Bundesnachrichtendienst
| Bundesnachrichtendienst — BND — | |
|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="padding: 1em 0; text-align: center; background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#202122;" | Logo des BND | |
| Staatliche Ebene | Bund |
| Stellung | Bundesoberbehörde |
| Geschäftsbereich | Bundeskanzleramt |
| Gründung | 1. April 1956 |
| Vorgänger | Organisation Gehlen |
| Hauptsitz | Berlin |
| Präsident | Martin Jäger |
| Vizepräsidenten | Vizepräsidentin für zentrale Aufgaben und Vertreterin des Präsidenten Gabriele Monschau Vizepräsident Ole Diehl Vizepräsident und Dienstältester Offizier GenMaj Dag Baehr |
| Bedienstete | Stellen: 7600 davon besetzt: rund 6500 |
| Haushaltsvolumen | 988,5 Mio. Euro (Ist 2024) |
| Netzauftritt | www.bnd.bund.de |
Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist der deutsche Auslandsnachrichtendienst. Er hat den Auftrag, Informationen von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung zu sammeln und auszuwerten, ist zugleich ziviler, militärischer und technischer Auslandsnachrichtendienst, beschäftigt rund 6500 Mitarbeiter, hat ein Budget von etwa einer Milliarde Euro und ist als Bundesoberbehörde dem Bundeskanzleramt unmittelbar nachgeordnet. Gegründet wurde er am 1. April 1956 als Nachfolger der Organisation Gehlen und hat seinen Sitz in Berlin (bis Anfang 2019: Pullach). Neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) ist er einer der drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes und unterliegt deren Kontrolle. Aufgaben und Befugnisse des BND sind im BND-Gesetz (BNDG) geregelt. Seit September 2025 ist Martin Jäger der 13. BND-Präsident.
Aufgaben und Tätigkeit
Der BND sammelt zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind, die erforderlichen Informationen und wertet sie aus.<ref name="§1 BNDG">§ 1 BND-Gesetz</ref> Der gesetzliche Auftrag wird durch das Auftragsprofil der Bundesregierung (APB) konkretisiert. Es gliedert sich in Themen sowie Staaten und gibt so die Aufklärungsschwerpunkte für den BND vor.<ref></ref> Als einziger das Ausland aufklärender Militärnachrichtendienst Deutschlands ist er zuständig für die militärische Aufklärung fremder Staaten; der MAD hat hingegen für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung und dessen Angehörige abwehrende Aufgaben, wie der Verfassungsschutz im zivilen Bereich. Der BND sichert sich selbst und führt Spionageabwehr durch, sofern sich die Spionage gegen ihn richtet.
Beschaffung
Der BND beschafft Informationen aus unterschiedlichen Aufkommensarten. Neben den klassischen Aufkommensarten menschlicher Quellen (HUMINT), Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (technische Aufklärung; SIGINT), Abbildende Aufklärung (IMINT) und offene Informationsgewinnung (OSINT) werden auch Informationen durch Computer Network Exploitation (CNE) aus Geodaten (Geospatial Intelligence) sowie aus sozialen Medien (Social Media Intelligence, SOCMINT) gewonnen.<ref name="informationsgewinnung">Informationsgewinnung. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 15. Februar 2026.</ref>
Menschliche Quellen (HUMINT)
Der BND wirbt menschliche Quellen an und führt diese mit sogenannten Operateuren oder Verbindungsführern.<ref name="informationsgewinnung" /> Er nutzt weder Romeo-Agenten, noch erpresst er Quellen mit Kompromaten.<ref></ref>
Technische Aufklärung (SIGINT)
Der BND sammelt Informationen durch technische Aufklärung, insbesondere durch (strategische) Fernmeldeaufklärung (SIGINT). Dabei werden Erkenntnisse über das Ausland unter anderem durch Filterung der internationalen Kommunikationsströme gewonnen. Sofern ein Kommunikationsteilnehmer im Inland ist, spricht man von strategischer Fernmeldeaufklärung, die sich nach Artikel 10-Gesetz richtet und mit der sich die G 10-Kommission befasst.<ref>Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783848767236 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref> Die Aufgabe der technischen Aufklärung lag bis 2022 bei der Abteilung Technische Aufklärung (TA; ehemals Abteilung 2).<ref name="mopo20181129">Neue BND-Zentrale: So verlief der geheime Umzug. In: morgenpost.de. 29. November 2018, abgerufen am 1. Dezember 2018 (Hinter einer Paywall).</ref><ref>Stenografisches Protokoll der 50. Sitzung – Endgültige Fassung –. (PDF) In: dipbt.bundestag.de. 18. Deutscher Bundestag: 1. Untersuchungsausschuss nach Artikel 44 des Grundgesetzes, 21. Mai 2015, abgerufen am 28. Januar 2021.</ref> 2022 kam die Technische Aufklärung bei der Überwachung der Kommunikation auf mehr als 150.000 Erfassungen pro Tag, aus denen über 250 Meldungen herausgearbeitet wurden. Zum täglichen nachrichtendienstlichen Aufkommen trug diese Abteilung etwa die Hälfte bei.<ref>Mutmaßlicher russischer Spion hatte Zugang zu weltweiten Abhörergebnissen. In: welt.de. 23. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref> Etwa 1500 Mitarbeiter arbeiteten 2013 in diesem Bereich.<ref>Hans Leyendecker und Frederik Obermaier: So arbeitet der BND. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Juni 2013, abgerufen am 9. Oktober 2022.</ref>
2020 führte der BND drei Einzelmaßnahmen zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses nach § 3 G 10 durch, die ausschließlich den Bereich des Islamistischen Terrorismus betrafen. Für die strategische Fernmeldeaufklärung, die unter § 5 G 10 fällt, waren im Gefahrenbereich Internationaler Terrorismus 2020 im Jahresdurchschnitt 306 Suchbegriffe angeordnet, im Gefahrenbereich Proliferation und konventionelle Rüstung 273 und im Gefahrenbereich Illegale Schleusung 318. Aufgrund dessen wurden 360 Telekommunikationsverkehre erfasst, von denen sich 39 als nachrichtendienstlich relevant erwiesen. 2020 wurde wegen Gefahr für Leib oder Leben einer Person im Ausland gemäß § 8 G 10 nur ein Vorgang durchgeführt. In der Regel geht es in solchen Fällen um das Freikommen von entführten deutschen Staatsangehörigen im Ausland.<ref>Bundestagsdrucksache 20/4076 – Unterrichtung durch das Parlamentarische Kontrollgremium – Bericht gemäß § 14 Absatz 1 Satz 2 des Gesetzes zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10-Gesetz – G 10) über die Durchführung sowie Art und Umfang der Maßnahmennach den §§ 3, 5, 7a und 8 G 10. (PDF) In: dip.bundestag.de. Deutscher Bundestag, 14. Dezember 2022, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref>
Computer Network Exploitation (CNE)
Der BND beschafft Informationen durch Zugang zu Computer-Netzwerken im Ausland mittels Computer Network Exploitation (CNE) durch Hacking.<ref>License to hack. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 15. Februar 2026.</ref>
Abbildende Aufklärung (IMINT)
Der BND wertet Satellitenbilder und Luftbildfotografien aus. Das in der Entwicklung befindliche Satellitensystem GEORG (Global Electro Optical Reconnaissance System Germany) soll dem BND die weltweite elektro-optische Aufklärung durch zwei Aufklärungssatelliten ermöglichen, die vom Unternehmen OHB in Bremen gebaut werden.<ref>Diese Laserwaffe offenbart die Angst vor dem Weltraum-Krieg. In: welt.de. 26. Juli 2019, abgerufen am 14. Juli 2021.</ref> Das Projekt hat ein Finanzvolumen von 400 Millionen Euro. Es ist spätestens seit November 2016 öffentlich bekannt. Vor dem GEORG-Projekt gab es Pläne, dass sich der BND am Erdbeobachtungssatelliten HiROS (High Resolution Optical System) beteiligt, bei dem der Dienst 30 Prozent der Kapazitäten hätte nutzen dürfen.<ref>BND bekommt eigene Spionage-Satelliten. In: sueddeutsche.de. 10. November 2016, abgerufen am 14. Juli 2021.</ref> Der Start der GEORG-Aufklärungssatelliten ins Weltall war für 2022 geplant.<ref>Wer bringt „Georg“ ins All? In: stuttgarter-zeitung.de. 28. September 2018, abgerufen am 14. Juli 2021.</ref> Dieser wurde jedoch insgesamt drei Mal verschoben und verzögerte sich um mehrere Jahre. Inzwischen wird mit einem Start 2026 geplant.<ref>Manuel Bewarder, Florian Flade: BND tappt im Weltall weiter im Dunkeln. Tagesschau (ARD), 13. Januar 2026, abgerufen am 12. Februar 2026.</ref><ref>Lars Hoffmann: Start von BND-Aufklärungssatelliten verzögert sich – Folgeprojekt von GEORG bereits beauftragt. In: Hartpunkt. 13. Januar 2026, abgerufen am 12. Februar 2026.</ref>
Offene Informationsgewinnung (OSINT)
Zur Erfüllung seiner Aufgaben sammelt der BND auch Informationen aus offenen Quellen (Open Source Intelligence (OSINT)) wie Internet, Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen, Fachzeitschriften und Datenbanken.<ref name="informationsgewinnung" />
Auswertung
Die gewonnenen Informationen werden im BND ausgewertet, um Lagebilder und Berichte zu erstellen, die für die Lagebeurteilung und Entscheidungen der Bundesregierung von Bedeutung sind. Zu den Informationen, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung sind und daher vom BND gesammelt und ausgewertet werden, gehören auch solche über den internationalen Terrorismus, transnationale Organisierte Kriminalität, insbesondere auf den Gebieten Waffen- und Technologietransfers (Proliferation), Geldwäsche, Menschenhandel und Drogenschmuggel, sowie transnationaler Extremismus.
Berichterstattung
Der BND unterrichtet das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien, die Abnehmer, im Rahmen ihrer Zuständigkeit über gewonnene Erkenntnisse.<ref>§ 65 BND-Gesetz</ref> Diese Erkenntnisse erstrecken sich auf viele Themenbereiche: Politik, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft und Technik. Die meisten Berührungspunkte bestehen mit dem Bundeskanzleramt, dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium der Verteidigung, dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für Wirtschaft und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der BND führt zudem die zentrale Lagebearbeitung für die Bundeswehr durch und unterstützt die Auslandseinsätze der Bundeswehr mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen. In Hintergrundgesprächen informieren Mitarbeiter des BND die Mitglieder des Deutschen Bundestags und nehmen an Sitzungen von Bundestagsausschüssen teil. Der BND erstellt rund 400 Berichte pro Monat und beantwortet etwa 750 Anfragen der Bundesregierung. Außerdem treffen sich Angehörige des BND mehr als 150 Mal pro Monat zu Briefings mit ihren Abnehmern, zum Beispiel aus Bundesministerien.<ref>Was bei uns zählt – Unser Produkt: Informationen. In: bnd.bund.de. Bundesnachrichtendienst, abgerufen am 14. August 2024.</ref> Zur Beschreibung analytischer Wahrscheinlichkeiten dient im BND folgende Terminologie: nahezu ausgeschlossen (1–5 %), unwahrscheinlich (5–20 %), eher unwahrscheinlich (20–50 %), eher wahrscheinlich (50–80 %), wahrscheinlich (80–95 %), nahezu sicher (95–99 %).<ref></ref> Hintergrundgespräche finden auch mit Medienvertretern statt.<ref>Beschluss BVerwG 10 VR 1.25. In: bverwg.de. 18. März 2025, abgerufen am 15. Februar 2026.</ref>
Nationale und internationale Zusammenarbeit
Zusammenarbeit im Inland
Der BND arbeitet im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben, Befugnisse und Übermittlungsvorschriften mit anderen deutschen Behörden zusammen, darunter Strafverfolgungsbehörden wie das Bundeskriminalamt und der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof. Der BND ist am Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ), am Gemeinsamen Internetzentrum (GIZ) am Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ), am Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrum illegale Migration (GASIM) und am Nationalen Cyber-Abwehrzentrum beteiligt.
Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten
Der BND unterhält Kontakt zu 451 Nachrichtendiensten in 167 Staaten.<ref>Cyberkrieg, Terror, Spionage – Martin erklärt, wie der BND Deutschland schützt (40:15). In: Nxtgen Podcast. Youtube, 13. November 2025, abgerufen am 13. November 2025.</ref> Hinzu kommen enge Verbindungen zu Institutionen der Europäischen Union und der NATO.<ref>Kooperationen: Global vertreten. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 10. Januar 2023.</ref> Ein Instrument der Kooperation sind die weltweiten Residenturen;<ref>Für den Dienst im Ausland. In: bnd.bnd.de. Abgerufen am 10. Januar 2023.</ref> rund 80 im Jahr 2022.<ref name="Unsichtbaren303"></ref>
Nach der Third Party Rule sind Informationen von ausländischen Nachrichtendiensten und über die Zusammenarbeit mit diesem der parlamentarischen Kontrolle grundsätzlich entzogen.<ref>BVerfG, Urteil des Ersten Senats, 1 BvR 2835/17 – Rn. 292 ff. In: bverfg.de. 19. Mai 2020, abgerufen am 10. Januar 2023.</ref> Als weitere allgemein anerkannte Verhaltensregel unter den Nachrichtendiensten gilt das Prinzip Do ut des: Um Informationen zu erhalten, müssen auch eigene geteilt werden.<ref></ref> Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsmäßigkeit der Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten anerkannt.<ref>BVerfG, Urteil des Ersten Senats, 1 BvR 2835/17 – Rn. 246 ff. In: bverfg.de. 19. Mai 2020, abgerufen am 10. Januar 2023.</ref>
Unter anderem die National Security Agency arbeitet im Bereich der Fernmeldeaufklärung mit dem BND zusammen.<ref>Interview mit Edward Snowden: NSA liefert BND Werkzeuge für Lauschangriff. In: spiegel.de. 7. Juli 2013, abgerufen am 23. November 2024.</ref>
Im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 teilt der BND nachrichtendienstliche Informationen mit der Ukraine, die jedoch für die unmittelbare Zielplanung nicht geeignet sind.<ref></ref> Das Kanzleramt erhielt vom BND Szenarien geliefert, wie sich Putin an Deutschland im Falle eines Alleingangs bei Panzerlieferungen rächen könnte, so z. B. Cyberattacken, Sabotageakte oder gar Nuklearangriffe.<ref></ref>
Der Verratsfall Carsten L. Ende 2022 barg nach Ansicht von Experten die Gefahr, die Zusammenarbeit des BND mit westlichen Partnerdiensten zu beeinträchtigen.<ref>Zugang zu sensiblen Informationen: Mutmaßlicher Russen-Spion beim BND arbeitete als Top-Analytiker. In: Focus Online. 23. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref><ref>Mutmaßlicher russischer Spion hatte Zugang zu weltweiten Abhörergebnissen. In: Welt Online. 23. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref> Carsten L. soll auf deren Informationen Zugriff gehabt und könnte diese möglicherweise in Teilen an Russland verraten haben.<ref>Manuel Bewarder, Florian Flade: Mutmaßlicher Spion: Die Maulwurfjagd im BND. Tagesschau (ARD), 28. Dezember 2022, abgerufen am 13. Januar 2023.</ref><ref>Georg Mascolo: Der BND und seine Affären:Wozu ist der deutsche Geheimdienst da? In: sueddeutsche.de. 20. Januar 2023, abgerufen am 12. Januar 2023.</ref> Zeitweise sollen etwa die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich weniger Informationen mit dem BND geteilt haben.<ref></ref>
Der BND verfügt über ein eigenes Dienstflugzeug, seit 2022 eine Dassault Falcon 8X mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-AAND und zugelassen auf Zeman Nextgen.<ref>Florian Flade: Das neue BND-Dienstflugzeug. In: ojihad.wordpress.com. 15. Juni 2022, abgerufen am 22. November 2024.</ref>
Öffentlichkeitsarbeit
Im November 2019 eröffnete der BND im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit das BND-Besucherzentrum in der Südbebauung seiner Zentrale<ref>FUNKE Mediengruppe: Exponate aus 60 Jahren BND: Besucherzentrum eröffnet. 5. November 2019, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref> (Eingang: Chausseestraße 99A) mit einem Ausstellungsraum und einem Veranstaltungsraum. Ein Besuch war zunächst nur für angemeldete Gruppen möglich. Eine Erweiterung wurde im Juli 2024 eröffnet. Seitdem ist das Besucherzentrum auch für Spontanbesucher zugänglich.<ref>Stella Tringali,dpa: BND eröffnet Erweiterung des Besucherzentrums in Berlin: „Zu viel Zurückhaltung macht unsichtbar“. 19. Juli 2024, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref>
2024 führte der BND eine eigene Wort-Bild-Marke ein, die vom Corporate Design der Bundesregierung abweicht.<ref>n-tv: So wollen BND-Spione ihr Image aufpolieren vom 15. März 2024.</ref><ref>Süddeutsche Zeitung: BND: Neues Image zum Geburtstag: Geheim, aber sexy.</ref> Der BND trug sich diese 2024 als Marken beim Deutschen Patent- und Markenamt ein; eine Bildmarke mit Adlerlogo<ref>Auskunft zu einer Unionsmarke – Nummer der Marke: 018978148. In: register.dpma.de. 24. Januar 2024, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref> und die Wortmarke BND.<ref>Auskunft zu einer Unionsmarke – Nummer der Marke: 018978040. In: register.dpma.de. 24. Januar 2024, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref>
Seit Juni 2025 gibt es einen Onlineshop, bei dem zunächst etwa 20 BND-Werbeartikel erworben werden können. Der Onlinehandel wird privat unter Lizenz des BND betrieben. Einzelne Artikel können auch im BND-Besucherzentrum in einem Verkaufsautomaten erworben werden.<ref>BND eröffnet Agenten-Shop. In: bild.de. 23. Juni 2025, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref><ref>BND eröffnet Fanshop für Werbeartikel: Mit Tennissocken neue Mitarbeiter gewinnen. In: tagesspiegel.de. 23. Juni 2025, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref> In den 2000er Jahren gab es bereits einen internen Shop,<ref>Der Spiegel: Die Schlüpfer der Agenten vom 28. November 2002.</ref> in dem der BND unter anderem Herren-Slips mit den Aufdrucken NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH, AMTLICH GEHEIMGEHALTEN und VERSCHLUSSSACHE vertrieb, deren Design markenrechtlich geschützt waren.<ref>Registerauskunft – Designnummer: 40301535-0001. In: register.dpma.de. 24. Januar 2024, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref><ref>Registerauskunft – Designnummer: 40301535-0002. In: register.dpma.de. 24. Januar 2024, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref><ref>Registerauskunft – Designnummer: 40301535-0003. In: register.dpma.de. 24. Januar 2024, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref>
Im Jahr 2002 gab der BND unter dem Motto Speisen, Spannung und Spione ein internationales Kochbuch mit dem Titel Top(f) Secret: Die „Geheimrezepte“ des Bundesnachrichtendienstes heraus, das neben Rezepten auch landeskundliche Informationen und, laut Verlagsmitteilung, „amüsante Geschichten mit geheimdienstlichem Hintergrund“ enthält.<ref>Bundesnachrichtendienst: Top(f) Secret: Die Geheimrezepte des Bundesnachrichtendienstes. 1. Auflage. Varus, 2002, ISBN 3-928475-60-6.</ref>
Der BND ist, neben speziellen Angeboten für Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten, auf LinkedIn,<ref>LinkedIn Bundesnachrichtendienst</ref> YouTube,<ref>YouTube Bundesnachrichtendienst</ref> Instagram<ref>Instagram @bndpublic</ref> und Mastodon<ref>Mastodon @bnd</ref> vertreten.
Sonstiges
Im Forschungs- und Innovationsbereich, dem Forum innovative Technologien (FIT), betreibt der BND Forschung und Entwicklung unter anderem in den Bereichen Quantentechnologie, Big Data, Künstliche Intelligenz und Sensorik.<ref>Was bedeutet…FIT? In: bndkarriere auf Instagram. 3. Oktober 2022, abgerufen am 5. Oktober 2022.</ref> Ein Beauftragter des BND für besondere Krisenlagen koordiniert das Krisenmanagement, zum Beispiel bei einer Gefährdung deutscher Staatsangehöriger im Ausland. Der BND unterstützt seine Mitarbeiter, die Dienst in Ländern mit krisenhafter Entwicklung leisten, unter anderem durch psychologische Beratung.
Befugnisse und rechtliche Sonderregelungen
Der BND ist ein Nachrichtendienst, weil er Informationen sammelt und auswertet. Im Gegensatz zu einem Geheimdienst ist er nicht befugt, aktive Maßnahmen wie politische Einflussnahme, Sabotage oder Attentate durchzuführen. In Anwendung des Trennungsgebots zwischen Polizei und Nachrichtendiensten hat er keine polizeilichen Exekutivbefugnisse wie Festnahme oder Beschlagnahme (§ 2 Abs. 3 BNDG).
Der BND darf zur Erfüllung seiner Aufgaben nachrichtendienstliche Mittel anwenden wie die Anwerbung und Führung von nachrichtendienstlichen Verbindungen, die technische Aufklärung (Fernmelde- und Elektronische Aufklärung), Observationen, Legenden und Tarnkennzeichen. Er darf sich der Befugnisse nach § 8 Abs. 2 und § 9 des Bundesverfassungsschutzgesetzes bedienen und in informationstechnische Systeme von Ausländern im Ausland eingreifen (§ 34 BNDG), sogenannte Computer Network Exploitation. Allein der BND ist in Deutschland befugt, strategische Fernmeldeaufklärung durchzuführen,<ref>BT-Drs. 17/9640, S. 2</ref> also die verdachtsunabhängige und nicht auf konkrete Personen bezogene Überwachung von Fernmeldeverkehren zur Aufklärung von Gefahrenbereichen.
Werden im Geltungsbereich des BND-Gesetzes Informationen einschließlich personenbezogener Daten erhoben, so richtet sich ihre Verarbeitung nach den datenschutzrechtlichen Vorgaben des BND-Gesetzes.<ref name="§1 BNDG" /> Der BND darf die erforderlichen Informationen einschließlich personenbezogener Daten zum Eigenschutz, zur Sicherheitsüberprüfung seiner Mitarbeiter, zur Überprüfung der Nachrichtenzugänge sowie über Vorgänge im Ausland verarbeiten.<ref>§ 2 BND-Gesetz</ref>
Aus Sicherheitsgründen gelten für den BND einige gesetzliche Sonderregelungen. Für die Personalvertretung im BND sind diese in § 112 BPersVG geregelt, für die Gleichstellung von Männern und Frauen und die Gleichstellungsbeauftragte in § 37 Bundesgleichstellungsgesetz, § 26 Gleichstellungsbeauftragtenwahlverordnung sowie § 9 Gleichstellungsstatistikverordnung und für die Teilhabe von Beschäftigten mit Behinderung in § 240 Sozialgesetzbuch. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet im ersten und letzten Rechtszug über Klagen, denen Vorgänge im Geschäftsbereich des BND zugrunde liegen (§ 50 Abs. 1 Nr. 4 VwGO). Analog entscheidet das Bundessozialgericht über Klagen von Personen, die als Soldaten dem BND angehören oder angehört haben, und von ihren Hinterbliebenen im ersten und letzten Rechtszug (§ 88 Abs. 6 S. 2 SVG). Für die Anbietung und Abgabe von Unterlagen an das Bundesarchiv gelten Ausnahmen nach § 6 Bundesarchivgesetz.
