Wyna
Die Wyna ist ein 32 Kilometer langer Fluss in den Schweizer Kantonen Luzern und Aargau. Das von ihr entwässerte Einzugsgebiet liegt zwischen Bergen des Schweizer Mittellands und wird im oberen Abschnitt Michelsamt und im Aargau Wynental genannt. Der Fluss durchquert eine intensiv genutzte Siedlungs- und Agrarlandschaft und ist demzufolge in seinem ökologischen Zustand stark bedroht.
Name
Der Fluss wird in einem historischen Dokument von 1420 mit der Ortsbezeichnung «in der Winnen» erwähnt.<ref>Quellenhinweis: .....</ref> Möglicherweise leitet sich der Name vom erschlossenen keltischen Wort *u̯ina- «binden, einschliessen» ab.<ref>Vorlage:Greule-DGNB</ref> Das «y» bei Wyna wird, wie im Schweizerdeutschen üblich, als langes «i» ausgesprochen.
Geographie
Quellgebiet
Die Wyna entsteht aus mehreren Quellbächen im Hügelgebiet beim Weiler Gormund südlich von Neudorf, das seit 2013 zur Gemeinde Beromünster gehört. Als Hauptstrang des Gewässers kann der Bach im obersten Abschnitt der Talmulde von Neudorf, zwischen dem Hügel von Gormund und dem Gormunderwald, gelten. An dieser Stelle liegt die südliche Scharte (Vorlage:Höhe) in der Wasserscheide rund um das Quellgebiet der Wyna. Vom Bergsattel aus zieht sich die Begrenzung des Wynagebiets im Westen allmählich ansteigend bis zum Blosenberg hin (auf rund Vorlage:Höhe), wo der Blosenbergturm des Landessenders Beromünster steht. Östlich von Neudorf verläuft die Wasserscheide über den Berg Erlosen (Vorlage:Höhe).
Die sanft gewellte Hügellandschaft von Gormund besteht aus ausgedehnten Schuttablagerungen der letzten Eiszeit.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Von Endmoränen, die der Reussgletscher beim sogenannten «Zürich-Stadium» schuf, stammen die dominierenden Hügel bei Gormund, rund um die Wynaquelle, von denen die Erläuterungen zum Geologischen Atlas der Schweiz sagen: «Diese Wallmoränenlandschaft von Neudorf-Gormund zählt zweifellos zu den interessantesten glazialen Erscheinungen der Zentralschweiz.»<ref>Vorlage:Literatur Seite 11.</ref>
Zwischen den Moränen ist der obere Talabschluss des Wynagebiets nicht markant ausgebildet. Beidseits des Geländesattels nordwestlich von Gormund lagen früher in den Senken Feuchtgebiete, von denen der Flurname Gormundermoos jenseits der Wasserscheide, im Quellgebiet des Rotbachs, noch zeugt. Der ältere Name Turbenmoos erinnert auch noch daran, dass in der feuchten Zone ehemals Torf abgebaut wurde. Die Landschaft ist bei der Anlage des Golfplatzes «Sempach» stark umgeformt worden. In der Senke, wo die Wyna früher aus einem kleinen Moor entstand, wurden künstliche Weiher angelegt. Der grösste davon mit der Wasseroberfläche auf Vorlage:Höhe kann als neuer Ursprung der Wyna angenommen werden. Aus den nahen Moränenhügeln im Gormunderwald und dem Kaplaneiwald (auf der neueren Landeskarte Kaplonewald) fliessen kleine namenlose Nebenbäche in den Quellbach der Wyna, der neben der «Luzernerstrasse» (Hauptstrasse 363.1) gegen Norden fliesst und nach nur rund 600 Metern am Waldrand in eine Dole eintritt, in der er das Kulturland beim Weiler Weierhus unterirdisch passiert.
Verlauf im Kanton Luzern
Die Wyna liegt im Kulturland südlich von Neudorf mehrheitlich in einem unterirdischen Kanal, der nur im Bereich der Chilchmatt durch eine kurze offene Strecke unterbrochen ist. In diesem Abschnitt mündet von rechts der Bromenbach in die Wyna, die danach die Ortschaft Neudorf in einer Dole unter der Hauptstrasse durchquert. In der Ebene, die sich drei Kilometer weit von Neudorf bis zu einer weiteren Gletschermoräne bei Beromünster erstreckt, nimmt die Wyna im Kulturland von beiden Seiten zahlreiche Nebenbäche und Drainagekanäle auf. Sie durchquert das Gelände des Flugplatzes Luzern-Beromünster zwischen den beiden Graspisten.
