Recep Tayyip Erdoğan
Recep Tayyip Erdoğan <templatestyles src="IPA/styles.css" /> (* 26. Februar 1954 in Istanbul) ist ein türkischer Politiker (AKP) und seit dem 28. August 2014 der zwölfte Präsident der Republik Türkei.
Von 1994 bis 1998 war er Oberbürgermeister von Istanbul. Im Jahr 1999 war er für vier Monate inhaftiert. Von 2001 bis 2014 war er und seit 2017 ist er wieder Vorsitzender der Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP). Von 2003 bis 2014 war er Ministerpräsident der Türkei, zuletzt mit seinem dritten Kabinett. Durch das Verfassungsreferendum von 2017 wurde mit der Präsidentschafts- und Parlamentswahl im Juli 2018 ein Präsidialsystem in der Türkei eingeführt.
Nach einer anfänglichen Phase der Liberalisierung nahm Erdoğans Präsidentschaft zunehmend autoritäre Züge an. Laut Beobachtern war seine Amtszeit bis Mai 2023 von wirtschaftlichen Problemen geprägt. Seine Politik niedriger Zinssätze führte zu starkem Inflationsdruck und einer starken Abwertung der Lira. Rückläufige ausländische Investitionen und schwindende Devisenreserven belasteten die Wirtschaft weiter. Trotz möglicher Normalisierung im Falle seines Wahlsiegs blieben strukturelle Herausforderungen ungelöst. Die Opposition forderte eine Kursänderung, um Investitionen anzukurbeln und die Lira zu stabilisieren.<ref>Gulcin Ozkan: Erdoğan has wrecked Turkey’s economy – so what next? 12. Mai 2023, abgerufen am 4. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Wenige Jahre nachdem in Syrien ein Bürgerkrieg ausbrach, ließ Erdoğan im Jahr 2016 Nordsyrien besetzen. Infolgedessen wurde gegen die Türkei und insbesondere Erdoğan der Vorwurf erhoben, syrische Jesiden und syrische Kurden aus der Grenzregion zur Türkei zu vertreiben, um dort Araber anzusiedeln.<ref name=":9">Yazidis who suffered under Isis face forced conversion to Islam amid fresh persecution in Afrin. In: independent.co.uk. The Independent, 19. April 2018, abgerufen am 1. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":10">Susanne Koelbl: (S+) Der Türkische Präsident Erdogan nutzt das Chaos in Syrien zum Kampf gegen die Kurden. In: Der Spiegel. 30. Dezember 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 31. Dezember 2024]).</ref>
Leben und Einstieg in die Politik
Herkunft, Ausbildung und Familie
Erdoğan ist der Sohn von Ahmet und Tenzile Erdoğan. Er entstammt nach eigener Aussage einer aus Batumi immigrierten georgischen Familie aus Rize im Nordosten der Türkei, die sich in Istanbul niederließ.<ref>Kristina Karasu: Der Sultan, allein im Palast, nach der schweren Wahlniederlage ist klar: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat den Zenit seiner Macht überschritten. Eine Autokratenlaufbahn in sechs Kapiteln. In. NZZ am Sonntag vom 7. April 2024, Seite 5</ref><ref>Bülent Sarıoğlu: Kimlik değişimi! Milliyet, 11. August 2004, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Dezember 2005; abgerufen am 24. Juni 2016: „(Gürcistan gezisinde) „Ben de Gürcü'yüm ailemiz Batum'dan Rize'ye göç etmiş bir Gürcü ailesidir.““</ref> Der Vater war Seemann und arbeitete als Küstenschiffer und bei der Türkischen Küstenwache.<ref name="charismatic">Turkey’s charismatic pro-Islamic leader. BBC News, 4. November 2002, abgerufen am 23. Juli 2006.</ref> Er benannte den Sohn nach seinem Geburtsmonat Recep, dem siebten Monat des islamischen Kalenders, und gab ihm den Namen Tayyip des Großvaters als zweiten Vornamen. Erdoğan wurde im alten Istanbuler Hafenviertel Kasımpaşa (Stadtteil Beyoğlu) geboren und wuchs mit drei Brüdern und einer Schwester dort und in Rize auf.
Nach der Grundschule besuchte Erdoğan eine İmam-Hatip-Schule. Dies sind in der Türkei religiös orientierte Fachgymnasien. Der junge Erdoğan erhielt aufgrund seiner tiefen Religiosität den Spitznamen „Koran-Nachtigall“.<ref>Çigdem Akyol: Der Rächer In: Spiegel Online 22. Juli 2016.</ref> Die Schulausbildung schloss er mit einem Fachabitur für Imame ab.<ref>Judith Hoffmann: Aufstieg und Wandel des politischen Islam in der Türkei. Schiler, Berlin 2003, ISBN 3-89930-024-6, S. 39.</ref> Anschließend studierte er an der İstanbul İktisadi ve Ticari İlimler Akademisi. Der Abschluss 1981 und die Wertigkeit des Studiums und des dazugehörigen Diploms wurden jedoch anlässlich der Präsidentschaftswahl 2016 angezweifelt. (Siehe dazu: Zweifel am akademischen Grad)<ref>Erdogan soll Uni-Abschluss vortäuschen. In: n-tv, 11. Juni 2016.</ref>
Erdoğan ist seit dem 4. Juli 1978 mit Emine Erdoğan, geb. Gülbaran, verheiratet; das Paar hat zwei Söhne, Ahmet Burak und Necmeddin Bilal, und zwei Töchter, Esra und Sümeyye. Die Töchter haben wie auch der jüngere Sohn Bilal in den USA studiert.<ref>Erdoğans Töchter studieren in den USA. In: Spiegel Online, 20. Oktober 2004.</ref> Esra ist seit 2004 mit Berat Albayrak, der unter verschiedenen Regierungschefs Minister für Energie und Bodenschätze sowie auch Finanzminister war, verheiratet.<ref>Markus Bernath: Ministerposten für Erdogans Schwiegersohn. Artikel vom 30. November 2015 im Portal derstandard.at, abgerufen am 22. Mai 2017</ref> Sümeyye heiratete Selçuk Bayraktar.<ref>Raphael Geiger: Wird er der nächste starke Mann der Türkei?, Tages-Anzeiger, 14. Februar 2026, S. 10</ref>
Parteiämter
Am 11. Oktober 1972 gründete Necmettin Erbakan die Nationale Heilspartei (MSP), die dem Spektrum der religiös-konservativen Rechten zugeordnet wird<ref>Necmettin Erbakan. Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. November 2010; abgerufen am 23. Dezember 2010.</ref> und bis Ende der 1970er Jahre an drei Koalitionsregierungen beteiligt war.
1984 rückte Erdoğan in den Vorstand der inzwischen gegründeten Nachfolgepartei auf, der Wohlfahrtspartei (RP), und wurde stellvertretender Vorsitzender. Nach deren Verbot gehörte er bis zu seinem Austritt 1998 der nächsten Nachfolgepartei an, der Tugendpartei (FP). 2001 gründete er mit anderen ehemaligen Mitgliedern der Tugendpartei die Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP); zuletzt wurde er Ende September 2012 als Parteichef bestätigt.<ref>Reinhard Baumgarten: AKP-Parteitag in der Türkei: Erdogan erneut zum Parteivorsitzenden gewählt. Tagesschau.de, 30. September 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Oktober 2012; abgerufen am 24. Juni 2016.</ref>
Aufgrund seiner Wahl zum Staatspräsidenten musste Erdoğan, wie gesetzlich vorgeschrieben, im August 2014 den Parteivorsitz niederlegen. Nachdem im Frühjahr 2017 im Zuge einer Änderung der Verfassung die Trennung beider Ämter aufgehoben worden war, wurde er auf einem Sonderparteitag am 21. Mai 2017 erneut zum Parteivorsitzenden gewählt.<ref>Erdoğan wieder zum AKP-Vorsitzenden gewählt. Zeit Online, 21. Mai 2017, abgerufen am selben Tage.</ref>
Oberbürgermeister von Istanbul
In der Folge des ISKI-Skandals erhielt der zunächst als chancenlos geltende Erdoğan als Kandidat bei den Istanbuler Kommunalwahlen die Gelegenheit zum Wahlerfolg und begann damit seine politische Karriere.
Die Wohlfahrtspartei nominierte Erdoğan 1994 gegen den Willen Erbakans als Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters von Istanbul. Er gewann überraschend die Wahl und wurde Nachfolger von Nurettin Sözen. In der frühen Phase seiner Amtszeit verfolgte er eine konservative Politik, die der Ausrichtung seiner im religiös-konservativen Milieu verhafteten Wählerschaft entsprach. So wird seit seiner Amtszeit in städtischen Lokalen kein Alkohol mehr ausgeschenkt (in der privaten Gastronomie ist dies jedoch weiterhin möglich). In seiner Zeit als Bürgermeister fällt eine viel zitierte Aussage Erdoğans bei einer Pressekonferenz: Laizistisch und gleichzeitig ein Moslem zu sein, sei nicht möglich („Hem laik hem Müslüman olunmaz“). In einem Interview mit der Zeitung Milliyet bezeichnete er sich als Anhänger der Scharia.<ref>Boris Kalnoky: Das System von Recep Tayip Erdogan. In: Die Welt, 20. Juli 2007</ref> In einem Sonntagsgespräch mit Nilgün Cerrahoğlu erwiderte er auf die Frage, wie es mit der Demokratieverbundenheit der Wohlfahrtspartei aussehe: „Perfekt. Aber ist Demokratie der Zweck oder das Mittel? […] Wir meinen, dass Demokratie nicht der Zweck, sondern das Mittel ist.“<ref>Nilgün Cerrahoğlu: “Veliaht” Tayyip Erdoğan’a göre RP hepimizin partisi: ‘Demokrasi bizim için araçtır’. In: Milliyet, 14. Juli 1996, S. 20.</ref> Mit der 1998 getroffenen Aussage «Die Demokratie ist für uns eine Straßenbahn. Wenn wir angekommen sind, steigen wir aus», beschrieb Erdogan sein utilitaristisches Demokratieverständnis und nahm damit die künftige Ausrichtung seiner Politik vorweg.<ref>Gunnar Köhne im Gespräch mit Frederik Rother: 15 Jahre Erdoğan Vom Demokraten zum Alleinherrscher Im März 2003 wurde Recep Tayyip Erdoğan türkischer Ministerpräsident. Der Politiker hätte das Land zwar modernisiert, sagte der Journalist Gunnar Köhne im Dlf. Aber Warnungen vor den langfristigen Zielen Erdoğans hätte es damals schon gegeben. In: dlf.de. Deutschlandfunk, 14. März 2018, abgerufen am 7. April 2024.</ref><ref>Kristina Karasu: Der Sultan, allein im Palast, nach der schweren Wahlniederlage ist klar: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat den Zenit seiner Macht überschritten. Eine Autokratenlaufbahn in sechs Kapiteln. In: NZZ am Sonntag vom 7. April 2024, Seite 5</ref> Weitere religiöse Vorhaben betrafen die Einführung gesonderter Badezonen für Frauen oder getrennter Schulbusse für Jungen und Mädchen. Darüber hinaus erwarb er sich mit einer pragmatischen Kommunalpolitik Ansehen bei der Bevölkerung. Zu den erfolgreicheren kommunalpolitischen Initiativen gehörten die Modernisierung der Infrastruktur (z. B. die Instandhaltung der Strom- und Wasserleitungen) und die Verbesserung öffentlicher Dienste, wie beispielsweise der städtischen Entsorgungsdienste.
Seine außenpolitische Einstellung zum EU-Beitritt während seiner Zeit als Bürgermeister unterscheidet sich deutlich von seiner späteren Politik als Ministerpräsident. 1994 äußerte er sich gegen einen Beitritt zur EU. Dazu beschrieb er die EU als eine „Vereinigung der Christen“, in der die „Türken nichts zu suchen“ hätten.<ref>Erdoğan: Millet isterse laiklik tabii ki gidecek. In: Hürriyet, 21. August 2001, abgerufen am 12. Januar 2009 (türkisch).</ref>
Gefängnisstrafe
Im Januar 1998 verbot das türkische Verfassungsgericht die Wohlfahrtspartei. Ihr wurden Sympathien zum Dschihad und zur Einführung der Scharia vorgeworfen, was dem staatlichen Grundsatz des Laizismus, der Unterordnung der Religion unter die Staatsmacht, widersprach.
Der Gründer der Wohlfahrtspartei, Necmettin Erbakan, wurde mit einem fünfjährigen Verbot politischer Betätigung belegt. Erdoğan wechselte daraufhin in die Nachfolgepartei Tugendpartei, in die fast alle Abgeordneten der bisherigen Wohlfahrtspartei eintraten und für deren Vorsitz er als ernsthafter Kandidat galt, den letztlich aber Recai Kutan übernahm.
Zwischen Erbakan und seinen Parteifreunden, einschließlich Erdoğan, und der türkischen Armee bestand ein tiefes gegenseitiges Misstrauen. Die Armee sah sich als Hüterin der laizistischen Ordnung und als Wahrerin der Prinzipien von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk. Erdoğan hingegen verbittet sich jegliche Einmischung der Armee in politische Angelegenheiten und stellt klar bzw. postuliert, dass „der Generalstab der Befehlsgewalt des Ministerpräsidenten“ unterstehe.
Am 21. April 1998 wurde Erdoğan vom Staatssicherheitsgericht Nr. 3 in Diyarbakır wegen Aufstachelung der Bevölkerung zu Hass und Feindschaft unter Hinweis auf Unterschiede der Religion und Rasse nach Art. 312 Abs. 2, 59 Abs. 2 des damaligen türkischen Strafgesetzbuches zu zehn Monaten Gefängnis und einer „schweren Geldstrafe“ in Höhe von 716.666.666 Lira verurteilt. Der Kassationshof bestätigte das Urteil am 23. Oktober 1998.<ref>Kassationshof, 8. Strafsenat vom 23. Oktober 1998, E. 1998/10296, K. 1998/11672, YKD 24 (1998), 1724.</ref> Damit konnte Erdoğan nach Art. 76 Abs. 2 (aF) der Verfassung sowie Art. 11 lit. f Nr. 3 (aF) des Abgeordnetenwahlgesetzes nicht mehr zum Abgeordneten gewählt werden und kam folglich nach Art. 8 Abs. 1 (aF) des Parteiengesetzes auch nicht mehr als Gründer einer politischen Partei in Betracht. Anlass war eine Ende 1997 bei einer Versammlung in der ostanatolischen Stadt Siirt gehaltene Rede, in der er vermeintlich<ref>Hasan Pulur: Bu şiir kimin? In: Milliyet, 22. März 1999, S. 3 (online); ders.: Bu şiir kimin? / 2. In: Milliyet, 25. März 1999, S. 3 (online); Murat Bardakçı: Şiiri böyle montajlamışlar. In: Hürriyet, 22. September 2002, abgerufen am 15. März 2017; ders.: Erdoğan’ı yakan mısralar Örnek’in. In: Hürriyet, 23. September 2002, abgerufen am 15. März 2017.</ref> aus einem Werk Ziya Gökalps zitiert hatte: „Minarette [sind] Bajonette, Kuppeln [sind] Helme, Moscheen [sind] unsere Kasernen, Gläubige [sind] Soldaten“.
Im März 1999 trat Erdoğan die Strafe an und wurde nach vier Monaten am 24. Juli 1999 wieder aus der Haft entlassen.<ref>Ausgerechnet ein Gedicht wurde Erdogan zum Verhängnis. Basler Zeitung, 16. April 2016, abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> Manche Beobachter sind der Ansicht, er habe sich seinerzeit von seinem politischen Ziehvater Erbakan gelöst.<ref>Thomas Seibert: Wer ist Recep Tayyip Erdoğan? In: Tagesspiegel, 26. September 2004, abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> Kritiker werfen ihm und seiner AKP dagegen vor, sie wollten die „Herrschaft des Islam“ in der Türkei durchsetzen.<ref>Boris Kalnoky: Für ein Verbot der AKP ist es zu spät. Interview mit dem türkischen Obersten Staatsanwalt Vural Savas in Die Welt, 22. März 2008, abgerufen am 24. Juni 2016.</ref>
Als die Tugendpartei am 22. Juni 2001 aus den gleichen Gründen wie ihre Vorgängerin verboten wurde, sammelte Erdoğan demokratische Reformkräfte unter den Religiösen und gründete wenig später die Gerechtigkeits- und Aufschwungpartei (AKP), die sich von den politischen Überzeugungen Erbakans deutlich absetzte.
Ministerpräsident
Wahlsieg 2002
Bei der Parlamentswahl 2002 errang Erdoğan mit seiner AKP einen überragenden Wahlsieg, konnte allerdings aufgrund des bestehenden Politikverbots das Ministerpräsidentenamt nicht übernehmen. Nach der damaligen Rechtslage konnte nur ein Parlamentsabgeordneter zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Daher wurde sein Stellvertreter Abdullah Gül Ministerpräsident. Erst nach einer Verfassungsänderung, die sein Politikverbot aufhob, und der Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Gül übernahm den Posten des Außenministers.
Anfänglich verabschiedete das Parlament weitgehende Reformen zur Demokratisierung des Landes. Die Todesstrafe wurde abgeschafft, die Meinungsfreiheit zunächst erweitert, der Kampf gegen die Folter verstärkt. Die Lage der Kurden wurde durch die Zulassung kurdischer Sprachkurse und TV-Programme verbessert. Auch betrieb Erdoğan zu dieser Zeit eine Annäherung an Armenien. Er lud die armenische Regierung ein, eine aus türkischen und armenischen Wissenschaftlern bestehende Historikerkommission zur Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern zu gründen, den er persönlich bestreitet.<ref>Michael Thumann: Das Ende des kalten Schweigens. In: Die Zeit, Nr. 17/2005, 21. April 2005, abgerufen am 24. Juni 2016.
Lale Sarıibrahimoğlu: Ankara to renew diplomatic action on Armenia. Today’s Zaman, 14. April 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Mai 2007; abgerufen am 24. Juni 2016.</ref>
Außenpolitisch verfolgte Erdoğan nur am Anfang die weitere Annäherung der Türkei an die EU mit dem Ziel eines baldigen Beitritts, was im deutlichen Gegensatz zu seinen früheren Positionen stand. Unter seiner Führung verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich. Die Beziehungen zum syrischen Regime galten bis zum Bürgerkrieg in Syrien als überaus gut.
Parlamentswahl 2007 und 2011
Die AKP erreichte unter Erdoğans Führung bei der Parlamentswahl 2007 46,58 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit im Parlament.<ref>AKP dominiert von West nach Ost. Infografik in Der Standard online, 4. September 2007, abgerufen am 23. Juli 2007</ref> Erdoğan sagte zu dieser Zeit noch, er wolle Kontinuität in der Außenpolitik im Hinblick auf den Europakurs wahren.<ref>Türkei: Erdogan bekräftigt nach Wahlsieg Europakurs. In: Die Presse, 23. Juli 2007, abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> Ab dem 29. August 2007 führte er das zweite Kabinett Erdoğan an.
