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Wolfgang Amadeus Mozart

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Mozart)

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W. A. Mozart, Detail aus dem Johann Nepomuk della Croce zugeschriebenen Familienbild (ca. 1781)
Unterschrift von Wolfgang Amadé Mozart
Unterschrift von Wolfgang Amadé Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Jänner 1756 in Salzburg, Erzstift Salzburg;<ref>AES, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch TFBIX/2 1756–1814, S. 3., abgerufen am 20. Mai 2021.</ref> † 5. Dezember 1791 in Wien,<ref>Pfarre St. Stephan, Sterbebuch 03–36, 1789–1796, S. 173., abgerufen am 20. Mai 2021.</ref> Erzherzogtum Österreich), der selbst zumeist den Namen Wolfgang Amadé Mozart führte, war ein Komponist der Wiener Klassik. Er schuf eine Vielzahl von Meisterwerken in so gut wie allen musikalischen Gattungen seiner Zeit und gilt als einer der berühmtesten Komponisten der Musikgeschichte.

Mozart erhielt schon als Kind zusammen mit seiner Schwester Maria Anna Musikunterricht von seinem Vater Leopold Mozart. Ab 1762 unternahm der Vater mit seiner Familie ausgedehnte Reisen durch Westeuropa und Italien, um die „Wunderkinder“ an Höfen von Regenten und in Adelshäusern bekannt zu machen und ihre Karriere zu befördern. Drei Reisen Mozarts mit seinem Vater auf der Suche nach einer einträglichen Stellung in Italien von 1772 bis 1777 blieben ohne Erfolg. Eine Reise, zu der Mozart mit seiner Mutter Anna Maria Mozart im Herbst 1777 aufbrach, führte von München über Augsburg nach Mannheim, wo er die Mannheimer Schule und deren Vertreter kennenlernte, und anschließend nach Paris. Dort starb Mozarts Mutter im Sommer 1778. Ohne berufliche Aussichten musste Mozart zu seinem Vater in das ungeliebte Salzburg zurückkehren, wo er von 1779 bis zum Sommer 1781 am Hof des Erzbischofs Hieronymus von Colloredo das Amt eines Hoforganisten bekleidete. Im Jänner 1781 hatte er in München mit der Premiere seiner Oper Idomeneo einen ersten großen Erfolg.

Im Sommer 1781 kam es während eines Aufenthalts in Wien zum Bruch mit dem Erzbischof. Mozart lebte fortan als freischaffender Musiker und Komponist in Wien. Er war überaus erfolgreich, auch finanziell, hatte jedoch bis zu einer Anstellung als k. k. Hof-Musik-Compositeur im Dezember 1787 keinerlei materielle Absicherung. Nachdem er bis zum Frühjahr 1786 besonders mit der Aufführung eigener Klavierkonzerte Triumphe gefeiert hatte, wandte er sich anschließend verstärkt der Komposition von Opern zu. Der Bruch mit Colloredo beeinträchtigte auch die Beziehung zwischen Mozart und seinem Vater. Gegen dessen Willen heiratete Mozart im August 1782 Constanze Weber, mit der ihn bis zu seinem Tod eine innige Beziehung verband. Sie bekamen sechs Kinder, von denen nur die Söhne Carl Thomas und Franz Xaver Wolfgang überlebten. 1788 geriet Mozart in eine finanzielle Krise. Um seinen Lebensstandard und den seiner Familie aufrechtzuerhalten, verschuldete er sich unter anderem bei seinem Freund und Logenbruder Johann Michael Puchberg. 1791 verbesserte sich seine Situation infolge gewachsener Popularität wieder. Mozart starb am 5. Dezember 1791 im Alter von 35 Jahren. Sein letztes Werk, das Requiem, konnte er nicht mehr vollenden.

Mozart schuf Werke in allen gängigen Gattungen seiner Zeit und verarbeitete in seiner Musik diverse Anregungen, wobei er Gegensätzliches wie Theater- und Instrumentalmusik oder das aktuelle motivische und das barocke kontrapunktische Vorgehen zur Synthese führte, was als „Universalität“ bezeichnet wurde. Trotz der Integration des „gelehrten“ Stils wirkt das Resultat mühelos. Seinen Werken wird eine vollendete Gestaltung auf allen Ebenen zugesprochen. Hervorgehoben wurde eine sprechende Qualität und Dramatik der Formprozesse auch in der Instrumentalmusik. Im Orchester wertete er die Rolle der Bläser auf und erreichte eine für seine Zeit ungewöhnliche klangliche Vielfalt. Besondere Bedeutung hat Mozart für die Entwicklung des Klavierkonzerts und der Oper, wo das Orchester eine größere Rolle spielt als zu seiner Zeit üblich, die Charaktere der Personen musikalisch individualisiert werden, dramatische Ensembleszenen Höhepunkte bilden und die Opera buffa zur anspruchsvollen Gattung wird.

Mit Mozarts Opern begann im 19. Jahrhundert die Etablierung eines Repertoires und Kanons. Die Eigenschaften seiner Musik dienten der Definition einer klassischen Epoche der Musik. Erstmals wurde mit Mozart ein bereits verstorbener Komponist zum meistaufgeführten, allerdings wurde er im Konzertbetrieb bald von Ludwig van Beethoven aus dieser Position verdrängt. Im 20. Jahrhundert spielte die Rückbesinnung auf seine Musik eine große Rolle bei der Abwendung von der inzwischen dominierenden Nachfolge Richard Wagners. Die Bekanntheit Mozarts und das Klischee des heiteren Wunderkindes wurden verschiedentlich kommerziell genutzt, aber auch hinterfragt. Runde Mozart-Jubiläen führen weltweit zu diversen Aktivitäten.

Leben

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Wunderkind (1756–1766)

Mozarts Eltern waren der Komponist Leopold Mozart und seine Ehefrau Anna Maria. Leopold Mozart stammte aus Augsburg. Er war zum Studium<ref>Leopold Mozart inskribierte am 7. Dezember 1737 Logik an der Universität Salzburg. In: Universitätsarchiv Salzburg <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20211229122909

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  }}.</ref> an der Benediktineruniversität<ref>Die Universität wurde von 33 konföderierten süddeutschen Benediktinerklöstern gegründet und betrieben. In: Peter Putzer: Die Alma Mater Benedictina als Barockphänomen. Zur Geschichte der Salzburger Benediktineruniversität. In: Barocker Geist und Raum. Die Salzburger Benediktineruniversität, hrsg. von Christian Rohr, Salzburg 2003, S. 34.</ref> nach Salzburg gezogen und wurde fürstbischöflicher Kammermusikus; ab 1757 war er Hofkomponist und ab 1763 Vizekapellmeister. Die Mutter Anna Maria Mozart geb. Pertl war in St. Gilgen aufgewachsen.

Wolfgang Amadeus Mozart kam am 27. Jänner 1756 um acht Uhr abends in Salzburg in der Getreidegasse 9 in einer Dreizimmerwohnung eines Mehrfamilienhauses (Hagenauerhaus) zur Welt und wurde am nächsten Vormittag um zehn Uhr im Salzburger Dom von Stadtkaplan Leopold Lamprecht auf den Namen Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus getauft und so im Taufbuch eingetragen (sein Vater Leopold verwendete die Namensform Joannes Chrisostomus Wolfgang Gottlieb).<ref name="Vornamen2">Brief Leopold Mozarts vom 9. Februar 1756 an Johann Jakob Lotter, wobei die Namensteile in folgender Weise unterstrichen und durch Kommata getrennt wurden: Joan̄es Chrisostomus, Wolfgang, Gottlieb (Stadtarchiv Augsburg; ein Faksimile davon in Mozarts Geburtshaus).</ref> Er wurde in der Familie Wolfgang, als Kind auch Woferl, Wolfgangl, Wolferl<ref>Vergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an Lorenz Hagenauer, 11./16. Oktober 1762 (Bauer/Deutsch Nr. 34), Zeile 7, 12 und 73.</ref> oder Wolfgangerl<ref>Vergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an Lorenz Hagenauer, 6. November 1762 (Bauer/Deutsch Nr. 40), Zeile 18.</ref> genannt. Wolfgang war das siebte und jüngste Kind seiner Eltern, jedoch waren fünf seiner Geschwister bereits vor Wolfgangs Geburt im Säuglingsalter verstorben. Das Erwachsenenalter erreichten nur Wolfgang und seine Schwester Maria Anna Walburga Ignatia, in der Familie und im Freundeskreis (die) Nannerl genannt<ref>Nach süddeutschem Sprachgebrauch waren bei indirekter Rede Artikel vor den Kosenamen gebräuchlich (vergleiche Universität Salzburg / Liège université: Atlas zur deutschen Alltagssprache. Artikel + Vorname, abgerufen am 12. Oktober 2025), und zwar bei den Mozarts ausnahmslos in der männlichen bzw. weiblichen Form, also der Wolfgangerl (z. B. Leopold Mozart am 22. Dezember 1769, Bauer/Deutsch Nr. 150, Zeile 19) und die Nannerl (so noch in Leopold Mozarts Brief vom 28. Dezember 1778; Bauer/Deutsch Nr. 512, Zeile 108).</ref>.

Datei:Wolfgang-amadeus-mozart 2.jpg
1}} }} }} }} Aus: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991.</ref>

Mozart und seine Schwester haben nie eine öffentliche Schule besucht, einziger Lehrer war ihr sehr gebildeter und pädagogisch ambitionierter Vater.<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 18.</ref> Er vermittelte seinen Kindern eine umfassende Allgemeinbildung und gab ihnen früh Musikunterricht. Bereits im Alter von vier Jahren begann Mozart, angeregt durch den Unterricht seiner Schwester, „Clavier“ (siehe unten: Mozarts Tasteninstrumente) zu spielen. „Als er mit sieben Jahren seine erste Geige (→ Mozarts Kindergeige)<ref>Seine erste Geige wurde von dem Geigenbauer Andreas Ferdinand Mayr geschaffen, der im sogenannten Geigenmacherhaus, Steingasse Nr. 25, seine Werkstätte hatte. Vergleiche: Friedrich Breitinger, Kurt Weinkammer, Gerda Dohle: Handwerker, Brauer, Wirte und Händler. Salzburgs gewerbliche Wirtschaft zur Mozartzeit. Salzburg 2009, S. 242. Es gibt auch eine zweite Geige, die von Mozart gespielt wurde, allerdings erst im Erwachsenenalter, die sogenannte Costa-Geige, die 2013 ebenfalls der Stiftung Mozarteum übergeben wurde, siehe: Musik-Liebhaberin schenkt Mozarteum Mozarts Geige. In: Die Presse. (Wien) 14. November 2013.</ref> geschenkt bekam, konnte er […] beim häuslichen Musizieren sogleich […] mitspielen.“<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 17–18.</ref> Erste, vom Vater begleitete Kompositionsversuche trug dieser in das 1759 für seine Tochter angelegte „Nannerl-Notenbuch“, das bald auch von ihrem Bruder mitbenutzt wurde, ein:<ref>Vergleiche Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 31.</ref> ein Andante in C-Dur (KV 1/1a) und ein Allegro in G-Dur (KV 1/1b) als „Des Wolfgangerl Compositiones in den ersten 3 Monaten nach seinem 5ten Jahre“; es folgten ein Allegro in F-Dur (KV 1/1c) und ein Menuetto in F-Dur (KV 1/1d), datiert auf den 11. bzw. 16. Dezember 1761.<ref>Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. I. dtv, München 2005, S. 48 (Bauer/Deutsch Nr. 31), Zeile 15–17, nebst Kommentar, Bd. V, S. 31.</ref> Das fälschlicherweise immer wieder als früheste Komposition genannte Menuett G-Dur mit einem Trio in C-Dur (KV 1/1e und 1f) entstand vermutlich erst 1764.<ref name="MGG">Vorlage:MGG2</ref>

„Leopold Mozart zog […] im Laufe des Jahres 1761 den Schluß, die Musikalität seiner Kinder, vor allem seines Sohnes, sei ein Ereignis, das der Welt präsentiert werden müsse.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 31.</ref> 1762 begann er, mit seiner Familie auf Reisen zu gehen, um seine „Wunderkinder“<ref>Zur „theologischen“ Kategorie des Wunders siehe Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 33–35.</ref> an europäischen Höfen vorzustellen und ihnen zugleich kulturelle Kenntnisse über die besuchten Länder zu vermitteln.<ref>Vergleiche Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 72.</ref>
Am 12. Jänner 1762 begab er sich mit ihnen auf eine dreiwöchige Reise nach München, „wo sich Nannerl und Wolfgang vor dem bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph produzierten“.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 16. Diese Reise ist nur in den Aufzeichnungen von Mozarts Schwester für Friedrich Schlichtegroll, 1792, dokumentiert. Siehe Mozart. Briefe und Aufzeichnungen (Bauer/Deutsch), Nr. 1212.</ref> Am 20. September 1762 reisten beide Eltern und die Kinder gemeinsam über Passau, Linz und weitere Stationen nach Wien, wo sie am 6. Oktober eintrafen. Am 13. Oktober 1762 bekam die Familie „eine erste Audienz bei Kaiserin Maria Theresia“.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 32.</ref> Vom 11. bis zum 24. Dezember hielten die Mozarts sich in Pressburg auf, wo Leopold „einen guten Reisewagen kauffte“.<ref>Leopold Mozart an Johann Jakob Lotter, 17. Februar 1763 (Bauer/Deutsch Nr. 47), Zeile 12.</ref> Am Anfang des Jahres 1763 war die Familie zurück in Salzburg.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 21.</ref>

Nach den Erfolgen in München und Wien startete die Familie am 9. Juni 1763 zu einer ausgedehnten Tournee durch die deutschen Lande und Westeuropa, die bis zur Rückkehr nach Salzburg am 29. November 1766 dreieinhalb Jahre dauern sollte. Stationen waren u. a. München, Augsburg, Ludwigsburg, Schwetzingen, Heidelberg, Mainz, Frankfurt am Main, Koblenz, Köln, Aachen, Brüssel, Paris (Ankunft am 18. November 1763), Versailles, London (Ankunft am 23. April 1764), Dover, Gent, Antwerpen, Den Haag (10. September 1765), Amsterdam, Utrecht, Mechelen, erneut Paris (Ankunft am 10. Mai 1766), Dijon, Lyon, Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Donaueschingen, Ulm und München.<ref>Tabellarische Aufstellung der Reiseroute mit Ankunfts- und Abfahrtsdaten siehe Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 36–37.</ref> Die Kinder musizierten an Fürsten- und Königshöfen, in Privatkonzerten adeliger und bürgerlicher Häuser<ref name="Konrad-s42">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 42.</ref> und in öffentlichen Akademien.<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 19–21.</ref> „Leopold Mozart […] setzte gezielt Empfehlungen ein und suchte unentwegt, förderliche Bekanntschaften zu machen, die zu neuen Empfehlungen führen sollten.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 37.</ref>
In Paris entstanden die vier Sonaten für Cembalo mit optionaler Violinbegleitung, Sonates pour le Clavecin qui peuvent se jouer avec l’accompagnement de Violon (KV 6 bis 9) (in der Literatur oft als Sonaten „für Klavier und Violine“ bezeichnet), die dort 1764 als erste Kompositionen Mozarts gedruckt wurden.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 33.</ref> 1764/1765 komponierte er auch seine 1. Sinfonie Es-Dur (KV 16).<ref>Ob KV 16 wirklich Mozarts erste Sinfonie ist, ist nicht ganz sicher. Siehe dazu Neal Alexander Zaslaw: Mozart’s symphonies. Clarendon Press, Oxford 1991, S. 17.</ref>

Datei:AUT — Bundesland Salzburg — Salzburg (Stadt) — Getreidegasse 9 (Mozartmuseum — Reiseziele des W.A. Mozart) Mattes 2021.jpg
Zielorte der 17 internationalen Reisen Mozarts. (Quelle: Mozart-Museen Salzburg, Mozarts Geburtshaus. Foto: Mattes, 2021)

Schon vier Tage nach der Ankunft in London, am 27. April 1764, fand eine Audienz am Hof König Georges III. statt. Königin Charlotte „ließ sich beim Vortrag einer Arie begleiten“.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 40.</ref> „Der Kastrat Giovanni Manzuoli […] führte Mozart in die Grundlagen des italienischen Gesangs ein.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 41.</ref> Mozart machte in London die Bekanntschaft des zwanzig Jahre älteren Johann Christian Bach, den er zeitlebens verehren und der großen Einfluss auf sein künftiges Schaffen haben sollte, und musizierte mit ihm: „Herr Johann Christian Bach […] nahm den Sohn zwischen die Füsse, jener spielte etwelche tact, dann fuhr der andre fort, und so spielten sie eine ganze Sonaten […].“<ref>Maria Anna Mozart, verh. Reichsfreiin von Berchtold zu Sonnenburg: Aufzeichnungen für Friedrich Schlichtegroll, ca. März 1792 (Bauer/Deutsch Nr. 1212).</ref> Wegen einer schweren Erkrankung Leopold Mozarts im Juni 1765 zog sich die Familie für sieben Wochen nach Chelsea zurück.<ref>Eva Rieger: Nannerl Mozart. Leben einer Künstlerin im 18. Jahrhundert. Insel, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-458-16113-9, S. 61.</ref> In dieser Zeit begann eine erste Ablösung Wolfgangs von seinem Vater: „ein Großteil der Stücke aus dem sogenannten Londoner Skizzenbuch [(KV 15a-15ss)] entsteht in diesen Wochen, als der Vater dem Sohn nicht über die Schulter schauen und ihn beaufsichtigen kann.“<ref>Silke Leopold: Leopold Mozart. ‚Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Bärenreiter Verlag / Metzler Verlag, Kassel 2019, ISBN 978-3-7618-2086-5 / ISBN 978-3-476-04914-8, S. 161–162.</ref> Am 24. Juli 1765 konnte die Familie London verlassen.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 47.</ref>
Die Rückreise führte über die Niederlande, wo beide Kinder lebensgefährlich an Typhus erkrankten, noch einmal nach Paris. Es folgten Auftritte in der Schweiz, ehe sich der „Reisekreis“ in München schloss: „Die Kinder konnten am Hof ihre Fortschritte demonstrieren.“<ref name="Konrad-s42" />

Berichte von den Reisen schickte Leopold Mozart regelmäßig an seinen Freund, Hausherrn und Finanzier, den Salzburger Kaufmann Lorenz Hagenauer (1712–1792). „Die Briefe […] waren dabei keineswegs als rein persönliche Mitteilung an den Adressaten gedacht, sondern eher als halböffentliche Nachrichten, die im Freundes- und Bekanntenkreis herumgereicht und gelesen wurden, die nicht zuletzt auch für die Ohren der Obrigkeit gedacht waren […].“<ref>Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 22. Siehe auch Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 118–119.</ref> Diese Zeugnisse und später, wenn nicht mehr die gesamte Familie gemeinsam unterwegs war, der persönliche Briefverkehr zwischen den Reisenden und den Daheimgebliebenen, sind die wichtigsten der Nachwelt überlieferten biographischen Dokumente über Mozarts Kindheit und Jugendzeit.<ref>Vergleiche Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 14.</ref> „Über die genauen Planungen der Reisen können nur Vermutungen angestellt werden, sie wurden aber offenbar gelenkt durch ein ausgeklügeltes System von Empfehlungsschreiben und Kontaktadressen […]. Daß den reisenden Mozarts Zugang zum Hochadel gewährt wurde, läßt sich am Ende nur durch diesen diplomatischen Status sinnvoll erklären. Der Vorsatz, der Welt ein Wunder zu verkünden [durch die Vorführung der beiden Mozart-„Wunderkinder“], scheint demnach eine Salzburger Staatsaktion gewesen zu sein […].“ (Laurenz Lütteken).<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 57.</ref>

Erste Kompositionen in Wien, erste und zweite Italienreise (1766–1771)

Datei:Portrait of Wolfgang Amadeus Mozart at the age of 13 in Verona, 1770.jpg
W. A. Mozart im Alter von 13 Jahren in Verona 1770 an einem Instrument des venezianischen Cembalobauers Celestini. Gianbettino Cignaroli zugeschrieben

Nach der Rückkehr fanden in Salzburg erste Uraufführungen von Werken Mozarts statt, darunter die Schuloper Die Schuldigkeit des ersten Gebots (KV 35), die der Elfjährige zusammen mit den wesentlich älteren Salzburger Hofmusikern Anton Cajetan Adlgasser und Michael Haydn komponiert hatte.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 68.</ref> Im September 1767 folgte eine zweite Reise mit der Familie nach Wien.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 71.</ref> Um einer Pockenepidemie zu entgehen, zogen sie sich nach Brünn und Olmütz zurück.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 72. Hier fanden sie Aufnahme beim Domdechanten Leopold Anton von Podstatzky-Prusinowitz, siehe Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 82–83.</ref> Die Krankheit erreichte Wolfgang und seine Schwester aber auch dort.<ref>Vergleiche die Briefe Leopold Mozarts an Lorenz Hagenauer, Olmütz, den 10. und 29. November 1767 (Bauer/Deutsch Nr. 121 und Nr. 122).</ref> Nach deren Genesung kehrte die Familie am 10. Jänner 1768 nach Wien zurück, wo Mozart das Singspiel Bastien und Bastienne (KV 50), die Waisenhausmesse (KV 139) sowie die Opera buffa La finta semplice (KV 51) fertigstellte. Letztere hatte er zwar aufgrund einer Idee des Kaisers Joseph II., aber ohne offiziellen Auftrag komponiert, und sie wurde nach Widerständen der beteiligten Sänger und Musiker, die sich nicht von „einem Zwölfjährigen dirigieren lassen“ wollten,<ref>Brigitte Hamann: Mozart – Sein Leben und seine Zeit, Ueberreuter, Wien 2006, ISBN 978-3-8000-7132-6, S. 67.</ref> vom Hofintendanten Giuseppe Affligio abgesetzt.<ref>Maynard Solomon (deutsche Übersetzung: Max Wichtl): Mozart. Ein Leben, Büchergilde Gutenberg/Bärenreiter, Kassel / Metzler, Stuttgart und Weimar 2005, S. 69–70; Vergleiche Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 45.</ref>

Zwischen 1767 und 1780 hielt sich Mozart wiederholt im Benediktinerkloster Seeon auf, für das er die Offertorien Scande coeli limina (KV 34; 1769)<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Wolfgang Amadeus Mozart|Wolfgang Amadeus Mozart: }}{{#if:|{{#if:Scande coeli limina, Offertorium in festo Sti Benedicti KV 34. Partitur. (Stuttgarter Mozart-Ausgaben, Urtext)|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Scande coeli limina, Offertorium in festo Sti Benedicti KV 34. Partitur. (Stuttgarter Mozart-Ausgaben, Urtext)}}]{{#if:PDF| (PDF)}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.carusmedia.com/images-intern/medien/40/4004200/4004200x.pdf%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Scande coeli limina, Offertorium in festo Sti Benedicti KV 34. Partitur. (Stuttgarter Mozart-Ausgaben, Urtext)}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.carusmedia.com/images-intern/medien/40/4004200/4004200x.pdf}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Scande coeli limina, Offertorium in festo Sti Benedicti KV 34. Partitur. (Stuttgarter Mozart-Ausgaben, Urtext)}}}}]}}{{#if:PDF| (PDF{{#if:{{#if: 2025-10-10 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Nach 15 Monaten in Wien kehrte Mozart mit seiner Familie am 5. Jänner 1769 nach Salzburg zurück.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 79.</ref> Hier wurde La finta semplice am 1. Mai endlich aufgeführt,<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 82–83.</ref> und Mozart bekam am 27. Oktober mit der Berufung zum Dritten Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle seine erste, wenn auch noch unbesoldete Anstellung.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 86.</ref>

Datei:Mozart in Italy de.svg
Mozarts erste Italienreise (eingezeichnet sind die heutigen Grenzen):
Schwarz: Reiseroute Salzburg – Neapel
Blau: Abweichungen auf der Rückroute. (Quelle: privat)

Knapp drei Wochen später, am 13. Dezember 1769,<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 92.</ref> brach er mit seinem Vater zu der ersten von drei Italienreisen auf, die – mit zwei Unterbrechungen von März bis August 1771 und von Dezember 1771 bis Oktober 1772 – insgesamt fast dreieinhalb Jahre dauerten. Nun ging es vor allem um Produktionsverträge (Scritture) „im System der […] italienischen Oper“.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 47.</ref> Das erste feste Reiseziel war Mailand.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 48.</ref> Unterwegs ermöglichten „gezielt aufgesuchte weltliche oder geistliche Würdenträger […] private Auftritte in Innsbruck, Rovereto und Verona“ und „am 16. Januar [1770] bei der Reale Accademia di scienze, lettere ed arti in Mantua“.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 49.</ref> In Mailand erhielt Mozart einen Opernauftrag für die Eröffnung der Saison 1770/1771 am Mailänder Teatro Regio Ducale.<ref name="MGG" /> Das Libretto zu Mitridate, re di Ponto (KV 87) bekam er allerdings erst vier Monate später.<ref name="Konrad-s54">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 54.</ref> „Eine den weiteren Reiseweg […] strukturierende Serie von Empfehlungsbriefen“ führte Mozart und seinen Vater dann „nach Bologna, Parma, Florenz, Rom und Neapel“.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 50.</ref>

In Rom gelang es Mozart, nachdem er nur ein- oder zweimal dem neunstimmigen Miserere von Gregorio Allegri zugehört hatte, das Grundgerüst dieser vom Vatikan streng geheim gehaltenen Partitur aus dem Gedächtnis fehlerfrei niederzuschreiben. Es ist nicht bekannt, inwieweit die Sänger Stimmen improvisierend koloriert haben, und ob Mozart das aufschreiben konnte. Das Original der Transkription ist nicht überliefert, und jüngere Untersuchungen geben durchaus nachvollziehbare Erklärungen für die scheinbar unbegreifliche Leistung. Erleichtert wurde die Niederschrift etwa durch die Wiederholungsstruktur des Stücks.<ref>R. Kopiez und A.C. Lehmann: Musicological Reports on Early 20th-Century Musical Prodigies: The Beginnings of an Objective Assessment. In: G. McPherson (Hrsg.): Musical Prodigies: Interpretations from Psychology, Education, Musicology and Ethnomusicology. Oxford, Oxford University Press, S. 169–184.</ref>

Ein Aufenthalt in Neapel wurde auch zur Besichtigung von Pozzuoli, Baiae, Pompeji, Herculaneum und Caserta genutzt.<ref name="MGG" /> Bei einem neuerlichen Aufenthalt in Rom bekam Mozart von Papst Clemens XIV. am 4. Juli 1770 den Orden vom Goldenen Sporn verliehen,<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 112.</ref> doch machte er im Gegensatz zu Christoph Willibald Gluck von dem Privileg, sich „Ritter“ zu nennen, keinen Gebrauch.<ref name="Konrad-s53">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 53.</ref>

