Schizoide Persönlichkeitsstörung
{{#if: beschreibt die schizoide Persönlichkeitsstörung. Sie ist nicht zu verwechseln mit Schizophrenie, der schizotypen Störung, der dissozialen Persönlichkeitsstörung oder dem früher als „schizoide Störung des Kindesalters“ bezeichneten Asperger-Syndrom.
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Die schizoide Persönlichkeitsstörung (SPS) zeichnet sich durch einen Rückzug von gefühlsbetonten und zwischenmenschlichen Kontakten aus. Dies äußert sich durch eine Vorliebe für Fantasien und Selbstbeobachtung, Einzelgängertum und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.
Psychodynamische Ansätze sehen den Wunsch nach Nähe und Intimität bei gleichzeitiger Angst vor Überwältigung und Fremdbestimmung als Kernkonflikt schizoider Persönlichkeiten.<ref name=":16">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":4">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Hierfür wurde auch die Bezeichnung schizoides Dilemma geprägt.<ref name=":17">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Betroffene Menschen neigen deshalb dazu, Beziehungen überwiegend in ihrer Fantasie zu führen, während diese in der Realität vermieden werden und eine Betonung der Autonomie und Autarkie erfolgt. Als Folge davon entsteht eine charakteristische Gegenläufigkeit zwischen innerer Welt und äußerem Verhalten.<ref name=":12" />
Geschichte des Konzepts
Der Ausdruck schizoid wird auf Eugen Bleuler zurückgeführt und bedeutet wörtlich „spaltungsähnlich“ (Vorlage:GrcS „spalten“ und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} „ähnlich“).<ref name=":9" details="Seite 380." /> Damals bezog sich der Begriff schizoid allerdings auf einen weitaus größeren Formenkreis von Persönlichkeitsmerkmalen. Ernst Kretschmer entwickelte daraus dann ein eigenes Konzept: Zentral darin war bereits das Auseinanderfallen von innerem Erleben und äußerem Verhalten und ein daraus entstehendes inneres Spannungsverhältnis.<ref name=":7">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Beschreibung
Außensicht
Eine tiefgehende Kontaktstörung prägt die Betroffenen. Emotionaler Bezug und Zuwendung zur Umwelt sind vermindert, die spontane Erlebnisfähigkeit und das unmittelbare Ansprechen der Gefühle gehemmt. Ihre Beziehung zu Menschen und Dingen erscheint ungewöhnlich locker und unverbindlich. Auffallend sind eine fehlende „emotionale Authentizität“, die Abflachung der Gemütserregungen (Affekte) sowie geringe emotionale Reaktionen auf die Gefühle von Mitmenschen. Tiefsitzendes Misstrauen mit einer Tendenz, sich kaum zu öffnen oder intim zu offenbaren, hält die Betroffenen anderen Menschen gegenüber auf Distanz.<ref name=":25" details="Kapitel 5: Das innere Selbst im schizoiden Zustand.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":3">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Einige dieser Menschen treten starr und hölzern auf, andere wiederum überaus freundlich und vertrauenswürdig. Unter Druck gesetzt (z. B. durch zu enges Zusammenleben), reagieren sie oft abrupt und befremdlich. Sie ziehen sich dann für Außenstehende unerwartet zurück, schotten sich ab und meiden für einige Zeit Kontakte. Sowohl perfekte Selbstkontrolle als auch plötzliches Ausbrechen sind meist Seiten dieser Persönlichkeiten.
In von außen angestoßenen Veränderungen und neuen Dingen wird meist eine Gefahr gesehen, vor der es sich zu schützen gilt – vorzugsweise durch Rückzug oder Kontrolle. Menschen mit einer schizoiden Störung bilden kompensatorisch daher oft ein hohes Maß intuitiver Fähigkeiten aus, mit denen sie sich schützen und zugleich Überlegenheit und Kontrolle gewinnen wollen. Diese antrainierten Fähigkeiten helfen dem schizoiden Menschen bei der Alltagsbewältigung, belasten engere soziale Kontakte jedoch schnell.
Nach außen hin zeigen viele Betroffene meist eine „glatte“ Oberfläche ohne sichtbares emotionales Mitschwingen. Gesten oder Gesichtsausdrücke (z. B. ein Lächeln oder Nicken) werden selten erwidert und eigene Gefühle nicht nach außen getragen. Selbst bei direkter Provokation fällt es ihnen ungemein schwer, innerer Aggression oder Feindseligkeit Ausdruck zu verleihen. Schizoide Persönlichkeiten können daher in solchen Situationen passiv und gefühlsarm wirken – auch wenn das häufig gar nicht ihrem wirklichen Gefühlszustand entspricht. Deshalb haben sie oft Probleme, angemessen auf wichtige oder unangenehme Lebensereignisse zu reagieren.<ref name=":2">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Außenstehenden erscheint es, als würden schizoide Menschen richtungslos vor sich hin leben und sich bezüglich ihrer Ziele „treiben lassen“. Die betreffenden Personen können auch selbstversunken und losgelöst von ihrer Umgebung wirken – in exzessives Tagträumen vertieft oder wie „im Nebel“. Im zwischenmenschlichen Umgang beachten einige Schizoide zudem feine, unterschwellige Details zu wenig. So übersehen sie auch soziale Hinweisreize und verstoßen dann ungewollt gegen übliche gesellschaftliche Regeln. Dadurch können andere ihr Verhalten als unpassend, sozial unbeholfen oder oberflächlich empfinden.<ref name=":2" />
Nicht jeder Betroffene entspricht zwingend dem eben beschriebenen Bild. Der Psychoanalytiker Ralph Klein hat den Begriff des „geheimen Schizoiden“ geprägt. Er bezeichnet damit Personen, die nicht gängigen Vorstellungen über schizoide Menschen entsprechen, sondern nach außen hin freundlich, gesellig und leistungsfähig auftreten. Ihre innere Erlebniswelt sei jedoch ebenfalls durch Rückzug, Introversion, intensive Fantasietätigkeit und eine ausgeprägte Angst vor echter Nähe gekennzeichnet. Entstehende Spannungen werden laut ihm nicht selten als „Angst vor Verantwortung“ oder „Bindungsscheu“ rationalisiert.<ref name=":17" details="„secret pure schizoid cluster“, Seite 25-27." />
Innensicht
Typisch für schizoide Menschen ist der Rückzug in eine reiche innere Fantasiewelt. Diese dient nicht nur als Ersatz für fehlende zwischenmenschliche Beziehungen, sondern ist oft auch eine Quelle ausgeprägter Kreativität. Künstlerisches Schaffen, Schreiben, Musik oder wissenschaftliche Arbeit können für schizoide Menschen Wege sein, innere Erfahrungen auszudrücken und zu verarbeiten, wobei daraus entstehende Werke oft geheim gehalten oder nur mit wenigen ausgewählten Menschen geteilt werden.<ref name=":19" details="„Withdrawal & Retreat to Fantasy“, Seite 147–158 und „Language, Communication, & Creativity“, Seite 169-176." /> Für den Zusammenhang zwischen schizoider Persönlichkeit und Kreativität gibt es vereinzelt auch empirische Belege. So zeigten in einer ersten Studie Personen mit schizoider Tendenz eine bessere Fähigkeit zu divergentem Denken.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Entgegengesetzt zur Außensicht besteht bei schizoiden Menschen oft ein starkes inneres Bedürfnis nach Bindung.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Der Verlust einer der oft nur wenigen wichtigen Bezugspersonen kann deshalb besonders schmerzhaft sein und Gefühle von Leere, Traurigkeit und Wut hervorrufen. Das ist nicht selten eine Motivation für den Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung.<ref name=":19" details="Seite 123–124, 217-218." /><ref name=":4" details="Seite 229." /> Trotz dieses inneren Bindungswunsches empfinden schizoide Menschen soziale Kontakte tendenziell als einengend, bedrängend, teils sogar beängstigend.<ref name=":12" details="Seite 51." /> Harry Guntrip prägte die oft zitierte Formulierung, dass schizoide Menschen befürchten, von anderen „verschlungen“ zu werden.<ref name=":21" details="„A male patient of 40, living in a hostel, reported that he had begun to get friendly with another decent type of man there, and commented: ‘I’ve begun to get frightened. I don’t know why but I feel it’s dangerous and I just cut myself off`. When I see him coming I shoot off up to my bedroom.’ Then he reported a nightmare from which he had awakened in great fear. A monster was coming after him and its huge mouth closed over him like a trap and he was engulfed. Then he burst out of its head and killed it. So the schizoid not only fears devouring and losing the love-object, but also that the other person will devour him. Then he becomes claustrophobic, and expresses this in such familiar ways as feeling restricted, tied, imprisoned, trapped, smothered, and must break away to be free and recover and safeguard his independence; so he retreats from object-relations“, Seite 35." /> Andere Menschen werden von schizoiden Menschen tendenziell als aufdringlich oder kontrollierend empfunden und es kann teils zu starken Ängsten vor dem Verlust der eigenen Autonomie kommen.<ref name=":4" details="„Der Therapeut sieht sich mit dem Dilemma konfrontiert, dass er angestellt wurde, um ein besseres soziales und intimes Funktionieren zu fördern, und erkennt gleichzeitig, dass jede Ermahnung des Patienten, dass er oder sie dieses Ziel nicht verfolgt, als aufdringlich, kontrollierend und unempathisch gegenüber dem Bedürfnis nach Freiraum empfunden werden kann.“, Seite 233." /><ref name=":14" details="„Frühe Kindheitserfahrungen haben in ihnen eine tief sitzende innere Überzeugung zurückgelassen, dass ein naher Kontakt mit anderen naturgemäß brenzlig sei. Kontakt bedeutet Autonomieverlust, ja sogar den Verlust des Selbst. Andere Menschen werden als potenziell übergriffig betrachtet, dominierend, vereinnahmend und nicht vertrauenswürdig.“, Seite 426.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":19" /><ref name=":10">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":42" details="Seite 231">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Schizoide Menschen erleben sich oft als unbeteiligte Beobachter der Welt um sie herum – aber nicht als Teilnehmer. Der Gedanke, nicht zugehörig oder anders zu sein, kann bei Schizoiden dann ausgelöst werden, wenn deutlich wird, wie sehr sie sich von anderen unterscheiden. Vielen wird das besonders bewusst, wenn sie andere direkt beobachten, Filme sehen oder Bücher lesen, die von Beziehungen handeln. In solchen Situationen können schizoide Menschen den Gedanken entwickeln, dass sie Eigenbrötler sind, die nicht in die Gesellschaft passen. Es resultiert aus diesem Gefühl des Andersseins typischerweise allerdings keine feindselige Haltung gegenüber anderen und es herrscht bei Betroffenen oft das Motto „leben und leben lassen“ vor.<ref name=":1" details="Seite 112.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Sehr oft ist ein Gefühl der Entfremdung, des Unbeteiligtseins oder der Dissoziation von der Welt oder dem eigenen Empfinden vorhanden, das zu Gefühlen der Unwirklichkeit und Depersonalisation führen kann.<ref name=":19" details="„Schizoid Loss of Self & its Distinctions“, Seite 158-163." /> Hierfür wurden über die Zeit verschiedene Metaphern gefunden: Das Selbst als unverkörpert<ref name=":25" details="Kapitel 4: Das verkörperte und das unverkörperte Selbst." /> oder das Erleben, ein wandelnder Kopf<ref name=":14" details="Seite 141-142." /> zu sein, das Gefühl einer Milchglasscheibe<ref name=":36" /> oder unsichtbaren Trennwand<ref name=":14" details="Seite 141-142." /> zwischen sich und anderen Menschen, das Leben als Schwarz-Weiß-Film<ref name=":14" details="Seite 141-142." /><ref name=":4" details="Seite 226." />, das Gefühl, in einem Goldfischglas<ref name=":14" details="Seite 141-142." /> zu sitzen oder Jacques Cousteau zu sein, der das Unterwasserleben beobachtet.<ref name=":37" /> Nicht selten beginnen sie eine Psychotherapie auch deshalb, weil sie eine intime Beziehung eingehen wollen, aber beim Versuch dazu jedes Mal ausschließlich innere Distanz entsteht.<ref name=":14" details="Seite 141-142." />
