Zum Inhalt springen

Wacker-Hoechst-Verfahren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Acetaldehyde Synthesis V2.svg
Bilanzreaktion des Wacker-Hoechst-Verfahrens

Das Wacker-Hoechst-Verfahren ist ein großtechnischer Prozess der chemischen Industrie, bei dem durch die Oxidation von Ethylen in Gegenwart von Palladium(II)-chlorid als Katalysator Acetaldehyd entsteht. Der Sauerstoff der entstehenden Aldehydfunktion stammt dabei aus dem als Lösungsmittel verwendeten Wasser; der im Verfahren verwendete Sauerstoff dient der Reoxidation des Katalysators.

Die installierte Produktionskapazität betrug 2009 etwa zwei Millionen Jahrestonnen. Acetaldehyd ist ein wichtiger Ausgangsstoff der chemischen Industrie und dient hauptsächlich der Herstellung von Essigsäure und Essigsäureanhydrid; weitere Folgeprodukte sind 1,3-Butadien, Acrolein oder Pentaerythrit.

Walter Hafner, Jürgen Smidt, Reinhard Jira und weitere Mitarbeiter der Wacker Chemie entwickelten gegen Ende der 1950er Jahre das Verfahren im Wacker-Forschungszentrum, dem Consortium für elektrochemische Industrie. Es nutzte als erstes Verfahren im industriellen Maßstab eine Palladiumverbindung als Katalysator.

Die Veröffentlichung des Verfahrens bewirkte eine rege Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der palladiumkatalysierten Olefinreaktionen im technischen und chemisch-präparativen Bereich und führte zu zahlreichen mechanistischen Studien der Reaktion. Neben den vielfältigen ausgearbeiteten Synthesewegen bei höheren Olefinen entwickelte Hoechst basierend auf dem Wacker-Hoechst-Verfahren ein technisches Verfahren, bei dem aus Propylen das Lösungsmittel Aceton gewonnen wird, welches wiederum Ausgangsstoff für viele Synthesen ist.

Geschichte

Datei:Acetaldehyde-2D.svg
Acetaldehyd, das Primärprodukt des Wacker-Hoechst-Verfahrens

Die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland in Betrieb genommenen großtechnischen Chemie-Verfahren beruhten noch auf der Kohlechemie der Vorkriegs- und Kriegszeit. Einer der Grundbausteine dieser Chemie war Acetylen aus der Hydrolyse von Calciumcarbid, das wiederum aus Calciumoxid und Kohle gewonnen wurde. Aus Acetylen stellte die Wacker-Chemie mittels des Ersten Wacker-Verfahrens den wichtigen Synthesebaustein Acetaldehyd her.<ref name="jira" />

Die Herstellung von Acetylen erforderte jedoch einen hohen Energieeinsatz, während Olefine aus Erdöl nach dem Krieg leichter zugänglich wurden und damit preiswertere Rohmaterialien für die chemische Synthese darstellten. Ethylen aus den petrochemischen Crackeranlagen stand ab Mitte der 1950er Jahre in großen Mengen zur Verfügung.<ref name="jira" /> Verfahren wie die von der Azienda Nazionale Idrogenazione Combustibili (ANIC) in Ravenna, Italien, eingesetzte Oxidation von Ethylen zu Acetylen, welches wiederum nach dem Ersten Wacker-Verfahren zu Acetaldehyd konvertiert wurde, erwiesen sich als energetisch ungünstig und fanden keine Verbreitung.<ref name="hester" />

Für die Darstellung von Acetaldehyd suchte Wacker daher ein Verfahren auf Basis der direkten Oxidation von Ethylen. Ausgangspunkt dieser Suche war die bereits seit 1894 von Francis C. Phillips entdeckte stöchiometrische Oxidation von Ethen zu Acetaldehyd mittels Palladium(II)-chlorid in wässriger Lösung.<ref name="phillips" /> Bei dieser Reaktion wurde das Palladiumsalz zu metallischem Palladium reduziert, fiel dabei aus und stand für weitere Oxidationsreaktionen nicht zur Verfügung.<ref name="jira" />

