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Verkehrssitte

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Die Verkehrssitte ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der die Anschauungen, Gepflogenheiten und die gleichmäßige, einheitliche und freiwillige tatsächliche Übung durch Rechtssubjekte im Rechtsverkehr zum Inhalt hat.

Allgemeines

Das Kompositum Verkehrssitte setzt sich aus „Verkehr“ und „Sitte“ zusammen. Unter Verkehr ist der Rechtsverkehr, also die Rechtsbeziehungen der Rechtssubjekte untereinander, zu verstehen; Sitte ist jeder in einer Gesellschaft häufig geübte Brauch. Demnach handelt es sich um Verkehrssitte, wenn Rechtsbeziehungen ganz oder teilweise nicht auf Rechtsnormen beruhen, sondern durch ständige Übung gestaltet werden. Um hierbei Rechtssicherheit zu erhalten, hat der Gesetzgeber das objektive Merkmal der Verkehrssitte berücksichtigt.<ref>Christian Heinrich, Formale Freiheit und materiale Gerechtigkeit, 2000, S. 396 ff.</ref> Da davon auszugehen ist, dass die Vertragspartner auch die Sitten und Gebräuche des Rechtsverkehrs für ihre konkreten Rechtsbeziehungen zur Grundlage nehmen wollen, ist die Verkehrssitte zu beachten.<ref>Curt Tengelmann, Das Recht des Einkaufs, 1964, S. 18</ref>

Das Recht ist in früheren Zeiten aus der Sitte, also den Anschauungen der betroffenen Gesellschaftskreise entstanden. Die betroffenen Gesellschaftskreise werden rechtlich als „Verkehrskreise“ bezeichnet. Die Verkehrssitte ist im Gegensatz zum Gewohnheitsrecht keine Rechtsnorm, sondern bei der Auslegung von Verträgen ({{#switch: buzer

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Geschichte

Der Staatsrechtslehrer Paul Laband ging 1873 in seiner Abhandlung „Die Handelsusance“ erstmals ausführlich auch auf Verkehrssitten ein.<ref>Paul Laband, Die Handelssusance, in: Zeitschrift für das gesamte Handelsrecht und Wirtschaftsrecht, 1873, S. 4666 ff.</ref> Der Begriff der Verkehrssitte wurde bei den Beratungen zum neuen BGB zwischen 1881 und 1889 erstmals im Textentwurf eingefügt.<ref>Nadia Al-Shamari, Die Verkehrssitte im § 242 BGB: Konzeption und Anwendung seit 1900, 2006, S. 18</ref> Eine Dissertation aus dem Jahre 1894 befasste sich mit den Verkehrssitten, die wie die Handelsgebräuche zur Feststellung des Parteiwillens dienten.<ref>Konrad Hagen, Die Usance und Treu und Glauben im Verkehre, 1894, S. 7</ref> Das BGB und das HGB übernahmen schließlich im Januar 1900 den unbestimmten Rechtsbegriff in einigen Bestimmungen, ohne eine Legaldefinition vorzunehmen. Das Reichsgericht (RG) stellte im Oktober 1903 bei der Auslegung der neuen Gesetzesbestimmung fest, dass es sich bei der Verkehrssitte nicht um eine Rechtsnorm, sondern um eine tatsächliche Übung handele.<ref>RGZ 55, 375, 377</ref> Bereits im Januar 1907 das vertrat das RG die – ebenfalls heute noch geltende – Auffassung, dass die Verkehrssitte auch ohne Kenntnis der Vertragsparteien zu berücksichtigen sei.<ref>RG, Urteil vom 19. Januar 1907, Az.: I 263/03</ref> Es verstand unter der kaufmännischen Verkehrssitte im Mai 1926 „…eine Art der Geschäftsbehandlung, wie sie von sämtlichen an dem betreffenden Geschäftszweig beteiligten Kreisen, wenn auch in örtlicher Beschränkung geübt werde, und es sich nicht nur um eine Anschauung des Kreises handelt, dem die eine Geschäftspartei angehörte“.<ref>RG, Urteil vom 19. Mai 1926, Az.: I 309/25 = RGZ 114, 9, 12</ref>

Der Bundesgerichtshof (BGH) stellte im September 2009 noch einmal die Voraussetzungen seiner ständigen Rechtsprechung zur Verkehrssitte zusammen: „Eine Verkehrssitte als eine die beteiligten Verkehrskreise untereinander verpflichtende Regel verlangt, dass sie auf einer gleichmäßigen, einheitlichen und freiwilligen tatsächlichen Übung beruht, die sich innerhalb eines angemessenen Zeitraums für vergleichbare Geschäftsvorfälle gebildet hat und der eine einheitliche Auffassung sämtlicher an dem betreffenden Geschäftsverkehr beteiligten Kreise zu Grunde liegt. Dazu genügt es nicht, dass eine bestimmte Übung nur von einem bestimmten, wenn auch quantitativ bedeutsamen Teil der beteiligten Verkehrskreise gepflogen wird; sie muss sich vielmehr innerhalb aller beteiligten Kreise als einheitliche Auffassung durchgesetzt haben“.<ref>BGH, Urteil vom 30. September 2009, Az.: VIII ZR 238/08</ref>

Erwähnung in Gesetzen

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) erwähnt den unbestimmten Rechtsbegriff in {{#switch: buzer

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}}{{#if: 412,486,531||[Paragraf fehlt]}}{{#if: HGB||[Gesetz fehlt]}} HGB. Soweit § 157 BGB maßgeblich ist, werden Verkehrssitten zum Vertragsbestandteil und haben Vorrang vor dispositivem Recht; ist § 242 BGB heranzuziehen, gelten die Verkehrssitten erst ergänzend bei einer fehlenden gesetzlichen Regelung.<ref>Hans Jürgen Sonnenberger, Verkehrssitten im Schuldvertrag, 1970, S. 120</ref> Außerdem wird die Verkehrssitte in der ZPO, dem ZVG und dem UrhG erwähnt.

