Gottes-Gnadenkraut
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| Gottes-Gnadenkraut | ||||||||||||
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| Datei:Gratiola officinalis3.jpg
Gottes-Gnadenkraut (Gratiola officinalis) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Gratiola officinalis | ||||||||||||
| L. |
Das Gottes-Gnadenkraut oder Gottesgnadenkraut (Gratiola officinalis), kurz auch Gnadenkraut, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gnadenkräuter (Gratiola) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Sie ist von Europa bis Zentralasien verbreitet.
Beschreibung
Das Gottes-Gnadenkraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 40, bisweilen 60 Zentimetern. Sie bildet kurze Ausläufer. Die aufrechte Stängel ist unten rund und oben fast vierkantig. Die oberirdischen Pflanzenteile sind scheinbar kahl. Die kreuzgegenständigen und stängelumfassenden Laubblätter sind schmal lanzettlich, spitz und ganzrandig oder entfernt gesägt. Die hellgrünen Blattspreiten erscheinen durch eingesenkte Drüsenhaare punktiert.
Die Blütezeit des Gottes-Gnadenkrautes reicht von Juli bis August. Die lang gestielten Blüten stehen einzeln in den Blattachseln. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph. Die blassrosafarbenen bis weißen, zuweilen rötlich geäderten Kronblätter werden 10 bis 18 Millimeter lang und sind röhrig verwachsen. Die Kronröhre ist gelb und innen bärtig. Die Oberlippe ist behaart.
Die braune Kapselfrucht ist 5 Millimeter lang, tropfenförmig, kugelig und springt vierkappig auf. Die Samen sind etwa 6 bis 8 Millimeter lang. Die Samenschale ist netzartig.<ref name="Haeupler2000" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.<ref name="tropicos" />
Ökologie
Das Gottes-Gnadenkraut ist ein Hemikryptophyt und vermehrt sich als Wurzelkriecher vegetativ. Es bildet lockere Herden. Die von einer Population besiedelte Wuchsfläche umfasst meist nur wenige Quadratmeter. Die generative Vermehrung, Keimung und Etablierung der Pflanzen ist möglicherweise nur auf nackten Bodenstellen möglich. Vermutlich ist das Gottes-Gnadenkraut auf Umweltfaktoren angewiesen, die eine Dominanz höherwüchsiger Pflanzen verhindern.<ref name="Haeupler2000" />
Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, die Ausbreitung der Samen über den Wind.<ref name="Haeupler2000" />
Vorkommen
Das Gottes-Gnadenkraut kommt in ganz Europa ohne Skandinavien und Großbritannien vor. Sein Verbreitungsgebiet reicht in Südosteuropa über den Balkan bis in die Türkei. Ostwärts reicht sein Areal bis nach Zentralasien und Sibirien.<ref name="GRIN" /> Auch in Marokko kommt sie vor.<ref name="POWO" />
Das Gottes-Gnadenkraut besiedelt häufig gestörte Plätze mit offenen Bodenstellen in Schlankseggenrieden, in Röhrichten, in Feuchtwiesen, in Flutrasen, an kiesigen Seeufern, an Gräben oder in periodisch trockenfallenden Teichen. Die als Wechselnässezeiger geltende wärmeliebende Pflanze ist salzertragend. Sie besiedelt vorzugsweise staunasse, gelegentlich überschwemmte, mäßig nährstoffreiche, kalkreiche bis arme, basenreiche bis neutrale bis schwach saure Tonböden, Torf oder Humus. Die Art ist relativ gesellschaftsvag. Sie gilt in Deutschland als schwache Kennart des Verbandes der Brenndoldenwiesen (Cnidion dubii Bal.-Tul. 1965). Sie kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Magnocaricion oder Agropyro-Rumicion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+w+ (nass aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
Gefährdung
Das Gottes-Gnadenkraut ist europaweit gefährdet und stark im Rückgang begriffen. In Deutschland ist es nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" /> In der Roten Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands ist die als stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2) geführt.<ref name="RoteListeD" /> Auch in der Schweiz gilt sie als stark gefährdet (EN = „endangered“).<ref name="RoteListeS" />
Die Gefährdungsursachen sind vor allem in der fehlenden Dynamik an den natürlichen Standorten des Gottes-Gnadenkrautes zu suchen. Offene Bodenstellen werden kaum noch durch zum Beispiel Überschwemmungen, extensive Beweidung oder Tritt geschaffen. Ferner ist die Eutrophierung durch Düngung ein wesentlicher Gefährdungsfaktor. Aber auch die Konkurrenz invasiver gebietsfremder Arten und Verdrängung durch beispielsweise Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) oder Adlerfarn (Pteridium aquilinum) sind als Rückgangsursachen zu nennen.
Taxonomie
Der wissenschaftliche Name Gratiola officinalis wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 17 erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" />
Giftigkeit
Das Gottes-Gnadenkraut ist in allen Teilen stark giftig und wird in der Schulmedizin nicht mehr eingesetzt.<ref name="Roth2012" /> Hauptwirkstoffe sind das tetracyclische Triterpen Gratiogenin, Gratiogeninmonoglucosid, Gratiosid und 16-Hydroxygratiogenin, nach älteren Angaben auch Gratiotoxin. In frischen Blättern befinden sich 0,08 % Cucurbitacin E und 0,02 % Cucurbitacin I.<ref name="Roth2012" />
Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit, Speichelfluss, Erbrechen, Koliken, blutige Durchfälle, Nierenentzündung, Brennen in den Harnwegen, Krämpfe, Störung der Herztätigkeit und der Atmung. In letalen Fällen erfolgt der Tod im Kollaps, vielleicht durch Atemlähmung. Beachtenswert ist auch die Beeinträchtigung des Sehvermögens und der Farbempfindung. Örtlich reizend und zentral resorptiv erst zentral erregend, dann lähmend. Dem Gratiotoxin wird eine stark digitalisierende Wirkung zugeschrieben. Als Nebenwirkungen dieses Giftstoffs wurden auch blutige Darmentleerungen bei Schwangeren-Abort, heftige Krämpfe, starkes Erbrechen und Störungen der Herz- und Atemtätigkeit beobachtet.<ref name="Roth2012" />
Bei Tieren sind vereinzelt Vergiftungen aufgetreten. Das giftige Gratiosid wird über die Milch ausgeschieden und dadurch sind weitere Vergiftungen möglich.<ref name="Roth2012" />
Heilkunde
Madaus zufolge kannten antike Ärzte das Kraut nicht, trotz fraglicher Zuordnung von Dioskurides‘ „Papaver spumeum“. Bei Valerius Cordus heißt es „Limnesium“, bei Matthiolus und Dodonaeus Gratiola. Auch andere lobten die Heilkraft gegen Ödeme, Jodismus und als Ersatz für Jalape. Matthiolus schildert Gratiola als abführend, harntreibend und wundheilend, so auch von Haller für „zähen Schleim wie auch wässerige Feuchtigkeiten und Galle“, bei Hydrops, Kachexie, Ikterus, Malaria, Amenorrhoe, Hüftweh und Würmern, ähnlich Weinmann, nur mit Vorsicht wegen der abführenden Wirkung, Osiander, Hufeland auch bei Melancholie und Delirium potatorum. Kostrzewski empfiehlt es zur Beruhigung Tobsüchtiger und bei venerischer Lues, Clarus bei psychischen Leiden durch kranke Verdauungsorgane. Wolff gab es bei Gicht, Wachtel wie auch Otzolig bei Malaria, Schroff zum Abführen, Leclerc bei tuberkulösem Aszites. Schulz zeigte an Gesunden Sehstörungen mit Kurz-, Weitsichtigkeit und Grünblindheit. Skokan bestätigt die Wirkung bei Hautkrankheiten. Die Autoren geben zur Verwendung Kraut oder Blätter an, teils auch mit Wurzel, Sammelzeit sei kurz vor der Blüte. Madaus sieht insgesamt Indikationen zum Abführen besonders von Bauchwasser, in vorsichtig ansteigenden Dosen zur Vermeidung von Brechreiz, bei alten Hautkrankheiten, Ulcera und Gicht, ferner Epilepsie und Nervenleiden mit gestörter Verdauung und Menstruation. Das Herzglykosid Gratiotoxin sei mehr in den Blättern bzw. alkoholischen Auszügen.<ref>Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band II. Olms, Hildesheim/New York 1976, ISBN 3-487-05891-X, S. 1487–1492 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938) (henriettes-herb.com).</ref> Die Homöopathie nutzt Gratiola selten bei Nymphomanie mit Verdauungsstörung.<ref>Roger Morrison: Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome. 2. Auflage. Kai Kröger Verlag, Groß Wittensee 1997, ISBN 3-9801945-5-8, S. 315–316.</ref>
Etymologie
Der Name Gratiola wird von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) abgeleitet, der Heilwirkung wegen, wie auch die deutsche Bezeichnung Gottesgnadenkraut. Volkstümliche Namen waren Erdgalle, Gallenkraut, Allerheiligenkraut, Purgierkraut, Gichtkraut, Grazede ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref>Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band II. Olms, Hildesheim/New York 1976, ISBN 3-487-05891-X, S. 1487 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938) (henriettes-herb.com).</ref><ref>Vgl. auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 393 (gotz genade/gotz gnad, Übersetzung von lateinisch gratia dei: zum einen der Name einer Salbe, zum andern ein Pflanzenname, wobei verschiedene Arten in Frage kommen: Gottes-Gnadenkraut, Wiesen-Storchschnabel, Ruprechtskraut, Hohler Lerchensporn und Tauben-Skabiose).</ref>
Literatur
- Christoph Käsermann: Gratiola officinalis L. – Gnadenkraut – Scrophulariaceae. In: Christoph Käsermann, Daniel M. Moser (Hrsg.): Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 1999, S. 154–155 (infoflora.ch [PDF; 727 kB]).
- Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band II. Olms, Hildesheim / New York 1976, ISBN 3-487-05891-X, S. 1487–1492 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938) (online).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Haeupler2000"> </ref> <ref name="Roth2012"> Lutz Roth, Max Daunderer, Karl Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 6. überarbeitete Auflage. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6, S. 383–384. </ref> <ref name="RoteListeD"> Dieter Korneck, Martin Schnittler, I. Vollmer: Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Deutschlands. In: Schriftenreihe für Vegetationskunde. Band 28, 1996, S. 21–187 (Auszug als PDF; 766 kB). </ref> <ref name="RoteListeS"> D. Moser, A. Gygax, B. Bäumler, N. Wyler, R. Palese: Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Farn- und Blütenpflanzen (= Vollzug Umwelt VU). Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern; Zentrum des Datenverbundnetzes der Schweizer Flora, Chambésy; Conservatoire et Jardin botaniques de la Ville de Genève, Chambésy, 2002, S. 68 (bafu.admin.ch [PDF; 1,2 MB]). </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 17 (Digitalisat). </ref> <ref name="tropicos">Gratiola officinalis, Chromosomenzahl bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Gratiola. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7, S. 664.</ref> <ref name="POWO">Gratiola officinalis. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="InfoFlora">Gratiola officinalis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
Weblinks
- Gratiola officinalis L., Gottes-Gnadenkraut. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Gottes-Gnadenkraut. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Gnadenkraut Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)