an der Bergstraße und wird von einer Wiese umgeben. Direkt östlich des Kirchengebäudes fällt das Gelände nach Rölsdorf hin ab.

Geschichte

Birgel war immer eine Filiale der Pfarre Lendersdorf. Im 17. Jahrhundert wurde in Nachbarschaft der Burg Birgel die Burgkapelle errichtet, die später auch einen Vikar erhielt. Diese Priester kümmerten sich auch um die Seelsorge in Birgel, jedoch waren sie dem Pfarrer von Lendersdorf unterstellt. Möglich ist, dass es auch schon vorher ein Kirchengebäude in Birgel gab. Im Zuge des Neubaus der Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs auch der Wunsch nach pfarrlicher Selbstständigkeit. Mit Wirkung vom 1. März 1905 wurde Birgel schließlich von Lendersdorf getrennt und eigenständige Pfarrei.<ref>Dürener Zeitung Nr. 47 - 33. Jahrgang. Montag, 27. Februar 1905. Artikel: Lokal- und Kreis-Nachrichten.</ref>

Die Pfarre St. Martinus wurde zum 1. Januar 2026 aufgehoben und mit den ebenfalls aufgelösten Pfarreien St. Johannes Evangelist (Gürzenich), St. Michael (Lendersdorf) und St. Nikolaus (Rölsdorf) zur Großpfarre St. Elisabeth von Thüringen/Düren fusioniert. Seitdem ist St. Martinus keine Pfarrkirche mehr, sondern eine Nebenpfarrkirche.<ref>Nr. 157 Dekret über die Errichtung der Pfarrei und Kirchengemeinde St. Elisabeth von Thüringen in Düren. In: Kirchliches Amtsblatt des Bistums Aachen Nr. 9.2/2025. Abgerufen am 5. Januar 2026.</ref>

Baugeschichte

In den 1890er Jahren starteten Bemühungen zum Bau einer neuen Kirche, da die alte Burgkapelle zu klein geworden war. Zur Finanzierung wurde um 1895 vom damaligen Vikar Friedrich Josef Pütz der Maria-Bauverein ins Leben gerufen. Nachdem genügend Mittel gesammelt worden waren, konnte zwischen 1902 und 1903 die heutige Pfarrkirche St. Martinus im neuromanischen Stil nach Plänen von Diözesanbaumeister Franz Statz aus Köln erbaut werden. Der Grundstein wurde am 22. Juni 1902 vom Kölner Weihbischof Antonius Fischer verlegt<ref>Dürener Zeitung Nr. 141 - Montag, 23. Juni 1902. Artikel: Firmungsreise des hochw. Herrn Weihbischofs Dr. Fischer.</ref>. Im darauf folgenden Jahr war die Kirche fertiggestellt. Die Kirchweihe nahm am 23. Juni 1907 wie auch die Grundsteinlegung Antonius Fischer vor, der nun Kölner Erzbischof und Kardinal war.<ref>Dürener Zeitung Nr. 143 - Dienstag, 25. Juni 1907. Artikel: Kirchliches.</ref> Im Zweiten Weltkrieg wurde das oberste Turmgeschoss, welches von einem Rhombendach bekrönt wurde, so stark beschädigt, dass es nach dem Krieg vollständig abgetragen werden musste. Daraufhin wurde in den 1950er Jahren das jetzige oberste Turmgeschoss im Stil der Nachkriegsmoderne mit Zeltdach aufgesetzt. Die Fassaden sind verputzt und farbig gefasst.<ref>St. Martin in Birgel. In: Internetseite Kirchenmusik in der Region Düren. Abgerufen am 2. April 2018.</ref>

Baubeschreibung

St. Martinus ist eine dreischiffige Basilika aus Grauwacke im Baustil der Neuromanik. Der dem Kirchenschiff im Westen vorgebaute Glockenturm ist viergeschossig und wird von einem Zeltdach bekrönt. Im Unteren Geschoss befindet sich das Hauptportal. Östlich schließt sich an den Turm das dreischiffige Langhaus an. Das Mittelschiff besteht aus zwei quadratischen Jochen, die Seitenschiffe sind vierjochig, sodass je zwei Joche der Seitenschiffe auf ein Joch des Mittelschiffes stoßen. Außerdem liegt in den Arkaden zwischen den Schiffen auch ein rheinischer Stützenwechsel vor. Die Seitenschiffe schließen im Osten gerade ab, das Chorjoch schließt mit einer halbrunden Apsis.

