Remmidemmi
Remmidemmi (Neutrum Singular, andere Schreibungen: Remmi-Demmi, Remi-Demi) ist ein Wort der deutschen Umgangssprache und bedeutet „Durcheinander, Massenveranstaltung, Lärm, ausgelassenes Treiben, Streit, hin- und herwogender Kampf“.<ref name="kuepper">Heinz Küpper: PONS. Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Klett Verlag, Stuttgart 1987, S. 663 s. v. „Remmidemmi“.</ref> Eine ähnliche Bedeutung hat auch Ramba Zamba.<ref>Rambazamba, der oder das. In: Duden.de. Abgerufen am 8. April 2025.</ref>
Etymologie
Das Wort gilt als vor dem<ref>Heinz Küpper: Illustriertes Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Band 6. Klett, Stuttgart 1984, S. 2265, 2306.</ref> oder im<ref name="kluge">Wilhelm Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage, bearbeitet von Elmar Seebold. De Gruyter, Berlin/New York 2002, S. 757 s. v. „Remmidemmi“.</ref> 20. Jahrhundert entstanden. Seine Etymologie ist nicht geklärt. Vermutlich ist es eine Weiterentwicklung der lautmalerischen Bezeichnung Rammerdammer für den Steinmetz und Pflasterarbeiter.<ref name="kuepper" /> Die weitere Entwicklung zu Remmidemmi geschah dann wahrscheinlich<ref name="kuepper" /> unter dem Einfluss des in Norddeutschland verbreiteten Verbs rementen, ramenten, ramentern für „Unruhe verbreiten, lärmen, toben“.<ref>Vgl. Jan ten Doornkaat Koolman: Wörterbuch der ostfriesischen Sprache. Band 3. Hermann Braams, 1884, S. 10 s. v. „ramenten“.</ref>
Als semantisch verwandt<ref name="kluge" /> oder auch in der Entstehung verwandt<ref name="gehl">Hans Gehl: Wörterbuch der donauschwäbischen Lebensformen (= Schriftenreihe des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde. Bd. 14). Franz Steiner, Stuttgart 2005, Sp. 804 f. s. v. „Ramasuri“.</ref> gilt außerdem das österreichisch-bairische Remisuri, Remasuri, Ramasuri „Ausgelassenheit der Kinder bei Abwesenheit der Eltern“,<ref name="kluge" /> „Durcheinander, ärgerliche Vorkommnisse, Hast, geschäftiges Treiben“<ref name="gehl" />, das seit dem 18. Jahrhundert belegt sein und seinerseits auf Italienisch ramassare „sammeln, häufen“<ref name="gehl" /> oder aber auf oberitalienisch (piemontesisch) ramadán, rabadán „Lärm, Trubel“ zurückgehen soll,<ref name="kluge" /> welches vermittelt über okzitanisch ramadan auf den arabischen Namen des islamischen Fastenmonats Ramadan zurückgeführt und in der Bedeutungsverschiebung zu „Lärm, Trubel“ mit den während der fastenfreien Zeiten und am Ende der Fastenzeit stattfindenden Familienfesten und Feierlichkeiten erklärt wird.<ref>Wilhelm Meyer-Lübke: Romanisches Etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage. Carl Winter, Heidelberg 1935, S. 581.</ref>
Da der arabische Name des Ramadan in der maghrebinischen Dialektform ramdam<ref>Reinhard Kiesler: Sprachkontakte: Arabisch und Galloromania. In: Gerhard Ernst u. a. (Hrsg.): Romanische Sprachgeschichte (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Bd. 23). Teilband 2. De Gruyter, Berlin u. a. 2006, S. 1648–1654, hier S. 1651 f.</ref> von französischen Kolonialsoldaten während der 1890er-Jahre im Maghreb in der Bedeutung „Lärm, Krach“ in die französische Soldatensprache entlehnt wurde und ramdam seither mit Redewendungen wie faire du ramdam (ungefähr: „Remmidemmi machen“) auch im Argot und der französischen Umgangssprache verbreitet ist,<ref>Volker Noll: Die fremdsprachlichen Elemente im französisöchen Argot (= Heidelberger Beiträge zur Romanistik. Bd. 25). Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 1991, S. 80, 98. In den literarischen Argot eingegangen ist ramdam u. a. bei Raymond Queneau: Les oeuvres complètes de Sally Mara, Gallimard, Paris 1962, S. 150: „le jour où vous avez fait tout ce ramdam“; aus dem Französischen wurde das Wort von Samuel Beckett auch ins Englische versetzt in seinem Hörspiel All that fall (1956): „I am sorry for all this ramdam“. Collected shorter plays, Grover Press, New York 1984, S. 25.</ref> wurde zuweilen auch eine Entlehnung von Remmidemmi aus französisch ramdam erwogen.<ref>Leserzuschrift von Nelly Rode (Essen), zitiert in Der Sprachdienst 31 (1987), S. 159.</ref>
Mit Remmidemmi in Verbindung gebracht wird auch die bairische Redensart Rama dama! „Räumen tun wir!“, „Lasst uns aufräumen!“,<ref>Küpper, PONS. Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, gefolgt von Gehl, Wörterbuch der donauschwäbischen Lebensformen, führt sie hierbei an in der Schreibung Ramma damma und Bedeutung „Rammen tun wir“, womit „man in München den Lärm der Pflasterer mit ihren Rammen“ wiedergebe (S. 663).</ref> die der Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer bei den Schutträumaktionen von 1949 zum populären Wahlspruch des Wiederaufbaus machte.<ref>Richard Bauer: Ruinen-Jahre: Bilder aus dem zerstörten München, 1945–1949. Hugendubel, München 1983, S. 43.</ref> In der Form Ramadama ist sie noch heute der Name einer jährlichen Aktion zum Einsammeln von Abfällen in Münchner Naturgebieten (siehe Abfallwirtschaftsbetrieb München).
Von der Gesellschaft für deutsche Sprache wurde die Herkunft des Wortes Remmidemmi 1987 als Preisaufgabe ausgeschrieben.<ref>Der Sprachdienst 31 (1987), S. 31 f.</ref>
Multimediale Verwendung
Musik
In den 1980ern gab es Potpourri-Schallplatten mit den Begriffen „Remmidemmi“ oder „Ramba Zamba“ im Titel.<ref>Stimmungsorchester Bobby Schmitz Und Die Lustigen Stammtischbrüder, Die Holiday-Singers – 32 X Remmidemmi (Superstimmung) bei Discogs, abgerufen am 8. April 2025.</ref> Das Lied Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) der Hamburger Hip-Hop-Formation Deichkind belegte 2006 Platz 68 in den deutschen Singlecharts und blieb insgesamt 15 Wochen in den Top 100. Stefan Raab nutzte die Phrase „Rambo Zambo“, geäußert vom CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz, 2025 für seinen Song Rambo Zambo (Was is Bubatz?).
Film
1984 entstand der Fernsehfilm Rambo Zambo, unter anderem mit Walter Sedlmayr in einer der Hauptrollen.<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
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