Am 1. Oktober waren die Mozarts wieder in Bologna, wo sie näher in Kontakt mit Padre Martini kamen. Dass dieser „dem jungen Komponisten Unterricht in der Kanontechnik und im stile antico“ gegeben hat, ist nicht erwiesen. „Allerdings ergriff der Padre die Initiative für die Aufnahme Mozarts in die angesehene Accademia filarmonica. Voraussetzung […] war der Nachweis von Kenntnissen im strengen Satz, zu erbringen in einer Klausur. Diese absolvierte Mozart am 9. Oktober erfolgreich“, allerdings wohl nur durch Mithilfe Martinis.<ref>„Die Quellen legen den Schluß nahe, daß der zuständigen Kommission vielleicht nicht die Arbeit des Prüflings, sondern die [korrigierte Version] Martinis vorgelegen habe.“ Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 54</ref> In Bologna erhielt Mozart am 27. Juli 1770 endlich auch das Libretto für seine Oper.<ref name="Konrad-s54" /> Um die Aufführung von Mitridate, re di Ponto vorzubereiten, kehrten Mozart und sein Vater am 18. Oktober 1770 nach Mailand zurück. Am 26. Dezember fand die erfolgreiche Premiere statt.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 116–117.</ref> Mozart traf auf der Reise einige bedeutende italienische Komponisten, in Mailand Giovanni Battista Sammartini und Niccolò Piccinni,<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 100.</ref> in Florenz Pietro Nardini, sowie in Neapel Gian Francesco de Majo und Giovanni Paisiello.<ref name="Konrad-s53" />

Am 28. März 1771 waren Vater und Sohn zurück in Salzburg, doch bereits am 13. August brachen sie zu ihrer zweiten Italienreise auf.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 121.</ref> Die Serenata teatrale Ascanio in Alba (KV 111) wurde am 17. Oktober 1771 in Mailand zur Feier der Hochzeit von Erzherzog Ferdinand Karl und Maria Beatrice d’Este uraufgeführt. Parallel kam die große Opera seria Il Ruggiero (Libretto von Pietro Metastasio) des 71-jährigen Johann Adolph Hasse auf die Bühne, doch Mozart brauchte die Konkurrenz nicht zu scheuen: „Die im Vergleich zum Dramma per musica lockerere Form der Serenata teatrale, […] der Wechsel zwischen solistischen und chorischen Stücken sowie Tänzen, bot Mozart die […] Vorlage für eine musikalisch-dramaturgisch kontrastreiche Gestaltung der […] auch instrumentatorisch reizvollen Partitur.“<ref name="Konrad-s58">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 58.</ref> Der junge Erzherzog dachte daraufhin daran, Mozart an seinem Hof zu engagieren. Doch er holte Rat bei seiner Mutter Kaiserin Maria Theresia ein, und deren Antwort war unmissverständlich: „Ferdinand solle sich nicht mit derlei ‚gens inutils‘ [nutzlosen Leuten] belasten […]; Bedienstete, die ‚comme de gueux‘ (wie die Bettler) durch die Welt zögen, [schadeten] dem Ansehen seiner Hofhaltung.“<ref name="Konrad-s58" /><ref>Französisches Original siehe in: Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 124.</ref> Am 15. Dezember 1771 trafen Vater und Sohn wieder in Salzburg ein.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 124.</ref>

Konzertmeister in Salzburg (1772–1777), dritte Italienreise, Reisen nach Wien und München

Datei:Mozarts Wohnhaus Makartplatz 8.jpg
Tanzmeisterhaus, Wohnhaus der Familie Mozart ab 1773 (Rekonstruktion ca. 1995)

Im Jahr 1772 wurde Hieronymus von Colloredo zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt; er folgte dem verstorbenen Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach nach, der in außerordentlich großzügiger Weise „die Reiseunternehmungen [der Mozarts] gebilligt und gefördert hatte“.<ref name="MGG" /> „In der[en] Familienkorrespondenz […] gibt Fürsterzbischof von Colloredo die unsympathische Figur eines übelwollenden, schikanösen und dem Fortkommen Wolfgangs im Wege stehenden Potentaten ab. Diese […] negative Charakterisierung wird [s]einer gebildeten Persönlichkeit [jedoch] nicht gerecht.“ (Ulrich Konrad).<ref name="MGG" /> Zweifellos wusste Colloredo um das außerordentliche Talent Mozarts. Mit Dekret vom 21. August 1772 wurde dieser zum besoldeten Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle ernannt.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 127.</ref>

Trotzdem wurde Vater und Sohn eine dritte Italienreise genehmigt, die vom 24. Oktober 1772 bis zum 13. März 1773 dauerte.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 127 und 130.</ref> Am 26. Dezember 1772 fand im Mailänder Teatro Regio Ducale die Uraufführung des Dramma per musica Lucio Silla (KV 135) statt. Doch zu einer Anstellung am Hof Erzherzog Ferdinands führte auch der Erfolg dieses Werkes nicht.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 61–62.</ref> Für den Sopranisten Venanzio Rauzzini komponierte Mozart in Mailand die Motette Exsultate, jubilate (KV 165). Spätestens Ende Februar erwies sich der Versuch, bei Ferdinands Bruder Großherzog Leopold von Toscana in Florenz etwas zu erreichen, ebenfalls als chancenlos. „Notgedrungen mußten die Mozarts den Heimweg antreten […], ohne konkrete Aussicht auf Wiederkehr“ nach Italien.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 62.</ref>

Nach einigen Monaten in Salzburg reisten Mozart und sein Vater vom 14. Juli bis zum 26. September 1773 ein weiteres Mal nach Wien.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 130–131.</ref> Welche Absichten Leopold mit dieser zunächst nur für vier Wochen geplanten Reise verband und warum sie mehrmals verlängert wurde, ist unklar. Die Briefe an seine Frau enthalten vielfach nur Andeutungen, offenbar aus Furcht vor unerwünschten Mitlesern. In einer Audienz bei Kaiserin Maria Theresia am 5. August ging es möglicherweise noch einmal um Stellen an den Höfen ihrer Söhne in Mailand oder Florenz.<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 62.</ref> „S:e Mst: die Kayserin waren zwar sehr gnädig mit uns, allein dieses ist auch alles […].“<ref>Leopold Mozart an seine Frau, 12. August 1773 (Bauer/Deutsch Nr. 289), Zeile 4–6.</ref><ref>Vergleiche auch {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im selben Jahr entstand Mozarts erstes eigenständiges Klavierkonzert (KV 175). Ab Spätherbst 1773 bewohnte die Familie den ersten Stock des Tanzmeisterhauses in Salzburg,<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 130 (22).</ref> das zuvor dem Hoftanzmeister Franz Gottlieb Spöckner (Speckner) (ca. 1705–1767) und nun dessen Erbin Maria Anna Raab (in der Korrespondenz der Mozarts „Mitzerl“ genannt) gehörte.<ref>Vergleiche Brief Leopold Mozarts an seine Frau, 6. Februar 1773 (Bauer/Deutsch Nr. 283), Zeile 21, und Kommentar, Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. V. dtv, München 2005, S. 328.</ref>

Am 6. Dezember 1774 fuhren Mozart und sein Vater nach München, um am 13. Jänner 1775 der Uraufführung der Opera buffa La finta giardiniera (KV 196) in Anwesenheit von Kurfürst Maximilian III. Joseph beizuwohnen. Auch Mozarts Schwester war aus diesem Anlass nach München gereist.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 134–135.</ref> Nach der Rückkehr am 7. März<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 136.</ref> versuchte Mozart erneut, sich in Salzburg zu etablieren. Am 23. April 1775 kam dort sein Dramma per musica Il re pastore (KV 208) zur Uraufführung.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 137.</ref> Nachdem ein gemeinsames Urlaubsgesuch von Vater und Sohn nicht genehmigt worden war,<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 65.</ref> bat Mozart den Erzbischof vermutlich in der zweiten Augusthälfte 1777 um Entlassung aus dem Dienstverhältnis.<ref>„Die Datierung des von Leopold verfaßten und von Wolfgang nur unterzeichneten Schreibens auf den 1. August durch die Forschung ist willkürlich.“ Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 68. Siehe auch Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 145–146, wo der Text des Gesuchs abgedruckt ist. Ebenso in Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gedruckte Ausgabe. Bd. 2. 1962 u. ö. (Bauer/Deutsch Nr. 328).</ref>

Auf Stellensuche und erneut Salzburg (1777–1780)

Datei:Martini bologna mozart 1777.jpg
W. A. Mozart im Alter von 21 Jahren mit dem Orden vom Goldenen Sporn (Anonym, 1777)

München

Nach seiner Entlassung aus der Salzburger Hofkapelle begab sich Mozart am 23. September 1777<ref name="DeutschEibl-s147">Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 147.</ref> – diesmal in Begleitung seiner Mutter, weil Leopold keinen Urlaub nehmen konnte, ohne seine eigene Position zu gefährden<ref>Vergleiche Dekret des Erzbischofs vom 1. September 1777 in: Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 146.</ref> – wieder auf die Reise, um eine neue und bessere Anstellung zu finden. Erste Station war der bayerische Kurfürstenhof in München. Doch Maximilian III. Joseph gab vor, er habe keine freie Stelle („Vacatur“) und halte Mozart für zu jung.<ref>Vergleiche Brief Mozarts an seinen Vater, 29./30. September 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 339), Zeile 95–97 und Zeile 19–20.</ref> Vor allem hatte Mozart wahrscheinlich „zu entschieden geäußert, daß ihm Salzburg und die dortige Herrschaft mißbehagten“.<ref name="Konrad-s70">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 70.</ref> Private Initiativen<ref>Vergleiche Brief Mozarts an seinen Vater, 29./30. September 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 339), Zeile 37–41; Leopold Mozart an seinen Sohn, 4. Oktober 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 343), Zeile 18–22; Mozart an seinen Vater, 6. Oktober 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 345), Nachschrift Anna Maria Mozarts, Zeile 19.</ref> und das Angebot des befreundeten Komponisten Josef Mysliveček, sich für einen Opernauftrag in Neapel einzusetzen,<ref>Mozart an seinen Vater, 11. Oktober 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 347), Zeile 48–53.</ref> verliefen ebenfalls im Sande.<ref name="Konrad-s70" />

Augsburg

Datei:MariaAnnaTheklaMozart.PNG
Die Cousine („Bäsle“) Maria Anna Thekla Mozart. Selbstporträt, Bleistiftzeichung

Mozart und seine Mutter reisten am 11. Oktober 1777 nach Augsburg weiter,<ref name="DeutschEibl-s147" /> wo sie die Familie des Buchbinders Franz Alois Mozart, Leopolds Bruder, trafen. Mozart lernte die Fortepiani von Johann Andreas Stein kennen (siehe unten: Mozarts Tasteninstrumente) und gab am 22. Oktober 1777 im Fuggerschen Konzertsaal ein Akademie-Konzert, in dem u. a. sein Klavierkonzert für drei Klaviere (KV 242) und das 6. Klavierkonzert in B-Dur (KV 238) auf Instrumenten Steins uraufgeführt wurden. Am 28. Oktober 1777 erschien in der Augsburgischen Staats- und Gelehrten Zeitung eine ausführliche Rezension.<ref name="DeutschEibl-s150">Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 150.</ref> Mozart freundete sich mit seiner Cousine (Base) Maria Anna Thekla Mozart an. „Daß ist wahr, wir zweÿ taugen recht zusammen; dann sie ist auch ein bischen schlimm. wir fopen die leüte mit einander, daß es lustig ist.“<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart, 16./17. Oktober 1777, mit Nachschrift von Maria Anna Thekla Mozart (Bauer/Deutsch Nr. 351), Zeile 143–145. Abgerufen am 19. März 2025.</ref> Nach der Abreise aus Augsburg am 26. Oktober 1777<ref name="DeutschEibl-s150" /> wurde die Freundschaft brieflich fortgesetzt. Es sind zehn der wegen ihrer anal-erotischen Scherze, Wortspiele und Späße berühmt-berüchtigten „Bäsle-Briefe“ von Mozart erhalten geblieben,<ref>Siehe Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 121.</ref> aber keiner von seiner Cousine an ihn.<ref>Vergleiche {{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/doclist.php%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/doclist.php}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch. Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg{{#if: 2025-10-10 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Mannheim

Am 30. Oktober trafen Mozart und seine Mutter in Mannheim ein<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 151.</ref> – unter Kurfürst Karl Theodor der „avancierteste […] Ort für das Musiktheater“<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 67.</ref> und Sitz des berühmten Mannheimer Hoforchesters (siehe auch Mannheimer Schule). Alsbald entstand eine Freundschaft mit dessen Kapellmeister Christian Cannabich und seiner Familie.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Mannheim, 4. November 1777, mit Nachschrift von Anna Maria Mozart (Bauer/Deutsch Nr. 363), Zeile 10–11. Abgerufen am 19. März 2025.</ref> Mozart unterrichtete die älteste Tochter Rose Cannabich im Klavierspiel und komponierte die Sonate in C-Dur (KV 309) für sie, deren expressiver 2. Satz ein Porträt seiner Schülerin sein soll.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater vom 6./7. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 386).</ref> Auch der Flötist und Komponist Johann Baptist Wendling und der Kapellmeister Ignaz Holzbauer freundeten sich mit Mozart an. Doch nachdem er lange auf eine Anstellung am Hof des Kurfürsten gehofft hatte – wahrscheinlich ging es um eine Tätigkeit als Klavierlehrer der Kinder Karl Theodors aus seiner Verbindung mit Josepha von Heydeck<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 72.</ref> – erhielt Mozart am 8. Dezember 1777 eine Absage.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 10./11. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 388), Zeile 5–8.</ref> Trotzdem genoss er seinen Aufenthalt in Mannheim, den ungezwungenen Umgang mit den Musikerkollegen und deren Anerkennung.<ref name="Konrad-s73">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 73.</ref>

Datei:Aloysia weber.jpg
Aloisia Weber als junge Frau (Anonym)

Inzwischen war der Plan entstanden, dass Mozart sich dem Flötisten Wendling, dem Oboisten Friedrich Ramm und dem Ballettmeister Étienne Lauchery auf einer Reise nach Paris anschließen und seine Mutter nach Salzburg zurückkehren sollte.<ref>Siehe Mozarts Brief an seinen Vater, 3. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 383), Zeile 53–57. Vergleiche auch Anna Maria Mozart an ihren Mann, 10./11. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 388), Zeile 109–121.</ref> Leopold Mozart geriet zunehmend in Sorge über die finanzielle Lage seiner Familie.<ref name="Konrad-s73" /> Immerhin konnten der Sohn und seine Mutter in Mannheim Mitte Dezember in ein Privatquartier beim Hofkammerrat Anton Joseph Serrarius umziehen, das sie nichts kostete.<ref>Vergleiche Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 74.</ref> Mozart unterrichtete dafür Serrarius’ Stieftochter Therese Pierron im Klavierspiel.<ref>Vergleiche Brief Anna Maria Mozart an ihren Mann und ihre Tochter, 14. Dezember 1777, mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart (Bauer/Deutsch Nr. 390), Zeile 10–12.</ref> Trotzdem reichte das Geld ohne die Aufnahme neuer Schulden nicht aus.<ref>Vergleiche Anna Maria Mozart an ihren Mann, 18. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 393), Zeile 22–39.</ref>

Die Reisepläne nahmen Gestalt an, wurden auch von Vater Leopold akzeptiert und mit allerlei praktischen Erwägungen begleitet.<ref>Vergleiche dazu Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn, 18./19. Jenner 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 406).</ref> Doch dann lernte Mozart die Familie Weber kennen. Am 17. Jänner 1778 erwähnt er sie zum ersten Mal: „künftigen Mittwoch werde ich auf etliche täge nach kircheim Poland zu der Prinzessin von oranien gehen“. 4 Arien und eine Sinfonie wollte er geben, „die [Arien] hat mir ein gewisser h: weber, welcher mit mir hinüber gehen wird, abgeschrieben. ich weis nicht habe ich schon von seiner tochter geschrieben oder nicht – – sie singt halt recht vortreflich, und hat eine schöne reine stimm.“<ref>Anna Maria Mozart an ihren Mann vom 7. Jener 1778, Nachschrift Wolfgang Amadé Mozarts (Bauer/Deutsch Nr. 405), Zeile 20–31.</ref> Mozart hatte sich in Aloisia Weber verliebt. Damit aber waren die Reisepläne mit den Mannheimer Musikerkollegen ad acta gelegt. Stattdessen wollte Mozart nun eine Karriere Aloisas in Italien befördern und am liebsten gleich selbst mit den Webers auf Reisen gehen.<ref name="Konrad-s74">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 74.</ref> Er wollte italienische Opern komponieren und stellte sich sogar vor, dass Vater Leopold diese Pläne unterstützen sollte.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 4./5. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 416), Zeile 86–88.</ref> In einer heimlich verfassten Brief-Nachschrift an ihren Mann vertraute Anna Maria ihm ihre Sorgen über die Wankelmütigkeit des Sohnes an und schlug vor, diesen nun selbst nach Paris zu begleiten.<ref>Mozart an seinen Vater, 4./5. Februar 1778. Mit Nachschrift Anna Maria Mozarts (Bauer/Deutsch Nr. 416), Zeile 129–139. Abgerufen am 19. März 2025.</ref>

Leopold traute seinem Sohn daraufhin nicht mehr zu, alleine in Paris zurecht zu kommen, und so wurde dem Vorschlag der Mutter zugestimmt. Wolfgang lenkte resigniert ein.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 19. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 426). Zeile 8–10.</ref> Leopold hatte eine Liste mit Namen und Adressen alter Pariser Bekannter zusammengestellt, an die der Sohn sich wenden könnte.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 5. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 417). Verzeichnis der Pariser Bekanntschaften nach einer Abschrift von Josef Hauer (um 1850), Zeile 143–212.</ref> Besonders große Hoffnungen setzten die Mozarts in den Diplomaten, Journalisten und Schriftsteller Baron Friedrich Melchior Grimm, den der Vater auch direkt anschrieb.<ref>Siehe dazu Grimms Antwort an Leopold Mozart vom 21. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 427).</ref> In mehreren Familienbriefen unterstrich Leopold unterdessen erneut seine Sorgen wegen der wachsenden Schulden und machte seinem Sohn Vorwürfe, zu leichtfertig, zu gutgläubig und zu anspruchsvoll zu sein.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts Briefe an seinen Sohn bzw. an Frau und Sohn vom 11./12. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 422), vom 16. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 425), vom 23. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 429), vom 25./26. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 430).</ref><ref>Siehe auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 74.</ref>

Paris

Am 14. März 1778 brachen Mozart und seine Mutter in Mannheim auf, am 23. März nachmittags trafen sie in Paris ein.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 156.</ref> Zunächst bezogen sie ein dunkles, enges Quartier, in dem Mozarts Mutter sich vorkam „wie in arest“,<ref>Anna Maria Mozart an ihren Mann, Paris, 5./10. April 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 440), Zeile 32.</ref><ref name="Konrad-s75">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 75.</ref> während der Sohn sich zumeist im Haus des Sängers und Leiters des Concert spirituel Joseph Legros aufhielt, um zu arbeiten. Dort wohnte auch der ebenfalls aus Mannheim angereiste Sänger Anton Raaff. Mitte April zogen Mozart und seine Mutter in eine bessere Unterkunft, die ihnen Grimms Freundin und Lebensgefährtin Madame d’Epinay vermittelt hatte.<ref>Anna Maria Mozart an ihren Mann, Paris, 5./10. April 1778, mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart (Bauer/Deutsch Nr. 440), Zeile 10–12, Zeile 20–21, Zeile 47–50 und Zeile 95.</ref><ref name="Konrad-s75" /> Raaff und der aus Böhmen stammende Verleger François-Joseph Heina (1729–1790) kümmerten sich liebevoll um Mozarts Mutter.<ref>Vergleiche Anna Maria Mozarts Brief an ihren Mann, 12. Juni 1778, mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart (Bauer/Deutsch Nr. 453), Zeile 10–12 und 20–24.</ref>

Datei:Joseph Legros - Cochin, Miger - 1770 - Gallica.jpg
Joseph Legros, der Direktor des Concert spirituel (ca. 1777)

Mozart „blieben […] von Anfang an die Mühen des Antichambrierens und andienenden Werbens ebenso wenig erspart wie die Machenschaften einer einflußreichen Konkurrenz.“<ref name="Konrad-s75" /> „Der Umgang mit Legros führte wohl Ende März zu einem ersten Auftrag, der Bearbeitung und teilweisen Neufassung von vier Chören und vier Solo-Nummern eines Miserere von Holzbauer“, sowie – für die Solisten Wendling, Ramm, Giovanni Punto und Georg Wenzel Ritter – zur Komposition einer Sinfonia concertante für Flöte, Oboe, Waldhorn und Fagott. Doch beide Arbeiten endeten als Fehlschläge. Holzbauers Werk wurde stark verkürzt aufgeführt, „ohne dass Mozarts Anteil an ihm […] bekannt wurde“,<ref name="Konrad-s75" /> und die Aufführung der Sinfonia concertante wurde vermutlich von dem Konkurrenten Giuseppe Cambini hintertrieben,<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 76.</ref> der selbst mit einer Vielzahl von Sinfonie concertantes beim Concert spirituel in Erscheinung trat.<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 69.</ref> Sowohl die Chorsätze zu Holzbauers Miserere (KV 297a) als auch die für das Concert spirituel komponierte Sinfonia concertante gelten als verschollen. Nach aktuellem Forschungsstand ist diese nicht identisch mit der (anders besetzten) apokryphen Sinfonia concertante für vier Bläser Es-Dur KV 297b für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester.<ref name="MGG" />

Mehr Erfolg hatte Mozart mit der „grossen Sinfonie“ in D-Dur (KV 297), die Legros zur Eröffnung des Concert spirituel am Fronleichnamstag in Auftrag gegeben hatte.<ref>Mozart an seinen Vater, 9. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 462), Zeile 153.</ref> Mozart hat bewusst Effekte eingesetzt, die beim Pariser Publikum beliebt waren. Wie dort üblich, hat die Sinfonie nur drei Sätze, das Orchester ist, zum ersten Mal auch mit Klarinetten, groß besetzt.<ref>Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 294–295.</ref> Nachdem die Generalprobe katastrophal verlaufen war, wurde die Aufführung am 18. Juni ein Triumph.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 458), Zeile 53–61.</ref> Dennoch hatte „das Andante […] nicht das glück gehabt, [Legros] zufrieden zu stellen – er sagt es seÿe zu viell Modulation darin – und zu lang […]“. Obwohl Mozart selbst diesen Satz für den besten des Werkes hielt, komponierte er einen neuen,<ref>Mozart an seinen Vater, 9. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 462), Zeile 158–160 und Zeile 165–166.</ref> mit dem die Sinfonie am 15. August (Mariä Himmelfahrt) noch einmal gegeben wurde.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 158.</ref> (Die Partituren beider Sätze im 6/8- und im 3/4-Takt sind erhalten geblieben. Heute wird meistens das „Andantino“ im 6/8-Takt gespielt. Ob es wirklich die ältere Fassung ist, wie oft angenommen, ist unsicher.)<ref>Alan Tyson: Mozart: Studies of the Autograph Scores. Cambridge, Mass. u. a. 1987, ISBN 0-674-58830-4, S. 106–113.</ref>

Am 11. Juni 1778 wurde als Einlage zu Niccolò Piccinnis Oper Le finte gemelle die Ballettmusik Les petits riens (KV 299b) nach der Choreographie von Jean Georges Noverre mit einigen Tanznummern von Mozart uraufgeführt.<ref>Vergleiche Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 157.</ref> Einen finanziellen Gewinn hatte er offenbar nicht: „[…] dies war nur ein freündstück für Noverre.“<ref>Mozart an seinen Vater, 9. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 462), Zeile 120.</ref><ref>Siehe auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 76.</ref>

Mozart hatte in Paris, vermittelt durch Grimm, auch Schüler.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 76–77.</ref> Wegen der weiten Wege war die Unterrichtstätigkeit jedoch zeitaufwendig und wenig rentabel.<ref>Vergleiche Brief Anna Maria Mozarts an ihren Mann, 14. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 449) mit Nachschrift Wolfgang Amadé Mozarts, Zeile 10–12.</ref> Eine Kompositionsschülerin war die offenbar nur wenig begabte Tochter des Adrien-Louis Bonnières de Souastre Comte (Duc) de Guînes. Immerhin spielte ihr Vater „unvergleichlich die flöte […], und sie magnifique die Harpfe“,<ref>Nachschrift Wolfgang Amadé Mozarts zum Brief seiner Mutter, 14. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 449), Zeile 55–56.</ref> und Mozart schrieb für sie das Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299).<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 77.</ref> Doch erwies sich der Duc als säumig sowohl bei der Bezahlung der Unterrichtsstunden als auch bei der Vergütung für das Konzert.<ref>Brief Mozarts an seinen Vater, 31. Juli 1778 mit Nachschrift an Maria Anna (Nannerl) Mozart (Bauer/Deutsch Nr. 471), Zeile 136–149. Abruf 23. April 2025.</ref>

Wiederholt erwog Mozart, eine Oper für Paris zu komponieren, dachte u. a. an ein Libretto Alexandre et Roxane von Noverre.<ref>Vergleiche Nachschrift zu Anna Maria Mozarts Brief an ihren Mann, 5./10. April 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 440), Zeile 82–86.</ref> Doch er hatte Probleme, einen geeigneten Text zu finden: „die alten, welche die besten sind, sind nicht auf den Modernen styl eingerichtet, und die neüen sind alle nichts nutz“.<ref>Mozart an seinen Vater, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 458), Zeile 82–84.</ref> Außerdem haderte er mit der französischen Sprache, „die so hundsfüttisch zur Musique“ sei, dass sich sogar „die Teütsche noch göttlich dagegen“ ausnehme.<ref>Mozart an seinen Vater, 9. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 462), Zeile 135–136.</ref> Es wurde auch keine Vergütung garantiert.<ref>Vergleiche Mozart an seinen Vater, 11. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 487), Zeile 43–52.</ref> Hinzu kam der „Opernstreit“ zwischen „Piccin[n]isten“ und „Gluckisten“, der das Pariser Kulturleben beherrschte und es Mozart schwer machte, sich mit einem eigenen Werk zu positionieren.<ref>Dazu Friedrich Melchior Grimm, zitiert von Leopold Mozart im Brief an seinen Sohn, 13. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 476), Zeile 22–24.</ref><ref>Vergleiche auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 76.</ref>

Im Mai 1778 wurde Mozart, vermittelt durch den Hornisten Jean-Joseph Rodolphe, eine Organistenstelle in Versailles angetragen, allerdings verbunden mit der Verpflichtung, die Hälfte des Jahres dort zu verbringen.<ref>Vergleiche Nachschrift zu Anna Maria Mozarts Brief an ihren Mann, 14. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 449), Zeile 92–96.</ref> Zwar riet der Vater, nicht gleich abzulehnen,<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 28. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 450), Zeile 207–208.</ref> doch Mozart entschied sich gegen das Angebot.<ref>Siehe Mozarts Brief an seinen Vater, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 458), Zeile 94–99.</ref><ref>Vergleiche auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 77.</ref>

Am 3. Juli 1778 verstarb nach kurzer Krankheit Mozarts Mutter um 10 Uhr abends. Außer ihrem Sohn waren François-Joseph Heina und eine Wärterin anwesend.<ref>Mozart an Joseph Bullinger, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 459), Zeile 18–20.</ref> Sie wurde am nächsten Tag auf dem Friedhof von Saint-Eustache beigesetzt. Erschüttert schrieb Mozart seinem Vater zunächst nur, dass die Mutter sehr krank sei.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Paris, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 458). Abgerufen am 19. März 2025.</ref> Zugleich weihte er den vertrauten Freund Abbé Joseph Bullinger ein und bat ihn, seinen Vater und seine Schwester persönlich auf die Todesnachricht vorzubereiten.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Abbé Joseph Bullinger in Salzburg, Paris, 3. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 459). Abgerufen am 19. März 2025.</ref> Diese teilte er dem Vater am 9. Juli brieflich mit.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Paris, 9. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 462). Abgerufen am 19. März 2025.</ref><ref>Vergleiche dazu auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 77–78.</ref>

