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Till Brönner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Till Brönner, 2016

Till Brönner (* 6. Mai 1971 in Viersen) ist ein deutscher Trompeter, Flügelhornist, Komponist, Professor für Jazztrompete und Fotograf.

Werdegang

Die Familie ging einige Jahre nach Tills Geburt für fünf Jahre nach Rom, wo Brönners Eltern als Lehrer an der deutschen Schule unterrichteten und Brönner den Kindergarten besuchte.<ref name="Ein Portrait" /> Er fiel durch sein Talent bei verschiedenen Schulorchestern auf. Er machte 1990 sein Abitur auf der Jesuitenschule Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg und studierte dann Jazztrompete an der Hochschule für Musik Köln. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehören Malte Burba und der amerikanische Jazz-Trompeter Bobby Shew. Im Jahre 1991 wurde Brönner Mitglied der RIAS Big Band (damals noch RIAS Tanzorchester) unter Horst Jankowski. 1993 erschien sein erstes eigenes Album Generations of Jazz (mit Ray Brown, Jeff Hamilton, Frank Chastenier und Grégoire Peters). Er erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und den Preis der Deutschen Plattenindustrie. In Folge spielte er mit internationalen Jazzgrößen wie Dave Brubeck, Tony Bennett, Mark Murphy, James Moody, Monty Alexander, Nils Landgren sowie Klaus Doldinger und Joe Sample und ging 2003 mit der Soulsängerin Joy Denalane auf Tour. Er produzierte und komponierte für Hildegard Knef das Album 17 Millimeter (1999) und schrieb Soundtracks für Jazz Seen (2001) sowie Höllentour (2004) von Pepe Danquart.

Im April 2006 erschien sein in Los Angeles aufgenommenes Studioalbum Oceana. Auf der von Larry Klein produzierten CD sind unter anderem Madeleine Peyroux und Sängerin Carla Bruni als Gaststars beteiligt.

2006 produzierte er für den Bariton Thomas Quasthoff das Jazzalbum Watch What Happens, bei dem er auch als Trompeter mitwirkte. Das Album gewann den europäischen Musikpreis Echo.

Von 2004 bis März 2010 spielte und moderierte er in der Reihe Talkin’ Jazz der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn mit seiner Band und ausgewählten Gästen, darunter Paul Kuhn, Mousse T., Stefan Raab, Anke Engelke, Thomas Quasthoff, Nana Mouskouri und vielen mehr. Am 5. März 2010 war Peter Kraus sein letzter Gast der Reihe. 2009 spielte er als einer der Gastmusiker die Flügelhornparts auf dem Album Touch des Schweizer Electronicmusic-Duos Yello.

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Till Brönner, 2008

2009 wurde Brönner zum Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden berufen. Seit dem Wintersemester 2009/10 lehrt er dort zusammen mit Malte Burba in der Fachrichtung Jazz, Rock und Pop.<ref name="focus-384404">DPA: Musik: Till Brönner wird Professor in Dresden. In: Focus Online. 26. März 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2019; abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref>

Von August bis November 2010 war Brönner gemeinsam mit Sarah Connor und George Glueck Jurymitglied und Mentor in der Castingshow X Factor, die auf RTL und VOX ausgestrahlt wurde. Er bekam die Kategorie der ab 25-Jährigen zugeteilt und gewann den Wettbewerb mit seiner Kandidatin Edita Abdieski. In der zweiten Staffel, die am 30. August 2011 startete, war er erneut Jurymitglied und Mentor und bekam erneut die Kategorie der ab 25-Jährigen. Am 6. Dezember 2011 gewann Brönner die Show wieder mit seinem Kandidaten David Pfeffer. Seinen Ausstieg aus der VOX-Talentshow begründete er mit seinem Hauptberuf als Jazzmusiker, der wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit verdiene.

2010 begann Brönner, auch als Fotograf zu arbeiten. Seine Porträts, meist mit einer Leica-M-Kamera fotografiert, erschienen Ende 2014 in dem Bildband Faces of Talent (teNeues Verlag). Es folgten diverse Galerie- und Museums-Ausstellungen.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte 2019 eine Auftragsarbeit der Brost-Stiftung in Essen, für die Brönner ein Jahr lang das Ruhrgebiet porträtierte. Die Ausstellung fand im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg unter dem Titel „Melting Pott“ statt.<ref>Till Brönner: Melting Pott (Katalog zur Ausstellung im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, 2019), ISBN 978-3-86832-538-6.</ref>

Im April 2016 wurde Till Brönner als einziger Jazzkünstler aus dem deutschsprachigen Raum von US-Präsident Barack Obama ins Weiße Haus eingeladen, um mit 45 internationalen Kollegen den International Jazz Day der UNESCO (30. April) mit einem Konzert zu feiern.<ref>Peter Kümmel: Das Fest. In: Die Zeit. Nr. 20/2016 (zeit.de [4. Mai 2016, abgerufen am 18. November 2019]).</ref> Im All-Star-Ensemble waren unter anderem Aretha Franklin, Morgan Freeman, Herbie Hancock, Sting, Pat Metheny, Diana Krall, Marcus Miller, Wayne Shorter, Chick Corea, John McLaughlin, Al Jarreau und Dianne Reeves.

