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Heureka (Plastik)

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Datei:Zürich - Seefeld - Heureka IMG 0055.JPG
Heureka am Zürichhorn
Datei:'Heureka' von Jean Tinguely am Zürichhorn 2012-10-05 16-43-06.JPG
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Heureka ist der Titel einer kinetischen Plastik des Schweizer Künstler Jean Tinguely, die sich ohne erkennbaren Zweck bewegt.<ref>Georg Kohler, Stanislaus von Moos (Hrsg.): Expo-Syndrom? Materialien zur Landesausstellung 1883–2002. Zürich 2002, ISBN 3-7281-2744-2; S. 143</ref> Sie war Jean Tinguelys erste öffentliche Arbeit und wurde in den Jahren 1963 und 1964 für die Schweizerische Landesausstellung 1964 in Lausanne geschaffen. Seit 1967 steht sie beim Zürichhorn in Zürich.<ref name="violand">Heidi E. Violand-Hobi: Jean Tinquely. Prestel Verlag, München, New York, 1995, ISBN 3-7913-1473-4. S. 59 - S. 60. S. 165 u. S. 171</ref>

Titel

Der Titel «Heureka» (altgr. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} [<templatestyles src="IPA/styles.css" />{{#if:|[}}hɛːǔ̯rɛːka{{#if:

    | ] <phonos file="{{{Tondatei}}}"></phonos>
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|all= 1= |opt= 2= Tondatei= |template=Vorlage:IPA |errNS= 0 |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:IPA |format=@@@ }}]) ist ein Zitat des Archimedes von Syrakus und bedeutet «Ich hab’s gefunden». Das soll er vor Freude gerufen haben, als er beim Baden das Auftriebsprinzip durch einen Geistesblitz entdeckt hat. Es ist ein Ausspruch, der auf Erfinder oder Forscher passt, wenn sie eine bahnbrechende und meist nutzbringende Erfindung oder Entdeckung gemacht haben. Sie ist deshalb für eine absolut nutzlose Maschine ironisch zu verstehen. Tinguely selbst sagte, der Titel sei ein Scherz. Die Welschschweizer hätten im Gegensatz zu den Deutschschweizern den Titel nie richtig akzeptiert, die Idee hinter der Plastik dagegen besser verstanden als die Deutschschweizer.<ref name="violand"/>

Tinguely sagte bei der Radiodebatte «Tinguely sur Tinguely» der Radio-télévision belge in Brüssel am 13. Dezember 1982 : Die Welschschweizer «(...) haben immer nur von Tinguelys Maschine gesprochen. Für sie war es ein Synonym für eine Maschine, die überflüssige Handlungen verrichtet, die nutzlose Maschine, die irgendwie für die Entdeckung der Nicht-Entwicklung, der Nicht-Produktivität stand. Zum ersten Mal kamen den Schweizern Zweifel an Fortschritt und Kapitalismus auf! Das war 1964, und die Welschschweizer reagierten sofort auf die philosophische Bedeutung der Maschine, während die Deutschschweizer Heureka zwar sorgfältig in Augenschein nahmen (was nicht heisst, dass sie sie richtig verstanden), aber weniger empfänglich waren, was die Maschine eigentlich bedeutet. Der Titel Heureka – positiv, schön, korrekt – sollte offensichtlich in die Irre führen. Tatsächlich handelt es sich um einen Scherz.»<ref name="violand"/>

Konzept

Die Maschine misst 780 × 660 × 410 cm. Sie besteht aus Eisenstangen, Stahlrädern, Metallrohren, Eisenschrott, Landwirtschaftsmaschinenteilen und verschiedenen Elektromotoren, die mit einer Spannung von 220 V betrieben werden. Die Plastik besteht aus fünf verschiedenen Einheiten mit je einem Motor. Zusammen führen sie zu der Dynamik der Maschine und den einzelnen Bewegungen der Teile, wie beispielsweise Hebe- und Senkbewegungen, Hin- und Herschwingen und Vor- und Zurückbewegung. Die Maschine wurde mattschwarz bemalt.

