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Wachau (Markkleeberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Wachau-Mai-2009 065.jpg
Wachau, Kirchenruine (2009)

Wachau ist seit dem 1. Januar 1994 ein Stadtteil von Markkleeberg südlich von Leipzig in Sachsen. Zuvor war es eine eigenständige Gemeinde östlich der Großen Kreisstadt Markkleeberg. Der Ort liegt am östlichen Ufer des Markkleeberger Sees, eines Restlochs des Braunkohletagebaus Espenhain. Der Stadtteil hatte am 31. Dezember 2007 732 Einwohner.<ref>Landkreis Leipzig – Nahverkehrsplan. (PDF; 3,2 MB) Landkreis Leipzig, S. 11, abgerufen am 17. November 2023.</ref> Der Stadtteil Wachau und die Siedlung Auenhain bilden eine Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und haben damit gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 152 kB) § 25. In: Webauftritt. Große Kreisstadt Markkleeberg, abgerufen im März 2026.</ref>

Geschichte

Datei:Wachau 1813.jpg
Ansicht von Wachau um 1813
Datei:Herrenhaus wachau.jpg
Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes zu Wachau
Datei:Topographische Karte der Umgegend von Leipzig (1863) - Wachau.jpg
Wachau auf einer Karte von 1863

Das Dorf ist slawischen Ursprungs. 1259 erfolgte eine einmalige Nennung des Heyno von Wachau als Zeuge für Markgraf Dietrich von Landsberg.<ref>Susanne Baudisch: Burgen und Herrensitze in Nordwestsachsen. Teil 2, Schriftquellen. Druck- und Verlagshaus Katzbach, Regis-Breitingen 1996, ISBN 3-930044-06-4, S. 217.</ref> 1349/1350 hatten verschiedene Grundherren Einkünfte in Wachau.<ref>Susanne Baudisch: Burgen und Herrensitze in Nordwestsachsen. Teil 1, Burgen und Herrensitze. Druck- und Verlagshaus Katzbach, Regis-Breitingen 1996, ISBN 3-930044-05-6, S. 105–106.</ref> 1377 übertrugen die Markgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm dem Kloster Buch das Dorf Wochow in der Pflege Leipzig mit beiden Gerichten, aufgelassen und verkauft von Adelheid von Heynitz und ihren Söhnen aus Not, und sicherten sich das Vorkaufsrecht.<ref>Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4203. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 196.</ref> Im gleichen Jahr bestätigte Nickel von Heynitz den Empfang des Kaufgeldes.<ref>Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4207. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 197.</ref> 1488/89 kam es auch hier zu Irrungen, da der albertinische Amtmann von Leipzig den Leuten des Klosters in Wachau das Vieh wegtrieb, worüber Abt Simon von Buch bei Hz. Georg von Sachsen Beschwerde führte.<ref>SHStA Dresden, Loc. 8445, siehe Thomas Ludwig: Besitzgeschichte des Zisterzienserklosters Buch bei Leisnig. Magisterarbeit. Leipzig 1996.</ref> 1543 wurde es nach dem Erb- und Zinsregister Kloster Buch noch als Klosterdorf geführt. Eine Übersicht über die verschiedenen Besitzer von 1536 bis 1853 ist im Album der Rittergüter zu finden,<ref>Wachau. In: Gustav Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. nach der Natur neu aufgenommen von F. Heise … Mit historisch-statistisch bearb. Text. Teil: 1. Leipziger Kreis, S. 29–31 (digital.slub-dresden.de – um 1860).</ref> siehe auch Sachsens Kirchengalerie (mit Abbildung der Kirche).<ref>Wachau. In: Hermann Schmidt (Hrsg.): Sachsens Kirchengalerie. Die Inspektionen Leipzig und Grimma. Neunter Band. Hermann Schmidt, Dresden, S. 44–45 (digital.slub-dresden.de – um 1840).</ref>

Das Herrenhaus des Rittergutes musste nach schwersten Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg abgerissen werden. Im zugehörigen Park, der nach englischem Muster angelegt wurde, gibt es noch heute das von Johann Gottlob von Quandt (bis 1820 Rittergutsbesitzer) für seine Mutter errichtete Denkmal. 1813 fanden in der Nähe des Ortes schwere Gefechte der Völkerschlacht statt, die das Dorf stark in Mitleidenschaft zogen. Dadurch wurde eine alte und große Linde im Garten des Rittergutes berühmt, welche mit einer Galerie versehen war. Diese wurde zunächst von Napoleon und später von den Verbündeten gegen Napoleon als Möglichkeit genutzt, das Schlachtfeld zu überblicken. Später wurde deshalb diese Linde als Murat- oder Napoleonlinde bezeichnet. Die Linde fiel später einem Blitzeinschlag zum Opfer.