Organisation
Der Bundesnachrichtendienst ist die einzige dem Bundeskanzleramt nachgeordnete Bundesoberbehörde.<ref name="§1 BNDG" />
Struktur
Der BND gliedert sich mindestens seit Anfang 2023 in sechs Bereiche, die einer funktionalen Logik folgen:<ref name="BND Organisationsstruktur" />
- Auswertung (Bereichsleiter: Andreas Fahrner)<ref>Dr. Andreas Fahrner (Bundesnachrichtendienst). In: wehrhafte-demokratie.info. Abgerufen am 1. Mai 2025.</ref>
- Beschaffung (Bereichsleiter: Brigadegeneral Joachim Smola)
- Nachrichtendienstliche Fähigkeiten
- IT-Unterstützung
- Zentrale Unterstützungsaufgaben
- Innovative Technologien, Forschung und Ausbildung
Unterhalb der Bereiche gibt es mehr als 30 Direktorate und ein Regionalprinzip.<ref>Ronen Steinke: Bundesnachrichtendienst will besser werden. Abgerufen am 26. Oktober 2021.</ref><ref>„Strategische Modernisierung“: Große Reform für den BND. Tagesschau (ARD), 26. Oktober 2021, abgerufen am 1. November 2021.</ref><ref name="sz221201">Georg Mascolo: Auch Spione strukturieren um. In: sueddeutsche.de. 1. Dezember 2022, abgerufen am 2. Dezember 2022.</ref> Darunter gibt es Referate und Sachgebiete.<ref>Urteil – BVerwG 2 A 3.20 (Dienstliche Regelbeurteilung und Funktion der Gleichstellungsbeauftragten). In: bverwg.de. 9. September 2021, abgerufen am 29. April 2023.</ref>
Leitung
Die Leitung des BND besteht aus dem Präsidenten und drei Vizepräsidenten.
Präsidenten
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An der Spitze des BND steht ein Präsident, seit 2025 Martin Jäger.<ref name="BND Leitung">Die Leitung des BND – Der Präsident und die Vizepräsidenten stellen sich vor. In: bnd.bund.de. Bundesnachrichtendienst, abgerufen am 15. September 2025.</ref> Das Amt des Präsidenten ist in Besoldungsgruppe B 9 der Bundesbesoldungsordnung B eingruppiert.<ref name="Rundschreiben B">Festsetzung von Zusätzen zu den Grundamtsbezeichnungen; Rundschreiben zur Bundesbesoldungsordnung B (BBesO B) – RdSchr. d. BMI v. 25.3.2021 – D3-30200/183#5 –. In: Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. 25. März 2021, abgerufen am 14. Dezember 2021.</ref> Er vertritt den BND gegenüber Bundesregierung und Bundestag, verantwortet die strategische Steuerung des BND und pflegt die Beziehungen zu strategischen Partnern im Ausland.<ref name="Neue Org" /> Folgende Liste zeigt die Präsidenten seit 1956:
| # | Name | Lebensdaten | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Reinhard Gehlen | 1902–1979 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 2 | Gerhard Wessel | 1913–2002 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 3 | Klaus Kinkel | 1936–2019 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 4 | Eberhard Blum | 1919–2003 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 5 | Heribert Hellenbroich (CDU) | 1937–2014 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 6 | Hans-Georg Wieck | 1928–2024 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 7 | Konrad Porzner (SPD) | 1935–2021 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 8 | Hansjörg Geiger | * 1942 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 9 | August Hanning | * 1946 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 10 | Ernst Uhrlau (SPD) | * 1946 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 11 | Gerhard Schindler (FDP) | * 1952 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 12 | Bruno Kahl (CDU) | * 1962 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle |
| 13 | Martin Jäger (CDU) | * 1964 | Vorlage:DatumZelle | – |
Vizepräsidenten
Der Präsident des BND hat drei Vizepräsidenten: eine Vizepräsidentin für zentrale Aufgaben und Vertreter des Präsidenten, Gabriele Monschau, einen Vizepräsidenten und Dienstältesten Offizier, Dag Baehr, und einen Vizepräsidenten, Ole Diehl. Grundsätzlich wird Vizepräsident intern besetzt, einer kommt zeitweilig von der Bundeswehr und einer zeitweilig vom Auswärtigen Amt. Der Vizepräsident für zentrale Aufgaben hat die Linienverantwortung für Auswertung sowie Beschaffung und steuert Haushalt, IT, Verwaltung und die bereichsübergreifende Ressourcensteuerung. Der Vizepräsident für militärische Angelegenheiten berät den Präsidenten zu militärischen Themen, insbesondere zur Landes- und Bündnisverteidigung, und verantwortet die Zusammenarbeit mit inländischen Stellen. Der vom Auswärtigen Amt kommende Vizepräsident verantwortet die strategische Ausrichtung der Kooperation mit ausländischen Diensten und vertritt den Präsidenten in Lageaspekten.<ref name="Neue Org">Marco Feldmann: BND mit neuer Organisation. In: Behördenspiegel. 5. April 2022, abgerufen am 7. April 2022.</ref>
Bis 2004 hatte der BND einen, bis 2008 zwei Vizepräsidenten. Folgende Liste zeigt die Vizepräsidenten seit Errichtung des BND:
| # | Name | Lebensdaten | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Hans-Heinrich Worgitzky | 1907–1969 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | (bereits 1956 Stellvertreter Gehlens)<ref>Ronny Heidenreich: Die Organisation Gehlen und der Volksaufstand am 17. Juni 1953 (= Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968. Studien. Nr. 1). 2. Auflage, Marburg 2013, ISBN 978-3-9816000-0-1, S. 29.</ref> |
| 2 | Horst Wendland | 1912–1968 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle (Suizid) | |
| 3 | Dieter Blötz | 1931–1987 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 4 | Norbert Klusak | 1936–1986 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 5 | Paul Münstermann | 1932–2010 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 6 | Gerhard Güllich | * 1938 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Führte vom 1. April bis 4. Juni 1996 den BND kommissarisch. |
| 7 | Rainer Keßelring | 1934–2013 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 8 | Siegfried Barth | * 1935/36 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 9 | Rudolf Adam | * 1948 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 10 | Werner Schowe | * 1944 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für militärische Angelegenheiten |
| 11 | Rüdiger von Fritsch | * 1953 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 12 | Georg Freiherr von Brandis | 1948–2021 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für militärische Angelegenheiten |
| 13 | Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven | * 1956 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 14 | Armin Hasenpusch | 1948–2014 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für militärische Angelegenheiten |
| 15 | Werner Ober | * 1948 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für zentrale Aufgaben und Modernisierung |
| 16 | Géza Andreas von Geyr | * 1962 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 17 | Michael Klor-Berchtold | * 1957 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 18 | Ole Diehl | * 1964 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 19 | Norbert Stier | * 1953 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für militärische Angelegenheiten<ref>Lebenslauf von Norbert Stier auf der Website des BND. Archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juli 2012; abgerufen am 29. Dezember 2010.</ref> |
| 20 | Werner Sczesny | * 1960 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für militärische Angelegenheiten |
| 21 | Guido Müller | * 1966 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für zentrale Aufgaben und Modernisierung |
| 22 | Michael Baumann | * 1956 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für zentrale Aufgaben und Vertreter des Präsidenten |
| 23 | Tania Freiin von Uslar-Gleichen | * 1964 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | |
| 24 | Wolfgang Wien | * 1963 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident und Dienstältester Offizier |
| 25 | Ole Diehl | * 1964 | Vorlage:DatumZelle | – | Vizepräsident<ref name="BND Leitung" />, bereits 2016–2019 Vizepräsident |
| 26 | Philipp Wolff | * 1972 | Vorlage:DatumZelle | Vorlage:DatumZelle | Vizepräsident für zentrale Aufgaben und Vertreter des Präsidenten<ref name="BND Leitung" /> |
| 27 | Dag Baehr | * 1965 | Vorlage:DatumZelle | – | Vizepräsident und Dienstältester Offizier<ref name="BND Leitung" /> |
| 28 | Gabriele Monschau | * 1974 | Vorlage:DatumZelle | – | Vizepräsidentin für zentrale Aufgaben und Vertreterin des Präsidenten<ref name="BND Leitung" /> |
Standorte
Der Hauptsitz des BND ist seit Anfang 2019 in Berlin-Mitte. Weitere Hauptstandorte sind in Berlin-Lichterfelde und in Pullach bei München. Darüber hinaus verfügt der BND über andere, teils geheime Dienststellen in Deutschland sowie im Ausland, darunter rund 80 Residenturen.<ref name="Unsichtbaren303" />
Zentrale in Berlin-Mitte
Die zentrale BND-Dienststelle befindet sich in der Chausseestraße 96–99A<ref>Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin. Abgerufen am 20. Juli 2024.</ref> im Berliner Bezirk Mitte. Der Gebäudekomplex wurde von 2006 bis 2018 auf dem Gelände der ehemaligen Maikäferkaserne und des ehemaligen Stadions der Weltjugend erbaut. Das mittig liegende Hauptgebäude mit zwei Torhäusern stammt vom Architekturbüro Kleihues + Kleihues, das Nordgebäude von Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht und das Südgebäude vom Architekturbüro Lehmann. In der Nordbebauung ist die Technik- und Logistikzentrale der BND-Zentrale untergebracht, in der Südbebauung befindet sich das Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung sowie das Besucherzentrum des BND. In der Berliner Zentrale arbeiten rund 4000 Mitarbeiter, darunter auch die Leitung des BND. Der Umzug erfolgte zwischen Sommer und November 2018 in mehreren Abschnitten.<ref>Zentrale des Bundesnachrichtendienstes. In: bbr.bund.de. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, abgerufen am 4. Dezember 2021.</ref>
Zentrum Technische Aufklärung in Pullach
Von der Gründung des BND am 1. April 1956 bis zur offiziellen Eröffnung der Berliner Zentrale am 8. Februar 2019 hatte der BND seinen Hauptsitz an der Heilmannstraße in Pullach im Isartal südlich von München. Bereits am 6. Dezember 1947 hatte der BND-Vorläufer Organisation Gehlen das Gelände bezogen, wegen des Datums 6. Dezember auch Camp Nikolaus genannt. Der BND bezeichnet den Standort Pullach heute als „Zentrum Technische Aufklärung“.<ref>BND – Standorte. In: bnd.bund.de. Bundesnachrichtendienst, abgerufen am 22. November 2025.</ref> Dort sind etwa eintausend Dienstposten ausgebracht.<ref>Neue BND-Zentrale: So verlief der geheime Umzug. In: morgenpost.de. 29. November 2018, abgerufen am 15. August 2024.</ref>
Berlin-Lichterfelde
Die Liegenschaft der ehemaligen Gardeschützenkaserne in Berlin-Lichterfelde zählt neben der Zentrale an der Berliner Chausseestraße und dem Gelände in Pullach zu den drei Hauptstandorten des Dienstes. Seit September 2003 arbeiteten bis zu 1000 Mitarbeiter dort (Lage: 52° 26′ 43,8″ N, 13° 18′ 16,6″ O
{{#coordinates:52,445491666667|13,304611111111|
