Axinit
| Axinit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| Chemische Formel | siehe Einzelminerale |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Gruppensilikate (Sorosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/C.04 9.BD.20 56.02.02 (Axinitgruppe) |
| Ähnliche Minerale | Andalusit, Baryt, Rauchquarz, Titanit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1 |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2)<ref name="Ionenradien" /><ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | siehe Kristallstruktur |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="Ionenradien" /><ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {111} {100} {201} {110} |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6 bis 7 |
| Dichte (g/cm3) | siehe Einzelmineral |
| Spaltbarkeit | vollkommen {010} |
| Bruch; Tenazität | muschelig |
| Farbe | gelb, gelb-orange, blassblau, grau, lilabraun, schwarz |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | glasig |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,672 bis 1,693 nβ = 1,677 bis 1,701 nγ 1,681 bis 1,704<ref name="Mindat-Axinit-(Fe)" /><ref name="Mindat-Axinit-(Mg)" /><ref name="Mindat-Axinit-(Mn)" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,009 bis 0,011<ref name="Mindat-Axinit-(Fe)" /><ref name="Mindat-Axinit-(Mg)" /><ref name="Mindat-Axinit-(Mn)" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 69 bis 87° (gemessen); 62 bis 82° (berechnet)<ref name="Mindat-Axinit-(Fe)" /><ref name="Mindat-Axinit-(Mg)" /><ref name="Mindat-Axinit-(Mn)" /> |
| Pleochroismus | stark, olivgrün-rotbraun-gelbbraun |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | bei höheren Mangangehalten rote Fluoreszenz |
Axinit (auch Thumerstein oder Thumit) ist die Sammelbezeichnung für eine Gruppe nicht näher spezifizierter Minerale aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es handelt sich um die Endglieder einer Mischkristallreihe mit folgender Zusammensetzung:
- Axinit-(Fe) (ehemals Ferro-Axinit): Ca2Fe2+Al2B[4][O|OH|(Si2O7)2]<ref name="StrunzNickel" />
- Axinit-(Mg) (Magnesio-Axinit) Ca2MgAl2B[4][O|OH|(Si2O7)2]<ref name="StrunzNickel" />
- Axinit-(Mn) (Manganaxinit) Ca2Mn2+Al2B[4][O|OH|(Si2O7)2]<ref name="StrunzNickel" />
Als Zwischenglied zählt noch Tinzenit mit der Zusammensetzung (Ca,Mn2+)2(Mn2+,Fe2+)Al2B[O|OH|(Si2O7)2]<ref name="Lapis" /> zu dieser Mineralreihe.
Etymologie und Geschichte
Axinit wurde erstmals vom französischen Mineralogen René-Just Haüy 1797 beschrieben, der das Mineral nach seiner oft charakteristischen, axt- bzw. beilähnlichen Kristallform ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref name="Perseus" />) benannte.<ref name="MindatAxinite" />
Klassifikation
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörten die Minerale der Axinitgruppe zur Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“, wo sie zusammen mit Baotit die „Baotit-Axinit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/C.04 und den weiteren Mitgliedern Kainosit, Muirit, Papagoit, Taramellit und Tinzenit bildete.
Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielten die Endglieder der „Axinit-Gruppe“ die System- und Mineral-Nummern VIII/C.08-10 (Axinit-(Mg)), VIII/C.08-20 (Axinit-(Fe)) und VIII/C.08-30 (Axinit-(Mn)). In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Gruppensilikate“ (Stand 2018).<ref name="Lapis" />
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet die Axinitgruppe ebenfalls in die Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatgruppen, so dass die in die Gruppe einsortierten Minerale entsprechend ihrem Aufbau in der Unterabteilung „Si2O7 Gruppen mit zusätzlichen Anionen; Kationen in tetraedrischer [4]er- und/oder anderer Koordination“ zu finden sind. Die Axinitgruppe trägt hier die System-Nr. 9.BD.20.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Axinitgruppe in die Abteilung der „Gruppensilikate“ ein. Hier ist sie mit der System-Nr. 56.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [4] und/oder >[4]-Koordination“ zu finden.
Kristallstruktur
Alle Minerale der Axinit-Gruppe kristallisieren triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2), unterscheiden sich jedoch aufgrund der leicht unterschiedlichen Ionenradien von Eisen (82 pm), Magnesium (91 pm) und Mangan (78 pm)<ref name="Ionenradien" /> in den jeweiligen Gitterparametern:
- Axinit-(Fe): a = 7,16 Å; b = 9,20 Å; c = 8,96 Å; α = 91,8°; β = 98,1° und γ = 77,3°<ref name="StrunzNickel" />
- Axinit-(Mg): a = 7,14 Å; b = 9,16 Å; c = 8,94 Å; α = 91,9°; β = 98,1° und γ = 77,5°<ref name="StrunzNickel" />
- Axinit-(Mn): a = 7,16 Å; b = 9,18 Å; c = 8,96 Å; α = 92,0°; β = 98,3° und γ = 77,3°<ref name="StrunzNickel" />
Die Anzahl der Formeleinheiten pro Elementarzelle beträgt jeweils zwei.