Schule und Beruf
Soweit die Voraussetzungen bestehen, entwickeln schizoide Persönlichkeiten nicht selten ein hohes Maß an intellektueller Differenziertheit. Viele Schizoide sind „Kopfmenschen“ und neigen zu einer ausgeprägten Betonung des Verstandes mit einem Rückzug ins Denken („Flucht in den Intellekt“, siehe auch Intellektualisierung). Obwohl sie dadurch eher für geistige Reize statt für sinnliche Genüsse empfänglich sind, besitzen manche dennoch einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Schönes.<ref name=":5">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":11" /><ref name=":12" details="„Zentral ist die unbewusste Angst, in enger werdenden Beziehungen, Emotionsüberwältigung, Ausgeliefertsein und gleichsam Verschlungenwerden und damit Selbstverlust zu erfahren, sowie die Angst vor Verlust von Autarkie und von Identität, was – aus Gründen der Abwehr – zu Rückzug (gerade auch auf innere Objekte), Affektisolierung und zur Überbesetzung der Ich-Funktionen und des (unbewusst als männlich erlebten) Denkens führt.“, Seite 85." /> Als Stärke wird neben dem zum Abstrakten neigenden Denken, das oft neue Sichtweisen ermöglicht, auch Selbstironie als häufige Ressource erwähnt.<ref name=":11">Mathias Berger (Hrsg.): Psychische Erkrankungen. Klinik und Therapie. 4. Auflage, 2012. ISBN 978-3-437-22483-6. Kapitel 21.6.5: Schizoide Persönlichkeitsstörung. Zitat: „Viele schizoide Patienten besitzen eine beeindruckende Selbstironie und tolerieren therapeutische Interventionen, die mit einem gewissen ‚Augenzwinkern‘ vorgebracht werden.“</ref><ref name=":022">Siehe Stichwort schizoid. In: Uwe Henrik Peters: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. 1999, ISBN 3-86047-864-8, S. 462.</ref>
Beruflich neigen schizoide Menschen verstärkt zu theoretischen Arbeitsfeldern sowie Tätigkeiten, die allein oder in konstanten Kleingruppen durchgeführt werden. Dazu zählen auch Dienstleistungsberufe, in denen die Interaktionsmöglichkeiten zwischen Kunden und Anbieter begrenzt und durch soziale Normen zu einem erhöhten Grade formalisiert sind. Wo die berufliche Tätigkeit alleine und sozial isoliert möglich ist, können gelegentlich äußerst gute Leistungen erreicht werden.<ref name=":2" /> Es gibt allerdings auch Betroffene mit hohen kompensatorischen Fähigkeiten, die – laut einigen Autoren – sogar Berufe wählen, bei denen wenig formalisierte soziale Beziehungen eine große Rolle spielen. Oft dient Arbeit schizoiden Menschen auch als Schutz vor Einsamkeit, da der Arbeitsplatz gut regulierbare, steuerbare und begrenzte soziale Kontakte beinhaltet. Manche neigen deshalb dazu, besonders viel zu arbeiten.<ref name=":12" details="Seite 52." /><ref name=":14" details="Seite 144." /> Mitunter kommt es allerdings auch vor, dass sie sehr einfache Tätigkeiten verrichten, die unter ihren Fähigkeiten liegen.<ref name=":1" details="Seite 106." />
In der Schule liefern sie teils ebenfalls schlechte Leistungen, die ihren intellektuellen Fähigkeiten nicht entsprechen (Minderleistung).<ref name=":2" details="„Schizoid personality disorder may be first apparent in childhood and adolescence with solitariness, poor peer relationships, and underachievement in school, which mark these children or adolescents as different and make them subject to teasing.“." /><ref name=":19" details="„Underachievement: not fulfilling intellectual or artistic potential; poor academic performance relative to ability; disregard of rules and responsibilities can lead to trouble with the law; unable to discipline self (e.g., stick to diet, exercise plan) even when required for medical reasons; personal and occupational aimlessness.“, Seite 48." /><ref name=":37">{{#if:2025-12-06|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Roberta Satow|Roberta Satow: }}{{#if:https://archive.today/2025.12.06-223549/https://www.psychologytoday.com/us/blog/life-after-50/201612/the-schizoid-personality%7C{{#if:The Schizoid Personality | Psychology Today|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://archive.today/2025.12.06-223549/https://www.psychologytoday.com/us/blog/life-after-50/201612/the-schizoid-personality}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=The Schizoid Personality | Psychology Today}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.psychologytoday.com/us/blog/life-after-50/201612/the-schizoid-personality%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=The Schizoid Personality | Psychology Today}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.psychologytoday.com/us/blog/life-after-50/201612/the-schizoid-personality}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=The Schizoid Personality | Psychology Today}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:https://archive.today/2025.12.06-223549/https://www.psychologytoday.com/us/blog/life-after-50/201612/the-schizoid-personality{{#if: 2025-10-16 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}||1}}}}
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Krankheitswert
Die beschriebenen Verhaltensweisen gelten nur dann als Persönlichkeitsstörung (PS), wenn sie chronisch, unflexibel und extrem ausgeprägt sind. Bei milderen Formen spricht man dagegen von einer schizoiden Persönlichkeit oder schizoiden Persönlichkeitszügen. Solche Persönlichkeitszüge werden heute nicht mehr als starre Kategorien verstanden (wie sie noch im DSM-5 und der ICD-10 gebräuchlich waren), sondern als Kontinuum, das von gesunden Ausprägungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen mit hohem Leidensdruck reicht. Krankhaft werden solche Züge erst dann, wenn sie starr und unangemessen sind und zu Leiden oder Beeinträchtigungen führen.<ref name=":8" details="siehe 6D10 + 6D11.1." /><ref name=":26">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":30">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":31">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Lebensqualität
Es gilt als gut gesichert, dass Menschen mit schizoider PS zu den am stärksten eingeschränkten unter den Betroffenen von Persönlichkeitsstörungen gehören.<ref name=":12" details="Seite 57." /> Als negative Folgen einer schizoiden PS wurden bisher beobachtet:
- deutlich geringere Lebensqualität,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":29" />
- ungünstiger Einfluss auf das psychische Funktionsniveau über 15 Jahre hinweg (niedrigere GAF-Werte),<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- eine der geringsten Stufen an „Lebenserfolg“ von allen Persönlichkeitsstörungen (definiert als sozialer Status, Wohlstand und erfolgreiche intime Beziehungen)<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- und hohe Raten komorbider Depressionen und Angststörungen.<ref name=":12" details="Seite 46 und 61-62." /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Schizoide Persönlichkeitszüge zeigen ein hohes Ausmaß an Stabilität über die Zeit.<ref name=":22" details="Abschnitt Prognosis." /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Suizidalität
Schizoide Merkmale (wie emotionale Distanziertheit und ein einzelgängerischer Lebensstil) hängen mit Suizidversuchen zusammen.<ref name=":22" details="Abschnitt Complications.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":27" /> Personen mit diesen Merkmalen hatten in einer Studie etwa doppelt so häufig einen lebensbedrohlichen Suizidversuch unternommen, selbst wenn begleitende Depressionen, Hoffnungslosigkeit und empfundenes psychisches Leiden berücksichtigt wurden. Die Autoren empfehlen daher, bei der klinischen Einschätzung des Suizidrisikos auch gezielt nach schizoiden Merkmalen zu fragen, da diese ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für besonders gefährliche Suizidhandlungen sein können. Beispielhaft genannt werden diese Fragen:<ref name=":27">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- Haben Sie enge Freunde?
- Würden Sie sagen, dass Sie einen eher zurückgezogenen Lebensstil führen?
- Würden Sie sich als distanziert oder emotional zurückhaltend beschreiben?
Diagnose
DSM-5
Laut DSM-5 handelt es sich um ein tiefgreifendes Muster, das durch Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eine eingeschränkte Bandbreite des Gefühlsausdrucks im zwischenmenschlichen Bereich gekennzeichnet ist. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und das Muster zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens vier der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:<ref name=":2" details="Deutsche Übersetzung der Kriterien aus: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5. 5. Auflage. Hogrefe, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8017-2599-0, S. 894f." />
- Hat weder den Wunsch nach engen Beziehungen noch Freude daran, auch nicht, Teil einer Familie zu sein.
- Wählt fast immer einzelgängerische Unternehmungen.
- Hat, wenn überhaupt, wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen.
- Wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude (Anhedonie).
- Hat keine engen Freunde oder Vertraute, außer Verwandten ersten Grades.
- Erscheint gleichgültig gegenüber Lob und Kritik von Seiten anderer.
- Zeigt emotionale Kälte, Distanziertheit oder eingeschränkte Affektivität.
Die Symptome dürfen nicht durch eine andere Störung besser erklärt werden können (z. B. Schizophrenie, bipolare Störung oder depressive Störung mit psychotischen Merkmalen, eine andere psychotische Störung oder eine Autismus-Spektrum-Störung).<ref name=":2" />
ICD-10
Die ICD-10 führt die schizoide Persönlichkeitsstörung unter F60.1 auf. Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:<ref name=":6">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude (Anhedonie);
- emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachte Affektivität;
- reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle oder auch Ärger anderen gegenüber auszudrücken;
- erscheint gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik von anderen;
- wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen (unter Berücksichtigung des Alters);
- fast immer Bevorzugung von Aktivitäten, die allein durchzuführen sind;
- übermäßige Inanspruchnahme durch Fantasien und Introspektion;
- hat keine oder wünscht keine engen Freunde oder vertrauensvollen Beziehungen (oder höchstens eine);
- deutlich mangelndes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen. Wenn sie nicht befolgt werden, geschieht das unabsichtlich.