Im Mai 2016 unterzeichnete Brönner nach über 15 Jahren beim Plattenlabel Universal einen internationalen Vertrag beim Label Sony Masterworks.

2020 wurden Fotos von Brönner in der Potsdamer Villa Schöningen unter dem Titel Heimweh ausgestellt. Die Ausstellung wurde kuratiert von Harald Falckenberg und Bernd Dinter, die neben Fotografien von Brönner auch Werke von Klaus Staeck und der Open Memory Box präsentierten.<ref>(dpa): Ausstellung „Heimweh“. In: broststiftung.ruhr. Abgerufen am 26. November 2020.</ref>

Angesichts der drohenden erneuten Schließung aller Kultureinrichtungen im Zuge der Lockdownmaßnahmen aus Anlass der Corona-Pandemie wandte sich Brönner Ende Oktober 2020 per Video mit einem eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit, die Kulturbranche nicht sterben zu lassen. „Unser erfolgreiches pluralistisches System“ sei „in Gefahr, wenn Kultur nicht mehr frei arbeiten und frei wirtschaften kann“.<ref>Till Brönner: Zur Lage. 27. Oktober 2020, abgerufen am 5. Mai 2021.</ref> Insbesondere kritisierte er, dass die Kultur als Teil der „Freizeitwirtschaft“ verstanden werde.<ref>Ulrich Habersetzer: Till Brönner zum Kultur-Lockdown: „Ich bin stinksauer“. In: BR-Klassik. 2. November 2020, abgerufen am 5. Mai 2021.</ref> Ein halbes Jahr später erneuerte er seinen Appell.<ref>Till Brönner: Kritik an #allesdichtmachen hat erschreckendes Ausmaß angenommen. In: Berliner Zeitung. 5. Mai 2021, abgerufen am 5. Mai 2021.</ref>

Brönner lebt in Potsdam<ref>Potsdamer Neue Nachrichten: „Musik ist ein Werkzeug, um sich zu besinnen“: Interview Till Brönner. Abgerufen am 9. April 2022.</ref> und hat seit 2013 einen Zweitwohnsitz in Los Angeles.<ref>(dpa): „As Time Goes By“: Till Brönner spielt Filmmusik. In: Berliner Zeitung. 29. September 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Dezember 2014; abgerufen am 18. November 2019.</ref> Er ist Vater eines Sohnes und einer Tochter.<ref>freundin.de: Brönner Bossa Nova. (Interview).</ref><ref>Till Brönner wird zum zweiten Mal Papa auf promiflash.de, abgerufen am 30. Juni 2021</ref>

Diskografie

Vorlage:Eingebundene Diskografie

Weitere Alben

  • 2018 – Nightfall, Sony Masterworks<ref>Asmita Khullar: TILL BRÖNNER. Abgerufen am 4. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 2018 – Günter „Baby“ Sommer & Till Brönner: Baby’s Party

Filmmusik

Auszeichnungen

Literatur

  • Till Brönner, Claudius Seidl: Talking Jazz. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010, ISBN 978-3-462-04167-5.
  • Till Brönner: Faces of Talent. teNeues Verlag, Kempen 2014, ISBN 978-3-8327-9865-9.
  • Gastsprecher beim Hörbuch But Beautiful: ein Buch über Jazz von Geoff Dyer.
  • Walter Smerling, Eva Müller-Remmert (Hrsg.): Till Brönner. Melting Pott. Wienand, Köln 2019, ISBN 978-3-86832-538-6 (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Stiftung für Kunst und Kultur e. V., Bonn, und der Brost-Stiftung im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst MKM, Duisburg).
  • Till Brönner: Musiker, Produzent, Fotograf, in: Paul Eßer/Torsten Eßer: Viersener Köpfe. Bekannte Bürger(innen) unserer Stadt und ihre Geschichte(n), Kater Verlag, Viersen 2023, S. 37–47.
  • Jens Rümmler: Weihnachten ist die einzige Zeit ohne Anrufe. Sonntagsfrühstück: Deutschlands erfolgreichster Jazztrompeter Till Brönner lädt am 7. Dezember zur "The Christmas Show" nach Berlin. (Portrait über Leben, künstlerische Entwicklung und Pläne) In: Märkischer Sonntag, 18. November 2023, S. 24.

Weblinks

Commons: Till Brönner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Ein Portrait"> Sabrina Pfeiffer: Till Brönner – Ein Portrait. 3Sat, 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Juni 2018; abgerufen am 30. Juni 2018.</ref> </references>

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