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Salpetrige Säure

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Strukturformel von salpetriger Säure
Allgemeines
Name Salpetrige Säure
Andere Namen
  • Hydrogennitrit
  • Stickstoff(III)-säure
  • Acidum nitrosum
Summenformel HNO2
Kurzbeschreibung

nur in kalter wässriger Lösung beständig<ref name=roempp>Eintrag zu Salpetrigsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref><ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 231-963-7
ECHA-InfoCard 100.029.057
PubChem 24529
ChemSpider 22936
DrugBank DB09112
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 47,01 g·mol−1
pKS-Wert

3,29<ref name ="Holleman-Wiberg">A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="ECHA">Vorlage:CL Inventory/nicht harmonisiertFür diesen Stoff liegt noch keine harmonisierte Einstufung vor. Wiedergegeben ist eine von einer Selbsteinstufung durch Inverkehrbringer abgeleitete Kennzeichnung von Vorlage:Linktext-Check im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​314​‐​400
P: ?
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Salpetrige Säure ist eine nur in kalter und verdünnter wässriger Lösung beständige, mittelstarke Säure.

Synthese

Stickstoffdioxid NO2 disproportioniert beim Einleiten in Wasser, z. B. im Rahmen des Ostwald-Verfahrens, in Salpetersäure und salpetrige Säure:

<math>\mathrm{2\, NO_2 + H_2O \ \rightarrow \ HNO_2 + HNO_3}</math>

Daher kann NO2 formal als gemischtes Anhydrid von HNO2 und HNO3 betrachtet werden. In ähnlicher Weise lassen sich die Salze der salpetrigen Säure, die Nitrite mit dem Anion NO2, durch Disproportionierung von Stickstoffmonoxid NO in konzentrierten Laugen bei hohen Temperaturen herstellen:<ref name="Holleman-Wiberg" />

<math>\mathrm{4\, NO + 2\,OH^- \ \rightarrow \ N_2O + 2 \,NO_2^- + \ H_2O }</math>

Als Zwischenprodukt entsteht hierbei Hyponitrit N2O22−, das bei den Reaktionsbedingungen instabil ist und unter Freisetzung von Distickstoffmonoxid zerfällt. Im Labormaßstab lässt sich salpetrige Säure aus der Reaktion von verdünnter Schwefelsäure mit Bariumnitritlösung synthetisieren.<ref name="Binnewies">M. Binnewies et alii: Allgemeine und Anorganische Chemie. 2. Auflage. Spektrum, 2010, ISBN 3-8274-2533-6, S. 491.</ref>

Eigenschaften

Datei:Trans-nitrous-acid-2D-dimensions.png
Bindungsverhältnisse der salpetrigen Säure

Salpetrige Säure ist sehr viel instabiler als Salpetersäure und lässt sich nicht als Reinstoff isolieren, da sie bei Erwärmung in einer Disproportionierungsreaktion zu Salpetersäure und Stickstoffmonoxid zerfällt:<ref name="Binnewies"/> Salpetrige Säure gehört mit einem pKS-Wert von 3,35 zu den schwächeren Säuren und ist damit ähnlich stark wie die Ameisensäure.

<math>\mathrm{3\ HNO_2 \ \longrightarrow \ HNO_3 + 2\ NO + H_2O}</math>

Neutralisiert man salpetrige Säure mit alkalischen Lösungen, bilden sich die stabilen Salze der Säure, die Nitrite. So entsteht bei der Reaktion von salpetriger Säure mit verdünnter Natronlauge Natriumnitrit:

<math>\mathrm{HNO_2 + NaOH \ \longrightarrow \ NaNO_2 + H_2O}</math>

Das Stickstoffatom in der salpetrigen Säure hat die Oxidationsstufe +III. Deshalb kann salpetrige Säure durch Oxidationsmittel zu Salpetersäure (Oxidationsstufe +V) oxidiert werden. So gelingt eine Oxidation der salpetrigen Säure mit Kaliumpermanganat in saurer Lösung:

<math>\mathrm{2\ {MnO_4}^- + 5\ {NO_2}^- + 6\ H^+ \ \longrightarrow \ 2\ Mn^{2+} + 5\ {NO_3}^- + 3\ H_2O}</math>

Im sauren Milieu ist salpetrige Säure ein starkes Oxidationsmittel.<ref name="JB">E. Schweda: Jander/Blasius: Anorganische Chemie I - Einführung & Qualitative Analyse. 17. Auflage. Hirzel, 2012, ISBN 978-3-7776-2134-0, S. 235–236.</ref>

Gasförmige salpetrige Säure besteht aus planaren Molekülen von cis- und trans-HNO2, wobei das trans-Isomer um 2 kJ mol−1 stabiler ist.<ref name="Ralf Steudel">Ralf Steudel: Chemie der Nichtmetalle: mit Atombau, Molekülgeometrie und Bindungstheorie. Walter de Gruyter, 1998, ISBN 3-11-012322-3, S. 416 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Nachweis

Eine einfache, aber nicht spezifische Nachweismethode ist die Oxidation von Iodid zu Iod durch salpetrige Säure in saurer Lösung.<ref name="JB"/> Man bedient sich hierbei der Iod-Stärke-Reaktion, die schon sehr geringe Konzentrationen (wenige ppm) salpetriger Säure durch den entstandenen Polyiodid-Stärke-Komplex mittels Blaufärbung anzeigt. Hierzu wird das sogenannte Kaliumiodidstärkepapier benutzt.

Spezifisch können salpetrige Säure bzw. Nitrite mit Lunges Reagenz nachgewiesen werden, wobei sich ein roter Azofarbstoff bildet.

Gasförmiges Hydrogennitrit ist zudem über seine Absorption im nahen UV<ref>J. Stutz, E.S. Kim, U. Platt, P. Bruno, C. Perrino, A. Febo, "UV-visible absorption cross sections of nitrous acid," J. Geophys. Res. 105, 14585–14592 (2000) </ref> nachweisbar. Dies erlaubt die Messung von atmosphärischen Konzentrationen von salpetriger Säure, welche im urbanen Umfeld mit Konzentrationen von wenigen ppt bis einigen ppb auftritt.<ref>Wong, K. W. et al. "Modeling of daytime HONO vertical gradients during SHARP 2009." Atmospheric Chemistry and Physics 13.7 (2013): 3587–3601.</ref>

Verwendung

Salpetrige Säure wird vor allem in der chemischen Industrie zur Herstellung von Diazoniumsalzen verwendet.<ref name="Binnewies"/>

Toxizität

Salpetrige Säure ist ein Mutagen und hat eine negative Wirkung auf Organismen. Die Säure kann Cytosin in Uracil umwandeln. Uracil paart aber im Gegensatz zu Cytosin mit Adenin, weswegen sich das Basenpaar C-G nach zwei Replikationen zu T-A umwandelt (eine Punktmutation). Da Uracil jedoch in der DNA nicht vorkommt, werden solche Fehler relativ leicht erkannt und korrigiert.

Verschiedenes

Ester der salpetrigen Säure lassen sich mittels der Chrétien-Longi-Reaktion herstellen.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein