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Benzaldehyd

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Vorlage:Infobox Chemikalie Benzaldehyd [[[:Vorlage:IPA]]] ist eine organische Verbindung und der einfachste aromatische Aldehyd. Benzaldehyd bildet eine farblose bis gelbliche, bittermandelartig riechende, brennend aromatisch schmeckende Flüssigkeit.

Benzaldehyd ist die Hauptkomponente in Bittermandelöl und kommt in zahlreichen Pflanzen und vielen ätherischen Ölen vor.<ref name="Ullmann" /> Er leitet sich vom Benzol ab und ist chemisch und strukturell eng mit der Benzoesäure verwandt, die aus ihm durch Oxidation gewonnen werden kann. Er ist eine wichtige Grundchemikalie.

Vorkommen

Datei:Almonds - in shell, shell cracked open, shelled, blanched.jpg
Mandeln enthalten besonders viel Benzaldehyd

Benzaldehyd ist ein natürlicher Bestandteil vieler ätherischer Öle und kommt in großen Mengen in den Ölen von Schwarznuss (bis 28 000 ppm),<ref name="Dr.Dukes 50168" /> Perilla (bis 16 000 ppm),<ref name="Dr.Dukes 50168" /> Rooibos (bis 15 900 ppm),<ref name="Dr.Dukes 50168" /> Gewöhnlicher Rosskastanie (bis 11 000 ppm),<ref name="Dr.Dukes 50168" /> und Ceylon-Zimtbaum-Blätter (bis 7 000 ppm)<ref name="Dr.Dukes 50168" /> vor. Mandeln enthalten bis zu 8 200 ppm Benzaldehyd.<ref name="Dr.Dukes 50168" /> Daneben kann Benzaldehyd unter anderem in Tee, Guave, Mais, Basilikum, Lorbeerkirschen, Aniba rosaeodora, Papaya, Kalifornischem Lorbeer, Eukalyptus-Arten (Eucalyptus saligna, Eucalyptus punctata), Anis-Duftnessel, Meerträubel (Ephedra sinica), Wiesenklee, Sauerkirschen und Gartenhyazinthen nachgewiesen werden.<ref name="Dr.Dukes 50168" />

Darstellung

Ein industrielles Verfahren zur Herstellung von Benzaldehyd ist die radikalische Chlorierung von Toluol, wodurch man Benzalchlorid (Dichlormethylbenzol) erhält, das mit Wasser zu Benzaldehyd (und HCl) umgesetzt werden kann.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Entsprechend erhält man Benzaldehyd auch durch radikalische Bromierung von Toluol und anschließende Hydrolyse. In beiden Fällen tritt beim letzten Reaktionsschritt eine nukleophile Substitution von Halogenid auf. Eine andere Synthese aus Benzalhalogeniden ist die Sommelet-Synthese.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Auch eine ‚direkte‘ Oxidation von Toluol zu Benzaldehyd ist möglich. Da Benzaldehyd aber leicht zu Benzoesäure oxidiert wird, müssen dabei entweder selektive Oxidationsmittel verwendet werden oder es muss der entstehende Benzaldehyd mit einer schnellen Reaktion ‚abgefangen‘ und so vor weiterer Oxidation geschützt werden.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Ebenfalls möglich ist die Produktion durch Oxidation von Benzylalkohol mit Salpetersäure oder anderen Katalysatoren, durch Rosenmund-Reduktion, durch eine Gattermann-Koch-Reaktion und weitere Verfahren.<ref name="Arun Bahl">Vorlage:Literatur</ref>

Benzaldehyd kann ebenfalls durch Reduktion von N,N-Dimethylbenzamid oder Benzoylbromid<ref>Vorlage:Literatur</ref> oder durch Reaktion von Benzol mit Natriumcyanid gewonnen werden.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Eigenschaften

Benzaldehyd ist im Reinzustand eine farblose bis gelbliche, stark lichtbrechende, bittermandelartig riechende, brennend aromatisch schmeckende Flüssigkeit.<ref name="TMI" /> In großer Verdünnung, hierbei vor allem mit Ethanol, tritt in zunehmendem Maße eine Wildkirschnote zum Aroma hinzu. Benzaldehyd gehört auch zu den Aromen im Wein. Mit einem Geruchsschwellenwert von 3 Milligramm/l in Weißwein ist es eine wichtige Komponente des Wein-Bouquets.<ref>Rainer Amann: Wie kommt eigentlich die schwarze Johannisbeere in die Scheurebe? (PDF; 2,1 MB) In: Der Badische Winzer. Oktober 2002.</ref> Benzaldehyd besitzt einen Flammpunkt von 64 °C und eine Zündtemperatur von 190 °C.<ref name="GESTIS" /> Das Aroma von Marzipan ergibt sich zum größten Teil aus Aromen der verwendeten Mandeln bzw. deren Röstaromen. Ein wichtiger Bestandteil des Aromas ist Benzaldehyd.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Reaktionen

Benzaldehyd geht eine Reihe von Reaktionen ein. Es wird leicht zu Benzoesäure C6H5–COOH oxidiert. Diese Reaktion erfolgt – wenn auch sehr langsam – auch bei Raumtemperatur und mit Luftsauerstoff (Autoxidation), so dass Benzaldehyd oft mit Benzoesäure verunreinigt ist (bei größeren Mengen als weißer Feststoff im flüssigen Aldehyd).<ref>Vorlage:Literatur</ref> Als Zwischenstufe wird hierbei Peroxybenzoesäure gebildet.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Daneben reagiert es mit Phosphorpentoxid zu Benzalchlorid, mit Ammoniak zu Hydrobenzamid, mit Hydroxylamin zu einem Oxim, mit Phenylhydrazin zu einem Phenylhydrazon und weitere Reaktionen.<ref name="Arun Bahl" />

Verwendung

Benzaldehyd wird als Aromastoff für eine Bittermandelnote verwendet und ist Ausgangsstoff zur Herstellung einer Reihe anderer aromatischer Geruchs- und Geschmacksstoffe.<ref name="Ullmann" />

Sicherheitshinweise

Toxikologie

Benzaldehyd ist gesundheitsschädlich bei Verschlucken oder Einatmen. Zudem wirkt er reizend auf Haut, Augen und Atemwege, er kann Kontaktdermatitis auslösen. Außerdem kann er das Kind im Mutterleib schädigen und ist wassergefährdend. In hohen Konzentrationen wirkt er narkotisch.<ref name="GESTIS" /><ref name="TMI" />

Gefahrenbewertung

Benzaldehyd wurde 2016 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Benzaldehyd waren die Besorgnisse bezüglich Verbraucherverwendung, Exposition von Arbeitnehmern und weit verbreiteter Verwendung sowie der möglichen Gefahr durch mutagene Eigenschaften. Die Neubewertung soll ab 2020 von Frankreich durchgeführt werden.<ref>Vorlage:CoRAP-Status</ref>

Einzelnachweise

<references> <ref name="Dr.Dukes 50168">Vorlage:DrDukesDB</ref> <ref name="Ullmann">Vorlage:Literatur</ref> </references>

Vorlage:Normdaten