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}}).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Auslandsnachrichtendienst Deutschlands. Der Bundesnachrichtendienst stellt sich vor. BND Broschüre, April 2013. ( vom 24. März 2014 im Internet Archive)</ref> Die 1881 erbaute Kaserne, die im Kalten Krieg als Roosevelt-Kaserne der Unterbringung der Berlin Brigade der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Berlin diente, wurde saniert. Außerdem wurde ein dreigeschossiges Lage- und Informationszentrum hinzugebaut.<ref>Ulrich Paul: Der Bundesnachrichtendienst zieht nach Lichterfelde – und schützt sich mit ausgeklügelter Technik vor ungebetenen Gästen: Einlass nur nach Gesichtskontrolle. In: berliner-zeitung.de. 14. März 2003, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 23. November 2024.</ref> Ursprünglich sollte der Standort in Lichterfelde nach der Eröffnung der Zentrale in der Chausseestraße aufgegeben werden. Der Bezirk plante bereits eine kulturelle und soziale Nachnutzung. Da die BND-Zentrale dem zukünftigen Platzbedarf des Dienstes jedoch nicht gerecht wird, soll die Liegenschaft in Lichterfelde vom BND auf Dauer genutzt werden.<ref>Der alte BND-Standort bleibt doch erhalten. 9. November 2018, abgerufen am 23. November 2024.</ref>
Weitere Außenstellen
Der BND unterhält folgende weitere Außenstellen, die am 6. Juni 2014 im Rahmen einer Transparenzoffensive offiziell bestätigt wurden:<ref></ref>
- BND-Außenstelle Bad Aibling<ref>Außenstelle Bad Aibling. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 4. Januar 2026.</ref>
- BND-Außenstelle Gablingen<ref>Außenstelle Bad Aibling. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 4. Januar 2026.</ref>
- BND-Außenstelle Rheinhausen<ref>Außenstelle Bad Aibling. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 4. Januar 2026.</ref>
- BND-Außenstelle Schöningen<ref>Außenstelle Bad Aibling. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 4. Januar 2026.</ref>
- BND-Außenstelle Gauting-Stockdorf<ref>Außenstelle Bad Aibling. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 4. Januar 2026.</ref>
- Starnberg-Söcking
Darüber hinaus bestehen weitere Außenstellen mindestens in Bonn-Mehlem<ref name="mini-nsa">Neues BND-Zentrum in Bonn: Eine deutsche „Mini-NSA“ am Rhein? In: wdr.de. 20. März 2026, abgerufen am 24. März 2026.</ref> im Landkreis Traunstein und im Raum Brück.<ref>Stellenangebote – Andere Standorte. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 11. Juni 2024.</ref>
Personal
Mitarbeiterzahl und -struktur
Der BND beschäftigt etwa 6500 Mitarbeiter<ref name="BND Organisationsstruktur">Die Organisationsstruktur. In: bnd.bund.de. Bundesnachrichtendienst, abgerufen am 8. Januar 2023.</ref> in 450 Berufsprofilen.<ref name="komm dahinter" /> Von mehr als 7600 bewilligten Stellen waren Ende 2022 mehr als 1000 unbesetzt.<ref name="sz221201" /> Die größte Statusgruppe bilden die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst mit rund 3600 Personen, gefolgt von den Beamten mit etwa 2150 Personen. Rund 750 Angehörige des BND sind Soldaten (Unteroffiziere mit Portepee und Offiziere; sowohl in der Laufbahn des Truppendienstes<ref name="BND Leitung" /> als auch des militärfachlichen Dienstes<ref>Urteil – BVerwG 2 A 13.10. In: bverwg.de. Bundesverwaltungsgericht, 15. Dezember 2011, abgerufen am 17. April 2023.</ref>), die vorübergehend oder dauerhaft im BND eingesetzt werden (sogenannte Zeit- bzw. Dauerverwender<ref>Urteil – BVerwG 2 A 11.17. In: bverwg.de. Bundesverwaltungsgericht, 14. März 2019, abgerufen am 17. April 2023.</ref>). Die Bundeswehr versetzt sie offiziell zum Amt für Militärkunde (AMK). Etwa 1250 Personen gehören der Laufbahngruppe des höheren Dienstes an, etwa 2250 des gehobenen Dienstes, etwa 2750 des mittleren Dienstes und etwa 200 des einfachen Dienstes (bzw. vergleichbar eingruppierte Arbeitnehmer/besoldete Soldaten).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Personalangaben des BND ( vom 27. Januar 2013 im Internet Archive)</ref> 2022 waren 16 Prozent der Dienstposten unbesetzt.<ref></ref> Langjährige Beschäftigte erhalten beim Verlassen des BND die Sankt-Georgs-Medaille. Die Ausübung des Rechtes zur Ernennung und Entlassung der Beamten des Bundes des einfachen, mittleren und gehobenen Dienstes ist dem Präsidenten des BND für seinen Geschäftsbereich übertragen (BGBl. 2009 I S. 386).
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Von den etwa 6500 Mitarbeitern sind etwa 4200 männlich und 2300 weiblich (35 Prozent). 20 Prozent der Bereichsleitungen sind mit Frauen besetzt, bei den über 30 Direktoratsleitungen sind es etwas über 20 Prozent. Etwas unter 30 Prozent der Beschäftigten im höheren Dienst sind Frauen.<ref>Marco Feldmann: Rund 20 Prozent Frauen. In: Behörden Spiegel. 14. April 2023, abgerufen am 18. April 2023.</ref>
Aus- und Fortbildung
Der BND bildet Teile seiner Mitarbeiter für den mittleren und gehobenen Dienst in eigenen Laufbahnausbildungen aus.<ref>Ausbildung & Studium. Abgerufen am 4. Juni 2022.</ref> Für den gehobenen Dienst findet das Grundstudium an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) statt.<ref>Nachrichtendienstliches Studium. Abgerufen am 4. Juni 2022.</ref> Teile der Ausbildungen finden am gemeinsam mit dem BfV in der Südbebauung der BND-Zentrale betriebenen Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung (ZNAF) statt. Ein Teil der Nachwuchsführungskräfte für den höheren Dienst wird im Studiengang Master in Intelligence and Security Studies ausgebildet, der gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München, der HS Bund und dem ZNAF durchgeführt wird.<ref>Intelligence and Security Studies. Abgerufen am 4. Juni 2022.</ref> Darüber hinaus bietet der BND Stipendien für ein Masterstudium der Informatik oder Cyber Security an der Universität der Bundeswehr München.<ref>Master Cyber-Security. Abgerufen am 4. Juni 2022.</ref> Mit einer gemeinsam mit der Bundeswehr eingerichteten Laufbahnausbildung bildet der BND Personal der Fernmelde- und elektronischen Aufklärung für den mittleren und gehobenen Dienst aus.<ref>MtDFmEloAufklVDV – Verordnung über den Vorbereitungsdienst für den mittleren technischen Dienst der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung des Bundes. Abgerufen am 4. Juni 2022.</ref><ref>BND: SIGINT-Traineeship. Abgerufen am 1. Januar 2026.</ref> Zum Schutz der Liegenschaften führt der BND eine eigene dreijährige Berufsausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit durch.<ref>Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 24. Juni 2025.</ref>
Personalgewinnung
Seit 1999, als die erste Stellenanzeige veröffentlicht wurde, können sich Interessenten für eine Tätigkeit im BND bewerben.<ref>Die Dolmetscherin (Job Secret, Folge 6). In: youtube.com. Bundesnachrichtendienst, 8. März 2025, abgerufen am 8. März 2025 (ab 4:30; Erste Stellenanzeige in der Frankfurter Allgemeine Zeitung).</ref> Zuvor konnte man nur auf Initiative des BND dort tätig werden, indem beispielsweise ein geeigneter Kandidat empfohlen wurde.
Im März 2024 startete der BND seine eigene Arbeitgebermarke mit dem Claim „Komm dahinter.“<ref name="komm dahinter">Pressemitteilung – „Komm dahinter“: BND lädt mit neuer Arbeitgebermarke ein, Karrierewelten im Nachrichtendienst zu entdecken. (PDF) In: bnd.bund.de. 15. März 2024, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref> Mit einer Plakatwerbung mit dem Werbetext Wir suchen Terroristen (m/w/d) – Finde sie mit uns. gewann der BND im September 2024 die Werbeauszeichnung BEST 18/1, die mit einer Werbekampagne mit dem Gewinnermotiv im Wert von 2,5 Millionen Euro dotiert war.<ref>Plakatwerbung wirkt! BND gewinnt Werbe-Award BEST 18/1. In: marke41.de. Abgerufen am 24. Juni 2025.</ref><ref>Bild.de: bild.de.</ref> Diese folgte im März und August 2025.<ref>WAZ: „Wir suchen Terroristen“: Das steckt hinter provokanten Plakaten.</ref>
Für die Personalgewinnung betreibt der BND mehrere Social-Media-Kanäle. Im Mai 2021 startete ein Karrierekanal auf Instagram.<ref>Instagram @bndkarriere</ref><ref>Der Spiegel: Geheimdienst bei Instagram: Der BND will ein bisschen Influencer werden.</ref><ref>KOM: Instagram: BND setzt auf wiederkehrende Formate.</ref> Daneben gibt es eine LinkedIn-Karriereseite,<ref>LinkedIn bndkarriere</ref> einen YouTube-Karrierekanal<ref>YouTube @bndkarriere</ref> und eine Facebook-Seite für Karriere-Kampagnen.<ref>Facebook bndkarriere</ref>
Im Januar 2025 startete der BND einen eigenen Podcast mit dem Titel Job Secret. Darin geben Mitarbeiter mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten Informationen und Anekdoten aus ihrem Berufsleben wieder.<ref>Hans-Wilhelm Saure (25. Januar 2025): Podcast Job Secret: BND-Agenten verraten jetzt ihre Geheimnisse. In: Bild.de.</ref><ref>Lissy Kaufmann (28. Januar 2025): Strenggeheim? Der BND hat jetzt seinen eigenen Podcast In: Deutschlandfunk.</ref>
Die 15 Diensthunde (Stand 2025) zur Begleitung der Bereichsschutzkräfte im Einsatz werden auch zum Personalmarketing als Dogs of BND gezeigt. Private Hunde sind hingegen in den BND-Liegenschaften grundsätzlich nicht erlaubt.<ref>Strenge Hunderegeln: BND duldet keine fremden Schnüffler. In: bild.de. 18. April 2025, abgerufen am 24. Juni 2025.</ref> Als Personalmarketing-Maßnahme veröffentlichte der BND im Juni 2023 eine Kollektion von Non-Fungible Token mit dem Titel Dogs of BND bestehend aus 999 computergenerierten Profilbildern anthropomorpher Schäferhunde.<ref>Golem.de (3. Juli 2023): NFT vom BND: Das steckt hinter den Dogs of BND.</ref><ref>Capital (27. Juni 2023): „Dogs of BND“: Geheimdienst verkauft Hundebilder als NFT-Token.</ref><ref>Decrypt (23. Juni 2023): German Intelligence Agency’s Dogs of BND Collection Mints Out.</ref>
Auf der Gamescom im August 2025 stellte der BND ein eigenes Computerspiel mit dem Titel BND-Legenden: Operation Blackbox vor.<ref></ref><ref></ref> Dieses erschien am Dezember 2025 über die Spieleplattform Steam.<ref>BND-Legenden: Operation Blackbox bei Steam. Abgerufen am 1. Januar 2026.</ref>
BNDivers
Seit Sommer 2021 besteht im BND das hauseigene Mitarbeitendennetzwerk BNDivers zur Förderung von Diversität.<ref></ref><ref>Was bedeutet … BNDivers. In: instagram.com @bndkarriere. 31. Mai 2022, abgerufen am 19. Mai 2025.</ref><ref>Gelebte Vielfalt. In: bnd.bund.de. Abgerufen am 19. Mai 2025.</ref>
Personalvertretung
Der BND verfügt über einen Gesamtpersonalrat,<ref>Wahl des Gesamtpersonalrats beim Bundesnachrichtendienst ungültig. In: bverwg.de. 22. Mai 2025, abgerufen am 23. Mai 2025.</ref> die Zentrale sowie einige Außenstellen des BND verfügen über örtliche Personalräte als Personalvertretungen nach dem Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG). Der örtliche Personalrat der Zentrale hat keine Zuständigkeit für die als Dienststellen im Sinne des PersVG geltenden Teile und Stellen außerhalb der Zentrale, bei denen keine örtlichen Personalräte bestehen.<ref>Keine Zuständigkeit des Personalrats der Zentrale für verselbständigte Teile und Stellen des Bundesnachrichtendienstes. In: bverwg.de. 22. Mai 2025, abgerufen am 23. Mai 2025.</ref>
Außerdem sind Gewerkschaften sowie Interessenvertretungen der Mitarbeiter des BND vorhanden. Am 17. Februar 2023 demonstrierten über 100 Personen im Zuge der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst 2023 vor der BND-Zentrale für höhere Einkommen.<ref>Bundesnachrichtendienst: Mitarbeitende protestieren für höhere Einkommen. In: dbb.de. DBB Beamtenbund und Tarifunion, 17. Februar 2023, abgerufen am 21. Februar 2023.</ref>
Haushalt
Der BND finanziert sich aus dem Bundeshaushalt. Der geheime Haushaltsplan des BND wird parlamentarisch durch das Vertrauensgremium, ein Unterausschuss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, bewilligt. Die Ausgaben des BND sind seit 2025 gemäß Art. 109 GG von der Schuldenbremse ausgenommen.
