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Schneebergit

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Schneebergit
Datei:Schneebergite - Am Roten Berg, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen.jpg
Hellbräunliche Schneebergitkristalle vom alten Bergbaugelände „Am Roten Berg“ bei Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen (Bildbreite 1,7 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1999-027<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Snb<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Bi(Co,Ni)2(AsO4)2(OH,H2O)2<ref name="strahlen.org" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/C.31-002

8.CG.15
40.02.09.06
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe C2/m (Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12<ref name="AMCSD" />
Gitterparameter a = 9,005 Å; b = 6,211 Å; c = 7,440 Å
β = 115,19°<ref name="AMCSD" /><ref name="Webmineral" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="AMCSD" /><ref name="Webmineral" />
Häufige Kristallflächen {001}, {111}, {102}, {101} und {101}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,28<ref name="strahlen.org" />
Spaltbarkeit keine<ref name="strahlen.org" />
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe braun bis beige oder olivbraun (abhängig vom Eisengehalt)
Strichfarbe blass braun bis fast weiß
Transparenz durchsichtig
Glanz Diamantglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,930<ref name="Mindat" />
nβ 1,950<ref name="Mindat" />
nγ 1,980<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,050<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = berechnet: 85°<ref name="Mindat" />
Pleochroismus deutlich bis schwach: X = braun, Y = Z = blass gelb, abhängig vom Eisengehalt.

Schneebergit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Bi(Co,Ni)2(AsO4)2(OH,H2O)2<ref name="strahlen.org" /> und entwickelt nur mikroskopisch kleine Kristalle bis etwa 0,5 mm Größe von tafeligem bis blättrig-lamellarem Habitus, die zu rosettenförmigen Aggregaten zusammentreten. Die Farbe hängt vom Anteil des beigemengten Eisens ab und schwankt zwischen gelborange und gelblichbraun bis olivbraun oder beige.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Schneebergit zusammen mit Nickelschneebergit 1999 am Roten Berg bei Schneeberg in Sachsen und beschrieben durch Werner Krause, Heinz-Jürgen Bernhardt, Herta Silvia Effenberger und Thomas Witzke<ref name="GSW" />, die das Mineral nach seiner Typlokalität Schneeberg benannten. Als eigenständiges Mineral anerkannt wurde es noch im selben Jahr unter der IMA-Eingangsnummer 1999-027. Veröffentlicht wurden die Untersuchungsergebnisse und der anerkannte Name Schneebergit 2002 im „European Journal of Mineralogy 14“ unter dem Titel Schneebergite and nickelschneebergite from Schneeberg, Saxony, Germany: the first Bi-bearing members of the tsumcorite group.

1880 war der Name „Schneebergit“ schon einmal von Aristides Brezina für ein Mineral vom Schneeberg vergeben worden. Neuere Untersuchungen von Otto Zedlitz<ref name="Zedlitz" /> und Felix Machatschki<ref name="Machatschki" /> im Jahre 1932 wiesen jedoch nach, dass dieses Mineral mit dem 1841 entdeckten und beschriebenen Roméit bis auf einen leicht erhöhten Eisenanteil identisch war. Dieser so genannte „Schneebergit (nach Brezina)“ gilt seitdem als Varietät des Roméit. Die Regeln der IMA besagen, dass ein Name 50 Jahre nach der Diskreditierung des entsprechend benannten Minerals erneut vergeben werden darf. Da seit der Diskreditierung des Schneebergit (nach Brezina) bereits 67 Jahre verstrichen waren, wurde die Neuvergabe von der „Commission on New Minerals and Mineral Names“, der Prüfungskommission der IMA, anerkannt. Typmaterial dieses „neuen“ Schneebergits befindet sich in der Sammlung des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden.<ref name="strahlen.org" /><ref name="MindatBrezina" />

