Universitäten in der Ukraine
Die Ukraine verfügt über 314 Hochschuleinrichtungen, darunter 217 staatliche und 97 private Einrichtungen (Stand 2024).<ref>Erasmus+ UA – Recent Developments in Higher Education of Ukraine by 2024 (pdf)</ref> Im Vergleich dazu waren es fünf Jahre zuvor 209 staatliche und 73 private Einrichtungen.<ref name="ehea_pres2019">ehea.info – Higher Education System in Ukraine, 2019 (pdf)</ref>
Alle anerkannten Universitäten unterstehen dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft. Das Studienangebot hat sich seit 1990 stark erweitert. Wichtige Universitätsstädte sind Kiew, Charkiw, Dnipro, Odessa und Lwiw.
Überblick
Viele Bildungseinrichtungen haben erst seit der ukrainischen Unabhängigkeit den Hochschulstatus zuerkannt bekommen und gehörten zu Sowjetzeiten zum post-sekundären Berufsbildungssektor.
Zu den Hochschuleinrichtungen zählen Universitäten, Akademien, Institute und Colleges, mit insgesamt rund 1,4 Millionen eingeschriebenen Studierenden, darunter 75.600 internationale Studierende (Stand 2019).<ref name="ehea_pres2019">ehea.info – Higher Education System in Ukraine, 2019 (pdf)</ref> Im Studienjahr 2004/2005 waren es noch 2.026.700 eingeschriebene Studierende, im Jahr 1995/1996 hingegen nur 922.800. Sowohl die staatlichen als auch die privaten Universitäten finanzieren sich über Studiengebühren; viele Studierende studieren in Fernstudiengängen. Infolge des Ukraine-Krieges haben Fernstudiengänge zudem eine besondere Bedeutung erfahren. Einige Universitäten wurde teilweise erheblich beschädigt.
Seit dem Jahr 2005 ist die Ukraine vollwertiger Bologna-Vertragsstaat.<ref>ehea.info – European Higher Education Area and Bologna Process</ref> Aktuelle Abschlussurkunden sowie das neu hinzugekommene Diploma Supplement sind zweisprachig verfasst (ukrainisch und englisch) und nach europäischem Muster.
Staatliche Universitäten und Hochschulen mit langer Tradition befinden sich in Kiew (1834), Charkiw (1805), Odessa (1865), Kropywnyzkyj (1881), Lwiw (1661), Tscherkassy, Tscherniwzi (1875), Dnipro (1918), Saporischschja (1933), Simferopol (1918) und Donezk (1965).
Studium
Die Ukraine weist einen allgemein hohen Bildungsstand auf. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei nahezu 100 Prozent (Stand 2023). Nach dem Ende der Sowjetunion wurde Ukrainisch Unterrichtssprache. Im Osten der Ukraine war Russisch parallele Unterrichtssprache an den Universitäten. In den angebotenen Fernstudiengängen und Graduiertenprogrammen werden auch vereinzelt Studienprogramme in englischer und deutscher Sprache angeboten. Die Hochschuleinrichtungen haben ungeachtet ihrer Trägerschaft (privat oder staatlich) die gleichen Rechte und Pflichten, Bildungsaktivitäten anzubieten und die Qualität der Bildung sicherzustellen.<ref>ENIC Ukraine – Classification of Educational Institutions</ref>
Die allgemeine Zugangsvoraussetzung für die Hochschule ist der Erwerb der vollständigen sekundären Bildung (Atestat) an einer allgemeinbildenden oder technischen Mittelschule. Dieser erfolgte in der Regel nach elf Schuljahren. Im Zuge der Schulreform von 1998 erfolgt er nach zwölf Jahren. Allerdings können die Hochschulen in Ausnahmefällen auch Personen zum Studium zulassen, welche diese Aufnahmebedingung nicht erfüllen.
Seit Januar 2017 können internationale Bewerberinnen und Bewerber um einen Studienplatz online über das offizielle Ukrainian State Center for International Education<ref>Ukrainian State Center for International Education</ref> (ehemals Ukrainian Admission Center) einen Antrag stellen.
Qualitätssicherung
Um die Hauptforderungen des Bologna-Abkommens zu erfüllen, musste die Ukraine vergleichbare, verständliche, zweistufige und durch Leistungspunkte (ECTS) messbare Abschlüsse nach EU-Standards schaffen. Erste Reformen, wie die ECTS-Einführung, wurden im Juli 2014 im neuen Hochschulgesetz verankert und sind im September 2014 in Kraft getreten.<ref>European Commission – Overview of the Higher Education System, 2017 (pdf)</ref> Weitere Bestimmungen wurden schrittweise im September 2015 und im Januar 2016 wirksam.