Der Bundeshaushalt 2026 sieht einen Zuschuss für den BND in Höhe von 1,51 Milliarden Euro vor. Dies entspricht einer Steigerung von 26 Prozent zum Zuschuss 2025.<ref>Hunderte Millionen zusätzlich für innere Sicherheit und Nachrichtendienste. In: Welt Online. 30. Juli 2025, abgerufen am 6. August 2025.</ref> Für 2025 waren im ersten Regierungsentwurf Ausgaben von 1.189.258.000 Euro<ref name="hg2025-e">BT-Drs. 20/12400</ref> und im zweiten Regierungsentwurf von 1.194.703.000 Euro<ref>BT-Drs. 21/500 S. 297</ref> vorgesehen. Durch die Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses erhöhte sich der letztlich bewilligte Ansatz 2025 auf 1.195.152.000 Euro.<ref>BT-Drs. 21/1064 S. 11</ref> Für das Jahr 2024 lag der Haushaltsansatz bei 1.083.356.000 Euro<ref>BT-Drs. 20/7800</ref>, 2023 bei 1.030.000.000 Euro und 2022 bei 1.027.589.000 Euro, womit er unter dem Wert des Vorjahres lag. 2024 waren Ausgabenreste in Höhe von 57,284 Mio. Euro,<ref name="hg2025-e" /> 2023 in Höhe von 39,625 Mio. Euro und 2022 in Höhe von 82,7 Mio. Euro vorhanden.<ref>Haushaltsgesetz 2023. (PDF) 19. Dezember 2022, abgerufen am 24. Januar 2023.</ref> Für das Jahr 2021 lag der Haushaltsansatz für den BND inklusive Nachtragshaushalten mit 1.079.128.000 Euro erstmals über der Milliardengrenze.<ref name="HH2021">Haushaltsgesetz 2021. (PDF; 32,4 MB) 21. Dezember 2020, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 9. Januar 2021; abgerufen am 6. Januar 2021 (S. 262).</ref> Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt (Soll-Werte) wurde für das Jahr 2020 mit 977,883 Mio. Euro<ref name="HH2020">Bundeshaushaltsplan für das Haushaltsjahr 2020. (PDF) 21. Dezember 2019, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 12. November 2020; abgerufen am 25. Januar 2020.</ref> veranschlagt, für die Jahre 2019 mit 966,482 Mio. Euro,<ref name="Haushaltsvolumen im Jahr 2019">Haushaltsgesetz 2019 (BGBl. I S. 2528). (PDF) 17. Dezember 2018, abgerufen am 3. September 2019.</ref> 2018 mit rund 925,4 Mio. Euro,<ref name="Haushaltsvolumen im Jahr 2018">Haushaltsvolumen im Jahr 2018 (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> für 2017 mit rund 832,8 Mio. Euro,<ref name="Haushaltsvolumen im Jahr 2017">Haushaltsvolumen im Jahr 2017 (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> für 2016 mit rund 723,8 Mio. Euro<ref>Haushaltsvolumen im Jahr 2016 (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> und 2015 mit rund 615,6 Mio. Euro.<ref>Haushaltsvolumen im Jahr 2015. Abgerufen am 15. August 2024.</ref>
Regelmäßig werden weniger Mittel als im Haushalt veranschlagt ausgegeben. Für das Jahr 2024 lagen die Ist-Ausgaben bei 988,547 Mio. Euro,<ref>Rechnung über den Haushalt des Einzelplans 04: Bundeskanzler und Bundeskanzleramt für das Haushaltsjahr 2024 – 0414 Bundesnachichtendienst. (PDF) In: bundeshaushalt.de. Abgerufen am 30. April 2026.</ref> für 2023 bei 945,406 Mio. Euro<ref name="hg2025-e" /> und 2022 bei 1.044,578 Mio. Euro.<ref name="haushaltsrechnung2022">Haushaltsrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2022, Band 2. (PDF) In: Bundeshaushalt. Bundesministerium der Finanzen, 5. Juli 2023, abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> Für das Jahr 2021 lagen die Ist-Ausgaben bei 941,825 Mio. Euro und somit 12,7 Prozent unter dem Soll.<ref name="haushaltsrechnung2021">Haushaltsrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2021, Band 2. (PDF) In: Bundeshaushalt. Bundesministerium der Finanzen, Mai 2022, abgerufen am 2. August 2022.</ref> 2020 lagen die Ist-Ausgaben bei 904,846 Mio. Euro, die Soll-Ausgaben aus dem Haushaltsgesetz für jenes Jahr bei 977,883 Mio. Euro und damit um 73,036 Mio. Euro (8,3 Prozent) niedriger.<ref name="Haushaltsrechnung2020">Haushaltsrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2020, Band 2. (PDF) In: Bundeshaushalt. Bundesministerium der Finanzen, April 2021, abgerufen am 28. Dezember 2021.</ref> Im Jahr 2019 lagen die Ist-Ausgaben mit 954,811 Mio. Euro um 23,072 Mio. Euro niedriger (2,4 Prozent), im Jahr 2018 mit 813,435 Mio. Euro um 111,965 Mio. Euro (rund 12 Prozent)<ref name="HH2020" /> und im Jahr 2017 mit 733,755 Mio. Euro um etwa 59 Mio. (rund 7 Prozent) niedriger.<ref name="Haushaltsvolumen im Jahr 2019" />
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color:Zuschuss width:15 shift:(-8,10) anchor:till bar:2000 from:start till:331 text:"331" # 648.257.236,97 DM Ist (lt. Jahresrechnung 2000) bar:2001 from:start till:334 text:"334" # 653.793.808,61 DM Ist (lt. Jahresrechnung 2001) bar:2002 from:start till:396 text:"396" # 395.801.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2002) bar:2003 from:start till:430 text:"430" # 430.060.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2003) bar:2004 from:start till:414 text:"414" # 413.696.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2004) bar:2005 from:start till:419 text:"419" # 419.200.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2005) bar:2006 from:start till:423 text:"423" # 423.366.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2006) bar:2007 from:start till:424 text:"424" # 424.388.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2007) bar:2008 from:start till:429 text:"429" # 428.690.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2008) bar:2009 from:start till:454 text:"454" # 454.697.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2009) bar:2010 from:start till:470 text:"470" # 470.919.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2010) bar:2011 from:start till:475 text:"475" # 475.522.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2011) bar:2012 from:start till:480 text:"480" # 479.778.051,60 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2012) bar:2013 from:start till:496 text:"496" # 496.375.168,75 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2013) bar:2014 from:start till:536 text:"536" # 535.672.589,93 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2014) bar:2015 from:start till:558 text:"558" # 557.783.911,02 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2015) bar:2016 from:start till:612 text:"612" # 612.521.507,75 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2016) bar:2017 from:start till:733 text:"733" # 733.754.940,88 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2017) bar:2018 from:start till:813 text:"813" # 813.435.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2018) bar:2019 from:start till:954 text:"954" # 954.811.000 € Ist (lt. Bundeshaushalt 2019) bar:2020 from:start till:905 text:"905" # 904.846.250,85 € Ist (lt. Haushaltsrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2020, Band 2) bar:2021 from:start till:942 text:"942" # 941.825.448,90 € Ist (lt. Haushaltsrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2021, Band 2) bar:2022 from:start till:1045 text:"1045" # 1.044.587.033,08 € Ist (lt. Haushaltsrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2022, Band 2) bar:2023 from:start till:945 text:"945" # 945.406.000,00 € Ist (lt. Entwurf Haushaltsgesetz 2025) bar:2024 from:start till:989 text:"989" # 988.547.161,81 € Ist (lt. Haushaltsrechnung 2024)
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pos:(20,270) fontsize:M text:Zuschuss aus dem Bundeshaushalt (Ist-Werte, in Mio. €) # Position und Text für den Titel
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Aufsicht und Kontrolle
Der BND unterliegt der Dienst- und Fachaufsicht des Bundeskanzleramtes als dessen nachgeordneter Behörde. Im Bundeskanzleramt ist die Abteilung 7 die zuständige Abteilung für den BND.<ref>Organisationsplan des Bundeskanzleramtes. (PDF) In: bundesregierung.de. 10. September 2025, abgerufen am 13. September 2025.</ref> Der BND unterliegt auch der parlamentarischen, weiterer behördlichen, der gerichtlichen und der öffentlichen Kontrolle.
Die parlamentarische Kontrolle des Deutschen Bundestages wird vor allem durch das Parlamentarische Kontrollgremium ausgeübt, das dabei vom Ständigen Bevollmächtigter des PKGr unterstützt wird. Daneben bestehen die gewohnten Elemente der allgemeinen parlamentarischen Kontrolle der Exekutive wie Debatten, Aktuelle Stunden, Große sowie Kleine Anfragen und Untersuchungsausschüsse. Die Haushaltsbewilligung obliegt dem Vertrauensgremium. Das sogenannte Dreierkollegium des Bundesrechnungshofes kann die Jahresrechnung sowie die Haushalts- und Wirtschaftsführung prüfen. Die G 10-Kommission kontrolliert die Einschränkungen der Grundrechte des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses nach Artikel 10-Gesetz, akustische Wohnraumüberwachungen das Gremium nach Artikel 13 Absatz 6 Grundgesetz. Soldaten im BND können sich an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages wenden. Der Unabhängige Kontrollrat prüft die Rechtmäßigkeit der Anordnungen von strategischen Aufklärungsmaßnahmen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) hat weitreichende Auskunfts- und Zugangsrechte bei den Nachrichtendiensten des Bundes zur Überprüfung der datenschutzrechtlichen Vorschriften. Die Personalvertretungen üben eine gewisse innerbehördliche Kontrolle aus. Der BND unterliegt grundsätzlich der gerichtlichen Kontrolle. Bürgern steht ein eingeschränktes Auskunftsrecht nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu und sie können von ihrem Petitionsrecht in Bezug auf den BND Gebrauch machen. Auskunftsansprüche können sich auch aus dem Umweltinformationsgesetz und dem Verbraucherinformationsgesetz ergeben. Auf eine Anfrage nach ersterem stellte der BND 2023 einen Wochenspeiseplan seines Mitarbeiterrestaurants bereit.<ref>Speiseplan BND-Kantine KW31 sowie weitere Dokumente zur Kantine. In: fragdenstaat.de. 6. September 2023, abgerufen am 22. November 2024.</ref> Eine Kontrolle findet auch durch die Medien statt.
Geschichte
Vorgeschichte (Organisation Gehlen)
Vorläufer des BND war die Organisation Gehlen, welche nach ihrem langjährigen Leiter, dem ehemaligen Generalmajor der Wehrmacht und Leiter der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) Reinhard Gehlen, bezeichnet wurde. Bis 1945 waren in Deutschland auch die Abwehr des Reichswehrministeriums und das Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) für Deutschland nachrichtendienstlich tätig.
Im frühen BND und seinem Vorläufer, der Organisation Gehlen, arbeiteten zahlreiche NS-Täter, die teilweise gezielt rekrutiert wurden,<ref name="dlf2022">Isabel Fannrich-Lautenschläger: Warum der Bundesnachrichtendienst so viele NS-Täter rekrutierte. In: Deutschlandfunk. 9. Oktober 2022, abgerufen am 9. Oktober 2022.</ref> unter anderem Klaus Barbie,<ref></ref> Wilhelm Krichbaum,<ref name="mdr.de">Ehemalige Nazis im BND. MDR, 9. September 2012, abgerufen am 19. August 2016.</ref> Franz Rademacher,<ref></ref> Walther Rauff,<ref name="focus-668828">Walther Rauff: Früherer SS-Offizier arbeitete jahrelang für den BND. In: Focus Online. 25. September 2011, abgerufen am 16. Mai 2015.</ref> sowie Franz Alfred Six,<ref name="mdr.de" /> insgesamt 33 ehemalige Angehörige von Einsatzgruppen.<ref name="dlf2022" />
Die erste für die US-Amerikaner wichtige Operation der Organisation Gehlen war die Funkaufklärung der Luftstreitkräfte der Sowjetunion während der Berliner Luftbrücke. Zwischen 1948 und 1952 unterstützte die Organisation Gehlen eine Gruppierung in Polen (WIN), die sich für einen bewaffneten Umsturz des kommunistischen Regimes einzusetzen schien. 1952 wurde jedoch öffentlich, dass es sich hierbei um eine sowjetische Tarnorganisation handelte, welche mit dem Geld der „Organisation Gehlen“ aufgebaut worden war.