Die Axinit-Struktur kann als Abfolge von Borosilikat-Tetraederschichten und Schichten oktaedrisch koordinierter Kationen (Al, Fe, Ca, Mn, Mg) beschrieben werden.<ref name="CanMin-2006" />
Silicium (Si) und Bor (B) sind tetraedrisch von vier Sauerstoffionen (O) umgeben. Jeweils zwei SiO4-Tetraeder sind über eine gemeinsame Ecke zu einer Si2O7-Gruppe verbunden. Vier solcher Si2O7-Gruppen sind durch zwei BO4-Tetraeder über gemeinsame Ecken zu einem 6er Borosilikatring verknüpft, von dem zwei Si2O7- Gruppen abzweigen. Diese verzweigten Borosilikat-Anionenkomplexe sind schichtförmig parallel zur (1 2 1)-Ebene angeordnet.<ref name="CanMin-2006" />
Aluminium (Al), Eisen (Fe) und Calcium (Ca) sind oktaedrisch von 6 Sauerstoffatomen umgeben. Vier AlO6-Oktaeder sind über gemeinsame Kanten zu einer Kette verbunden, an deren Enden jeweils ein FeO6-Oktaeder sitzt. Diese linearen 6er-Oktaedergruppen sind über stark verzerrte CaO6-Oktaeder zu Schichten verbunden.<ref name="CanMin-2006" />
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Borosilikat-Anionenkomplex des Axinit: grau: SiO4-Tetraeder; orange: BO4-Tetraeder
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Lineare 6er-Oktaedergruppe des Axinit: hellblau: AlO6- Oktaeder; dunkelgrün: FeO6-Oktaeder
Eigenschaften
Manche manganreiche Proben weisen rote Lumineszenz auf.
Bildung und Fundorte
Axinite bilden sich vorwiegend durch hydrothermale Vorgänge und durch Kontaktmetamorphose in alpinen Klüften und kalkhaltigen Gesteinen. Als Begleitminerale treten unter anderem Aktinolith, Albit, Andradit, Calcit, Chlorite, Datolith, Epidot, Hedenbergit, Klinozoisit, Prehnit, Quarz, Tremolit, Turmaline, Vesuvianit und Zoisit auf.
Axinit kommt im Allgemeinen eher selten vor, das heißt, er kann an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Am weitesten verbreitet ist Axinit-(Fe) mit rund 230 bekannten Fundorten<ref name="Mindat-Axinit-(Fe)" />, gefolgt von Axinit-(Mn) mit rund 60<ref name="Mindat-Axinit-(Mn)" /> und Axinit-(Mg) mit etwa 10 bekannten Fundorten<ref name="Mindat-Axinit-(Mg)" /> (Stand: 2012).
In Deutschland traten Axinit-(Fe) und Axinit-(Mn) bisher nur im Harz (Bad Harzburg, Treseburg), wobei der Harz für den Axinit-(Mn) als Typlokalität gilt. Außerdem wurde es früher auch in der Gegend um Thum im sächsischen Erzgebirge gefunden, woher auch der Name Thumerstein oder Thumit rührt.
In Österreich fand sich Axinit-(Fe) an mehreren Orten in Kärnten (Koralpe, Saualpe) und Salzburg (Hohe Tauern, Saalfelden), Axinit-(Mg) dagegen bisher nur bei Schwallenbach in Niederösterreich.
In der Schweiz konnte Axinit-(Fe) unter anderem bei Steinibach (Elm GL, Glarus) sowie an mehreren Orten in den Kantonen Graubünden, Tessin, Uri und Wallis nachgewiesen werden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Peru, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, der Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
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Axinit-(Fe) aus Le Bourg-d’Oisans, Isère, Rhône-Alpes, Frankreich (Größe: 8,7 × 5,7 × 4,0 cm)
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Axinit-(Fe) aus New Melones Dam, Calaveras County, Kalifornien, USA (Größe: 5,3 × 5 × 0,6 cm)
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Axinit-(Mn) aus Dalnegorsk, Region Primorje, Russland (Größe: 4,1 × 4 × 3,8 cm)
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Axinit-(Mn) aus Vitória da Conquista, Bahia, Brasilien (Größe: 5,5 × 2,4 × 0,8 cm)
Verwendung
Axinit ist wegen seiner oft ausgeprägten Kristalle in Axtform vor allem ein Sammlermineral. Bei guter Qualität wird er aber gelegentlich auch zu Schmucksteinen verarbeitet.
Siehe auch
Literatur
- Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1979, ISBN 3-342-00288-3, S. 549–550.
- Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 732–734.
- Chris Pellant: Steine und Minerale. 1. Auflage. Dorling Kindersley Limited, 1992, ISBN 978-3-8310-0892-6, S. 149.
- Rudolf Duda, Lubos Rejl: Mineralienführer - Mineralien Gesteine Edelsteine. Franckh-Kosmos, 2002, ISBN 978-3-440-08471-7, S. 185.
Weblinks
- Mineralienatlas:Axinit
- realgems.org - Axinit (mit Bildbeispielen geschliffener Axinite)
- Mindat - Axinite (englisch)
Einzelnachweise
<references> <ref name="CanMin-2006"> </ref> <ref name="Ionenradien"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Uni Terra, Kindler & Gliech GbR Germany, Berlin - Tabelle der Ionenradien (Auszug) ( vom 7. April 2019 im Internet Archive) </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 26. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="MindatAxinite"> Axinite. In: mindat.org. Abgerufen am 26. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Axinit-(Fe)"> Axinit-(Fe). In: mindat.org. Abgerufen am 26. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Axinit-(Mn)"> Axinit-(Mn). In: mindat.org. Abgerufen am 26. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Axinit-(Mg)"> Axinit-(Mg). In: mindat.org. Abgerufen am 26. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Perseus"> Henry George Liddell, Robert Scott: An Intermediate Greek-English Lexicon. In: perseus.tufts.edu. Abgerufen am 26. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 573–574. </ref> </references>