In jüngster Vergangenheit wurde neben dem Hochschulsystem auch das System der Akkreditierung reformiert. Die früher erfolgte Klassifikation der Hochschuleinrichtungen in vier Akkreditierungsstufen wurde 2014 abgeschafft. Die Hochschulen selbst werden somit nicht mehr akkreditiert, sondern nur noch deren Studiengänge. Die Akkreditierung der Studiengänge ist obligatorisch.<ref name="ENIC_Accreditation">ENIC Ukraine – Accreditation and Licensing</ref>
Damit eine Hochschule als solche staatlich anerkannt ist, benötigt sie eine Lizenz des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft.
Für eine freiwillige institutionelle Akkreditierung, die den Hochschulen das Recht auf selbstständige Akkreditierung ihrer angebotenen Studiengänge geben soll, ist bereits 2017 im Hochschulbildungsgesetz eine gesetzliche Grundlage geschaffen worden. Eine praktische Anwendung ist allerdings noch nicht möglich, da die zugehörigen Regularien und Ausführungsverordnungen hierzu noch nicht entwickelt worden sind (Stand 2026).<ref name="ENIC_Accreditation">ENIC Ukraine – Accreditation and Licensing</ref><ref>etf.europa.eu – National Qualifications Framework Ukraine, S. 8 (pdf)</ref> Ein Pilotprojekt war für Dezember 2025 vorgesehen.<ref>ENQA – The National Action Plan on Ukrainian external higher education quality assurance for 2024-2026 period (pdf)</ref> Die Einführung der institutionellen Akkreditierung und der entsprechenden Bestimmungen wurden für die Dauer des im Jahre 2022 verhängten Kriegsrechts in der Ukraine und sechs Monate nach dessen Aufhebung verschoben<ref name="ENIC_Accreditation">ENIC Ukraine – Accreditation and Licensing</ref> und so auch im ukrainischen Gesetz festgehalten.<ref>NAQA – Summary Table for external quality assurance actions in higher education in Ukraine for 2022-2023 period (pdf)</ref>
Des Weiteren hat sich die ukrainische Regierung verpflichtet, Programme zur Qualitätssicherung und zur Korruptionsbekämpfung einzuleiten. Dies geschah beispielsweise durch Gründung der National Agency for Quality Assurance in Higher Education (NAQA bzw. NAQAHE), welche seit 2019 für Akkreditierungen zuständig ist.<ref name="KI_Reformen">Erste Reformen in der Ukraine beginnen im Hochschulbereich – Kooperation International</ref>
Studienabschlüsse und akademische Grade
Die Abschlüsse Bakalawr ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) (4–6 Jahre), Spezialist ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) (5 Jahre), Magistr ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) (1–2 Jahre) wurden Anfang der 1990er Jahre, nahezu zeitgleich mit dem Zerfall der Sowjetunion eingeführt. Das ukrainische Studiensystem wird weiter novelliert.
- Erste Stufe: Bakalawr (Bachelor), Spezialist
Erster Studienabschluss ist ein Bakalawr, der nach vier Jahren (in Medizin: fünf Jahre) erreicht werden kann. Das ukrainische Bachelor-Studium (Dyplom Bakalawra / Bachelor Diploma) umfasst ein grundständiges Hochschulstudium und eine fachliche Ausbildung im Studienfach. Je nach Studiengang sind 180 bis 240 ECTS-Punkte erreichbar.<ref name="ENIC_Structure">ENIC Ukraine – Higher Education Structure</ref> Der nicht mehr vergebene Studienabschluss Spezialist (Dyplom Spezialista) konnte nach fünf bis sechs Jahren erreicht werden, abhängig von den jeweiligen Hochschulen, und wurde im Zuge der Reformen vollständig von dem Magister-Abschluss abgelöst.
- Zweite Stufe: Magistr (Master)
Der Magister-Abschluss (Dyplom Magistra / Master Diploma) kann nach einem Abschluss der ersten Stufe erreicht werden und dauert bis zu zwei Jahre. Die Anfertigung und Verteidigung einer Abschlussarbeit ist obligatorisch. Je nach Studiengang sind 60 bis 120 ECTS-Punkte erreichbar.<ref name="ENIC_Structure">ENIC Ukraine – Higher Education Structure</ref>
- Dritte Stufe: Promotionsstufe
- Kandydat nauk ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) – Der Doktorgrad Kandidat der Wissenschaften entspricht einem internationalen Doktorat oder einem Ph.D. Die Dauer des Forschungsdoktorates (Aspiranturstudium) ist angelegt auf drei bis vier Jahre. Obligatorisch ist ein Rigorosum mit Fachprüfungen, die Anfertigung und öffentliche Verteidigung (Disputation) einer wissenschaftlichen Doktorarbeit. Weit verbreitet ist die Promotion als postgraduales Studium. Zugang ist ein hervorragender, zur Promotion berechtigender Hochschulabschluss (Spezialist / Magistr).
- Doktor nauk ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) – Der Doktorgrad Doktor der Wissenschaften ist vergleichbar mit der Habilitation. Ein Aspiranturstudium mit Abschluss „Kandydat nauk“ wird vorausgesetzt, um seine Habilitationsschrift zu verfassen und zu verteidigen.