Forscher der Wacker-Chemie suchten Ende der 1950er Jahre nach einer katalytischen Variante dieser Reaktion.<ref name="wacker" /> Zunächst fokussierte sich die Suche auf ein heterogenkatalytisches Verfahren. Hafner stellte bei Versuchen, bei denen er Ethylen und Sauerstoff mit Spuren von Wasserstoff über einen heterogenen Palladiumkontakt leitete, olfaktorisch Spuren von Acetaldehyd fest.<ref name="jira" /> Neben den heterogenkatalytischen Gasphasenreaktionen untersuchte das Consortium auch die Reaktion von Ethylen in wässriger Phase. Die Beobachtung, dass das metallische Palladium mit Kupfer(II)-chlorid wieder zum Palladium(II)-chlorid oxidiert werden kann, war dabei mitentscheidend für die Entwicklung des katalytischen Verfahrens in wässriger Lösung. Die Oxidation von Kupfer(I)- zu Kupfer(II)-chlorid durch Sauerstoff war als schnelle Reaktion bekannt.<ref name="Keith" /> Eine ähnliche Methode der Katalysatorregenerierung, die Reoxidation von metallischem Quecksilber mittels Eisen(III)-chlorid, war schon aus dem Ersten Wacker-Verfahren bekannt.<ref name="wacker" />

Die Wacker-Chemie entschied sich, das Patent in drei Patentanträge aufzuteilen. Die neu zu bauende Anlage sollte in Köln in der Nähe einer petrochemischen Anlage der Esso, die das Ethylen liefern sollte, errichtet werden. In Zusammenhang mit den Gesprächen zum Erwerb des Grundstücks, bei dem Hoechst als Teilhaber der Wacker-Chemie zustimmen musste, wurden Einzelheiten des Verfahrens an Hoechst weitergegeben.<ref name="wacker" /> Hoechst nahm daraufhin selbst Forschungstätigkeiten zur Ethylenoxidation auf und platzierte ein eigenes Patent zwischen der zweiten und dritten Patentanmeldung der Wacker-Chemie. Hoechst erhielt dadurch einen Teilanspruch an dem Verfahren, worauf Wacker und Hoechst das Gemeinschaftsunternehmen Aldehyd GmbH gründeten, welche die Vermarktung des Patents übernahm.<ref name="jira" /> Da für den vorgesehenen Kölner Standort kein reiner Sauerstoff zu akzeptablen Preisen zur Verfügung stand, entwickelte die Wacker-Chemie im Folgenden ein Zwei-Stufen-Verfahren, das mit Luftsauerstoff als Oxidationsmittel arbeitete. Die erste Anlage nach dem Zwei-Stufen-Verfahren wurde im Januar 1960 in Köln in Betrieb genommen ({{Coordinate{{#ifeq:|y|Simple|Complex}}|NS=51.02063|EW=6.95102|type=landmark|region=DE-NW|globe=|dim=|elevation=|pop=|lw=|name={{#invoke:Coordinates/kml|kmlTitle|1=Wacker Chemie Werk Köln}}|article=|text=Lage|sortkey=|tooltip=|tooltipformat=|map=|mapsize=|maplevel=|maptype=|maplabel=|maplayer=|mapcaption=}}{{#if:|{{#switch:5

|1 = Gradzahl-Fehler: {{#iferror:{{{1}}}
 | NS: {{{1}}}
 |
}} {{#iferror:
 | EW: 
 |
}}{{#switch:0
 |0|6|14= 
}}
|2 = nicht im Bereich von {{{1}}}{{#switch:0
 |0|6|14=
}}
|3  = {{#switch: {{{type}}}
 |country|state|adm1st|adm2nd|city|isle|airport|mountain|waterbody|forest|landmark=
 |example={{#if:
  | 
  | falscher Wert ›example‹ im Artikelnamensraum 
 }}
 |#default= {{#ifeq:{{{type}}}|
  | kein Wert
  | falscher Wert ›{{{type}}}‹
 }} in type-Parameter{{#switch:0
  |0|6|14= 
 }}
}} {{#if: {{{rg}}}
 |
 | region-Parameter fehlt{{#if:
  | 6
  | 
 }}
}} {{#iferror: {{{elevation}}}
 | {{{elevation}}}{{#switch:0
  |0|6|14= 
 }}
 |
}} {{#iferror: {{{pop}}}
 | {{{pop}}}{{#switch:0
  |0|6|14= 
 }}
 |
}}
|5 = unbenannte Parameter 1:{{{1}}}{{#if:|, 2:}}{{#if:|, 3:}}{{#if:|, 4:}} {{#if:|usw.}}{{#switch:0
 |0|6|14= 
}}
|8 = Parameter name fehlt in Fließtextkoordinate{{#switch:0
 |0|6|14= 
}}
|10= überflüssige Parameter
|#default=coordinates error

}}}}).<ref name="jira" /> Wolfgang Hafner und Jürgen Smidt wurden für ihre Forschungen und die Entwicklung des Verfahrens 1962 mit dem DECHEMA-Preis ausgezeichnet.<ref name="dechema" />

Das Wacker-Hoechst-Verfahren verdrängte im Laufe weniger Jahre alternative Verfahren wie die katalytische Dehydrierung oder die Oxidation von Ethanol.<ref name="ullmann" /> Es gehörte zu den ersten chemisch-technischen Verfahren, die auf die Bedeutung von Alkenen hinwiesen. Bereits 1969, nur wenige Jahre nach der Inbetriebnahme der ersten Anlage, betrug die installierte Kapazität etwa 350.000 Jahrestonnen.<ref name="riedel" /> Um die Jahrtausendwende betrug die installierte Kapazität etwa zwei Millionen Jahrestonnen.<ref name="jira" /> Es war die allgemeine Meinung, dass „die Erfindung des Wacker-Verfahrens einen Triumph des gesunden Menschenverstandes“ darstellt.<ref name="parshall" />

Durch die Entwicklung neuerer Verfahren wie dem Monsanto-Prozess und dem Cativa-Prozess zur Herstellung von Essigsäure auf Basis von Methanol und Kohlenstoffmonoxid verliert das Wacker-Hoechst-Verfahren an Bedeutung.<ref name="sunley" />

Vorlage:Formel

Essigsäureanhydrid lässt sich aus Essigsäuremethylester und Kohlenstoffmonoxid nach dem Tennessee-Eastman-Essigsäureanhydrid-Prozess gewinnen.<ref name="zoeller" />

Vorlage:Formel

Katalysator

Palladium(II)-chlorid wird durch das Auflösen von metallischem Palladium in Königswasser gewonnen. Es löst sich leicht in Salzsäure unter Bildung des Tetrachloropalladats.

Vorlage:Formel</math>}}

Als Reoxidationsmittel für das im Prozess anfallende metallische Palladium dienen neben Kupferchlorid auch Kupfer(II)-acetat, Kupfer(II)-nitrat, Eisen(III)-chlorid und weitere Oxidationsmittel, etwa Salpetersäure oder Wasserstoffperoxid. Bei der Verwendung chloridfreier Oxidationsmittel wird die Bildung chlorierter Nebenprodukte, unter anderem Chloracetaldehyd, reduziert.<ref name="Houben-Weyl" />

Verfahren

Das Wacker-Hoechst-Verfahren kann ein- oder zweistufig durchgeführt werden. Die Ausbeute liegt bezogen auf Ethylen für beide Verfahren bei etwa 95 %.<ref name="ullmann" /> Nebenprodukte sind chlorierte und höher oxidierte Produkte des Ethylens und des Acetaldehyds. Im Zwei-Stufen-Verfahren ist die Anforderung an die Reinheit des Ethens geringer als im einstufigen Verfahren. Allerdings sind die Investitionskosten in die Anlagen sowie der Energieverbrauch beim zweistufigen Verfahren höher, weshalb das einstufige Verfahren bevorzugt eingesetzt wird, wenn die Versorgung mit reinem Sauerstoff gewährleistet ist.