Bei der Parlamentswahl 2011 erzielte die AKP unter Erdoğan 49,84 Prozent und damit 327 Sitze in der Nationalversammlung, verfehlte aber die angestrebte Zweidrittelmehrheit, die notwendig gewesen wäre, um ohne andere Parteien und Volksbefragungen die Verfassung ändern zu können.<ref>Trotz einer Steigerung um 3,26 Prozentpunkte entfielen auf die AKP aufgrund einer Änderung der Einteilung der Wahlbezirke weniger Sitze im Parlament als bei der Wahl im Jahr 2007 (2007: 341 Sitze). Bisher größter Wahlsieg für AKP: Erdogan sucht Bündnis. n-tv.de, 13. Juni 2011, abgerufen am 13. Juni 2011.</ref> Ab dem 5. Juli 2011 bis zum 28. August 2014 führte er das dritte Kabinett Erdoğan an und wechselte am 29. August 2014 in das Amt des Staatspräsidenten. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Ahmet Davutoğlu.
Bürgerproteste 2013
Die Regierung Erdoğan ging im Mai 2013 mit Gewalt gegen Proteste gegen ihn vor, die, ausgehend vom Istanbuler Taksim-Platz, auch auf andere Städte übergriffen. Dieses Vorgehen löste heftige Kritik in der Türkei aus. Die Zeit schreibt dazu: „Premier Erdoğan lässt Proteste gegen Baumfällungen niederknüppeln. Er agiert mehr und mehr wie ein Despot, die Türken begehren auf.“Vorlage:": Ungültiger Wert: ref=
Korruptionsskandal 2013
Im Dezember 2013 geriet die von Erdoğan gebildete Regierung in einen Korruptionsskandal. Türkische polizeiliche Ermittlungsbehörden verhafteten aufgrund dessen unter anderem die Söhne des Innenministers Muammer Güler, des Europaministers Egemen Bağış, des Wirtschaftsministers Zafer Çağlayan und des Umweltministers Erdoğan Bayraktar. In den folgenden Tagen traten alle vier von ihren Ämtern zurück. Eine große Anzahl von polizeilichen Ermittlern wurden auf Druck der Regierung Erdoğan entlassen.<ref>Korruptionsaffäre in der Türkei Rücktritt von Minister Nummer drei. Tagesschau.de, 25. Dezember 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Dezember 2014; abgerufen am 24. Juni 2016.</ref>
Am 25. Februar 2014 wurde in den türkischen Medien ein Telefongespräch veröffentlicht, das zwischen Erdoğan und seinem zweiten Sohn Necmeddin Bilal am 17. Dezember 2013 stattgefunden haben soll. Ministerpräsident Erdoğan nennt es eine Fälschung. Demgegenüber ist die Opposition in der Türkei zu der Überzeugung gelangt, dass das Telefongespräch echt sei. In diesem Telefongespräch weist Erdoğan seinen Sohn an, Gelder so schnell wie möglich aus dem Haus zu schaffen.<ref>Korruptionsaffäre in der Türkei: Angebliche Telefonmitschnitte belasten Erdoğan. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Februar 2014.
Hasnain Kazim: „Sohn, bring alles Geld weg, das im Haus ist“ In: Spiegel Online, 25. Februar 2014.</ref>
Mutmaßliche Gegenspieler in dieser Affäre
Erdoğan selbst vermutet bei diesen Korruptionsvorwürfen eine Verschwörung des muslimischen Predigers Fethullah Gülen. Dessen Gülen-Bewegung, die von Erdoğan zwei Jahre später auch für den Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wurde, versuche schon seit 2014 und davor, einen „Staat im Staate“ zu bilden, und wolle ihm und der AKP vor der Kommunal- oder Präsidentschaftswahl am 30. März 2014 schaden.<ref>Islamischer Prediger Gülen verklagt Erdogan. In: Spiegel Online, 4. Februar 2014.</ref> Auch viele Beobachter nehmen Fethullah Gülen als Erdoğans Gegner und eigentlichen Drahtzieher der Korruptionsaffäre an.<ref>Untersuchungshaft für Minister-Söhne. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 2013.</ref>
Veröffentlichung von Telefonaten ab Februar 2014
Ab Februar 2014 folgte die Veröffentlichung zweier weiterer Telefongespräche von Erdoğan, deren Authentizität Erdoğan eingestand. In dem einen Telefongespräch weist Erdoğan seinen Justizminister an, für ein hartes Gerichtsurteil gegen den regierungskritischen Medienunternehmer Aydın Doğan zu sorgen. Doğan wurde jedoch vom Vorwurf der Steuerhinterziehung vor Gericht freigesprochen, worüber sich Erdoğan empörte. In dem anderen Telefongespräch fordert Erdoğan den Präsidenten der Kammer der Schiffswirtschaft auf, gegen die Auftragsvergabe zum Bau von Kriegsschiffen an eine zur Koç Holding gehörenden Werft zu protestieren. Erdoğan sah auch den Großindustriellen Mustafa Koç als seinen Gegner.<ref>Hasnain Kazim: Erdogan bestätigt Echtheit von zwei Telefonmitschnitten. In: Spiegel Online, 5. März 2014.</ref>
Präsidentschaft
Nach der gewonnenen Präsidentschaftswahl am 10. August 2014 wurde Erdoğan am 28. August 2014 als neuer Präsident vereidigt.<ref>Erdogan als Präsident vereidigt. In: Frankfurter Rundschau, 28. August 2014.</ref> Von nun an strebte Erdoğan eine Ausweitung der Kompetenzen des Präsidentenamts an. Abdullah Gül, sein Vorgänger im Präsidentenamt, sieht dies kritisch und plädiert dafür, die Rechte des Parlaments gegenüber der Exekutive zu stärken.<ref>Türkischer Ex-Präsident Gül kritisiert Erdogan. In: Rheinische Post, 23. Januar 2015.
Luise Sammann: Erdogan: Präsident und Premier in Personalunion? Schweizer Radio und Fernsehen, 19. Januar 2015, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Im Spiegel wurde bereits 2010 von einer Verfassungsreform Erdoğans berichtet, wonach das bisherige parlamentarische System in ein Präsidialregime mit weitgehenden Befugnissen des Präsidenten umgewandelt werden soll.<ref>Unbegrenzte Macht. In: Der Spiegel. Nr. 17, 2010, S. 101 (online).</ref>
Erdoğan residiert erstmals im Präsidentschaftspalast (Ak Saray), einem im Naturschutzgebiet Atatürk Orman Çiftliği in Ankara errichteten Gebäudekomplex; Umstritten ist der neue Palast vor allem, weil er illegal errichtet wurde; mehrere Gerichte hatten den Bau untersagt, zuletzt das Oberste Verwaltungsgericht.<ref>Hasnain Kazim: 1000 illegale Zimmer für Erdogan. spiegel.de, 29. Oktober 2014, abgerufen am 28. Juli 2016.</ref><ref>AFP: Erdogans Präsidentenpalast ist ein Schwarzbau, FAZ Online vom 26. Mai 2015, abgerufen am 28. Juli 2016.</ref> Kritisiert werden auch seine Größe (rund 1000 Zimmer) und die immensen Kosten (1,37 Milliarden Türkische Lira, entspricht rund 491 Millionen Euro).<ref>Zeit Online (AFP): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erdogans umstrittener Präsidentenpalast kostet halbe Milliarde Euro ( vom 5. November 2014 im Internet Archive), 4. November 2014, abgerufen am 28. Juli 2016.</ref>
Kabinett Davutoğlu
Präsident Erdoğan betraute Ahmet Davutoğlu am 28. August 2014 mit der Regierungsbildung für die restliche Zeit der Wahlperiode. Im Wahlkampf für die Parlamentswahl am 7. Juni 2015 warb er um Stimmen für die AKP, obwohl er als Präsident nach Artikel 101 der Verfassung die Beziehung zu seiner alten Partei abbrechen müsste (allerdings unterstützte die AKP auch als einzige relevante Partei sein Ziel der Einführung eines Präsidialsystems). Das Ziel der AKP, eine Zweidrittelmehrheit der Mandate für eine Verfassungsänderung oder zumindest eine 3/5-Mehrheit der Mandate für die Einleitung eines Referendums zu bekommen, wurde jedoch deutlich verfehlt. Mit der Regierungsbildung wurde Ahmet Davutoğlu beauftragt, und nachdem dieser keine Koalition hatte erreichen können und den Auftrag zurückgab, setzte Präsident Erdoğan die Neuwahl der Nationalversammlung für den 1. November 2015 an. Bei der Neuwahl erreichte die AKP mit ihrem Ministerpräsidentenkandidaten Davutoğlu 49,5 % der Stimmen und gewann mit 317 von 550 Mandaten die absolute Mehrheit im Parlament. Ahmet Davutoğlu wurde von Präsident Erdoğan dann erneut mit der Regierungsbildung beauftragt.
Anfang Mai 2016 wurde aus dem Umfeld des Präsidenten öffentlich Kritik an der Arbeit von Ministerpräsident und Parteichef Davutoğlu geäußert.<ref>Erdoğan-Davutoğlu rift seems only a matter of time. In: Hürriyet Daily News, 3. Mai 2016 (englisch).</ref> Davutoğlu hatte sich kritisch gegenüber einer Verfassungsänderung in Richtung Präsidialsystem geäußert.<ref name="zeit-2016-05-04">Türkische Medien spekulieren über Davutoğlu-Rücktritt. In: Die Zeit. 4. Mai 2016, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Am 5. Mai gab Davutoğlu bekannt, dass er beim Sonderparteitag der AKP am 22. Mai nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren werde, was auch seinen Rückzug vom Amt des Ministerpräsidenten bedeutete, und begründete dies mit Differenzen im Parteivorstand.<ref>Davutoğlu stepping down as Turkish PM, AKP to hold snap congress. In: Hürriyet Daily News, 5. Mai 2016 (englisch).</ref> Nachdem am 22. Mai sein Nachfolger Binali Yıldırım zum Parteichef gewählt wurde, reichte Davutoğlu seinen Rücktritt als Ministerpräsident ein.<ref name="yildirim-as-new-turkish-pm"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Binali Yildirim to form new government. ( vom 24. Mai 2016 im Internet Archive) TRT World, 22. Mai 2016, abgerufen am 25. Juni 2016 (englisch).</ref>
Kabinett Yıldırım
Nach Davutoğlus Rücktritt betraute Erdoğan den neuen AKP-Parteichef Binali Yıldırım am 22. Mai 2016 mit der Bildung einer neuen Regierung. Diese wurde am 29. Mai mit 315 Stimmen vom Parlament im Amt bestätigt.<ref name="yildirim-as-new-turkish-pm" /><ref>Ministerpräsident Yildirim im Amt bestätigt. In: Neue Zürcher Zeitung, 29. Mai 2016.</ref>
Ausnahmezustand und Verfolgung der Opposition
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Am Abend des 15. Juli 2016 kam es zu einem Putschversuch von Teilen des Militärs. Der Putschversuch hatte keinen Rückhalt in der Bevölkerung und auch nicht bei der politischen Opposition und nur wenig Unterstützung im Militär. Bereits am nächsten Tag fiel der Putsch in sich zusammen.<ref>18 Stunden Putsch – und was dann geschah. In: Spiegel Online, 16. September 2016.</ref> Die Regierung machte frühzeitig die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich, was diese zurückwies.<ref>Marco Kauffmann, Andreas Rüesch: Erdogan hat den Sündenbock bereits gefunden. In: Neue Zürcher Zeitung, 16. September 2016.</ref>
Nach dem Putschversuch beschloss das Parlament zunächst einen dreimonatigen Ausnahmezustand, was der Regierung unter Ministerpräsident Yıldırım und dem Präsidenten größere Vollmachten gab, wovon die Regierung umfangreich Gebrauch machte bei der Entlassung von Angehörigen des öffentlichen Dienstes.<ref>Es ist gefährlich, in der Türkei zu forschen. In: Süddeutsche Zeitung, 27. November 2016.</ref> Der Ausnahmezustand wurde danach mehrmals um jeweils drei Monate verlängert. Zuerst Anfang Oktober,<ref>Erdogan verlängert Ausnahmezustand bis Januar. In: Spiegel Online, 3. Oktober 2016.</ref> danach Anfang 2017 zum Anlass des Anschlags auf den Nachtclub Reina in Istanbul in der Neujahrsnacht 2016/2017,<ref>Sonderrechte für Erdogan: Türkei verlängert Ausnahmezustand um drei Monate In: Spiegel Online, 4. Januar 2017.</ref> so dass er den Tag des später anberaumten Verfassungsreferendums einschloss. Einen Tag nach dem Referendum wurde der Ausnahmezustand erneut um drei Monate verlängert.<ref>Türkei: Ausnahmezustand erneut verlängert (abgerufen am 18. April 2017)</ref>
Während des Ausnahmezustands wurden 81.494 Personen aus dem Staatsdienst entlassen.<ref>This is how many people Turkey has arrested since the failed coup, CNN; 13. August 2016</ref> 11 Abgeordnete sowie 1.400 Funktionäre der Oppositionspartei HDP wurden inhaftiert.<ref>Inhaftierter HDP-Chef kritisiert Wahlkampf in Türkei als unfair, Der Standard, 13. April 2016</ref> Seit dem Putschversuch 2016 sitzen inzwischen über 50.000 Verdächtige wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung in Untersuchungshaft, davon 8816 Polizisten, 6982 Soldaten (167 Generäle), 2431 Richter und Staatsanwälte sowie 23 Provinzgouverneure.<ref name="focus-7191579">unknown Author: Türkei: Seit dem Putsch ließ Erdogan mehr als 50.000 Menschen verhaften – Video. In: Focus Online. 29. Mai 2017, abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref>
Verfassungsreferendum 2017
Am 16. April fand eine Volksabstimmung zu Verfassungsänderungen statt. Diese wurde von der AKP gemeinsam mit der MHP initiiert, die dazu mit ihrer gemeinsamen Dreifünftelmehrheit befugt waren. Bei der Abstimmung entschieden die Wähler, ob 69 Artikel der Verfassung geändert werden sollen. Hierbei ging es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse und mehr Einfluss auf die Justiz in der Hand des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Damit ging auch die Änderung der Regierungsform von einem parlamentarischen Regierungssystem hin zu einem Präsidialsystem einher. Die Venedig-Kommission des Europarates warnte im Vorfeld bereits vor einem „persönlichen Regime“ und sprach von der Gefahr des Abgleitens in ein diktatorisches System.<ref>Europarat warnt vor Ein-Mann-Regime in der Türkei. In: Der Standard. (derstandard.at [abgerufen am 4. November 2017]).</ref>
Das Referendum ging mit 51,41 % pro Verfassungsänderung aus. Die Opposition sprach von Wahlbetrug und wies auf den Hohen Wahlausschuss hin, der am (frühen) Wahltag Stimmzettel und Umschläge ohne solchen Stempelabdruck für gültig erklärte. Damit seien bis zu drei Millionen Stimmen zugunsten des „Ja-Lagers“ herbeigeführt worden.<ref>Türkei: Manipulationsvorwürfe nach Verfassungsreferendum. tagesschau.de, abgerufen am 4. November 2017.</ref> Dass die Wahl durch Wahlbetrug entschieden wurde, legen auch Forschungsergebnisse von Wiener Statistikern vom Complexity Science Hub Vienna nahe.<ref>Wahlbetrug hat Türkei-Referendum entschieden. In: science.ORF.at. 30. Juni 2017 (science.orf.at [abgerufen am 4. November 2017]).</ref>
Am 18. April 2018, etwa ein Jahr nach dem Verfassungsreferendum, kündigte Erdoğan für den 24. Juni 2018 vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen an. Hierauf habe er sich mit dem MHP-Vorsitzenden Devlet Bahçeli geeinigt.<ref name="welt-175579393">Türkei: Recep Tayyip Erdogan kündigt Wahlen für den 24. Juni an. In: welt.de. 18. April 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.</ref>
Parlamentswahl und Präsidentschaftswahl 2018
Bei der Wahl am 24. Juni 2018 erhielt Erdoğan 52,6 % der abgegebenen Stimmen. Zeitgleich traten die Verfassungsänderungen in Kraft; der Ministerrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten wurde als Staatsorgan abgeschafft. Erdoğan ist seitdem Staatsoberhaupt und Chef der Exekutive. Im Juli 2018 bildete Erdoğan sein viertes Kabinett.
Kommunalwahlen 2019
Für die Kommunalwahlen am 31. März 2019 einigte sich Erdoğans AKP in insgesamt 51 Städten und zahlreichen Landkreisen auf eine Zusammenarbeit mit dem Bündnispartner MHP, was unter anderem bedeutete, dass die MHP in 27 der 30 Großstädte auf einen eigenen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters verzichten würde. In sieben Provinzen verlor man den Bürgermeister an die MHP, lediglich in Isparta war das Gegenteil der Fall. In zahlreichen Großstädten musste die AKP, genau wie die MHP, Niederlagen gegen die CHP einräumen, unter anderem in Istanbul, wo die AKP unter ihrem Parteivorsitzenden Erdoğan eine Annullierung des Wahlganges erwirken konnte. Die Neuwahl gewann die CHP, diesmal mit eindeutigem Vorsprung, erneut.
Präsidentschaftswahl 2023
Nach einer im Jahr 2017 vollzogenen Änderung der Verfassung der Republik Türkei kann ein Staatspräsident maximal zwei Amtszeiten regieren. Da die zeitliche Begrenzung jedoch erst 2017 Einzug in die Verfassung fand, argumentierten Erdoğan und seine Anhänger, dass Erdoğans Antritt zur Präsidentschaftswahl im Mai 2023 als erster Versuch der Wiederwahl zu betrachten sei. Beschwerden gegen die Kandidatur lehnte der Hohe Wahlrat ab.<ref>Türkei: Recep Tayyip Erdoğan kündigt Rückzug aus der Politik nach den Kommunalwahlen an. In: Der Spiegel. 8. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. März 2024]).</ref>
Bei der Präsidentschaftswahl 2023 erhielt Erdogan in der Stichwahl 52,2 % der Stimmen und Kemal Kılıçdaroğlu (47,8 %). Hinter Kılıçdaroğlu hatten sich viele Oppositionsparteien zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Erdogan bildete das Kabinett Erdoğan V.
