Sulfadiazin
Sulfadiazin ist ein antiparasitär und bakteriostatisch wirksamer Arzneistoff aus der Gruppe der Sulfonamide. Dort gehört er zu den Pyrimidin-Sulfonamiden, die ab etwa 1946 im Markt eingeführt wurden.<ref name="auterhoff" /> Es ist oral wirksam, wird rasch im Magen-Darm-Trakt resorbiert und zählt mit einer Plasmahalbwertszeit von 8 bis 17 Stunden<ref name="mutsch" /> zu den mittellang wirksamen Sulfonamiden.
Medizinische Verwendung
Angezeigt ist Sulfadiazin zur Behandlung der Toxoplasmose beim Menschen in Kombination mit Pyrimethamin.<ref name="mutsch" /><ref name="heyl" /> Die Wirkung entsteht durch die strukturelle Verwandtschaft mit der p-Aminobenzoesäure und der dadurch bedingten Hemmung der Folsäuresynthese der Erreger. Als sehr seltene, schwere Nebenwirkungen wurden das Auftreten des Stevens-Johnson-Syndroms (SJS) und der Agranulozytose beobachtet.<ref name="heyl" />
Das wasserlösliche Sulfadiazin-Natrium<ref>Vorlage:Substanzinfo</ref> ist nur für die parenterale Gabe geeignet. Eine unlösliche Form ist das Silbersulfadiazin, das in der lokalen Wundbehandlung angewendet wird.
In der Tiermedizin wird Sulfadiazin in Kombination mit Trimethoprim gegeben, um eine synergistische Wirkungsverstärkung zu erzielen.
Eigenschaften
Vor allem in saurer wässriger Lösung zersetzt sich Sulfadiazin, wobei die Sulfonamidbindung hydrolytisch gespalten wird. Es entstehen Sulfanilsäure und 2-Aminopyrimidin neben Sulfanilamid und Hydroxypyrimidin. Die Hydrolyse ist abhängig vom pH-Wert und der Temperatur. Lösungen des Natriumsalzes sind stark basisch und verfallen rasch.<ref name="vetpharm.uzh.ch" /><ref name="ABKomm" />
Sulfadiazin ist an der Luft stabil, durch Lichteinwirkung verfärbt es sich. Deshalb sollte es vor Licht geschützt, trocken und bei Raumtemperatur gelagert werden.<ref name="vetpharm.uzh.ch" /> Die Substanz ist durch trockenes Erhitzen auf 140 bis 150 °C über 1 bis 3 Stunden sterilisierbar.<ref name="ABKommZit" />
Der pKa beträgt 6,5 (bei 25 °C), der log P (dekadischer Logarithmus des Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizienten) beträgt −1,3 (wässrige Phase: pH 7,5).<ref name="Clarke's2011" />
Synthese
4-Acetamidobenzolsulfonsäurechlorid wird mit 2-Aminopyrimidin zu N4-Acetylsulfadiazin kondensiert, das bei alkalischer oder saurer Hydrolyse zu Sulfadiazin deacetyliert wird.<ref name="Roblin1940" />
Eine alternative Synthese stellt die Umsetzung von Sulfaguanidin mit β-Dimethylaminoacrolein dar. Durch Ringschluss unter Abspaltung von Dimethylamin und Wasser entsteht unmittelbar Sulfadiazin.<ref name="ABKomm" />
Handelsnamen
Debenal (hist.), Sulfadiazin-Heyl (D)
Einzelnachweise
<references> <ref name="römpp"> Vorlage:RömppOnline</ref> <ref name="EP9.0"> European Pharmacopoeia 9.0, 2016, S. 3673. </ref> <ref name="auterhoff"> Harry Auterhoff: Lehrbuch der Pharmazeutischen Chemie, 9. Auflage 1977, WVG Stuttgart. S. 464.</ref> <ref name="heyl"> Fachinformation Sulfadiazin-Heyl 500 mg Tabletten, Heyl Chem.-pharm. Fabrik. Stand Dezember 2016.</ref> <ref name="mutsch"> G. Geisslinger et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. WVG, Stuttgart 2019, S. 1019 f.</ref> <ref name="Roblin1940">Vorlage:Literatur</ref>
<ref name="ABKomm"> J. Haag: Sulfadiazin, Kommentar zum Europäischen Arzneibuch, Ph. Eur. 5.0. In: Arzneibuch-Kommentar. Wissenschaftliche Erläuterungen zum Arzneibuch. Loseblattsammlung, 23. Lieferung 2006, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart und Govi-Verlag – Pharmazeutischer Verlag, Eschborn.</ref>
<ref name="ABKommZit">ÖAB 1981, BP 1980, HELV 6 (zitiert nach: J. Haag: Sulfadiazin, Kommentar zum Europäischen Arzneibuch, Ph. Eur. 5.0. In: Arzneibuch-Kommentar. Wissenschaftliche Erläuterungen zum Arzneibuch. Loseblattsammlung, 23. Lieferung 2006, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart und Govi-Verlag – Pharmazeutischer Verlag, Eschborn).</ref>
<ref name="Clarke's2011"> Vorlage:Literatur</ref>
<ref name="vetpharm.uzh.ch"> Vorlage:Vetpharm</ref>
</references>