Ein-Stufen-Verfahren

Datei:WackerEinstufenVerfahren.png
Blockdiagramm des Ein-Stufen-Verfahrens

Beim einstufigen Verfahren wird in einem Reaktor die Oxidation des Ethens sowie die Regeneration des Katalysators bei Temperaturen von etwa 120 bis 130 °C und Drücken von 3 bis 4 bar durchgeführt. Die Regeneration erfolgt mit reinem Sauerstoff, außerdem muss das verwendete Ethen sehr rein sein. Um unterhalb der Explosionsgrenze zu bleiben, wird mit einem Überschuss an Ethen gearbeitet, dadurch sinkt die Ausbeute auf etwa 35 %. Nicht umgesetztes Ethen kann jedoch erneut in den Reaktor geführt werden.

Das entstehende Roh-Acetaldehyd enthält niedrigsiedende Komponenten wie Methylchlorid, Ethylchlorid oder Kohlenstoffdioxid, die durch Extraktivdestillation abgetrennt werden.<ref name="smidt" /> Die dabei entstehende Acetaldehyd-Fraktion enthält noch höhersiedende Anteile wie chloriertes Acetaldehyd, Chloroform, Methylenchlorid, 1,2-Dichlorethan, 2-Chlorethanol und Essigsäure, die durch fraktionierende Destillation abgetrennt werden.<ref name="smidt" />

Die verwendeten Reaktoren sind wegen der korrosiven Eigenschaften der Katalysatorlösung mit einer keramischen Auskleidung versehen. Aus demselben Grund sind die Rohrleitungen und Pumpen aus Titan gefertigt. Die Verwendung dieser schlecht wärmeleitenden Materialien ist möglich, da die Reaktionswärme durch die Verdampfung von Acetaldehyd und Wasser abgeführt werden kann.<ref name="keim" />

Zwei-Stufen-Verfahren

Datei:WackerZweiStufenVerfahren.png
Blockdiagramm des Zwei-Stufen-Verfahrens

Beim zweistufigen Verfahren sind die Oxidation des Ethens und die Regeneration des Katalysators räumlich getrennt. Zunächst reagiert das Ethen in Abwesenheit von Sauerstoff im Oxidationsreaktor aus Titan, meist einem Blasensäulenreaktor, bei Drücken von etwa 10 bar und Temperaturen zwischen 100 und 110 °C stöchiometrisch mit dem Palladiumchlorid und dem Prozesswasser zu Acetaldehyd und Palladiummetall. Nach Entspannung auf Normaldruck wird das Roh-Acetaldehyd vom Prozesswasser getrennt und anschließend destillativ gereinigt.<ref name="keim" />

Die palladium- und kupferhaltige Lösung wird in einen weiteren Blasensäulereaktor gepumpt und dort regeneriert. Es kann mit Luftsauerstoff regeneriert werden.

Die erste Anlage nach dem Zwei-Stufen-Verfahren nahm die Wacker-Chemie im Januar 1960 im Werk Köln-Merkenich in Betrieb. Es handelte sich dabei um die weltweit erste Chemieanlage mit Apparaten aus Titan.<ref name="wacker" />

Produkte

Das Hauptprodukt des Wacker-Hoechst-Verfahrens ist Acetaldehyd, welches eine reiche Folgechemie aufweist. Etwa 80 % des produzierten Acetaldehyds werden zu Essigsäure und Essigsäureanhydrid weiterverarbeitet, aus den verbleibenden 20 % wird eine Vielzahl von weiteren Produkten hergestellt. Die Herstellung der Essigsäure erfolgte durch die Oxidation von Acetaldehyd unter Verwendung von Mangan(II)-acetat als Katalysator, einem Verfahren, das ebenfalls von der Wacker-Chemie entwickelt wurde:<ref name="wacker" />

Vorlage:Formel

Das Mangansalz katalysiert dabei den Zerfall der primär entstehenden Peroxyessigsäure.

Die Herstellung von 1,3-Butadien erfolgte zum Beispiel im Lebedew-Prozess über die Aldoladdition zweier Moleküle Acetaldehyd

Vorlage:Formel

zum Crotonaldehyd, das mit Ethanol bei Temperaturen um 380 bis 500 °C unter Bildung von 1,3-Butadien, Acetaldehyd und Wasser reagiert.<ref name="cornils" /> In einem dem Lebedew-Prozess ähnlichen Prozess, der vom russischen Chemiker Iwan Ostromislenski entwickelt wurde, reagiert Ethanol direkt mit Acetaldehyd bei Temperaturen von etwa 325 bis 350 °C über einem Tantal-modifizierten Silica-Katalysator zu 1,3-Butadien. Acrolein entsteht bei der Aldoladdition von Formaldehyd an Acetaldehyd.<ref name="schulz" /> Pentaerythrit entsteht ebenfalls aus der Aldoladdition von Formaldehyd und Acetaldehyd.<ref name="tollens" />

Reaktionsmechanismus

Datei:WackerMech Neu.svg
Mechanismus des Wacker-Verfahrens zur Herstellung von Aldehyden aus Ethen

Der Reaktionsmechanismus wurde über Jahrzehnte intensiv untersucht, nicht nur wegen der industriellen Bedeutung der Reaktion, sondern auch weil sie den Beginn der katalytischen Palladiumchemie markierte.<ref name="Keith" />

Im ersten Schritt des Reaktionsmechanismus entsteht aus Palladium(II)-chlorid, Ethen und einem Chloridion ein zum Zeise-Salz äquivalenter anionischer Palladium(II)-Ethen-Komplex, das Trichloridoethylenpalladinat(II)-Anion (oben rechts in der Abbildung). Aus Untersuchungen von Substitutionsreaktionen des Zeise-Salzes war bekannt, dass der Ethenligand einen starken trans-Effekt ausübt. Dadurch wird die Bindung des trans-ständigen Chloridoliganden geschwächt<ref name="chatt" /> und die Anlagerung von Wasser (eines Aquoliganden) unter Verdrängungen eines Chlorid-Liganden erleichtert. Durch diesen Austausch entsteht ein neutraler Palladium(II)-Ethen-Komplex (Abbildung Mitte rechts).<ref name="steinborn" /> Durch Deprotonierung entsteht wieder ein anionischer Ethen-Hydroxo-Komplex. Durch Addition von Wasser und Insertion des Ethen-Liganden in die Pd-OH-Bindung entsteht ein 2-Hydroxyethyl-Komplex.<ref name="steinborn" />

Ein weiterer wichtiger Schritt im Wacker-Prozess ist die Migration des Wasserstoffs von Sauerstoff zu Chlorid und die Bildung der C-O-Doppelbindung (Abbildung unten bis oben links). Der genaue Mechanismus dieses Schritts ist nicht bekannt. Eine Hypothese ist eine β-Hydrid-Eliminierung in einem zyklischen viergliedrigen Übergangszustand:

Vorlage:Formel

Berechnungen ergaben jedoch, dass ein viergliedriger Übergangszustand unter β-Hydrid-Eliminierung für diesen Reaktionsschritt energetisch ungünstig ist (151 kJ/mol). Ein durch Wassermoleküle unterstützter fünfgliedriger Übergangszustand mit anschließender reduktiver Elimination ist energetisch günstiger (78,6 kJ/mol) und wird damit als wahrscheinlicher angesehen:<ref name="john" />

Vorlage:Formel

Der ablaufende katalytische Kreisprozess (siehe Abbildung) kann in folgenden Bilanzgleichungen zusammengefasst werden:

Vorlage:Formel Vorlage:Formel Vorlage:Formel

mit der Gesamtbilanz:

Vorlage:Formel

Die Teilreaktionen a) bis c) lassen sich als gekoppelte Teilreaktionen darstellen:<ref name="steinborn" />

Vorlage:Formel

Der genaue Mechanismus der Reaktion blieb lange Gegenstand kinetischer und mechanistischer Studien. Frühe kinetische Studien lieferten eine Geschwindigkeitsgleichung, die erster Ordnung bezüglich des Tetrachloropalladats und des Ethylens war sowie eine Inhibierung erster Ordnung bezüglich des Protons und zweiter Ordnung bezüglich des Chloridions zeigte.<ref name="Keith" />

Vorlage:Formel

Während sich die inhibierende Wirkung des Chlorids durch die schnellen Gleichgewichtsreaktionen