Im März 2024 verkündete Erdogan die Absicht, sich nach dem Ende seiner Präsidentschaft 2028 aus der aktiven Politik zurückzuziehen. Einige Beobachter zweifelten die Ernsthaftigkeit dieser Aussage an.<ref>Türkei: Erdogan stellt Rückzug aus Politik in Aussicht. In: ZDF. 9. März 2024, abgerufen am 21. März 2024.</ref>
Innenpolitik
Seit dem Sieg der AKP beim Referendum 2010 hat Erdoğan in seinen Reden immer wieder religiöse und nationalistische Bezüge hergestellt. So erklärte er als Ministerpräsident im Jahr 2012, wie er und seine Partei die Rolle des Islams in der aktuellen Regierungspolitik definieren: „Wir haben vier rote [wichtige] Hauptthemen: ein Staat, eine Nation, eine Flagge und eine Religion“.<ref>Gögüs, Sezer Idil, and Sabina Mannitz. 2016. The World Culture Entered Turkey: New Conflict Lines and the Challenges for Democratic Consolidation in Turkey. Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) Report (p.13-14) https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/46689/prif139.pdf?sequence=1&isAllowed=y&lnkname=prif139.pdf</ref><ref>Erdoğan: Tek dil değil, tek bayrak, tek din, tek devlet dedik! (Erdoğan: We said one flag, one religion, one state, not one language!). In: t24.com.tr. 5. Mai 2012, abgerufen am 1. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Dem Türkei-Experten Gareth Jenkins zufolge tendiert Erdoğans Politik wieder in Richtung einer Positionierung in der islamischen Welt. Auf die in einem Interview im Januar 2010 gestellte Frage: „Was will er denn? Wenn er freie Hand hätte?“ antwortete Jenkins: „Er würde eine muslimischere Gesellschaft in der Türkei herbeiführen, und die Türkei als Führer der muslimischen Welt etablieren. Mit dem Westen würde er gute nachbarschaftliche Beziehungen anstreben, aber ‚nicht im selben Haus‘, er würde eine Distanz suchen“.<ref>Boris Kálnoky: Erdogan kehrt zurück zu muslimischen Instinkten. In: Die Welt, 25. Januar 2010 (Interview mit Gareth Jenkins).</ref>
Im Mai 2013 lobte Erdoğan Necip Fazıl Kısakürek auf einer Fraktionssitzung der AKP, in der er feststellte, dass dieser einer der wichtigsten Denker und Aktionsmenschen sei, die das Land im 20. Jahrhundert hervorgebracht habe, und ein Vorbild für ihn sei. Die oppositionelle Tageszeitung Yurt, die dem CHP-Abgeordneten Durdu Özbolat gehört, kommentierte dazu, die Rede Erdoğans sei beschämend, weil Kısakürek in seinem Buch Doğu Yolun Sapık Kolları dazu aufgerufen hatte, Aleviten, Drusen und Jesiden „wie Brennnesseln auszureißen und wegzuwerfen“. Außerdem habe Kısakürek in seinem Buch Yahudilik-Masonluk-Dönmelik antisemitische und freimaurerfeindliche Thesen verbreitet.<ref>Erdoğan’ın Büyük Üstadı! Yurt, 29. Mai 2013, abgerufen am 26. Juni 2016 (dt.: „Der große Meister Erdoğans“; türkisch)</ref>
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Die Türkei erfuhr unter Erdoğan als Premierminister einen Wirtschaftsaufschwung. Dieser Aufschwung war unter anderem auf eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes und auf Milliardeninvestitionen in die Bauindustrie bzw. den Ausbau der Infrastruktur zurückzuführen.<ref name=":1">Sebnem Arsu, Maximilian Popp: (S+) Lira-Krise in der Türkei: Der Staat gehorcht Erdoğan, die Wirtschaft nicht (S+). In: Der Spiegel. 19. November 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. Dezember 2021]).</ref>
Im Jahr 2018 begann unter Erdoğans Präsidentschaft eine Währungs- und Schuldenkrise. Die türkische Lira verzeichnete in den darauf folgenden Jahren Rekordwertverluste. Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten erklären, dass Erdoğans Finanzpolitik, die auf der Annahme beruht, dass niedrige Zinsen zu niedrigen Preisen führen würde<ref name=":1" />, die Inflation verstärkte.<ref>Wie Erdogan die türkische Lira zum Absturz bringt. In: Deutsche Welle (www.dw.com). 4. Juni 2021, abgerufen am 20. November 2021.</ref><ref>Erdoğan schickt Lira auf weiteres Rekordtief. In: manager magazin. Abgerufen am 20. November 2021.</ref><ref>Türkei: Trotz Rekordinflation – Zentralbank senkt Leitzins. In: Deutsche Welle (www.dw.com). 18. November 2021, abgerufen am 20. November 2021.</ref><ref>Global Risk Türkei: Die türkische Wirtschaft wächst – und genau das ist das Risiko. Abgerufen am 20. November 2021.</ref> Erdoğan wechselte von 2019 bis 2021 dreimal den Chef der türkischen Zentralbank aus, weil sie die lockere Geldpolitik nicht mitgetragen hatten.<ref>Türkische Lira verliert an Wert: Präsident Erdoğan entlässt drei Notenbanker. In: Der Spiegel. 14. Oktober 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. Dezember 2021]).</ref> Neben Erdoğans Interventionen in die Zinspolitik hatten seine demokratiezersetzenden Maßnahmen nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 dazu beigetragen, dass Ratingagenturen im Jahr 2017 eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Türkei vornahmen und Anleger Investitionen zu scheuen begannen.<ref name=":1" /><ref>Wirtschaft im Sinkflug: Fitch stuft Türkei auf Ramschniveau herab. In: FAZ.net. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. Dezember 2021]).</ref> So sind Direktinvestitionen aus dem Ausland von 19 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 auf 5,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 eingebrochen. Zwar wuchs das türkische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 trotz COVID-19-Pandemie in der Türkei deutlich. Doch sorgte die durch Missmanagement und Korruption hervorgerufene Inflation dafür, dass der Anstieg der Wirtschaftskraft keine positiven Auswirkungen auf den Wohlstand des Großteils der Bevölkerung hatte, sondern im Gegenteil die Armut zunahm. Die Schulden der Türkei im Ausland stiegen während Erdoğans Präsidentschaft auf über 422 Milliarden US-Dollar an.<ref name=":1" /> Zum Jahr 2022 hob Erdoğan wegen starker Kaufkraftverluste durch Inflation und Währungskrise den Mindestlohn um 50 % an und hob von Arbeitgebern zu bezahlende Steuern auf den Mindestlohn auf.<ref>Türkei: Recep Tayyip Erdoğan hebt Mindestlohn wegen Inflation um 50 Prozent an. In: Der Spiegel. 16. Dezember 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. Dezember 2021]).</ref> Vor dem Jahreswechsel hatte er außerdem als Maßnahme bekanntgegeben, der Staat würde den Bürgern ihre aus Wechselkursschwankungen resultierenden Einlagenverluste ersetzen.<ref>Erdoğan kündigt Maßnahmen an: Türkische Lira erholt sich von historischem Tief. In: Der Spiegel. 21. Dezember 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 28. Januar 2022]).</ref> Im Januar 2022 wechselte Erdoğan nach einem Streit über die Inflationsrate den Chef der Statistikbehörde aus.<ref>Nach Streit über Inflationsrate: Erdoğan entlässt Chef der Statistikbehörde. In: Der Spiegel. 29. Januar 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. Januar 2022]).</ref>
Einstellung zum Völkermord an den Armeniern
Nach Erdoğans Auffassung hat es in der Epoche des Osmanischen Reiches keinen Völkermord an den Armeniern oder überhaupt einen Genozid gegeben. Als mehrere türkische Professoren, Journalisten und Intellektuelle eine Petition namens Özür Diliyorum („Ich entschuldige mich“) ins Leben riefen, die zu einer Entschuldigung für die Massaker ab 1915 aufrief, kritisierte Erdoğan diese Kampagne:
„Entschuldigung, wofür sollen wir uns entschuldigen? Die Leute, die sich entschuldigen, haben offenbar ein Verbrechen begangen. Dieses Problem hat der türkische Staat nicht. Es gibt nichts, wofür der Staat oder die Regierung sich entschuldigen müsste.“<ref>Jürgen Gottschlich: Völkermord an den Armeniern: „Die Türkei hat kein Verbrechen verübt“. die tageszeitung, 18. Dezember 2008, abgerufen am 15. Mai 2013.</ref>
Auf Erdoğans Anordnung wurde Ende April 2011 das zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern aufrufende Denkmal der Menschlichkeit von Mehmet Aksoy abgerissen.<ref>Karen Krüger: Mit der Abrissbirne gegen Versöhnung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. April 2011.</ref>
Verfolgung politischer Gegner
Im März 2025 wurde der bedeutendste politische Gegner Erdoğans, Ekrem İmamoğlu (CHP), der zu jener Zeit Bürgermeister von Istanbul war und als zukünftiger Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde, inhaftiert und anschließend abgesetzt. Im Jahr 2025 folgten zahlreiche weitere Verhaftungen und/oder Suspendierungen von Bürgermeistern mit CHP-Parteibuch oder DEM-Mitgliedschaft. Die Verhaftungen werden mitunter als politisch motivierte Verfolgung betrachtet.<ref>Opposition in der Türkei unter Druck: Gewalt, Verhaftungen - und trotzdem Hoffnung. In: tagesschau.de. 1. Juli 2025, abgerufen am 1. Juli 2025.</ref><ref>Türkei - Bürgermeister der Oppositionspartei CHP verhaftet und abgesetzt. In: deutschlandfunk.de. 4. März 2025, abgerufen am 1. Juli 2025.</ref><ref>Mehrere Oppositions-Bürgermeister in der Türkei suspendiert. In: dw.com. Deutsche Welle, 5. Juni 2025, abgerufen am 1. Juli 2025.</ref>
Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit
Stand die Türkei im Jahr 2002, als Erdoğan Ministerpräsident wurde, in der Rangliste der Pressefreiheit auf dem 99. Platz (von 176), ging die Pressefreiheit in der Türkei ab dem Jahr 2010, mit Erdoğans fortschreitender Amtszeit, zunehmend verloren. Im Jahr 2023 befindet sich die Türkei in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 165 von 180.<ref>Reporter ohne Grenzen: rsf.org, abgerufen am 7. Mai 2023.</ref>
Im Zusammenhang mit Medienberichten über einen Geldspendenmissbrauchs-Prozess gegen den der AKP nahestehenden Verein Deniz Feneri versuchte Erdoğan Medienberichten zufolge, durch Drohungen die Presse einzuschüchtern und vor weiterer kritischer Berichterstattung abzuschrecken. Daraufhin schrieben Gavin O’Reilly, Vorsitzender der World Association of Newspapers, und Xavier Vidal-Folch, Vorstand des Weltforums der Chefredakteure (WEF), einen gemeinsamen Brief, in dem sie Erdoğan aufforderten, die Pressefreiheit zu schützen und von Einschüchterungsversuchen Abstand zu nehmen. Laut einem Zeitungsartikel der FAZ vom 17. September 2008 mahnte die Parlamentarische Versammlung des Europarates, dass die Pressefreiheit durch Erdoğans Drohungen in Gefahr sei.<ref>Haftstrafe für türkischen Spendensammler. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. September 2008.</ref> Auf dem Press Freedom Index lag die Türkei in der Erhebung für 2010 auf dem 138. Platz von 176 untersuchten Ländern.
Das Magazin Weltspiegel (ARD) berichtete in einer Sendung am 10. April 2011 von Einschüchterungen und Verhaftungen kritischer Journalisten in der Türkei.<ref>Kampf um die Pressefreiheit. In: ARD. Abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Im April 2011 wurde Erdoğan vor das Europäische Parlament geladen, um sich zu demokratischen Defiziten und zunehmender Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei zu äußern.<ref>Boris Kálnoky: Erdogan zu Kreuzverhör nach Straßburg geladen. In: WeltN24, 12. April 2011.</ref> Im Fortschrittsbericht 2012 der Europäischen Kommission wurde im Oktober 2012 kritisiert, dass es unter der Regierung Erdoğans keine Fortschritte im Hinblick auf die Grundrechte gab, sondern im Gegenteil die Medienfreiheit eingeschränkt und Gerichte nicht unparteiisch urteilen würden.<ref>Stefanie Bolzen: EU fällt hartes Urteil über die Türkei. In: WeltN24, 9. Oktober 2012.</ref>
Im Dezember 2014 führte die durch Erdoğan veranlasste Verhaftungswelle von zahlreichen regierungskritischen Journalisten zu Protesten durch internationale Organisationen und Politiker anderer Länder wie den deutschen Regierungssprecher Steffen Seibert. Von Seiten der USA wurde an die Türkei appelliert, die „demokratischen Fundamente des Landes nicht zu verletzen“.<ref>Hasnain Kazim: „Bis nur noch zu hören ist, was Erdogan hören will“ In: Spiegel Online, 15. Dezember 2014.</ref> Die Europäische Union verurteilte die Verhaftungswelle als „unvereinbar mit der Freiheit der Medien“.<ref>EU verurteilt Festnahme von Journalisten. In: Spiegel Online, 14. Dezember 2014.</ref>
Die Organisation Reporter ohne Grenzen führt Erdoğan auf ihrer 35 Namen bzw. Organisationen umfassenden Liste der „Feinde der Pressefreiheit 2016“<ref>Liste der Feinde der Pressefreiheit 2016. (PDF) In: Reporter ohne Grenzen, Seite 29 (PDF, englisch).</ref> und schreibt Folgendes zur aktuellen Lage in der Türkei: „Die Türkei gehört zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit. Nach dem Putschversuch im Juli 2016 wurden weit über 100 Journalisten verhaftet, rund 150 Medien geschlossen und mehr als 700 Presseausweise annulliert. Kritische Journalisten stehen unter Generalverdacht. Die wenigen noch verbliebenen unabhängigen Medien arbeiten in ständiger Angst. Wiederholt wurde ausländischen Journalisten die Akkreditierung verweigert oder die Einreise verwehrt. Daneben ersticken die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen vieler wichtiger Medienbesitzer eine kritische Berichterstattung im Keim.“<ref>Reporter ohne Grenzen e. V.: Türkei. Abgerufen am 4. November 2017.</ref>
Im April 2021 wurden zehn pensionierte Admirale der türkischen Streitkräfte mit dem Vorwurf festgenommen „mit Gewalt und Zwang die verfassungsmäßige Ordnung“ zu stören. Die Admirale hatten zuvor einen Offenen Brief unter türkischen Generälen initiiert, der sich gegen den von Erdoğan geplanten Istanbul-Kanal aussprach.<ref>Türkei nimmt zehn pensionierte Admirale nach Kritik am Kanal Istanbul fest. In: Der Spiegel. Abgerufen am 5. April 2021.</ref>
Am 29. Januar 2022 erschien im Amtsblatt eine neue Richtlinie. Darin heißt es, gegen „schädliche Inhalte“ in der „schriftlichen, mündlichen und visuellen Presse“ würden „notwendige Maßnahmen“ ergriffen. Diese wurden nicht konkret benannt. Ziel sei es, eine „zerstörerische Wirkung“ auf die Gesellschaft, auch auf Kinder und Jugendliche, zu minimieren.<ref>FAZ.net / dpa: Erdogan setzt auf noch mehr Zensur</ref>
Staatliche Internetkontrolle
Im Juni 2011 führten von Erdoğan unterstützte Einschränkungen des Internetzugangs (Filterung von Inhalten) zu heftigen Protesten innerhalb und außerhalb der Türkei. Zu den gesperrten Internetseiten gehörten die Videoplattformen YouTube und Vimeo.<ref name="TS2014" /><ref name="DW2014" /> Im Index für Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen sank das Land auf Platz 138 von 179 (2013: 154) und ist damit vergleichbar mit Russland oder Afghanistan. Verschiedene westliche Politiker, u. a. die niederländische EU-Abgeordnete Marietje Schaake und ihr britischer Kollege Richard Howitt, kritisierten die Einschränkung der Meinungsäußerungsfreiheit als Gefahr für die Demokratie.<ref>Maximilian Popp, Oliver Trenkamp: Erdogan plant das Web 0.0. In: Spiegel Online, 24. Juni 2011.</ref>
2013 bezeichnete Erdoğan den Kurzbotschaftendienst Twitter als „Unruhestifter“, als es im Land zu Protesten gegen seine Regierung kam.
Im Februar 2014 beschloss das türkische Parlament ein Gesetz, das die staatliche Internetkontrolle weiter verschärfte. Unter dem neuen Gesetz kann die Regierung unerwünschte Inhalte und Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss sperren lassen. Als Gründe reichen eine vermeintliche Verletzung der Privatsphäre oder eine Beleidigung. Darüber hinaus erhalten die Behörden die Befugnis, das Surfverhalten von Internetnutzern aufzuzeichnen und für zwei Jahre zu speichern. Das neue Gesetz wurde von den Oppositionsparteien und Journalistenorganisationen als eine weitere Einschränkung der Pressefreiheit kritisiert.<ref name="TS2014">Türkei verschärft Internet-Kontrolle. Tagesschau.de, 6. Februar 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Februar 2014; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref><ref name="DW2014">Thomas Seibert: Ankara verschärft die Internetkontrolle. Deutsche Welle, 6. Februar 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Unter dem Vorwurf, dass Verantwortliche des Dienstes Gerichtsentscheidungen ignoriert hätten, wurde in der Nacht vom 20. zum 21. März 2014 der Zugang zu Twitter gesperrt.<ref>Kurznachrichtendienst: Twitter in der Türkei abgeschaltet. Spiegel Online, 21. März 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Nachdem mehrere Rechtsanwaltsvereinigungen und Oppositionspolitiker Klage erhoben hatten, entschied am 26. März 2014 ein Verwaltungsgericht in Ankara, dass die von der Telekommunikationsbehörde umgesetzte Verfügung nicht rechtens sei und daher vorläufig ausgesetzt werden müsse. Zur Umsetzung des Urteils setzte das Gericht eine Frist von 30 Tagen an.<ref name="TP280314">Peter Mühlbauer: Türkei sperrt auch Tor und YouTube. Telepolis, 28. März 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Erdoğan hingegen hatte am Tage zuvor bei einer Wahlkampfveranstaltung angedeutet, dass er eine Ausweitung der Sperre auf Facebook und YouTube in Betracht ziehe.<ref>Hasnain Kazim: Türkei: Gericht kippt Twitter-Sperre. Spiegel Online, 26. März 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Am 27. März 2014 teilte die Telekommunikationsbehörde mit, sie habe administrative Maßnahmen gegen die Videoplattform ergriffen. Kurze Zeit später war YouTube nicht mehr erreichbar. Dort hatten vorher am gleichen Tage Regierungskritiker einen Gesprächsmitschnitt veröffentlicht, auf dem hochrangige Politiker und Militärs über die Suche nach einem vorgeschobenen Grund beraten, um militärisch gegen Syrien vorgehen zu können.<ref name="TP280314" /><ref>Hasnain Kazim: Neue Video-Leaks: Erdogan lässt YouTube sperren. Spiegel Online, 27. März 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Der türkische Provider TTNET, eine Tochter der Türk Telekom, sperrte auch den Zugang zur Website von Tor, auf der Anonymisierungssoftware von diesem Netzwerk heruntergeladen werden kann. Damit soll verhindert werden, dass Seiten wie YouTube auf dem Umweg über einen Proxy-Server erreicht werden können.