Bereits 1951 begann die Diskussion über die Einrichtung eines oder mehrerer Nachrichtendienste auf Bundesebene.<ref>Future Federal Military Security and Intelligence Agencies. Central Intelligence Agency, 12. November 1951, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juli 2012; abgerufen am 18. April 2010.</ref> Laut einem Bericht der CIA wurde der Name Bundesnachrichtendienst erstmals im August und September 1952 bei Gesprächen im Kanzleramt verwendet. An den geheimen Gründungsgesprächen, die im Büro des damaligen Ministerialrates Karl Gumbel stattfanden, nahmen neben Hans Globke und Reinhard Gehlen auch Gehlens Mitarbeiter Hans von Lossow, Horst Wendland und Werner Repenning teil.<ref>Bundesnachrichtendienst. Central Intelligence Agency, 12. September 1952, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juli 2012; abgerufen am 18. April 2010.</ref> Mit dem Deutschlandvertrag vom 26. Mai 1952 erhielt die damalige Bundesrepublik Deutschland die Zustimmung der Westalliierten, einen eigenen Auslandsnachrichtendienst zu haben.<ref></ref>
Bei der Frage, ob der BND durch Bundesgesetz zu errichten sei oder ob ein Organisationserlass genüge, argumentierte Globke, ein Gesetz sei nicht notwendig, weil dem BND keine Hoheitsbefugnisse übertragen werden sollen. Im Folgenden stützte sich das Bundeskanzleramt in seiner Argumentation auf eine Dissertation von Johannes Erasmus.<ref></ref> Dieser war hauptamtlicher Mitarbeiter der Organisation Gehlen und die Dissertation war eine Auftragsarbeit, in der Erasmus die Rechtslage beschrieb, wie Gehlen sie sich wünschte.<ref></ref>
Durch die John-Affäre wurde die Übernahme der Organisation in den Bundesdienst um etwa ein Jahr verzögert. Am 11. Juli 1955 wurde dem Kabinett Adenauer II der Organisationserlass zur Errichtung des BND vorgelegt<ref></ref> und beschlossen.<ref>90. Kabinettssitzung am Montag, den 11. Juli 1955 – 2. Schreiben des Bundeskanzlers vom 28.3.1955, Az. 5-39001-124/55 streng geheim. In: https://kabinettsprotokolle.bundesarchiv.de/. Bundesarchiv, 11. Juli 1955, abgerufen am 14. September 2025.</ref> Am 20. Dezember 1955 gab das Vertrauensmänner-Gremium, der Vorläufer des Parlamentarischen Kontrollgremiums, seine Zustimmung zur BND-Errichtung.<ref></ref> Grundlage für die Übernahme war ein Gutachten des Bundesbeauftragten für Wirtschaftlichkeit in der Bundesverwaltung, in Personalunion Präsident des Bundesrechnungshofes.<ref>Bundesbeauftragter für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung. In: bundesrechnungshof.de. Abgerufen am 20. Juli 2024.</ref> Das Gutachten entstand in enger Zusammenarbeit mit der Organisation Gehlen, vermittelte nach außen jedoch den Eindruck eines unabhängigen Expertenberichts.<ref></ref>
Gründung bis Wiedervereinigung (1956–1990)
Am 1. April 1956 (dem Beginn des Rechnungsjahres 1956) wurde Organisation Gehlen mit ihrem Leiter und ihren etwa 1500 Mitarbeitern<ref>70 Jahre BND: Wie alles begann. In: bndkarriere auf instagram.com. 1. April 2026, abgerufen am 1. April 2026.</ref> offiziell in den Dienst der Bundesrepublik Deutschland übernommen und erhielt den Namen Bundesnachrichtendienst. Erst am 23. Oktober 1956 wurden die obersten Bundesbehörden sowie die Ministerpräsidenten der Länder offiziell über die Errichtung des BND informiert. Das Schreiben galt vielen Mitarbeitern als eigentliche Geburtsstunde des Dienstes.<ref></ref> Dass der BND für die militärische Auslandsaufklärung zuständig wurde, war auch der eingeschränkten Souveränität Deutschlands geschuldet. Den deutschen Streitkräften war ein Militärnachrichtendienst verboten.<ref></ref><ref>Political Aspects of the Contribution of Germany to the Defence of Europe; D-D/196 Final; also D/MC – D/1. (PDF) In: archives.nato.int. NATO, 9. Dezember 1950, abgerufen am 6. Februar 2022: „It is generally agreed that … to ensure against the possible re-birth of a German General Staff, the functions appropriate to the plans, operations and intelligence sections of military staffs, avoe the level of authorised tactical units, should only be discharged by international staffs under the Supreme Commander…“</ref>
Die Stellung des BND innerhalb der Bundesverwaltung war in den Anfangsjahren unklar. Der Dienst hatte anfangs einen Status „sui generis“. Er war weder Oberste noch Obere Bundesbehörde und gemäß Organisationserlass dem Bundeskanzleramt nicht nachgeordnet, sondern angegliedert. In der Praxis nahm der BND sowohl ministerielle als auch oberbehördliche Aufgaben wahr. Das Bundeskanzleramt übte kaum Dienstaufsicht aus.<ref></ref> Diese Sonderstellung beruhte zum Teil auf der deutschen Tradition seit dem Deutschen Kaiserreich, die Nachrichtendienste als Teil des Generalstabs verstand, den Vorstellungen der amerikanischen und britischen Besatzungsmacht, bei denen Nachrichtendienste Regierungsdienststellen waren, und den Einschränkungen, denen die junge Bundesrepublik auf militärischem Gebiet unterworfen war.<ref>Agilolf Keßelring: Kriegs-BND: Planungen für die Mobilmachung des Bundesnachrichtendienstes von 1953 bis 1968. (PDF) In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 79/2. 3. Dezember 2020, S. 461–489, hier S. 468 f., abgerufen am 15. Juni 2021.</ref> Mit Schreiben des Bundeskanzlers vom 27. September 1963 wurde die Angliederung des BND an das Bundeskanzleramt in eine Unterstellung geändert, um eine stärkere politische Kontrolle auszuüben.<ref>Kabinettsprotokoll 93. Sitzung: Schreiben des Bundeskanzlers vom 27. September 1963. In: bundesarchiv.de. 2. Oktober 1968, abgerufen am 6. Februar 2022.</ref>
BND-Präsident Gehlen fürchtete, dass Gesamtdeutschland durch ein Wahlbündnis von Sozialdemokraten und Rechtskonservativen unter sowjetischen Einfluss geriete. Deshalb hatte er der CIA 1956 und erneut im Spätherbst 1959 für diesen Fall die Bildung einer gemeinsamen Schattenregierung vorgeschlagen und unter Abstützung auf Strukturen der Stay-behind-Organisation staatsstreichähnliche Pläne verfolgt. Die tatsächliche politische Entwicklung, eine Vertiefung der Westbindung der Bundesrepublik, machte die ansatzweisen Vorkehrungen des BND-Präsidenten jedoch obsolet.<ref>Markus Kompa: Erich Schmidt-Eenboom und Ulrich Stoll über die geheimen Stay-Behind-Organisationen. 25. Oktober 2015, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 20. Januar 2016.</ref>
Neben der Aufklärung betrieb der BND, hauptsächlich publizistisch, in den 1950er und 1960er Jahren Maßnahmen des Antikommunismus und zur Stärkung des Wehrwillens. Zuständig war anfangs Hermann Foertsch, später Oberst Rolf Geyer in der Unterabteilung III F. Mitgewirkt hat auch der Politikwissenschaftler Claus Dieter Kernig. Der BND gab von 1955 bis 1970 die Zeitschrift Die Orientierung heraus. 1963 wurde in enger Kooperation mit dem BND das Institut für Gesellschaft und Wissenschaft (IGW) in Erlangen unter Leitung von Hans Lades gegründet. Der BND bezahlte den Direktor sowie zwei von elf wissenschaftlichen Mitarbeitern. Das IGW gab eine umfangreiche, vom BND subventionierte Presseschau mit der Bezeichnung Titel und Stichworte aus sowjetzonalen Zeitungen und Zeitschriften heraus, die der BND im Rahmen seiner offenen Informationsgewinnung nutzte und dessen Auswertung entlastete. Sie erschien im Ilmgau-Verlag, der mit dem BND eng verbunden war.<ref name="Gieseke" details="S. 118 f., 139 ff." />
Für den Fall eines Krieges gegen die Sowjetunion und ihre Verbündete war bereits in der Organisation Gehlen die Unterstellung unter die CIA vorgesehen. Da der BND von einer Besetzung Westdeutschlands durch den Ostblock ausging, war eine Verlegung operativ nicht besonders getarnter Dienststellen in ein westeuropäisches Land vorgesehen. Von dort sollten aufklärende Agenten in der DDR und der Bundesrepublik sowie Kräfte der Stay-Behind-Organisation geführt werden. Dafür vorgesehen war die Einrichtung Zobel im zentralspanischen Manzanares, die spätestens 1959 einsatzbereit war. Zu diesem Zeitpunkt wurde die mobile, zuvor in Idar-Oberstein angesiedelte Funkeinrichtung Leitstelle Alpina dorthin verlegt. Die Versorgung des Exil-BND sollte von den Streitkräften der Vereinigten Staaten übernommen werden.<ref>Agilolf Keßelring: Kriegs-BND: Planungen für die Mobilmachung des Bundesnachrichtendienstes von 1953 bis 1968. (PDF) In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 79/2. 3. Dezember 2020, S. 461–489, hier S. 473 f., abgerufen am 15. Juni 2021.</ref> Im Verteidigungsfall hätte sich der in seinen Anfangsjahren ohnehin stark auf die militärische Aufklärung ausgerichtete BND noch stärker auf dieses Themenfeld konzentriert. Verbindungsoffiziere wären zu NATO-Kommandobehörden entsandt worden. Im Kriegsfall hätte der BND eine neue Gliederung eingenommen. Die in der Entstehung begriffene Frontnachrichtentruppe der Bundeswehr wäre dem BND unterstellt worden. Vorgesehen waren auch ein militärisches Sicherungstruppenteil und eine Spezialeinheit nach dem Vorbild der Special Operations Executive und der Brandenburger, der ein Fallschirmjägerverband in Stärke eines Bataillons und ein Lufttransportverband unterstellt werden sollten. In diesem Zusammenhang war für Gehlen der Dienstgrad Generalleutnant der Reserve und für Wolfgang Langkau der Dienstgrad Generalmajor der Reserve vorgesehen – beides einzigartige Reservedienstgrade, die in der Bundeswehr in keinen anderen Fällen bekannt sind. Insgesamt sah der Plan eine Personalstärke des Kriegs-BND von 12.775 Personen vor.<ref>Agilolf Keßelring: Kriegs-BND: Planungen für die Mobilmachung des Bundesnachrichtendienstes von 1953 bis 1968. (PDF) In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 79/2. 3. Dezember 2020, S. 461–489, hier S. 481 ff., abgerufen am 15. Juni 2021.</ref>
Das erste Dienstflugzeug erhielt der BND 1960 mit dem Modell Travel Air 95 der Beech Aircraft Corporation mit der Werk-Nr. TD 300 und dem Kennzeichen D-GADO zum Preis von 324.000 D-Mark. Es verkehrte hauptsächlich zwischen München und Bonn.<ref>Florian Flade: Wie der BND fliegen lernte. In: ojihad.wordpress.com. 19. November 2024, abgerufen am 22. November 2024.</ref> In den 1980er Jahren besaß der BND eine Falcon Mystère 50 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-BIRD.<ref>Gabriele Gast: Kundschafterin des Friedens. 17 Jahre Topspionin der DDR beim BND. Eichborn, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-8218-0522-6, S. 230.</ref> Im Jahr 2006 wurde dieses Kennzeichen an eine Dornier 328 der Private Wings vergeben.<ref>Registration Details for D-BIRD (Private Wings Flugcharter) Dornier 328 JET-310</ref> Später besaß der BND eine Dassault Falcon 900EX (Zulassungsjahr 2003, Kennzeichen: D-AZEM). Das Flugzeug pendelte vor und nach Auslandsflügen häufig zwischen Berlin und München pendelte. Heimatposition war das General Aviation Terminal des Flughafens München.<ref>Flugbewegungen: Was macht der BND in Kasachstan? – Politik, stern.de</ref><ref>flightradar24.com</ref>
In den 1980er Jahren gab es eine Mitarbeiter-Satirezeitschrift mit dem Titel Neuer Pollacher bzw. Der Neueste Pollacher.<ref name="Gieseke" details="S. 123 f."></ref>
Am 1. Mai 1968 endete die Ära Gehlen, der den BND bzw. seinen Vorgänger ab 1947 geleitet hatte. Sein Nachfolger Gerhard Wessel überführte den BND in eine reguläre Behördenstruktur mit Akten- und Geschäftsverteilungsplänen. Zum 1. November 1968 wurden aus den bisher sechs Abteilungen die vier Abteilungen für Beschaffung (I), Technik (II), Auswertung (III) und Zentrale Aufgaben (IV).<ref></ref>
Aufklärungsschwerpunkt des BND war bis 1990 die DDR. Anfangs hatte der BND bzw. die Organisation Gehlen rund 1000 Quellen in der DDR. Bis 1968 reduzierten sich diese jedoch auf nicht mal 20. Gründe waren unter anderem der Mauerbau, die erfolgreiche Spionageabwehr des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR und die Führung von Innenquellen im BND. Allein in der Aktion Feuerwerk verhaftete die DDR 218 mutmaßliche Westspione, die in den sogenannten Gehlen-Prozessen abgeurteilt wurden.<ref></ref> Dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR war es gelungen, mit Alfred Spuhler und Gabriele Gast langjährige und ergiebige Innenquellen im BND zu etablieren, die erst nach der Wende enttarnt wurden. Zudem führte der KGB die Innenquelle Heinz Felfe, bis dieser 1961 verhaftet wurde.
