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Agenturkosten

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Agenturkosten sind in der neuen Institutionenökonomik alle Kosten, die im Rahmen einer Prinzipal-Agent-Beziehung entstehen.

Allgemeines

Die Prinzipal-Agent-Theorie untersucht die Beziehung zwischen Prinzipal und Agent unter der Bedingung ungleich verteilter Informationen und divergierender Ziele unter Berücksichtigung von Unsicherheit und Risikoneigung.<ref>Alfred Kieser/Mark Ebers, Organisationstheorien, 2019, S. 208</ref> Eine Prinzipal-Agent-Beziehung entsteht, wenn zwischen dem Prinzipal (Auftraggeber) und dem Agenten (Auftragnehmer) ein Vertrag geschlossen wird, bei dem der Agent einen Wissensvorsprung besitzt, so dass zwischen beiden eine Informationsasymmetrie besteht, die für den Prinzipal nicht wünschenswert ist. Zudem verfolgen beide Wirtschaftssubjekte unterschiedliche Ziele (Unternehmensziel, persönliches Ziel, Staatsziel). Prinzipal-Agent-Beziehungen sind dadurch definiert, dass ein Wirtschaftssubjekt (der Prinzipal; Unternehmen, Privatpersonen, der Staat) ein anderes (den Agenten) engagiert, damit dieses im Interesse des Prinzipals bestimmte Aufgaben wahrnimmt.<ref>Michael Jensen/William H. Meckling, Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure, in: Journal of Financial Economics, 3 (4), 1976, S. 308</ref>

Agenturkosten entstehen, wenn von einem vollständigen, idealen Vertrag durch einen unvollständigen Vertrag abgewichen wird.<ref>Andreas J. Dietrich, Informationssysteme für Mass Customization, 2007, S. 113</ref> Agenturkosten entstehen dabei sowohl für den Prinzipal als auch beim Agenten, wenn diese (auch nachträglich) den Versuch unternehmen, die Informationsasymmetrie zu ihren Gunsten zu beseitigen.

Arten

Unterschieden werden drei Arten von Agenturkosten:<ref>Michael Jensen/William H. Meckling, Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure, in: Journal of Financial Economics, 3 (4), 1976, S. 308</ref>

Beispiele

Bei der Kreditgewährung durch Kreditinstitute sind diese als Kreditgeber der Prinzipal, der Kreditnehmer ist der Agent.<ref>Eva Terberger, Der Kreditvertrag als Instrument zur Lösung von Anreizproblemen: Fremdfinanzierung als Principal/Agent-Beziehung, 1987, S. 41/45</ref> Zwischen beiden besteht im Regelfall eine Informationsasymmetrie, denn der Kreditnehmer könnte (negative) Informationen zurückhalten, die seinem Gläubiger für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit (Kreditrisiko) von Bedeutung sein könnten. Sie werden zurückgehalten, um eine Ablehnung des Kreditantrags zu verhindern. Im Kreditvertrag versuchen die Institute eine Disziplinierung ihrer Schuldner etwa durch Eigenkapitalbeitrag des Kreditnehmers, eine höhere Marge in den Kreditzinsen, Covenants (wie die Bestellung von Kreditsicherheiten), Verbesserung der Informationslage (jährliche Einreichung von Bilanzen, Steuerbescheiden usw.) oder Kreditkündigung (bei unrichtigen Angaben im Kreditantrag oder wesentlicher Verschlechterung der Vermögensverhältnisse). Zur Verminderung der Informationsasymmetrie schreibt {{#switch: juris

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Im Versicherungswesen gibt es vergleichbare Informationsasymmetrien. Versicherungsunternehmen verlangen gemäß {{#switch: juris

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Kreditinstitute und Versicherer müssen zwischen der vorvertraglichen und der nachvertraglichen Asymmetrie unterscheiden. Eine Rolle spielen sowohl objektive Aspekte des Kredit- und Versicherungsvertrages ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) als auch das für die Vertragsdurchführung maßgebliche subjektive Verhalten der Kredit- und Versicherungsnehmer ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}). In der Fachliteratur wird der erste Fall gewöhnlich über die adverse Selektion, letzterer als Moral Hazard behandelt.<ref>Martin Hellwig, Versicherungsmärkte mit unvollständiger Information, in: Dieter Farny u. a. (Hrsg.), Handwörterbuch der Versicherung HdV, 1988, S. 1065</ref>

Agenturkosten sind in diesen Fällen insbesondere die Informationskosten der Informationsbeschaffung, wenn Banken und Versicherungen sich Auskünfte von Dritten (Auskunfteien, Ratingagenturen) besorgen.

Wirtschaftliche Aspekte

Agenturkosten dienen vor allem dazu, die Effizienz der Vertragspartner und Vertragsgestaltung zu bestimmen.<ref>Alfred Kieser/Mark Ebers, Organisationstheorien, 2019, S. 256</ref> Durch eine optimale Vertragsgestaltung können Agenturkosten minimiert werden, im Idealfall sind sie beim Pareto-Optimum gleich Null.<ref>Nicole J. Saam, Prinzipale, Agenten und Macht, 2002, S. 23</ref> Das Pareto-Optimum ist erreicht, wenn der Nutzen der einen Vertragspartei nicht mehr erhöht werden kann, ohne dass sich der Nutzen der anderen Vertragspartei vermindert.<ref>Eva Terberger, Der Kreditvertrag als Instrument zur Lösung von Anreizproblemen: Fremdfinanzierung als Principal/Agent-Beziehung, 1987, S. 41</ref> Dies ist jedoch lediglich bei vollständiger Information möglich, bei der aber keine Prinzipal-Agent-Beziehung besteht.<ref>Steven A Ross, The Economic Theory of Agency: The Principal's Problem, in: American Economic Review 63 (2), 1973, S. 138</ref> Anreizsysteme beteiligen den Agenten am Ertrag, sind jedoch mit Agenturkosten verbunden, so dass ein Trade-off zwischen den Agenturkosten und dem Produktivitätszuwachs durch verbesserte Anreizwirkung zu berücksichtigen ist.<ref>Nicole J. Saam, Prinzipale, Agenten und Macht, 2002, S. 31</ref>

Die Informationsökonomik hebt eine der zentralen Hypothesen der allgemeinen Gleichgewichtstheorie auf – die Annahme der symmetrisch zwischen den Marktteilnehmern verteilten Information – und ersetzt sie durch eine asymmetrische Informationsverteilung.<ref>Eva Terberger, Der Kreditvertrag als Instrument zur Lösung von Anreizproblemen, 1987, S. 7</ref> Ein Moral Hazard entsteht aus dem Anreiz jeder Vertragspartei, im Eigeninteresse zu handeln und unter Umständen gegen die Interessen der anderen Partei zu verstoßen.<ref>Kenneth J. Arrow, Uncertainty and the Welfare Economics of Medical Care, in: American Economic Review 53, 1963, S. 941–973</ref> Adverse Selektion behandelt die Verdrängung vorteilhafter Geschäfte vom Markt, wenn heterogene Güter mit durchschnittlichen Marktpreisen bei asymmetrischer Informationsverteilung angeboten werden.<ref>George A. Akerlof, The Market for Lemons: Quality Uncertainty and the Market Mechanism, in: Quarterly Journal of Economics 84, 1970, S. 488–500</ref>

Literatur

  • Joachim Paul: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Gabler, 1. Auflage, 2006, ISBN 3-8349-0336-1, Seite 54/55 (darin weitere Referenzen, u. a. Arnold Picot / Helmut Dietl / Egon Franck)

Einzelnachweise

<references />

fr:Théorie de l'agence