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Pyromanie

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Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Der Begriff Pyromanie (von Vorlage:GrcS, und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} maníā ‚Raserei, Wut‚ Wahnsinn‘) bezeichnet die pathologische Brandstiftung und wurde im frühen 19. Jahrhundert geprägt, siehe dazu auch Monomanie. Betroffene Personen verspüren den Drang, Feuer zu legen, und beziehen aus der Tat Befriedigung. Von der Störung betroffene Personen werden auch Pyromanen genannt.

Klinisches Krankheitsbild

Klassifikation

Datei:Burned container.jpg
Durch Brandstiftung zerstörte Mülltonne

Der Begriff der Pyromanie findet sich in der ICD-10 im Kapitel F63 („Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“) mit der Kategorie F63.1 „pathologische Brandstiftung [Pyromanie]“.<ref>F63.- Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, abgerufen am 13. April 2021</ref> Im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen (DSM-5) ist die Pyromanie im Kapitel „Disruptive, Impulskontroll- und Sozialverhaltensstörungen“ zu finden<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>, in der ICD-11 als Störung der Impulskontrolle.

Problematisch an der Aufnahme des Begriffs in psychiatrische Klassifikationssysteme ist, dass hiermit die Erwartung geweckt wird, Brandstiftungen mit Merkmalen der „Pyromanie“ würden als psychische Störungen von Gerichtspsychiatern und Gerichten als schuldmindernd anerkannt.

Kriterien

Im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, dem international gültigen Diagnosekatalog der Psychiatrie, finden sich folgende Kriterien:

  • Die bewusste und vorsätzliche Brandstiftung in mehreren Fällen
  • Große Anspannung und Erregung vor der Tat
  • Großes Interesse an Feuer und allem, was damit zu tun hat
  • Freude oder Erleichterung während der Brandstiftung
  • Die Brandstiftungen wurden nicht aus finanziellen Gründen, Rachegelüsten etc. unternommen

Komorbidität

Die Pyromanie geht häufig mit anderen Störungen einher:

  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Lernschwierigkeiten
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung
  • Impulskontrollstörungen
  • Intelligenzminderung
  • körperliche Defizite

Differenzialdiagnose

Neben Implikationen für die Behandlung ist die differentialdiagnostische Abgrenzung auch strafrechtlich relevant.

Andere Motive

Das wichtigste Unterscheidungskriterium zur krankhaften Pyromanie ist das Motiv: Sabotage, Rache, Versicherungsbetrug oder Verbergen eines Verbrechens weisen auf eine nicht-krankhafte Brandstiftung hin. Auch die Suche nach Aufmerksamkeit oder Anerkennung ist von der Pyromanie abzugrenzen. Das Spielen mit Feuer im Kindesalter ist keine Pyromanie. Ungefähr 40 % der Brandstifter erfüllen die Zeichen einer Pyromanie.<ref>Pyromanie, Thieme, abgerufen am 20. August 2021</ref>

Störungen des Sozialverhaltens

Brandstiftungen bei Jugendlichen mit Störung des Sozialverhaltens und wiederholten Diebstählen, Aggressivität oder Schulschwänzen oder bei Erwachsenen mit dissozialen Persönlichkeitsstörungen sind keine Pyromanie.

Symptom anderer psychiatrischer Störungen

Brandstiftungen im Zusammenhang mit Schizophrenie oder organisch bedingten psychiatrischen Störungen werden nicht unter Pyromanie klassifiziert.

Intoxikationen

Brandstiftungen unter Intoxikation mit psychotropen Substanzen (Alkohol, Drogen, Medikamente) sind differenziert zu betrachten: Strafrechtlich relevant ist die Frage, ob die Impulse erst im intoxizierten Zustand entstanden sind oder ob der Impuls zur Tat bereits nüchtern vorhanden war und das Rauschmittel zur Beruhigung genutzt wurde.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Epidemiologie

Zur Häufigkeit und Verlauf gibt es keine belastbaren Daten. Brandstiftung kommt gehäuft im Kindes- und Jugendalter vor (40 % der festgenommenen Brandstifter sind minderjährig), ist dann aber in der Regel mit anderen psychischen Störungen kombiniert.<ref name=":0" />

Entstehung

Pyromanie geht gehäuft einher mit Lernschwierigkeiten und ADHS im Kindesalter, Sprachproblemen, physischen Defiziten oder neurologischen Störungen, Bettnässen und geringer Intelligenz.<ref name=":0" />

Therapie

Verhaltenstherapeutische Strategien werden häufig eingesetzt. Erfahrungen bestehen in der ambulanten Therapie mit der „grafischen Interviewtechnik“ und mit soziotherapeutischen Psychoedukationsprogrammen.<ref name=":0" />

Literatur

  • Karl Birnbaum: Die psychopathischen Verbrecher. Thieme, Leipzig 1926.
  • Horst Dilling u. a. (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10, Kapitel V (F); klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2006, ISBN 3-456-84286-4.
  • Jean Etienne Dominique Esquirol: Allgemeine und specielle Pathologie und Therapie der Seelenstörungen. Hartmann, Leipzig 1827.
  • Jean Etienne Dominique Esquirol: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Medizin und Staatsarzneikunde. Voß, Berlin 1838 (2 Bände).
  • Werner Janzarik: Themen und Tendenzen in der deutschsprachigen Psychiatrie. Springer, Berlin 1974.
  • Charles Chretien Henry Marc: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Rechtspflege. Voß, Berlin 1843/1844 (2 Bände).
  • André Matthey: Nouvelles recherches sur les maladies de l’esprit précédées considérations sur les difficulté de l’art de guérir. Paschoud, Paris 1816.
  • Tobias Müller: Störungen der Impulskontrolle – Alter Wein in neuen Schläuchen? In: Rolf Baer u. a. (Hrsg.): Wege psychiatrischer Forschung. Perimed, Erlangen 1991, ISBN 3-88429-390-7.
  • Henning Saß u. a.: Diagnostische Kriterien des diagnostischen und statistischen Manuals psychischer Störungen. DSM-IV-TR. Hogrefe, Göttingen 2003, ISBN 3-8017-1661-9.
  • Ulrich Venzlaff, Friedemann Pfäfflin: Persönlichkeitsstörungen und andere abnorme seelische Entwicklungen. In: Klaus Foerster (Hrsg.): Psychiatrische Begutachtung. Elsevier, München 2004, ISBN 3-437-22900-1.
  • S. Brunnhuber, S. Frauenknecht, K. Lieb: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, 2005.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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