Im Jahr 1968 führte eine Kommission unter Vorsitz des Staatssekretärs Reinhold Mercker eine interne Untersuchung des BND durch, den bis heute in Teilen als Verschlusssache eingestufte Mercker-Bericht.<ref>Drucksache 7/3083 – Unterrichtung durch die Bundesregierung: Auszug aus dem 2. Teil des Berichts der sogenannten Mercker-Kommission vom 24. Juli 1969, der sich mit der Lage des Bundesnachrichtendienstes vor dem Jahre 1969 befaßt. (PDF) Deutscher Bundestag, 1975, abgerufen am 19. Januar 2014.</ref> Er legte Führungsmängel, Vetternwirtschaft, Korruption sowie Missbrauch und Fehlverwendung von Haushaltsmitteln auf. Weiterhin soll der BND einen signifikanten Teil seiner Ressourcen auf das Ausspähen westdeutscher Politiker verwendet haben.<ref></ref><ref>Drucksache 7/3246 – Bericht und Antrag des 2. Untersuchungsausschusses zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU betr. Einsetzung eines Untersuchungsausschusses – Drucksache 7/2193. (PDF) Deutscher Bundestag, 19. Februar 1975, abgerufen am 19. Januar 2014.</ref><ref>“CASCOPE”. (PDF; 665 kB) Central Intelligence Agency, 3. Oktober 1974, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2014; abgerufen am 8. September 2013.</ref>
Der BND tauschte ab 1976 mit den dänischen und niederländischen Nachrichtendiensten Informationen über Kryptoverfahren aus. Später kamen Schweden und Frankreich hinzu. Die Kooperation trägt die Bezeichnung Maximator nach dem gleichnamigen Starkbier der Brauerei Augustiner.<ref>Detlef Borchers: Geheimdienst-Kooperation „Maximator“: Die Five Eyes Europas? In: heise online. 8. April 2020, abgerufen am 20. April 2020.</ref><ref></ref>
Ab 1981 war der BND im Rahmen der Operation Sommerregen zum Zwecke der Beschaffung von Informationen über die Ausrüstung der Roten Armee im Krieg in Afghanistan im Einsatz.
Der von 1985 bis 1990 amtierende BND-Präsident Hans-Georg Wieck führte erstmals Pressehintergrundgespräche ein.<ref></ref>
Von 1982 bis 1993 war der Journalist Wilhelm Dietl für den BND als nachrichtendienstliche Verbindung tätig.<ref>Wilhelm Dietl: Beim Bundesnachrichtendienst 1982 bis 1993. In: wilhelm-dietl-recherchen.de. Abgerufen am 9. Oktober 2022.</ref>
Im Kalten Krieg unterhielt der BND, wie andere NATO-Staaten, eine Stay-behind-Organisation als Vorsorgeeinrichtung für Informationsverbindungen im Falle einer militärischen Besetzung durch die Staaten des Warschauer Paktes. Die nachrichtendienstlichen Verbindungen wurden ausgebildet, sich im Kriegsfall „überrollen“ zu lassen, um aus dem besetzten Gebiet unerkannt Informationen, insbesondere zu militärischen Maßnahmen, zum BND zu funken. Dazu verfügten die Stay-behind-Kräfte über spezielle Funkgeräte. Zur Ausbildung gehörte ebenfalls, gegebenenfalls geheime Schleusungen von Personal und Material aus dem besetzten Gebiet heraus oder in das besetzte Gebiet hinein durchzuführen. Bis 1983 gab es auch eine Komponente zur Ausbildung von Personen, die in dem besetzten Gebiet Sabotagehandlungen durchführen bzw. Widerstandsgruppen organisieren und führen sollten. Diese Komponente war seit Anfang der 1970er Jahre schrittweise reduziert worden und wurde Ende 1983 ganz eingestellt. Ende der 1950er Jahre umfasste die Stay-behind-Organisation des BND etwa 75 hauptamtliche Mitarbeiter mit zeitweise bis zu 500 nachrichtendienstlichen Verbindungen. Im Januar 1986 waren der Organisation noch 26 hauptamtliche Mitarbeiter zugewiesen mit 104 nachrichtendienstlichen Verbindungen im Jahr 1990. Infolge der weltpolitischen Veränderungen wurde im Herbst 1990 die Auflösung der Stay-behind-Organisation des BND beschlossen und bis zum Ende des dritten Quartals 1991 vollständig umgesetzt.<ref>Drucksache 12/890 – Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste – Enthüllungen über „Gladio“. (PDF) Deutscher Bundestag, 1. Juli 1991, abgerufen am 19. Januar 2014.</ref><ref>Drucksache 12/2703 – Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste – Auflösung der Geheimorganisation „Gladio“. (PDF) Deutscher Bundestag, 27. Mai 1992, abgerufen am 19. Januar 2014.</ref><ref>Mögliche Beteiligung des Bundesnachrichtendienstes an Bombenanschlägen im Rahmen der „Stay-behind“-Organisation der NATO. (PDF) 22. Mai 2013, abgerufen am 26. September 2022.</ref><ref>CPC Support to SACEUR. (PDF; 459 kB) Central Intelligence Agency, 6. September 1984, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 14. April 2014; abgerufen am 8. September 2013.</ref>
Seit 1990
1990 wurde, ausgelöst durch das Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts von 1983 mit dem darin postulierten Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, ein Gesetz für den BND verabschiedet.
Am 1. Januar 1991 ging aus der Zentralstelle für das Chiffrierwesen (ZfCh) des BND, ab 1989 als Zentralstelle für Sicherheit in der Informationstechnik (ZSI) bezeichnet, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hervor.<ref>ZfCh. Abgerufen am 7. Februar 2021.</ref><ref></ref><ref>Vom diplomatischen Code zur Falltürfunktion. Abgerufen am 7. Februar 2021.</ref>
Von 1990 bis 1996 führte der BND zusammen mit der US-amerikanischen Defense Intelligence Agency (DIA) die Operation Giraffe durch, bei der neueste sowjetische Wehrtechnik beschafft und analysiert sowie neue Perspektivagenten in den sowjetischen bzw. russischen Streitkräften gewonnen wurden.
2002 wurde das für Gegenspionage zuständige Referat aufgelöst. Von 60 Stellen blieben rund ein Dutzend für die Auswertung übrig. Seit 2017/2018 wird der Gegenspionage wieder mehr Bedeutung beigemessen.<ref name="spiegel-2023-1-28"></ref><ref name="spiegel-2018-03-16"></ref><ref></ref>
Ende 2007 erwarb der BND von Heinrich Kieber, einem ehemaligen Mitarbeiter der Liechtensteiner LGT Bank für fünf Millionen Euro eine DVD mit den Kundendaten von Personen, die Vermögen in Liechtenstein mit dem Ziel der Steuerhinterziehung angelegt hatten. Er leitete sie im Wege der Amtshilfe an die Steuerfahndung in Wuppertal weiter, die daraufhin gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Bochum Ermittlungen gegen mehrere hundert Verdächtige einleitete (Steueraffäre in Deutschland 2008).
Ab Mitte der 1990er Jahre verhandelte der BND-Agent Gerhard Conrad über mehrere Gefangenenaustausche zwischen Israel und der Hisbollah, die 1996, 2004 und 2008 umgesetzt werden konnten. 2004 war daran auch der damalige Nachrichtendienstkoordinator im Bundeskanzleramt und spätere BND-Präsident Ernst Uhrlau beteiligt. Conrad wirkte anschließend auch als Vermittler im 2011 realisierten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas im Fall Gilad Schalit.<ref>Matthias Gebauer: Die Pendeldiplomatie des „Mr. Hisbollah“. In: spiegel.de. 16. Juli 2008, abgerufen am 23. November 2024.</ref>
Der BND übernahm zum 1. Januar 2008 einen Teil der Aufgaben des aufgelösten Zentrums für Nachrichtenwesen der Bundeswehr, insbesondere die zentrale Lagebearbeitung für die Bundeswehr.
Von 2014 bis 2020 beabsichtigte der BND mit der 300 Millionen Euro umfassenden Strategischen Initiative Technik (SIT) die Informationssammlung im Internet auszubauen.<ref>Andre Meister: Strategische Initiative Technik: Wir enthüllen, wie der BND für 300 Millionen Euro seine Technik aufrüsten will. 21. September 2015, abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref>
2014 verkündete der amtierende BND-Chef Gerhard Schindler anlässlich der Aufarbeitung der NSA-Affären eine „Transparenzoffensive“. Dabei wurden einige Tarnnamen verschiedener BND-Einrichtungen abgeschafft.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />BND schafft Tarnnamen ab. ( vom 29. Juni 2017 im Internet Archive) auf www.moz.de, 20. Januar 2016.</ref> Ehemalige Tarnbezeichnungen waren unter anderem Amt für Auslandsfragen (AfA),<ref>BT-Drs. 14/6667</ref> Studiengesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Arbeiten m.b.H.,<ref>Schild einer Legende. In: bndkarriere. Instagram, 9. Juli 2021, abgerufen am 15. Juli 2021.</ref> Hauptstelle für Befragungswesen,<ref></ref><ref></ref> Koordinierungsstelle für Wehrtechnik,<ref></ref> Bundesstelle für Fernmeldestatistik und Lehr- und Ausbildungsgruppe für das Fernspähwesen der Bundeswehr.