Der Grad des Kandydat nauk wurde durch Doctor of Philosophy (PhD., nach 3 Jahren) und Doktor nauk durch Doctor of Sciences (Postdoktorand) abgelöst.<ref name="KI_Reformen">Erste Reformen in der Ukraine beginnen im Hochschulbereich – Kooperation International</ref>
Anerkennung in Deutschland
Eine Anerkennung im Sinne einer Bewertung der Hochschulabschlüsse, um diese mit einem deutschen Abschluss zu vergleichen, kann über eine sogenannte Zeugnisbewertung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) erfolgen.<ref>Kultusministerkonferenz: Ukraine – Informationen zur Anerkennung</ref> Ungeachtet der Tatsache, dass es in der Ukraine keine Akkreditierungen der Hochschulen mehr gibt (siehe Abschnitt Qualitätssicherung), verlangt die ZAB dennoch für sämtliche Abschlüsse von privaten Universitäten den Nachweis einer institutionellen Akkreditierung, was eine Anerkennung bzw. Zeugnisbewertung für Betroffene faktisch unmöglich macht.
Lediglich bei Personen mit Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz nach § 24 Aufenthaltsgesetz und im Zusammenhang mit einem angestrebten Hochschulzugang mit ukrainischen Bildungsnachweisen wird bei einem Studium an einer privaten ukrainischen Hochschule auf die Nachweise der Akkreditierung verzichtet.<ref>Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 26.02.2026 (pdf)</ref>
Universitäten und Hochschulen
Die Universitäten der Ukraine sind sehr interessiert an internationalen Kontakten und Hochschulkooperationen. Die Angebote der Europäischen Union, beispielsweise Erasmus+ (ehemals Sokrates), ein Aktionsprogramm für eine transnationale Zusammenarbeit im Bereich Bildung, werden zunehmend von den Universitäten genutzt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat in Kiew an der Nationalen Technischen Universität „KPI“ eine Außenstelle eingerichtet.
Zu den größeren und renommierten Universitäten und Hochschulen in der Ukraine zählen:
Medizinische Universitäten
- Staatliche Medizinische Universität der Bukowina Czernowitz
- Staatliche Medizinische Universität Charkiw
- Staatliche Medizinische Akademie Dnipropetrowsk
- Staatliche Medizinische Universität Donezk
- Staatliche Medizinische Akademie Iwano-Frankiwsk
- Nationale Medizinische Universität Kiew „O. O. Bogomolez“
- Staatliche Medizinische Universität der Krim, Simferopol (CSMU)
- Staatliche Medizinische Universität Lwiw „Danylo Halytsky“
- Staatliche Medizinische Universität Luhansk
- Staatliche Medizinische Universität Odessa
- Staatliche Medizinische Universität Saporischja
- Staatliche Medizinische Universität Sumy
- Staatliche Medizinische Akademie Ternopil „I. Y. Gorbatschewsky“
- Staatliche Medizinische Universität Winnyzja „M. I. Pirogow“
Pädagogische Universitäten
- Staatliches Pädagogisches Institut Berdjansk „P. D. Ossypenko“ (www.bdpu.org)
- Staatliche Höhere Ausbildung Institution „Perejaslaw-Chmelnytzkyi staatliche pädagogische Hryhorij Skoworoda Universität“ (phdpu.edu.ua)
- Staatliche Pädagogische Universität Charkiw „H. S. Skoworoda“
- Staatliches Pädagogisches Institut Czernowitz „T. H. Schewtschenko“
- Staatliches Pädagogisches Institut Poltawa „W. G. Korolenko“
- Staatliches Pädagogisches Institut Drohobytsch „Iwan Franko“
- Staatliche Pädagogische Universität Kiew „M. P. Dragomanow“
- Staatliche Pädagogische Universität Krywyj Rih
- Staatliche Pädagogische Universität Luhansk „T. H. Schewtschenko“
- Staatliches Pädagogisches Institut Melitopol
- Staatliche Pädagogische Universität Nischyn „N. W. Gogol“
- Staatliche Pädagogische Universität Odessa „K. D. Uschynsky“
- Staatliches Pädagogisches Institut Slowjansk
- Staatliches Pädagogisches Institut Schytomyr „I. Franko“
- Staatliche Pädagogische Universität Sumy „A. S. Makarenko“
- Staatliche Pädagogische Universität Ternopil
- Staatliche Pädagogische Universität „Uman P. G. Tychyna“
- Staatliches Pädagogisches Institut Winnyzja
- Staatliche Pädagogische Hochschule für Fremdsprachen in Gorlowka
- Staatliche Pädagogische Universität Chernigiw „T. G. Schewtschenko“
Weblinks
- Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine
- Datenbank mit anerkannten Hochschuleinrichtungen (ukrainisch)
- Ukrainian State Center for International Education
- ENIC Ukraine – Anerkennung von Hochschulabschlüssen
- „Studieren und Forschen in der Ukraine“ (DAAD)
- Erasmus+ National Office
Einzelnachweise
<references />
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