ICD-11
Die ICD-11 klassifiziert keine schizoide Persönlichkeitsstörung mehr als eigene Kategorie, für die eine bestimmte Anzahl an Diagnosekriterien erfüllt sein müssen. Es gibt stattdessen die allgemeine Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit verschiedenen Schweregraden, bei der durch sogenannte Merkmalsdomänen die strukturellen Merkmale der Persönlichkeit beschrieben werden können. Wenn die allgemeinen Voraussetzungen für die Diagnose 6D10 Persönlichkeitsstörung vorliegen, können beteiligte schizoide Züge durch das Merkmal 6D11.1 Distanziertheit angegeben werden. Hierdurch wird die Tendenz zu emotionaler und zwischenmenschlicher Distanz beschrieben. Dazu gehören mögliche Eigenschaften wie Vermeidung sozialer Interaktionen, Mangel an Freundschaften, Vermeidung von Intimität, Zurückhaltung, Unnahbarkeit und Einschränkungen im Ausdruck und Erleben von Emotionen.<ref name=":8" details="siehe 6D10 + 6D11.1." /><ref name=":30" /><ref name=":31" />
Kritik an der deskriptiven Diagnose
Das Konzept der schizoiden Persönlichkeitsstörung in den Diagnosesystemen, wie es seit dem DSM-III und bis einschließlich zur ICD-10 und dem DSM-5-TR bestand, wurde allgemein als Fortschritt gesehen. Dennoch kritisierten manche, dass es zu inhaltsarm, realitätsfern und unabhängig vom sozialen Kontext sei.<ref name="Akhtar">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":7" /> Die Kritik fokussierte sich hierbei im Wesentlichen auf drei Bereiche.
Aufteilung des ursprünglichen Konzepts
Ernst Kretschmer beschrieb in seiner Konstitutionslehre (1921) einen fließenden Übergang von Gesundheit zu Krankheit: Von den Schizothymen (gesund) – über die Schizoiden (Grenzfall) – bis zu den Schizophrenen (krankhaft). Typisch für den schizoiden Charakter waren laut ihm das „In-sich-hinein-Leben“ und Kontaktschwäche. Er betonte hierbei das Pendeln zwischen zwei gegensätzlichen Eigenschaftspolen: Einerseits seien Schizoide zwar überempfindlich (hyperästhetisch), d. h. leicht verletzbar und reizbar, empfindsam, launisch, nervös, exzentrisch. Paradoxerweise wären sie aber gleichzeitig auch unempfindlich (anästhetisch), also unterkühlt, Kontakte schroff ablehnend, farblos und gleichgültig. Dabei verstecke sich hinter einer stumpfen, schwer durchdringbaren Verhaltensmaske eine tiefe gemütsmäßige Ansprechbarkeit.<ref name=":022" />
Seit 1980 jedoch wurde die Definition der schizoiden Persönlichkeitsstörung auf die unempfindlichen Eigenschaften begrenzt – die überempfindlichen Merkmale dagegen ordnete man der schizotypischen und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung zu. Dadurch wurde der schizoide Charakter in drei getrennte Persönlichkeitsstörungen unterteilt.<ref name=":6" /><ref name=":38" details="„Die jetzige Diagnose »Schizoide Persönlichkeitsstörung« nimmt also – wenn man so will – der bei Kretschmer beschriebenen Schizoidie ihre Zwiespältigkeit: Die zweite Charakterseite, die Kretschmer der vermeintlichen Schizoidie zuschrieb (nämlich empfindsam, leicht verletzbar, launisch und sprunghaft), gilt seither als Anteil der Schizotypen Persönlichkeitsstörung (→ Abschn. 19.2).“, Seite 443." />
Zurück ging diese Differenzierung ursprünglich auf die Arbeit Theodore Millons, der auf Kretschmers Beschreibung von hyperästhetischen und anästhetischen Schizoiden zurückgriff und darin getrennte Subtypen sah, die sich laut ihm grundlegend in ihrer Motivation unterscheiden. Millon konzeptualisierte die schizoide Persönlichkeit daraufhin in seiner erstmals 1969 veröffentlichten Theorie als passiv distanziert, affektiv weitgehend unempfindlich und teilnahmslos, die ängstlich-vermeidende Persönlichkeit hingegen als aktiv distanziert aufgrund interpersoneller Ängste. Laut ihm führen sowohl positive als auch negative emotionale Reize bei schizoiden Personen nur zu schwachen Verstärkungseffekten, sodass Nähe oder Zurückweisung überwiegend als emotional neutral erlebt werden. Die Folge davon ist sozialer Rückzug aufgrund fehlender Motivation und dem Empfinden von Nähe als nicht lohnend. Laut ihm verfügen schizoide Menschen auch über ein (von ihm selbst als spekulativ bezeichnetes) angeborenes emotionales Defizit, welches zu dieser Unempfindlichkeit sowohl gegenüber positiven als auch negativen Reizen beitrage.<ref name=":9" />
Kritisiert wurde an dieser Theorie, dass sie empirisch nicht ausreichend untermauert sei und auch nicht klinischen Erfahrungen entspreche. Insbesondere sei die angenommene Unempfindlichkeit gegenüber positiven und negativen Reizen nicht geeignet, um sozialen Rückzug und weitgehende Isolation zu erklären. Es wurde auch angemerkt, dass Kretschmer inkorrekt wiedergegeben wurde, der die Typen als Pole eines Kontinuums sah, auf dem sich jeder Betroffene bewege und nicht als voneinander klar unterscheidbare Subtypen. Kretschmers dimensionaler Ansatz wurde vor diesem Hintergrund als nach wie vor bedeutsam hervorgehoben.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Seit der erstmaligen psychodynamischen Konzeptualisierung der Schizoidie durch William R. D. Fairbairn<ref name=":36">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> wurden allerdings bereits lange vor 1980 insbesondere die distanzierten, kühlen und ungeselligen Seiten schizoider Menschen betont.<ref name=":12" details="Seite 67." /> So schrieben auch Sabine Herpertz und Peter Fiedler: „Andererseits entspricht die damalige Einsetzung wesentlichen Vorstellungen, wie sie zu diesem Störungsbild durchgängig in der Psychoanalyse vertreten wurden.“<ref name=":38" details="Seite 448.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Behauptung des fehlenden Beziehungswunsches
Es wurde kritisiert, dass die Diagnosekriterien das Unbehagen schizoider Menschen in Beziehungen vorschnell in das Diagnosekriterium „Hat weder den Wunsch nach engen Beziehungen noch Freude daran […]“ übersetzt haben. Dies stelle eine Generalisierung eines Extremfalls dar und könne bei Therapeuten den Eindruck erwecken, therapeutische Fortschritte seien mit schizoiden Patienten kaum möglich. In der Folge werde die Störung selten gelehrt, wenig verstanden und es existierten nur wenige Behandlungsempfehlungen.<ref name=":19" details="Seite 6-7." /> Auch führe es dazu, dass die Erfahrungen von Depression und Niedergeschlagenheit bei Betroffenen unterschätzt werden.<ref name=":19" details="Seite 40-41." />
Laut Salman Akhtar verkenne das DSM die Bedeutung, die soziale Beziehungen für schizoide Menschen haben und beschränke sich stattdessen auf eine gleichgültige und desinteressierte Fassade.<ref name="Akhtar" /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Unzureichende Beschreibung
Theodore Millon kritisierte am DSM, dass die Diagnose der schizoiden PS rein negativ definiert sei, d. h., es wird dort nur angegeben, welche Merkmale fehlen – aber nicht, welche vorhanden sind. Das lasse die schizoide PS wie eine „Persönlichkeitsstörung ohne Persönlichkeit“ bzw. als „Defizit-Syndrom“ oder „Vakuum“ erscheinen und erschwere ihre Erforschung sehr. Seiner Meinung nach sind die schizoide und die histrionische Persönlichkeitsstörung in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil voneinander.<ref name=":9" /> Auch Otto Kernberg bezeichnete die Definition der schizoiden Persönlichkeitsstörung als diffus und unpräzise und erklärte, dass ihre Erforschung erschwert sei.<ref name=":16" details="Seite 187." />
Salman Akhtar hob positiv hervor, dass die Beschreibung im DSM durch Wörter wie „zeigt“ oder „erscheint“ teils subtil deutlich macht, dass es sich um Beschreibungen der Außenwirkung handelt. Er merkte jedoch an, dass die Kriterien zahlreiche typische schizoide Eigenschaften auslassen, die bis dahin gut beschrieben waren:<ref name="Akhtar" details="Seite 507." />
- das schizoide Dilemma: Gefühle von Verschlungenwerden in Beziehungen, Einsamkeit außerhalb von Beziehungen
- das reiche Fantasieleben (In der ICD allerdings vorhanden, siehe Kriterium 7.)
- unklare Lebensziele
- Depersonalisation
- Gefühle innerer Leere
- Intellektualisierung
- ausgeprägte Hypersensitivität
- fehlender äußerer Ausdruck von Aggression (In der ICD allerdings vorhanden, siehe Kriterium 3.)
Als weitere durch die Kriterien nicht beschriebene Eigenschaften wurden genannt: Die ausgeprägte Introversion, permanente Ambivalenz in Bezug auf Beziehungen („Oszillation in und aus Beziehungen“), Leugnung von Bedürfnissen und ein omnipotentes (allmächtiges) Selbstbild.<ref name=":19" details="Seite 40-41." />
Psychoanalytische Konzeptionen
Vonseiten psychoanalytischer Autoren wurden Versuche unternommen, schizoide Persönlichkeiten auf eine Weise zu erfassen, die über eine reine Beschreibung des äußeren Eindrucks hinausgeht. Als eine im deutschen Sprachraum besonders einflussreiche allgemeinverständliche Beschreibung gilt das Kapitel Die schizoiden Persönlichkeiten aus Fritz Riemanns erstmals im Jahr 1961 erschienenen Buch Grundformen der Angst.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Seine Beschreibung entspricht allerdings auch innerhalb der Psychoanalyse nur noch in Teilen dem heutigen Verständnis schizoider Persönlichkeiten.<ref name=":12" details="„Allerdings gleicht das, was Riemann (in der Tradition seines Lehranalytikers Harald Schultz-Hencke) als »schizoid« bezeichnet, nur begrenzt dem heutigen Verständnis und weist zahlreiche Aspekte einer strukturellen Störung ganz allgemein auf, was man auch als Borderline-Organisation (im Sinne Kernbergs) bezeichnen könnte“, Seite 48." /> Weitere psychoanalytische Ansätze, die auch das innere Erleben schizoider Menschen mit einbeziehen, sollen nachfolgend vorgestellt werden.
Guntrip-Kriterien
Harry Guntrip beschrieb erstmals 1951 neun Merkmale zur Definition schizoider Persönlichkeiten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":21" details="„schizoid characteristics“, Seite 41–44, im Original: Introversion, Withdrawnness, Narcissism, Self-sufficiency, A sense of superiority, Loss of affect, Loneliness, Depersonalization, Regression." /> Es handelte sich um den ersten bedeutenden Ansatz einer diagnostischen Erfassung und Abgrenzung schizoider Patienten anhand konkreter Kriterien. Diese Kriterien schließen Objektbeziehungen, Abwehrmechanismen und andere phänomenologische Aspekte aus psychodynamischer Perspektive ein, welche von den 1980 veröffentlichten deskriptiven Kriterien des DSM nicht miterfasst wurden.<ref name=":19" details="Seite 56-57." /> Die nachfolgende Erklärung seiner Kriterien folgt der Beschreibung von Ralph Klein.<ref name=":17" details="Seite 15-23." />
Introversion
Introversion gilt laut Guntrip als zentrales Merkmal schizoider Persönlichkeiten. Sie bezeichnet eine vorwiegend nach innen gerichtete psychische Orientierung, bei der sich die emotionale Energie von der äußeren Realität abwendet und auf das innere Erleben konzentriert. Betroffene neigen dazu, ein ausgeprägtes inneres Fantasieleben zu entwickeln, das ihnen Sicherheit und Stabilität vermittelt. Die Außenwelt wird dagegen häufig als potenziell gefährlich oder überfordernd erlebt, weshalb der Rückzug in die innere Welt eine Schutzfunktion erfüllt.
Verschlossenheit
Verschlossenheit beschreibt bei Guntrip die nach außen sichtbare Seite der Introversion. Sie zeigt sich in einer emotionalen oder sozialen Distanziertheit von der Umwelt, die jedoch nicht zwangsläufig als Gleichgültigkeit zu verstehen ist. Manche Betroffenen wirken still, scheu oder vermeidend, während andere nach außen hin gesellig und kontaktfreudig erscheinen, innerlich jedoch ein starkes Gefühl der Abgeschiedenheit erleben. Diese innere Distanz dient dem Schutz vor als bedrohlich empfundenen Bindungen und spiegelt den Versuch wider, ein sicheres inneres Gleichgewicht zu bewahren. Verschlossenheit kann daher offen zutage treten oder verdeckt bleiben, etwa hinter einer freundlichen, angepassten Fassade.
Narzissmus
Der Begriff wird von Guntrip im Sinne Freuds benutzt (siehe Freuds Narzissmusbegriff). Er beschreibt damit, dass schizoide Persönlichkeiten scheinbar ihre libidinöse Energie auf sich selbst richten, weil sie auch ihre Liebes- und Bindungswünsche nach innen verlagern und Beziehungen zu anderen Menschen sich überwiegend in ihrer Fantasie abspielen. Teils kann eine starke Identifikation mit diesen verinnerlichten Bildern anderer Personen entstehen. Er beschreibt eine Patientin, die sich zum Trost an ihre eigene Schulter anlehnt, damit aber eigentlich nicht sich selbst, sondern ihre Mutter meint. Außerdem schildert er, dass hierdurch auch scheinbare Aggressionen gegen die eigene Person entstehen können: Eine seiner Patientinnen, die in der Realität nicht sichtbar wütend auf eine andere Person sein konnte, schlug sich stattdessen selbst, nachdem sie wieder allein war.<ref name=":21" details="Seite 42." /> Was hier als Narzissmus bezeichnet wird, unterscheidet sich somit grundlegend von den Merkmalen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung: Es hat nichts mit einem pathologischen Größenselbst oder mit Neid zu tun, sondern beschreibt die Fähigkeit schizoider Menschen, allein zu sein und Affekte ohne Einbezug realer anderer zu regulieren.<ref name=":17" details="Seite 17-18." />
Selbstgenügsamkeit
Selbstgenügsamkeit bezeichnet die ausgeprägte Fähigkeit schizoider Persönlichkeiten, ihre emotionalen Bedürfnisse weitgehend unabhängig von anderen zu regulieren. Da zwischenmenschliche Abhängigkeit häufig mit Angst oder dem Gefühl von Bedrohung verbunden ist, entwickeln Betroffene ein starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und innerer Kontrolle. Diese Haltung entsteht meist früh als Anpassung an eine Umwelt, die als emotional unzuverlässig erlebt wurde. Der damit verbundene Rückzug in die eigene Autonomie ermöglicht Sicherheit, führt jedoch auch zu sozialer Isolation. Charakteristisch ist oft ein überreifes, „erwachsenes“ Verantwortungsgefühl bereits im Kindesalter, das als Ersatz für fehlende äußere Unterstützung dient.
Überlegenheitsgefühle
Überlegenheitsgefühle dienen schizoiden Persönlichkeiten als psychologischer Schutzmechanismus. Durch die Vorstellung, „über“ anderen zu stehen oder ihnen distanziert gegenüberzustehen, wird eine sichere emotionale Entfernung gewahrt. Diese Form der Überlegenheit unterscheidet sich vom grandiosen Selbstbild narzisstischer Persönlichkeiten: Sie dient nicht primär der Selbstaufwertung, sondern dem Schutz vor Nähe und Abhängigkeit. Die empfundene Distanz vermittelt Kontrolle und Unabhängigkeit und hilft, die als riskant erlebte Verletzlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen zu vermeiden.
Affektverlust
Affektverlust bezeichnet bei schizoiden Persönlichkeiten eine verminderte Fähigkeit, Gefühle nach außen auszudrücken oder emotionale Resonanz in Beziehungen herzustellen. Diese Einschränkung entsteht nicht durch Gefühllosigkeit, sondern als Folge der starken Selbstbezogenheit und des Bedürfnisses nach innerer Sicherheit. Da emotionale Offenheit als potenziell gefährlich erlebt wird, werden Affekte kontrolliert oder unterdrückt, um das innere Gleichgewicht zu bewahren. Viele Betroffene berichten nicht von einem Mangel an Emotionen, sondern von einer Unsicherheit darüber, was sie empfinden oder wie sie Gefühle ausdrücken können.
Einsamkeit
Einsamkeit gilt bei Guntrip als unvermeidliche Folge der schizoiden Introversion und der Abkehr von äußeren Beziehungen. Obwohl der Rückzug als Schutz vor Bedrohung dient, bleibt ein tiefes Bedürfnis nach Nähe und emotionaler Verbundenheit bestehen. Nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen ist der Wunsch nach Bindung nahezu erloschen.
Depersonalisation
Depersonalisation tritt meist in Situationen auf, die als emotional überwältigend oder bedrohlich erlebt werden, und dient als kurzfristige Schutzreaktion gegen übermäßige Angst. Betroffene berichten häufig, sich wie außerhalb ihres Körpers zu befinden oder die eigene Person und Umgebung wie von außen zu beobachten. Diese Form der Selbstentfremdung unterscheidet sich von chronischer Gefühllosigkeit: Sie ist eine akute Reaktion, die vor innerer Überflutung bewahren soll. Depersonalisation stellt somit eine Fortsetzung des schizoiden Grundmusters dar, Distanz zu schaffen, um psychische Sicherheit zu erhalten.
Regression
Regression bezeichnet bei Guntrip die Tendenz des schizoiden Menschen, sich innerlich von der als überwältigend erlebten Außenwelt zurückzuziehen und in frühere, psychisch sichere Zustände zu fliehen. Diese Bewegung erfolgt sowohl nach innen – in eine Welt der Fantasie und Selbstgenügsamkeit – als auch „zurück“, im Sinne eines unbewussten Wunsches nach Rückkehr in einen Zustand völliger Geborgenheit.
Akhtars Modell
Salman Akhtar veröffentlichte 1987 als Alternative zu den deskriptiven Diagnosekriterien ein umfassendes phänomenologisches Profil, das sowohl klassische psychoanalytische als auch deskriptive Beobachtungen berücksichtigt.
Sein Modell ist in untenstehender Tabelle zusammengefasst. Die erste Spalte beschreibt sechs psychologische Funktionsbereiche. Jeder Bereich enthält bestimmte Charakterzüge und Verhaltensweisen, die weiter in zwei Gruppen unterteilt sind – in direkt sichtbare und in verborgene Merkmale. Beide Gruppen stellen jedoch keine Subtypen dar und die Bezeichnungen beziehen sich auch nicht auf bewusste oder unbewusste Vorgänge. Stattdessen stehen sie Akhtar zufolge für mehr oder weniger leicht erkennbare, widersprüchlich erscheinende Aspekte, die gleichzeitig innerhalb einer Person vorhanden sind. Zudem betont diese Art der Symptomeinteilung laut ihm die zentrale Bedeutung der Spaltung und Identitätsverwirrung für das Verständnis der schizoiden Persönlichkeit. Da es sich um ein allgemeines Modell handelt, trifft naturgemäß nicht jedes Merkmal auf jeden Einzelfall zu.<ref name="Akhtar" details="Seite 510-511." />
| Bereich | Sichtbare Merkmale (overt) | Verdeckte Merkmale (covert) |
|---|---|---|
|
Selbstwahrnehmung |
|
|
|
Beziehungen |
|
|
|
Soziale Anpassung |
|
|
|
Liebe und Sex |
|
|
|
Werte und Ideale |
|
|
|
Art des Denkens |
|
|
Abgrenzung
Eine Herausforderung bei der Diagnostik ist die Überlappung mit anderen Persönlichkeitsstörungen oder Erkrankungen und das häufige Auftreten von Komorbiditäten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":12">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":2" />
Schizophrenie und schizotype Störung
Die Symptome der schizoiden PS überschneiden sich mit den Negativsymptomen der Schizophrenie.<ref name=":22" details="Abschnitt Differential Diagnosis." /> Historisch wurden schizoide Persönlichkeitszüge als prämorbid für die Schizophrenie bzw. das Auftreten psychotischer Symptome betrachtet. Ein eindeutiger genetischer Zusammenhang zur Schizophrenie konnte empirisch allerdings lediglich für die schizotype Störung nachgewiesen werden, deren Symptome sich teils stark mit der schizoiden PS überschneiden.<ref name=":23" details="Seite 155, 165.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Menschen mit schizotyper Störung zeigen jedoch in Verhalten, Sprache und Wahrnehmung deutlich stärkere Auffälligkeiten als schizoide Personen. Dazu gehören etwa esoterisches und magisches Denken, sprachliche Besonderheiten und eine stärkere Ambivalenz in der Kontaktaufnahme.<ref name=":12" details="Seite 63-64." />
Die empirischen Daten zum Zusammenhang zwischen schizoider PS und Schizophrenie sind widersprüchlich und lückenhaft, da in früheren Studien oft aus schizotypen Gruppen auf schizoide geschlossen wurde. Es existieren keine gesicherten empirischen Belege für einen Zusammenhang zwischen schizoider Persönlichkeitsstörung und Schizophrenie.<ref name=":19" details="Seite 74-75." /> Wenn für die schizoide PS ein signifikanter genetischer Zusammenhang mit der Schizophrenie nachgewiesen werden kann, so fällt dieser schwach aus.<ref name=":23" details="Seite 165." /> Eine Zwillingsstudie fand auch für den Zusammenhang mit der schizotypen Störung nur eine niedrige genetische Überlappung in Höhe von 26 %. Sie liegt damit unter der der paranoiden PS, welche laut derselben Studie zu 43 % eine gemeinsame genetische Basis mit der schizotypen Störung teilt.<ref name=":24">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
In der heutigen Psychiatrie wird mehrheitlich kein ätiologischer Zusammenhang zwischen schizoider PS und Schizophrenie sowie schizotyper Störung mehr angenommen. Aktuellere Ansätze sehen in der Schizoidie stattdessen einen temperamental und charakterologisch bedingten Persönlichkeitszug, der dimensional (d. h. kontinuierlich) verteilt ist und im Extremfall zur Persönlichkeitsstörung führt, indem er die ganze Persönlichkeit dominiert.<ref name=":12" details="Seite 50." /> Autoren, die schizoide Personen dennoch weiterhin als Teil eines Schizophrenie-Spektrums betrachten, verorten sie am Rand dieses Spektrums und betonen das Fehlen psychotischer Symptome.<ref name=":19" details="„The Schizophrenia Spectrum“, Seite 25-37." /> Das Auftreten von Positivsymptomen schließt die Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung aus.<ref name=":22" details="Abschnitt Differential Diagnosis." />
Negativsymptome können auch noch bei anderen nicht-psychotischen Störungen auftreten. Zu nennen sind hier insbesondere die Bipolare Störung, Depressionen und Dysthymie, PTBS, die Autismus-Spektrum-Störung sowie neurokognitive Störungen.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Bei der schizoiden PS werden keine für die Behandlung der Schizophrenie zugelassenen Medikamente eingesetzt. Die Evidenz spricht gegen die Wirksamkeit pharmakologischer Behandlungen der schizoiden Persönlichkeitsstörung, mit Ausnahme gegebenenfalls auftretender Begleiterkrankungen.<ref name=":22" details="Abschnitt Treatment / Management." /><ref name=":42" details="Seite 242" />
Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung
Anders als bei der schizoiden PS ist es bei der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung (ÄVPS) vor allem die Angst vor Beschämung und dem ablehnenden Werturteil der anderen, die den Betroffenen den Kontakt erschwert.<ref name=":13">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":40" details="Seite 935.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Auch ist für Menschen mit ÄVPS internalisierte Scham, ein niedriger Selbstwert (Minderwertigkeitskomplex) und ein stärkeres Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit typisch, für schizoide Personen hingegen soziale Anhedonie: „Ihnen ist die zu große Nähe durch Beziehungen selbst die Pein […]“ (Gerhard Dammann).<ref name=":12" details="Seite 46 und 61-62." />
Da es jedoch auch deutliche Ähnlichkeiten gibt und beide Störungen erst 1980 in zwei Kategorien geteilt wurden, wurde immer wieder argumentiert, dass die schizoide PS und die ÄVPS unterschiedliche Varianten derselben Störung sind.<ref name=":13" /> Eine Studie identifizierte einen gemeinsamen genetischen Faktor bei beiden Störungen, der mit Introversion und einer Neigung zu sozialem Rückzug zusammenhängt.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Aus Sicht des Fünf-Faktoren-Modells (Big Five) zeichnen sich ängstlich-vermeidende Personen im Vergleich zu schizoiden Personen durch stark erhöhte Werte auf der Dimension Neurotizismus aus. Diese weist zwar bei allen Persönlichkeitsstörungen – auch der schizoiden – erhöhte Werte auf, erreicht bei der ÄVPS allerdings ein Niveau wie sonst nur bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.<ref name=":32" /><ref name=":35">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Nach ICD-11 werden sie deshalb zusätzlich zu 6D11.1 Distanziertheit auch durch das Merkmal 6D11.0 Negative Affektivität erfasst.<ref name=":30" />
Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Bei der schizoiden PS können (verborgene) Überlegenheits- und Allmachtsgefühle, eine hohe Selbstgewissheit und schroffes Verhalten auftreten. Der wichtigste Unterschied zur narzisstischen PS besteht darin, dass der Selbstwert von Menschen mit reiner schizoider PS weitgehend unabhängig bzw. nicht in einem pathologischen Ausmaß von anderen Menschen abhängig ist (siehe auch Selbstobjekt). Schizoide Menschen sind in einem erheblich geringeren Maß auf Akzeptanz und Wertschätzung anderer angewiesen als narzisstische Menschen. Damit einhergehend fehlt auch die für die narzisstische PS typische narzisstische Wut und die Entwertung oder sogar Demütigung anderer zur Steigerung des Selbstwertgefühls. Schizoide sind aufgrund ihres unabhängigen Selbstwerts kaum bis gar nicht neidisch auf andere und nicht so anfällig für Scham wie narzisstische Menschen. Typisch ist auch, dass schizoide Personen wenig mit Lob anfangen können, während narzisstische Personen geradezu darauf angewiesen sind.<ref name=":12" details="Seite 59-61." /> Manchmal wird Bewunderung durch andere und damit einhergehende Aufmerksamkeit sogar als unangenehm empfunden.<ref name=":18" details="Seite 10-11." />
Die bei schizoiden Personen auftretenden Allmachtsgefühle sind ein Nebenprodukt ihrer ausgeprägten Selbstgenügsamkeit und Betonung der Autarkie („Ich lasse mich nicht beeinflussen“, „Was andere Leute denken ist mir egal“, „Ich kann alles alleine bewältigen, ohne Hilfe anderer“). Sie dienen vor allem der Schaffung von (negativer) Freiheit und nicht primär dazu, Macht oder Überlegenheit über andere zu erhalten. Narzisstische Grandiosität hingegen dient der Selbstwertregulation und ist eine Reaktion auf das Gefühl von Machtlosigkeit.<ref name=":19" details="„Omnipotence“, Seite 116–120 und „Figure 6.8“, Seite 202 und „Managing omnipotence“, Seite 257-258." /> Im Gegensatz zu stark narzisstischen Personen sind schizoide Personen deshalb auch nicht wettbewerbsorientiert oder ausbeuterisch gegenüber anderen.<ref name="Akhtar" details="Seite 513." />
Das Beziehungsverhalten von Menschen mit leichteren schizoiden Zügen, die Beziehungen noch nicht vollständig vermeiden, kann teilweise ebenfalls an das Beziehungsverhalten narzisstischer Menschen erinnern. Beiden Störungsbildern liegen allerdings unterschiedliche Motive zugrunde: Narzisstischen Menschen geht es grundsätzlich um die Aufrechterhaltung eines instabilen und von anderen abhängigen Selbstwertgefühls, weswegen sie (emotionale) Abhängigkeit von anderen vermeiden<ref name=":4" details="Siehe Kapitel „Narzisstische Persönlichkeiten“." /> oder Beziehungen verlassen, wenn sie wütend sind, den Partner nicht mehr idealisieren oder Bestätigung von jemand anderem erhalten wollen. Ähnliches Verhalten resultiert bei schizoiden Menschen daraus, dass sie sich in Beziehungen gefangen fühlen und äußere Kontrolle durch andere vermeiden wollen.<ref name=":39">{{#if:2026-02-16|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Elinor Greenberg|Elinor Greenberg: }}{{#if:https://archive.today/2026.02.16-091119/https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202010/what-we-should-understand-about-schizoid-personality-disorder%7C{{#if:What We Should Understand About Schizoid Personality Disorder | Psychology Today|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://archive.today/2026.02.16-091119/https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202010/what-we-should-understand-about-schizoid-personality-disorder}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=What We Should Understand About Schizoid Personality Disorder | Psychology Today}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202010/what-we-should-understand-about-schizoid-personality-disorder%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=What We Should Understand About Schizoid Personality Disorder | Psychology Today}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202010/what-we-should-understand-about-schizoid-personality-disorder}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=What We Should Understand About Schizoid Personality Disorder | Psychology Today}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:https://archive.today/2026.02.16-091119/https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202010/what-we-should-understand-about-schizoid-personality-disorder{{#if: 2025-09-13 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}||1}}}}
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Deutliche Unterschiede zwischen beiden Störungsbildern bestehen aus bindungstheoretischer Perspektive: So zeigten zwei große Metastudien, dass zwischen (pathologischem) Narzissmus und Bindungsstilen nur schwache Zusammenhänge bestehen, wobei der zur unsicher-vermeidenden bzw. abweisend-vermeidenden Bindung mit r = 0.05 und r = 0.06 jeweils am schwächsten und vernachlässigbar war.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Schizoide Menschen werden hingegen bereits seit Längerem mit dem unsicher-vermeidenden bzw. abweisend-vermeidenden Bindungsstil assoziiert.<ref name=":4" details="Seite 224-225." /><ref name=":19" details="„Schizoid personality and dismissive-avoidant attachment are conceptually equivalent in many important ways (West & Sheldon – Keller, 1994). Dismissive-avoidant children are indifferent or trivializing of their own emotional needs rather than owning or developing these needs. Often, dismissive avoidant children internalize the attitude of caregivers who are themselves rejecting, intrusive or indifferent with the child. Because the parents of dismissive children often fail to mirror back the child’s affective states, the child is often unable later in life to negotiate more advanced interpersonal tasks such as setting boundaries with others, or communicating information about the self to themselves or to others (Fonagy & Target, 1998).“, Seite 120-124." /><ref name=":42" details="Seite 229, 233" /><ref name=":23" details="„Für die schizoide Persönlichkeitsstörung existieren Befunde aus Studien, die einen Zusammenhang zu emotionalem Missbrauch, mütterlicher Vernachlässigung, Heimunterbringung in der Kindheit und unsicherem, vermeidendem oder abweisendem Bindungsstil unterstreichen“, Seite 167." /><ref name=":43">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":33">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":34">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":41">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Eine Faktorenanalyse mit einer großen Stichprobe unterstrich diese Ergebnisse, da alle unsicheren Bindungsstile in dieser Studie nicht auf Antagonismus (dem zentralen Merkmal narzisstischer und auch dissozialer Menschen, gleichbedeutend mit niedriger Verträglichkeit) luden. Insbesondere vermeidende Bindung lud allerdings sehr stark auf Detachment (Distanziertheit).<ref name=":51">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Aus Sicht der Big Five sind es die antagonistischen Merkmale, die schizoiden Personen im Vergleich zu narzisstischen Personen fehlen. Die schizoide PS korreliert zwar leicht negativ mit Verträglichkeit, allerdings liegt das hauptsächlich an der Facette Vertrauen, während die Facette Bescheidenheit sehr schwach positiv korreliert ist. Eine extrem niedrige Bescheidenheit ist aus Sicht des Modells hingegen das charakteristische Merkmal narzisstischer Menschen.<ref name=":35" />
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
Personen mit stark ausgeprägter zwanghafter PS neigen ebenfalls zum Verzicht auf soziale Beziehungen oder wirken emotional hölzern und unerreichbar. Umgekehrt können schizoide Personen zwanghaft wirkende Verhaltensweisen entwickeln. Beide neigen außerdem zu ausgeprägter Intellektualisierung.<ref name=":4" details="Seite 234-235." /><ref name=":12" details="Seite 59." />
Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass sozialer Rückzug bei zwanghaften Menschen aus einer übermäßigen Beschäftigung mit arbeitsbezogenen Aktivitäten resultiert, sie jedoch im Gegensatz zu schizoiden Menschen prinzipiell zu Beziehungen fähig und deshalb auch gesellig sind.<ref name=":2" /> Zwanghafte Menschen verleugnen ihre Emotionen häufig, während Schizoide sie innerlich identifizieren und ihren Ausdruck vermeiden.<ref name=":4" details="Seite 234-235." /> Von psychoanalytischer Seite wurde in diesem Zusammenhang auf den unterschiedlichen Einsatz der Intellektualisierung bei beiden Störungen verwiesen: Zwanghafte Menschen nutzen diese, um Emotionen zu vermeiden, während Intellektualisierung für schizoide Menschen ein Weg sein kann, emotionale Inhalte auszudrücken.<ref name=":19" details="Seite 197." />
Der relevanteste Unterschied zwischen beiden Störungen besteht darin, dass zwanghafte Menschen sich in moralischen Fragen starr an ein klar definiertes System halten und großen Wert auf gesellschaftliche Normen legen. Ihnen ist deshalb die Einhaltung sozialer Konventionen und ihr Ansehen innerhalb ihrer sozialen Bezugsgruppe besonders wichtig, während schizoide Menschen hier ausgesprochen gleichgültig sein können. Wenn bei zwanghaften Personen Überlegenheitsgefühle auftreten, beziehen sich diese für gewöhnlich auch auf die Einhaltung ihrer eigenen perfektionistischen Maßstäbe, während sie bei schizoiden Menschen aus ihrem Gefühl der Selbstgenügsamkeit resultieren.<ref name=":4" details="Seite 234-235." /><ref name=":19" details="Seite 59." />
Aus Sicht der Big Five korreliert Introversion zwar leicht mit der zwanghaften PS, allerdings resultiert zwanghaftes Verhalten hauptsächlich aus einer unangepasst hohen Ausprägung der Dimension Gewissenhaftigkeit.<ref name=":32" /><ref name=":35" />
Autismus
Die Autismus-Spektrum-Störung zählt zu den neuromentalen Entwicklungsstörungen, welche während der neuronalen Entwicklung entstehen. Nach aktuellem Kenntnisstand ist Autismus bereits bei der Geburt vorhanden. Neuromentale Entwicklungsstörungen sind in der ICD-11 allen anderen psychischen Störungskategorien vorangestellt. Autismus ist ein komplexes und heterogenes Störungsbild, das mit anhaltenden Defiziten der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie unflexiblen und stereotypen Wahrnehmungs-, Interessen- und Aktivitätsmustern einhergeht. Es umfasst ein Spektrum, das als gesunde Normvariante bis weit in den neurotypischen Bereich hineingeht.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":8" details="siehe 6A02.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Bei Autismus können die Negativsymptome Affektverflachung, Alogie und Asozialität (sozialer Rückzug und eingeschränktes soziales und sexuelles Interesse) auftreten, ohne dass dem eine Persönlichkeitsstörung zugrunde liegt.<ref name=":0" /> Autismus korreliert außerdem mit Introversion. Es gilt als ein bekanntes Problem, dass Menschen aus dem Autismus-Spektrum früher häufig mit einer Persönlichkeitsstörung, insbesondere auch der schizoiden, fehldiagnostiziert wurden, da etwa die Hälfte formal auch die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllte. Es sollte immer geprüft werden, ob Verhalten besser durch eine zugrunde liegende Autismus-Spektrum-Störung als durch eine Persönlichkeitsstörung erklärt werden kann.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Behandlungsmethoden für schizoide Menschen gelten für Autisten als nicht hilfreich.<ref name=":20">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind die andauernden, eingeschränkten, repetitiven und unflexiblen Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten, die bei Autismus im Gegensatz zu Persönlichkeitsstörungen immer bereits in der frühen Kindheit beginnen.<ref name=":8" details="siehe 6A02." />
Alexithymie
Alexithymie (Gefühlsblindheit) ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei vielen psychischen Störungen oder anderen Erkrankungen und auch bei gesunden Menschen auftreten kann. Die Eigenschaften der Alexithymie gelten nicht als Teil der schizoiden Persönlichkeitsstörung, auch wenn schizoide Personen alexithym sein können. Ein wichtiger Unterschied zwischen beiden Konzepten besteht darin, dass alexithyme Menschen sich in Beziehungen prinzipiell wohlfühlen und eine starke Anpassungsbereitschaft an andere zeigen. Schizoide Menschen zeichnen sich außerdem oft durch eine starke Fantasietätigkeit und auf das eigene Innenleben bezogenes Denken aus, während für Alexithymie gerade ein Mangel an Fantasie und ein rationaler, nach außen gerichteter Denkstil typisch ist.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Schizoide Menschen sind oft in der Lage, eigene Emotionen innerlich zu identifizieren, vermeiden allerdings ihren Ausdruck (Affektisolierung) und betonen stattdessen den Intellekt bzw. das kognitive Denken.<ref name=":4" details="Seite 235." /><ref name=":12" details="Seite 62." /> Untersuchungen zeigen auch, dass Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung Emotionen sowohl empfinden als auch wahrnehmen können (eine allgemeine abgeflachte Affektivität also gar nicht so häufig auftritt), hierbei allerdings eine signifikante Reduzierung positiver Affekte bei gleichzeitiger starker Intensität negativer Affekte (Traurigkeit, Angst etc.) zu beobachten ist. Diese werden von Betroffenen vor allem durch Reflexion und Dissoziation reguliert.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Introversion
Introversion (fehlende Extraversion) hängt von den Dimensionen der Big Five mit Abstand am stärksten mit der schizoiden Persönlichkeitsstörung zusammen<ref name=":32">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":35" /> und spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer solchen. Sie dient schizoiden Menschen als Abwehrmechanismus, um als unangenehm empfundene soziale Interaktionen vermeiden zu können.<ref name=":22" details="Abschnitt Introduction." />
Mit Introversion geht eine niedrigere Dauer und Häufigkeit positiver Emotionen, Verschlossenheit und weniger Ausdruck solcher Emotionen gegenüber anderen, weniger ungezwungene Geselligkeit (Partys, Gespräche, private Telefonate, gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit) sowie eine Neigung zu Alleinsein und Unabhängigkeit einher. Introvertierte haben ein niedriges Bedürfnis nach Geselligkeit, ohne dass das zu individuellem Leidensdruck führt.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Bei Introversion an sich handelt es sich nicht um etwas Krankhaftes. Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung hat introvertierte Tendenzen, allerdings bildet nur ein kleiner Teil dieser Menschen aufgrund biographischer Erfahrungen eine schizoide Persönlichkeitsstörung aus, welche sich durch starre Verhaltensweisen wie defensive Zurückgezogenheit, den Rückzug in die Innenwelt und die Vermeidung von Intimität zur Bewahrung der Autonomie auszeichnet. Eine allgemein anerkannte Unterscheidung zwischen den Begriffen schizoid und introvertiert existiert nicht und sie werden oft synonym verwendet. Es wird allerdings teils versucht, „schizoid“ auf pathologische und „introvertiert“ auf gesunde Ausprägungen zu begrenzen.<ref name=":19" details="Seite 88-100." />
Die Merkmalsdomänen der Diagnose Persönlichkeitsstörung aus der ICD-11 wurden als unangepasste (maladaptive) Ausprägungen der Big Five konzipiert, wobei Distanziertheit das pathologische Extrem von Introversion bzw. fehlender Extraversion darstellt. Individuelle Beeinträchtigungen sind für die Einstufung als Persönlichkeitsstörung immer erforderlich.<ref name=":26" /><ref name=":31" />
Millons Subtypen
Theodore Millon beschrieb vier Prototypen der schizoiden PS, die jedoch laut ihm in der Realität selten pur vorkommen:<ref name=":9" details="Seite 278-280.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
| Träger Subtyp (mit depressiven Zügen) | Phlegmatisches, lethargisches Temperament; zu geringes Aktivierungsniveau; antriebslos, müde, bleiern, matt und schlapp. Kaum vital oder energetisch, verlangsamt; emotional aber nicht leer. Hat oft wenig Interessen; bevorzugt einfache, repetitive und abhängige Lebensweise. |
| Entrückter Subtyp (mit vermeidend-schizotypischen Zügen) | Distanziert und entfernt; unerreichbar, einsam, abgeschieden, obdachlos, abgeschnitten, treibt ziellos umher am sozialen Rand, oft beschäftigt in Jobs mit geringem Einkommen und Status. In schweren Fällen schizotypische Merkmale, beobachtbar unter chronisch institutionalisierten Patienten und in Resozialisierungszentren. |
| Depersonalisierter Subtyp (mit schizotypen Zügen) | Losgelöst von sich und den anderen; das Selbst wird zum körperlosen oder fernen Objekt; Körper und Geist sind voneinander entkoppelt, getrennt. Betrachtet sich selbst von außen. Zerstreut, oft ins Leere starrend, unaufmerksam. |
| Affektloser Subtyp (mit zwanghaften Zügen) | Leidenschaftslos, unempfänglich, reaktionslos, teilnahmslos, kühl, gleichgültig, ungerührt, temperamentlos, glanzlos, unerregbar, gelassen, kühl; alle Gefühle vermindert. Kombiniert schizoide Apathie mit der emotionalen Eingeengtheit der zwanghaften PS. |
Häufigkeit
Die schizoide Persönlichkeitsstörung wird in Bevölkerungsstudien vergleichsweise selten gefunden. Die Schätzungen variieren deutlich je nach Messmethode. In großen, repräsentativen Erhebungen, die klinisch bedeutsame Beeinträchtigung für jedes erfüllte Kriterium verlangen, liegen die Punktprävalenzen meist unter 1 %. In den USA ergab die reanalysierte NESARC-Stichprobe ~0,6 %, eine britische Haushaltsstichprobe gibt ~0,8 % an.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Eine norwegische Community-Studie mit klinischen Interviews berichtete hingegen ~1,7 % und eine frühere großangelegte Untersuchung in den USA sogar 3,13 %.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":29">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Übersichtsarbeiten nennen entsprechend eine weite Breite zwischen 0 % und 5 % und betonen die methodische Unsicherheit.<ref name=":22" details="Abschnitt Epidemiology." /><ref name=":23" details="Seite 164." />
Für die ICD-11-Abbildung mit Schweregrad für die Diagnose 6D10 Persönlichkeitsstörung + dem Merkmal 6D11.1 Distanziertheit, die auch leichtere Fälle besser erfassen kann, liegen bislang keine empirischen Studien oder Prävalenzeinschätzungen vor.
Ursachen
Die schizoide Persönlichkeitsstörung zählt zu den am wenigsten erforschten psychischen Störungen, weshalb Angaben zu den Ursachen mit erheblicher Unsicherheit behaftet sind. Sie basieren zu großen Teilen auf den Beobachtungen, die bei der Behandlung Betroffener in der Praxis gemacht wurden, nicht aber auf systematischen empirischen Untersuchungen.<ref name=":19" details="Seite 69." /><ref name=":22" details="Abschnitt Etiology." />
Die Ätiologie von Persönlichkeitsstörungen gilt als komplex und multifaktoriell. Persönlichkeit ist ein komplexes Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen, sozialen und entwicklungsbedingten Faktoren. Sie ist auch bei diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen bei jedem Individuum einzigartig, weswegen hier genannte Muster nicht auf jeden Einzelfall zutreffen. Die Persönlichkeit eines Menschen umfasst sowohl angeborene Merkmale (Konstitution) als auch solche, die durch Anpassung an Lebensumstände (Umwelt) entstanden sind.<ref name=":22" details="Abschnitt Etiology." /> Zur Entstehung psychischer Störungen siehe auch das Vulnerabilitäts-Stress-Modell.