Am 14. Januar 2019 wurde die Liegenschaft der Schule des BND an der Wasserburger Str. 43–47 in Haar bei München (Tarnname: Weberei) aufgegeben.<ref>Bernhard Lohr: Geheimer Umzug – Spione studieren jetzt woanders. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 7. Januar 2019, abgerufen am 14. August 2019.</ref><ref>Bernhard Lohr: BND bestätigt Umzug. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 1. Januar 2019, abgerufen am 14. August 2019.</ref>
Im BND wurde 2010 eine Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“ unter der Leitung von Bodo Hechelhammer eingerichtet.<ref>Christian Mentel: „Noch klappt es nicht richtig“ – Ein Interview mit Klaus-Dietmar Henke zum Forschungsprojekt des Bundesnachrichtendienstes. In: zeitgeschichte-online.de. 1. Juni 2013, abgerufen am 9. Oktober 2022.</ref> Dieses führte ab Anfang 2011 zur Berufung einer Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes, seiner Vorläuferorganisationen sowie seines Personal- und Wirkungsprofils von 1945 bis 1968 und des Umgangs mit dieser Vergangenheit<ref></ref> mit den vier Professoren Jost Dülffer (Universität zu Köln), Klaus-Dietmar Henke (Technische Universität Dresden), Wolfgang Krieger (Philipps-Universität Marburg) und Rolf-Dieter Müller (Humboldt-Universität zu Berlin) und einem Etat von 2,2 Millionen Euro.<ref>Franziska Augstein: Der Sauhaufen von Pullach. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Oktober 2016, abgerufen am 9. Oktober 2022.</ref> Ihre Arbeit endete 2018.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“ ( vom 24. August 2017 im Internet Archive)</ref> Sie reihte sich in die Untersuchung der Geschichte zahlreicher Bundesbehörden ein.<ref>Thomas Wolf: The origins of the BND and “official history” in Germany: Methods, topics and new sources in contemporary research on the German Foreign Intelligence Service. In: perspectivia.net. 17. Oktober 2019, abgerufen am 9. Oktober 2022.</ref> Die Forschungsergebnisse wurden zwischen 2016 und 2022 in 15 Monographien veröffentlicht.<ref>Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968: Veröffentlichungen. Abgerufen am 21. Februar 2022.</ref>
Am 5. Juni 2014 wurde die Juristin Silvia Reischer Abteilungsleiterin SI und damit erste Abteilungsleiterin im BND.<ref>Reischer ist erste Abteilungsleiterin beim BND. In: politik-kommunikation.de. 10. Juni 2014, abgerufen am 23. Oktober 2022.</ref> Später leitete sie die Abteilung TW (Technik und Wissenschaft)<ref></ref> und war ab spätestens November 2022 Bevollmächtigte für Zukunftsfähigkeit.<ref>Alexei Makartsev: Treffpunkt Metaverse: Was steckt hinter der Vision vom „begehbaren“ Internet? In: Badische Neueste Nachrichten. 28. November 2022, abgerufen am 18. Mai 2023.</ref><ref>Personen. Archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 7. August 2025; abgerufen am 1. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung des Bundesnachrichtendienstes vom Mai 2020 erkannte das Bundesverfassungsgericht für Recht, dass Teile des BND-Gesetzes mit dem Grundgesetz unvereinbar sind, ohne diese für nichtig zu erklären. Der Gesetzgeber hatte bis Ende 2021 eine Neuregelung zu schaffen.<ref></ref> Im Jahr 2022 nahm daraufhin der zur Kontrolle der technischen Aufklärung des BND aufgestellte Unabhängige Kontrollrat seine Arbeit auf.
2022 änderte der BND seine Struktur. Davor gliederte er sich in elf Abteilungen: Zentralabteilung (ZY), Innerer Dienst (ID), Eigensicherung (SI), Informationstechnik (IT), Umzug (UM), Regionale Auswertung und Beschaffung A (LA), Regionale Auswertung und Beschaffung B (LB), Internationaler Terrorismus und Organisierte Kriminalität (TE), Proliferation, Waffenhandel, ABC-Waffen, Wehrtechnik (TW), Abteilung Gesamtlage/FIZ und Unterstützende Fachdienste (GU) sowie Technische Aufklärung (TA).<ref>„Strategische Modernisierung“: Große Reform für den BND. Tagesschau (ARD), abgerufen am 26. Oktober 2021.</ref><ref name="Neue Org" />
Rezeption
Erfolge
Über Erfolge wird bei Nachrichtendiensten, im Gegensatz zu Affären und Skandalen, in der Regel wenig bekannt. Ein Beispiel für einen BND-Erfolg ist die Kuba-Krise. Der BND hatte 1962 als erster westlicher Nachrichtendienst Erkenntnisse über die Stationierung von sowjetischen Mittelstreckenraketen auf der Karibikinsel und gab diese an die Vereinigten Staaten weiter.<ref>Georg Ismar: 968-Seiten-Gutachten über den BND: Das Geheimnis um das geschwärzte Land aus Kapitel 6. In: Tagesspiegel. 7. Mai 2021, abgerufen am 21. Mai 2021.</ref> Als Hochwertquelle des BND zu Zeiten der Wende und friedlichen Revolution in der DDR galt Erich Hempel.
Über die geplante Abriegelung der Berliner Sektorengrenzen war der BND informiert.<ref></ref><ref></ref> Diese Abriegelung ging dem Bau der Berliner Mauer voraus.
Der BND hatte sich im Kalten Krieg ein international gutes Ansehen im Bereich der Fernmelde- und elektronischen Aufklärung erworben, insbesondere nach massiven Investitionen in Erfassungstechnik unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt.<ref></ref>
Von 1967 bis 1982 drang der BND in der Operation Laus in das Richtfunknetz der SED ein. In diesem Zeitraum war die Operation das wichtigste nachrichtendienstliche Aufkommen des BND in der DDR.<ref name="Mühle"></ref>
Von 1967 bis 1983 führte der BND als Innenquelle Leonid Kutergin, zuletzt Oberst in der Ersten Hauptverwaltung (Auslandsaufklärung) des sowjetischen KGB.<ref>Florian Flade, Jörg Diehl: Beschaffen, beschaffen, beschaffen! In: tagesschau.de. 11. März 2026, abgerufen am 18. März 2026.</ref>
Von 1973 bis 1979 führte der BND zusammen mit dem iranischen Geheimdienstes SAVAK die Operation Vogelkäfig zur akustischen Raumüberwachung der Botschaft der DDR in Teheran im Iran durch. Sie gilt als eine der erfolgreichsten BND-Operationen im Kalten Krieg, mit der „äußerst wertvolle“ und „anderweitig nicht beschaffbare Erkenntnisse“ über die DDR-Außen- und Wirtschaftspolitik gewonnen werden konnten.<ref></ref>
Von 1970 bis 1993 waren CIA und BND je zur Hälfte Eigentümer der Schweizer Crypto AG, die weltweit Verschlüsselungsgeräte verkaufte. Die Verschlüsselung war – bei Geräten für ausgesuchte Kunden – so verändert worden, dass damit diplomatische und militärische Fernmeldeverkehre von über 100 Staaten flächendeckend mitgelesen werden konnten. Die gemeinsame Operation wurde anfangs (beim BND) „Thesaurus“, später „Rubikon“ genannt.<ref>Elmar Theveßen, Peter F. Müller, Ulrich Stoll: #Cryptoleaks: Wie BND und CIA alle täuschten. In: zdf.de. 11. Februar 2020, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. April 2021.</ref><ref>Fiona Endres, Nicole Vögele: Weltweite Spionage-Operation mit Schweizer Firma aufgedeckt. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 11. Februar 2020, abgerufen am 12. Februar 2020.</ref><ref>Greg Miller: „The intelligence coup of the century“ – For decades, the CIA read the encrypted communications of allies and adversaries. In: The Washington Post. 11. Februar 2020, abgerufen am 12. Februar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bereits Anfang der 1990er Jahre beobachtete der BND Osama bin Laden und berichtete über ihn.<ref>Florian Flade: BND hatte Osama bin Laden schon früh im Blick. In: tagesschau.de. 30. April 2026, abgerufen am 30. April 2026.</ref>
Zum Ursprung der COVID-19-Pandemie bewertete der BND, dass der Virus mit 80 bis 95 Prozent Wahrscheinlichkeit aus dem Institut für Virologie Wuhan stamme.<ref>Georg Mascolo und Holger Stark: Tiefrot als „Geheim“ gestempelt. In: zeit.de. 12. März 2025, abgerufen am 15. September 2025.</ref>
Während der globalen Energiekrise 2021–2023 bildeten die Erkenntnisse des BND eine wichtige Grundlage für Entscheidungen der Bundesregierung, mit denen ein Mangel an Erdgas in Deutschland vermieden werden konnte.<ref>Dirk Banse, Wolfgang Büscher: „Habeck konnte froh sein, dass der BND einen Ausweg aus dem Dilemma aufzeigen konnte“. In: Welt am Sonntag. 14. September 2025, abgerufen am 15. September 2025.</ref>
Kritik
Negativ wurde über die Lagebeurteilung des BND während des Vormarsches der Taliban in Afghanistan 2021 berichtet.<ref>Marcel Fürstenau: Geheimdienst-Desaster in Afghanistan. In: dw.com. 18. August 2021, abgerufen am 9. Juli 2022.</ref> So hatte der BND laut einer WDR-Doku noch am 13. August 2021 und damit zwei Tage vor dem Fall Kabuls eingeschätzt, dass die Taliban an einer militärischen Einnahme Kabuls kein Interesse hätten und die Machtübernahme vor dem 11. September 2021 (dem spätesten geplanten Abzugsdatum der US-Streitkräfte) unwahrscheinlich sei.<ref>Der Fall von Kabul: Chronik eines Desasters. die story, ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. Juli 2022 (Dokumentation, 44 Minuten, WDR 2022. Fundstelle ab Min. 2:00). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Die ehemalige Präsidenten des BND, August Hanning und Gerhard Schindler, hielten den BND im Jahr 2023 für derart reguliert und in der Aufgabenausführung eingeschränkt, dass sie ihn als ineffektiv („zahnlos“) und nicht „auf Augenhöhe“ mit anderen westlichen Diensten beschrieben. Ihrer Ansicht nach könne der BND der Terrorismus- und Auslandsaufklärung nicht nachkommen und müsse diese deswegen auf ausländische Nachrichtendienste auslagern.<ref>August Hanning und Gerhard Schindler: Geheimdienst-Reform: Ex-Chefs nennen BND „zahnlosen Wachhund“. In: bild.de. 6. August 2023, abgerufen am 21. November 2024.</ref><ref>Deutsche Nachrichtendienste - Ehemalige BND-Chefs beklagen „zahnlose Wachhunde mit Maulkorb und Eisenkette“ und fordern mehr Befugnisse. In: deutschlandfunk.de. 6. August 2023, abgerufen am 21. November 2024.</ref><ref>Volker Müller: Deutscher Bundestag - Nachrichtendienste warnen vor wachsender Bedrohung durch Russland. In: bundestag.de. 14. Oktober 2024, abgerufen am 21. November 2024.</ref><ref name="Seliger241112"></ref>
2024 beurteilte das Bundesverfassungsgericht das BND-Gesetz erneut für teils verfassungswidrig.<ref>Urteil: Überwachung durch BND teils verfassungswidrig. In: zdf.de. 7. November 2024, abgerufen am 21. November 2024.Philip Raillon: BND-Befugnisse bei Überwachung gehen laut Verfassungsgericht zu weit. Tagesschau (ARD), 7. November 2024, abgerufen am 21. November 2024.</ref> Diese Entscheidung wurde als weitere Behinderung und Bürokratisierung des BND beschrieben und vor dem Hintergrund der Zeitenwende und Bedrohungslage durch Russland kritisiert.<ref name="Seliger241112" />
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Literatur
Weblinks
Vorlage:Wikidata-Registrierung
- Homepage des BND.
- Bundesarchiv: Die Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes – eine Auswahl im Porträt. Archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juli 2024.
- BND-Shop.
- Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968. Archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 7. Februar 2025.
- Literatur von und über Bundesnachrichtendienst im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
<references responsive=""> </references>
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