Anwendung

Sind Verträge unklar formuliert und deshalb auslegungsbedürftig, ist auf die Verkehrssitte Rücksicht zu nehmen. Verkehrssitte ist dem Gesetzeskommentar von Karl Larenz und Manfred Wolf zufolge eine im „Verkehr allgemein oder innerhalb eines bestimmten Kreises von Verkehrsteilnehmern bestehende tatsächliche Übung oder sprachliche Gepflogenheit, deren sich die Angehörigen des jeweiligen Verkehrskreises regelmäßig zu bedienen pflegen und die daher grundsätzlich bei jedem von ihnen als bekannt vorausgesetzt werden kann“.<ref>Karl Larenz/Manfred Wolf, BGB Allgemeiner Teil, 8. Auflage, 1997, § 28 Rn. 47</ref> Folgende Voraussetzungen sind zur Geltung von Verkehrssitten erforderlich:

  • Die ständige Übung bestimmter Gepflogenheiten: Es muss eine gleichmäßige, einheitliche und freiwillige tatsächliche Übung vorliegen, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg gebildet hat.<ref>BGH, Urteil vom 30. September 2009, Az.: VIII ZR 238/08</ref>
  • Die ständige Übung innerhalb feststehender Verkehrskreise: Verkehrssitte kann branchenspezifisch ausgeprägt sein und örtlichen Einflüssen unterliegen, wobei es auf die Kenntnis der Parteien nicht ankommt.<ref>Christian Heinrich, Formale Freiheit und materiale Gerechtigkeit, 2000, S. 397</ref>
  • Sie kann auch örtlich verschieden sein: Eine bestimmte Gepflogenheit muss sich nicht landesweit ausgebreitet haben, es genügt vielmehr, wenn sie örtlich üblich ist und dort beherrschenden Einfluss gewonnen hat (siehe Trierer Weinversteigerung).
  • Nicht abhängig ist die Geltung der Verkehrssitte davon, ob die Parteien sie gekannt haben.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20170104090616
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            }} 
       }}
  }}</ref> Zur Anwendung der Verkehrssitte genügt es, dass die Partei dem betreffenden Verkehrskreis angehört.

Die Verkehrssitte wird Vertragsbestandteil, es sei denn, ein Vertragspartner widerspricht ihr ausdrücklich.<ref>Curt Tengelmann, Das Recht des Einkaufs, 1964, S. 18</ref> Wenn der erklärte Wille der Verkehrssitte widerspricht, ist dieser maßgebend.<ref>BGH, Urteil vom 12. Dezember 1953, Az.: VI ZR 242/52</ref>

International

Auch in Österreich ist die Verkehrssitte bei der Auslegung von Willenserklärungen zu berücksichtigen. Gemäß {{#switch: RIS-B

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}}{{#if: 863||[Paragraf fehlt]}}{{#if: ABGB||[Gesetz fehlt]}} Abs. 2 ABGB ist bei konkludenten Handlungen oder Unterlassungen auf die im redlichen Verkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche Rücksicht zu nehmen. Nach {{#switch: RIS-B

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In der Schweiz ist die Verkehrssitte nur bei einem ausdrücklichen Verweis im Obligationenrecht (OR) anwendbar. Das betrifft nur drei Bereiche, nämlich den Ortsgebrauch ({{#switch: ch

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}}{{#if: 429||[Artikel fehlt]}}{{#if: 220||[Gesetz fehlt]}} Abs. 2 OR) und die Geschäftsübung ({{#switch: ch

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}}{{#if: 211||[Artikel fehlt]}}{{#if: 220||[Gesetz fehlt]}} Abs. 2 OR).

Literatur

  • Paul Oertmann: Rechtsordnung und Verkehrssitte insbesondere nach bürgerlichem Recht: zugleich ein Beitrag zu den Lehren von der Auslegung der Rechtsgeschäfte und von der Revision, Scientia Verlag, Aalen 1971, ISBN 3-511-00796-8.
  • Peter Rummel: Vertragsauslegung nach der Verkehrssitte, Manz, Wien 1972, ISBN 3-214-06909-8. (Zugleich: Dissertation an der Universität Wien, 1970).
  • Nadia Al-Shamari: Die Verkehrssitte im § 242 BGB: Konzeption und Anwendung seit 1900, Mohr Siebeck, Tübingen 2006, ISBN 3-16-149150-5. (Zugleich: Dissertation an der Universität Frankfurt am Main, 2005).

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein

{{#ifeq: s | p | | {{#if: 4187832-2 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: 4187832-2 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: 4187832-2 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung