Zeche Vereinigte Präsident
| Zeche Vereinigte Präsident | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Allgemeine Informationen zum Bergwerk | ||||||
Gedenkplatte im Park an der Hofsteder Straße | ||||||
| Förderung/Jahr | bis ca. 860.000 (1927) t | |||||
| Informationen zum Bergwerksunternehmen | ||||||
| Beschäftigte | ca. 2500 (1929) | |||||
| Betriebsbeginn | 1844 | |||||
| Betriebsende | 1944 | |||||
| Geförderte Rohstoffe | ||||||
| Abbau von | Steinkohle | |||||
| Geographische Lage | ||||||
| Koordinaten | 51° 29′ 11,5″ N, 7° 12′ 1,3″ O
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| Standort | Bochum, Seilfahrt | |||||
| Gemeinde | Bochum | |||||
| Kreisfreie Stadt (NUTS3) | Bochum | |||||
| Land | Land Nordrhein-Westfalen | |||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Revier | Ruhrrevier | |||||
Die Zeche Vereinigte Präsident war ein Steinkohlebergwerk in Bochum. Sie ist nach dem Oberpräsidenten Freiherr Ludwig von Vincke benannt.<ref name="Huske">Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 2005, 3., überarb. und erw. Aufl. Selbstverlag Deutsches Bergbau-Museum, Bochum 2006, ISBN 3-937203-24-9, S. 784–786.</ref> Die Zeche zählte zu den ersten Bergwerken im Ruhrbergbau, die unter die Mergeldecke vordrangen. Bis zu den Eingemeindungen 1904 war Schacht II der Zeche einer von zwei Schächten auf dem alten Gebiet der Stadt Bochum.<ref>Anzeige der verschiedenen Bergwerksschächte auf einer Bochumer Karte, im Flickr-Auftritt der Stadt Bochum</ref>
Geschichte
Der erste Schacht der Zeche Präsident wurde 1840 als Schurfschacht geteuft. 1842 erreichte dieser Schacht bei 44 Meter Teufe das Karbon. 1844 wurde die Förderung in diesem Schacht aufgenommen. Die Zeche gilt als erste Zeche im westfälischen Raumes des Ruhrgebietes mit einem Tiefbauschacht.<ref name=":1">Manfred Hommel: Bochums Stadtmitte – Zentrum und Bühne der Stadt (= Kortum-Gesellschaft Bochum [Hrsg.]: Bochumer Zeitpunkte. Heft 42). Bochum 2021, S. 34 (online [PDF]).</ref> 1852 wurde ein weiterer Schacht als Wetterschacht in Betrieb genommen.<ref name="Huske" /> Sie wurde später, 1858, mit 808 Bergleuten als Belegschaft die größte Zeche im Ruhrrevier.<ref name=":1" />
Der Schacht Wilhelm wurde als zweiter Schacht 1871 geteuft; er lag 800 Meter östlich von Schacht 1 zwischen Hofsteder Straße und Dorstener Straße. Im Lauf der Zeit kamen 1871 noch der Schacht 3 und 1921 der Schacht 4 (beim Schacht 1) hinzu. Zwischen 1847 und 1930 wurde auf der Schachtanlage (Schacht 1) eine Kokerei betrieben.
Die Werkbahn hatte Anschlüsse zu drei Bahngesellschaften, der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME), der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) und der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME).<ref>Gerhard Knospe: Werkeisenbahnen im deutschen Steinkohlenbergbau und seine Dampflokomotiven, Teil 1, Daten, Fakten, Quellen. Selbstverlag, Heiligenhaus 2018, ISBN 978-3-9819784-0-7, S. 670.</ref>
Der Bergarbeiterstreik von 1889, der erste organisierte Massenstreik im Ruhrbergbau, und bis dahin der größte Arbeiterstreik in Deutschland<ref>Dietmar Bleidick: Bergbau. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten. Klartext, Essen 2021, ISBN 978-3-8375-2313-3.</ref>, begann am 24. April auf der Zeche Präsident.
Auf der Zeche kam es mehrfach zu Schlagwetterexplosion mit Toten. 9 Todesopfer waren am 2. Juni 1883 zu beklagen; am 30. Juli 1917 kam es zu 24 Todesopfern. Für die 28 toten Kumpel von der Explosion am 31. August 1936 wurde auf dem Friedhof Hamme ein Ehrenmal errichtet.
Auf der siebten Sohle, in 420 Meter Tiefe, wurde 1924 eine Sandsteinplatte mit der Fährte eines Landwirbeltier gefunden. Das Spurenfossil wurde nach der Zeche als Ichniotherium praesidentis bezeichnet.<ref>Dr. P. Kukuk: Die Tierwelt unserer Steinkohlenmoore. (= Vereinigung für Heimatkunde Bochum [Hrsg.]: Bochumer Heimatbuch. Band 1). Bochum 1925, S. 80–91 (online [PDF] In den Artikel bei S. 93–95 der Bericht über den Fund 1924 und Abbildung der Fährtenplatte).</ref> Es ist die Spur der Tierart, die heute als älteste in Deutschland gefundenen gilt.<ref name=":0">Regionalverband Ruhr: Bochumer Ursaurier. Abgerufen am 22. Juli 2024.</ref> Die Platte wird heute im Deutschen Bergbau-Museum Bochum ausgestellt.
Die höchste Förderung wurde auf der Zeche Präsident im Jahre 1929 erzielt: 2.504 Beschäftigte förderten 864.706 Tonnen Steinkohle.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Gängen des Bergwerks unter dem Codenamen „Maultier“ unterirdische Fabrikationsanlagen des Bochumer Vereins angelegt.
Am 29. September 1943 gab es auf der Schachtanlage 1/4 schwere Zerstörungen durch einen Luftangriff. Daher wurde auf der Zeche 1944 die Förderung eingestellt und nur noch eine geringe Eigenbedarfsförderung für die Wasserhaltung betrieben.<ref name="Huske" /> Präsident gehörte zu den sehr wenigen Zechen im Ruhrgebiet, die wegen Kriegsschäden komplett aufgegeben wurden.<ref>Frank Jochims, Christoph Oboth: Kleine Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet. DGEG Medien GmbH, Hövelhof 2016, ISBN 978-3-937189-93-2, S. 43.</ref> Bis 1966 wurde auf der Zeche im Verbund mit anderen Zechen Wasserhaltung betrieben. Teile des Grubenfeldes wurden an die Zeche Carolinenglück abgetreten. Die Wasserhaltung wurde 1966 aufgegeben und im gleichen Jahr die Schächte 2 und 4 verfüllt, Schacht 3 folgte 1968.<ref name="Huske" />
Ehrenmal für das Schlagwetterunglück 1936 auf Zeche Präsident
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Drei trauernde Bergmänner, 2021
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Ansicht des Ehrenmals, 2021
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Gesamtansicht der Anlage
Für die am 31. August 1936 verunglückten Bergleute der Zeche Präsident wurde auf dem Friedhof Hamme an der Wanner Straße ein durch den Künstler Wilhelm Wulff entworfenes Ehrenmal geschaffen. Dies ist eines der erhaltenen Denkmäler aus der Zeit des Dritten Reichs in Bochum. Die Figuren sind aus Terracotta geformt und mit der Zeit stark beschädigt worden.<ref>Schlagwettermal der Zeche Vereinigte Präsident (1936, Hamme). artibeau : kunst in bochum - umsonst und draußen, abgerufen am 24. März 2021.</ref> Eine außergewöhnliche Darstellung gibt es bei dem mittleren Bergmann, der seine schwere Hacke auf den Füßen abzustellen scheint.
Literatur
- Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier: Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997 Deutsches Bergbau-Museum; 2. Aufl., Bochum 1998, ISBN 978-3-921533-62-8.
Weblinks
- foerdergerueste.de: Zeche Präsident
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hinweis auf die U-Verlagerung Maultier ( vom 11. Januar 2009 im Internet Archive)
- Bilder von der Zeche Präsident, in „Zechen in Bochum“, Flickr-Album der Stadt Bochum, aufgerufen am 23. März 2022
Einzelnachweise
<references />