Ausstattung

Der aus Marmor bestehende Zelebrationsaltar wurde nach Entwurf von Willy Weyres 1962 geschaffen und am 22. Dezember 1962 konsekriert. Die beiden neuromanischen Seitenaltäre, die der Immaculata und dem Herz Jesu geweiht sind, wurden 1905 aufgestellt. Im Eingangsbereich hängt ein Ehrenmal mit einem Marienbildnis und den Namen der Kriegsopfern aus beiden Weltkriegen. Die Inschrift lautet: „BETET FÜR DIE OPFER DER KRIEGE | SIE MÖGEN RUHEN IM FRIEDEN“. Die Buntglasfenster wurden zwischen 1906 und 1910 eingesetzt. Damit besitzt die Birgeler Kirche eine der wenigen erhaltenen Verglasungen aus der Vorkriegszeit im Dürener Land.<ref>Düren-Birgel, Kath. Kirche St. Martin. In: Internetseite Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts. Abgerufen am 12. Juni 2018.</ref>

Orgel

Die Orgel ist ein Werk der Orgelbauwerkstatt Edmund Fabritius, Kaiserswerth, wurde Anfang 1909 in der Kirche aufgebaut und am Karsamstag, 10. April 1909, eingeweiht.<ref>Aus Stadt und Kreis. In: Dürener Zeitung Nr. 81. 10. April 1909, abgerufen am 14. Februar 2026.</ref> Das Instrument besitzt ein romantisches Klangbild, die Traktur ist pneumatisch. Das Instrument besitzt insgesamt 13 Register auf zwei Manuale und Pedal verteilt.<ref>St. Martin Birgel. In: Internetseite Kirchenmusik in der Region Düren. Abgerufen am 12. Juni 2018.</ref>

I Hauptwerk C–f3
Prinzipal 8′
Flöte 8′
Gamba 8′
Gedackt 8′
Octav 4′
Cornet (hier Mixtur) 223
II Nebenwerk C–f3
Prestant 8′
Quintatön 8′
Aeoline 8′
Vox celestis 8′
Traversflöte 4′
Pedal C–d1
Subbaß 16′
Cello 8′
  • Koppeln: I/I Super, II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: Handregistratur, Tutti, Mezzoforte, Piano

Glocken

Zwei Jahre vor der Kirchweihe im Jahr 1907 goss die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen vier Bronzeglocken für die Martinskirche in Birgel. Alle vier Glocken fielen der Glockenvernichtung des Ersten Weltkrieges zum Opfer. In der Zwischenkriegszeit lieferte Otto nochmals drei Glocken, von denen nur die kleinste Glocken den Zweiten Weltkrieg überlebte.<ref>Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, insbesondere Seiten 514, 527.</ref><ref>Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, insbesondere S. 479, 496, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).</ref>

Glocke Durchmesser Masse Schlagton
(HT-116)
Gießer, Gussort Gussjahr
1 fis′ +6 Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation, Bochum 1952
2 gis′ +5 Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation, Bochum 1952
3 860 mm 413 kg h′ +6 Ernst Karl, Glockengießerei Otto, Hemelingen 1926

Motiv: Gloria<ref>Norbert Jachtmann: Glockenmusik in der Region Düren</ref>

Pfarrer

Folgende Priester waren von der Erhebung 1905 bis zur Aufhebung der Pfarre 2026 Pfarrer an St. Martinus:<ref>Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen 3. Ausgabe, Aachen 1994, S. 348.</ref>

  • 1905–1909: Friedrich Graf Spee
  • 1909–1915: Johann Ferdinand Breuer
  • 1915–1950: Heinrich Papenhoff
  • 1950–1955: Paul Mackels
  • 1955–1962: Wilhelm Heßler
  • 1962–1978: Wilhelm Rütten
  • 1978–1982: Heinrich Fimmers
  • 1982–2016: Jakob Joseph Josten-Kochupurackal
  • 2016–2025: Hans Tings

Weblinks

Commons: St. Martinus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 50° 46′ 18″ N, 6° 26′ 46,1″ O

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