Vorlage:Formel

Vorlage:Formel

erklären ließ, gab es für die inhibierende Wirkung des Protons mehrere Erklärungsansätze.<ref name="Keith" />

Die Oxidation von nicht-deuteriertem Ethylen C2H4 in Schwerem Wasser D2O führte nur zur Bildung von nicht deuteriertem Acetaldehyd CH3CHO.<ref name="smidt" /> Umgekehrt führte die Oxidation von deuteriertem Ethylen C2D4 in normalem Wasser H2O nur zur Bildung von deuteriertem Acetaldehyd CD3CDO. Durch diese Versuche konnte die These, dass der Prozess über eine Vinylalkohol-Zwischenstufe verläuft, bei der ein Wasserstoffatom des Acetaldehyds, etwa über eine Keto-Enol-Tautomerie, aus dem Wasser stammen sollte, widerlegt werden.

Verfahrensvarianten

Wird im Wacker-Hoechst-Verfahren mit einem Gemisch aus Essigsäure und Alkaliacetaten statt Wasser als Lösungsmittel gearbeitet, entsteht Vinylacetat als Hauptprodukt, welches das Monomer zur Herstellung von Polyvinylacetat und damit dem Polyvinylalkohol darstellt.<ref name="wkeim" />

Vorlage:Formel

Dieses homogenkatalytische Verfahren wurde früh durch ein heterogenkatalytisches Oxidationsverfahren auf Basis eines Palladium-Kontakts verdrängt.<ref name="schwredtel" /> Neben Essigsäure können verschiedene andere Lösungsmittel verwendet werden. Mit Alkoholen als Lösungsmittel entstehen meist Acetale, mit Diolen erfolgt die Bildung von 1,3-Dioxolanen.<ref name="lloyd" />

Propylen kann mittels Wacker-Hoechst-Verfahren zu Aceton oxidiert werden. Die Reaktion läuft bei einer Temperatur von etwa 110 bis 120 °C und einem Druck von 10 bis 14 bar ab. Wie bei der Oxidation von Ethylen wird das metallisch anfallende Palladium mit Kupferchlorid reoxidiert. Die Selektivität zum Aceton beträgt 92 %. Als Nebenprodukt entsteht Propionaldehyd. Das Verfahren kann ein- oder zweistufig durchgeführt werden. Die einzigen industriellen Anlagen nach diesem Verfahren wurden in Japan erbaut und betrieben.<ref name="chiusoli" /> Ein von Wacker entwickeltes Verfahren zur Oxidation von 1-Buten zu Methylethylketon konnte sich nicht etablieren.<ref name="jira" />

Wacker-Oxidation

Neben den großtechnischen Verfahren findet die dem Wacker-Hoechst-Verfahren zu Grunde liegende Reaktion als Wacker-Oxidation bezeichnet in Laborsynthesen Anwendung, etwa in Form der Wacker-Tsuji-Oxidation. Dabei handelt es sich um die Oxidation höherer α-Olefine zu Methylketonen, wie etwa die Oxidation von 1-Decen zu 2-Decanon.<ref name="tsuji" />

Datei:Oxidation of decene to decanone.png

Generell reagieren höher substituierte Alkene schneller als unsubstituierte und Diene mit konjugierten Doppelbindungen reagieren langsamer als nicht konjugierte Systeme. Die Produktbildung folgt der Markownikow-Regel, nach der das Wasserstoffatom immer an das bereits wasserstoffreichere Kohlenstoffatom gebunden wird.<ref name="mbsmith" />