Konstitutionelle Faktoren
Konkrete Zahlen zum Anteil der konstitutionellen Faktoren (Heritabilität) sind aufgrund der begrenzten Datenlage unsicher und unterscheiden sich je nach Studie und Forschungsmethode stark. Die Angaben schwanken zwischen 28 % und 59 %.<ref name=":28" details="Seite 922.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":24" /> Auch die Persönlichkeitseigenschaft Introversion und Extraversion hat eine Heritabilität von ~49%.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Ausgehend von Claude Robert Cloningers Temperamentsdimensionen werden für schizoide Menschen folgende Merkmale als typisch beschrieben: Ein mit Vermeidungsverhalten einhergehendes hohes Sicherheitsbedürfnis, eine geringe Suche nach Neuem, eine niedrige Abhängigkeit von Anerkennung und eine niedrige Ausdauer.<ref name=":22" details="Abschnitt Etiology: „Temperament traits include harm avoidance, novelty seeking, reward dependence, and persistence.“." />
Außerdem wird eine besondere Reizoffenheit beschrieben, die häufig beobachtet wird und zur Ausbildung schizoider Züge beiträgt (in der Quelle als „Hyperpermeabilität“ bezeichnet; siehe auch Neurotizismus und Hochsensibilität<ref name=":18" details="Verweis auf Elaine N. Aron und Bezeichnung von Hochsensibilität als „schizoid theme“, Seite 7." />). Diese führt zu einer Tendenz, eigene und fremde Emotionen als überwältigend zu empfinden und zu einer Begrenzung des Zustroms von Reizen. Die Folge ist eine angeborene Neigung zu Isolation und zurückgezogenem Verhalten. Auch ein angeborenes „langsam auftauendes Temperament“ wird als möglicher Faktor genannt, ein Begriff aus der Temperamentsforschung. Kinder mit diesem Muster reagieren auf neue Reize zunächst mit Zurückhaltung oder Angst und brauchen Zeit, um sich sicher zu fühlen. Sie nähern sich neuen Erfahrungen schrittweise. Dieses Muster kann sich auch im Erwachsenenalter in einer introvertierten, beobachtenden und vorsichtigen Persönlichkeitsstruktur fortsetzen.<ref name=":19" details="„Hypersensitivity & hyperpermeability“ und „Slow-to-warm-up’ temperament & passive infantile reactions“, Seite 70-73." />
Umweltfaktoren
Typische Umweltfaktoren in der Kindheit von Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung sind:
Übergriffigkeit. Damit ist ein Beziehungsmuster gemeint, bei dem die Grenzen des Kindes von Bezugspersonen wiederholt verletzt oder übergangen werden, z. B. durch übermäßige Kontrolle, Besitzergreifung, emotionale Vereinnahmung oder die Instrumentalisierung des Kindes für elterliche Bedürfnisse. Das Kind reagiert darauf mit innerem Rückzug und äußerlicher Überanpassung. Langfristig führen diese Erfahrungen zu einem schwachen Selbstgefühl, zu Angst vor Nähe und zu einem Rückzug in die innere Welt.<ref name=":19" details="„Impingement“, Seite 82-83." /> Auch die auf die Behandlung schizoider Menschen spezialisierte Gestalttherapeutin Elinor Greenberg berichtet eine Überempfindlichkeit gegenüber dominierendem und aufdringlichem Verhalten aufgrund von Kindheitserfahrungen bei vielen ihrer Patienten.<ref name=":15">{{#if:2025-12-06|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Elinor Greenberg|Elinor Greenberg: }}{{#if:https://archive.today/2025.12.06-224735/https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202211/how-to-get-someone-with-schizoid-personality-disorder-to-open%7C{{#if:How to Get Someone with Schizoid Personality Disorder to Open Up | Psychology Today|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://archive.today/2025.12.06-224735/https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202211/how-to-get-someone-with-schizoid-personality-disorder-to-open}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=How to Get Someone with Schizoid Personality Disorder to Open Up | Psychology Today}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202211/how-to-get-someone-with-schizoid-personality-disorder-to-open%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=How to Get Someone with Schizoid Personality Disorder to Open Up | Psychology Today}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202211/how-to-get-someone-with-schizoid-personality-disorder-to-open}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=How to Get Someone with Schizoid Personality Disorder to Open Up | Psychology Today}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:https://archive.today/2025.12.06-224735/https://www.psychologytoday.com/us/blog/understanding-narcissism/202211/how-to-get-someone-with-schizoid-personality-disorder-to-open{{#if: 2025-09-11 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}||1}}}}
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Überstimulation. Hiermit wird eine frühkindliche Reizüberflutung bezeichnet, die entsteht, wenn sensible Kinder übermäßig intensiven sensorischen oder emotionalen Eindrücken ausgesetzt sind, etwa durch laute, aufdringliche oder emotional überaktive Bezugspersonen. Eine Folge davon kann sein, dass das Kind lernt, sich innerlich zurückzuziehen, um sich vor der als überwältigend erlebten Umwelt zu schützen. In der Folge entwickeln sich emotionale Distanziertheit, Dissoziation oder eine reduzierte Affektivität.<ref name=":19" details="„Over-stimulation“, Seite 83-84." />
Gefühlsunterdrückendes Familienleben. Hiermit sind Bezugspersonen gemeint, die zwar grundlegende Bedürfnisse erfüllen, aber emotional abweisend sind. Zuwendung, Wärme und Mitgefühl fehlen, während Anpassung und Ruhe belohnt werden. Der Ausdruck von Gefühlen, Aggression, Abhängigkeit oder Bindung vonseiten des Kindes wird explizit oder implizit unterbunden. Diese Kinder lernen, dass Liebe und emotionale Nähe Gefahr bedeuten können, da sie mit Zurückweisung oder Bestrafung verbunden sind. Um sich zu schützen, kommt es zu innerem Rückzug und Selbstgenügsamkeit.<ref name=":19" details="„Anti-libidinal family life“, Seite 84-85." />
Vernachlässigung. Betroffene hiervon erleben in der Kindheit häufig eine emotionale Unterversorgung, mangelnde Empathie und fehlende Resonanz auf ihre inneren Zustände seitens der Bezugspersonen. Diese Form der emotionalen Deprivation führt dazu, dass das Kind lernt, seine Gefühle zu unterdrücken und sich auf sich selbst zurückzuziehen. Selbst subtile unpassende Reaktionen der Eltern, mangelndes Interesse an der inneren Welt des Kindes oder eine unzureichende familiäre Kommunikation können bei sensiblen Kindern zu einem anhaltenden Gefühl von Unverstandensein und Isolation führen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich auch hier eine Haltung der Selbstgenügsamkeit, des emotionalen Rückzugs und der Vermeidung enger Bindungen, die charakteristisch für die schizoide Persönlichkeit ist.<ref name=":19" details="„Neglect“, Seite 86-87." /> Auch Rainer Sachse betrachtet die schizoide Persönlichkeit als Folge einer „Flucht in die Autonomie“ aufgrund emotional kalter, wenig unterstützender Eltern.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> In Theodore Millons Konzeption ist ebenfalls Vernachlässigung die umweltbezogene Erklärung dafür, dass Beziehungen von Betroffenen als nicht emotional belohnend empfunden werden.<ref name=":9" details="Seite 392-395." />
Die starke Überschneidung zwischen dem unsicher-vermeidenden bzw. abweisend-vermeidenden Bindungstyp der Bindungstheorie und schizoiden Persönlichkeitszügen führt zu einer Überschneidung der Ursachen bei beiden Konzepten.<ref name=":4" details="Seite 224-225." /><ref name=":19" details="„Schizoid personality and dismissive-avoidant attachment are conceptually equivalent in many important ways (West & Sheldon – Keller, 1994). Dismissive-avoidant children are indifferent or trivializing of their own emotional needs rather than owning or developing these needs. Often, dismissive avoidant children internalize the attitude of caregivers who are themselves rejecting, intrusive or indifferent with the child. Because the parents of dismissive children often fail to mirror back the child’s affective states, the child is often unable later in life to negotiate more advanced interpersonal tasks such as setting boundaries with others, or communicating information about the self to themselves or to others (Fonagy & Target, 1998).“, Seite 120-124." /><ref name=":42" details="Seite 229, 233" />
Psychotherapie
Eine Indikation für eine Behandlung besteht nur dann, wenn eine betroffene Person unter ihrer sozialen Isolierung leidet oder sie eine Behandlung ausdrücklich wünscht. In dem Fall erfolgt die Behandlung durch Psychotherapie. Die Behandlungsziele können individuell unterschiedlich sein. Unabhängig vom Therapieverfahren gilt die Toleranz der Distanziertheit des Patienten als wichtig sowie ein behutsames und unaufdringliches Vorgehen. Das Erkennen und Respektieren der Angst eines schizoiden Patienten vor sozialen Beziehungen durch den Therapeuten sowie seiner Grenzen und Fantasien fördert die Beziehung und kann selbst bereits therapeutisch sein.<ref name=":22" details="Abschnitt Treatment / Management." /> Personen mit schizoider Persönlichkeitsstörung fällt es zu Beginn häufig schwer, eine engere therapeutische Beziehung aufzubauen. Rainer Sachse und Meike Sachse raten daher zu Geduld und warnen davor, schizoide Patienten in der Therapie „zu emotionalisieren“ oder mit „Trainings“ zu beginnen. Dies könne beim Patienten zu Gefühlen von Unverstandensein und Reaktanz führen.<ref name="SachseSachse2017">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Schizoide Menschen haben Schwierigkeiten damit, andere um Hilfe zu bitten, da es ihr Gefühl der Unabhängigkeit beeinträchtigt und sie gelten in Beziehungen als nicht fordernd.<ref name=":19" details="„Working with the anti-libidinal ego“, Seite 252-254." /><ref name=":14" details="Seite 44–45, 150, 188-189." /><ref name=":40" details="Seite 940." /> Aus der bindungstheoretischen Forschung ist bekannt, dass Menschen mit vermeidendem Bindungsstil ein positives Selbstbild bei gleichzeitig niedrigem Vertrauen in andere haben, sie ihre Probleme trotz hoher Belastung bagatellisieren und emotionale Offenheit vermeiden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Empirische Untersuchungen mit Studierenden und angehenden Psychotherapeuten zeigen, dass sie auf diese Patientengruppe besonders negative Reaktionen zeigen und die Betroffenen häufig aufgrund vermeintlich fehlender Indikation für eine Behandlung ablehnen wollen. Die Reflexion dieser emotionalen Reaktionen gilt als besonders wichtig für den Aufbau einer therapeutischen Allianz und den Therapieerfolg.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Psychodynamische Verfahren