Am 29. April 2017 sperrte die türkische Regulierungsbehörde BTK den Zugriff auf sämtliche Sprachausgaben von Wikipedia, weil Wikipedia „Teil einer Hetzkampagne gegen die Türkei auf der internationalen Bühne“ sei.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />tagesschau.de ( vom 20. Juli 2017 im Internet Archive)</ref> Die Sperre wurde am 15. Januar 2020 nach einem Gerichtsurteil wieder aufgehoben.
Haltung zu Schwangerschaftsabbruch und Stellung der Frau
Erdoğan kündigte im Mai 2012 an, das seit etwa 30 Jahren in der Türkei geltende liberale Abtreibungsrecht zu verschärfen. Er bezeichnete Schwangerschaftsabbrüche als „Mord“. Im Anschluss einer UN-Konferenz zur Bevölkerungsentwicklung äußerte Erdoğan: „Ich bin ein Regierungschef, der gegen den Kaiserschnitt ist. Ich betrachte Abtreibung als Mord.“<ref>Markus Bernath: Türkinnen kämpfen für Abtreibung. DerStandard.at, 8. Juni 2012, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Gegen die geplante gesetzliche Neuregelung wurde in Istanbul protestiert.<ref>Jürgen Gottschlich: Protest in der Türkei: Erdogan will Abtreibungsrecht verschärfen. Spiegel Online, 3. Juni 2012, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Am 24. November 2014 sprach sich Erdoğan in einer Rede vor dem Frauenverband Kadem<ref>Homepage von KADEM, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> gegen eine völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau aus. Zur Begründung verwies er darauf, dass Frauen aufgrund ihrer „zierlichen Statur“ nicht dieselbe Arbeit verrichten könnten wie Männer; während der Schwangerschaft oder der Zeit des Stillens könnten sie nicht unter gleichen Bedingungen arbeiten wie Männer. Weiter erklärte er, der Islam habe für Frauen die Rolle der Mutter vorgesehen. Da Feministinnen die Mutterrolle nicht akzeptierten, könne man ihnen den besonderen Stellenwert der Frauen im Islam nicht erklären. Gleichzeitig verurteilte er häusliche Gewalt gegen Frauen in der Türkei. Sie verstoße „gegen die Regeln des Islam als Friedensreligion“.<ref>Erdogan kritisiert Gleichberechtigung. Tagesschau.de, 24. November 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. November 2014; abgerufen am 23. Mai 2016.</ref>
Im Mai 2016 sagte er bei einer im Fernsehen übertragenen Rede „Wir wollen viel mehr Nachkommen haben. Andere reden über Verhütung. Keine muslimische Familie sollte so etwas tun.“ Niemand könne Gottes Werk beeinflussen; seine Aufforderung richte sich in erster Linie an Frauen.<ref> Türkei: Erdogan rät muslimischen Frauen von Verhütung ab. Spiegel Online, 30. Mai 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Erdoğan sprach sich wenige Tage später dagegen aus, dass Frauen arbeiten gehen, wenn sie dafür Mutterschaft und Hausfrauentum ablehnen.<ref>F. Brinley Bruton: Turkey’s President Erdogan Calls Women Who Work ‘Half Persons’. NBC News, 8. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016 (englisch).</ref>
Der Vorschlag stieß in der Türkei auf scharfe Kritik. Frauenrechtlerinnen und Juristen bezeichneten den Entwurf als in sich widersprüchlich und warnten, dass er einer Amnestie für Straftäter gleichkomme. Die Anwältin Arzu Aydogan erklärte, der Vorschlag „öffne Missbrauch Tür und Tor“ und könne dazu führen, Kinderehen zu legitimieren.<ref>Türkei: Missbrauch von Minderjährigen könnte bei Heirat straffrei bleiben. In: Spiegel Online. 18. November 2016, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Im März 2021 trat die Türkei durch ein Dekret von Erdoğan aus dem im Jahr 2014 in Istanbul beschlossenen Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt mit der Begründung aus, es schade der Einheit der Familie und fördere Scheidungen.<ref>Istanbul-Konvention: Türkei tritt aus internationalem Schutzabkommen für Frauen aus. In: Der Spiegel. Abgerufen am 20. März 2021.</ref> Zu dieser Entscheidung gab es unterschiedliche Interessenslagen in Erdoğans Familie. Im Jahr 2020 hatte sich die Frauenorganisation Kadem (und damit auch Erdoğans Tochter, Sümeyye Erdoğan, als Vorsitzende des Vereins) für einen Verbleib der Türkei im Übereinkommen ausgesprochen. Dagegen lehnte die Jugendorganisation TÜGVA (und damit auch Erdoğans Sohn, Bilal Erdoğan, als Vorsitzender des Vereins) das Übereinkommen ab.<ref>Anna-Sophie Schneider: Istanbul Konvention: Erdogan und seine Tochter streiten über Frauenrechte. In: Der Spiegel. Abgerufen am 5. April 2021.</ref>
Haltung zu Kinderehen
Im November 2016 brachte die islamisch-konservative Regierungspartei AKP einen umstrittenen Gesetzesvorschlag ein. Dieser sah vor, dass Männer straffrei bleiben können, wenn sie ihr minderjähriges Missbrauchsopfer heiraten. Nach Medienberichten beinhaltete der Entwurf die Möglichkeit, die Vollstreckung der Strafe auszusetzen, wenn die Ehe geschlossen wird und der sexuelle Missbrauch vor dem 16. November 2016 stattfand.<ref>Türkei: Missbrauch von Minderjährigen könnte bei Heirat straffrei bleiben. In: Spiegel Online. 18. November 2016, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Im Dezember 2022 geriet der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan durch einen Fall von Kinderehe unter Druck, der vor über 20 Jahren stattgefunden hatte. Der Anführer der islamischen Hiranur-Sekte soll seine Tochter als Kleinkind zwangsverheiratet haben. Die linke Tageszeitung BirGün deckte die Geschichte der heute 24-jährigen Frau H.K.G. auf. Der Skandal trifft vor allem die islamisch-konservative Regierungspartei Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP) und deren Vorsitzenden Erdoğan, da die AKP seit Jahren Sekten wie Hiranur unterstützt.<ref>Kinderehe in der Türkei: Erdoğan gerät unter Druck. In: Die Tageszeitung (taz). 14. Dezember 2022, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Die Ehe von H.K.G. und İstekli wurde zunächst von einem Imam durchgeführt, bevor sie mit ihrem 18. Lebensjahr standesamtlich legalisiert wurde. Kurz darauf verließ H.K.G. die Sekte und reichte die Scheidung ein, die im November 2020 vollzogen wurde. Direkt nach der Scheidung erstattete sie Strafanzeige gegen ihren Ex-Mann und ihre Eltern wegen Kindesmissbrauchs und erzwungener Heirat. Trotz der Anzeige blieben Ermittlungen aus, bis BirGün im Jahr 2022 den Fall publik machte.<ref>Kinderehe in der Türkei: Erdoğan gerät unter Druck. In: Die Tageszeitung (taz). 14. Dezember 2022, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Seit Beginn der AKP-Regierung unter Erdoğan häufen sich Berichte über Kinderehen und Mehrfachheiraten, gegen die nicht vorgegangen wird. Gleichzeitig verbreiten die türkische Religionsbehörde Diyanet und islamische Sektenführer wiederholt Gutachten, wonach Mädchen nach ihrer ersten Menstruation als heiratsfähig gelten. Offiziell liegt das Mindestalter für Eheschließungen in der Türkei bei 18 Jahren, in Ausnahmefällen jedoch bereits bei 16 Jahren.<ref>Kinderehe in der Türkei: Erdoğan gerät unter Druck. In: Die Tageszeitung (taz). 14. Dezember 2022, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Der Skandal löste nicht nur in sozialen Medien eine Welle der Empörung aus, sondern führte auch zu Drohungen gegen BirGün und den Reporter Timur Soykan. Der öffentliche Druck brachte die Ermittlungen voran, und die Istanbuler Staatsanwaltschaft forderte schließlich hohe Haftstrafen für İstekli und die Eltern von H.K.G. Der Fall zog auch politische Konsequenzen nach sich: Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu beschuldigte die Regierung, radikale Islamisten durch ihr Schweigen und Wegschauen zu unterstützen. Justizminister Bekir Bozdağ wurde vorgeworfen, die Ermittlungen absichtlich verschleppt zu haben. Schließlich äußerte sich auch Erdoğan: „Kinderheiraten mit 13 oder 14 Jahren können wir nicht akzeptieren. Das Ganze ist eine einzige Tragödie.“<ref>Kinderehe in der Türkei: Erdoğan gerät unter Druck. In: Die Tageszeitung (taz). 14. Dezember 2022, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Haltung zur Todesstrafe
Die Türkei hatte die Todesstrafe 2002, außer für Verbrechen im Krieg, im Zuge ihrer EU-Beitrittsbemühungen abgeschafft, während der Zeit Erdoğans als Ministerpräsident wurde in der Türkei 2004 die Todesstrafe vollständig abgeschafft. Allerdings setzt sich Erdoğan seit 2012 für ihre Wiedereinführung ein. Er begründet dies damit, dass sie auch in Staaten wie den USA und der Volksrepublik China praktiziert werde.<ref name="zeit-2012-11-12">Erdogan bekräftigt Ruf nach Todesstrafe. In: Die Zeit. 12. November 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Januar 2017; abgerufen am 7. Januar 2017.</ref>
Beleidigung des Staatspräsidenten
Artikel 299 des türkischen Strafgesetzbuchs stellt die Beleidigung des Staatspräsidenten unter ein- bis vierjährige Haftstrafe. Die Strafverfolgung ist ohne Verfolgungsermächtigung des Justizministers nicht möglich. In den ersten sieben Monaten von Erdoğans Amtszeit als Staatspräsident erteilte der Justizminister bei 236 Anträgen 105 Verfolgungsermächtigungen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Report: Erdogan files ‘insult’ complaints against 236 people in 227 days. ( vom 4. April 2016 im Internet Archive) factsonturkey.org, 26. März 2015, abgerufen am 26. Juni 2016 (englisch).</ref> In acht dieser Fälle kam es zu einer Haft. Im Vergleich dazu kam es in der siebenjährigen Amtszeit Abdullah Güls bei 1359 Anträgen zu 545 Verfolgungsermächtigungen, und in keinem der Fälle kam es zu einer Haft. Anfang März 2016 erklärte der türkische Justizminister Bekir Bozdağ, dass sein Ministerium im Verlauf von Erdoğans Amtszeit 1845 Ermächtigungen erteilt habe. Laut dem Politikwissenschaftler Kerem Altıparmak ist dies eine Steigerung um 500 Prozent im Vergleich zur Amtszeit von Ahmet Necdet Sezer im Jahr 2007.<ref>Adalet Bakanı Bozdağ, ‘Cumhurbaşkanı’na hakaret’ davalarının sayısını açıkladı. T24, 2. März 2016, abgerufen am 26. Juni 2016 (türkisch).</ref> Die Verfahren betreffen Facebook-Einträge ebenso wie Transparente bei Demonstrationen. Für Aufsehen sorgte ein Gerichtsverfahren in Diyarbakır gegen zwei Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren, die ein Erdoğan-Poster zerrissen hatten und sich nun trotz eines Gutachtens, das ihnen mangelnde Urteilskraft (vgl. Art. 31 Abs. 2 tStGB) attestierte, mit einer drohenden Haftstrafe konfrontiert sahen.<ref>Ismail Saymaz: ‘İşlediği suçu algılamıyor’ raporuna rağmen çocuğa dava açmışlar. Radikal, 28. Oktober 2015, abgerufen am 26. Juni 2016 (türkisch).</ref> Neben den Strafsachen eröffneten Erdoğans Anwälte zahlreiche Zivilprozesse, in denen Entschädigungen für Beleidigungen in Höhe von vielen Millionen TL gefordert werden.<ref>Fachzeitschrift Güncel Hukuk. (PDF; 4,6 MB) Ausgabe Oktober 2015 (türkisch).</ref> Journalisten in und außerhalb der Türkei werten die Ermittlungen und Prozesse als Eingriff in die freie Meinungsäußerung und als Mittel zur Einschüchterung der Opposition.<ref>Erdoğan’ı koruma kanunu. Taraf, 11. Oktober 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Juni 2016; abgerufen am 2. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Baskin Oran: Yeni 301’imiz hayırlı uğurlu olsun: TCK 299. Radikal, 6. Oktober 2015, abgerufen am 2. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
1,845 Erdoğan insult cases opened in Turkey since 2014. AP-Artikel auf TheGuardian.com, 2. März 2016, abgerufen am 30. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="hb-13049236">Rund 2000 Verfahren wegen Beleidigung des Präsidenten anhängig. Reuters-Artikel auf handelsblatt.com, 3. März 2016, abgerufen am 30. April 2016.</ref> Der Jurist Christian Rumpf schreibt:
„Dass ein Staatspräsident besonderen Ehrschutz genießt, ergibt sich aus der Natur seines Amtes. Eine kritische Dimension erlangt allerdings eine Vorschrift wie die des Art. 299 StGB (Cumhurbaşkanına hakaret – Beleidigung des Präsidenten der Republik) in einem Umfeld, wo der Präsident der Republik selbst die ihm durch die Verfassung gesetzten Grenzen überschreitet und dadurch der Öffentlichkeit besondere Angriffsflächen für Kritik bietet. Wenn schon unter Privatleuten die Abwägung zwischen Ehrschutz des einen und Meinungsäußerungsfreiheit des anderen nicht immer leicht fällt, gilt dies noch mehr im politischen Leben. Der Umstand, dass die Verfolgung einer solchen Tat der Genehmigung durch das Justizministeriums [sic] bedarf, wirft noch weitere Fragen auf, weil hier dann auch noch die Exekutive in die ordnungsgemäße Tätigkeit der Justiz eingreifen darf, also letztlich darüber entscheidet, wie weit die Ehre des Präsidenten geht und wo ihre Schutzwürdigkeit aufhört.“<ref>Christian Rumpf: Einführung in das türkische Recht (= Schriftenreihe der Juristischen Schulung, 169). 2. Auflage. C.H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-65766-5, S. 374 (§ 26 Rn. 241).</ref>
Türkische Einflussnahme auf Kritiker in Deutschland
Türkische Sicherheitsbehörden gehen gezielt gegen Kritiker Erdoğans in Deutschland vor. Nach Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung suchen Ermittler aus Ankara in solchen Fällen auch die Zusammenarbeit mit deutschen Behörden. Politisch brisante Anfragen der Türkei bleiben jedoch häufig unbeantwortet oder werden, wie beispielsweise im Land Berlin, grundsätzlich zurückgeschickt.<ref>Ankaras Arm reicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern. In: Tagesschau. 13. Dezember 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Umfang der türkischen Rechtshilfeersuchen
Die meisten Justizministerien der Bundesländer erfassen türkische Rechtshilfeersuchen nicht statistisch, weshalb die Zahl solcher Fälle unklar bleibt. Auch die türkische Botschaft in Deutschland wollte keine Angaben dazu machen, wie viele entsprechende Anfragen zuletzt gestellt wurden.<ref>Ankaras Arm reicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern. In: Tagesschau. 13. Dezember 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Fall Ibrahim Ö.
Ein besonders brisanter Fall ereignete sich im August 2018 in Mecklenburg-Vorpommern. Über das türkische Generalkonsulat in Berlin wandte sich die Staatsanwaltschaft im türkischen Iğdır an die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg, um gegen Ibrahim Ö., einen in Deutschland lebenden Flüchtling, vorzugehen. Anlass waren vier Facebook-Posts, die Ibrahim Ö. lediglich geteilt haben soll und die den türkischen Präsidenten Erdoğan kritisierten. Einer der Beiträge enthielt ein kurdisches Wortspiel, in dem Erdoğan als „Kerdogan“ (kurdisch für „Esel“) bezeichnet wurde.<ref>Ankaras Arm reicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern. In: Tagesschau. 13. Dezember 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg eröffnete im März 2018 ein Verfahren gegen Ibrahim Ö. wegen des „Verdachts der Beleidigung zum Nachteil des türkischen Präsidenten Erdoğan“ und ließ ihn durch den Staatsschutz vernehmen. Dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der ebenfalls im türkischen Ersuchen genannt wurde, ging die deutsche Behörde hingegen nicht nach. Problematisch war, dass die Staatsanwaltschaft ursprünglich plante, Daten und Aussagen von Ibrahim Ö. an das türkische Generalkonsulat zu übermitteln. Laut Lukas Theune, dem Anwalt von Ibrahim Ö., hätte dies den Mandanten und seine Familie erheblich gefährdet.<ref>Ankaras Arm reicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern. In: Tagesschau. 13. Dezember 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Ibrahim Ö. kritisierte das Vorgehen der deutschen Behörden scharf. Laut seines Anwalts sei das bloße Teilen von Facebook-Inhalten nach deutscher Rechtsprechung nicht strafbar. Besonders gravierend sei der Plan, persönliche Daten an türkische Behörden zu übermitteln.<ref>Ankaras Arm reicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern. In: Tagesschau. 13. Dezember 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Außenbeziehungen
Verhältnis zum Westen
Beziehung zur Europäischen Union
Erdoğan wich während seiner Regierungszeit von der traditionell proeuropäischen und prowestlichen Politik früherer türkischer Regierungen ab. In seine Amtszeit fällt zwar die offizielle Eröffnung der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Sein Regierungskurs ist jedoch nicht bedingungslos proeuropäisch. So gerieten die Beitrittsverhandlungen in den Jahren 2009 und 2010 zunehmend ins Stocken, weil Ankara sich weigert, türkische Häfen für zypriotische Schiffe zu öffnen.