Datei:Napoleonlinde wachau.jpg
Ehemalige Muratlinde im Garten des Rittergutes zu Wachau
Datei:Kirche Wachau.jpg
Die Neue Kirche in Wachau zu ihrer Fertigstellung 1867

An selbiger Stelle im Park des Rittergutes wurde später wieder eine Linde gepflanzt. Im Dorf und in dessen unmittelbarer Nähe befinden sich einige Denkmäler zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig, wie Apelsteine oder zwei Gedenksteine des „Vereins zur Feier des 19. Oktobers“. Im Jahre 1862 wurde das Windmühlentor der Stadt Leipzig durch den damaligen Rittergutsbesitzer gekauft und fand als Gartentor des Rittergutsparkes Verwendung. Wachau lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.<ref>Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.</ref> Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.<ref>Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. November 2024; abgerufen am 1. August 2025.</ref>

Um 1860 war die während der Völkerschlacht in Mitleidenschaft gezogene Kirche baufällig, man entschied sich zum Abriss und Neubau. Nach Plänen von Constantin Lipsius wurde 1865–1867 eine neogotische Kirche erbaut, die drei Glocken kamen von G. A. Jauck (Leipzig), der Orgelbau erfolgte in der Werkstatt Kreutzbach (Borna).<ref>Aus der Geschichte der Wachauer Kirche. Ev.-Luth. Kirchgemeinde Probstheida-Störmthal-Wachau, abgerufen am 23. November 2013.</ref> Diese Kirche galt als eine der schönsten Kirchen im Landkreis Leipzig, bis das Kirchenschiff durch Luftminen im Zweiten Weltkrieg einstürzte. Der Turm der Kirche wurde 1975 teilweise abgerissen. 1995 wurden die Reste der Kirche gesichert und mit der Instandsetzung des Turmes begonnen. Seit 1997 finden in der Kirche gelegentlich Gottesdienste und Konzerte statt. Im Sommer werden regelmäßig die Wachauer Festival-Nächte veranstaltet.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich Wachau von einem Bauerndorf zu einem Arbeiterwohnort. Seit 1922 gehört die für Kriegsversehrte des Ersten Weltkrieges errichtete Siedlung Auenhain zu Wachau. Die Siedlung Wiesengrund in Wachau entstand in den 1930er Jahren und trägt heute den Namen August Bebels.

Dem Braunkohletagebau Espenhain fielen in den 1970er Jahren das Vorwerk Auenhain und einige landwirtschaftliche Flächen zum Opfer. Seit dem 1. Januar 1994 ist Wachau ein Ortsteil von Markkleeberg.<ref>Wachau im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref>

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Datei:Windmuhlentor wachau.jpg
Quandtsches Denkmal und Windmühlentor im Rittergut zu Wachau
Datei:Kirchenruine Wachau2.jpg
Kirchenruine

In Wachau geboren

Vereine und Verbände

Verkehr

Die Stadt liegt an der S 46 und ist an das Busnetz der Stadt Leipzig und des Umlandes angebunden.

Über die Anschlussstelle Leipzig-Süd ist Wachau seit 2006 von der A 38 aus zu erreichen.

Bis zur Unterbrechung durch den Tagebau Espenhain Anfang der 1980er-Jahre verlief auf der Bornaer Chaussee die Fernverkehrsstraße 95 durch Wachau.

Literatur und Quellen

  • F. W. Weinschenk: Chronik von Wachau. R. Maeder, Leipzig 1901
  • Theodor Apel: Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs im October 1813 und zu deren Marksteinen. Hoffmann, A., Leipzig 1863
  • C. Peters: Die Denkmäler auf dem Schlachtfelde von Leipzig. Hauptmann, P., Leipzig 1848
  • Cornelius Gurlitt: Wachau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 134.

Weblinks

Commons: Wachau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

<references />

Koordinaten: 51° 17′ N, 12° 26′ O

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