Im Labormaßstab wird die Reaktion meist bei Raumtemperatur mit Palladium(II)-chlorid und Kupfer(II)-chlorid unter Sauerstoffatmosphäre durchgeführt. Zur Vermeidung von Chlorierungsreaktionen werden neben dem klassischen Palladium-/Kupferchloridsystem andere lösliche Palladiumsysteme wie Palladium(II)-acetat oder Bis(acetonitril)chloronitropalladium(II) verwendet. Starke anorganische Säuren wie die Perchlorsäure erhöhen zum Teil die Reaktionsgeschwindigkeit. Die Reaktionsgeschwindigkeit der Oxidation von schlecht wasserlöslichen höheren Alkenen lässt sich durch die Verwendung von Gemischen aus Wasser und polaren organischen Lösungsmitteln wie Dimethylformamid oder N-Methyl-2-pyrrolidon oder der Verwendung oberflächenaktiver Substanzen wie Natriumlaurylsulfat erhöhen.<ref name="takcas" /> Als häufige Nebenreaktion lässt sich die Doppelbindungsisomerisierung beobachten; die Reaktionsgeschwindigkeit dieser Nebenreaktion scheint stark von der Wahl des Lösungsmittels abhängig zu sein.<ref name="takcas" /> Zur Re-Oxidation des anfallenden Palladiummetalls werden unter Laborbedingungen neben dem klassischen Kupferchlorid verschiedene Oxidationsmittel verwendet.

Literatur

  • Patrick Henry: Palladium Catalyzed Oxidation of Hydrocarbons (Catalysis by Metal Complexes). Verlag Springer, 1980, ISBN 978-94-009-9448-5.

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:Category:{{#if:Wacker process|Wacker process|Wacker-Hoechst-Verfahren}}|uselang=de}} Commons: {{#if:Wacker-Hoechst-Verfahren|Wacker-Hoechst-Verfahren|{{#if:Wacker process|Wacker process|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if:

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default= – }}{{#if: Wacker process

   | {{#ifeq: {{#invoke:Str|left|wacker process|9}} 
       | category: 
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}