Klassifikation

Die aktuelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Schneebergit zur Tsumcoritgruppe mit der allgemeinen Formel Me(1)Me(2)2(XO4)2(OH,H2O)2,<ref name="Krause et al 1998" /> in der Me(1), Me(2) und X unterschiedliche Positionen in der Struktur der Minerale der Tsumcoritgruppe mit Me(1) = Pb2+, Ca2+, Na+, K+ und Bi3+; Me(2) = Fe3+, Mn3+, Cu2+, Zn2+, Co2+, Ni2+, Mg2+ und Al3+ und X = As5+, P5+, V5+ und S6+ repräsentieren. Zur Tsumcoritgruppe gehören neben Schneebergit noch Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Gartrellit, Helmutwinklerit, Kaliochalcit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Lukrahnit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Natrochalcit, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Nickeltsumcorit, Phosphogartrellit, Rappoldit, Thometzekit, Tsumcorit, Yancowinnait und Zinkgartrellit.

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Schneebergit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.31-002. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Schneebergit zusammen mit Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Gartrellit, Helmutwinklerit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Lukrahnit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Nickeltsumcorit, Phosphogartrellit, Rappoldit, Thometzekit, Tsumcorit, Yancowinnait und Zinkgartrellit die „Tsumcorit-Gartrellit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/C.31 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schneebergit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O = 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Thometzekit und Tsumcorit die „Tsumcoritgruppe“ mit der Systemnummer 8.CG.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Schneebergit die System- und Mineralnummer 40.02.09.06. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ in der „Helmutwinklerit-Untergruppe“, in der auch Tsumcorit, Helmutwinklerit, Thometzekit, Mawbyit, Rappoldit, Nickelschneebergit und Cobalttsumcorit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Schneebergit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12 mit den Gitterparametern a = 9,005 Å; b = 6,211 Å; c = 7,440 Å und β = 115,19°<ref name="AMCSD" /> sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle<ref name="Webmineral" />.

Bildung und Fundorte

Schneebergit bildet sich in der Oxidationszone von Bismut-Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Skorodit, Bariopharmakosiderit, Ferrilotharmeyerit, Preisingerit und Waylandit.

Außer der Typlokalität Roter Berg bei Schneeberg in Deutschland ist bisher (Stand: 2017) kein weiterer Fundort für Schneebergit bekannt. Das als Fundort ausgewiesene Bergrevier Schneeberg im Südtiroler Passeiertal wurde inzwischen als Fehlmeldung revidiert.<ref name="Mindat" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="AMCSD"> American Mineralogist Crystal Structure Database – Schneebergite (englisch, 2002) </ref> <ref name="GSW"> GSW GeoScienceWorld – European Journal of Mineralogy; January, February 2002: Schneebergite and nickelschneebergite from Schneeberg, Saxony, Germany </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Krause et al 1998"> Werner Krause, Klaus Belendorff, Heinz-Jürgen Bernhardt, Catherine McCammon, Herta Effenberger, Werner Mikenda: Crystal chemistry of the tsumcorite-group minerals. New data on ferrilotharmeyerite, tsumcorite, thometzekite, mounanaite, helmutwinklerite, and a redefinition of gartrellite. In: European Journal of Mineralogy. Band 10, 1998, S. 179–206, doi:10.1127/ejm/10/2/0179. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Machatschki"> Felix Machatschki: Die Pyrochlor-Romeit-Gruppe. In: Chemie der Erde. Band 7, 1932, S. 56–76. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Schneebergite (englisch) </ref> <ref name="MindatBrezina"> Mindat – Schneebergite (of Brezina) </ref> <ref name="strahlen.org"> Thomas Witzke: Die Entdeckung von Schneebergit bei www.strahlen.org </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Schneebergite (englisch) </ref> <ref name="Zedlitz"> Otto Zedlitz: Die Kristallstrukturen von Romeit und Schneebergit. In: Zeitschrift für Krystallographie. Band 81, 1932, S. 253–263 (rruff.info [PDF; 472 kB]). </ref> </references>