Am Anfang des schmalen Tales neben der Moräne von Beromünster baute der Kanton Luzern 2003 zum Schutz vor Überschwemmungen einen Hochwasserschutzdamm.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Der gemauerte Wynakanal neben dem Ortszentrum Flecken wurde 2025 saniert.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Der Fluss überwindet im Tal bei Beromünster eine Höhe von gut 50 Metern. Die Wasserkraft wurde an diesem Abschnitt früher von drei Mühlen und weiteren gewerblichen Anlagen ausgenützt. Zwei Mühlen gehörten seit dem Mittelalter dem Chorherrenstift St. Michael Beromünster.<ref>Vorlage:HLS</ref> Die seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesene Winonmühle nördlich von Beromünster liegt im Gebiet von Gunzwil, das seit 2009 Teil der Gemeinde Beromünster ist.<ref>Vorlage:HLS</ref>
Verlauf im Kanton Aargau
Nach rund sechs Kilometern überschreitet die Wyna zwischen Beromünster und Menziken die Kantonsgrenze.
Beim Schwimmbad in Suhr mündet die Wyna von rechts auf einer Höhe von Vorlage:Höhe in die Suhre; diese wiederum mündet drei Kilometer weiter nördlich in die Aare.
Der etwa 32 km lange Lauf der Wyna endet ungefähr 333 Höhenmeter unterhalb der Quelle, sie hat somit ein mittleres Sohlgefälle von etwa 10 ‰.
- Die Wyna vom Ursprung zur Mündung
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Ursprung der Wyna bei Neudorf
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Die Wyna bei Winon in Beromünster
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Die Wyna bei Unterkulm und Teufenthal
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Flussmündung der Wyna in die Suhre bei Suhr
Einzugsgebiet
Das 120,95 km² grosse Einzugsgebiet der Wyna liegt im Schweizer Mittelland und wird durch sie über die Suhre, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Es grenzt
- im Osten und Südosten an das des Aabachs, der in die Aare mündet und
- im Südwesten und Westen an das der Suhre.
Das Einzugsgebiet besteht zu 32,4 % aus bestockter Fläche, zu 52,9 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 14,3 % aus Siedlungsfläche und zu 0,4 % aus unproduktiven Flächen.
Die Flächenverteilung <timeline> ImageSize = width:500 height:110 PlotArea = width:90% height:66% bottom:20% left:5% DateFormat = x.y Period = from:0 till:100 Legend = columns:2 columnwidth:205 left:30 top:95% TimeAxis = orientation:horizontal ScaleMajor = unit:year increment:10 start:0 ScaleMinor = unit:year increment:5 start:0
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Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt Vorlage:Höhe, die minimale Höhe liegt bei Vorlage:Höhe und die maximale Höhe bei Vorlage:Höhe<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Zuflüsse
Vorlage:Hauptartikel Der grösste Zufluss der Wyna ist der Dorfbach Gontenschwil mit einer Länge von 8,9 km, einem Einzugsgebiet von 17,65 km² und einem mittleren Abfluss (MQ) von 0,33 m³/s. Liste der Nebenflüsse der Wyna
Naturlandschaft
Die Wyna fliesst fast auf ihrem ganzen Lauf durch eine Kulturlandschaft mit grossen Siedlungen, intensiven landwirtschaftlichen Kulturen und vielen Sportarealen direkt am Bachlauf. Nur ganz wenige Abschnitte des Flusslaufs liegen noch in einer naturnahen Umgebung.
Fast nur bei Gormund, im Tal bei der Mülimatt nördlich von Beromünster und bei Maihusen durchquert der Fluss kleine Waldstücke. Bei Zetzwil und Gontenschwil durchquert er eine gut ausgeprägte alte Endmoräne des Reussgletschers, deren Südhang beidseits der Wyna eine geschützte Trockenwiese von nationaler Bedeutung ist.<ref>Objektblatt «Zetzwil» im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung.</ref>
Eine Zone bei der Mündung des Gontenschwiler Dorfbachs in die Wyna ist als Amphibienschutzgebiet von nationaler Bedeutung ausgewiesen.<ref>Objektblatt «Mättenfeld» im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung.</ref>
Am Flussraum zwischen Teufenthal und Gränichen bildet der kurze Abschnitt in der Bleienau ein Element des dezentralen Auenschutzparks Aargau.<ref>Website des Auenschutzparks Aargau.</ref>
Hydrologie
Abflussdaten
Bei der Mündung der Wyna in die Suhre beträgt ihre modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 2,15 m³/s. Ihr Abflussregimetyp ist pluvial inférieur,<ref>Vorlage:Literatur Abrufbar unter Vorlage:Internetquelle</ref> und ihre Abflussvariabilität<ref>Die Abflussvariabilität beschreibt das Ausmass der Schwankungen des mittleren Abflusses einzelner Jahre um den langjährigen mittleren Abflusswert.</ref> beträgt 25.<ref name="bafu2">Vorlage:Internetquelle</ref>
Hochwasser
Der Fluss fliesst meistens frei und weist stellenweise einen kurvenreichen Verlauf auf. Einige bedeutende Abschnitte wurden begradigt, um Überschwemmungen zu verhindern. Es handelt sich dabei um den Oberlauf bei Neudorf (3 km), die Passage durch die Dörfer Menziken und Reinach (2,5 km), das Gontenschwiler Moos (ein ehemaliges Sumpfgebiet, 3 km) sowie den Abschnitt zwischen Unterkulm und Teufenthal (2 km). Am 10. Juni 1996 wüteten Sommergewitter im Raume Beromünster und im Ryn in Beromünster stand das Wasser teilweise fast zwei Meter hoch. Es wurden in der Region Beromünster und im Oberen Wynental Schäden von gegen 9 Millionen Franken angerichtet. Bei Beromünster wurde daher eine Rückhalteanlage gebaut. Ab 2024 wurden zudem von der Brücke Fläcke/Luzernerstrasse bis Ryn/Hindermüli Hochwasserschutzmassnahmen an der Wyna vorgenommen, die bestehende Gerinnemauer entfernt und durch eine neue Betonmauer ersetzt. Zusätzlich wurde die Bachsohle teilweise um rund einen Meter abgesenkt.
Ökologie
2025 stellte der Kanton Luzern eine sehr starke Verunreinigung des Wassers in der Wyna durch das Pflanzenschutzmittel Deltamethrin fest, das offensichtlich zur Insektenbekämpfung in den landwirtschaftlichen Kulturen am Oberlauf des Baches eingesetzt worden war. Die Konzentration des Schadstoffes überschritt bei gewissen Messungen den Grenzwert um das 4200-fache.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Den für Fische und Insekten hochgiftigen Wirkstoff gab das Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation für den Einsatz in der Landwirtschaft frei. In der Wyna wurde 2025 ein Wert von 7,3 Nanogramm pro Liter gemessen, während der vorgeschriebene ökotoxikologische Schwellenwert bei 0,0017 Nanogramm liegt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Im Kanton Aargau fanden laut der Aargauer Zeitung in der gleichen Periode keine Gewässerkontrollen an der Wyna statt,<ref>Jörn Kerckhoff: Bislang kein Artensterben bemerkt. In: Aargauer Zeitung, 13. Januar 2026.</ref> laut dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hingegen schon, wobei der Messwert zehnmal geringer ausfiel als im Kanton Luzern.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Der Fischbestand in der Wyna ist neuerdings durch eine tödliche Krankheit, die durch Parasiten übertragen wird, bedroht.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Weil um 2025 in der Wyna wegen der Ausbreitung invasiver Krebsarten wie den Signalkrebs die für einheimische Krebsarten tödliche Krebspest (Erreger: Aphanomyces astaci) nachgewiesen wurde, verhängte der Kanton Aargau auf einem Flussabschnitt ein Sperrgebiet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Brücken
Auf ihrem Weg wird die Wyna von rund 140 Übergängen überspannt. Der Fluss wird von der Hauptstrasse 23 sechsmal überquert.
Weblinks
- Wyna, auf schweizerfluss.ch
- Verlauf der Wina auf dem Gewässernetz des Kantons Luzern
- Verlauf der Wyna auf dem Portal des Kantons Aargau
Einzelnachweise
<references />