Vorlage:Wikidata-Registrierung

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="jira">Reinhard Jira: Acetaldehyd aus Ethylen – ein Rückblick auf die Entdeckung des Wacker-Verfahrens. In: Angewandte Chemie. 121, 2009, S. 9196–9199, doi:10.1002/ange.200903992.</ref> <ref name="hester">Albert Hester, Karl Himmler: Chemicals from Acetaldehyde. In: Industrial and Engineering Chemistry. 51.12, 1959, S. 1424–1430.</ref> <ref name="phillips">Francis C. Phillips, Am. Chem. J., 1894, 16, S. 255–277.</ref> <ref name="wacker">Menschen • Märkte • Moleküle: Die Erfolgsformel Wacker Chemie 1914–2014, S. 154 und S. 175–185 (pdf).</ref> <ref name="cornils">Boy Cornils, Wolfgang A. Herrmann, Chi-Huey Wong, Horst-Werner Zanthoff: Catalysis from A to Z: A Concise Encyclopedia. Verlag Wiley-VCH, 2012, ISBN 3-527-33307-X, S. 337.</ref> <ref name="schulz">H. Schulz, H. Wagner: Synthese und Umwandlungsprodukte des Acroleins. In: Angewandte Chemie. 62, 1950, S. 105–118, doi:10.1002/ange.19500620502.</ref> <ref name="tollens">P. Rave, B. Tollens: XXXIV. Ueber den Penta-Erythrit (Tetramethylolmethan). In: Justus Liebig’s Annalen der Chemie. 276, 1893, S. 58–69, doi:10.1002/jlac.18932760106.</ref> <ref name="Keith">John A. Keith, Patrick M. Henry: Zum Mechanismus der Wacker-Reaktion: zwei Hydroxypalladierungen! In: Angewandte Chemie. 121, 2009, S. 9200–9212, doi:10.1002/ange.200902194.</ref> <ref name="riedel">James A. Kent (Hrsg.): Riegel’s Handbook of Industrial Chemistry. 7. Auflage. Verlag Van Nostrand Reinhold, ISBN 0-442-24347-2, S. 790.</ref> <ref name="dechema">Die DECHEMA-Preisträger seit 1951.</ref> <ref name="parshall">George W. Parshall, Steven D. Ittel: Homogeneous Catalysis. Wiley, New York 1992, ISBN 978-0-471-53829-5, S. 138.</ref> <ref name="Houben-Weyl">Adolph Segnitz: s-Organocobalt,- rhodium, -iridium, -nickel, -palladium Compounds. In: Houben-Weyl Methods of Organic Chemistry Vol. XIII/9b, 4th Edition. Georg Thieme Verlag, 1984, ISBN 978-3-13-215004-1, S. 882.</ref> <ref name="zoeller">Joseph R. Zoeller, Victor H. Agreda, Steven L. Cook, Norma L. Lafferty, Stanley W. Polichnowski, David M. Pond: Eastman chemical company acetic anhydride process. In: Catalysis Today. 13, 1992, S. 73–91, doi:10.1016/0920-5861(92)80188-S.</ref> <ref name="sunley">Glenn J. Sunley, Derrick J. Watson: High productivity methanol carbonylation catalysis using iridium. In: Catalysis Today. 58, 2000, S. 293–307, doi:10.1016/S0920-5861(00)00263-7.</ref> <ref name="tsuji">Jiro Tsuji, Hideo Nagashima, Hisao Nemoto: A General Synthetic Method for the Preparation of Methyl Ketones from Terminal Olefins: 2-Decanone. In: Organic Syntheses. 62, 1984, S. 9, doi:10.15227/orgsyn.062.0009.</ref> <ref name="smidt">Jürgen Smidt, W. Hafner, R. Jira, R. Sieber, J. Sedlmeier, A. Sabel: The Oxidation of Olefins with Palladium Chloride Catalysts. In: Angewandte Chemie International Edition in English. 1, 1962, S. 80–88, doi:10.1002/anie.196200801.</ref> <ref name="keim">Wilhelm Keim, Arno Behr und Günter Schmitt: Grundlagen der industriellen Chemie. Technische Produkte und Prozesse. ISBN 3-7935-5490-2 (Salle), ISBN 3-7941-2553-3 (Sauerländer), S. 217–223.</ref> <ref name="ullmann">Marc Eckert, Gerald Fleischmann, Reinhard Jira, Hermann M. Bolt, Klaus Golka: Acetaldehyde. In: Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry, 2005, Weinheim, Wiley-VCH, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.</ref> <ref name="chatt">Ido Leden, Joseph Chatt: The stability constants of some platinous halide complexes. In: Journal of the Chemical Society. 1955, S. 2936–2943, doi:10.1039/JR9550002936.</ref> <ref name="steinborn">Dirk Steinborn: Grundlagen der metallorganischen Komplexkatalyse. Teubner, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8351-0088-6, S. 283–292.</ref> <ref name="john">John A. Keith, Jonas Oxgaard, William A. Goddard: Inaccessibility of β-Hydride Elimination from −OH Functional Groups in Wacker-Type Oxidation. In: Journal of the American Chemical Society. 128, 2006, S. 3132–3133, doi:10.1021/ja0533139.</ref> <ref name="wkeim">Wilhelm Keim: Homogeneous Catalysis in Germany: Past and Present. In: Studies in Surface Science and Catalysis. 44, 1989, S. 321–331.</ref> <ref name="schwredtel">W. Schwerdtel: Vinylacetal auf Basis Äthylen in der Gasphase. In: Chemie Ingenieur Technik. 40, 1968, S. 781–784, doi:10.1002/cite.330401602.</ref> <ref name="lloyd">William G. Lloyd, B. J. Luberoff: Oxidations of olefins with alcoholic palladium(II) salts. In: The Journal of Organic Chemistry. 34, 1969, S. 3949–3952, doi:10.1021/jo01264a043.</ref> <ref name="chiusoli">Gian Paolo Chiusoli, Peter M. Maitlis: Metal-catalysis in Industrial Organic Processes. RSC Publishing, 2008, ISBN 978-0-85404-150-3, S. 69.</ref> <ref name="mbsmith">Michael B. Smith: Organic Synthesis. 1. Auflage, McGraw-Hill, 1994, ISBN 0-07-113909-5, S. 1350–1353.</ref> <ref name="takcas">James Takacs, Xun-tian Jiang: The Wacker Reaction and Related Alkene Oxidation Reactions. In: Current Organic Chemistry. 7, 2003, S. 369–396, doi:10.2174/1385272033372851.</ref> </references>

{{#ifeq: s | p | | {{#if: 4313257-1 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: 4313257-1 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: 4313257-1 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung