Zum Inhalt springen

Mrągowo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Ort in Polen

Mrągowo [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Sensburg, 1945–1947 masurisch Ządźbork) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen. Sie ist Sitz des Powiat Mrągowski.

Geographie

Lage

Die Stadt liegt im historischen Ostpreußen, 60 km östlich der Stadt Olsztyn (Allenstein) am Rand der Masurischen Seenplatte südlich des Juno-Sees am Westufer des Czos-Sees<ref name="MeyersGaz" /> auf einer Höhe von Vorlage:Höhe

Stadtgliederung

Die Stadt Mrągowo umfasst acht Stadtteile:

  • Altstadt
  • Osiedle Brzozowe
  • Osiedle Grunwaldzkie
  • Osiedle Mazurskie
  • Osiedle Medyk
  • Osiedle Metalowców
  • Osiedle Nikutowo
  • Osiedle Parkowe

Nachbargemeinden

Das Stadtgebiet ist nur von einer Gemeinde umgeben: von der Landgemeinde Mrągowo, die nicht zur Stadt gehört, deren Amtssitz aber im Stadtgebiet liegt.

Geschichte

Datei:20230808 Sensheim (poln. Mrągowo) Marktplatz (historische Ansicht).jpg
Historische Ansicht des Marktplatzes
Datei:20230809 Rathaus Mrągowo (Sensburg).jpg
Rathaus (2023)

Um 1348 errichtete der Deutsche Orden eine hölzerne Burg, die Sensburg, in der Gegend des heutigen Mrągowo. Ihr Name weist jedoch auf eine vorherige ältere Siedlung (prußisch „sena“, „senas“: alt, altertümlich) hin. Durch diese Burg entwickelte sich eine Siedlung, die 1397 erstmals urkundlich erwähnt wurde und möglicherweise bereits 1404 bis 1407 das Stadtrecht nach Kulmer Recht erhielt. Gesichert ist die (erneute) Vergabe des Stadtrechtes 1444 vom Hochmeister Konrad von Jungingen. Der Name des Ortes war damals bereits Sensburg. Die Lebensgrundlage für den Ort lieferten vor allem die umliegenden Wälder sowie die Landwirtschaft.

Während des 16. und 17. Jahrhunderts zerstörten mehrfach Brände die Stadt, so 1568, 1693 und 1698. 1657 wütete die Pest, 1708–1711 die Cholera in der Stadt. Während der Napoleonischen Kriege mit Russland wurde der Ort abermals zerstört.

1818 wurde Sensburg Sitz des Landkreises Sensburg, und 1897 erhielt der Ort Anschluss an das Eisenbahnnetz. Bis 1824 bestand das Stadt- und Amtsgericht Sensburg, dann bis 1849 das Land- und Stadtgericht Sensburg und dann bis 1879 das Kreisgericht Sensburg. Zwischen 1879 und 1945 bestand das Amtsgericht Sensburg. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Sensburg eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, Maschinen-, Kunststein- und Möbelfabrikation und Sägewerke.<ref name="Meyers" />

Bei der Abstimmung am 11. Juli 1920 im Abstimmungsgebiet Allenstein wurden in der Stadt Sensburg 3660 Stimmen für den Verbleib bei Ostpreußen (und damit beim Deutschen Reich) und keine für Polen abgegeben.<ref>Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Hrsg.: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 115.</ref> Im Kreis entfielen 34.334 Stimmen auf Ostpreußen und 25 für den Anschluss an Polen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt während der Ostpreußischen Operation am 26. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen und dabei zu etwa 20 % zerstört. Am 28. Mai 1945 – also schon vor dem Potsdamer Abkommen – wurde Sensburg von der Sowjetunion dem kommunistischen Regime der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt. Es begann danach der Zuzug von Polen und Ukrainern, die teils aus Gebieten östlich der Curzon-Linie stammten. Der Großteil der deutschen Einwohner, soweit nicht bereits geflohen, wurde in der Folgezeit vertrieben. Es wurde den deutschen Einwohnern später nicht erlaubt, in ihren Besitz zurückzukehren.

Von 1975 bis 1998 war die Stadt der Woiwodschaft Olsztyn angegliedert.

Heute ist sie mit ihrer Umgebung ein beliebtes Touristenziel.

Polnischer Ortsname

Die Stadt erhielt 1945 zunächst den Namen Ządźbork, 1947 wurde sie zu Ehren des evangelischen Pfarrers und Sprachforschers Christoph Cölestin Mrongovius (1764–1855) in Mrągowo umbenannt.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1782 ca. 1200Vorlage:0 <ref>Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I. Königsberg / Leipzig 1785, S. 42, Nr. 6 (Vorlage:Archive.org).</ref>
1802 1406 <ref name="Mützell-5" />
1810 1320 <ref name="Mützell-5" />
1816 1584 davon 1548 Evangelische, 17 Katholiken und 19 Juden<ref name="Mützell-5">Vorlage:Wörterbuch Preußischer Staat</ref>
1818 1308 mit Zubehör<ref name="Mützell-4">Vorlage:Wörterbuch Preußischer Staat</ref>
1821 1897 in 239 Privatwohnhäusern<ref name="Mützell-5" />
1831 2137 teils Polen<ref name="AEP">August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 510, Nr. 103 (Vorlage:Archive.org).</ref>
1867 3137 am 3. Dezember<ref name="Gemeindelexikon1871" />
1871 3270 am 1. Dezember, davon 2898 Evangelische, 231 Katholiken, 8 sonstige Christen und 133 Juden<ref name="Gemeindelexikon1871">Vorlage:Gemeindelexikon Preußen 1871</ref>
1875 3321 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 3611 <ref name="MR" />
1890 3562 davon 250 Katholiken und 115 Juden<ref name="MR" />
1905 5838 mit der Garnison (zwei Infanteriebataillone Nr. 146, eine Maschinengewehrabteilung Nr. 6), meist Evangelische<ref name="Meyers">Lexikoneintrag zu Sensburg in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 18, Leipzig/Wien 1909, S. 346.</ref>
1910 6492 davon 5329 Evangelische, 817 Katholiken, 112 Juden, 24 Sonstige (5863 mit deutscher, 82 mit polnischer und 337 mit masurischer Muttersprache, 200 Einwohner benutzen die deutsche und eine andere Sprache)<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft I: Regierungsbezirk Allenstein. Berlin 1912, S. 60–61, Ziffer 2: Sensburg (books.google.de).</ref><ref name="MeyersGaz">Sensburg, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, mit einer alten Landkarte der Umgebung von Sensburg)</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
1933 8757 <ref name="MR" />
1939 9880 <ref name="MR" />
Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg
Jahr Einwohner Anmerkungen
2007 21.663 <ref>Vorlage:Webarchiv Główny Urząd Statystyczny / Central Statistical Office, Stand 30. Juni 2007 (polnisch, englisch).</ref>

Kirche

Evangelisch

Vorlage:Hauptartikel

Kirchengebäude

Datei:Ewangelicki KościółwNMR.JPG
Evangelische St.-Trinitatis-Kirche

Die evangelische frühere Alte Pfarrkirche und heutige St.-Trinitatis-Kirche (Vorlage:PlS) an der ul. Kościelna stammt aus dem Jahr 1734 und ist die Nachfolgekirche eines 1409 errichteten Gotteshauses.<ref>Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 140.</ref> Der viergeschossige Westturm steht bereits seit 1705. Im Jahr 1885 wurde die Apsis angebaut.

Die alte Ausstattung ist nicht mehr vorhanden, wie überhaupt nach der Zerstörung durch Brandstiftung im Jahr 1945 die Kirche niedriger und kürzer wieder aufgebaut wurde. Heute ist das Innere der Kirche schlicht, modern und praktisch eingerichtet.

Kirchengemeinde

Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Kirche ein Gotteshaus, in dem lutherisch gepredigt wurde.<ref name="Hubatsch3">Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 501–502.</ref> Bis 1945 gehörte die Pfarrei mit ihrem weitflächigen Kirchspiel zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Heute gehört die Gemeinde zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchenkreis Sensburg

Sensburg war bis 1945 auch Sitz der Superintendentur für den Kirchenkreis Sensburg, zu dem elf Kirchengemeinden gehörten:<ref name="Hubatsch3" />

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name
Alt Ukta/Rudczanny – / Niedersee Ukta / Ruciane (-Nida)
Aweyden
mit Peitschendorf
Nawiady
mit Piecki
Barranowen Hoverbeck Baranowo
Eichmedien Nakomiady
Nikolaiken Mikołajki
Ribben Rybno
Schimonken Schmidtsdorf Szymonka
Seehesten Szestno
Sensburg Mrągowo
Sorquitten Sorkwity
Warpuhnen Warpuny

Römisch-katholisch

Datei:20230814 Mrągowo (Sensburg) - katholische St.-Adalbert-Kirche (Kościół św. Wojciecha).jpg
Katholische St.-Adalbert-Kirche

Kirchengebäude

Die katholische St.-Adalbert-Kirche (polnisch Kościół św. Wojciecha) an der ul. Królewiecka entstand 1860/61 und wurde in neogotischem Stil errichtet.<ref>Kirchen in Sensburg</ref> Mehrfarbige Dachziegel dienten damals als Verzierung. Sie ist heute die älteste der fünf römisch-katholischen Kirchen der Stadt.

Pfarrgemeinde

Die Pfarrei wurde am 30. Juli 1870 errichtet. Bis zum 30. Juni 1939 gehörte sie im Bistum Ermland zum Dekanat Masuren II mit Amtssitz in Johannisburg (polnisch Pisz), danach bis 1992 zum Dekanat Bischofsburg, ab 1945 „Biskupiec“. Danach wurde Mrągowo selber Dekanatsamtssitz.

Dekanatsbezirke Mrągowo I und II

Heute ist Mrągowo Amtssitz zweier Dekanate im Erzbistum Ermland:

Name Deutscher Name Name Deutscher Name
Dekanat Mrągowo I: Dekanat Mrągowo II:
Św. Rafał Kalinowski,
Mrągowo
St. Raphael Kalinowski,
Sensburg
Grabowo Grabowen/Grabenhof
Św. Wojciech,
Mrągowo
St. Adalbert,
Sensburg
Honorat Koźmiński, Mrągowo Honorat Koźmiński,
Sensburg
Nawiady Aweyden Matka Boża Saletyńska,
Mrągowo
Mutter Gottes von La Salette,
Sensburg
Piecki Peitschendorf Św. Pio z Pietrelciny,
Mrągowo
Pio von Pietrelciny,
Sensburg
Szestno Seehesten Rybno Ribben
Warpuny Warpuhnen Sorkwity Sorquitten

Polnisch-orthodox

Kirchengebäude

Datei:Mragowo Cerkiew.JPG
Die orthodoxe Kirche Verklärung des Herrn

Das Gotteshaus der Polnisch-orthodoxen Kirche an der ul. Franklina D. Roosevelta wurde 1895/96 erbaut. Es diente der örtlichen jüdischen Gemeinde als Synagoge, bis es 1939 von den Nationalsozialisten verwüstet wurde. Es heißt heute Kirche der Verklärung des Herrn (polnisch Cerkiew Przemienienie Pańskie).

Kirchengemeinde

Die Gemeinde der Polnisch-orthodoxen Kirche (Vorlage:PlS) in Mrągowo ist dem Dekanat Olsztyn (Allenstein) der Diözese Białystok-Danzig zugeordnet.

Politik

Wappen

Um die Entstehung des Wappens rankt sich eine Sage. Als im 15. Jahrhundert die Stadt wuchs, waren die Viehherden der Einwohner durch wilde Tiere aus den umliegenden Wäldern gefährdet. Unter diesen befand sich auch ein Bär, der regelmäßig Vieh riss oder Honig stahl. Nach erfolglosen Versuchen, das Tier zu erlegen, wurde es schließlich durch Militäreinheiten verfolgt. Diese verwundeten das Tier nur durch einen Schuss an der Tatze, und der Bär konnte fliehen. Nach einer Verfolgung wurde das Tier bei Rastenburg erlegt. Um zu beweisen, dass es sich wirklich um das fragliche Tier handelte, wurde seine Tatze nach Sensburg gebracht.

Städtepartnerschaften

Sehenswürdigkeiten

Datei:MragowoHausBemalung.JPG
Hausbemalung in Mrągowo

In der gut erhaltenen Altstadt sind die evangelische St.-Trinitatis-Kirche (18. Jh.), die St.-Adalbert-Kirche (19. Jh.), das Rathaus (1825) und der Bismarckturm sehenswert.<ref>Bismarckturm Sensburg (BJO)</ref> Für die Erhaltung des deutschen evangelischen Friedhofs setzt sich der Ernst-Wiechert-Verein ein.<ref>VdG: Vorlage:Webarchiv</ref>

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Nach Geburtsjahr geordnet

Mit der Stadt verbunden

  • Julius Rimarski (1849–1935), 1895 bis 1925 Pfarrer und Superintendent in Sensburg

Landgemeinde Mrągowo

Vorlage:Hauptartikel Die Landgemeinde Mrągowo, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 294,87 km² und hat Vorlage:EWZ Einwohner (Stand Vorlage:EWD).

Literatur

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I. Königsberg / Leipzig 1785, S. 42, Nr. 6 (Vorlage:Archive.org).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 510, Nr. 103 (Vorlage:Archive.org).
  • Max Toeppen: Geschichte Masurens – Ein Beitrag zur preußischen Landes- und Kulturgeschichte. 1870, S. 98–104 (540 Seiten; Vorlage:Archive.org). Nachdruck 1979.
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den Lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandenen Predigern. Königsberg 1777, S. 293–294 (books.google.de).
  • Sensburg. In: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, mit einer alten Landkarte der Umgebung von Sensburg)
  • Vorlage:MerianTopo

Weblinks

Vorlage:Commons

Fußnoten

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Mrągowski

Vorlage:Normdaten