Tinguely entwarf die kinetische Grossplastik im Sinne der französischen Kunstrichtung des Nouveau Réalisme. Pierre Restany, Kunstkritiker und der theoretische Kopf des Nouveau Réalisme, forderte, nach dem Schock des Krieges «die Welt so zu akzeptieren, wie sie nun einmal war». Tinguely baute kleine Zeichenmaschinen, mit denen er die abstrakte Kunst verhöhnte, und Riesenmaschinen aus Schrott.<ref>Uwe M. Schneede: Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert. München 2001, S. 205; Zitat Pierre Restany dortselbst</ref>

Geschichte

Datei:Noe hay turner.jpg
Beispiel eines Heuwenders, wie er für die Plastik gebraucht wurde.
Datei:Heureka Zurich 03.jpg
Heugabeln und Rad eines Heuwenders in der Plastik.

Für die Landesausstellung 1964 in Lausanne erhielt der Künstler von Chefarchitekt der Expo64 Alberto Camenzind den Auftrag einen «Signalturm» zu bauen.<ref name="violand"/><ref name="lacoste">Michel Conil Lacoste: Tinguely, l'énergétique de l'insolence. SNELA La Différence, Paris 2007, ISBN 978-2-7291-1672-9, S. 116 - S. 119</ref><ref name="bischofsberger">Christina Bischofberger: Jean Tinguely. Werkkatalog Skulpturen und Reliefs 1954-1968. Edition Galerie Bruno Bischofberger, Küsnacht/Zürich 1982, S. 317–318</ref> Jean Tinguely wohnte anfangs 1963 in Paris. Da aber die Ateliers der Impasse Ronsin abgerissen wurden, zog er mit Niki de Saint Phalle nach Lutry in die Nähe von Lausanne. Sie zogen später wieder nach Frankreich in ein ehemaliges Wirtshaus mit Tanzlokal Auberge au Cheval Blanc (Herberge zum Weissen Pferd) in Soisy-sur-École in der Gegend von Fontainebleau.<ref name="violand"/><ref name="bischofsberger"/> Während dieser Zeit (1963 bis 1964) arbeitete er sechs Monate an der Heureka.<ref name="lacoste" /><ref name="Zimmermann">Peter Zimmermann: Ballett mit Schrott, Jean Tinquelys «Heureka» am Zürichhorn. In: Neue Zürcher Zeitung, Das Wochenende, Morgenausgabe Blatt 5/6, Nr. 919/920, Wochenende 17/18, Samstag, 4. März 1967</ref> Jean Tinguely entwarf die Plastik zuerst auf Papier in etlichen Skizzen. Dann baute er sie am Standort bei der Landesausstellung in Lausanne neben dem «Weg der Schweiz», dem allgemeinen Teil der Ausstellung.<ref name="bischofsberger"/><ref name="gold">Schweizerische Landesausstellung, Lausanne 1964, Goldenes Buch, Librairie Marguerat S.A., Lausanne 1964, S. 211 - S. 212</ref> Dazu umgab er seinen zugewiesenen Platz mit allerlei tonnenschweren Alteisenstücken, Schienen, Stäben, Transmissionsrädern, Blechen und Grubenwägelchen. Diese Teile suchte er tagelang zusammen aus den Altschrotthaufen der Fabriken des letzten Jahrhunderts, des «Industriezeitalters». Und er suchte gezielt Teile, wie beispielsweise einen alten Heuwender mit Rad und Gabeln.<ref name="Zimmermann"/>

Nach der Ausstellung kaufte der Industrielle und Mäzen Walter Bechtler die Plastik für die Stadt Zürich. Sie wurde demontiert und auf seinem Fabrikareal deponiert. Die Standortsuche löste in der Stadt Kontroversen aus, denn einige Bürger befürchteten Lärm und kritisierten die Ästhetik der Plastik und wollten sie deshalb nicht in ihrer Nähe haben. Es wurden viele Standorte evaluiert, wie beispielsweise beim Kunsthaus, auf der SAFFA-Insel in Wollishofen oder neben dem Hallenstadion. Die Standortsuche zog sich in die Länge. Um einen dreiteiligen Bericht über die Schweiz («Switzerland») für die Expo 67 zu produzieren, übte der Filmemacher Ernst A. Heiniger Druck auf die Verantwortlichen aus, dass die Plastik aufgestellt wird, so dass er sie in vollem Betrieb für die Darstellung der zeitgenössischen Kunst der Schweiz dokumentieren konnte. Sie sollte als das Beispiel für das kulturelle Leben in der Schweiz im letzten Teil «Creation» des dreiteiligen Films «Switzerland» zu sehen sein. (Für diesen Film erhielt Ernst Heiniger 1968 den Zürcher Filmpreis.) So wurde die Plastik «provisorisch» auf dem Zürichhorn montiert. Sie war deshalb bewusst provisorisch aufgestellt, weil die ETH Zürich den Wunsch äusserte, dass die Plastik später auf dem neu gebauten Hönggerberger Campus aufgestellt wird.<ref name="Zimmermann"/> Daraus wurde nichts.

Im Sommer 2011 war die «Heureka» als Leihgabe der Stadt Zürich an der Kunstausstellung ARTZUID in Amsterdam.<ref name="AmsterdamArtZuid">Pressemitteilung Stadt Zürich, erschienen am 26. Mai 2011.</ref>

Interpretation

Für Jean Tinguely stellt die Maschine Humor und Poesie dar. Er schaffe als Künstler «freie und fröhliche» Maschinen. Die vielen Räder der Plastik seien Symbole für die Weisheit und den Wahnsinn in einem.<ref name="gold"/>

Der französische Kunstjournalist und -kritiker Michel Conil-Lacoste führt drei Deutungsweisen auf. Die soziologische Interpretation sieht die Maschine als eine Glorifizierung des industriellen Zeitalters. Die literarische Deutung sieht wegen der Dilatation- und der Kontraktionbewegungen eine Anspielung auf Edgar Allan Poes Werk Die Grube und das Pendel. In dieser Erzählung sitzt ein Protagonist im Kerker. Der Kerker wird immer kleiner, da die Wände und die Decke zusammenrücken. Ein sichelförmiges Pendel an der Decke droht den Protagonisten zu zerschneiden. Eine psychoanalytische Deutung sieht in der Maschine ein komplexes Gebilde aus bewegenden Balken und Röhren, die aber trotzdem flüssig den vorgezeichneten Wegen folgt. Es kann somit kollektive Verdrängung darstellen. Jeder einzelne geht einen vorgezeichneten Weg im Leben ohne aus seinem Weg auszubrechen oder ausbrechen zu können. Damit erinnert es wiederum an die Ikonografie von Osiris. Er wird einerseits als Vegetationsgott interpretiert, der Wachstum ermöglicht (die Lebendigkeit der Maschine), andererseits ist er der Totengott, vor dem sich jeder Mensch am Ende seines Lebens verantworten muss (vorgezeichnete Wege).<ref name="lacoste" />

Rezeption

Während der Landesausstellung gab es unterschiedliche Meinungen. Einige hielten die Maschine für einen üblen Scherz, andere interpretierten es als Satire auf die Tyrannei der Technik in der Zivilisation und wieder andere beurteilten die Plastik als ein sehr einfallsreiches Gebilde und in ihrer Gesamtheit eine Schönheit.<ref name="gold"/>

Gemäss einer offiziellen Stellungnahme aus den Zuschriften an den Zürcher Stadtrat, fand die Aufstellung der Plastik in Zürich Zustimmung vor allem bei Personen mit einem Alter bis 50 Jahren. Ältere Personen reagierten dagegen eher ablehnend.<ref name="Zimmermann"/>

Details

Literatur

  • Uwe M. Schneede: Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert. München 2001, ISBN 3-406-48197-3, S. 204–205.
  • Heidi E. Violand-Hobi: Jean Tinquely. Prestel Verlag, München, New York, 1995, ISBN 3-7913-1473-4. S. 59. S. 165 u. S. 171

Weblinks

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Einzelnachweise

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