Dem Journalisten Maximilian Popp zufolge hat sich Erdoğan zu Anfang seiner Regierungszeit den Europäern nur angenähert, um das Militär und die Justiz zurückzudrängen und religiöse Freiheiten zu etablieren. In seiner Außenpolitik tendiert er nach starken Wahlsiegen zu Alleingängen und stimmt sich weniger mit seinen europäischen Partnern ab. Mit Blick auf die EU-Fähigkeit nennt der Spiegel ihn einen Autokraten.<ref>Maximilian Popp: Erdogans Wahlsieg: Islamist, Reformer, Autokrat. In: Spiegel Online, 13. Juni 2011, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref>
Ende November 2016 drohte Erdoğan damit, Flüchtlinge wieder nach Europa reisen zu lassen („Wenn Sie noch weiter gehen, werden die Grenzen geöffnet, merken Sie sich das“).<ref>spiegel.de vom 25. November 2016: Erdogan droht mit Grenzöffnung für Flüchtlinge</ref><ref>„wieder“ meint „wie vor dem Abschluss des Türkei-Deals“, siehe z. B. zeit.de vom 15. August 2016</ref> Kurz zuvor hatte das EU-Parlament mit großer Mehrheit eine Entschließung verabschiedet, die Beitrittsgespräche auszusetzen.<ref>Pressemitteilung vom 24. November 2016 </ref> Am 7. Dezember 2017 besuchte Erdoğan Griechenland. Dies war der erste Besuch eines türkischen Staatsoberhaupts seit 1952 in Griechenland.<ref> Erdoğan in Griechenland. BILD, 7. Dezember 2017, abgerufen am 8. Dezember 2017.</ref>
Im Verlauf des Wahlkampfes zum Verfassungsreferendum 2017 ging Erdoğan verstärkt in Konfrontation zur EU und dessen Mitgliedsstaaten wie Deutschland.<ref>tagesschau.de: Merkel droht Türkei mit Auftrittsverboten. Abgerufen am 27. Oktober 2020.</ref>
Im Jahr 2020 rief Erdoğan zu einem Boykott französischer Waren auf und bezeichnete die europäischen Staats- und Regierungschefs als Faschisten. Im Mai 2021 beantragte die Türkei unter Erdoğan eine Beteiligung an dem europäischen Verteidigungsbündnis PESCO.<ref>Christoph B. Schiltz: Pesco-Militärallianz: Annäherung mit aller Macht – Erdogan will bei EU-Verteidigungspolitik mitmachen. In: Die Welt. 16. Mai 2021 (welt.de [abgerufen am 18. Mai 2021]).</ref>
Vorwurf der Terrorunterstützung gegenüber Deutschland, USA, Schweden und Finnland
Erdoğan warf am 3. November 2016 Deutschland vor, Terroristen zu beherbergen, namentlich Mitglieder der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sowie der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C). Deutschland sei eines der wichtigsten Aufnahmeländer für „Terroristen“ geworden.
Ende Dezember 2016 hat Erdoğan der von den Vereinigten Staaten geführten Koalition vorgeworfen, die Extremistenorganisation Islamischer Staat, die Kurdengruppe PYD sowie deren militante Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu unterstützen und dass es dafür auch Beweise gebe.<ref>„Amerika unterstützt den Islamischen Staat“ (www.faz.net, 27. Dezember 2016)</ref><ref>Andrew Buncombe: Erdogan says he has evidence US-led coalition has given support to Isis. Independent, 27. Dezember 2016 (englisch).</ref><ref>Erdoğan says US-led coalition gives support to terrorist groups in Syria. In: Hürriyet Daily News, 28. Dezember 2016 (englisch).</ref>
Am 3. März 2017 bezichtigte er Deutschland, bzw. seine Behörden, direkt der Unterstützung des Terrorismus und Deniz Yücel als einen Agenten der Bundesrepublik.<ref>Erdogan nennt Deniz Yücel einen „deutschen Agenten“. In: Spiegel Online. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>
Im Jahr 2021 bezeichnete Erdoğan die Botschafter von zehn westlichen Staaten, darunter die USA und Deutschland, als „unerwünschte Personen“ und drohte mit deren Ausweisung, nachdem diese die Freilassung des inhaftierten Philanthropen Osman Kavala gefordert hatten.<ref>Erdogan erklärt zehn Botschafter zu unerwünschten Personen und provoziert eine neue Krise mit dem Westen. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Oktober 2021, abgerufen am 10. Juli 2023.</ref>
Weil Schweden und Finnland in den Jahren von 2017 bis 2021 auf die Auslieferungsersuchen der Türkei ablehnend reagierten, warf Erdoğan den beiden Ländern vor, die PKK und die YPG zu unterstützen. Als die beiden Länder in der Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine eine NATO-Mitgliedschaft planten, kündigte Erdoğan an, dass die Türkei als NATO-Mitglied ein Veto gegen den Beitrittsprozess einlegen werde. Er sagte diesbezüglich auch, dass „skandinavische Länder … ein Gästehaus für Terrororganisationen“ seien.<ref>Türkei: Recep Tayyip Erdoğan erteilt Nato-Beitritt von Schweden und Finnland eine Absage. In: Der Spiegel. 16. Mai 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2022]).</ref><ref>Anna-Sophie Schneider: (S+) Nato: Warum Recep Tayyip Erdoğan einen Beitritt von Finnland und Schweden ablehnt. In: Der Spiegel. 17. Mai 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2022]).</ref> Am 30. März 2023 ratifizierte schließlich die Türkei als letzter ausstehender Mitgliedsstaat den NATO-Beitritt Finnlands.<ref>Türkei stimmt für Nato-Beitritt Finnlands auf zdf.de, abgerufen am 1. April 2023</ref> Hatte Erdoğan am 10. Juli 2023 eine Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen zur Voraussetzung für seine Zustimmung zum Beitritt Schwedens zur NATO gemacht,<ref name=":3">Erdoğan knüpft Nato-Frage zu Schweden an neue EU-Beitrittsgespräche. In: Der Spiegel. 10. Juli 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 10. Juli 2023]).</ref> erklärte er noch am selben Tag, dass er dem NATO-Beitritt Schwedens zustimmen werde.<ref name=":4">tagesschau.de: Stoltenberg: Erdogan gibt Blockade des schwedischen NATO-Beitritts auf. Abgerufen am 10. Juli 2023.</ref> Das türkische Parlament stimmte am 23. Januar 2024 der Aufnahme Schwedens in die NATO zu. Zwei Tage später wurde die Entscheidung im türkischen Amtsblatt veröffentlicht und galt damit als offizielle Ratifizierung.<ref>Nach langer Blockade - Türkisches Parlament stimmt NATO-Beitritt Schwedens zu. In: tagesschau.de. 23. Januar 2024, abgerufen am 24. Januar 2024.</ref>
Beziehung zur Autonomen Region Kurdistan im Irak
Nach anfänglicher Ablehnung und Skepsis der türkischen Regierung, eine Autonomie der Kurden im Irak könne auch Autonomiebestrebungen der Kurden in der Türkei bestärken, etablierten sich zeitweise enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen der Autonomen Region Kurdistan im Nord-Irak und der Türkei. In einem im März 2016 mit Al-Monitor geführten Interview<ref>Amberin Zaman: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Massoud Barzani vows to fight corruption with same dedication as KRG has fought IS. ( vom 26. März 2016 im Internet Archive) Interview mit Massoud Barzani in Al-Monitor, 22. März 2016, abgerufen am 25. Juni 2016 (englisch).</ref> lobte Masud Barzani, der Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, den türkischen Präsidenten als einen Politiker, der sich wie kein anderer vor ihm um ein gutes Verhältnis zwischen Türken und Kurden bemüht habe, und bezeichnete die von Erdoğan mitgegründete AKP deshalb als eine historische Chance für die Kurden für einen unabhängigen Staat in friedlicher Nachbarschaft zur Türkei.
Die Türkei entsandte Militärberater und Soldaten in die Autonome Region Kurdistan, um die regionalen Streitkräfte, die Peschmerga, auszubilden. Die Zentralregierung des Irak kritisierte im Dezember 2015 diesen Schritt.<ref>Thomas Seibert: Türkei und Irak streiten um Truppenpräsenz, Der Tagesspiegel vom 9. Dezember 2015, abgerufen am 5. Oktober 2016.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Türkische Soldaten zur Ausbildung kurdischer Truppen im Nordirak. ( vom 5. Oktober 2016 im Internet Archive) Zeit Online vom 5. Dezember 2015; abgerufen am 5. Oktober 2016.</ref>
Beziehung zu östlichen Nachbarstaaten
Zu Beginn seiner Amtszeit maß Erdoğan guten Beziehungen zu den östlichen Nachbarn der Türkei erhebliches Gewicht bei. In seiner Regierungszeit kam es zu einer wesentlichen Aufwertung der Beziehungen zu Syrien und zum Iran. Erdoğan monierte, der Iran würde im Streit um das iranische Atomprogramm vom Westen ungerecht behandelt. „Wer selber über Atomwaffen verfüge, könne nicht das Nuklearprogramm Teherans kritisieren.“<ref>Erdogan verteidigt Iran: „Unfairer Westen“. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Oktober 2009, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Mahmud Ahmadineschad sei „ohne Zweifel unser Freund“.<ref>Jörg Lau: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erdogan: „unser Freund Achmadinedschad“. ( vom 4. Juli 2013 im Internet Archive) Die Zeit blog, 26. Oktober 2009, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref>
Als der Bergkarabachkonflikt im Herbst 2020 fortgeführt wurde, versorgte Erdoğan Aserbaidschan im Kampf gegen Armenien mit 1000 bis 4000 syrischen Söldnern (die unter anderem aus syrischen Flüchtlingslagern rekrutiert wurden und zuvor teilweise in der Hamza-Brigade eingesetzt waren) und Drohnen. Erdoğan „verurteilte Armeniens Angriff auf aserbaidschanisches Territorium“ und verkündete, dass die Türkei „mit all ihren Mitteln an der Seite Aserbaidschans“ stehe.<ref>Maximilian Popp, Guillaume Perrier, Daham Alasaad, Der Spiegel: Syrische Söldner im Bergkarabach-Konflikt: Erdogans Schattenkrieger – Der Spiegel – Politik. Abgerufen am 5. Oktober 2020.</ref><ref>Der Spiegel: Bergkarabach: Armenien wirft Türkei Entsendung von 4000 Kämpfern aus Syrien vor – Der Spiegel – Politik. Abgerufen am 5. Oktober 2020.</ref><ref>Deutsche Welle (www.dw.com): Macron: In Berg-Karabach kämpfen Dschihadisten aus Syrien. 1. Oktober 2020, abgerufen am 6. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Beziehung zu Syrien und den syrischen Kurden
Die syrisch-türkischen Beziehungen bzw. die Beziehungen der türkischen Regierung zur syrischen Diktatorenfamilie Al-Assad galten bis zum Bürgerkrieg in Syrien als überaus gut. Die Familien von Erdoğan und Al-Assad sind gar miteinander im Urlaub gewesen.<ref name=":7">Maximilian Popp: Früher machten sie gemeinsam Urlaub. Jetzt hat Erdoğan den syrischen Diktator in der Hand. In: Der Spiegel. 4. Dezember 2024, abgerufen am 6. Dezember 2024.</ref> Im Verlauf des syrischen Bürgerkriegs jedoch, als der diktatorisch regierende Staatspräsident Baschar al-Assad das syrische Militär ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung im Inland einsetzte, distanzierte sich Erdoğan öffentlich und ließ sowohl die Al-Nusra-Front mit Waffen beliefern,<ref name=":7" /> als auch das Rebellenbündnis Syrische Nationale Armee (SNA) und die HTS unterstützen. Die SNA gilt den türkischen Streitkräften inoffiziell gar als unterstellt.<ref name=":8">Fritz Schaap: Syrien: Warum die Armee von Bashar al-Assad sich teilweise zurückzieht. In: Der Spiegel. 5. Dezember 2024, abgerufen am 6. Dezember 2024.</ref><ref>Şebnem Arsu, Mohannad al-Najjar, Maximilian Popp, Dunja Ramadan: Syrien: So konnte Aleppo von den Rebellen eingenommen werden. In: Der Spiegel. 30. November 2024, abgerufen am 30. November 2024.</ref> Außerdem versuchte Erdoğan Baschar al-Assad zu Verhandlungen mit syrischen Oppositionsbündnissen zu bewegen, damit die 3,2 Millionen<ref>Christoph Reuter: Krieg in Syrien: Die Welt hat Assad nie aufgehalten beim Töten. Jetzt tun es die Syrer. In: Der Spiegel. 6. Dezember 2024, abgerufen am 6. Dezember 2024.</ref> syrischen Flüchtlinge in der Türkei in ihre Heimat zurückkehren können.<ref name=":8" /><ref name=":7" /> Auch wollte Erdoğan, dass die syrischen Kurden im Norden Syriens auf die Ostseite des Euphrat gedrängt werden. Die Türkei betrachtet die Autonome Administration von Nord- und Ostsyrien (Westkurdistan) als Bedrohung für die nationale Sicherheit und bekämpft sie. Erdogan ließ dafür im syrischen Bürgerkrieg Nordsyrien von türkischen Streitkräften besetzen.<ref name=":8" /><ref name=":7" /><ref name=":11" /> Infolge der türkischen Besetzung Nordsyriens wird gegen Erdoğan der Vorwurf erhoben, syrische Jesiden und syrischen Kurden aus dem Norden Syriens zu vertreiben, um in der Grenzregion zur Türkei syrische Araber anzusiedeln (ethnische Säuberung).<ref name=":10" /><ref name=":9" /> Die türkische Staatsführung um Erdoğan versucht mit der Besetzung Nordsyriens zu verhindern, dass die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) über ihren syrischen Ableger, die PYD/YPG, einen Staat an der Grenze zur Türkei errichtet. Baschar al-Assad war jedoch auch nach mehrmonatigen bi- und multilateralen Beratungen im Jahr 2024 zu keinerlei Zugeständnissen an die Türkei wie an die von der Türkei unterstützte syrische Opposition bereit und es kam zu keiner Einigung. Laut Berichten hat Erdoğan die im November 2024 begonnene Großoffensive der syrischen Rebellen, die zum Sturz des Assad-Regimes führte, zwar nicht befohlen, die Pläne aber lange im Voraus gekannt und gebilligt.<ref name=":8" /><ref name=":7" /><ref name=":11">Şebnem Arsu, Susanne Koelbl, Maximilian Popp: Syrien: Erdoğans Regierung spricht über Frieden - und attackiert die Kurden. In: Der Spiegel. 10. Dezember 2024, abgerufen am 12. Dezember 2024.</ref> Beobachter erwarten, dass sich der Umbruch in Syrien sowohl im Blick auf den Einfluss der Türkei in der Region als auch innenpolitisch für Erdoğans Position sehr günstig auswirkt. Auch er selbst sieht sich gestärkt und erklärte bei einem „Treffen mit der Jugend“ in Gaziantep am 8. Dezember 2024 unter dem unmittelbaren Eindruck der Ereignisse, es gebe jetzt „nur noch zwei Führer in der Welt, mich und Wladimir Putin“. Alle anderen seien „eliminiert“ worden.<ref>Gerd Höhler: „Es gibt nur noch zwei Führer in der Welt – mich und Putin“. In: Berliner Morgenpost. 10. Dezember 2024, abgerufen am 12. Dezember 2024.</ref>
Auch nach dem Sturz des Assad-Regimes soll die türkische Besetzung Nordsyriens laut Erdoğan aufrechterhalten werden.<ref>Welche Ziele verfolgt die Türkei in Syrien? In: dw.com. 4. Dezember 2024, abgerufen am 30. Dezember 2024.</ref> Der Bürgerkrieg in Syrien hielt auch nach dem Ende des Assad-Regimes aufgrund der Kämpfe zwischen der von der Türkei unterstützten SNA und den Dmokratischen Kräften Syriens an.<ref>Jona Spreter, dpa, AFP: Syrien: Kurdische und protürkische Milizen führen heftige Kämpfe in Nordsyrien. In: Die Zeit. 23. Dezember 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. Dezember 2024]).</ref><ref>Jürgen Gottschlich: Nach dem Sturz von Assad in Syrien: Türkei verkündet Erfolg gegen syrische Kurden. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Dezember 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 30. Dezember 2024]).</ref> Zudem ließ Erdoğan die kurdisch besiedelten Gebiete im Norden Syriens bombardieren.<ref>Erdogan strebt an, kurdische Kräfte in Syrien zu zerstören - Türkei fühlt sich vom Westen unterstützt. 27. Dezember 2024, abgerufen am 30. Dezember 2024.</ref>
Beziehung zu arabischen und afrikanischen Staaten
Einen wichtigen Teil in Erdoğans Strategie, den Einfluss der Türkei in der Welt auszubauen, machen die afrikanischen Staaten aus. War die Türkei vor Erdoğan kaum in Afrika präsent, änderte sich dies mit ihm. Betrug das Außenhandelsvolumen mit Afrika im Jahr 2003 noch rund fünf Milliarden US-Dollar, lag es im Jahr 2020 bei etwa 25 Milliarden.<ref name=":2">Fritz Schaap: Türkische Außenpolitik: Recep Tayyip Erdoğans Plan für Afrika. In: Der Spiegel. 17. Dezember 2021, abgerufen am 28. Januar 2022.</ref>
Erdoğan ist mehr als 24-mal auf den afrikanischen Kontinent gereist. Gab es im Jahr 2009 zwölf türkische Botschaften auf dem Kontinent, eröffnete die Türkei unter Erdoğan dort 31 weitere Botschaften. Unter Erdoğan wurden zahlreiche Rüstungsexportabkommen mit afrikanischen Staaten geschlossen.<ref name=":2" />
Erdoğan verteidigte den sudanesischen Staatschef Omar al-Baschir, gegen den der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im anhaltenden Darfur-Konflikt erlassen hatte, mit den Worten: „Ein Muslim kann keinen Völkermord begehen.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Al-Baschir sagt Türkei-Reise nach Kritik ab. ( vom 11. November 2009 im Internet Archive) sueddeutsche.de, 8. November 2009, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref>
Nach der Absetzung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi (Juli 2013) kühlten die Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten zunächst stark ab.<ref>Boris Kálnoky: Machtprobe: Ägypten und Türkei hetzen sich gegeneinander auf. Die Welt, 22. August 2013, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Erdoğan nannte den Umsturz in Ägypten 2013 einen Staatsstreich und warf Israel vor, daran beteiligt gewesen zu sein.<ref>Israel empört sich über Erdoğans Vorwurf. In: Die Zeit, 21. August 2013.</ref>
Im libyschen Bürgerkrieg versorgte er, trotz eines per UN-Beschluss verhängten Embargos, die Konfliktpartei von Fayiz as-Sarradsch mit Waffen und syrischen Söldnern und nahm so massiv Einfluss auf den Kriegsverlauf.<ref>Christoph Reuter, Mirco Keilberth: Der Corona-Krieg. Abgerufen am 10. Juni 2020.</ref><ref>Der Spiegel: Libyens heimlicher Herrscher Erdoğan. Abgerufen am 10. Juni 2020.</ref><ref>Maximilian Popp, Mirco Keilberth: Bürgerkrieg in Libyen: Ein zweites Syrien. Abgerufen am 10. Juni 2020.</ref>
Beziehung zu Russland
Erdoğan übte bereits mehrfach Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beispielsweise verurteilte er ihn aufgrund seiner Unterstützung der Regierung von Baschar al-Assad im Bürgerkrieg in Syrien.<ref>Waffenlieferung und UNO-Veto. Österreichischer Rundfunk, Publiziert am 14. Oktober 2012, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Dennoch schrieb der Journalist Gerd Höhler im Dezember 2014 von einer echten „Männerfreundschaft“ zwischen ihm und Putin, da Russland größter Energielieferant und zweitgrößter Handelspartner der Türkei sei.<ref>Gerd Höhler: Das Treffen der bösen Buben. In: Handelsblatt, 1. Dezember 2014.</ref> Die Freundschaft verschlechterte sich gegen Ende 2015, als Russland Luftangriffe gegen Positionen der Rebellen in Syrien zu fliegen begann und es zu mehreren Zwischenfällen zwischen dem russischen und dem türkischen Militär kam. Vor allem der Abschuss eines russischen Kampffliegers durch die türkische Armee und die anfängliche Weigerung Ankaras, sich dafür zu entschuldigen, trugen zur Verschlechterung der Beziehung bei. Außerdem wurde Erdoğans Familie vom stellvertretenden russischen Verteidigungsminister Anatoli Iwanowitsch Antonow des Ölhandels mit dem IS beschuldigt.<ref>Syria conflict: Russia accuses Erdogan of trading oil with IS. BBC, 2. Dezember 2015, abgerufen am 25. Juni 2016 (englisch).</ref> Erst im Juli 2016 kam es zu einer Entschuldigung seitens Erdoğans bezüglich des Abschusses des russischen Kampffliegers, was die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei erneut verbesserte.<ref>Erdoğan entschuldigt sich für Kampfjetabschuss</ref>
Während des Russisch-Ukrainischen Krieges schlossen die beiden Kriegsparteien unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen im Jahr 2022 ein Abkommen für den sicheren Transport von Getreide und Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen.
Im September 2024 forderte Erdoğan die Rückgabe der von Russland annektierten Halbinsel Krim an die Ukraine. Erdoğan erklärte, dass dies das Völkerrecht erfordere.<ref>Erdogan fordert Rückgabe der Krim an die Ukraine. In: welt.de. 12. September 2024, abgerufen am 13. September 2024.</ref>
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Verhältnis zu China
Die uigurische Frage war immer ein Streitpunkt in den bilateralen Beziehungen zwischen China und der Türkei. Innergesellschaftliche Macht- und Interessenkonstellationen in der Türkei sind geprägt durch religiöse und nationalistische Akteure, die sich für die unterdrückten Uiguren starkmachen. Bei diesen nationalistischen und religiösen Kräften handelt es sich um eine Wählerbasis des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.<ref>Philipp Scholkmann: Unterdrückung der Uiguren: Erdogans Kritik an China verstummt. In: Swiss Radio and Television (SRF). 26. Januar 2021, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Daher war die Türkei jahrzehntelang einer der größten Fürsprecher der Uiguren. Erdoğan inszeniert sich oft als Beschützer bedrängter Glaubensbrüder, so etwa während der Massenflucht der Rohingya aus Burma 2017.<ref>Volker Pabst: Erdogan, China wird zum neuen Freund – Uiguren haben das Nachsehen. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). 2. Februar 2019, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> 2009 nannte Erdoğan die chinesische Politik gegenüber den Uiguren, einer muslimisch geprägten türkischen Minderheit in China, noch „gleichbedeutend mit einem Genozid“.<ref>Christiane Schlötzer: Mesut Özil, China und die Uiguren: Wie Erdoğan sich positioniert. In: Süddeutsche Zeitung. 15. Dezember 2019, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Der Premier betonte 2019: „Die Schmerzen der türkischen Uiguren sind unsere Schmerzen“, die Uiguren nannte er „unsere Verwandten, unsere Brüder“. Doch am selben Tag gab das türkische Außenministerium eine sehr vorsichtig formulierte Erklärung heraus, in der von der „großen Bedeutung“ der türkisch-chinesischen Beziehungen die Rede war.<ref>Thomas Seibert: Türkei kritisiert China. In: Tagesspiegel. 13. Juli 2009, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Zur letzten Zuspitzung kam es 2016, als Peking Ankara vorwarf, mit seiner Asylpolitik den Zustrom radikalisierter Uiguren nach Syrien zu fördern. Bis zum Jahr 2017 war die Türkei für viele Uiguren aufgrund ihrer kulturellen und sprachlichen Nähe eine zweite Heimat. Sie flohen in die Türkei, wenn sie politisch verfolgt wurden.<ref>Volker Pabst: Erdogan, China wird zum neuen Freund – Uiguren haben das Nachsehen. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). 2. Februar 2019, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> In der Türkei leben zehntausende uigurische Flüchtlinge.<ref>Philipp Scholkmann: Unterdrückung der Uiguren: Erdogans Kritik an China verstummt. In: Swiss Radio and Television (SRF). 26. Januar 2021, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Ab 2012 war die Zusammenarbeit zwischen China und der Türkei verstärkt worden und die Aussagen zu den Uiguren wurden vorsichtiger.<ref>Volker Pabst: Erdogan, China wird zum neuen Freund – Uiguren haben das Nachsehen. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). 2. Februar 2019, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Seit dem Jahr 2017 lässt sich die Tendenz beobachten, dass Erdoğan das Schicksal der Uiguren zunehmend den eigenen wirtschaftlichen Interessen unterordnet. Bestätigt ist, dass die türkische Regierung bei der gewaltsamen Rückführung unschuldiger Uiguren nach China mitgewirkt hat.<ref>IGFM: Erdogan opfert Uiguren für Wirtschaft: Abschiebung aus Türkei. In: IGFM. 22. Juni 2020, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Nach einer UN-Konferenz im Jahr 2019, in der die Umerziehungslager in Xinjiang kritisiert wurden, erfolgte seitens der Regierung von Präsident Erdoğan keine Erwähnung der Lager, in denen mehr als eine Million Menschen indoktriniert und vom islamischen Glauben abgebracht werden sollen. Ein regierungsnaher Journalist bezeichnete die Berichterstattung über die Umerziehungslager gar als „Verleumdungskampagne westlicher Medien“. Diese Kehrtwende in der türkischen Politik ist auch in der uigurischen Diaspora in der Türkei spürbar. Des Weiteren befinden sich unter den Insassen der Umerziehungslager auch Uiguren mit türkischem Pass.<ref>Volker Pabst: Erdogan, China wird zum neuen Freund – Uiguren haben das Nachsehen. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). 2. Februar 2019, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref> Im Rahmen seiner Chinareise im Juli 2019 warnte Staatschef Recep Tayyip Erdoğan davor, das Thema zu missbrauchen, um die Türkei und China zu entzweien. „Die Empfindlichkeiten beider Seiten“ müssten in dieser Frage berücksichtigt werden, sagte Erdoğan und fügte hinzu, das einzige Anliegen der Türkei für die Uiguren in China sei, dass sie in Frieden und Wohlstand leben könnten.<ref>Martin Gehlen: Uiguren, China und die arabische Welt: Islamische Länder schweigen. In: Die Zeit. 26. November 2019, abgerufen am 16. Dezember 2024.</ref>
Verhältnis zu Israel und Haltung zum Nahostkonflikt
Im Gegensatz zu seinen Vorgängern nimmt Erdoğan zu Israel eine negative Haltung ein. Besonders belastet sind die türkisch-israelischen Beziehungen auch wegen des Nahostkonflikts. Wegen ihres Vorgehens gegen die Gaza-Hilfsflotte im Jahr 2010 bezichtigte Erdoğan die israelische Regierung des „inhumanen Staatsterrorismus“ und der „Verletzung internationalen Rechts“.<ref>Erdoğan wirft Israel Staatsterrorismus vor. In: Die Zeit, 31. Mai 2010.</ref> Die Palästinenserbewegung Hamas aus dem Gazastreifen wird von Erdoğan nicht als Terrorgruppe eingestuft.<ref>Erdogan: Hamas er ikke en terrorgruppe. information.dk, 4. Juni 2010, abgerufen am 25. Juni 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Erdoğan beschuldigt die Vereinten Nationen im Jahr 2012, angesichts tödlicher israelischer Luftangriffe auf den Gazastreifen im Rahmen der Operation Wolkensäule untätig geblieben zu sein, und bezeichnete Israel als „terroristischen Staat“, der „unschuldige Kinder massakriert“.<ref>Emre Peker: Turkey's Erdogan Labels Israel a 'Terrorist State'. In: Wall Street Journal. 19. November 2012, ISSN 0099-9660 (wsj.com [abgerufen am 4. Oktober 2023]).</ref>
Im Februar 2013 wurde Erdoğan von Seiten der USA und Israels heftig für seine Aussage kritisiert, der Zionismus sei ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.<ref name="SPON-2013">Reaktionen aus USA und Israel: Scharfe Kritik an Erdogans Zionismus-Entgleisung. Spiegel Online, 1. März 2013, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Wörtlich hatte er am 27. Februar 2013 auf einer Konferenz der Vereinten Nationen in Wien gesagt: „Genauso wie es bei Zionismus, Antisemitismus und Faschismus ist, wurde es nötig, auch Islamophobie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzusehen.“<ref name="SPON-2013" />
Im Zusammenhang mit dem Krieg im Gazastreifen im Jahr 2014 erklärte Erdoğan im Juli jenes Jahres, dass Israel ein „terroristischer Staat“ sei und die Israelis Adolf Hitler in Sachen Barbarei übertroffen hätten.<ref>Israels Militäroffensive im Gazastreifen: Erdogan: Israel hat Hitlers Barbarei übertroffen. Focus, 20. Juli 2014, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref> Daraufhin forderte Jack Rosen, der Präsident des American Jewish Congress, Erdoğan wegen dessen antiisraelischer Äußerungen auf, den ihm 2004 vom AJC verliehenen „Courage“-Preis zurückzugeben.<ref>Türkei: Vizepremier fordert Lachverbot für Frauen. DiePresse.com, 29. Juli 2014, abgerufen am 25. Juni 2016.
Turkey’s Erdogan returning Jewish American peace award. In: Haaretz, 24. Mai 2016 (englisch).</ref>
Nach der Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels durch Donald Trump im Mai 2018 ließ Erdoğan eine dreitägige Staatstrauer ausrufen<ref name=":5">Turkish President accuses Israel of 'genocide' after Palestinian deaths on Gaza border. In: The Independent. 14. Mai 2018, abgerufen am 4. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":6">Israeli reporters ‘shoved’ in Istanbul amid diplomatic rift - Türkiye News. In: Hürriyet. 18. Mai 2018, abgerufen am 4. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, wies den israelischen Botschafter aus und zog die türkischen Botschafter in Tel Aviv zu Konsultationen ab. Israel wies daraufhin den türkischen Konsul in Jerusalem aus.<ref>Israel expels Turkish consul. In: Israel National News. 15. Mai 2018, abgerufen am 4. Oktober 2023.</ref> Nach Ausschreitungen warf Erdoğan Israel vor, einen „Genozid zu verüben“ und ein „Apartheidstaat“ zu sein.<ref name=":5" /><ref name=":6" /> Im darauffolgenden Monat sagte Erdoğan über Israel, dass es der „faschistischste und rassistischste Staat der Welt“ sei.<ref>Recep Tayyip Erdogan attckiert Israel: „Der Geist Hitlers kommt zum Vorschein“. In: Der Spiegel. Abgerufen am 19. Mai 2021.</ref>
Im August 2020 bezeichnete der Mossad-Chef Yossi Cohen die Türkei offen als Bedrohung für Israel.<ref>Roger Boyes: Mossad thinks Turkey is a bigger menace than Iran. 4. Oktober 2023, ISSN 0140-0460 (thetimes.co.uk [abgerufen am 4. Oktober 2023]).</ref> Im Jahr 2022 wurde schließlich wieder eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen vereinbart.<ref>Israel, Turkey return to full normalization. In: Jerusalem Post. 17. August 2022, abgerufen am 3. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":12">tagesschau.de: Israel und Türkei: Rückkehr zu vollen diplomatischen Beziehungen. Abgerufen am 3. Oktober 2023.</ref>
Als im Zuge des im Mai 2021 wiedererstarkten Nahostkonflikts Österreich seine Unterstützung für Israel bekundete, sagte Erdoğan, dass er den österreichischen Staat verfluche und dieser wohl versuche, „die Rechnung für die Juden, die es einem Genozid unterzogen hat, den Muslimen auszustellen.“<ref>Israel: Recep Tayyip Erdoğan attackiert Österreich wegen Nahostkurs im Gaza-Konflikt. In: Der Spiegel. Abgerufen am 18. Mai 2021.</ref> Erdoğan bezichtigte Israel im selben Monat mehrmals des Terrorismus gegen die Palästinenser und erklärte, dass dies „in der Natur“ der Israelis liege.<ref>Nahostkonflikt: USA nennen Recep Tayyip Erdoğans Israel-Äußerungen »antisemitisch«. In: Der Spiegel. Abgerufen am 19. Mai 2021.</ref><ref>Türkischer Präsident Erdoğan nennt Israel nach Gewalt in Jerusalem »Terrorstaat«. In: Der Spiegel. Abgerufen am 19. Mai 2021.</ref>
Auch nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023 blieb Erdoğan bei seiner Haltung gegenüber der Hamas, dass diese keine Terrororganisation sei; er bezeichnete sie als „Widerstandsgruppe, die kämpft, um ihr Land und ihr Volk zu schützen“, und erklärte ferner, der Westen möge in der Schuld Israels stehen, die „Türkei schuldet Israel nichts“.<ref>Anna-Sophie Schneider, Özlem Topçu, Gerald Traufetter: (S+) Türkei, Israel und die Palästinenser: Deshalb unterstützt Recep Tayyip Erdoğan die Hamas. In: Der Spiegel. 27. Oktober 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. November 2023]).</ref> Im Zuge des mit dem Terrorangriff ausgebrochenen Kriegs in Israel und Gaza warf Erdoğan Israel „Kriegsverbrechen“ im Gazastreifen vor. Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan bezeichnete Erdoğan daraufhin als „Schlange“ und „Antisemiten“. Israel zog seine Diplomaten aus der Türkei ab, um eine „Neubewertung“ der Israelisch-türkische Beziehungen vorzunehmen.<ref>Lazar Berman: Israel pulls diplomats from Turkey to reassess ties as Erdogan blasts its ‘war crimes’. In: Times of Israel. Abgerufen am 28. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Mai 2024 ließ Erdoğan wegen der israelischen Angriffe im Gazastreifen die Handelsbeziehungen zu Israel einstellen.<ref>Sarah Kohler, Katharina James, dpa, Reuters: Krieg in Nahost: Türkei setzt Handelsbeziehungen zu Israel vollständig aus. In: Die Zeit. 2. Mai 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 3. Mai 2024]).</ref>
Haltung zur türkischen Diaspora
Eines der Merkmale von Erdoğans Politik ist die Erhaltung der Verbundenheit zur türkischen Diaspora, insbesondere in Europa. Erdoğan befürwortet zwar eine Integration türkischer Migranten in Gesellschaft und Kultur des Aufnahmelandes, lehnt jedoch eine „Assimilation“ ab. Diese Haltung machte er bei seinem Deutschland-Besuch im Februar 2008 deutlich. Dort bezeichnete Erdoğan die Assimilation türkischer Einwanderer in Deutschland als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, warb aber für deren Integration, unter anderem durch Erlernen der deutschen Sprache.<ref>Dokumentation: Das sagte Ministerpräsident Erdogan in Köln. In: Die Welt</ref> Kurz zuvor hatte Erdoğan bereits in einer Diskussionsrunde mit Bundeskanzlerin Merkel die Schaffung türkischer Schulen und Universitäten in Deutschland angeregt, da derartige deutsche Einrichtungen in der Türkei bereits existierten.<ref>Hans-Peter Laqueur: Assimilation und Universitäten. Gedanken zu einigen Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten bei seinem Besuch in Deutschland. In: Istanbulpost 8/2008, 21. Februar 2008, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref>
Diese Aussagen Erdoğans lösten heftigen Widerspruch in Deutschland aus, nachdem dessen Rede auf der Trauerfeier für die Opfer der Brandkatastrophe von Ludwigshafen noch als positiv wahrgenommen worden war. Nachdem seine Vorschläge bei Kanzlerin Merkel auf Ablehnung gestoßen waren, verschärfte Erdoğan im Jahr 2010 seine Rhetorik: „Warum dieser Hass gegen die Türkei? Ich verstehe es nicht. Das hätte ich von der Bundeskanzlerin Merkel nicht erwartet. Ist die Türkei ein Prügelknabe?“<ref>Brisante Ankara-Visite: Erdogan wirft Merkel Hass gegen die Türkei vor. Spiegel Online, 29. März 2010, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref>
Erdoğan versucht außerdem, Beziehungen zu türkischstämmigen Politikern in europäischen Ländern aufzubauen. Im Februar 2010 lud er türkischstämmige Politiker aus mehreren europäischen Ländern nach Istanbul ein. Zahlreiche Parlamentarier folgten seiner Einladung. Einige deutsche Abgeordnete schlugen die Einladung aus (so z. B. die Parlamentarier Sevim Dağdelen, Memet Kılıç und Özcan Mutlu). Während der Veranstaltung forderte Erdoğan die Politiker Medienberichten zufolge eindringlich dazu auf, die politischen Interessen der Türkei in den verschiedenen europäischen Ländern aktiv zu vertreten. Politische Einflussnahme im Sinne der Türkei sei durch den Erwerb der Staatsbürgerschaft des Gastlandes zu erreichen.<ref>Anna Reimann, Katrin Elger: Erdogan umgarnt deutsch-türkische Politiker. In: Spiegel Online, 17. März 2010.</ref> Laut Recherchen der Zeitung Welt Online war die Veranstaltung entgegen Erdoğans üblichen Auftritten vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden.<ref>Boris Kálnoky: Erdogans mysteriöse „Euro-Türken-Konferenz“. In: Die Welt, 25. März 2010.</ref>
Im Februar 2011 forderte Erdoğan Türken in Deutschland in einer Rede in Düsseldorf dazu auf, ihre Kinder zunächst die türkische und erst danach die deutsche Sprache erlernen zu lassen. Diese Forderung stieß bei deutschen Politikern auf Ablehnung, da das frühe Erlernen der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration sei.<ref>Umstrittene Rede: Erdogan legt nach – deutsche Politiker erzürnt. In: Berliner Morgenpost, 28. Februar 2011, abgerufen am 25. Juni 2016.</ref>
Nach der Armenien-Resolution des deutschen Bundestages griff Erdoğan im Frühjahr 2016 elf türkischstämmige Bundestagsabgeordnete persönlich an: Er beschuldigte sie der Nähe zur PKK und zog ihre türkische Abstammung in Zweifel.<ref>Recep Tayyip Erdogan wütet nach Armenienresolution gegen Deutschland. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 6. Juni 2016, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref><ref name="tagesspiegel-13709846">Streit um Armenien-Resolution: Schulz und Lammert weisen Erdogan scharf zurecht. In: Der Tagesspiegel. 9. Juni 2016, abgerufen am 2. September 2017.</ref>
Bezugnahme auf das Osmanische Reich
Aktuell bezieht sich Erdoğan in seinen Reden häufiger auf die osmanische Vergangenheit seines Landes.<ref>Berthold Seewald: Dieses Imperium ist Erdogans großes Vorbild. Welt.de, 7. November 2016, abgerufen am 7. März 2017.</ref> Am 10. November 2016 sagte er in einer Rede zum 78. Todestag Kemal Atatürks:<ref>katehon.com</ref>
„Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein. […] Unsere Brüder auf der Krim, im Kaukasus, in Aleppo und Mossul mögen jenseits der physischen Grenzen sein, aber sie sind innerhalb der Grenzen unserer Herzen.“<ref>Istanbul – Erdogan will an Größe des Osmanischen Reiches anknüpfen. Welt.de, 11. November 2016, abgerufen am 12. November 2016.</ref>
Auch in anderen Reden stellte Erdoğan die heutigen Grenzen indirekt immer wieder in Frage. So spielte er auf den Widerstand gegen den Vertrag von Lausanne von 1923 an, bei dem die Türkei die derzeitigen Grenzen „nicht freiwillig akzeptiert habe“.<ref name="kazim" />
„Im Vertrag von Lausanne haben wir Inseln weggegeben. So nah, dass wir eure Stimmen hören können, wenn ihr hinüberruft. Das waren unsere Inseln. Dort sind unsere Moscheen.“<ref name="kazim">Hasnain Kazim: Erdogans Traum vom Osmanischen Reich. Spiegel Online, 26. Oktober 2016, abgerufen am 13. März 2017.</ref>
Aktuell werden Erdoğans Bezüge auf die Vergangenheit eher als populistischer Versuch angesehen, den Einfluss auf türkische Minderheiten außerhalb des Staatsgebiets der Republik Türkei zu vergrößern.<ref>Rodothea Seralidou: Historisches Grenzabkommen – Ankara stellt türkisch-griechischen Grenzverlauf infrage. Deutschlandfunk, 7. November 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. November 2016; abgerufen am 2. September 2017.</ref>
Kontroversen
Kontroversen um deutsche Satirebeiträge
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Am 17. März 2016 sendete das NDR-Satiremagazin extra 3 ein Erdoğan-kritisches Lied mit dem Titel Erdowie, Erdowo, Erdogan.<ref name="Erdowie, Erdowo, Erdogan">extra 3: Song: Erdowie, Erdowo, Erdogan | extra 3 | NDR. 17. März 2016, abgerufen am 31. März 2016.</ref> Laut Recherchen des Magazins Der Spiegel wurde daraufhin der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, in das türkische Außenministerium einbestellt.<ref name="SPON-1084367">„extra 3“-Satire: Türkei zitiert deutschen Botschafter ins Außenministerium. In: Spiegel Online. 28. März 2016, abgerufen am 29. März 2016.</ref> Hierbei wurde unter anderem verlangt, die Bundesregierung möge die weitere Verbreitung der Satire unterbinden.<ref>Satire gegen Erdogan: Türkei verlangte offenbar Löschung des „extra 3“-Videos. Spiegel Online, 29. März 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Dieses Vorgehen rief in der deutschen und der europäischen Medienöffentlichkeit breite Kritik hervor.<ref>„Erdoğan hat offenbar die Bodenhaftung verloren“ In: Die Zeit, 29. März 2016.</ref> Das Auswärtige Amt teilte mit, Botschafter Erdmann habe in einem Gespräch mit Unterstaatssekretär Murat Esenli deutlich gemacht, „dass Rechtsstaatlichkeit, die Unabhängigkeit der Justiz und der Schutz grundlegender Freiheiten, einschließlich der Presse- und Meinungsfreiheit, hohe Güter seien, die gemeinsam geschützt werden müssten“. Ferner habe er bereits in der Vorwoche darauf hingewiesen, dass politische Satire in Deutschland von der Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt sei „und es deshalb weder eine Notwendigkeit noch die Möglichkeit für ein Handeln der Bundesregierung gibt“.<ref>Türkei: Deutscher Botschafter verteidigt Erdoğan-Satire. Zeit Online, 29. März 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
In seiner Sendung Neo Magazin Royale am 31. März 2016 verarbeitete Jan Böhmermann die Debatte mit der Präsentation des Gedichts Schmähkritik, die die Grenze zwischen erlaubter Satire und strafbarer Schmähkritik auslotete.<ref name="SPON-1086555">Vanessa Steinmetz: Der Moderator und der Schah-Paragraf. In: Spiegel Online. 11. April 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> Der Text des Gedichtes, der unter anderem von Angela Merkel als „bewusst verletzend“ bezeichnet wurde,<ref name="SPON-1085333">Merkel nennt Böhmermann-Verse „bewusst verletzend“. In: Spiegel Online. 4. April 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> provozierte diplomatische,<ref name="SPON-1086525">Severin Weiland: Türkisches Strafbegehren bringt Merkel in die Bredouille. In: Spiegel Online. 11. April 2016, abgerufen am 11. April 2016.</ref> juristische<ref name="SPON-1086555" /> und politische Debatten.
Äußerungen über „den Westen“
Anlässlich eines Treffens der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Istanbul erhob Erdoğan im November 2014 Vorwürfe gegen den Westen. Dieser habe es nur auf Öl, Gold, Diamanten und die billigen Arbeitskräfte in der islamischen Welt abgesehen: „Sie lieben die Muslime nicht“, sondern nur „Öl, Gold, Diamanten“. „Sie sehen wie Freunde aus, aber sie wollen uns tot sehen, sie mögen es, unsere Kinder sterben zu sehen.“<ref>Interview in: Hürriyet, 28. November 2014.</ref><ref>„Sie wollen uns tot sehen“. In: Spiegel Online, 27. November 2014.</ref> An demselben Tag begann Papst Franziskus einen mehrtägigen Besuch in der Türkei.<ref>Christiane Schlötzer: Brücken bauen in Ankara. In: Süddeutsche Zeitung, 28. November 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
In seiner Rede anlässlich des 562. Jahrestages der Eroberung Konstantinopels am 29. Mai 1453 durch Sultan Mehmed II. sagte Erdoğan vor einer Million Zuhörer 2015:
„Eroberung heißt Mekka. Eroberung heißt Sultan Saladin, heißt, in Jerusalem wieder die Fahne des Islams wehen zu lassen.“
Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das Arbeitgebern das Recht zuspricht, neben politischen auch religiöse Symbole am Arbeitsplatz verbieten zu können, sprach Erdoğan von einem Kreuzzug des EuGH gegen den Halbmond.<ref>Erdogan wirft Europa wegen Kopftuch-Urteil „Kreuzzug“ gegen Islam vor. In: Die Welt. Abgerufen am 17. April 2017.</ref>
Kontroverse um die Entdeckung Amerikas
Am 15. November 2014 wurde Erdoğan mit der Äußerung zitiert, dass Muslime 1178 – mehr als drei Jahrhunderte vor Christoph Kolumbus – Amerika entdeckt hätten. Dies äußerte er auf einer Konferenz von Muslim-Führern aus Lateinamerika in Istanbul. Erdoğan begründete seine Behauptung mit einem metaphorischen Tagebucheintrag von Kolumbus, in dem dieser eine Moschee auf einem kubanischen Hügel erwähnt. Erdoğan sagte weiter, er sei willens, eine Moschee an dem von Kolumbus bezeichneten Ort auf Kuba zu errichten.<ref>Muslims found Americas before Columbus says Turkey’s Erdogan. In: BBC News. 26. Juni 2016, abgerufen am 15. November 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Äußerungen zum Grubenunglück in Soma
Beim Grubenunglück von Soma im Mai 2014 reiste Ministerpräsident Erdoğan an den Unglücksort, erzürnte aber mit seiner dortigen Ansprache viele der Anwesenden, weil er u. a. erklärte, dass derlei Arbeitsunfälle „überall auf der Welt“ passierten,<ref>Proteste nach Minenunglück in der Türkei. Deutsche Welle, 14. Mai 2014, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> und dazu auch auf Bergwerksunglücke in England aus dem 19. Jahrhundert (1862, 1866 und 1894) mit ähnlichen Opferzahlen verwies.<ref>Erdoğan relativiert Grubenunglück in Soma. In: Die Zeit, 14. Mai 2014.</ref>
Gescheiterte Verleihung des Steiger Awards
Am 17. März 2012 sollte Erdoğan in Bochum mit dem Steiger Award „für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft stellvertretend für das türkische Volk“ in der Kategorie Europa geehrt werden, sagte die Reise nach Deutschland jedoch am selben Tag ab, weil beim Absturz eines Militärhubschraubers in Afghanistan zwölf türkische Soldaten ums Leben gekommen waren.<ref>Friederike Freiburg: Umstrittene Preisverleihung: Erdogan sagt Deutschlandbesuch überraschend ab. Spiegel Online, 17. März 2012, abgerufen am 17. März 2012: „Die umstrittene Vergabe eines Toleranzpreises an den türkischen Premier in Bochum ist geplatzt: Erdoğan sagte seine Reise nach Deutschland ab, als Begründung gab sein Büro den Absturz eines türkischen Hubschraubers in Afghanistan an. Gegen die Verleihung waren Massenproteste geplant.“</ref> Trotz Erdoğans Absage protestierten in Bochum mehr als 22.000 Menschen, darunter Aleviten, Kurden und Armenier, gegen den türkischen Ministerpräsidenten. In Deutschland lebende Aleviten warfen Erdoğan die Unterdrückung ihres Glaubens vor. Die Preisverleihung sei ein „Schlag ins Gesicht aller Minderheiten in der Türkei“.<ref>Trotz Erdogans Absage: Tausende protestieren für Menschenrechte. dpa-Meldung auf handelsblatt.de, 17. März 2012, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Im Vorfeld hatten auch der Deutsche Journalisten-Verband,<ref>Türkischer Premier sagt Deutschland-Besuch ab, Erdogan kommt nicht zur Preisverleihung. Tagesschau.de, 17. März 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. März 2012; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände,<ref>Immigrantenverbände fordern Aberkennung des Steiger-Awards für Erdogan. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 16. März 2012, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> die Organisation Reporter ohne Grenzen sowie Politiker der CSU und der Grünen<ref>Erdogan sagt Deutschland-Besuch überraschend ab. Welt Online, 16. März 2012, abgerufen am 26. Juni 2016.
Anna Reimann, Oliver Trenkamp: Bochum: Empörung über Toleranz-Preis für Erdogan. Spiegel Online, 15. März 2012, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> die Verleihung wegen Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit unter der Präsidentschaft Erdoğans in der Türkei kritisiert.
Eklat beim Weltwirtschaftsforum in Davos
Beim Weltwirtschaftsforum 2009 in Davos (Schweiz) kam es während einer Podiumsdiskussion zu einem Eklat. Israels Präsident Schimon Peres verteidigte das Vorgehen seines Staates im Gazastreifen und fragte Erdoğan, wie er auf einen fortlaufenden Raketenbeschuss Istanbuls reagiert hätte. Als der Moderator mit Hinweis auf die abgelaufene Zeit der Diskussionsrunde Erdoğan erst nicht mehr weiter zu Wort kommen ließ, reagierte dieser verärgert und rief: „One Minute(s)! One Minute(s)!“ Daraufhin gab ihm der Moderator wieder das Wort. Erdoğan kritisierte Israels Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung und warf der israelischen Regierung vor, bewusst unschuldige Zivilisten und Kinder getötet zu haben. Währenddessen versuchte der Moderator immer wieder, Erdoğans Rede zu beenden. Erdoğan erklärte, dass die Verteilung der Redezeiten ungerecht gewesen sei, und verließ das Rednerpodium, auf dem sich neben Schimon Peres auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon und der Generalsekretär der Arabischen Liga Amr Mussa befanden.<ref>Eklat beim Weltwirtschaftsforum: Erdogan geht nach Streit um Peres-Äußerung. T-Online.de, 30. Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. März 2010; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref><ref>Debatte mit Peres: Gaza-Eklat in Davos – Erdogan stürmt vom Podium. Spiegel Online, 29. Dezember 2010, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Zweifel am akademischen Grad
Nach seiner offiziellen Biographie und vorgelegtem Dokument besitzt Erdoğan einen Abschluss in Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften von der Marmara-Universität aus dem Jahr 1981. Verschiedene Fakten wurden gegen dessen Authentizität angeführt:
- Das Institut für Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften wurde unter diesem Namen erst 1982 gegründet.
- Der Dekan und der Rektor, die vorgeblich das Diplom unterschrieben haben, waren erst ab 1982 im Amt.<ref name="spiegel-diplomfälschung" />
- Die auf der Urkunde verwendete Schriftart soll 1981 noch nicht auf dem Markt gewesen sein.<ref name="spiegel-diplomfälschung" />
- Die Nahverkehrsgesellschaft der Stadt Istanbul gibt auf ihrer Internetseite an, dass Erdoğan bis 1981 als Vollzeitbeschäftigter bei ihr angestellt war.<ref name="spiegel-diplomfälschung" />
Im Hintergrund dieser Vorwürfe steht der Umstand, dass bei der Gründung der Marmara-Universität 1982 die İstanbul İktisadi ve Ticari İlimler Akademisi, 1883 als Hamidiye Ticaret Mekteb-i Âlisi gegründet, an der Erdoğan studiert hatte, Kern dieser neuen Universität wurde und als Fakultät in diese eingegliedert wurde.<ref>https://web.archive.org/web/20200228193647/https://www.marmara.edu.tr/universite/genel/tarihce</ref>
Die mangelnde Authentizität des Hochschulabschlusses ist ein Problem, weil Erdoğan laut Verfassung sein Diplom vor der Wahl zum Staatspräsidenten zur Prüfung hätte vorlegen müssen. Der Verband der türkischen Hochschulprofessoren bezweifelte, dass Erdoğans Zeugnis diesem Anspruch genügt.<ref>Thomas Thiel: Klage gegen Erdogan: Fehlt dem Präsidenten das Diplom? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Der Vorwurf der Urkundenfälschung wurde von den Oppositionsparteien Milliyetçi Hareket Partisi (MHP) und Halkların Demokratik Partisi (HDP) schon zu Beginn der Präsidentschaft erhoben.<ref name="spiegel-diplomfälschung">Ömer Erzeren: Türkei: Hat Erdogan sein Diplom gefälscht? Spiegel Online, 17. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.
YSK Erdoğan’ın noter onaylı diploma örneğini paylaştı. T24, 10. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016 (türkisch).
Marmara Üniversitesi’nden, Erdoğan’ın diploması açıklaması. Objektif Haber Gazetesi, abgerufen am 26. Juni 2016 (türkisch).</ref>
Diplomatisches Auftreten im Zuge des Wahlkampfes im Jahr 2017
Im März 2017 kam es wegen des Wahlkampfs um das Referendum zur Einführung des Präsidialsystems in der Türkei zu einem heftigen öffentlichen Streit über die Auftritte (bzw. deren Auftrittsverbote) von türkischen Ministern in verschiedenen Ländern Europas und führte insbesondere in den Niederländisch-türkischen Beziehungen wie auch in den deutsch-türkischen Beziehungen zu einem diplomatischen Zwischenfall.<ref>Der Spiegel: Türkei-Streit: Merkel sichert Niederlanden Unterstützung zu – Der Spiegel – Politik. Abgerufen am 27. Oktober 2020.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stoltenberg drängt Österreich und Türkei Streit zu lösen ( vom 17. März 2017 im Internet Archive)</ref>
Anlässlich des Verfassungsreferendums am 16. April 2017 besuchten mehrere türkische Politiker vor ihren Wahlkampfauftritten verschiedene Orte in Deutschland, da als türkische Diaspora 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken in Deutschland leben und Auftritte türkischer Spitzenpolitiker in den vorherigen Jahren vor Türkeistämmigen in Deutschland stattgefunden hatten.<ref name=":0">Ferdinand Knauß: Türkische Beleidigungen: Deutsche Feigheit ermöglicht Erdoğans Frechheit. Abgerufen am 10. Dezember 2019.</ref> Nachdem aber ab März 2017 mehrere Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsvertreter in Deutschland von Seiten der deutschen Behörden offiziell aus Sicherheits- und Organisationsproblemen abgesagt wurden,<ref>Baden-Württemberg: Gaggenau untersagt Auftritt des türkischen Justizministers. In: Spiegel Online. 2. März 2017 (spiegel.de [abgerufen am 10. Dezember 2019]).</ref><ref>WELT: Nihat Zeybekci: Türkischer Wirtschaftsminister findet Saal in Köln. 4. März 2017 (welt.de [abgerufen am 10. Dezember 2019]).</ref><ref>Auftritt des türkischen Außenministers in Hamburg abgesagt. 6. März 2017, abgerufen am 10. Dezember 2019.</ref><ref>Auftritt in Hamburg: Türkischer Außenminister wirft Deutschland „systematische Propaganda“ vor. In: Spiegel Online. 7. März 2017 (spiegel.de [abgerufen am 10. Dezember 2019]).</ref> wandte sich Erdoğan daraufhin in einer Wahlkampfrede in der Türkei an Deutschland: „Eure Praktiken unterscheiden sich nicht von den früheren Nazi-Praktiken“.<ref>Absage von Auftritten türkischer Minister: Erdogan wirft Deutschland „Nazi-Praktiken“ vor. In: Spiegel Online. 5. März 2017 (spiegel.de [abgerufen am 10. Dezember 2019]).</ref>
Nachdem im März 2017 ein ursprünglich geplanter Wahlkampfauftritt des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu vorerst in den Niederlanden abgesagt worden war, drohte die türkische Regierung öffentlich mit Sanktionen. Dann beschloss der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, Wahlkampfauftritte türkischer Spitzenpolitiker in den Niederlanden vorerst nicht weiter zu erlauben und die türkische Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya, die in den Niederlanden Wahlkampf betrieb, als Persona non grata zu erklären und sie deshalb des Landes zu verweisen.<ref>Polizei stoppt Fahrzeug von türkischer Ministerin. Abgerufen am 12. Dezember 2019.</ref> Daraufhin sprach Erdoğan bei einem Wahlkampfauftritt in der Türkei diesbezüglich von Faschisten und Nazinachkommen in den Niederlanden.<ref>tagesschau.de: Rutte zu Erdogan-Äußerungen: „Verrückt“ und „unangebracht“. Abgerufen am 12. Dezember 2019.</ref> Zu Angela Merkel, die daraufhin Rhetoriken kritisierte, die den Nationalsozialismus verharmlosen und sich deshalb solidarisch mit den Niederlanden erklärte,<ref>Streit mit der Türkei: Merkel verspricht den Niederlanden Unterstützung. In: Spiegel Online. 13. März 2017 (spiegel.de [abgerufen am 12. Dezember 2019]).</ref> sagte er: „Schande über Dich!“ […] „Verehrte Merkel, Du unterstützt Terroristen“.<ref>„Schande über Dich!“: Erdogan greift Merkel persönlich an (Focus Online, abgerufen am 13. April 2017)</ref><ref>„Eine Frechheit“ – Schulz verteidigt Merkel gegen Erdogan (www.Welt.de, 13. März 2017)</ref><ref>Tiroler Tageszeitung Online: „Schande über Dich“: Erdogan nimmt Merkel ins Visier | Tiroler Tageszeitung Online – Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 19. März 2020]).</ref><ref>Türkei: Erdoğan wirft Deutschland „Nazi-Praktiken“ vor. In: Die Zeit. 5. März 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).</ref>
Aufruf zu Boykott französischer Waren und erneute Beleidigung europäischer Staats- und Regierungschefs
Nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron im Oktober 2020 im Zuge eines Mordanschlags in Paris die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen verteidigte, rief Erdoğan zu einem Boykott französischer Waren auf, bezeichnete die europäischen Staats- und Regierungschefs als Faschisten und behauptete, Muslime in Europa seien einer Lynchkampagne ausgesetzt, die mit der Verfolgung der Juden vor dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar sei.<ref>Türkei: Recep Tayyip Erdogan ruft zum Boykott französischer Marken auf. In: Der Spiegel. Abgerufen am 27. Oktober 2020.</ref> Die Provokationen gegen Macron setzte er in den darauf folgenden Monaten fort.<ref>Recep Tayyip Erdoğan pöbelt weiter gegen Emmanuel Macron. In: Der Spiegel. Abgerufen am 6. Dezember 2020.</ref>
Rezitation eines Gedichtes zur Spaltung des Irans
Erdoğan rief nach im Iran verbreiteter Auffassung durch eine Rezitation eines Gedichtes zur Spaltung des Irans auf. Das Gedicht beklagt, wie der Fluss Aras die aserbaidschanisch sprechenden Menschen im Iran von Aserbaidschan getrennt hat. Das Gedicht bediene die pantürkische Doktrin, die die Vereinigung aller Türken anstrebt, einschließlich der im Iran lebenden. „Sie haben den Fluss Aras getrennt und ihn mit Steinen und Stäben gefüllt. Ich will nicht von euch getrennt werden. Sie haben uns gewaltsam getrennt“, heißt es in dem Gedicht. „Erdoğan hat seine Grenzen überschritten und offenbar vergessen, wohin er sich in der Nacht des Putsches 2016 gewandt hatte“, twitterte ein Vertreter von Täbris im Parlament. Im Dezember 2020, unterzeichneten 225 der 290 iranischen Parlamentsabgeordneten eine Erklärung, die während einer im Fernsehen übertragenen Sitzung verlesen wurde und in der die Äußerungen von Erdoğan, die die iranischen Parlamentarier „überraschend und inakzeptabel“ fanden, „scharf verurteilt“ wurden. „Aserbaidschan wird nicht von Ayatollah Khamenei, der Revolution und dem Iran getrennt werden“, erklärten sie in Anspielung auf den iranischen Obersten Führer und riefen zur Einheit aller muslimischer Nationen auf.<ref>Maziar Motamedi: Why did President Erdogan’s poem infuriate Iranians? Abgerufen am 22. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Eigenes Anwesen bei Marmaris
Im Juli 2021 sind Bilder einer nordwestlich von Marmaris liegenden Residenz, eines 300 Zimmer umfassenden Gebäudekomplexes im neo-osmanischen Stil, das übereinstimmenden Berichten zufolge 62 Millionen Euro gekostet hat, an die Öffentlichkeit gelangt (Lage
{{#coordinates:36,9124|28,1687|
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|name=Marmaris Cumhurbaşkanlığı Devlet Konukevi
|region=TR-48
|type=landmark
}}). Die Liegenschaft, für die zehntausende Bäume in einer Bucht gefällt werden mussten, war bereits 2019 erbaut worden und seitdem vor der Öffentlichkeit abgeschirmt worden. Laut Berichten hat Erdoğan dort bereits Gäste empfangen.<ref>Erdogan ließ sich Palast mit 300 Zimmern bauen. Abgerufen am 9. Juli 2021 (Google Earth nach zu urteilen befindet sich der Palast (in Wahrheit eine Liegenschaft mit mehreren Gebäuden) wenige Kilometer südwestlich des Dorfes Karaca, das wiederum nördlich von Marmaris liegt.).</ref>
Angriffe gegen Sezen Aksu
Im Januar 2022 forderte Erdoğan in einer Moschee, Menschen wie der türkischen Popsängerin Sezen Aksu, die ein satirisches Lied über Adam und Eva (im Islam als heilig angesehen) veröffentlicht hatte, die „Zungen herauszureißen“. Außerdem marschierten islamistische Erdoğan-Anhänger zum Protest vor Aksus Haus auf. Die staatliche Rundfunkbehörde RTÜK ordnete an, dass das Lied in türkischen Medien nicht mehr gespielt werden dürfe. Für diese Aggressionen wurde Erdoğan Hassrede vorgeworfen, und zahlreiche türkische Künstler solidarisierten sich mit Aksu.<ref>Der Fall Sezen Aksu: Recep Tayyip Erdogan hat sich verschätzt. In: web.de. 29. Januar 2022, abgerufen am 29. Januar 2022.</ref><ref>Bülent Mumay: Erdoğan will ihr die Zunge herausreißen. In: FAZ. 28. Januar 2022, abgerufen am 29. Januar 2022.</ref>
Verpachtung türkischer Buchten
Im März 2022 setzte unter Erdoğans Präsidentschaft durch eine Verpachtung türkischer Buchten an regierungsnahe Unternehmer eine Privatisierung öffentlicher Räume ein. Bei den ersten vier Buchten lagen zwischen Ausschreibung und Vergabe wenige Tage, was sich Privatinvestoren zunutze machten, um sich die Zuschläge zu sichern. Obwohl in den Buchten viele archäologische Stätten liegen, wurde außerdem keine Machbarkeitsstudie, was die Einrichtung von Mooring-Bojen betrifft, durchgeführt. Dies wurde ebenfalls kritisiert.<ref>Jens Brambusch: Türkei: Wie Recep Tayyip Erdoğan die Riviera an reiche Türken und Araber verscherbelt. In: Der Spiegel. 19. April 2022, abgerufen am 20. April 2022.</ref>
Verbindung zwischen Erdogans Politik und organisierter Kriminalität
Der Journalist Can Dündar berichtet, dass YouTube-Videos des bekannten Mafiabosses Sedat Peker im Sommer 2024 die Machtzentrale der Türkei erschütterten. Peker behauptet, Beweise zu besitzen, dass das Umfeld von Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit der Mafia zusammenarbeitet; die Politik und die organisierte Kriminalität seien eng miteinander verflochten. Seit 2021 veröffentlicht Peker regelmäßig Videos auf Youtube, in denen er seine Anschuldigungen darlegt.<ref>Stella Könemann, Can Dündar: Wie ich ins Fadenkreuz eines Mafiabosses geriet. In: Correctiv. 13. August 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Nach Ansicht der Menschenrechtsanwältin Çalıkuşu setzt das Erdoğan-Regime die Mafia gezielt ein: „Damit erhöhen sie ihre Macht und festigen zugleich ihr autoritäres, repressives Regime auf brutale Weise. Sie verbreiten Angst und Schrecken.“<ref>Stella Könemann, Can Dündar: Wie ich ins Fadenkreuz eines Mafiabosses geriet. In: Correctiv. 13. August 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref> Nach dem neunten Video Pekers, in dem er unverhohlene Drohungen an Präsident Erdoğan richtete, ohne dessen Namen explizit zu nennen, verstummte Peker. Das angekündigte zehnte Video erschien nicht mehr. Beobachter vermuten, dass die diplomatische Annäherung zwischen der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo sich Peker aufhielt, zu seinem Schweigen führte.<ref>Can Dündar, Stella Könemann: Der Mafiaboss, Präsident Erdogan und ich. In: ARD-Mediathek. 13. August 2024, abgerufen am 13. Dezember 2024.</ref>
Auszeichnungen
- 26. Januar 2004: Ehrendoktorwürde der St. John’s University<ref>Steve Vivona: St. John’s Honors Prime Minister of Turkey. St. John’s University, New York, 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Dezember 2005; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
- 29. Januar 2004: „Profile of Courage“, Auszeichnung durch den American Jewish Congress;<ref>Turkish PM to AJCongress: We Will Wipe Terrorism from the Face of the Earth. American Jewish Congress, 27. Januar 2004, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. November 2006; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> wurde wegen Äußerungen zu Israel, zum Zionismus und zum Nahostkonflikt später wieder zurückgefordert
- 10. Juni 2005: „Courage to care“ für das türkische Volk, verliehen von der Anti-Defamation League (ADL)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prime Minister Erdogan Tells ADL That “Anti-Semitism Has No Place in Turkey”. ( vom 10. Juni 2013 im Internet Archive) Anti-Defamation League, 10. Juni 2005, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
- 1. Juni 2006: Russische Staatsmedaille der Republik Tatarstan, überreicht von Sergei Lawrow im Namen Wladimir Putins<ref>Putin’den Tatar madalyası. Hurriyet, 2. Juni 2006, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
- 25. März 2008: Ehrendoktorwürde der Universität Sarajevo<ref>Erdoğan’a fahri doktora unvanı verildi. CNN Türk, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2009; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
- 10. Mai 2009: Avicenna-Preis der Allianz der Zivilisationen, die von Erdoğan und José Luis Rodríguez Zapatero gegründet worden war<ref>Preisträger 2009. Website des Avicenna-Preis-Vereins, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
- 29. Oktober 2009: Auszeichnung mit dem Nishan-e-Pakistan durch den Präsidenten Pakistans Asif Ali Zardari<ref>Turkish PM Erdogan given Nishan-e-Pakistan. In: The Nation. 24. März 2010, abgerufen am 26. Juni 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2010: König-Faisal-Preis
- 2010: Internationaler Gaddafi-Preis für Menschenrechte, überreicht vom libyschen Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi<ref>Benjamin Harvey: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters
archive-todaymuss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. Bloomberg, 29. November 2010, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> - 16. März 2011: Ehrendoktorwürde des Staatlichen Moskauer Instituts für Internationale Beziehungen<ref>Реджеп Эрдоган стал почетным доктором. Website des Staatliches Moskauer Institut für Internationale Beziehungen, 16. März 2011, abgerufen am 26. Juni 2016 (russisch).</ref>
- 11. April 2012: Ehrendoktorwürde der Fremdsprachenuniversität Shanghai<ref>Erdoğan’s visit to China ends with more agreements. Today’s Zaman, 11. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. März 2014; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
- November 2012: Ehrendoktorwürde der durch sein Kabinett 2006 gegründeten Recep Tayyip Erdoğan-Universität<ref>Erdoğan’a, RTEÜ’nün Açılışında Fahri Doktora… olay53.com, 12. November 2012, abgerufen am 26. Juni 2016 (türkisch).</ref>
- 5. Juli 2013: Ehrendoktorwürde der Universität Algier<ref>Turkish PM receives honorary doctorate in Algeria for ‘contributions to humanity’. In: Hürriyet Daily News. 5. Juni 2013, abgerufen am 26. Juni 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Juni 2016: Ehrendoktorwürde der Makerere-Universität in Kampala, Uganda<ref>Zweifel an Uni-Diplom des türkischen Präsidenten. In: Die Welt, 11. Juni 2016.</ref>
Erdoğan ist außerdem Ehrenbürger von Abidjan,<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Turkish Presidency, 26. Februar 2016 (türkçe).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Mamusha,<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Dünya Bülteni, 3. November 2010 (türkçe).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Novi Pazar,<ref>Erdogan to receive honorary citizenship from Novi Pazar. In: Anadolu Ajansı. 20. April 2018, abgerufen am 31. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Teheran,<ref>Michael Thumann: Premier Erdogan: Der zornige Volkstribun. Zeit Online, 13. Februar 2009, abgerufen am 31. Mai 2023.</ref> Seoul<ref>Erdoğan: Bizim çabamız yetmez. Radikal, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. September 2004; abgerufen am 26. Juni 2016.</ref> und Prizren.<ref>Erdogan in Kosovo vows to protect all historical traces. Worldbulletin News, 4. November 2010, abgerufen am 26. Juni 2016.</ref>
Rezeption
Die Rezeption von Erdogans Politik und Wirtschaftsstrategien wird laut Mustafa Akyol vom Cato Institute oftmals kritisiert. Kritiker argumentieren, dass seine Wirtschaftspolitik, die auf niedrigen Zinssätzen basiert, zu einer schwerwiegenden wirtschaftlichen Krise geführt hat. Die rapiden Abwertungen der türkischen Lira sowie eine hohe Inflationsrate werden als direkte Folge seiner Entscheidungen angesehen. Erdogans autoritärer Führungsstil und die Einschränkung der Pressefreiheit haben international Besorgnis ausgelöst. Andere verurteilen auch seine zunehmende Kontrolle über staatliche Institutionen und Medien. Die Opposition wirft ihm zudem vor, Minderheitenrechte zu vernachlässigen und die Demokratie zu untergraben.<ref>Mustafa Akyol: How Erdogan's Pseudoscience is ruining the turkish economy. In: cato.org. Cao Institute, 3. Dezember 2021, abgerufen am 4. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nach Erdoğan benannte Gebäude und Einrichtungen
- Recep Tayyip Erdoğan-Krankenhaus in Mogadishu, Somalia
- Recep Tayyip Erdoğan Stadı (Fußballstadion), Istanbul
- Recep Tayyip Erdoğan-Universität, Rize
- Recep Tayyip Erdoğan-Park in Esenyurt, Istanbul
- Recep Tayyip Erdoğan-Park in Ostim, Ankara
- Recep Tayyip Erdoğan-Krankenhaus in Muzaffargarh, Pakistan
Theaterstück
Im Jahr 1975 verfasste Erdoğan das von Kritikern als antisemitisch bewertete Theaterstück Mas-Kom-Yah. Er wirkte bei Aufführungen als Regisseur und Schauspieler mit.<ref>Personalien: Recep Tayyip Erdogan. In: Der Spiegel. Nr. 19, 2012, S. 152 (online).</ref>
Veröffentlichungen
Bücher
- Küresel barış vizyonu. Medeniyetler İttifakı Enstitüsü, 2012, ISBN 978-605-5952-38-9.
- Daha Adil Bir Dünya Mümkün. Turkuvaz Kitap, Istanbul 2021, ISBN 978-625-7548-08-3.
- A Fairer World is Possible: A Proposed Model for a United Nations Reform. Turkuvaz Kitap, Istanbul 2021, ISBN 978-625-7548-19-9.
Literatur
- Çiğdem Akyol: Generation Erdoğan. Die Türkei – ein zerrissenes Land im 21. Jahrhundert. Kremayr & Scheriau, Wien 2015, ISBN 978-3-218-00969-0.
- Çiğdem Akyol: Erdoğan. Die Biografie. Herder, Freiburg im Breisgau 2016, ISBN 978-3-451-32886-2.
- Soner Çağaptay: The New Sultan: Erdogan and the Crisis of Modern Turkey. I. B. Tauris, London 2017, ISBN 978-1-78453-826-2.
- Ayşe Çavdar: Rivalität unter Gleichgesinnten: Erdoğan vs. Gülen. In: Ilker Ataç, Michael Fanizadeh, Volkan Ağar, Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) (Hrsg.): Nach dem Putsch. 16 Anmerkungen zur »neuen« Türkei. Mandelbaum Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-85476-576-9, S. 40–53.
Film
- Reis, 2017
Weblinks
- Recep Tayyip Erdoğan in der Notable Names Database (englisch)
- Literatur von und über Recep Tayyip Erdoğan im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Recep Tayyip Erdoğan Internationales Biographisches Archiv 48/2011 vom 29. November 2011, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Erdogan, Recep Tayyip, Quelle: Der Fischer Weltalmanach, Frankfurt a. M. 2012.
- Zafer Ertem: Eine Türkei mit doppeltem Boden. Sommer 2006, abgerufen am 25. Mai 2016.
- Biografi.info: biyografi.info (türkisch)
- Michael Thumann: Der „schwarze Türke“. In: Die Zeit, 28. August 2003, abgerufen am 25. Mai 2016.
- Nick Carbone: „Person of the Year 2011“. in: TIME vom 12. Dezember 2011, abgerufen am 25. Mai 2016.
- Michael Martens: Der Realo, FAZ.net vom 19. September 2010, abgerufen am 25. Mai 2016.
- Der Tagesspiegel Artikel-Dossier
Einzelnachweise
<references responsive />
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Mustafa Kemal Atatürk | İsmet İnönü | Celâl Bayar | Cemal Gürsel | Cevdet Sunay | Fahri Korutürk | Kenan Evren | Turgut Özal | Süleyman Demirel | Ahmet Necdet Sezer | Abdullah Gül | Recep Tayyip Erdoğan
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Von 1920 bis 1923: Mustafa Kemal Atatürk | Fevzi Çakmak | Rauf Orbay | Fethi Okyar
Von 1923 bis 2018: İsmet İnönü | Fethi Okyar | Celâl Bayar | Refik Saydam | Ahmet Fikri Tüzer | Şükrü Saracoğlu | Recep Peker | Hasan Saka | Şemsettin Günaltay | Adnan Menderes | Cemal Gürsel | Emin Fahrettin Özdilek | Suat Hayri Ürgüplü | Süleyman Demirel | Nihat Erim | Ferit Melen | Naim Talu | Bülent Ecevit | Sadi Irmak | Bülend Ulusu | Turgut Özal | Ali Hüsrev Bozer | Yıldırım Akbulut | Mesut Yılmaz | Tansu Çiller | Necmettin Erbakan | Abdullah Gül | Recep Tayyip Erdoğan | Ahmet Davutoğlu | Binali Yıldırım
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Ministerpräsident: Recep Tayyip Erdoğan
Stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister: Abdullah Gül
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Staatsminister: Mehmet Aydın · Beşir Atalay · Ali Babacan · Kürşat Tüzmen · Nimet Çubukçu
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(1) Diese Minister waren Übergangsminister.
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Ministerpräsident: Recep Tayyip Erdoğan
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Ministerpräsident: Recep Tayyip Erdoğan
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Erdoğan, Recep Tayyip |
| KURZBESCHREIBUNG | türkischer Politiker, Staatspräsident der Türkei |
| GEBURTSDATUM | 26. Februar 1954 |
| GEBURTSORT | Istanbul |
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