Schizoide Menschen gelten als besonders geeignet für das psychoanalytische Setting.<ref name=":12" details="„Masud Khan (1960) fasst, auf der Basis der Objektpsychologie Fairbairns, zusammen, dass schizoide Persönlichkeiten zwar eine extrem hohe Verfestigungstendenz aufweisen, was die Behandlung erschwert. Sie seien für Psychoanalysen jedoch besonders gut geeignet, weil sie zu tieferer psychologischer Einsicht besonders befähigt und Übertragungsbildungen gut möglich sind.“, Seite 83." /><ref name=":19" details="Seite 220 ff." /><ref name=":42" details="Seite 236" /><ref name=":18" details="„Therapeutic implications“, Seite 20-22." /> Harry Guntrip wird sogar der scherzhafte Ausspruch zugeschrieben, die Psychoanalyse sei von Schizoiden für Schizoide.<ref name=":18" details="„Harold Davis (personal communication) reports that Harry Guntrip once joked to him that “psychoanalysis is a profession by schizoids for schizoids.”“, Seite 4." /> Guntrip<ref name=":21">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> sowie weitere Psychoanalytiker wie Gerald Appel<ref name=":44">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>, Jeffrey Seinfeld<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>, Philip Manfield<ref name=":3" />, Ralph Klein<ref name=":17" />, Nancy McWilliams<ref name=":4" /><ref name=":18">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>, Zachary Wheeler<ref name=":19">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und Otto Kernberg<ref name=":16" /> haben umfassende Beschreibungen des Störungsbilds und bedeutende Grundsätze für die Behandlung Betroffener ausgearbeitet. Dazu Gerhard Dammann:
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| {{#if:trim|Aufgabe des Therapeuten ist es, ein stabiles und respektvolles (Markowitz 1968) Gegenüber zu sein, das einerseits ausreichend die »freundlichen Weiten« (Balint) zulassen und selbst innerlich positiv und geübt genug im »doing nothing« (Gabbard 1989) sein kann, um »distant enough« sein zu können. (Nicht wenige Psychoanalytiker haben selbst leicht schizoide Züge, was ihnen diese Haltung erleichtert; dazu Wheelis 1956).}}
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Schizoide Patienten können sich durch zu frühe Deutungen aufdringlich behandelt fühlen.<ref name=":4" details="Seite 231." /><ref name=":40" details="Seite 492." /> Sie können dem Therapeuten und seinem Interesse mit großem Misstrauen begegnen und ihn selbst als distanziert oder zurückziehend erleben.<ref name=":16" details="Seite 193." /><ref name=":21" details="„The Transference Situation“, Seite 33-34." /> Es ist möglich, dass lange Schweigephasen und ausgeprägte Distanziertheit starke negative Gegenübertragungsgefühle auf Therapeutenseite auslösen.<ref name=":19" details="„Countertransference“, Seite 203–211" /><ref name=":40" details="Seite 491-492." /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Als hilfreicher Zugang zu den Übertragungen und unbewussten Prozessen schizoider Patienten gelten vor allem ihre Fantasien, welche ähnlich wie Träume behandelt werden können.<ref name=":19" details="„Managing fantasy“, Seite 250-252." /> Es kann vorkommen, dass sich auch die Beziehung zum Therapeuten überwiegend in die Fantasie eines schizoiden Patienten verlagert.<ref name=":21" details="„The schizoid individual can often feel strong longings for another person so long as he or she is not there, but the actual presence of the other person causes an emotional withdrawal which may range from coldness, loss of interest and inability to find anything to say, to hostility and revulsion: ‘presence makes the heart grow less fond’. Many a patient complains that he carries on long conversations with the therapist ‘in his head’ but his mind goes blank when he is in the session.“, Seite 59." /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Im Zentrum der Übertragung bei Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung steht häufig die Tendenz, andere – und damit auch den Therapeuten – als manipulativ, zwingend, sadistisch, vereinnahmend, verschlingend, aneignend, bedürftig oder kontrollierend zu erleben.<ref name=":19" details="„Primary Object Relations“, Seite 240-248. Siehe Figure 7.10 und Abschnitt „sadomasochistic dyads“." /> Otto Kernberg verweist auf die Wichtigkeit, dieses zentrale Dilemma schizoider Menschen im Kopf zu behalten, es sorgfältig zu explorieren und insbesondere die Gegenübertragung zu beachten.<ref name=":16" details="Seite 196-200." />
Als Risikofaktoren für Therapieabbrüche bei schizoiden Patienten gelten ein als aufdringlich erlebtes Setting, vorschnelle oder zu konfrontative Deutungen, mangelnde Anerkennung der Belastung durch den therapeutischen Prozess sowie fehlende Hilfe mit negativer Übertragung. Präventiv wirken ein klarer, aber dennoch flexibler Rahmen (z. B. freie Wahl bezüglich Liegen oder Sitzen), als authentisch und nicht zu kühl wahrgenommene Therapeuten, die respektvolle Anerkennung von Autonomie und eventuellen Rückzugstendenzen, behutsame Affektarbeit, vorsichtiger Allianzaufbau sowie eine bewusste Reflexion der Gegenübertragungsreaktionen auf Therapeutenseite.<ref name=":19" details="„Factors leading to early dropout“, Seite 226–229 und „Frame Considerations“, Seite 221-225." />
Gruppentherapie
Gruppentherapie wird häufig als hilfreiche Behandlungsoption für schizoide Patienten genannt; hierzu liegen Empfehlungen und Erfahrungsberichte einer Reihe von Autoren vor.<ref name=":44" /><ref name=":45">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":46">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":47">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":48">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":19" details="Seite 283-284" /><ref name=":49">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":42" details="Seite 239-240" /><ref name=":50">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":38" details="Seite 450" />
Die Teilnahme an einer Gruppe gilt bei schizoiden Patienten vor allem als sinnvolle und wirksame Ergänzung zu einer Einzeltherapie, kann aber kein Ersatz für eine solche sein. Sie kann mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein, weshalb eine gute Vorbereitung und eine bereits bestehende therapeutische Allianz in einer Einzeltherapie unerlässlich sind, um einen vorzeitigen Abbruch zu vermeiden.<ref name=":48" /><ref name=":42" details="Seite 239-240" /><ref name=":49" details="Siehe Anmerkung 27 zu Kapitel 8, Seite 656-658" /> So kann es vorkommen, dass schizoide Patienten dem Therapeuten bereits den Vorschlag zur Teilnahme an einer Gruppe übelnehmen. Es ist hierbei wichtig, im Vorfeld mögliche Befürchtungen zu klären, die in Bezug auf die Gruppenteilnahme vorhanden sind.<ref name=":48" /> Ebenso kann es vorkommen, dass schizoide Menschen den Wunsch verspüren, die Gruppentherapie wieder abzubrechen, sobald zu viel Nähe mit anderen entsteht; auch das kann durch eine begleitende Einzelbehandlung aufgefangen werden.<ref name=":49" details="Seite 373-374" />
Als zentrale Herausforderung gilt die Tatsache, dass schizoide Menschen – wie in allen Gruppensituationen<ref name=":19" details="Seite 139-141" /><ref name=":12" details="Seite 52" /> – in der Gruppentherapie dazu neigen, hauptsächlich zu schweigen und eine „Randfigur“ zu bleiben.<ref name=":49" details="Seite 97, 278" /> Sie können einen inneren Konflikt zwischen Beteiligung und Abgrenzung sowie Angst vor Selbstoffenbarung haben.<ref name=":45" /> Ähnlich wie in der Einzeltherapie muss eine Balance zwischen Distanz und Einbindung schizoider Patienten gefunden werden und es benötigt zunächst Toleranz gegenüber ihrer Distanziertheit, um schizoiden Gruppenmitgliedern nicht das Gefühl zu geben, dass ihre eigenen Bedürfnisse in Beziehungen mit anderen übergangen werden. Molyn Leszcz weist darauf hin, dass sie trotz ihrer Schweigsamkeit oft sehr aufmerksam und hypervigilant sind und die Teilnahme an der Gruppe als positiv empfinden können.<ref name=":47" /> Es kann für den Therapeuten notwendig sein, schützend einzugreifen, wenn ein schizoider Patient seine eigenen Grenzen gegenüber anderen nicht durchsetzen kann.<ref name=":50" /> Andererseits besteht allerdings auch die Gefahr, dass Therapeut und Gruppe ein schizoides Mitglied unbewusst oder aufgrund negativer Gegenübertragungen ausschließen, aggressiv reagieren oder das Mitglied zur Teilnahme oder Selbstoffenbarung drängen wollen.<ref name=":45" /><ref name=":46" />
Die Gruppe soll einem schizoiden Patienten im Verlauf der Behandlung als Übungsfeld zur Sozialisierung und zur Ermöglichung neuer positiver Beziehungserfahrungen dienen. Viele schizoide Menschen profitieren bereits davon, regelmäßig mit anderen Menschen in Kontakt zu sein, wodurch sie sich weniger entfremdet fühlen.<ref name=":44" /><ref name=":46" /><ref name=":50" /> Als wichtige mögliche Therapieziele gelten der Aufbau von grundlegendem Vertrauen und der Abbau defensiver Selbstgenügsamkeit,<ref name=":47" /><ref name=":19" details="Seite 283-284" /> das Zulassen und Ausdrücken positiver und negativer Emotionen gegenüber anderen<ref name=":49" details="Seite 457-459" /> und die Einübung zwischenmenschlicher Kompetenzen und Konfliktlösungsstrategien.<ref name=":38" details="Seite 450" /> Irvin D. Yalom weist darauf hin, dass die Anwesenheit von Borderline-Patienten förderlich für schizoide Gruppenmitglieder sein kann.<ref name=":49" details="Seite 463" /> Sie verfügen nicht selten über die Fähigkeit, eine emotionale Verbindung zu schizoiden Menschen herzustellen.<ref name=":42" details="Seite 241" />
Siehe auch
- Schizoider Charakter nach Alexander Lowen
- Schizoide Persönlichkeiten nach Fritz Riemann
- Introvertierte nach Carl Gustav Jung
Literatur
- Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg: Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung: Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. Kohlhammer, 2018, ISBN 978-3-17-033467-0.
- Harry Guntrip: Schizoid Phenomena, Object-Relations and the Self. International Universities Press, 2001, ISBN 0-8236-8310-9.
- Dirk Nordmann: Schizoid: Wenn Nähe zum Problem wird – Eine Erfahrung. Verlag der Ideen, Volkach 2014, ISBN 978-3-942006-14-9.
- {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}
- Rainer Sachse: Klärungsorientierte Psychotherapie der schizoiden und paranoiden Persönlichkeitsstörung. Hogrefe, 2017, ISBN 978-3-8017-2844-1.
- Jeffrey Seinfeld: The Empty Core: An Object Relations Approach to Psychotherapy of the Schizoid Personality. Jason Aronson, 1991, ISBN 0-87668-611-0.
Weblinks
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- Volker Faust über die schizoide Persönlichkeitsstörung
- Geist und Gegenwart: Schizoid – die Angst vor dem Ich-Verlust und Die schizoide Persönlichkeitsstörung
- Schizoide-Persönlichkeitsstörung.de
- Schizoid Processes: Working with the Defenses of the Withdrawn Child Ego State
Einzelnachweise
<references> </references>
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