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Sumpfstrecke

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Datei:Pumpenkunst.svg
Wasserhaltung im frühen Tiefbau.
Unten zu sehen die Sumpfstrecke

Die Sumpfstrecke, auch Wasserstrecke,<ref name= "Quelle 1" /> Sumpfort<ref name= "Quelle 2" /> oder einfach Sumpf genannt,<ref name="Quelle 4" /> ist ein Grubenbau, der als Sammelraum für das anfallende Grubenwasser dient.<ref name= "Quelle 1" /> Gleichzeitig sollen sich Schmutzpartikel, die sich im Wasser befinden, hier absetzen können.<ref name="Quelle 4" /> Die Sumpfstrecke wirkt außerdem als Reservoir für die Wasserhaltungsmaschinen.<ref name= "Quelle 1" />

Grundlagen

Je nach Gebirge fallen in einem Bergwerk unterschiedlich große Mengen an Grubenwasser an.<ref name= "Quelle 2" /> Dieses Grubenwasser muss regelmäßig aus dem Bergwerk abgepumpt werden.<ref name="Quelle 5" /> Zudem ist das Grubenwasser meistens durch kleines Gestein und Schmutzpartikel verunreinigt und somit trübe.<ref name="Quelle 7" /> Wird die Wasserhaltung vernachlässigt oder kommt es zu einem plötzlichen Wassereinbruch, kann dies zum Absaufen der Grubenbaue führen. Damit die Hauptstrecken nicht durch das anfallende Grubenwasser absaufen, werden Sumpfstrecken für das Bergwerk angelegt.<ref name= "Quelle 3" /> Gleichzeitig dienen Sumpfstrecken als Puffer, damit die Wasserhaltungsmaschinen nicht ständig in Betrieb gehalten werden müssen.<ref name= "Quelle 2" />

Dimensionierung und Aufgaben

Die Sumpfstrecken werden unterhalb der tiefsten Sohlenstrecke<ref group="ANM" name="Anm. Trept." /> angelegt.<ref name= "Quelle 3" /> Ihre Größe bzw. ihr Fassungsvermögen<ref group="ANM" name="Anm. Herbst." /> ist davon abhängig, welche Bedeutung die Wasserhaltung für das jeweilige Bergwerk hat<ref group="ANM" name="Anm. Fritzsch." /> und wie stark der Wasserzufluss in dem jeweiligen Bergwerk ist.<ref name="Quelle 4" /> Bei Bergwerken mit mittleren Wasserzuflüssen und nur einer Wasserhaltung wird die Sumpfstrecke so dimensioniert, dass sie genügend Volumen für die innerhalb von 24 bis 48 Stunden anfallende Wassermenge des Bergwerks bietet.<ref name="Quelle 5" /> Dies ist bei einem Ausfall der Wasserhaltungsmaschinen oder Reparaturen erforderlich, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.<ref name= "Quelle 2" /> Bei Bergwerken mit großen Wasserzuflüssen werden zusätzlich mehrere Wasserhaltungsmaschinen in Reserve gehalten.<ref name="Quelle 5" /> Dort, wo es betrieblich erforderlich ist, werden mindestens zwei, manchmal auch mehrere Sumpfstrecken verwendet.<ref name="Quelle 6" /> Um die Strecken voneinander trennen zu können, werden sie mit Türen versehen.<ref name="Quelle 4" /> Da der auf der Sohle abgesetzte Schlamm in bestimmten Abständen entfernt werden muss, sind auch aus diesem Grund entweder zwei separate Sumpfstrecken oder eine, durch eine Scheidewand getrennte Sumpfstrecke erforderlich.<ref name="Quelle 7" /> Oftmals werden den Sumpfstrecken auch Vorsumpfstrecken vorgeschaltet, die dann als Kläranlage dienen und in denen sich die im Grubenwasser befindlichen festen Bestandteile absetzen können. Das geklärte Wasser fließt von hier aus über einen Überlauf zur Sumpfstrecke.<ref name="Quelle 4" />

Historische Beispiele

Datei:20230311 Ensemble Rischbach-Anlage 05.jpg
Abgedeckte Sumpfstrecke des Rischbachstollens in St. Ingbert

Im Harzer Bergrevier gab es Wasserstrecken (Tiefe Wasserstrecke), in die das Grubenwasser mehrerer Bergwerke oder Schächte geleitet wurde. Bei Clausthal wurde das Grubenwasser in der Tiefsten Wasserstrecke gesammelt und mit den Wassersäulenmaschinen, die sich am Marienschacht befanden, abgepumpt. Bei den Scharleyer Galmeigruben gab es Sumpfstrecken, die das Grubenwasser des ganzen Bergbaureviers aufnahmen. Von den Sumpfstrecken aus wurden die Wässer einer gemeinschaftlichen Anlage mit sehr starken Wasserhebemaschinen zugeführt.<ref name= "Quelle 1" />

Einzelnachweise

<references>

<ref name= "Quelle 1">Gustav Köhler: Lehrbuch der Bergbaukunde. 2. Auflage, Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1887</ref> <ref name= "Quelle 2">Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1871</ref> <ref name= "Quelle 3">Albert Serlo: Leitfaden der Bergbaukunde. Erster Band, Verlag von Julius Springer, Berlin 1884</ref> <ref name="Quelle 4">Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band, Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage, Verlag von Julius Springer, Berlin 1932, S. 695–699.</ref> <ref name="Quelle 5">Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Hrsg.): Die Entwickelung des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlen-Bergbaues in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Band IV, Gewinnungsarbeiten - Wasserhaltung, Springer Verlag Berlin, Berlin 1902, S. 127–132.</ref> <ref name="Quelle 6">Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Zweiter Band, zehnte, völlig neubearbeitete Auflage, mit 599 Abbildungen, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962, S. 644–649.</ref> <ref name="Quelle 7">B. W. Boki, Gregor Panschin: Bergbaukunde. Kulturfond der DDR (Hrsg.), Verlag Technik Berlin, Berlin 1952, S. 576–578.</ref>

</references>

Anmerkungen

<references group="ANM">

<ref group="ANM" name="Anm. Fritzsch.">Auf Erzbergwerken ist es oftmals so, dass aus Kostengründen keine große Sumpfstrecken aufgefahren werden und man ein kurzzeitiges Absaufen der sonstigen Strecken in Kauf nimmt, da es diesen Strecken wenig schadet, wenn sie kurzzeitig absaufen. Wichtig ist nur, dass die Wasserhaltungsmaschine vom Grubenwasser geschützt aufgestellt ist. (Quelle: Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus.)</ref> <ref group="ANM" name="Anm. Herbst.">So hatten beispielsweise die Sumpfstrecken der Zeche Gneisenau ein Fassungsvermögen von 4000 Kubikmetern. (Quelle: Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus.)</ref> <ref group="ANM" name="Anm. Trept.">Als Sohlenstrecke oder Gezeugsstrecke bezeichnet der Bergmann Strecken, durch die die Lagerstätte in vertikale Abschnitte eingeteilt wird. (Quelle: Emil Stöhr, Emil Treptow: Grundzüge der Bergbaukunde einschließlich der Aufbereitung.)</ref>

</references>