Mozart wohnte anschließend bei Melchior Grimm und Madame d’Epinay. Dort weilte auch Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:G. Banat|G. Banat: }}{{#if:|{{#if:The Chevalier de Saint-Georges: Virtuoso of the Sword and the Bow. 2006, S. 171.|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=The Chevalier de Saint-Georges: Virtuoso of the Sword and the Bow. 2006, S. 171.}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://books.google.fr/books?id=Yy9JgZQQ9XQC&lpg=PP1&hl=nl&pg=PA171#v=onepage&q=Mozart&f=false%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=The Chevalier de Saint-Georges: Virtuoso of the Sword and the Bow. 2006, S. 171.}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://books.google.fr/books?id=Yy9JgZQQ9XQC&lpg=PP1&hl=nl&pg=PA171#v=onepage&q=Mozart&f=false}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=The Chevalier de Saint-Georges: Virtuoso of the Sword and the Bow. 2006, S. 171.}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2025-03-19 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Datei:Johann Christian Bach by Thomas Gainsborough.jpg
Johann Christian Bach, Gemälde von Thomas Gainsborough, 1776

Im August 1778 hielt Mozart sich auf Einladung Louis de Noailles in Saint-Germain-en-Laye auf und traf dort Johann Christian Bach wieder.<ref name="Konrad-s78">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 78.</ref> Begeistert und stolz berichtete er seinem Vater von der Begegnung.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, St. Germain, 27. August 1778|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, St. Germain, 27. August 1778}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1043&cat=2%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, St. Germain, 27. August 1778}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1043&cat=2}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, St. Germain, 27. August 1778}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2025-03-17 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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„Die letzten Wochen in Paris wurden durch ein Zerwürfnis mit Baron von Grimm getrübt.“<ref name="Konrad-s78" /> Grimm hatte sich Leopold gegenüber kritisch über Mozart geäußert: er sei „zu treuherzig“, zu wenig aktiv und nicht in der Lage, sein Auskommen zu finden.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 13. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 476), Zeile 11–14.</ref> Grimm ließ auch durchblicken, dass er fürchtete, finanziell in Anspruch genommen zu werden.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 13. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 476), Zeile 89–110.</ref> Nachdem die Auseinandersetzungen eskaliert waren, schilderte Mozart sie am 11. September ausführlich seinem Vater<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Paris, 11. September 1778(Bauer/Deutsch Nr. 487). Abgerufen am 15. April 2025.</ref> und resümierte: „[…] daß der M:r grimm im stande ist kindern zu helfen, aber nicht erwachsenen leüten“.<ref>Mozart an seinen Vater, 11. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 487), Zeile 57–59. Im Original mit Unterstreichung.</ref> (Grimm hatte Mozart und seine Schwester 1763 als „Wunderkinder“ kennengelernt.)<ref>Vergleiche Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 27–28.</ref>

Rückkehr nach Salzburg

Unterdessen suchte Vater Leopold nach einem Weg aus der gewachsenen Verschuldung. Er verhandelte mit dem Erzbischof über eine erneute Anstellung seines Sohnes. Mozart sollte die Nachfolge des am 21. Dezember 1777 plötzlich verstorbenen Hof- und Domorganisten Anton Cajetan Adlgasser antreten und auf dieser Stelle ein dreimal so hohes Gehalt beziehen wie vor seiner Entlassung.<ref name="Konrad-s78" /> Leopold hatte sogar die Zusage ausgehandelt, dass „wenn du eine opera schreiben willst, er dich, wo es immer ist hinreisen lasse“.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 31. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 480), Zeile 13, Zeile 17 und Zeile 24–25.</ref>

Datei:Brief Sieber Mozart.jpg
Persönlicher Brief Mozarts an seinen Pariser Freund, den Komponisten und Verleger Jean-Georges Sieber

Daneben warf Leopold seinem Sohn immer wieder vor, „schlösser in die Luft zu bauen“<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 27. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 478), Zeile 85.</ref> und sich „flichtigen Lieblingsgedanken und Projeckten [zu überlassen], die wie eine Seifenblase in der Luft zerplatzen“,<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 23. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 506), Zeile 54–55.</ref> machte sich aber wohl auch Illusionen über dessen tatsächliche Chancen.<ref>Vergleiche dazu Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 18.</ref> Doch er war auch verständnisvoll, warb sogar mit Aussichten für Aloisia in Salzburg.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 31. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 480), Zeile 33–34.</ref> Mozart, der bilanzierte, „daß mir diese reise [nach Paris] nicht unützlich war – in der Composition versteht es sich“,<ref>Mozart an seinen Vater, 11. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 487), Zeile 28</ref> hatte auf Grund seiner finanziellen Zwangslage keine Wahl: „nur sie, liebster vatter […] können mir die bitterkeiten von Salzburg versüssen“.<ref>Mozart an seinen Vater, 15. Oktober 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 496), Zeile 59–60.</ref>

Grimm wollte seinen Gast nun so schnell wie möglich loswerden.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 11. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 487), Zeile 112–113.</ref> Mozart kam in Bedrängnis und konnte die Edition seiner Sechs Sonaten für Klavier und Violine (KV 301–306) bei Jean-Georges Sieber, die er Marie Elisabeth Kurfürstin von der Pfalz widmen wollte,<ref>Mozart an seinen Vater, Straßburg, 26. Oktober/2. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 503), Zeile 88–89. Die Ausgabe konnte er der Kurfürstin zusammen mit einem gedruckten Widmungsblatt am 7. Januar 1779 persönlich in München überreichen. Siehe dazu Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 79.</ref> nicht mehr selbst überwachen: „sie werden vielleicht voll der fehler herauskommen, weil ich sie selbst nicht hab durchsehen können“.<ref>Mozart an seinen Vater, Straßburg, 15. Oktober 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 496), Zeile 81–82.</ref> Die Sonaten erschienen als „Opus I“ im November 1778.<ref name="DeutschEibl-s162">Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 162.</ref> Mit dem deutschstämmigen, in Paris ansässigen Komponisten und Verleger Jean-Georges Sieber hatte Mozart in Paris Freundschaft geschlossen. Diese wurde später in einem Briefwechsel aufrechterhalten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Mozarts Vater zeigte Verständnis für seinen Sohn in dem Konflikt mit Grimm.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn in Straßburg, 19. Oktober 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 500), Zeile 8–13.</ref> Dieser fühlte sich Leopold gegenüber immer noch verpflichtet und war bereit, Mozarts Fahrtkosten von Paris bis nach Straßburg zu bezahlen,<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 24. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 491), Zeile 8–9 und Zeile 16–19 und Zeile 22–23.</ref> kam jedoch nur für die „einfache Post“ auf, mit der die Strecke 12 Tage dauerte.<ref>In einem späteren Brief an seinen Vater schilderte Mozart später einmal die Reisebedingungen in einem Postwagen. Vergleiche Brief Mozarts an seinen Vater, 8. November 1780 (Bauer/Deutsch Nr. 535), Zeile 8–13. Abgerufen am 9. November 2025.</ref> Unterwegs tat Mozart sich mit einem Reisegefährten zusammen, sie wollten draufzahlen und ab Nancy mit der Extra-Post reisen,<ref>Mozart an seinen Vater, Nancy, 3. Oktober 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 494), Zeile 11–41.</ref> woraus allerdings mangels einer „gute[n] gelegenheit“<ref>Mozart an seinen Vater, Straßburg, 26. Oktober/2. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 503), Zeile 39.</ref> erst einmal nichts wurde. Mozart blieb circa 10 Tage in Nancy, ohne dass sein Vater informiert war, ehe er ungefähr am 14. Oktober nach Straßburg weiterfuhr.<ref name="DeutschEibl-s160">Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 160.</ref> Dort gab er am 17. Oktober 1778 ein Solo-Konzert auf Subskription und am 24. und 31. Oktober zwei Konzerte mit Orchester im Straßburger Theater,<ref name="Konrad-s79">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 79.</ref> die nur „spärlich besucht“ waren.<ref name="DeutschEibl-s160" />

Mozarts Gedanken kreisten immer noch um Aloisia Weber, den Traum von einer gemeinsamen Zukunft und die Sehnsucht, ihr und ihrer Familie zu helfen. „Ein langer Brief an Vater Weber (vom 29. Juli 1778) mit zum Teil kurios anmutenden Ratschlägen<ref>(Bauer/Deutsch Nr. 469).</ref> und ein italienisch geschriebener Brief (vom 30. Juli 1778) an Aloysia<ref>(Bauer/Deutsch Nr. 470).</ref> zeugen davon.“<ref>Ursula Mauthe: Mozarts „Weberin“ Aloysia Weber, verehel. Lange. Deutsche Mozart-Gesellschaft, Augsburg 1780, S. 13.</ref> Inzwischen hatte sich in Mannheim einiges geändert. Am 30. Dezember 1777 war der bayerische Kurfürst Maximilian II. Joseph gestorben, der Mannheimer Kurfürst Karl Theodor trat die Nachfolge an und verlegte seine Residenz samt Theater und Hofkapelle nach München. „Mannheim [büßte] seine Rolle […] als eines der bedeutenden europäischen Kulturzentren ein.“<ref name="Konrad-s74" /> Am 10. September 1778 schickte Leopold Mozart seinem Sohn eine „Lista der nach München gehenden Manheimmer Musik“.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 11. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 485) mit Nachschriften von Maria Anna (Nannerl) Mozart und Joseph Bullinger, Zeile 23–74.</ref> Auch Fridolin und Aloisia Weber bekamen hoch dotierte Stellen am Münchner Hof.<ref name="Konrad-s78" /><ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 12. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 504), Zeile 65–66.</ref> Aloisia war so erfolgreich, dass sie 1779 als „erste Hofsängerin“ in Wien engagiert wurde.<ref name="Mauthe-s15">Ursula Mauthe: Mozarts „Weberin“ Aloysia Weber, verehel. Lange. Deutsche Mozart-Gesellschaft, Augsburg 1780, S. 15.</ref> Mozarts Unterstützung brauchten die Webers nicht mehr.

Datei:Mozart Unterschrift.jpg
Eintragung Mozarts im Gästebuch der Mannheimer Sternwarte, 1778

Außerdem suchte Mozart weiterhin nach einem Ausweg, um die Rückkehr nach Salzburg doch noch abzuwenden. Er reiste – gegen den Willen seines Vaters<ref name="Konrad-s79" /> – erneut nach Mannheim, wo er am 6. November 1778 eintraf und bei Cannabichs Frau Marie Elisabeth wohnte.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 161 (33); siehe auch Mozarts Brief an seinen Vater, 12. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 504), Zeile 4–7.</ref> Am 16. November besuchte er die Mannheimer Sternwarte und trug sich in das Gästebuch ein.<ref name="DeutschEibl-s161">Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 161.</ref>

Tatsächlich machte er sich noch Hoffnungen auf ein Engagement.<ref>Vergleiche Brief Mozarts an seinen Vater, 12. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 504), Zeile 13–15.</ref> Leopold verlor die Geduld: „Es ist ohnmöglich mich aller deiner projecten, die du seit deiner Abreise von Salzb: im kopf hattest […] zu erinnern, ohne meinen gesunden Menschenverstand darüber zu verlieren. […] die Hauptsache ist, daß du itzt nach Salzb: kommst.“<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Leopold Mozart an seinen Sohn|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Leopold Mozart an seinen Sohn}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1069&cat=2%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Leopold Mozart an seinen Sohn}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1069&cat=2}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Leopold Mozart an seinen Sohn}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:mozarteum.at1778-11-19{{#if: 2025-04-23 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Datei:Mozart Family Croce.jpg
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Am 9. Dezember verließ Mozart Mannheim wieder und reiste über verschiedene Stationen nach München, wo er am 25. Dezember bei der Familie Weber abstieg.<ref name="DeutschEibl-s161" /> Er hatte für Aloisia eine Arie (Popoli di Tessaglia, KV 316) komponiert,<ref name="Mauthe-s15" /> die „ihr so past, wie ein kleid auf den leib“<ref>Mozart an seinen Vater, 3. Dezember 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 508), Zeile 42.</ref> Doch tief enttäuscht musste er erleben, dass sie ihn zurückwies.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 29. Dezember 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 513). Abgerufen am 27. April 2025.</ref>

In München traf Mozart auch seine Cousine Maria Anna Thekla wieder.<ref>Vergleiche seinen Brief vom 23. Dezember 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 511), Zeile 12–19.</ref> Wahrscheinlich reiste er in ihrer Begleitung am 13. Januar 1779 mit dem Fuhrunternehmer Franz Xaver Gschwendtner nach Salzburg.<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 8. Jenner 1779 (Bauer/Deutsch Nr. 520) mit Nachschrift von Maria Anna Thekla Mozart, Zeile 37–39; Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 163 (35).</ref>

Noch am 8. Januar beklagte Mozart sich bei seinem Vater: „ich schwöre ihnen beÿ meiner Ehre daß ich Salzburg und die ihnwonner (ich rede von gebohrnen Salzburgern) nicht leiden kann; – mir ist ihre sprache – ihre lebensart ganz unerträglich.“<ref>Mozart an seinen Vater, 8. Jenner 1779 (Bauer/Deutsch Nr. 520), Zeile 21–23.</ref> Doch „seine Arbeit mußte vorerst ganz vordergründig dem Ziel dienen, das finanzielle Desaster der Reise zu beheben“.<ref name="Konrad-s79" /> Er schrieb ein Anstellungsgesuch an Fürsterzbischof von Colloredo,<ref>Mozart an Fürsterzbischof Hieronymus Graf von Colloredo, vor dem 17. Januar 1779 (Bauer/Deutsch Nr. 522).</ref> übernahm die Stelle des Hoforganisten mit einem Jahresgehalt von 450 Gulden<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 24.</ref> und wohnte wieder bei seinem Vater. „Die Komposition von neuen Werken für den höfischen und kirchlichen Gebrauch gehörte ausdrücklich zu seinen Dienstaufgaben.“<ref name="Konrad-s80">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 80.</ref> In den folgenden eindreiviertel Jahren schuf er in diesem Rahmen Werke wie das Konzert für zwei Klaviere in Es-Dur (KV 365), das er mit seiner Schwester aufführte,<ref>Vergleiche Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, S. 79.</ref> die Krönungsmesse (KV 317) und die Sinfonie in B-Dur (KV 319). „Die Höreindrücke der Mannheimer wie der Pariser Monate ebenso wie die Kenntnis von Gattungsbesonderheiten dieser beiden Musikzentren lassen sich hier, in vielen Details verarbeitet, heraushören, beispielsweise in der Formbildung, der Orchesterbehandlung oder der hervorgehobenen Bedeutung des Konzertanten.“<ref name="Konrad-s80" />

Idomeneo und der Bruch mit dem Erzbischof (1780–1781)

Im Herbst 1780 bekam Mozart vom bayerischen Kurfürsten Karl Theodor einen großen Opernauftrag für die bevorstehende Karnevalssaison. Er reiste am 5. November 1780 nach München, um die Opera seria Idomeneo, re di Creta (KV 366) zu komponieren und mit den Sängern und Sängerinnen sowie dem renommierten Hoforchester einzustudieren. Die meisten Beteiligten kannte er noch aus Mannheim. Die Titelrolle war mit Anton Raaf besetzt, die musikalische Leitung hatte Christian Cannabich, mit Mozart am Cembalo.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 84.</ref> Intendant des Hoftheaters war Joseph Anton von Seeau,<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 83.</ref> mit dem Mozart sechs Jahre zuvor bei der Aufführung von La finta giardiniera zusammengearbeitet hatte.

Datei:Anton Raaff als Idomeneo.JPG
Anton Raaff als Idomeneo (Anonym)

Leopold Mozart unterstützte die Arbeit seines Sohnes von Salzburg aus und verhandelte mit dem Librettisten Giambattista Varesco, der als Hofkaplan in Salzburg lebte. In etlichen Briefen wurden Fragen der Dramaturgie, der Anordnung und musikalischen Gestaltung erörtert, es kam noch einmal zu einer fruchtbaren Kooperation zwischen Vater und Sohn.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 82. Vergleiche auch den Briefwechsel zwischen Mozart und seinem Vater, 8. November 1780 – 22. Januar 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 535–581).</ref> Die Uraufführung fand am 29. Jänner 1781 im Münchener Residenztheater statt.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 169–170.</ref> Mozarts Vater, seine Schwester und mehrere Freunde reisten nach München, um dem Ereignis beizuwohnen.<ref>Brigitte Hamann: Mozart – Sein Leben und seine Zeit, Ueberreuter, Wien 2006, ISBN 978-3-8000-7132-6, S. 133.</ref> „Mozart hat über alle Darstellungsmittel bei dieser Oper vollkommen frei verfügt, vor allem das Orchester in der unbescheidensten Weise zum Einsatz gebracht.“ „Das Ergebnis war ein Meisterwerk – nun auch auf dem Gebiet der Oper. […] Mozart selbst hat ‚Idomeneo‘ unter allen seinen Opern besonders hoch geschätzt.“ (Volkmar Braunbehrens).<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 73.</ref>

Für den Aufenthalt in München hatte Erzbischof Colloredo Mozart einen sechswöchigen Urlaub gewährt, der bei weitem nicht ausreichte und erheblich überschritten wurde – ein Risiko, das Mozart nicht nur bewusst einging, sondern geradezu suchte: „künftigen Montag wird es sechs Wochen daß ich von Salzburg weg bin; […] mir wird beÿ meiner Ehre nicht Salzburg – sondern der Fürst – die stolze Noblesse alle tage unerträglicher – ich würde also mit vergnügen erwarten, daß er mir schreiben liesse, er brauche mich nicht mehr“.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, München, den 16. Dezember 1780|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, München, den 16. Dezember 1780}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1129&cat=3%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, München, den 16. Dezember 1780}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1129&cat=3}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, München, den 16. Dezember 1780}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2025-03-19 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Doch nachdem Mozart auch noch den Februar 1781 zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester in München verbracht hatte, wurde er im März von seinem Dienstherrn nach Wien beordert. Der Erzbischof wollte dort seinen erkrankten Vater besuchen und hatte einen Teil seines Hofstaats im Gefolge, darunter seinen Kammerherrn und Oberküchenmeister Karl Joseph Maria Graf Arco und einige Musiker, mit denen er in der Metropole glänzen wollte. „Mozart war dabei sicher das wichtigste Aushängeschild.“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 17.</ref>

Er reiste am 12. März 1781 in München ab und traf am Morgen des 16. März in Wien ein, wo er im Haus des Deutschen Ritterordens (Deutschordenshaus oder Deutsches Haus) im Blickfeld seines Arbeitgebers einquartiert wurde.<ref>Siehe Brief an Leopold Mozart, 17. März 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 583), Zeile 23–27.</ref> In festgelegter Sitzordnung wurden die Mahlzeiten zusammen mit der Dienerschaft und dem Küchenpersonal eingenommen.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Wien, den 17. März 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 583), Zeile 29–32. Abgerufen am 19. März 2025.</ref> „Der Regelung, sich allmorgendlich zur Entgegennahme von Anweisungen im Vorzimmer Colloredos bereitzuhalten, kam er nicht nach oder nur, wenn der Fürsterzbischof ihn ausdrücklich rufen ließ.“<ref name="Konrad-s86">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 86.</ref> Neben den Konzerten im Dienste des Erzbischofs suchte Mozart andere Verdienstmöglichkeiten und Gelegenheiten, sich bekannt zu machen. „In Wien erfuhr er allenthalben Respekt, war häufig Gast in Adelshäusern, [und] gewann mit Marie Karoline Gräfin Thiennes de Rumbeke eine erste, gut zahlende Schülerin.“<ref name="Konrad-s86" /> Konflikte mit seinem Arbeitgeber waren vorprogrammiert: „was mich aber halb desperat macht, ist, daß ich an dem Nemlichen abend als wir die scheis=Musick da [beim Erzherzog] hatten, zur Gräfin Thun invitirt war – und also nicht hinkommen konnte, und wer war dort? – der kaÿser“.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Wien, den 11. April 1781 (Bauer/Deutsch 588), Zeile 29–33. Abgerufen am 19. März 2025.</ref><ref>Vergleiche auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 86.</ref>

Datei:Cardinal Colloredo.jpg
Erzbischof Hieronymus von Colloredo (Anonym)

Die Situation spitzte sich zu, als der Erzbischof die Rückkehr nach Salzburg in die Wege leitete. Schon am 8. April 1781 schrieb Mozart an seinen Vater: „wenn sie nicht wären: so schwöre ich ihnen beÿ meiner ehre das ich […] gleich meine dienste quittirte.“<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Wien, den 8. April 1781. (Bauer/Deutsch Nr. 587), Zeile 22–24. Original mit Unterstreichung.</ref> Die Antwort auf diesen Brief ist nicht erhalten, wie auch sämtliche weiteren Briefe, die Leopold Mozart an seinen Sohn nach Wien geschickt hat, verschollen sind. Ihr Inhalt lässt sich daher nur aus den Briefen des Sohnes erschließen. Auf alle Fälle unterstützte Leopold diese Pläne nicht. Mozart lenkte zunächst scheinbar ein. Colloredo wollte ihn am 9. Mai mit einer Postsendung nach Salzburg schicken, doch die Abreise verzögerte sich, weil Mozart angeblich noch ausstehende Gelder nicht rechtzeitig eintreiben konnte.<ref name="Konrad-s87">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 87.</ref>

Nachdem Mozart sich seinem eigenen Bericht zufolge in zwei Audienzen noch beherrscht hatte, kam es bei einer dritten Begegnung zum Eklat. „Colloredo [beschuldigte ihn] […] der ständigen Vernachlässigung seiner Dienstpflichten. Als er ihn schließlich mit der Bemerkung des Raums verwies, er wolle mit ihm nichts mehr zu tun haben, verstand Mozart das als fristlose Kündigung und avisierte seinerseits deren schriftliche Bestätigung für den nächsten Tag.“<ref name="Konrad-s87" /> Doch der Kammerherr Graf Arco weigerte sich, Mozarts Kündigungsschreiben und das bereits ausgezahlte Reisegeld entgegenzunehmen,<ref>Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, Wien, 26. Mai und 2. Juni 1781 (Bauer/Deutsch 601), Zeile 14–18.</ref> erwartete vielmehr „eine unterwürfige Entschuldigung des Bediensteten“.<ref name="Konrad-s87" /> Unterdessen hatte Leopold Mozart Arco um Vermittlung gebeten. Aber ohne Erfolg. Nach einer eher freundlichen Unterredung kam es bei einer erneuten Begegnung am 8. Juni 1781<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 174.</ref> zu dem berühmten Fußtritt:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Nun hat es der Herr Graf Arko recht gut gemacht! – das ist also die art die leute zu bereden, sie an sich zu ziehen. – daß man aus angebohrner dummheit die Bittschriften nicht annimt, aus manglung des Muths und aus liebe zur fuchsschwänzereÿ dem Herrn gar kein Wort sagt, Jemand vier Wochen herum zieht, und endlich da derjenige gezwungen ist die Bittschrift selbst zu überreichen, anstatt ihm wenigstens den zutritt zu verstatten, ihn zur thüre hinaus schmeist, und einen tritt im Hintern giebt.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Nun hat es der Herr Graf Arko recht gut gemacht! – das ist also die art die leute zu bereden, sie an sich zu ziehen. – daß man aus angebohrner dummheit die Bittschriften nicht annimt, aus manglung des Muths und aus liebe zur fuchsschwänzereÿ dem Herrn gar kein Wort sagt, Jemand vier Wochen herum zieht, und endlich da derjenige gezwungen ist die Bittschrift selbst zu überreichen, anstatt ihm wenigstens den zutritt zu verstatten, ihn zur thüre hinaus schmeist, und einen tritt im Hintern giebt.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Nun hat es der Herr Graf Arko recht gut gemacht! – das ist also die art die leute zu bereden, sie an sich zu ziehen. – daß man aus angebohrner dummheit die Bittschriften nicht annimt, aus manglung des Muths und aus liebe zur fuchsschwänzereÿ dem Herrn gar kein Wort sagt, Jemand vier Wochen herum zieht, und endlich da derjenige gezwungen ist die Bittschrift selbst zu überreichen, anstatt ihm wenigstens den zutritt zu verstatten, ihn zur thüre hinaus schmeist, und einen tritt im Hintern giebt. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Nun hat es der Herr Graf Arko recht gut gemacht! – das ist also die art die leute zu bereden, sie an sich zu ziehen. – daß man aus angebohrner dummheit die Bittschriften nicht annimt, aus manglung des Muths und aus liebe zur fuchsschwänzereÿ dem Herrn gar kein Wort sagt, Jemand vier Wochen herum zieht, und endlich da derjenige gezwungen ist die Bittschrift selbst zu überreichen, anstatt ihm wenigstens den zutritt zu verstatten, ihn zur thüre hinaus schmeist, und einen tritt im Hintern giebt.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Wien, den 9. Juni 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 604), Zeile 4–9. Original mit Unterstreichung. Abgerufen am 19. März 2025.</ref> }}

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}} Damit war der Bruch vollzogen. Ein förmliches Entlassungspapier hat Mozart freilich nie erhalten.<ref name="Konrad-s88">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 88.</ref> Der Riss, den dieses Ereignis auch in der Beziehung zwischen Vater und Sohn auslöste,<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 49.</ref> wirkte lange nach und konnte wahrscheinlich nie mehr ganz gekittet werden, zumal Mozart einen weiteren Grund hatte, in Wien zu bleiben: der Kontakt zur Familie Weber war wieder aufgeblüht. Die Webers waren im September 1779 Aloisias Engagements als Hofsängerin wegen nach Wien gezogen. Am 23. Oktober 1779 war plötzlich der Vater Franz Fridolin Weber gestorben. Nachdem Aloisia ein Jahr später den Schauspieler und Maler Joseph Lange geheiratet hatte, fiel sie als Haupternährerin der Familie aus. Die Mutter Cäcilia Weber besserte fortan das Familieneinkommen durch Zimmervermietungen auf – und Mozart wurde ihr Untermieter.<ref>Ursula Mauthe: Mozarts „Weberin“ Aloysia Weber, verehel. Lange. Deutsche Mozart-Gesellschaft, Augsburg 1780, S. 15–19.</ref> Bereits Anfang Mai hatte der Erzbischof Mozart mitteilen lassen, dass er wegen der bevorstehenden Rückkehr nach Salzburg die Unterkunft im Deutschordenshaus zu räumen habe. „ich machte also alles geschwind in den koffer zusamm, und – die alte Mad:me Weber war so gütig mir ihr haus zu offriren – da habe ich mein hüpsches zimer; bin beÿ dienstfertigen leuten, die mir in allen, was man oft geschwind braucht, […] an die hand gehen.“<ref>Wolfgang Amadé Mozart an Leopold Mozart in Salzburg, Wien, den 9. Mai 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 592), Zeile 16–20. Abgerufen am 19. März 2025.</ref> Bei Cäcilia Weber, unter der Adresse Am Peter „Zum Auge Gottes“ (heute Milchgasse 1 / Tuchlauben 6) im zweiten Stock, wohnte Mozart bis Anfang September 1781.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Evamaria Fischer|Evamaria Fischer: }}{{#if:|{{#if:Wien in Mozart. Soziale Räume von Musik in Mozarts Wien. Wohnung Nr. 2 – „Zu Auge Gottes“, Stadt 1226|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Wien in Mozart. Soziale Räume von Musik in Mozarts Wien. Wohnung Nr. 2 – „Zu Auge Gottes“, Stadt 1226}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://www.wienmozart.de/raume/wohnung-nr-2-zumaugegottes%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Wien in Mozart. Soziale Räume von Musik in Mozarts Wien. Wohnung Nr. 2 – „Zu Auge Gottes“, Stadt 1226}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://www.wienmozart.de/raume/wohnung-nr-2-zumaugegottes}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Wien in Mozart. Soziale Räume von Musik in Mozarts Wien. Wohnung Nr. 2 – „Zu Auge Gottes“, Stadt 1226}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2025-04-27 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Freischaffender Komponist in Wien (1781–1791)

Datei:Mozart libretto figaro 1786.jpg
Titelblatt des Librettos von Le Nozze di Figaro, Prag 1786

Die ersten Monate als freier Künstler in Wien waren schwierig. „die vornehmsten Häuser sind auf dem lande. […] dermalen habe nur eine einzige Skolarin, welche ist die gräfin Rumbeck“ schrieb Mozart im Juni 1781 an seinen Vater.<ref>Mozart an seinen Vater, Wien, 16. Juni 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 606), Zeile 15 und 21–22.</ref> Im Winter besserte sich die Situation. „Schülerinnen der ersten Wiener Zeit waren Maria Theresia von Trattner, Josepha Auernhammer und Anna Maria Gräfin Zichy.“ Im Zusammenhang mit seiner Unterrichtstätigkeit schuf Mozart eine Reihe von Werken für Klavier, aber auch für Klavier und Violine.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 88.</ref>

Am 3. März 1782 veranstaltete er sein erstes eigenes Konzert mit Ausschnitten aus Idomeneo, dem Klavierkonzert KV 175 (mit dem Rondo KV 382 als Finale) und einer freien Fantasie.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 176.</ref> Im Laufe des Jahres beteiligte er sich auch an den morgendlichen ‚Augarten-Konzerten‘ und an den sogenannten ‚Dilettanten-Konzerten‘ des Konzertunternehmers Philipp Jakob Martin im Gasthof ‚Zur Mehlgrube‘ und „nutzte […] jede sich bietende Möglichkeit […] privater oder halböffentlicher Auftritte“ als Pianist.<ref name="Konrad-s89">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 89.</ref> Damit hatte ein „fulminante[r] künstlerische[r] und finanzielle[r] Erfolg“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 99.</ref> begonnen, der sich in den nächsten vier Jahren ungebrochen fortsetzen sollte. Traditionell gab er eine eigene Akademie am Burgtheater, war an Akademien der Tonkünstler-Societät und 1784 an einem „dreiteiligen Akademienzyklus im Privatsaal des Trattnerhofs“ beteiligt und bei „Privatkonzerte[n] in den ersten Häusern der Gesellschaft“ präsent.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 100.</ref> Das Programm der langen Konzerte war vielfältig. Neben den Klavierkonzerten wurden Sinfonien gespielt, Sängerinnen hatten Soloauftritte, Mozart improvisierte auf dem Klavier,<ref name="Konrad-s97"> Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 97.</ref> und auch Werke mit kleinerer Besetzung kamen zu Gehör.

Mit der Gründung eines deutschsprachigen „Nationaltheaters“ durch Kaiser Joseph II. bekam Mozart im Frühjahr 1781 auch den Auftrag, das Libretto des Singspiels Die Entführung aus dem Serail (KV 384) des Bühnenautors Johann Gottlieb Stephanie in Musik zu setzen.<ref name="Konrad-s89" /> „Die Chancen, mit diesem Plan zu reüssieren, standen auch im Blick auf die prominente Sängerliste gut.“ Die Vollendung des Werkes zog sich dann bis in den Mai des Jahres 1782 hin.<ref name="Konrad-s90">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 90.</ref> Die Premiere fand am 16. Juli, eine zweite Aufführung am 19. Juli statt. Trotz einiger Störungen, ausgelöst durch vorangegangene Intrigen gegen Mozart wegen der „Affaire seiner Salzburger Demission“,<ref name="Konrad-s90" /> wurde das Werk insgesamt begeistert aufgenommen.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 91.</ref>

Die Situation im Haushalt der Familie Weber gestaltete sich unterdessen angenehm: „wir haben in meiner Wohnung 2 flügel, einer zum galanterie spiellen, und der andere eine Machine. der durchgendes mit der tiefen octav gestimt ist, wie der den wir in London hatten. folglich wie eine orgel“.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an seinen Vater, 27. Juni 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 608), Zeile 20–23.</ref>

Doch bald kursierten Gerüchte über das Verhältnis zwischen Mozart und Cäcilia Webers jüngerer Tochter Constanze, die auch Vater Leopold erreichten. Als sie sich Mitte Juli 1781 konkretisierten, sah Mozart sich nach einer anderen Wohnung um, und am 5. September teilte er seinem Vater mit: „Ich schreibe ihnen nun in meinem Neuen Zimmer. auf dem graben N:o 1175 im 3:ten stock.“<ref>(Bauer/Deutsch Nr. 621), Zeile 3–4. Original mit Unterstreichungen.</ref><ref>„In drei Stockwerken dieses Hauses lebte damals der Großhändler Adam Isak Arnsteiner mit seiner Ehefrau […] sowie sein ältester Sohn Nathan Adam Arnsteiner (1743–1838) mit seiner Frau Franziska, geb. Itzig (der berühmten Fanny von Arnstein, 1758–1818) und einem zahlreichen Anhang von Bedienten usw. Im 3. Stock, neben den Arnsteinerischen Kutschern, Kammerdienern und Küchenmädeln bewohnte Mozart ein kleines Appartement.“ Hilde Spiel: Fanny von Arnstein. Frankfurt, 1978, S. 54–55, zitiert nach Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. 8, Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, S. 123–124 (Anhang zu Bauer/Deutsch Nr. 621).</ref>

Ein Vierteljahr später gestand Mozart seinem Vater erstmals seine Heiratsabsichten und bat ihn um seine Einwilligung.<ref>Brief Mozarts an seinen Vater, Wien, den 15. Dezember 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 648), Zeile 48–50.</ref> Doch Leopold weigerte sich.<ref name="braunbehrens-s101">Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 101.</ref> Nachdem am 16. Juli 1782 Die Entführung aus dem Serail uraufgeführt worden war, berichtete Mozart seinem Vater voller Stolz von dem Erfolg und schickte ihm „sogar die Originalpartitur zur Ansicht und Teilhabe“ nach Salzburg.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 100.</ref> Aber Leopold war so verbittert, dass er Zeitmangel vorschob und sich die Noten anscheinend nicht einmal ansah, seinem Sohn sogar Angeberei („gros-sprechen“) vorwarf.<ref>Wolfgang Amadé Mozart an seinen Vater, 31. Juli 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 681), Zeile 11–17.</ref><ref name="braunbehrens-s101" /> „Der Vater verweigerte sich künftig allen von Wolfgang nachdrücklich in Gang gehaltenen Diskussionen um seine kompositorischen Überlegungen und seinen Schaffensprozess“. (Silke Leopold).<ref name="SilkeLeopold-s15">Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 15.</ref> Mit dem Honorar für die Entführung war jedoch die Gründung eines eigenen Hausstandes möglich geworden, und in jedem seiner Briefe flehte Mozart seinen Vater um die Heiratserlaubnis an.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 84 und 101–102.</ref>

Unterdessen trübte sich auch das Verhältnis zwischen dem künftigen Brautpaar und Constanzes Mutter ein, die um ihren eigenen Ruf und den ihrer Tochter besorgt war, zumal Constanze als Halbwaise noch ein Vormund zur Seite gestellt war. Cäcilia Weber drohte sogar, Constanze von der Polizei nach Hause holen zu lassen.<ref>Vergleiche Brief Wolfgang Amadé Mozarts an Martha Elisabeth Baronin von Waldstätten in Wien, vor dem 4. August 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 683), Zeile 8–11.</ref> Am Ende gab Leopold nach. Als seine Einwilligung in Wien endlich eintraf, hatte die Hochzeit allerdings bereits stattgefunden:<ref>Nur Constanzes Vormund Johann Thorwart, ihre Mutter und ihre Schwester Sophie sowie die beiden Trauzeugen (für Mozart der Mediziner Franz Gilowsky (1757–1816), Bruder der besten Freundin seiner Schwester Katharina (Katherl) Gilowsky (1750–1802)) nahmen an der Zeremonie teil. (Vergleiche Mozarts Brief an seinen Vater, 7. August 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 684), Zeile 25–28.)</ref> am 4. August 1782 heirateten Wolfgang Amadé Mozart und Constanze Weber.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Dompfarre St. Stephan, Wien|Dompfarre St. Stephan, Wien: }}{{#if:|{{#if:Matriken, Trauungsbuch 02-074, 271|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Matriken, Trauungsbuch 02-074, 271}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/02-074/?pg=278%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Matriken, Trauungsbuch 02-074, 271}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/02-074/?pg=278}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Matriken, Trauungsbuch 02-074, 271}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Matricula Online{{#if: 2021-04-06 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Datei:Constanze Mozart by Lange 1782.jpg
Constanze Mozart im Jahr 1782, Porträt von ihrem Schwager Joseph Lange

Ein kleines Hochzeitsessen, „welches in der that mehr fürstlich als Baronisch war“<ref>Wolfgang Amadé Mozart an seinen Vater, 7. August 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 684), Zeile 30–32.</ref> wurde von der Baronin Martha Elisabeth von Waldstätten ausgerichtet, die erfolgreich als Vermittlerin wirkte.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts vertraulichen Brief an Baronin Waldstätten vom 23. August 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 687), in dem er ihr für die Ausrichtung der Hochzeit seines Sohnes dankte.</ref><ref>Siehe auch Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 102.</ref>

Alle Originalzeugnisse – das sind vor allem Mozarts Briefe an seine Frau, Liebesbriefe, „in denen er sich mit [ihr] auf eine heiter-verspielte, manchmal auch sehr freizügige […] Weise unterhält“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 113.</ref> – sprechen dafür, dass es eine glückliche Ehe war. Constanzes Briefe an Mozart sind nicht erhalten.

Allerdings hatten die meisten Mozart-Biographen der Vergangenheit, Arthur Schurig, Alfred Einstein, Erich Schenk, Wolfgang Hildesheimer und andere, keine hohe Meinung von Mozarts Frau: sie wurde als oberflächlich, ungebildet, leichtsinnig oder auch gewinnsüchtig und obendrein noch als eine schlechte Hausfrau charakterisiert.<ref>Siehe dazu den Abschnitt Wer war Konstanze Mozart? in: Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 104–110. Vergleiche auch Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 97–98. Zu Constanzes angeblich mangelnden hausfraulichen Qualitäten: Alfred Einstein: Mozart – sein Charakter, sein Werk. Deutscher Bücherbund, Stuttgart [u. a.], 1968, S. 82. Subtil bemerkt Braunbehrens: „Es scheint, daß die Verliebtheit der Biographen in ihre ‚Helden‘ bis zu manifester Eifersucht reicht gegen alle, die jemals in zu große Nähe des Verehrten gekommen sind.“ Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 105.</ref> Sicherlich gingen die Aversionen letztlich auf Leopold Mozart zurück.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 107.</ref>

Mozart aber hing leidenschaftlich an seiner Frau. „[Er] liebte Konstanze in ganz unvergleichlicher Weise, unbezweifelt, mit allen Fasern seiner physischen und psychischen Existenz.“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 120.</ref> Trennungen konnte er kaum ertragen:<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 309–310.</ref>

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|ich freue mich wie ein kind wieder zu dir zurück – wenn die leute in mein herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen. – es ist alles kalt für mich – eiskalt – Ja, wenn du beÿ mir wärest, da würde ich vieleicht an dem artigen betragen der leute gegen mich mehr vergnügen finden, – so ist es aber so leer […]}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|ich freue mich wie ein kind wieder zu dir zurück – wenn die leute in mein herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen. – es ist alles kalt für mich – eiskalt – Ja, wenn du beÿ mir wärest, da würde ich vieleicht an dem artigen betragen der leute gegen mich mehr vergnügen finden, – so ist es aber so leer […]}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| ich freue mich wie ein kind wieder zu dir zurück – wenn die leute in mein herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen. – es ist alles kalt für mich – eiskalt – Ja, wenn du beÿ mir wärest, da würde ich vieleicht an dem artigen betragen der leute gegen mich mehr vergnügen finden, – so ist es aber so leer […] | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|ich freue mich wie ein kind wieder zu dir zurück – wenn die leute in mein herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen. – es ist alles kalt für mich – eiskalt – Ja, wenn du beÿ mir wärest, da würde ich vieleicht an dem artigen betragen der leute gegen mich mehr vergnügen finden, – so ist es aber so leer […]}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Mozart an seine Frau, Frankfurt am Main, 30. September 1790. (Bauer/Deutsch Nr. 1136), Zeile 23–26. Abgerufen am 19. März 2025.</ref> }}

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}} Das Paar bekam sechs Kinder:

  • Raimund Leopold Mozart (* 17. Juni 1783 in Wien; † 19. August 1783 ebenda)
  • Carl Thomas Mozart (* 21. September 1784 in Wien; † 31. Oktober 1858 in Mailand)
  • Johann Thomas Leopold Mozart (* 18. Oktober 1786 in Wien; † 15. November 1786 ebenda)
  • Theresa Konstantia Adelheid Friderika Maria Anna Mozart (* 27. Dezember 1787 in Wien; † 29. Juni 1788 ebenda)
  • Anna Maria Mozart (* 16. November 1789 in Wien; † 16. November 1789 ebenda)
  • Franz Xaver Wolfgang Mozart (* 26. Juli 1791 in Wien; † 29. Juli 1844 in Karlsbad)

Lediglich Carl Thomas und Franz Xaver Wolfgang überlebten die Kinderzeit. (Beide starben kinderlos, es gibt keine direkten Nachkommen von Mozart mehr.)

Bereits kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes, im Juli 1783, besuchten Mozart und seine Frau in Salzburg Vater Leopold und Mozarts Schwester Maria Anna („Nannerl“). Sie blieben dort vier Monate. Unterdessen starb in Wien am 19. August 1783 ihr Sohn Raimund Leopold, den sie bei einer Amme zurückgelassen hatten.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 112.</ref> Es war Mozarts letzter Aufenthalt in seiner Geburtstadt.<ref>Günther G. Bauer: Mozart und Constanze 1783 zu Besuch in Salzburg (= Salzburg Studien, Forschungen zu Geschichte, Kunst und Kultur, Band 12). Salzburg 2012, ISBN 978-3-902582-05-8.</ref> Auf der Rückreise ließ Johann Joseph Graf Thun Mozart in Linz abpassen und arrangierte ein öffentliches Konzert,<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 165.</ref> für das Mozart die Linzer Sinfonie (KV 425) komponierte: „weil ich keine einzige Simphonie beÿ mir habe, so schreibe ich über hals und kopf an einer Neuen“.<ref>Mozart an seinen Vater, 31. Oktober 1783 (Bauer/Deutsch Nr. 766), Zeile 20–21.</ref> Auch eine andere Reise war seit dem Sommer 1782 geplant, sie sollte nach Paris und vielleicht nach London führen, und Mozart bereitete sich mit französischem und englischem Sprachunterricht darauf vor. Doch es kam nicht dazu, auch weil der Vater abriet.<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 96.</ref>

„Unvollendet zurückgelassen hat er in dieser Zeit […] ein ambitioniertes geistliches Werk, die Missa c-Moll KV 427.“<ref name="Konrad-s97" /> Der Anlass für die Komposition ist unklar, möglicherweise schrieb er sie für Constanze anlässlich einer Krankheit oder der Reise nach Salzburg.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 115–116.</ref> Kompositorisch „spiegelt sich [in dem Werk …] die Auseinandersetzung […] mit den oratorischen Entwürfen Georg Friedrich Händels wider, die er damals im Hause van Swietens kennengelernt hatte.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 98.</ref>

Anfang Februar 1784 legte Mozart ein eigenes Werkverzeichnis an: Verzeichnüß. aller meiner Werke vom Monath Febrario 1784 bis Monath … Wolfgang Amadé Mozart.<ref>Siehe Wolfgang Amadeus Mozart: Verzeichnüß [Verzeichnis] aller meiner Werke : vom Monath Febrario 1784 bis Monath .... Faksimile der Handschrift, herausgegeben von Otto Erich Deutsch. Reichner, Wien 1938. Das Original aus der Autographensammlung von Stefan Zweig befindet sich in der British Library.</ref> „Im allgemeinen sind die Eintragungen […] sorgfältig vorgenommen, meist am Tage der Fertigstellung eines Werkes, immer mit den ersten Takten in Notenschrift […], genaueren Besetzungsangaben und oft auch Hinweisen zum Anlaß der Komposition.“<ref> Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 174–214.</ref>

Die „glanzvollste“ Folge von Winterkonzerten war die von Februar und März 1785. „Zeuge der Triumphe wurde Vater Leopold, der am 11. Februar in Wien zu Besuch eintraf und gleich am Abend die erste von […] sechs freitäglichen Subskriptionsakademien im Saal ‚Zur Mehlgrube‘ am Neuen Markt hörte“, in der das Klavierkonzert in d-Moll (KV 466) uraufgeführt wurde.<ref name="MGG" /> Leopold war überwältigt vom Erfolg seines Sohnes und von dessen aufwendigem Lebensstil<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 215–218.</ref> und berichtete seiner Tochter:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|den nämlichen freÿtag bends fuhren wir um 6 uhr in sein erstes subscriptions Concert, wo eine grosse versammlung von Menschen von Rang war. iede Person zahlt für diese 6 FastenConcert einen Souvrain d’or oder 3 dugatten. Es ist auf der Mehlgrube [… ] das Concert war unvergleichlich, das Orchester vortrefflich, außer den Synfonien sang eine Sängerin vom welschen theater 2 Arien. dann war ein neues vortrefliches Clavier Concert vom Wolfgang, wo der Copist, da wir ankammen noch daran abschrieb, und dein Bruder das Rondeau noch nicht einmahl durchzuspielen Zeit hatte, weil er die Copiatur übersehen musste. daß nun da viele bekannte angetroffen, und mir alles zulief, kannst dir leicht vorstellen. […] Am Sontag abend war im Theater die accademie […] und dein Bruder spielte ein herrliches Concert […] als [... er] weg gieng, machte ihm der kayser mit dem Hut in der Hand ein Compt.: hinab und schrie bravo Mozart.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|den nämlichen freÿtag bends fuhren wir um 6 uhr in sein erstes subscriptions Concert, wo eine grosse versammlung von Menschen von Rang war. iede Person zahlt für diese 6 FastenConcert einen Souvrain d’or oder 3 dugatten. 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        | }} }}{{#if: den nämlichen freÿtag bends fuhren wir um 6 uhr in sein erstes subscriptions Concert, wo eine grosse versammlung von Menschen von Rang war. iede Person zahlt für diese 6 FastenConcert

einen Souvrain d’or oder 3 dugatten. Es ist auf der Mehlgrube [… ] das Concert war unvergleichlich, das Orchester vortrefflich, außer den Synfonien sang eine Sängerin vom welschen theater 2 Arien. dann war ein neues vortrefliches Clavier Concert vom Wolfgang, wo der Copist, da wir ankammen noch daran abschrieb, und dein Bruder das Rondeau noch nicht einmahl durchzuspielen Zeit hatte, weil er die Copiatur übersehen musste. daß nun da viele bekannte angetroffen, und mir alles zulief, kannst dir leicht vorstellen. […] Am Sontag abend war im Theater die accademie […] und dein Bruder spielte ein herrliches Concert […] als [... er] weg gieng, machte ihm der kayser mit dem Hut in der Hand ein Compt.: hinab und schrie bravo Mozart. | {{

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}} Allerdings waren die äußeren Umstände des Besuches im kalten Winter 1785 für Leopold beschwerlich, er zog sich eine schwere Erkältung zu. „Ständige Unruhe im Haus, jeden Abend Konzert oder Besuche bei Mozarts Bekannten und Freunden“,<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 215–216.</ref> „er sehnte sich wieder nach Haus in das bescheidenere Salzburg“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 215.</ref> und verließ Wien am 25. April 1785.<ref>Vergleiche Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 216.</ref> Vater und Sohn hatten sich zum letzten Mal gesehen. Leopold Mozart starb am 28. Mai 1787 in Salzburg.

Datei:Mozart Haydn Quartette Widmung.jpg
Widmung Al mio caro amico Haydn („Meinem lieben Freund Haydn“) in der Erstausgabe der Sei quartetti per due violini, viola, e violoncello, Artaria, Wien 1785

Freundschaften und Beziehungen

Eine besondere Freundschaft entwickelte sich zwischen Mozart und dem 24 Jahre älteren Joseph Haydn, die sich in Wien persönlich begegneten. Beide hatten große Achtung vor der Person und den Werken des anderen und beeinflussten sich gegenseitig. Mozart bewunderte Haydns Streichquartette op. 33 (Russische Quartette), mit denen dieser die Gattung entscheidend weiterentwickelt hat, und widmete ihm sechs nach deren Vorbild komponierte eigene Quartette: G-Dur KV 387, d-Moll KV 421, Es-Dur KV 428, B-Dur KV 458 (Jagd-Quartett), A-Dur KV 464 und C-Dur KV 465 (Dissonanzen-Quartett). In der auf Italienisch verfassten Dedikation an seinen „caro amico Haydn“ bezeichnet er sie als seine „Kinder (figli)“ und als „die Frucht einer langen und mühsamen Arbeit (il frutto di una lunga e laboriosa fatica)“.<ref>Wolfgang Amadeus Mozart: Sei quartetti per due violini, viola, e violoncello. Composti e dedicati al Signor Giuseppe Haydn … dal suo amico W. A. Mozart. Vienna, Artaria 1785, Widmung.</ref> Die Quartette wurden in Hauskonzerten für Haydn und zum Teil wohl auch mit ihm aufgeführt. Anlässlich des Besuchs von Leopold Mozart in Wien spielten Mozart, sein Vater und die beiden Brüder Anton und Bartholomäus Freiherrn von Tinti, Mitglieder der Loge Zur wahren Eintracht,<ref>Vergleiche Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 209.</ref> am 12. Februar 1785 die letzten drei der Quartette. Vater Leopold berichtete seiner Tochter von dem Abend:

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}} Auch später hat Haydn immer wieder seine Zuneigung zu Mozart und seine Bewunderung für ihn zum Ausdruck gebracht.<ref>Vergleiche etwa Haydns Brief an Franz Rott in Prag, Dezember 1787. Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 371.</ref>

„Außerdem gehörte [… Mozart] seit dem Frühjahr 1782 zu einem kleinen Kreis von Musikkennern um Baron van Swieten […]; die Runde traf sich sonntäglich in der Hofbibliothek zum praktischen Studium älterer musikalischer Literatur. In der Hauptsache erklang kontrapunktische Instrumentalmusik von Johann Sebastian, Carl Philipp Emanuel und Friedemann Bach, von Carl Heinrich Graun sowie Georg Friedrich Händel […] Mozart vermochte hier sowohl seine seit langem erwiesene Könnerschaft etwa auf dem Gebiet der Fuge zu zeigen als auch vielfältige kompositionstechnische Anregungen aus dem gespielten Repertoire zu empfangen.“<ref name="Konrad-s89" />

Mozarts Originalverleger Heinrich Philipp Bossler war einer der bedeutendsten Musikverleger seiner Zeit. In seinem Verlagshaus erschienen unter anderem die Ouvertüren zu Le nozze di Figaro und Don Giovanni.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Weiterhin wirkte Bossler als Impresario der Virtuosin Marianne Kirchgeßner, für deren Glasharmonikaspiel Mozart das Adagio und Rondo für Glasharmonika, Flöte, Klarinette, Viola und Violoncello (KV 617) und das Adagio (KV 356/617a) komponierte. Schon 1784 hatte Bossler, der Mozart persönlich kannte, einen Kupferstich mit dem Titel Signor Mozart angefertigt.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> 1792 publizierte er einen ausführlichen Nachruf auf Wolfgang Amadé Mozart, in dem er besonders auf die Situation der mittellosen Kinder einging.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Freimaurer

Mozart trat am 14. Dezember 1784 in die Wiener Freimaurerloge Zur Wohltätigkeit ein, die später in die Bauhütte Zur neugekrönten Hoffnung überführt wurde. In der Literatur wird vielfach behauptet, dass dieser Schritt durch seinen Freund Otto Heinrich von Gemmingen-Hornberg vermittelt wurde, doch Beweise gibt es dafür nicht.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 466.</ref> Mozart besuchte regelmäßig auch eine zweite Wiener Loge, Zur wahren Eintracht, deren Meister der Illuminat Ignaz von Born war. Dort wurde er am 7. Jänner 1785 zum Gesellen befördert. „In den beiden Logen ‚Zur wahren Eintracht‘ und ‚Zur Wohltätigkeit‘, die sich ein Lokal teilten, fand sich vor allem Bildungsbürgertum zusammen.“<ref>Lisa-Maria Brusius: Die Freimaurerloge. April 2012.</ref> Nachdem das Freimaurerpatent Josephs II. vom 11. Dezember 1785 die Zahl der zugelassenen Logen begrenzt und diese unter staatliche Kontrolle gestellt hatte, wurde 1786 die Loge Zur Wohltätigkeit in die Loge Zur gekrönten Hoffnung eingegliedert. Die Zahl der Brüder reduzierte sich daraufhin erheblich.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Damals.de: 11. Dezember 1785|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Damals.de: 11. Dezember 1785}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.wissenschaft.de/zeitpunkte/11-dezember-freimaurerpatent-josephs-ii/%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Damals.de: 11. Dezember 1785}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.wissenschaft.de/zeitpunkte/11-dezember-freimaurerpatent-josephs-ii/}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Damals.de: 11. Dezember 1785}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2025-03-19 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Guy Wagner: Bruder Mozart. 2. Auflage. Amalthea-Verlag, Wien 2003. ISBN 3-85002-502-0.</ref>

„Nicht mehr rational zu fassen ist […] das Verhältnis von Mozarts […] Oper Die Zauberflöte zur Welt des Freimaurertums. So unbestreitbar und vordergründig freimaurerische Bilder, Symbole und Gedanken als Motivmaterial in Schikaneders Libretto Eingang gefunden haben, so zweifelhaft bleibt die […] These, Schikaneder und Mozart hätten mit ihrem Werk eine […] musikalisch-theatrale Formung der freimaurerischen Ideenwelt angestrebt.“ (Ulrich Konrad).<ref name="Konrad-s105">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 105.</ref><ref>Vergleiche auch Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 273–285, ‚Die Zauberflöte‘ – eine Logenarbeit?</ref>

Le nozze di Figaro und Don Giovanni

Im Winter 1785/1786 komponierte Mozart das große Klavierkonzert in Es-Dur (KV 482) für ein Konzert der Tonkünstler-Societät am 23. Dezember 1785. „Während der Fastenwochen 1786 dürfte [… er] weitere Akademien gegeben haben, worauf […] die […] Komposition von [zwei anderen] Klavierkonzerten (KV 488, 491) hindeutet. Belegt ist [sic] […] eine Veranstaltung im Burgtheater am 7. April 1786 – die letzte sicher bezeugte Akademie Mozarts in Wien […] – sowie ein Auftritt im Rahmen eines Konzerts der Sopranistin Josepha Duschek in der zweiten Märzhälfte.“<ref name="Konrad-s102">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 102.</ref>

Im Frühjahr 1785 hatte Mozart mit der Konzeption seiner Opera buffa Le nozze di Figaro KV 492 begonnen.<ref name="Konrad-s102" /> „Aus Lorenzo Da Pontes Memoiren geht hervor, daß Mozart selbst Beaumarchais’ Komödie Die Hochzeit des Figaro als Opernstoff ausgesucht und Da Ponte um die Bearbeitung zu einem geeigneten Libretto gebeten hatte.“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 226.</ref> Mozart war sich der Brisanz des Sujets bewusst. Die Aufführung von Beaumarchais' Lustspiel Der närrische Tag oder die Hochzeit des Figaro’s war noch im Februar 1785 auf Anweisung des Kaisers im Sprechtheater verboten worden.<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 138.</ref> Doch die „Tendenz“ des Dramma giocoso von Mozart und da Ponte passte durchaus zur Reformpolitik Josephs II. „Denn […] diese Oper [propagierte], was wesentlicher Bestandteil der josephinischen Innenpolitik war: die Eliminierung adliger Privilegien, die rechtliche Gleichstellung aller Untertanen.“ (Volkmar Braunbehrens).<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 231–232.</ref> Die Premiere fand am 1. Mai 1786 am Wiener Burgtheater statt. Das überwiegend adlige<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 231.</ref> Publikum zeigte gemischte Reaktionen.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 2006, ISBN 3-492-24605-2, S. 301.</ref> Nach neun Vorstellungen wurde die Oper abgesetzt; eine Neueinstudierung im August 1789 brachte es in Wien dann aber auf 28 Aufführungen.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 303.</ref> In Prag war das Werk auf Anhieb so erfolgreich, dass Mozart im Januar 1787 von einer „Gesellschaft grosser kenner und Liebhaber“ eigens zu einer Aufführung dorthin eingeladen wurde.<ref>Leopold Mozart an seine Tochter Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg in St. Gilgen, Salzburg, 12. Januar 1787 (Bauer/Deutsch Nr. 1020), Zeile 19–20. Original mit Unterstreichung. Siehe auch Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 318.</ref>

Zwischen Juni und November 1786 komponierte Mozart Klavier- und Kammermusikwerke.<ref name="Konrad-s105" /> „Erst im Dezember rückten mit der Fertigstellung des großen C-Dur-Klavierkonzerts KV 503 wieder die […] Winterakademien ins Blickfeld, […] wohl [mit] vier Veranstaltungen im Kasino des Trattnerhofs.“ Es folgte die Niederschrift der dreisätzigen sogenannten Prager Sinfonie KV 504.<ref name="Konrad-s106">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 106.</ref>

Der Aufenthalt in Prag stand zuerst „im Zeichen […] gesellschaftlichen Verkehrs und […] gesellige[r] Faschingsfreuden“.<ref name="Konrad-s106" /> Zweimal wurde dann der Figaro geboten, einmal unter Mozarts Leitung, und „am 19. Januar trat der Komponist und Pianist vor das Prager Publikum, unter anderem mit der erstmals zu hörenden Sinfonie KV 504.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 107.</ref>

Noch 1787 erhielt Mozart von dem Prager Opernimpresario Pasquale Bondini den Auftrag zu einer neuen Oper. Am 4. Oktober war er mit seiner Frau wieder in Prag,<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 263.</ref> und am 29. Oktober 1787 wurde Don Giovanni (KV 527), wiederum nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte, im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater unter Leitung des Komponisten mit „rauschende[m] Erfolg“<ref name="Konrad-s109">Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 109.</ref> uraufgeführt. „Besonders die Begeisterung der literarischen Romantik für den Don Giovanni, allen voran E. T. A. Hoffmanns mit seinem Diktum von der ‚Oper aller Opern‘, hat seine Rezeptionsgeschichte nachhaltig beeinflußt.“ (Ulrich Konrad).<ref name="Konrad-s109" />

Datei:Mozart drawing Doris Stock 1789.jpg
W. A. Mozart im Jahr 1789. Silberstiftzeichnung von Dora Stock

Krise 1788–1790

Nachdem er 1787 noch zusätzliche Einkünfte aus der Erbschaft seines verstorbenen Vaters hatte und zudem am 7. Dezember mit einem Jahresgehalt von 800 Gulden von Joseph II. zum k k. Kammermusicus ernannt worden war (später, am 9. Mai 1791, außerdem zum unbesoldeten Adjunkten des Domkapellmeisters des Stephansdoms, Leopold Hofmann), verschlechterte sich Mozarts finanzielle Situation 1788 dramatisch.

Auch wenn er vermutlich keine eigenen Akademiekonzerte mehr veranstaltete – die Vollendung des Klavierkonzerts in D-Dur KV 537 am 24. Februar 1788 könnte gegen diese Annahme sprechen<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 112.</ref> – verzichtete er nicht auf Auftritte. Im Sommer 1788 entstanden in kurzer Zeit seine drei letzten Sinfonien in Es-Dur (KV 543), g-Moll (KV 550) und C-Dur (KV 551).<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 113.</ref><ref>In Mozarts Werk-„Verzeichnüß“ ist „KV 543 am 26. Juni, KV 550 am 25. Juli [und] KV 551 am 10. August 1788 datiert“. Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 472.</ref> In einem Brief aus demselben Jahr bittet Mozart Michael Puchberg „mir nur bis künftige Woche (wo meine Academien im Casino anfangen) mit 100 fl. auszuhelfen“.<ref>Mozart an Michael Puchberg, angeblich 1. Juni 1788 (Bauer/Deutsch Nr. 1076), Zeile 5–6. „Die traditionelle Datierung des Schreibens auf den Juni des Jahres ist zweifelhaft, wahrscheinlicher dürfte Ende November 1788 sein“. (Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 141, Anm. 146.)</ref> Es gibt (trotz gegenteiliger Überlieferung) keine Hinweise darauf, dass diese „Casino“-Konzerte im Trattnerhof, vermutlich drei Subskriptionskonzerte, nicht stattgefunden haben und die drei großen Sinfonien bei diesen Veranstaltungen nicht gespielt wurden.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 344.</ref>

Im Sommer 1788 hatte Mozart begonnen, die sogenannten „Bettelbriefe“ an seinen Freund und Logenbruder Johann Michael Puchberg zu schreiben. Wahrscheinlich waren der Russisch-Österreichische Türkenkrieg und eine daraus resultierende Wirtschaftskrise<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 131.</ref> sowie eine Erkrankung von Mozarts Frau im Jahr 1789 die Hauptursachen für Mozarts Geldnöte.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 114, vergleiche auch S. 352.</ref> (Weiteres siehe unter: Finanzen und künstlerische Autonomie.)

Vom 8. April bis zum 4. Juni 1789 reiste Mozart mit dem Fürsten Karl Lichnowsky über Prag, Dresden und Leipzig nach Potsdam und Berlin zum preußischen König Friedrich Wilhelm II. Über Anlass und Zweck dieser Reise ist wenig bekannt. Es ist nicht einmal sicher, dass er dem König überhaupt begegnet ist. Nur ein Vorspiel vor Königin Friederike ist verbürgt. „Der vermeintliche (und sogar im Voraus honorierte) förmliche Kompositionsauftrag für sechs der Prinzessin Friederike Charlotte zugedachte leichte Klaviersonaten und sechs Streichquartette für den cellospielenden König finden [keinen] Niederschlag in einer authentischen Quelle.“ „Keiner der beiden Zyklen ist abgeschlossen worden; komponiert hat Mozart im Laufe eines Jahres lediglich die drei ‚Preußischen‘ Quartette (KV 575, 589 und 590) und eine – seine letzte – Klaviersonate KV 576.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 118.</ref> Vom 28. Mai bis zum 4. Juni fuhr Mozart über Dresden und Prag zurück nach Wien.

Wenig später, „gerade [… als] er sich in schlimmen Geldverlegenheiten befand“, bekam er einen neuen Opernauftrag:<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 357.</ref> im Herbst 1789 begann Mozart mit der Komposition der Oper Così fan tutte (KV 588). Ein drittes Mal war Lorenzo da Ponte der Librettist. Die Premiere fand am 26. Januar 1790 zum Höhepunkt des Wiener Faschings im Burgtheater statt. Es folgten vier weitere Vorstellungen, ehe nach dem Tod der Prinzessin Elisabeth und zwei Tage später auch des Kaisers Hoftrauer anberaumt wurde.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 365.</ref> Joseph II. hat die Oper nicht mehr gesehen.

Vom 23. September bis Anfang November 1790 reiste Mozart zur Krönung des neuen Kaisers Leopold II. nach Frankfurt am Main. Er war dort zusammen mit einem Freund, dem Theaterdirektor Johann Heinrich Böhm, im „Backhaus“ in der Kalbächer Gasse 10 einquartiert.<ref>{{#if:2012-10-24|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:https://web.archive.org/web/20121024235711/http://www.holzhausenschloesschen.de/sites/default/files/mozart_schaerfengaesschen.pdf%7C{{#if:Mozart in Frankfurt am Main|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://web.archive.org/web/20121024235711/http://www.holzhausenschloesschen.de/sites/default/files/mozart_schaerfengaesschen.pdf}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Mozart in Frankfurt am Main}}]{{#if:PDF; 1,7 MB| (PDF; 1,7 MB)}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://www.holzhausenschloesschen.de/sites/default/files/mozart_schaerfengaesschen.pdf%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C1}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Mozart in Frankfurt am Main}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://www.holzhausenschloesschen.de/sites/default/files/mozart_schaerfengaesschen.pdf}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Mozart in Frankfurt am Main}}}}]}}{{#if:PDF; 1,7 MB| (PDF; 1,7 MB{{#if:1Frankfurter Bürgerstiftunghttps://web.archive.org/web/20121024235711/http://www.holzhausenschloesschen.de/sites/default/files/mozart_schaerfengaesschen.pdf{{#if: 2020-08-27 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Während Mozarts Abwesenheit organisierte seine Frau den Umzug der Familie vom Judenplatz 4 in die Rauhensteingasse 8 und führte Darlehensverhandlungen mit dem Kaufmann Heinrich Lackenbacher.<ref>Amadé Mozart: Schuldverschreibung, Wien, 1. Oktober 1790. (Bauer/Deutsch Nr. 1137). Abgerufen am 19. März 2025. Vergleiche auch Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 132 und 381–382.</ref>

Die Zauberflöte und La clemenza di Tito

In Mozarts letztem Lebensjahr 1791 verbesserte sich seine finanzielle Lage wieder.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 153, 346, 384, 391 und 460.</ref> Er komponierte in diesem Jahr zwei Opern. Während Lorenzo da Ponte im Frühjahr von Kaiser Leopold II. aus seiner Stelle als Textdichter am Wiener Burgtheater entlassen wurde (vermutlich hauptsächlich wegen seiner „Skandalaffären“ mit der Sängerin Adriana Ferrarese del Bene)<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Deutsche Biographie: Da Ponte, Lorenzo|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Deutsche Biographie: Da Ponte, Lorenzo}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678841.html#ndbcontent%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Deutsche Biographie: Da Ponte, Lorenzo}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678841.html#ndbcontent}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Deutsche Biographie: Da Ponte, Lorenzo}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2025-03-19 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Ab Mitte Juli arbeitete Mozart zugleich an der Opera seria La clemenza di Tito (KV 621). Am 14. Juli hatte ihm der Prager Impresario Domenico Guardasoni im Namen der Böhmischen Stände den Auftrag überbracht, eine Festoper anlässlich der Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen zu komponieren. Als Textvorlage diente das Libretto La clemenza di Tito von Pietro Metastasio aus dem Jahre 1734. Es bot sich an, denn der Lobpreis auf einen gütigen Herrscher konnte die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass Leopold die Reformpolitik seines Bruders fortsetzen würde. Der Librettist Caterino Mazzolà überarbeitete den über 50 Jahre alten Text, wahrscheinlich in enger Zusammenarbeit mit Mozart, stark.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 408.</ref> Das Werk entstand in großer Eile und nahezu zeitgleich mit der Zauberflöte. Die Uraufführung fand bereits am 6. September 1791 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater unter Mozarts Leitung statt.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 354.</ref>

Letzte Werke und früher Tod

Mitte September 1791 kehrte Mozart nach Wien zurück. Nach der Uraufführung der Zauberflöte arbeitete er an der Komposition des Requiems (KV 626). Bereits mit der Motette Ave verum corpus (KV 618) hatte er sich im Juni wieder der Kirchenmusik zugewandt. Den Auftrag zur Komposition des Requiems hatte er im Sommer<ref>Christoph Wolff: Mozart’s Requiem. Historical and Analytical Studies – Documents – Score. University of California Press, Berkeley 1994, ISBN 978-0-520-21389-0, S. 3.</ref> von Graf Franz von Walsegg erhalten, der das Werk dem Gedächtnis seiner früh verstorbenen Gattin Anna widmen wollte, jedoch anonym blieb – der Überlieferung nach, weil er die Komposition als seine eigene ausgeben wollte<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 424.</ref> – und seine schriftliche Anfrage durch einen unbekannten Boten überbringen ließ. Mozart erhielt vorab eine hohe Anzahlung, bat jedoch wegen seiner vielen anderen Verpflichtungen um Zeitaufschub. Am Ende konnte er die Komposition nicht mehr vollenden: Constanze Mozart beauftragte nach dem Tod ihres Mannes Franz Xaver Süßmayr mit der Vervollständigung des Requiems unter Mozarts Namen.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 425.</ref>

Datei:Steffl Mozartgedenktafel WienWiki.jpg
Gedenktafel in der Rauhensteingasse 8

Am 20. November (etwa zwei Tage, nachdem er die Uraufführung seiner Kantate Laut verkünde unsre Freude, (KV 623) geleitet hatte)<ref>Axel W. Bauer: Die Pathographie Wolfgang Amadé Mozarts. Möglichkeiten und Probleme einer retrospektiven Diagnostik. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 25, 2006, S. 153–173, hier: S. 168 f.</ref> wurde Mozart bettlägerig, am 5. Dezember, fünf Minuten vor 1 Uhr früh<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 368.</ref> starb er. Er wurde nicht ganz 36 Jahre alt. Während seines letzten Lebensjahres hatte er im Kleinen Kayserhaus gewohnt, das sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der Rauhensteingasse 8<ref>damals Rauhensteingasse N° 970 (I. Bezirk Innere Stadt).</ref> auf der Rückseite des heutigen Kaufhauses Steffl (Kärntner Straße 19) befand. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass Mozart dort am 5. Dezember 1791 starb.<ref>Vorlage:Wien Geschichte Wiki</ref>

„Unter allen biographischen Umständen Mozarts hat nichts die Nachwelt so beschäftigt wie Tod und Begräbnis.“ (Volkmar Braunbehrens).<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 429.</ref> Der anonyme Auftrag für das Requiem, die Tatsache, dass es gerade dieses Werk war, an dem er zuletzt arbeitete und das er unvollendet hinterließ, die nicht vollständig aufgeklärten Umstände seiner finanziellen Not in den Jahren zuvor und der plötzliche Tod in so jungem Alter: dies alles gab Anlass für Spekulationen, Legenden und Gerüchte bis hin zu Verschwörungstheorien.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Florian Ebeling|Florian Ebeling: }}{{#if:|{{#if:Mozarts Zauberflöte|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Mozarts Zauberflöte}}]{{#if:PDF| (PDF)}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1997/1/Ebeling_Mozarts_Zauberfloete_2006.pdf%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Mozarts Zauberflöte}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1997/1/Ebeling_Mozarts_Zauberfloete_2006.pdf}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Mozarts Zauberflöte}}}}]}}{{#if:PDF| (PDF{{#if:{{#if: 2025-10-07 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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      | {{#ifeq: 20150924063033 | *
    | Vorlage:Webarchiv/Wartung/Stern{{#if: Wie Wolfgang Amadeus Mozart starb: kein Gift, wahrscheinlich Streptokokken. | {{#invoke:WLink|getEscapedTitle|Wie Wolfgang Amadeus Mozart starb: kein Gift, wahrscheinlich Streptokokken.}} | {{#invoke:Webarchiv|getdomain|http://www.pabst-publishers.de/aktuelles/20150720.htm}} }} (Archivversionen)
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            }} 
       }}
  }}. In: pabst-publishers.de. 20. Juli 2015, abgerufen am 5. Oktober 2020.</ref> Schließlich könnte auch die damals übliche Behandlungsmaßnahme des Aderlasses, zuletzt vorgenommen am 3. Dezember, eine fatale Wirkung gehabt haben.<ref>„Häufig genug wurde [dabei] der Arzt wohl unbeabsichtigt zum Mörder seines Patienten, so vielleicht auch bei Mozart.“ Carl Bär: Mozart: Krankheit, Tod, Begräbnis. 2., vermehrte Auflage. Bruhin u. a., Salzburg u. a. 1972. S. 117.</ref>

Unmittelbar nach Mozarts Tod kamen Gerüchte über einen Giftmord auf.<ref>Zuerst in einem Korrespondentenbericht aus Prag im Musikalischen Wochenblatt, Berlin, Dezember 1791. Siehe Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 380.</ref> Angeblich hatte er selbst wenige Wochen zuvor eine entsprechende Befürchtung geäußert. Davon berichtete zuerst Franz Xaver Niemetschek 1808; der Text wurde 1828 wörtlich von Constanzes zweitem Ehemann Georg Nikolaus Nissen in seine Mozart-Biographie übernommen:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Bey seiner Zurückkunft nach Wien [nach der Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag] nahm er sogleich seine Seelenmesse vor […] aber seine Unpäßlichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern Schwermuth. Als [seine Gattin] eines Tages mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu verschaffen, und sie da beyde einsam saßen, fing Mozart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, daß er das Requiem für sich setze. ‚[…] mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiß, man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden.‘}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Bey seiner Zurückkunft nach Wien [nach der Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag] nahm er sogleich seine Seelenmesse vor […] aber seine Unpäßlichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern Schwermuth. Als [seine Gattin] eines Tages mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu verschaffen, und sie da beyde einsam saßen, fing Mozart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, daß er das Requiem für sich setze. ‚[…] mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiß, man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden.‘}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Bey seiner Zurückkunft nach Wien [nach der Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag] nahm er sogleich seine Seelenmesse vor […] aber seine Unpäßlichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern Schwermuth. Als [seine Gattin] eines Tages mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu verschaffen, und sie da beyde einsam saßen, fing Mozart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, daß er das Requiem für sich setze. ‚[…] mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiß, man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden.‘ | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Bey seiner Zurückkunft nach Wien [nach der Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag] nahm er sogleich seine Seelenmesse vor […] aber seine Unpäßlichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern Schwermuth. Als [seine Gattin] eines Tages mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu verschaffen, und sie da beyde einsam saßen, fing Mozart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, daß er das Requiem für sich setze. ‚[…] mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiß, man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden.‘}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Franz Xaver Niemetschek: Lebensbeschreibung des K. K. Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart, aus Originalquellen. 2. vermehrte Auflage. Herrlische Buchhandlung, Prag 1808. S. 50–51, sowie Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 503.</ref> }}

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„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Franz Xaver Niemetschek: Lebensbeschreibung des K. K. Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart, aus Originalquellen. 2. vermehrte Auflage. Herrlische Buchhandlung, Prag 1808. S. 50–51, sowie Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 503.</ref> }}

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}} Diese Aussage, wenn sie authentisch ist,<ref>Hinsichtlich der Zuverlässigkeit von Niemetscheks Biographie kommentiert Volkmar Braunbehrens: „Sie geht auf Angaben von Mozart-Freunden und Konstanze Mozarts zurück, neigt aber auch zu blumigen Ausschmückungen, die den Keim der Verfälschung in sich bergen.“ Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 430. Vergleiche auch Claudia Maria Knispel in Franz Xaver Niemetschek: Lebensbeschreibung des K. K. Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart. Reprint der Ausgabe Prag 1808. Laaber-Verlag, Laaber, 2005, S. VIII.</ref> dürfte jedoch eher als Ausdruck einer depressiven Stimmung („düsteren Schwermuth“) zu verstehen sein. So sah es auch Nissen (und somit Constanze). Sein Fazit: „Der Gedanke der Vergiftung war gewiss ein blosses Spiel seiner Einbildung.“<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 571.</ref> Auf depressive Episoden deuten auch frühere Äußerungen Mozarts hin.<ref>Vergleiche zum Beispiel Anna Maria Mozart an ihren Mann, Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart, 29. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 451), Zeile 53–55, Wolfgang Amadé Mozart, Brief an Michael Puchberg, 27. Juni 1788 (Bauer/Deutsch Nr. 1079), Zeile 25–26, oder Wolfgang Amadé Mozart, Brief an seine Frau, 30. September 1790 (Bauer/Deutsch Nr. 1136), Zeile 23–26. Alle abgerufen am 31. Juli 2025.</ref> Alle neueren seriösen Veröffentlichungen halten die „Vergiftungsthese“ für abwegig.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 434. Siehe auch Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart […]. 2005, S. 130 und viele andere.</ref>

Nissen erklärte sich Mozarts frühen Tod auch damit, dass er in seiner kurzen Lebenszeit ein unvorstellbares Arbeitspensum bewältigt hat und letztlich „an ausserordentlicher Anstrengung starb“:<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 572.</ref>

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Beigesetzt wurde Mozart, nachdem sein Leichnam zunächst verordnungsgemäß in der Wohnung aufgebahrt<ref>Anton Neumayr: Wolfgang Amadeus Mozart. In: Anton Neumayr: Musik und Medizin am Beispiel der Wiener Klassik. 4. Auflage. Wien 1990, S. 49–120, hier: S. 113.</ref> und anschließend in der Kreuzkapelle des Stephansdoms bei einer Trauerfeier ausgesegnet<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 442.</ref> worden war, in einem allgemeinen (Schacht-)Grab am Sankt Marxer Friedhof. Die Begräbnisformalitäten wurden von Gottfried van Swieten organisiert<ref>Axel W. Bauer: Die Pathographie Wolfgang Amadé Mozarts. Möglichkeiten und Probleme einer retrospektiven Diagnostik. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 25, 2006, S. 153.</ref>, der sich auch anschließend als „tatkräftiger Freund der Familie Mozart“ erwies.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 444.</ref>

Die genaue Grabstätte ist nicht bekannt. Da es sich nicht um ein Einzelgrab handelte, wurde es nicht gekennzeichnet. Mozarts Witwe besuchte zusammen mit Georg August von Griesinger, ihrem Sohn Franz Xaver Wolfgang und vermutlich auch Nissen im Sommer 1808 den Friedhof und versuchte, die Grabstelle zu finden, was jedoch nicht mehr gelang.<ref>Viveca Servatius: Constanze Mozart. Böhlau-Verlag, Wien [u. a.] 2018, S. 270–273.</ref> Sie hat darüber anlässlich des 50. Todestages Mozarts in einem Brief an Johann Ritter von Lucam ausführlich berichtet.<ref>Constanze Nissen an Johann Ritter von Lucam, 14. Oktober 1841 (Bauer/Deutsch Nr. 1472).</ref>

1855 wurde der Standort seines Grabes so gut wie möglich bestimmt und 1859 an der Stelle ein Grabmal errichtet, das später von der Stadt Wien in die Gruppe der Musiker-Ehrengräber am Zentralfriedhof (32 A-55) umgesetzt wurde. „Der Friedhofswärter Alexander Kugler schmückte als Ersatz die [vermutete] Stelle des Schachtgrabes auf dem St. Marxer Friedhof, in dem Mozart beerdigt worden war, mit einem aus Überresten anderer Grabdenkmäler [Spolien] zusammengestellten Denkmal.“<ref>Stadt Wien, Presseservice. Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 19.08.2005: St. Marxer Friedhof wird restauriert. Abgerufen am 6. November 2025.</ref>

Finanzen und künstlerische Autonomie

Bald nach seinem Tod verbreitete sich der Mythos von Mozart als „verarmtem, verkannten Genie“. Neueren Forschungsergebnissen hält diese Legende nicht stand. Allerdings waren Mozarts Lebensverhältnisse von Höhen und Tiefen gekennzeichnet, die stets auch mit dem „Experiment seiner Lebensorganisation“<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 105.</ref> zusammenhingen.

Kindheit und Jugendzeit

Bereits die langen Reisen, die Leopold Mozart mit seinen Kindern unternahm, waren ein Wagnis. Die „unvorstellbar teuren Reisen“ mussten sich selbst finanzieren: die Familie war darauf angewiesen, mit Auftritten der Kinder Geld zu akquirieren.<ref>Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 18–21 und S. 65.</ref> Trotz „generalstabsmäßiger Planung“<ref>Martin Geck: Mozart. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-02492-2, S. 18.</ref> durch den Vater bedeuteten unerwartete Zwischenfälle, vor allem Krankheiten, ein erhebliches Risiko. „Auf die Unkösten ist gar nicht zu gedencken, holl der Guck Guck das Geld, wenn man nur den Balg davon trägt“ seufzte Leopold Mozart, nachdem im Dezember 1765 beide Kinder in Den Haag eine Typhuserkrankung überstanden hatten.<ref>Leopold Mozart an Lorenz Hagenauer, 12. Dezember 1765 (Bauer/Deutsch Nr. 104), Zeile 47–48.</ref>

Die drei Italienreisen, die Leopold mit seinem Sohn zwischen Dezember 1769 und März 1773 unternahm, um ihn als Opernkomponist zu etablieren oder in eine höhere Stelle an einer Hofkapelle zu bringen, mussten am Ende scheitern. Aus den abschätzigen Reaktionen Kaiserin Maria Theresias auf Überlegungen ihres Sohnes Erzherzog Ferdinand, den jungen Mozart längerfristig an den Hof in Mailand zu binden, ist ersichtlich, dass Leopold die realen Herrschaftsverhältnisse verkannte: „Die wenigen Sätze der Kaiserin“, die Leopold natürlich nicht zu sehen bekam, „dokumentieren in entwaffnender Offenheit, welcher Rang aus der Sicht einer feudal-absolutistischen Herrscherpersönlichkeit Leuten wie den Mozarts zukam.“<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 58.</ref> „In der hierarchischen Ordnung eines Hofes, konkret: einer Hofkapelle […] ließ sich ein Quereinstieg nicht denken […]. Mozart blieb die schmerzliche Erfahrung dieser Regel bis an sein Lebensende nicht erspart. Es ist merkwürdig, daß ein welterfahrener Mann wie Leopold Mozart vor dieser Realität die Augen verschloß.“ (Ulrich Konrad).<ref>Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 59.</ref>

Für die große Reise Wolfgangs mit seiner Mutter musste Leopold mehrfach Schulden aufnehmen, die sich im November 1778 auf 863 Gulden beliefen.<ref>Leopold Mozart an seinen Sohn, 19. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 505), Zeile 50–67.</ref> Er machte dem Sohn wiederholt Vorwürfe, weil es ihm nicht gelang, ausreichende Einkünfte zu erzielen oder eine Anstellung zu finden.<ref>Vergleiche Leopold Mozarts Briefe an seinen Sohn bzw. an Frau und Sohn vom 11./12. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 422), vom 16. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 425), vom 23. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 429), vom 25./26. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 430) und vom 27. August 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 478).</ref> Eine Organistenstelle in Versailles lehnte Mozart im Frühjahr 1778 ab, weil ihn die Präsenzverpflichtung für jeweils 6 Monate im Jahr abschreckte und er das Honorar zu gering fand.<ref>Nachschrift Wolfgang Amadé Mozarts zu Brief Anna Maria Mozarts an ihren Mann, 14. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 449), Zeile 92–96.</ref> Dagegen hatte er ein halbes Jahr zuvor vergeblich eine Anstellung am Hof des Kurfürsten Karl Theodor in Mannheim im Kreis der – gut bezahlten – Kollegen der Hofkapelle angestrebt.<ref> Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 139.</ref> Selbst im Herbst 1778, als Karl-Theodor seine Residenz bereits nach München verlegt hatte, hoffte Mozart noch einmal auf ein Mannheimer Engagement. Die „sclaverey in salzbourg“,<ref>Mozart an seinen Vater, 12. November 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 504), Zeile 78.</ref> die Abhängigkeit und die Bevormundung durch den Erzbischof Colloredo, erschienen ihm dagegen unerträglich.

Allgemeine Einkommensverhältnisse

Als er dennoch 1779 im Amt eines Hoforganisten wieder von Colloredo angestellt wurde, betrug sein Jahreseinkommen 450 Gulden.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 163.</ref> Das war etwas weniger als sein Vater zu dieser Zeit verdiente und entsprach ungefähr dem Einkommen eines mittleren Beamten (Adjunkten, Kanzlisten, Offizialen …) am unteren Ende der Scala.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 141–142.</ref> In einer Publikation von 1792, Joseph Gerold (Hrsg.): Nützliches Adress- und Reisebuch oder Archiv der nöthigsten Kenntnisse von Wien für reisende Fremde und Inländer,<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Nützliches Adress- und Reisebuch oder Archiv der nöthigsten Kenntnisse von Wien für reisende Fremde und Inländer|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Nützliches Adress- und Reisebuch oder Archiv der nöthigsten Kenntnisse von Wien für reisende Fremde und Inländer}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://data.onb.ac.at/rec/AC09645940%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Nützliches Adress- und Reisebuch oder Archiv der nöthigsten Kenntnisse von Wien für reisende Fremde und Inländer}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://data.onb.ac.at/rec/AC09645940}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Nützliches Adress- und Reisebuch oder Archiv der nöthigsten Kenntnisse von Wien für reisende Fremde und Inländer}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Joseph Gerold (Hrsg.), Wien, 1792{{#if: 2025-03-17 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Wien

Nach dem Bruch mit dem Erzbischof und dem Neubeginn in Wien arbeitete Mozart „auf eigenes Risiko“, „für einen freien Markt von Auftraggebern, Bestellern und […] Angeboten“, ein Lebensentwurf, für den es kein Vorbild gab. Er war sich „seiner Sonderstellung bewußt“ und wusste auch, dass „in keiner Stadt außer Wien die Voraussetzungen so günstig waren […]“. Zwar strebte er grundsätzlich auch weiterhin ein festes Beschäftigungsverhältnis an, doch es durfte nicht „zur Fessel werden, einer freien Entfaltung seiner künstlerischen Vorhaben im Wege stehen“. (Volkmar Braunbehrens).<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 177.</ref> „Mozart [ließ] an keiner Stelle Zweifel an der Selbstbestimmtheit seines Komponierens. […] Entscheidend für ihn war offenbar der Wille, in allen Punkten die Kontrolle zu behalten.“ (Laurenz Lütteken).<ref>Laurenz Lütteken: Die Zauberflöte: Mozart und der Abschied von der Aufklärung. C. H. Beck, München 2024, ISBN 978-3-406-81502-7, S. 41.</ref> Damit kam nur eine leitende Stelle als kaiserlicher Hofkomponist oder Hofkapellmeister in Frage.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 176.</ref>

Schon bald war er außerordentlich erfolgreich und seine Einkünfte überstiegen die Verdienste der meisten Musikerkollegen um ein Vielfaches.<ref>Vergleiche Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 103.</ref> (Eine Ausnahme bildeten die hohen Gagen berühmter, insbesondere italienischer Sänger: Aloisia Lange hatte an der Hofoper ein Jahresgehalt von etwa 1.700 Gulden, Nancy Storace erhielt für ihr Wiener Abschiedskonzert 1787 über 4.000 Gulden.)<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 143; Andrew Steptoe: Mozart and the poverty. 1984, S. 197.</ref>

Datei:Pietro Bettelini Nancy Storace Ausschnitt.jpg
Die Sängerin Nancy Storace (1788). Kolorierter Kupferstich von Pietro Bettelini

Mozarts Einkünfte in Wien stammten aus mehreren Tätigkeitsbereichen. In keinem gab es feste Honorarsätze:<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 146–156, Mozarts Einnahmen.</ref>

  • Einnahmen aus Konzerten: Er führte in zum Teil auf Subskription veranstalteten eigenen wie auch von anderen Künstlern ausgerichteten „Akademien“ und bei Privatkonzerten in adligen Häusern oder bürgerlichen Salons seine Werke auf. Insbesondere brillierte er als Solist mit eigenen Klavierkonzerten.<ref>Vergleiche Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 174–178.</ref> Bereits im April 1781 behauptete er gegenüber seinem Vater, er könne in Wien für ein Konzert „tausend Gulden [machen]“.<ref>Mozart an seinen Vater, Wien 11. April 1781 (Bauer/Deutsch Nr. 588), Zeile 23–26.</ref> Die Summe dürfte übertrieben sein, denn Mozart wollte begründen, warum er in Wien blieb. Zudem hatte er auch Unkosten: Die eigenen Akademie-Konzerte waren „kommerzielle Unternehmungen, die der Komponist zu organisieren und für die er die finanzielle Verantwortung zu übernehmen hatte.“<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 146.</ref> Das betraf die Zusammenstellung des Orchesters, Saalmiete, Beleuchtung, Klaviertransport und -stimmung, Stimmenkopiaturen sowie gegebenenfalls die Honorierung mitwirkender Sänger.<ref>Carl Bär: Er war … – kein guter Wirth. In: Acta Mozartiana. Jg. 25.1978, Heft 1, S. 34.</ref> Auch gab es zeitliche Begrenzungen: die meisten Konzerte fanden während der Fasten- und Adventszeit statt.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 154–156.</ref>
    Am 8. April 1786 gab Mozart wahrscheinlich seine letzte eigene Akademie am Burgtheater, was nicht bedeutete, dass er anschließend auf Konzertauftritte verzichtete.<ref name="Konrad-s102" /> Konzerte, die er während seiner Reisen in Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main veranstaltete, zahlten sich allerdings nicht aus.<ref>Carl Bär: Er war … – kein guter Wirth. In: Acta Mozartiana. Jg. 25.1978, Heft 1, S. 49.</ref> In Prag dagegen brachten im Januar 1787 eine Aufführung des Figaro und ein anschließendes Akademiekonzert zusammen 1.000 Gulden ein.<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 502.</ref> In der Folgezeit wandte sich Mozart verstärkt dem Opernschaffen zu.<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 150.</ref>
  • Vergütung von Unterrichtsstunden: Mozart unterrichtete nicht gern, in wirtschaftlich schwierigeren Situationen bildeten die hohen Honorare, die er nahm, jedoch einen relevanten Bestandteil seiner Einkünfte.<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 19.</ref> 1790 wandte er sich, wohl auf Drängen seines Gläubigers Puchberg, wieder verstärkt dieser Erwerbsquelle zu.<ref>Vergleiche Brief Mozarts an Michael Puchberg. 17. Mai 1790 (Bauer/Deutsch Nr. 1125), Zeile 21–22.</ref>
  • Honorare für Auftragsarbeiten, insbesondere die Opern: Die Erlöse daraus sind gut dokumentiert.<ref>Carl Bär: Er war … – kein guter Wirth. In: Acta Mozartiana. Jg. 25.1978, Heft 1, S. 50.</ref> Für Le nozze di Figaro und Don Giovanni bekam Mozart jeweils 450 Gulden, für Così fan tutte und La clemenza di Tito je 900 Gulden.<ref>Martin Geck bezweifelt bei Cosi fan tutte diesen Betrag. Vergleiche Martin Geck: Mozart. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-02492-2, S. 182.</ref> Zusätzliche Aufführungen wurden teilweise extra honoriert, zum Beispiel eine Benefizvorstellung des Don Giovanni 1787 in Prag mit ca. 700 Gulden.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 151.</ref> Mozarts Einkünfte für die Zauberflöte sind nicht bekannt. Nach Angaben von Nissen verzichtete er auf ein Honorar, da Schikaneder zuvor mit seinem Theater „herunter gekommen“ war, doch Schikaneder habe ihn dann betrogen.<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 549; siehe auch Carl Bär: Er war … – kein guter Wirth. In: Acta Mozartiana. Jg. 25.1978, Heft 1, S. 51.</ref> Diese „Legende“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 402.</ref> ist unglaubwürdig. „Mozart hatte seine mehr oder weniger festen Preise“, die Vorstellung, dass er bereit gewesen sein sollte, eine umfangreiche Oper „ohne angemessene Honorierung zu schreiben“, „hieße […] Mozarts künstlerisches Selbstbewußtsein erheblich zu unterschätzen“. (Volkmar Braunbehrens).<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 403–404.</ref> Die Zauberflöte war von Anfang an ein spektakulärer Erfolg, das Theater „regelmäßig ausverkauft“.<ref>Laurenz Lütteken: Die Zauberflöte. C. H. Beck, München 2024, ISBN 978-3-406-81502-7, S. 57.</ref>
  • Verlagshonorare sowie Entgelte für handschriftliche Notenkopien: „In einer Zeit, wo das Musikalienverlagswesen erst in seinen Anfängen stand“, konnte Mozart „eine ungewöhnlich hohe Zahl“ seiner Werke im Druck veröffentlichen.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 149.</ref>
  • Im Oktober 1787 erhielt Mozart einmalig 1.000 Gulden aus der Erbschaft seines Vaters.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 264.</ref>
  • Im Dezember 1787 bekam er eine Stelle als k. k. Hof-Musik-Compositeur. Damit hatte er erstmals ein festes Jahresgehalt von 800 Gulden.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 269.</ref>
Datei:Johann Nepomuk Hummel - Schabblatt Franz Wrenk nach Zeichnung Escherich2.jpg
Johann Nepomuk Hummel als junger Mann. Mezzotintoradierung von Franz Wrenk nach einem Gemälde von Catharina Escherich

Es konnte „nie gelingen, Mozarts Einkünfte im Detail zu rekonstruieren“.<ref name="Lütteken-s103">Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 103.</ref> In der Literatur sind für die Zeit von 1781 bis 1787 Schätzungen von etwa 3.000–4.000 Gulden (Braunbehrens), 8.000 Gulden (Lütteken) oder 10.000 Gulden (Kraemer) Jahreseinkommen zu finden.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 21986, ISBN 3-492-02995-7, S. 155; Uwe Kraemer: Wer hat Mozart verhungern lassen? In: Musica, 30.1976, S. 206; Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 103.</ref> Auf jeden Fall kann als gesichert gelten, dass seine Einnahmen in dieser Zeit exorbitant hoch waren.<ref name="Lütteken-s103" />

In seinem Haushalt lebten neben ihm und seiner Frau drei weitere Personen: Sohn Carl, eine Köchin, ein Stubenmädchen und in den Jahren 1787 und 1788 der kleine Johann Nepomuk Hummel, der „als Schüler gratis in Kost und Logis genommen“ worden war.<ref>Carl Bär: Er war … – kein guter Wirth. In: Acta Mozartiana. Jg. 25.1978, Heft 1, S. 43.</ref> Zudem wurden oft Gäste bewirtet.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 128.</ref> Mozart und seine Familie pflegten einen gehobenen Lebensstil, der geprägt war durch den seit seiner Kindheit gewohnten Verkehr in Fürstenhöfen, adligen Kreisen und bürgerlichen Salons.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 68.</ref>

Umzüge, verstärkte Hinwendung zur Oper

Von 1782 bis 1791 zog die Familie Mozart zehnmal um. Zusammen mit der Unterkunft im Deutschordenshaus unter der Ägide von Erzbischof Colloredo und den beiden Junggesellenwohnungen bei Cäcilia Weber und auf dem Graben hatte Mozart in seiner Wiener Zeit 14 verschiedene Adressen.<ref>Siehe Mozarts Wohnungen in Wien – Übersicht in: Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München, 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 97–98, Tab. 1.</ref> Finanzielle Beweggründe spielten teilweise eine Rolle, die Umzüge führten jedoch keineswegs in einen „ständigen sozialen Abstieg“.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 123.</ref> Bei den meisten Mietverhältnissen dürften Sonderkonditionen aufgrund „mäzenatischer“ Beziehungen vorgelegen haben.<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 97.</ref> Von September 1784 bis April 1787 lebte Mozarts Familie in einer repräsentativen Wohnung im Camesina-Haus in der Großen Schulerstraße, direkt hinter dem Stephansdom. Die Jahresmiete betrug 460 Gulden.<ref>Bericht Leopold Mozarts an seine Tochter, 14./16. Februar 1785 (Bauer/Deutsch Nr. 847), Zeile 29.</ref> Auch die letzte Wohnung in der Rauhensteingasse (bezogen am 29. September 1790) war großzügig.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 132.</ref>

Finanzieller Einbruch: Puchberg-Briefe

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Brief Mozarts an Johann Michael Puchberg, Juli 1788 (Bauer/Deutsch Nr. 1080)<ref>Original in der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur Mus.ep. Mozart W. A. 8.</ref>

Im Sommer 1788 geriet Mozart in massive Geldschwierigkeiten. Anfang Juni begann die Serie dramatischer „Bettelbriefe“ an seinen Freund und Logenbruder Johann Michael Puchberg, einen Wiener Tuchhändler. Puchberg hat diese Briefe aufbewahrt, vermutlich als Belege, und jeweils darauf vermerkt, welche Zahlungen er seinem Schuldner zukommen ließ. In den meisten Fällen waren die Beträge erheblich geringer als von Mozart erbeten. Möglicherweise bauschte Mozart seine Notlage auch auf, „das theatralische Crescendo, das seine Bittbriefe an Michael Puchberg kennzeichnet, dürfte seine finanzielle Lage vielleicht bisweilen etwas übertrieben haben“.<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 15–16.</ref> Ende 1790 „ist eine Lösung von Puchberg als Hauptgläubiger zu erkennen“,<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 382.</ref> in 4 Briefen aus dem Mai und dem Juni 1791 geht es nur noch um „Kleinstbeträge“. Aus dem gesamten Zeitraum von Juni 1788 bis Juni 1791 sind 21 Briefe an Puchberg mit Bitten um Darlehen bekannt, Mozarts Schulden beliefen sich insgesamt auf rund 1.450 Gulden, von denen bei seinem Tod noch etwa 1.000 Gulden offenstanden, den Rest hatte er zurückgezahlt.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 342.</ref> Die „Bettelbriefe“ beeinträchtigten die Freundschaft in keiner Weise: Mozart lud Puchberg zu privaten Konzerten ein – „Donnerstag aber lade ich Sie (aber nur Sie allein) um 10 Uhr Vormittag zu mir ein, zu einer kleinen Oper=Probe; – nur Sie und Haydn lade ich dazu“<ref>Mozart an Puchberg, Dezember 1789 (Bauer/Deutsch Nr. 1113), Zeile 22–24. Mit Unterstreichung im Text.</ref> – wurde seinerseits zum Essen eingeladen<ref>Mozart an seine Frau, 11. Juni 1791 (Bauer/Deutsch Nr. 1160), Zeile 15.</ref> und ließ Puchberg und dessen Frau grüßen, wenn er unterwegs war und an Constanze schrieb.<ref>Zum Beispiel im Brief an Constanze, Dresden, 13. April 1789 (Bauer/Deutsch Nr. 1092), Zeile 43 und im Brief an Constanze, Leipzig, 16. Mai 1789 (Bauer/Deutsch Nr. 1099), Zeile 36–37.</ref>

Nicht nur bei Puchberg machte Mozart Schulden. Um die Reise nach Frankfurt am Main zur Krönung des Kaisers Leopold II. zu finanzieren, verpfändete er sein Silberzeug.<ref name="braunbehrens-s377" /> Während seiner Abwesenheit führte Constanze Darlehensverhandlungen mit dem Kaufmann Heinrich (Hersch) Lackenbacher, in die auch der Verleger Franz Anton Hoffmeister einbezogen war.<ref>Amadé Mozart: Schuldverschreibung, Wien, 1. Oktober 1790. (Bauer/Deutsch Nr. 1137). Abgerufen am 19. März 2025.</ref> Als Sicherheit verpfändete Mozart dabei sein „gesammtes Mobilare“.<ref>Wolfgang Amadé Mozart: Schuldverschreibung, Wien, 1. Oktober 1790 (Bauer/Deutsch Nr. 1137), Zeile 20. Abgerufen am 19. März 2025.</ref>

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Das wohl berühmteste Mozart-Porträt, in Anlehnung an das Familiengemälde von 1780/81 postum gemalt von Barbara Krafft im Jahr 1819

Mit dem finanziellen Einbruch 1788 war Mozarts „Versuch, als residierender freier Künstler zu arbeiten und ein gewiß nicht anspruchsloses Auskommen zu finden“ erst einmal gescheitert.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 177. Siehe auch Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 105.</ref> Hauptursache war wahrscheinlich der Russisch-Österreichische Türkenkrieg (1787–1792), der in Wien eine wirtschaftliche Krise auslöste. „Die Mobilmachung entvölkerte Teile der Stadt […], die Staatsverschuldung stieg dramatisch – mit einer heftigen Inflation und, 1789, […] einer erheblichen Kriegssteuer.“<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 104–105.</ref> Und Mozart hatte keine Rücklagen gebildet. Hinzu kam eine Erkrankung Constanzes im Frühsommer 1789, die hohe Arzt- und Apothekerkosten sowie Ausgaben für Kuren erforderte.<ref name="braunbehrens-s155">Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 155.</ref> Spekulationen einiger Biographen über Spielschulden oder unseriöse Geldgeschäfte Mozarts<ref>Vergleiche z. B. Uwe Kraemer: Wer hat Mozart verhungern lassen?. In: Musica 30.1976, S. 203–211.</ref> sind weder bewiesen noch widerlegt.<ref>Martin Geck: Mozart. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-02492-2, S. 174–176; Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 131.</ref>

Datei:Constanze Mozart.JPG
Constanze Mozart im Jahr 1802, Porträt von Hans Hansen (1769–1828)

Indem er sich verschuldete, versuchte Mozart offenbar, „seinen Lebensstandard zu halten“.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 154.</ref> Anderen gegenüber zeigte er sich gerne großzügig, und er verlieh auch seinerseits Geld. In seinem Nachlass sind zwei Darlehen „als nicht mehr einbringliche Guthaben“ aufgelistet: eins an seinen Freund und Trauzeugen Franz Gilowsky von 300 Gulden und eins an den Klarinettisten Anton Stadler von 500 Gulden.<ref>Carl Bär: Er war … – kein guter Wirth. In: Acta Mozartiana. Jg. 25.1978, S. 47.</ref>

Letztes Lebensjahr und Vermächtnis

In Mozarts letztem Lebensjahr verbesserten sich seine Aussichten wieder. Er wurde immer berühmter, an allen europäischen Opernhäusern wurden seine Werke aufgeführt. Es gab Pensionsversprechungen aus Ungarn und Amsterdam und Einladungen nach England<ref>siehe Robert Bray O'Reilly an Mozart, London, 26. Oktober 1790 (Bauer/Deutsch Nr. 1143). Vergleiche auch Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 334.</ref> und Russland<ref name="braunbehrens-s155" />.

Sein Ansehen war auch aus der Bestürzung zu ersehen, die sein Tod auslöste. „Die Nachwelt [zeigte] sich Mozarts Witwe gegenüber […] großzügig. Swieten übernahm über viele Jahre die Finanzierung der Kindererziehung, auch die Gräfin Maria Wilhelmine Thun soll sich daran beteiligt haben. Zahlreiche Benefizvorstellungen und Sammlungen fanden innerhalb des ersten Jahres nach Mozarts Tod statt und bezeugen die ungeheure Wertschätzung, die sich von [ihm] auf seine Familie übertrug.“<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 450.</ref> Haydn, der in London von Mozarts Tod erfahren hatte, schrieb im Januar 1792 an Puchberg: „Ich war über seinen Tod eine geraume Zeit ganz außer mir und konnte es nicht glauben.“ Er versprach, Mozarts Werke in England zu verbreiten und schlug vor, dessen Sohn Carl später unentgeltlich Kompositionsunterricht zu geben.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 382. Zu dem Unterricht kam es nicht, da Carl nicht mehr in Wien lebte.</ref> Constanze beantragte eine staatliche Pension und bekam schließlich ein Drittel von Mozarts Gehalt als Kammerkomponist zugesprochen (266 Gulden, 40 Kreuzer), obwohl er die erforderliche Dienstzeit von 10 Jahren noch nicht erreicht hatte.<ref>Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 390.</ref> Wenige Jahre nach Mozarts Tod hatte sie alle Schulden abgezahlt.<ref>Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1828. S. 581.</ref> Auch durch den Verkauf von Autographen hatte sie Einnahmen und erwies sich als geschickte und gewissenhafte Nachlassverwalterin.<ref>Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 115.</ref>

Verschiedenes

Medizinische Spekulationen

Der dänische Neurologe und Psychiater Rasmus Fog spekulierte 1985 über eine mögliche Erkrankung Mozarts am Tourette-Syndrom.<ref>Fog, Rasmus und L. Regeur: Did Mozart suffer from Tourette’s syndrome? in: World congress of psychiatry. – Wien 1985.</ref> In einem Interview mit Thomas Schmoll in der Wochenzeitung Die Zeit erklärte der Musikwissenschaftler und Direktor der Forschungsabteilung der Internationalen Stiftung Mozarteum Ulrich Leisinger diese Theorie für abwegig.<ref>Das Tourette-Syndrom hatte er ganz bestimmt nicht. Ulrich Leisinger im Interview mit Thomas Schmoll, in: Die Zeit. 12. Februar 2020. Abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> 2005 erörterte der irische Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie Michael Fitzgerald in seiner Veröffentlichung The Genesis of Artistic Creativity die Frage, ob Mozart das Asperger-Syndrom gehabt haben könnte. Anhand des biographischen Materials hielt er das für möglich. Hyperaktivität und Impulsivität könnten seiner Meinung nach aber auch auf eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hindeuten.<ref>Michael Fitzgerald: The Genesis of Artistic Creativity. Jessica Kingsley Publishers, London 2005, ISBN 978-1-84310-334-9, S. 157.</ref>

Da die Ursache für Mozarts frühen Tod nicht einwandfrei feststeht, wurden, abgesehen von der Annahme, dass es sich um Rheumatisches Fieber und eventuell daraus entstandene Komplikationen handelte und neben der Vergiftungslegende, verschiedenste Hypothesen aufgestellt: Neben viralen, bakteriellen oder parasitären Infektionskrankheiten, darunter Trichinellose, Tuberkulose oder Syphilis – eventuell in Verbindung mit den Auswirkungen einer damals üblichen Therapie mit Quecksilber<ref>Axel W. Bauer: Die Pathographie Wolfgang Amadé Mozarts. Möglichkeiten und Probleme einer retrospektiven Diagnostik. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 25, 2006, S. 153–154. nennt als Vertreter der Theorie einer Quecksilbervergiftung die Ärzte Rudolf Virchow, Ferdinand Sauerbruch, Dieter Kerner und den Mathematiker Ludwig Köppen.</ref> – könne Mozart etwa auch an Purpura Schönlein-Henoch oder Nierenversagen gestorben sein. Alle diese Theorien liegen im Bereich der Spekulation.<ref>Willem Boissevain: Neue Erklärung der Todesursache Mozarts - „Hitziges Frieselfieber“ war bakterielle Herzklappenentzündung. Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg - Bibliotheca Mozartiana: Digitale Sammlungen, Salzburg 1990. Abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref>

Mozarts Vornamen

Datei:Mozart Taufeintrag.jpg
Taufeintrag vom 28. Jänner 1756

Am 28. Jänner 1756 – einen Tag nach seiner Geburt – wurde Mozart auf die Namen Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus getauft (andere Variante seiner Vornamen: Joannes Chrisostomus Wolfgang Gottlieb.<ref name="Vornamen2" />) Der erste und letzte der genannten Vornamen verweisen auf den Taufpaten Joannes Theophilus Pergmayr, Senator et Mercator Civicus, die ersten beiden Namen zugleich auf den damaligen Tagesheiligen des Geburtstages Johannes Chrysostomos,<ref name="MGG" /> der mittlere Vorname Wolfgang auf Mozarts Großvater Wolfgang Nicolaus Pertl. Das griechische Theophilus („Gottlieb“) hat Mozart später in seine französische Entsprechung Amadé bzw. (selten) latinisierend Amadeus übersetzt.

Sein Rufname war zeitlebens Wolfgang. In der Zeit der Italienreisen nannte er sich oft Wolfgango Amadeo Mozart. Als Erwachsener unterschrieb er zumeist als Wolfgang Amadé Mozart, wenn nicht überhaupt nur als Wolfgang Mozart (so etwa trug er sich in die Anwesenheitsliste der Wiener Freimaurerloge Zur Wohlthätigkeit ein). Amadeus nannte er sich nur im Scherz in drei seiner Briefe. Die Namensform Wolfgang Amadeus erschien zu Mozarts Lebzeiten offiziell nur einmal, und zwar im Frühjahr 1787 in einem amtlichen Schreiben der Niederösterreichischen Statthalterei.<ref>Michael Lorenz: Mozarts Haftungserklärung für Freystädtler. Eine Chronologie. Mozart-Jahrbuch 1998, Bärenreiter, Kassel 2000, S. 12.</ref> Die erste postume amtliche Nennung Mozarts mit dem latinisierten Vornamen ist die Eintragung im Totenbeschauprotokoll des Wiener Magistrats am 5. Dezember 1791.

Während im 19. Jahrhundert der Name oft wechselnd zwischen „Wolfgang Amadé“, „Wolfgang Amade“ (ohne Akzent) und „Wolfgang Amadeus“ angegeben wurde, änderte sich die Situation 1876 mit der Entscheidung des Verlags Breitkopf & Härtel, die erste Gesamtausgabe der Werke unter dem Namen „Wolfgang Amadeus Mozart“ erscheinen zu lassen. Ausschlaggebend dafür war ein Briefwechsel mit dem Tübinger Ästhetik-Professer Karl Reinhold von Köstlin, der die Namensform „Amadé“ als „Französismus“ ablehnte und aus nationalen sowie philologischen Gründen für die latinisierte Form „Amadeus“ plädierte. Der Herausgeber der Ausgabe Julius Rietz und der Verlag stimmten dieser Namensform zu, die sich dann allgemein durchsetzte.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Tilmann Krause|Tilmann Krause: }}{{#if:|{{#if:„Aus dem Französismus sind wir heraus“ – Daß wir von Amadeus statt von Amadé Mozart sprechen, verdanken wir dem Tübinger Professor für Ästhetik Karl Reinhold Köstlin|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=„Aus dem Französismus sind wir heraus“ – Daß wir von Amadeus statt von Amadé Mozart sprechen, verdanken wir dem Tübinger Professor für Ästhetik Karl Reinhold Köstlin}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.welt.de/print-welt/article232214/Aus-dem-Franzoesismus-sind-wir-heraus.html%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=„Aus dem Französismus sind wir heraus“ – Daß wir von Amadeus statt von Amadé Mozart sprechen, verdanken wir dem Tübinger Professor für Ästhetik Karl Reinhold Köstlin}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.welt.de/print-welt/article232214/Aus-dem-Franzoesismus-sind-wir-heraus.html}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=„Aus dem Französismus sind wir heraus“ – Daß wir von Amadeus statt von Amadé Mozart sprechen, verdanken wir dem Tübinger Professor für Ästhetik Karl Reinhold Köstlin}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:WELT2006-07-29{{#if: 2025-07-21 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Briefe

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Als bürgerliche Familie in der Zeit der europäischen Aufklärung pflegten die Mozarts bei jeder räumlichen Trennung einen intensiven brieflichen Austausch. „Die Briefe Mozarts gehören zu seinen wichtigsten, immer wieder befragten Selbstzeugnissen; in ihrem Umfang wie auch in ihrer sprachlichen Gewandtheit stehen sie im musikgeschichtlichen Kontext des 18. Jahrhunderts beispiellos da.“<ref>Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 118.</ref> Sie sind Dokumente seiner Persönlichkeit und seines intimen privaten Lebens ebenso wie seiner musikalischen Schaffensprozesse.<ref>Silke Leopold in: Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0, S. 14.</ref>

1962 erschien erstmals eine kommentierte Gesamtausgabe der Familienkorrespondenz unter dem Titel Mozart. Briefe und Aufzeichnungen, herausgegeben von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch und erläutert von Joseph Heinz Eibl (Zitierform: „Bauer/Deutsch“). Der überwiegende Teil der Briefe liegt inzwischen auch in der Online-Edition Mozart – Briefe und Dokumente der Internationalen Stiftung Mozarteum vor.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://dme.mozarteum.at/briefe-dokumente%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://dme.mozarteum.at/briefe-dokumente}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Internationale Stiftung Mozarteum{{#if: 2025-10-13 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Wichtigster Briefpartner war für Mozart sein Vater Leopold Mozart, mit dem er nicht nur persönliche Themen und Alltagserlebnisse erörterte, sondern auch über seine Kompositionen und ihren Kontext kommunizierte.<ref name="SilkeLeopold-s15" />

Nationalität

Datei:Archbishopric of Salzburg, c. 1715.jpg
Diese Karte aus dem Jahr 1715 zeigt in Rosa das Erzstift Salzburg

Die Frage der Bürgerschaft bzw. Landsmannschaft des Komponisten wird in der Rezeptionsgeschichte unterschiedlich beantwortet. Salzburg war seit dem späten 14. Jahrhundert Hauptstadt des im Wesentlichen unabhängigen<ref>Für Diskussionen zur Unabhängigkeit Salzburgs siehe Derek Beales (2006a, 31) und darunter.</ref> Erzstifts Salzburg,<ref>Stanley Sadie: Mozart. The early years 1756–1781, Oxford 2006, ISBN 978-0-19-816529-3, S. 3–4.</ref> das geistlich dem Heiligen Stuhl in Rom unterstand, weltlich als Teil des bayerischen Reichskreises dem römisch-deutschen Kaiser (zu Mozarts Lebzeiten waren das 1745–1765 Franz I., 1765–1790 Joseph II. und 1790–1792 Leopold II.), nicht aber der „österreichischen“ Habsburgermonarchie.<ref>Andreas Kraus: Geschichte der Oberpfalz und des bayerischen Reichskreises bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, ISBN 978-3-406-39453-9, 1995, S. 226.</ref><ref>Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806), ISBN 978-3-515-07146-8, 1998, S. 180.</ref> Sein Vater Leopold entstammte einer schwäbischen Familie, welche seit Generationen in Augsburg lebte, und die Familie seiner Mutter Anna ist in der Salzburger Umgebung beheimatet, wobei sich hieraus jeweils keine Staatsangehörigkeit im modernen Sinne für Wolfgang ergab.<ref>Oliver Trevisiol: Die Einbürgerungspraxis im Deutschen Reich 1871–1945, 2006, ISBN 978-3-89971-303-9.</ref> Mozart war im Erzbistum als Untertan der Fürsterzbischöfe geboren und blieb dies sein Leben lang. Die Landeszugehörigkeit Mozarts könnte daher als „(Fürsterzbischöflich-)Salzburg(er)isch“ bezeichnet werden,<ref>Rudolph Angermüller: Mozarts Reisen in Europa. Bock Verlag, Bad Honnef 2004, ISBN 3-87066-913-6 ({{#if: Q-sHAQAAMAAJ | {{#if: {{#if: ||1}} {{#if: Q-sHAQAAMAAJ ||1}} | <0|&pg={{#if:|RA{{{Band}}}-}}PA|&pg=}}{{#if: "Nationalität Mozarts"|&q=%22Nationalit%C3%A4t+Mozarts%22}}#v=onepage|{{#if:|&pg=|}}{{#if:"Nationalität Mozarts"|&q=%22Nationalit%C3%A4t+Mozarts%22}}}}{{#if:|q=%7B%7B%7BSuchbegriff%7D%7D%7D}}|{{#if:|q=%7B%7B%7BSuchbegriff%7D%7D%7D}}}} {{#if:|{{#invoke:WLink|getEscapedTitle|{{{Linktext}}}}}|eingeschränkte Vorschau}}{{#if:|| in der Google-Buchsuche}}{{#ifeq:|US|-USA}}{{#if: Q-sHAQAAMAAJ |{{#invoke: Vorlage:GoogleBook|fine |id=Q-sHAQAAMAAJ |errN=Parameter „BuchID“ hat falsche Länge |errC=Parameter „BuchID“ enthält ungültige Zeichen |errH=# in der „BuchID“ |errP=Parameterzuweisungen in der „BuchID“ |class=editoronly |cat={{#ifeq: 0 | 0 | Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch}} |template= Vorlage:Google Buch}} }} | Es darf nur genau einer der beiden Parameter „Suchbegriff“ oder „BuchID“ ausgefüllt werden. 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Discussing Mozart’s baptismal record, he writes that Mozart’s father Leopold, born and raised in Augsburg, “remained a citizen of that town, so that Nannerl and Wolfgang, though born at Salzburg, were actually Augsburg citizens” (Deutsch 1965, 9). At the time Augsburg was, like Salzburg, a small independent state; i.e. a Free imperial city.</ref> Das viel verwendete Grove Dictionary of Music and Musicians bezeichnet Mozart als österreichischen Komponisten.<ref>Online-Version Grove Music Online.</ref> Auch das Houghton Mifflin Dictionary of Biography (2003), das Oxford Concise Dictionary of Music (Bourne und Kennedy 2004) und die NPR Listener’s Encyclopedia of Classical Music (Libbey, 2006) bezeichnen ihn als solchen. Die Encyclopædia Britannica liefert zwei unterschiedliche Ergebnisse:<ref>Die Ergebnisse beziehen sich auf die Edition von 1988.</ref> Die kurze anonyme Fassung in der Micropedia bezeichnet ihn als österreichischen Komponisten; der Hauptartikel in der Macropedia, geschrieben von H. C. Robbins Landon, befasst sich nicht mit seiner Nationalität. In früheren Quellen wird Mozart in der Regel als Deutscher bezeichnet, vor allem vor der Gründung des heutigen modernen österreichischen Nationalstaates. Eine Londoner Zeitung berichtete im Jahr 1791 vom Tod des Komponisten. Dort wird er als „der gefeierte deutsche Komponist“ (englisch: the celebrated German composer) bezeichnet.<ref>Cliff Eisen in: Mozart, the First Biography (Introduction). Berghahn Books, New York. 2007. ISBN 978-1-84545-231-5.</ref> In Lieber u. a. (1832, S. 78), wird Mozart als „der große deutsche Komponist“ vorgestellt. Ferris (1891) nahm Mozart – unter anderem neben Frédéric Chopin, Franz Schubert und Joseph Haydn – in sein Buch The Great German Composers („Die großen deutschen Komponisten“) auf. Andere Bezeichnungen als Deutscher findet man bei Kerst (1906, S. 3), Mathews und Liebling (1896), sowie MacKey und Haywood (1909); viel später auch bei Hermand und Steakley (1981). Manche Quellen änderten ihre Zuordnungen Mozarts zu heutigen Staaten im Laufe der Zeit. Grove bezeichnete Mozart nicht immer als „Österreicher“; dies erschien erstmals in der ersten Auflage des New Grove im Jahr 1980. Ähnlich war es auch beim Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Ursprünglich erwähnten sie die Landsmannschaft Mozarts nicht. Das Wort „Austrian“ wurde erstmals im Anfangssatz in der achten Auflage von 1992 erwähnt und wurde seither beibehalten.<ref>Slonimsky (1984, 1992) und Kuhn (2001).</ref> Die Encyclopædia Britannica, die ihn heute als „Austrian“ bezeichnet, beschrieb ihn früher als deutschen Komponisten.<ref>in der bekannten elften Auflage (1910–11); im Internet aufrufbar.</ref>

Mozart selbst äußerte sich in seinen nachgelassenen Schriften nicht zur Frage seiner „Staatsangehörigkeit“ im modernen Sinne, nennt sich selber aber Teutscher, so in Briefen an seinen Vater, z. B. vom 29. Mai 1778, in dem es heißt:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|was mich aber an meisten aufricht, und guts Muths erhält, ist der gedancke, daß sie, liebster Papa, und meine liebe schwester, sich gut befinden – daß ich ein Ehrlicher Teütscher bin, – und daß ich, wenn ich schon allzeit nicht reden darf – doch wenigstens dencken darf was ich will.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|was mich aber an meisten aufricht, und guts Muths erhält, ist der gedancke, daß sie, liebster Papa, und meine liebe schwester, sich gut befinden – daß ich ein Ehrlicher Teütscher bin, – und daß ich, wenn ich schon allzeit nicht reden darf – doch wenigstens dencken darf was ich will.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| was mich aber an meisten aufricht, und guts Muths erhält, ist der gedancke, daß sie, liebster Papa, und meine liebe schwester, sich gut befinden – daß ich ein Ehrlicher Teütscher bin, – und daß ich, wenn ich schon allzeit nicht reden darf – doch wenigstens dencken darf was ich will. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|was mich aber an meisten aufricht, und guts Muths erhält, ist der gedancke, daß sie, liebster Papa, und meine liebe schwester, sich gut befinden – daß ich ein Ehrlicher Teütscher bin, – und daß ich, wenn ich schon allzeit nicht reden darf – doch wenigstens dencken darf was ich will.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Anna Maria Mozart an ihren Mann. Nachschrift von Wolfgang Amadeus Mozart, 29. Mai 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 451), Zeile 55–58.</ref> }}

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{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|mir ist nur leid, daß ich nicht hier bleibe, um ihm zu zeigen, daß ich ihn nicht brauche – und daß ich so viell kann als sein Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin;}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|mir ist nur leid, daß ich nicht hier bleibe, um ihm zu zeigen, daß ich ihn nicht brauche – und daß ich so viell kann als sein Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin;}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| mir ist nur leid, daß ich nicht hier bleibe, um ihm zu zeigen, daß ich ihn nicht brauche – und daß ich so viell kann als sein Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin; | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|mir ist nur leid, daß ich nicht hier bleibe, um ihm zu zeigen, daß ich ihn nicht brauche – und daß ich so viell kann als sein Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin;}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Mozart an seinen Vater, 11. September 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 487), Zeile 67–69.</ref> }}

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}} In einem Brief vom 17. August 1782 schreibt er:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|will mich Teütschland, mein geliebtes vatterland, worauf ich (wie sie wissen) Stolz bin, nicht aufnehmen, so muß im gottes Nammen frankreich oder England wieder um einen geschickten Teutschen Mehr reich werden; – und das zur schande der teutschen Nation.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|will mich Teütschland, mein geliebtes vatterland, worauf ich (wie sie wissen) Stolz bin, nicht aufnehmen, so muß im gottes Nammen frankreich oder England wieder um einen geschickten Teutschen Mehr reich werden; – und das zur schande der teutschen Nation.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| will mich Teütschland, mein geliebtes vatterland, worauf ich (wie sie wissen) Stolz bin, nicht aufnehmen, so muß im gottes Nammen frankreich oder England wieder um einen geschickten Teutschen Mehr reich werden; – und das zur schande der teutschen Nation. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|will mich Teütschland, mein geliebtes vatterland, worauf ich (wie sie wissen) Stolz bin, nicht aufnehmen, so muß im gottes Nammen frankreich oder England wieder um einen geschickten Teutschen Mehr reich werden; – und das zur schande der teutschen Nation.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Mozart an seinen Vater, 17. August 1782 (Bauer/Deutsch Nr. 686), Zeile 20–23.</ref> }}

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Daraus wird ersichtlich, dass für ihn Teutschland als Bezeichnung für die deutschsprachigen Gebiete Mitteleuropas und die teutsche Nation (jeweils in der damals im oberdeutschen Raum üblichen Schreibung) als Kollektivum der dort lebenden deutschsprachigen Menschen begriffliche Realität waren, ohne dass dabei der Nationalstaatsgedanke unserer Zeit darauf Anwendung finden könnte: Zu seiner Zeit existierte ein Rechtssubjekt mit Namen „Deutschland“ ebenso wenig wie eines namens „Italien“, von dem er an anderer Stelle schreibt. Was jedoch existierte, war das Heilige Römische Reich deutscher Nation, welches das heutige Deutschland und Österreich einschloss. Für dessen Kaiser schrieb er in Wien Musik zur Zeit der Abfassung obiger Aussage, nachdem er im Jahr zuvor aus Salzburg übersiedelt war und geheiratet hatte. Dies bildet somit den Kontext zum Verständnis der Aussage über seine Selbstverortung.

Mozarts Tasteninstrumente

Die Bezeichnungen für Tasteninstrumente haben seit dem 18. Jahrhundert gravierende Veränderungen erfahren. In der Mozart-Zeit lassen sich drei Gattungen von Saitenclavieren unterscheiden: Erstens Instrumente mit Kielmechanik, welche die Saiten mit Federkielen anreißen, zweitens solche mit Tangentenmechanik, bei denen Objekte beim Niederdrücken der Taste hochgeschleudert werden und die Saite berühren, und drittens solche mit Hammermechanik. Im 18. Jahrhundert wurden im deutschsprachigen Raum Kielclaviere mit flügelförmigem Grundriss meist „Flügel“ genannt (in Frankreich „Clavecin“ und in Italien „Cembalo“), solche mit trapezförmigem oder rechteckigen Grundriss unter anderem „Spinett“. Tangentenclaviere mit flügelförmigem Grundriss „Tangentenflügel“ oder „Tangentenclavier“, solche mit rechteckigem Grundriss „Clavier“ oder, seltener, „Clavichord“. Für Hammerclaviere waren unter anderem die Bezeichnungen „Fortepiano“ und „Piaonoforte“ gängig. Der Oberbegriff für alle Saitenclaviere war hingegen „Instrument“.<ref>Siegbert Rampe: Mozarts Claviermusik. Klangwelt und Aufführungspraxis. Ein Handbuch. Bärenreiter, Kassel et al. 1995, ISBN 3-7618-1180-2, S. 16f.</ref>

Einige von Mozarts frühen Tastenwerken wurden explizit für Cembalo geschrieben, und auch später zu seinen Lebzeiten wurden Sonaten und andere Werke oft mit der alternativen Besetzungsangabe „pour Clavecin ou Forte Piano“ („für Cembalo oder Pianoforte“) veröffentlicht.<ref>Beispielsweise Six Sonates pour Clavecin ou Forté Piano avec l’accompagnement d’un Violon … Oeuvre Premier. (KV 301–306), Paris: Sieber [1778.], Originalausgabe in Auktion bei Christie's im Juli 2023, Lot 30 (englisch; Abruf am 24. Januar 2024).</ref> Er lernte bereits in seinen frühen Jahren aber auch Fortepiani kennen. Laut einem Brief vom 17. Oktober 1777 an seinen Vater Leopold waren ihm bis dahin die „Claviere“ des Regensburger Klavierbaumeisters Franz Jakob Späth „die liebsten“.<ref name="Landon-348">H. C. Robbins Landon (Hrsg.): Das Mozart Kompendium – sein Leben, seine Musik, Droemer Knaur, München, 1991, S. 348.</ref><ref name=":0">The Letters of Wolfgang Amadeus Mozart (1769–1791). In Two Volumes. Vol. 1. By Wolfgang Amadeus Mozart. Translated, from the Collection of Ludwig Nohl, by Lady Wallace. New York and Philadelphia, 1866.</ref> Erst im Herbst 1777, als Mozart Augsburg besuchte, lernte er die Fortepiani von Johann Andreas Stein kennen, die ihn wegen ihrer ungewöhnlich zuverlässigen Mechanik sehr beeindruckten, wie er seinem Vater im erwähnten Brief mitteilte.<ref name="Landon-348" /><ref name=":0" /> Am 22. Oktober 1777 führte Mozart sein Klavierkonzert für drei Klaviere (KV 242) auf Instrumenten Steins zum ersten Mal auf.<ref>Review in Augsburgische Staats und Gelehrten Zeitung, 28. Oktober 1777.</ref> Der Augsburger Domorganist Demmler spielte das erste, Mozart das zweite und Stein das dritte Klavier.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Demmler [Demler, Dümmler], Johann Michael|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Demmler [Demler, Dümmler], Johann Michael}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.oxfordmusiconline.com/grovemusic/view/10.1093/gmo/9781561592630.001.0001/omo-9781561592630-e-0000007542%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Demmler [Demler, Dümmler], Johann Michael}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.oxfordmusiconline.com/grovemusic/view/10.1093/gmo/9781561592630.001.0001/omo-9781561592630-e-0000007542}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Demmler [Demler, Dümmler], Johann Michael}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2021-06-10 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Datei:WAF im Mozarthaus 05.jpg
Hammerflügel von Walter, ca. 1782, aus Mozarts Besitz; heute im Bestand des Mozarteums

1782 erwarb Mozart in Wien ein Fortepiano von Anton Walter.<ref>Early Music Volume XXV, Issue 3, August 1997, Pages 383–400.</ref> In einem Brief vom 12. März 1785 bestätigt Leopold Mozart die enge Bindung seines Sohnes an dieses Instrument: {{

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}}<ref>Brief von Leopold Mozart an Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg in Salzburg, Wien, 12. März 1785 (Bauer/Deutsch Nr. 850), Zeile 38–41, in: Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition (Abruf am 24. Januar 2024).</ref><ref>„It is impossible to describe the hustle and bustle. Your brother’s pianoforte has been moved at least twelve times from his house to the theater or to someone else’s house…“, in: An Eyewitness Account of His Son’s Activities as a Composer and Performer in Vienna: Leopold Mozart, Letters to Daughter Anna Maria Mozart (February and March, 1785), mit englischen Übersetzungen von Zitaten aus: Briefe und Aufzeichnungen, ed. Wilhelm A. Bauer and Otto Erich Deutsch (Kassel, 1963), Vol. III. (Abruf am 24. Januar 2024).</ref> Leopold Mozart erwähnt auch, dass Wolfgang sich für sein Fortepiano eine eigenständige Pedaltastatur hatte bauen lassen, die „3 spann“ länger als das Klavier war (wahrscheinlich in 16-Fuß-Lage), und die er ebenfalls manchmal zu Konzerten transportieren ließ.<ref>{{

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}} In: Brief von Leopold Mozart an Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg in Salzburg, Wien, 12. März 1785 (Bauer/Deutsch Nr. 850), Zeile 41–43, in: Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition (Abruf am 24. Januar 2024).</ref><ref>„He has had a large pedal piano made, which goes under the body of the piano and is about two feet longer and extremely powerful…“ (Anm.: falsche (!) Übersetzung von Original: „erstaunlich schwer“!) „…And each Friday this has been carried to the Mehlgrube [casino] and also to the respective residences Count Zichy and to Prince Kaunitz…“ (Englische Übersetzung des deutschen Originals), in: An Eyewitness Account of His Son’s Activities as a Composer and Performer in Vienna: Leopold Mozart, Letters to Daughter Anna Maria Mozart (February and March, 1785), mit englischen Übersetzungen von Zitaten aus: Briefe und Aufzeichnungen, ed. Wilhelm A. Bauer and Otto Erich Deutsch (Kassel, 1963), Vol. III. (Abruf am 24. Januar 2024).</ref> Mithilfe dieses Pedalklavieres konnte sich Mozart auch auf das Pedalspiel an einer Kirchenorgel vorbereiten.

1855 bot Mozarts Sohn Carl einen Hammerflügel von Walter aus dem Besitz seines Vaters dem Mozarteum an.<ref>Carl Thomas Mozart an Johann Baptist Ritter von Finetti, Salzburg. Mailand, Ende 1855 (Bauer/Deutsch Nr. 1473.a).</ref> Dieses von Walter nach Mozarts Tod überarbeitete und 1936–1937 von der Firma Rück in Bamberg restaurierte Instrument ist, ohne Pedal-Erweiterung, bis heute erhalten geblieben.<ref>Mozarts Hammerflügel in Wien! Stiftung Mozarteum Salzburg – Mozarthaus Vienna. 2012. Abgerufen am 22. März 2025.</ref> Dass es wirklich der Flügel ist, den Mozart 1782 von Walter erworben hat und um eine Pedalklaviatur erweitern ließ, ist nicht hundertprozentig sicher.<ref>Michael Latcham: Historische Belege zum Mozart-Flügel. Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum. 2000. Abgerufen am 22. März 2025.</ref>

Mozarts Klavierspiel wurde überall gerühmt und geschätzt. Als Grundartikulation pflegte Mozart das zu seiner Zeit übliche Non legato. Dies wird von Ludwig van Beethoven, der ihn mehrfach in Konzerten hörte, bezeugt und von Carl Czerny wiedergegeben. Demnach habe Mozart „ein feines, aber zerhacktes Spiel gehabt, kein ligato.“<ref>Uli Molsen: Die Geschichte des Klavierspiels in historischen Zitaten. Balingen-Endingen, 1982, S. 46.</ref>

Musik

Mozart schuf eine „einzigartige Zusammenfassung“ diverser Anregungen, die sich „als vollendete Gestaltung auf allen musikalischen Ebenen, im immensen Reichtum melodischer Erfindung, in der Tiefsinnigkeit vielfach abgetönter Harmonik, in der farblichen Klanglichkeit und in der Plastizität rhythmisch-gestischer Bildungen“ manifestiert.<ref name="schnaus246">Peter Schnaus: Wiener Klassik. In: Ders. (Hrsg.): Europäische Musik in Schlaglichtern. Meyers Lexikonverlag, 1990, S. 236–276, hier 246.</ref> „Auf höchstem Formniveau“ verschmolz er Theater- und Instrumentalmusik, Haydns motivisches und Bachs kontrapunktisches Denken. Die „Synthese des ganz Individualisierten und zugleich ganz Gegensätzlichen“ wird als „Universalität“ interpretiert und als Bestimmendes des „Klassischen“ hervorgestrichen, das in der Musik „vollkommen mühelos“ erfüllt wird.<ref>Ludwig Finscher: Mozart und die Idee eines musikalischen Universalstils. In: Carl Dahlhaus (Hrsg.): Die Musik des 18. Jahrhunderts. Neues Handbuch der Musikwissenschaft hrsg. von Carl Dahlhaus, Band 5, Wiesbaden 1985, ISBN 3-89007-035-3, S. 267–278, hier 278.</ref>

Mozarts Werke werden in Hinblick auf Formbildung sowie auf einzelne Elemente des Tonsatzes wie insbesondere „die Struktur melodischer Verläufe, rhythmische und metrische Ordnung kleinerer Abschnitte, motivisch-thematische Arbeit und engräumige harmonische Ereignisse“ analysiert.<ref name="MGG" /> Der Musik wird eine „sprechende“ Qualität durch ihren „Ereignischarakter“ zugeschrieben.<ref>Manfred Herrmann Schmid: Sprachliche Bedingtheit musikalischen Denkens. Gedanken zum Werk Mozarts. In: Gernot Gruber, Siegfried Mauser (Hrsg.): Mozart neu entdecken. Laaber-Verlag, Laaber 2012 (= Das Mozart-Handbuch, Band 7), ISBN 978-3-89007-467-2, S. 359–392, hier 364.</ref> Durch Verschränkungen, also Überlagerungen von Abschlüssen und Neuanfängen, intensiviert Mozart „dramatisch-musikalische Formprozesse“.<ref>Manfred Herrmann Schmid: Sprachliche Bedingtheit musikalischen Denkens. Gedanken zum Werk Mozarts. In: Gernot Gruber, Siegfried Mauser (Hrsg.): Mozart neu entdecken. Laaber-Verlag, Laaber 2012 (= Das Mozart-Handbuch, Band 7), ISBN 978-3-89007-467-2, S. 359–392, hier 376f.</ref> Die Musik wirkt in ihrer Diskontiuität durch Impulse theaterhaft auch in der Instrumentalmusik.<ref>Dieter Borchmeyer: Mozarts Oper: Theater des musikalischen Augenblicks. In: Ders., Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 3–12, hier 4.</ref> Trotz vieler „musikalische[r] Bewegungen“ ist durch die „unerschütterliche Festigkeit der sechs üblicherweise eingesetzten leitereigenen Tonarten“ Stabilität garantiert, die jedoch durch ausdrucksvolle Harmonik bis zur „eklatante[n] Kühnheit“ belebt wird. Balance, korrespondierende Kleinabschnitte und „die wechselseitige Bezugnahme, mit der er Periode, Rhythmus und harmonische Disposition aneinander bindet“ verhindern den Eindruck von Beliebigkeit bei der Kombination verschiedener Elemente. Mozarts Wissen über sein Instrumentarium ermöglichte es ihm, „einzelne Instrumente und Ensembles in einem unverwechselbaren Gesamtklang aufgehen zu lassen“. In den Opern ist das Orchester für seine Zeit ungewöhnlich dicht gesetzt.<ref name="MGG" /> Das Klavierkonzert erhält symphonische Qualitäten.<ref>Marius Flothuis: Mozarts Klavierkonzerte. Verlag C. H. Beck, München 2008 (= C. H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe, Band 2201), ISBN 3-406-56864-5, S. 108.</ref> Eine besondere Rolle kommt dabei den Bläsern zu.<ref>Wolfgang Gersthofer: Die großen Klavierkonzerte I: KV 450, KV 451, KV 453, KV 456 und KV 459. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 252–278, hier 253ff.</ref> Das Konzert wird durch Mozart grundlegend reformiert und zur „Form aus feiner Klangvielfalt und groß angelegten Strukturen“.<ref>Jeremy Siepmann: Mozart. Sein Leben, seine Musik. Aus dem Englischen von Veronika Roman. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-25767-6, S. 115.</ref> „Kompositorische Vertiefung und Individualisierung“ seiner Musik erreicht Mozart durch die Zusammenführung und Kontrastierung von Gestaltungsmitteln verschiedener stilistischer Kontexte, darunter der Kirchenmusik mit ihrer Kontrapunktik. Für den „gelehrten“ polyphonen Stil verarbeitete er dabei Impulse „alter Musik“ von Johann Sebastian Bach, von dessen Söhnen und von Georg Friedrich Händel.<ref name="MGG" /> Die Opera buffa verwandelte er zur anspruchsvollen „Komödie mit Musik“ „voll psychologisierender Zwischentöne und mit sorgfältiger Charakterzeichnung“.<ref>Arnold Werner-Jensen: Wolfgang Amadeus Mozart. Musikführer Band 2. Vokalmusik. Schott, Mainz 2015, ISBN 978-3-7957-8625-0, S. DXIX.</ref>

Bewährt ist die Abgrenzung einer frühen Schaffensphase.<ref name="MGG" /><ref name="Grove">Cliff Eisen, Stanley Sadie: Mozart, (Johann Chrysostom) Wolfgang Amadeus. In: Grove Music Online. Oxford University Press, Version: 2001. http://www.oxfordmusiconline.com/</ref> Trotz der Problematik, die jede Einteilung eindeutiger chronologischer Stilperioden mit sich bringt, ist dann das Jahr 1781 als Trennlinie zwischen den Salzburger und Wiener Jahren anerkannt.<ref>Christoph Wolff: „Vor der Pforte meines Glückes.“ Mozart im Dienst des Kaisers (1788–1791). Aus dem Amerikanischen von Matthias Müller. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2013, ISBN 978-3-7618-2277-7, S. 95.</ref>

Frühwerk

Bis etwa 1768 bestand mit Leopold Mozart eine Art „Werkstattgemeinschaft“,<ref name="MGG" /> mitunter gibt es für diese Phase Zuschreibungsprobleme. Mozarts frühe Sinfonien orientieren sich an Londoner Meistern wie Carl Friedrich Abel und Johann Christian Bach, wirken in ihrer geringeren Ausdehnung jedoch „kurzatmiger“.<ref>Wolfgang Gersthofer: Sinfonien KV 16–134. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 15–27, hier 18f.</ref> KV 112 von 1771 zeigt als erste Sinfonie eine wirkliche Durchführung und löst die strenge Kopplung von motivischem Material mit der Funktion auf, indem der Beginn der Modulation nach der Vorstellung des Hauptsatzes durch die Wiederholung der harmonisch stabilen Eröffnung verunklärt wird: Es ergibt sich Einheitlichkeit, aber auch Mehrdeutigkeit.<ref name="Grove" />

Mit zwölf Jahren schrieb Mozart sein erstes Bühnenwerk, die Opera buffa La finta semplice. Sie folgt im Gegensatz zu späteren Arbeiten Mozarts streng den Gattungsmustern etwa in der Tradition von Baldassare Galuppi.<ref>Laurenz Lütteken: Mozarts frühe Opere buffe: La finta semplice (KV 51/46a) und La finta giardiniera (KV 196). In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 260–273, hier 263f.</ref> Auffällig sind allerdings liedhaft gestaltete Arien, wie sie Mozart dann auch beim Singspiel Bastien und Bastienne verwendete, wo sie wegen des deutschen Librettos „der Natur der Sache selbst“ entsprechen. Mit kleinen Taktarten und raschen Tempi entsteht in beiden Werken der typische Parlandoton komischer Opern.<ref>Marion Recknagel: Bastien und Bastienne. Singspiel in einem Akt (KV 50/46b). In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 370–382, hier 375.</ref> 1770 folgte als erste Opera seria Mitridate, re di Ponto KV 87 (74a) für das Mailänder Teatro Regio Ducal mit einer unüblich großen Zahl von Arien, deren Begleitung neben den Streichern zusätzlich Bläser verlangt.<ref>Irene Brandenburg: Mitridate (KV 87/74a) und Lucio Silla (KV 135) In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 186–201, hier 186f.</ref> Zu Mozarts frühen Bühnenwerken zählt ferner die Festa teatrale Ascanio in Alba mit den gattungsüblichen Chören und Balletten, wobei Mozart die sonst getrennten Elemente Ouvertüre, Tanz und Chor verband.<ref>Christine Siegert: Oper als Fest: Ascanio in Alba (KV 111) und Il sogno di Scipione (KV 126). In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 202–212, hier 207f.</ref>

Salzburg 1772–1781

Mozarts frühe Sonaten für Klavier und Violine sind violinbegleitete Klaviersonaten, geschrieben für Ausführende mit ungleichen instrumentaltechnischen Fähigkeiten. Der Part für das begleitende Instrument ist wenig anspruchsvoll und könnte auch fortgelassen werden. Allmählich verselbständigt sich die Violinstimme, und mit dem Druck von sechs Sonaten in Paris 1778 kann Mozart als Begründer der modernen Violinsonate gelten mit „verschiedene[n] Gewichtungen und Mischungen von Satzarten […], die zum Teil kaleidoskopartig auseinander hervorgehen“.<ref>Eberhard Hüppe: Über Entwicklungen (I). Mozart und das Konzept des kammermusikalischen Dialogs. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 37–108, hier 40ff sowie 49.</ref>

Klaviersonaten schuf Mozart meist als Gelegenheitskompositionen.<ref>Joachim Brügge: Von der „Lehrbuch“-Sonate zur Intertextualität. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 109–163, hier 109.</ref> Der Ausdruck von Dämonie und verzweifelter Flucht lässt die Sonate in a-Moll KV 310 von 1778 als Vorläufer von Beethovens „Sturm“-Sonate op. 31/2 oder Werken von Schubert und Chopin erscheinen. Vorbildlich könnte der Pariser Geschmack gewesen sein mit „Deutsch-Franzosen“ wie Johann Schobert, der seinen expressiven Stil auch in der Besetzung der violinbegleiteten Klaviersonate realisierte.<ref>Siegfried Mauser: Mozarts Klaviersonaten. Ein musikalischer Werkführer. Verlag C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66171-6, S. 51.</ref> Neben den Sonaten stehen als „eigenständige Pendants“ die Variationszyklen.<ref>Siegbert Rampe: Mozarts Claviermusik. Klangwelt und Aufführungspraxis. Ein Handbuch. Bärenreiter Verlag, Kassel et al. 1995, ISBN 3-7618-1180-2, S. 82.</ref>

Die im Sommer 1773 entstandenen „Wiener Quartette“ KV 168–173 orientieren sich an Haydns op. 20, was insbesondere an zwei fugierten Finalsätzen deutlich wird. An die Stelle der Kurzatmigkeit in Mozarts früheren Streichquartetten treten nun breit ausschwingende Melodien, Unausgewogenheit ist nur noch im Bereich des Gefühlsausdrucks aufzufinden.<ref>Marius Flothuis: Mozarts Streichquartette. Verlag C. H. Beck, München 1998 (= C. H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe, Band 2204), ISBN 3-406-43306-5, S. 22f.</ref>

Die in Stil und Überlieferung eine Einheit bildenden<ref>Matthias Kontarsky: Die „Salzburger“ Sinfonien KV 162–202. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 28–43, hier 43.</ref> Salzburger Sinfonien KV 162–202, die in den Jahren 1773 und 1774 vollendet wurden, stellen im Rahmen der Öffentlichkeit des Hofes Mozarts kompositorisches Vermögen zur Schau, wofür er eine „hochindividualisierte und am Ende auch kompromißlose Sprache“ entwickelte.<ref>Laurenz Lütteken: Essay: Sturm und Drang in der Musik? Mozarts Sinfonien 1773–1775 und die Probleme einer musikhistorischen Konstruktion. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 44–57, hier 51.</ref> Vielfache Wertschätzung hat mit ihrem bekenntnishaft tragischen Charakter die „kleine“ g-Moll-Sinfonie KV 183 erfahren,<ref>Matthias Kontarsky: Die „Salzburger“ Sinfonien KV 162–202. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 28–43, hier 33.</ref> die zu einer Diskussion um den Sturm-und-Drang-Begriff im Blick auf Mozart geführt hat.<ref>Laurenz Lütteken: Essay: Sturm und Drang in der Musik? Mozarts Sinfonien 1773–1775 und die Probleme einer musikhistorischen Konstruktion. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 44–57, hier 46.</ref>

1773 schrieb Mozart seine nach dem heute verschollenen Trompetenkonzert KV 47c von 1768 ersten eigenständigen Instrumentalkonzerte: das Violinkonzert B-Dur KV 207 und das Klavierkonzert D-Dur KV 175.<ref>Claudia Maria Knispel: Salzburger Klavierkonzerte KV 175–271. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 174–214, hier 177.</ref> Das Violinkonzert KV 207 weist verglichen mit Mozarts späteren Gattungsbeiträgen eine Orientierung am älteren Ritornellkonzert-Typus mit vier Ritornellen auf, wobei die Soloabschnitte zwar sonatensatzgemäß angelegt sind, das eröffnende Tutti das Material des Satzes jedoch in komprimierter Form vorstellt.<ref>Hartmut Hein: Konzerte für Streichinstrumente. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 341–394, hier 358.</ref> Das Klavierkonzert KV 175 ist unter Mozarts frühen Konzerten das einzige mit Pauken und Trompeten, was ihm einen besonders festlichen Charakter verleiht. Der Tonumfang des Klaviers ist hier noch auf viereinhalb Oktaven beschränkt, zudem ist der Finalsatz noch nicht als Rondo- oder Variationenform realisiert, sondern, wie im Violinkonzert KV 207, in Sonatenform.<ref>Claudia Maria Knispel: Salzburger Klavierkonzerte KV 175–271. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 174–214, hier 177f.</ref>

1775 ließ Mozart vier weitere Violinkonzerte folgen. Während die Ritornellform der Kopfsätze nun deutlicher den Sonatensatzprinzipien folgen und in ihrer Ausgewogenheit der Tutti- und Solo-Verhältnisse eine formale und ideelle Geschlossenheit aufweisen, geraten die Finali zu „Apotheosen gewohnter tänzerische[r] Topoi und buffoneske[r] Einfälle“ mit inszenierten Brüchen und besinnlichen Momenten, wofür sich noch keine Vorbilder bei anderen Komponisten finden ließen.<ref>Hartmut Hein: Konzerte für Streichinstrumente. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 341–394, hier 374.</ref> Parallelen ergeben sich zum Klavierkonzert KV 271 „Jeunehomme“ von 1777, das Mozarts ältere Orchestermusik hinter sich zurücklässt durch Umfang, gestalterische Meisterschaft, Virtuosität, Ausdruckskraft und Überraschungsmomente,<ref>Grove: 8. Works, 1772–81.</ref> wie dem einzigartigen Beginn des ersten Satzes, wo auf eine Orchesterfanfare unmittelbar das Klaviersolo mit einer Kadenz antwortet.<ref>Claudia Maria Knispel: Salzburger Klavierkonzerte KV 175–271. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 174–214, hier 208.</ref> Die Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 (1779–80) mit den Soloinstrumenten Violine und Viola breitet nach dem groß dimensionierten Tutti-Abschnitt mit „Mannheimer Rakete“ vor der Schlussgruppe eine einfallsreiche Solo-Exposition aus, in der „nahezu alle Abschnitte durch die Solisten thematisch neu profiliert“ werden.<ref>Hartmut Hein: Konzerte für Streichinstrumente. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 341–394, hier 390f.</ref>

1775 löste in Mozarts Schaffen für Orchester die Gattung der Serenade die Sinfonie ab.<ref>Grove: 8. Works, 1772–81.</ref> Glanzvolle Höhepunkte dieser öffentlichen Musik zur Ehrung gesellschaftlich höherstehender Personen sind die Haffner- und die Posthorn-Serenade (KV 250 und 320) mit theaterhaftem Charakter.<ref>Martina Hochreiter: Die „Haffner-Serenade“ KV 250 und „Posthorn-Serenade“ KV 320. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 451–462, hier 451 sowie 461.</ref>

In Mozarts zweiter Opera seria Lucio Silla KV 135 für die Karnevalssaison 1772/73 beginnt er, die klassische Trennung von Rezitativ und Arie aufzuheben und größere musikalisch-dramatische Einheiten zu bilden.<ref>Irene Brandenburg: Mitridate (KV 87/74a) und Lucio Silla (KV 135) In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 186–201, hier 192ff.</ref> In seiner zweiten Opera buffa La finta giardiniera KV 196 löste sich Mozart von den Gattungskonventionen, um „als Schlüssel für das Spiel um die Wahrhaftigkeit der Affekte die Musik einzusetzen“. Diese gibt ihre Distanziertheit auf, „der dargestellte Affekt wird zum erlebten Affekt, und er kann sich doch nicht aus der Tatsache lösen, nur Darstellung zu sein“.<ref>Laurenz Lütteken: Mozarts frühe Opere buffe: La finta semplice (KV 51/46a) und La finta giardiniera (KV 196). In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 260–273, hier 270f.</ref> Als Huldigungskomposition folgte auf Ascanio in Alba und Il sogno di Scipione 1775 die Serenata Il re pastore KV 208.<ref>Panja Mücke: Zwischen „Serenata“ und „Dramma per musica“: Il re pastore (KV 208). In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 213–225, hier 218.</ref> Maßgeschneidert für München entstand Idomeneo KV 367 als Stilsynthese „der klassischen Seria-Tradition nach älteren Münchner Maßstäben und der aus Mannheim mitgebrachten fortschrittlich-reformerischen Richtung“, wobei die Chor-Tableaux „erregend-modernen, frühromantisch aufgebrochenen“ Charakter haben.<ref>Karl Böhmer: Idomeneo (KV 366), das „Dramma per musica“ der Stilsynthese. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 226–239, hier 238f.</ref>

1773 begann Mozart mit einer Folge von zehn Messen, die als „kompositorischer Hauptertrag der Salzburger Jahre vor 1777“ gelten können.<ref>Günther Massenkeil: Messen. In: Ders., Thomas Hochradner: Mozarts Kirchenmusik, Lieder und Chormusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 4), ISBN 3-89007-464-2, S. 57–124, hier 59.</ref> Sie folgen lokalen Traditionen und erinnern an Werke von Michael Haydn und Johann Ernst Eberlin.<ref>GROVE</ref> Die „Krönungsmesse“ KV 317 von 1779, formal eine Missa solemnis, hebt sich von ihren Vorgängern ab, etwa wenn das Agnus dei nun dem Sopran zugewiesen wird und durch Rückgriffe eine differenzierte Verbindung mit dem Kyrie eingeht.<ref>Günther Massenkeil: Messen. In: Ders., Thomas Hochradner: Mozarts Kirchenmusik, Lieder und Chormusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 4), ISBN 3-89007-464-2, S. 57–124, hier 106 sowie 110.</ref>

Wien 1781–1791

Innerhalb der Wiener Jahre kann weniger von begrenzten Stilperioden als von „spezifischen qualitativen Wendepunkte[n]“ gesprochen werden: eine zunehmende Verwendung polyphoner Kontrapunktik wie in den Haydn gewidmeten Streichquartetten 1782–1784, eine Konzentration auf die Instrumentationskunst etwa in den Klavierkonzerten 1784–1786, eine individualisierte musikalische Charakterzeichnung und dramatische Ensembleszenen in Le nozze di Figaro und Don Giovanni (1786/1787). Das Jahr 1788 bietet durch die Berufung an den kaiserlichen Hof eine objektive biografische Tatsache und ein einschneidendes Ereignis innerhalb der Wiener Jahre Mozarts, auch wenn die folgenden Werke nicht einer einheitlichen Stilkategorie entsprechen.<ref>Christoph Wolff: „Vor der Pforte meines Glückes.“ Mozart im Dienst des Kaisers (1788–1791). Aus dem Amerikanischen von Matthias Müller. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2013, ISBN 978-3-7618-2277-7, S. 95f.</ref>

Die Haydn gewidmete Quartettserie entspricht dem Op. 33 des Vorbilds als neuer, selbständiger Beitrag zur „Hochphase des klassischen Stils“. Sie sind das Ergebnis mühevoller Arbeit und fanden nach der Vorführung vor Haydn dessen Beifall.<ref>Wilhelm Seidel: Experimente, sechs musikalische Charaktere und absolute Musik. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 348–429, hier 372f.</ref> Bis ins 19. Jahrhundert waren die Dissonanzen, hervorgerufen durch die „irgendwo“ einsetzenden Stimmen in der langsamen Einleitung des Quartetts in C-Dur KV 465 so irritierend, dass man sich in Korrekturen versuchte.<ref>Wilhelm Seidel: Experimente, sechs musikalische Charaktere und absolute Musik. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 348–429, hier 400.</ref>

Ab März 1784 sind Mozarts Klavierkonzerte als „große“ Konzerte konzipiert, mit anspruchsvollen Parts für die Holzbläser als „heimliche Solisten“, wodurch das „Spektrum der Möglichkeiten des Konzertierens“ erweitert wird, wobei Bläser- und Klavierklang eng zusammenwirken.<ref>Wolfgang Gersthofer: Die großen Klavierkonzerte I: KV 450, KV 451, KV 453, KV 456 und KV 459. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 252–278, hier 253ff.</ref> Neben der Nutzung der Möglichkeiten des Orchesters wird die auch in KV 450 anzutreffende metrische Reibung als Mittel, formale Kontraste zu erzielen, im d-Moll-Konzert KV 466 „Träger einer expansiven dramatischen Konzeption“.<ref>Peter Revers: Die großen Klavierkonzerte II: KV 466, KV 467, KV 482, KV 488, KV 491, KV 503, KV 537 („Krönungskonzert“) und KV 595. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 279–320, hier 279.</ref>

Ab der Prager Sinfonie KV 504 strebt Mozart in stärkerem Ausmaß als der als Sinfoniker äußerst produktive und erfolgreiche Sinfoniker Haydn einen erhabenen Stil an mit einem „Ton hoher Leidenschaft“.<ref>Martin Geck: Mozart. Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-02492-2, S. 385.</ref> Die letzten drei Sinfonien werden trotz mangelnder Überlieferung einer solchen Absicht durch Mozart als „Trias“ angesehen mit motivischen Bezügen und gemeinsamer Werkpoetik.<ref>Peter Revers: Die Sinfonien-Trias KV 543, KV 550 und KV 551. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 98–148, hier 104.</ref> An Stelle von Haydns Verbindung von „repräsentative[r] Glätte mit Nachdenklichkeit“ führt Mozart in der langsamen Einleitung der Sinfonie in Es-Dur KV 543 die festliche Erwartung in Unruhe und Aufregung.<ref>Martin Geck: Mozart. Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-498-02492-2, S. 392.</ref> Besonders populär ist das sprachnahe Hauptthema der Sinfonie in g-Moll KV 550.<ref>Peter Revers: Die Sinfonien-Trias KV 543, KV 550 und KV 551. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 98–148, hier 120.</ref> In der Sinfonie in C-Dur KV 551 („Jupiter“) ist das kontrapunktisch komplexe Finale ein Vorbote der kommenden sinfonischen Konzeption, die auf den Schlusssatz als Schwerpunkt des Zyklus zielen wird.<ref>Peter Revers: Die Sinfonien-Trias KV 543, KV 550 und KV 551. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 98–148, hier 139.</ref>

Eine kleine Nachtmusik präsentiert modellhaft die Formen Sonatensatz, Verbindung von A-B-A-Liedform und Rondo, Menuett aus zwei Achttaktern und finales Sonatenrondo.<ref>Joachim Brügge: Die „Quartett“-Divertimenti KV 136–138 und KV 525, Eine Kleine Nachtmusik. In: Ders., Claudia Maria Knispel: Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 463–470, hier 451 sowie 466.</ref>

Im Klarinettenquintett KV 581 werden die Rollen, die dem Blasinstrument und dem Streicherensemble zugewiesen werden, unterschiedlich organisiert. Während etwa im Kopfsatz die Zuordnung von Kantabilität und virtuoser Figuration zwischen den beiden Klangkörpern wechselt, ist im langsamen Satz der gesangliche Part weitgehend der Klarinette vorbehalten.<ref>Erich Reimer: Virtuosität und Kammermusik. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 257–284, hier 278ff.</ref> Auffällig sind Passagen, in denen in Terzen parallel geführte Stimmen um ein drittes Instrument ergänzt werden, das eine oktavversetzte Umspielung quasi „heterophon“ hinzufügt.<ref>Erich Reimer: Virtuosität und Kammermusik. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 257–284, hier 283.</ref>

Das Klarinettenkonzert KV 622 zeigt im Gegensatz zur motivischen Vielfalt früherer Konzerte eine Konzentration auf einheitlicheres Material und dessen Verarbeitung und nutzt die Möglichkeit der Bassettklarinette, große Tonräume zu durchmessen. Der hier streckenweise anzutreffende „baßlose Satz“ weist mit einem „Hauch von Jenseitigkeit“ auf das 19. Jahrhundert voraus.<ref>Ursula Kramer: Konzerte für Blasinstrumente. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 395–425, hier 423ff.</ref>

Die sieben letzten Opern Mozarts begründen seinen „unangefochtenen Erfolg“ als Opernkomponist.<ref>Dieter Borchmeyer: Mozarts Oper: Theater des musikalischen Augenblicks. In: Ders., Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 3–12, hier 3.</ref> Nach dem bereits genannten Idomeneo strebte Mozart in Die Entführung aus dem Serail KV 384 mehr nach „ausdruckshaftem Darstellen innerer Zustände“ als nach türkischem Kolorit, das weitgehend auf Tutti-Nummern beschränkt blieb.<ref>Manfred Hermann Schmid: Mozarts Opern. Ein musikalischer Werkführer. Verlag C. H. Beck, München 2009, S. 103.</ref> Es folgten die drei Opern mit Libretto von Lorenzo Da Ponte, der die Opera buffa Le nozze di Figaro KV 492 auf Mozarts Kunst der Ensemble-Finali zuschnitt. Die herrschenden Verhältnisse werden auf den Kopf gestellt, da die Dienerschaft über ihre Herrschaft triumphiert.<ref>Jörg Krämer: Mozarts „Da Ponte-Opern“. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 281–359, hier 285f.</ref> Wenn der Graf um Gnade bittet, bleibt die musikalische Bewegung stehen, „einen Moment lang öffnet sich ein Blick ins Bodenlose“.<ref>Jörg Krämer: Mozarts „Da Ponte-Opern“. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 281–359, hier 299.</ref> In Don Giovanni KV 527 führte Mozart die Tendenz fort, die Einzelnummern in die dramatische Handlung einzubinden und die entscheidenden Wendungen sich in der Musik vollziehen zu lassen, die „zum eigentlichen Handlungsraum, zur Verbindung zwischen den Figuren, aber auch zu einer Kommentar-Ebene“ wird.<ref>Jörg Krämer: Mozarts „Da Ponte-Opern“. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 281–359, hier 313f.</ref> Am Ende der Oper schlägt eine übermütige Tafelszene in Ernst um und das Voranschreiten einer steinernen Statue wird durch unerbittlich punktierten Rhythmus und die harmonische Ordnung zersetzende chromatische Sechzehntelläufe musikalisch realisiert.<ref>Jörg Krämer: Mozarts „Da Ponte-Opern“. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 281–359, hier 332f.</ref> Es folgte als dritte Da-Ponte-Oper das „Ensemblestück schlechthin“ Così fan tutte KV 588 als „Opera buffa über die Buffa“.<ref>Jörg Krämer: Mozarts „Da Ponte-Opern“. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 281–359, hier 343.</ref> In Die Zauberflöte KV 620 öffnet sich das Singspiel zur „großen Oper“, wenn sich Tamino zur aufgeklärten Moral wendet.<ref>Wilhelm Seidel: Die Zauberflöte (KV 620). In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 432–488, hier 481.</ref> In der Opera seria La clemenza di Tito KV 621 erhalten die klischeehaften Personen durch die Musik „dramatisches Leben und Seriosität“.<ref>Helga Lühning: La clemenza di Tito (KV 621) – Mozarts Rückkehr zur Opera seria. In: Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Opern. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 3/1), ISBN 978-3-89007-463-4, S. 240–259, hier 249.</ref>

Mozarts unvollendet hinterlassenes Requiem KV 626 ist mit Streichern, je zwei Bassetthörnern und Fagotten sowie Posaunen im Orchester ungewöhnlich dunkel gefärbt. Die Disposition der Tonarten ergibt eine bogenförmige Symmetrie mit den einzelnen Sätzen als Gliedern.<ref>Peter Ackermann: Requiem KV 626. In: Günther Massenkeil, Thomas Hochradner: Mozarts Kirchenmusik, Lieder und Chormusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 4), ISBN 3-89007-464-2, S. 125–154, hier 134ff.</ref>

Rezeption

Kompositorische Mozart-Rezeption

Obwohl die Geschichte der deutschen Oper durch Mozart und Carl Maria von Weber bestimmt wurde,<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 66.</ref> ist die Vorstellung einer durchgängigen Tradition in der Nachfolge Mozarts irreführend. Peter von Winter folgte zwar dem Beispiel der Zauberflöte, die romantische Oper mit dem Freischütz von Weber ging jedoch nicht aus dem Singspiel hervor.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 56.</ref>

Zu den gewichtigsten Werken des jungen Ludwig van Beethoven gehören Klavierquartette, die den Modellen von Mozarts Violinsonaten folgen. Variationszyklen waren taugliche Vehikel, um sich als Virtuose zu etablieren; Beethoven schrieb einen solchen Zyklus für Violine und Klavier nach Mozarts Se vuol ballare.<ref>Joseph Kerman, Alan Tyson, Scott G. Burnham, Douglas Johnson, William Drabkin: Beethoven, Ludwig van In: Grove Music Online. Oxford Music Online. Oxford University Press, Version: 20. Januar 2001. http://www.oxfordmusiconline.com./</ref> Beethoven übernahm die formalen und gattungsgeschichtlichen Errungenschaften Joseph Haydns und Mozarts, ging jedoch schon bald mit kraftvoller Klanggestaltung und kontrastreicher Dynamik einen neuen Weg zu großer Intensität des Ausdrucks und äußerster Konzentration thematisch struktureller Verarbeitung, wobei „jedes einzelne Werk seine individuelle, einmalige und unwiederholbare Physiognomie und Gestalt besitzt“.<ref>Peter Schnaus: Wiener Klassik. In: Ders. (Hrsg.): Europäische Musik in Schlaglichtern. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 1990, S. 236–276, hier 248.</ref>

Johann Nepomuk Hummel verdankte Mozart Unterstützung auf seinem Weg zu europäischem Ruhm. Er beschäftigte sich mit Mozarts Klavierkonzerten, indem er für sie Kadenzen komponierte und kammermusikalische Bearbeitungen erstellte. In seiner eigenen Kammermusik finden sich Anklänge an Mozart.<ref>Hermann Jung: „Ein Meteor am musikalischen Horizonte“. Aspekte der Rezeptionsgeschichte. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 501–550, hier 519f.</ref> Auch die Kammermusik von Franz Schubert zeigt „Übereinstimmungen in Kompositionsstrukturen“, jedoch bei „freierer kompositorischer Gestaltung“.<ref>Hermann Jung: „Ein Meteor am musikalischen Horizonte“. Aspekte der Rezeptionsgeschichte. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 501–550, hier 520f.</ref> Die Klavierkonzerte von Frédéric Chopin vermitteln zwischen Mozart und dem brillanten Stil.<ref>Jim Samson: Chopin, Fryderyk Franciszek [Frédéric François] In: Grove Music Online. Oxford Music Online. Oxford University Press, Version: 23. August 2023. http://www.oxfordmusiconline.com./</ref> Für ihn wie für Franz Liszt stellte Mozart als bereits historische verehrungswürdige Künstlerpersönlichkeit ein „Gegenbild zur eigenen Gegenwart“ dar. Liszt schuf Transkriptionen und Paraphrasen von Mozarts Werken. Am bekanntesten darunter sind seine Réminiscences de Don Juan für Klavier, in denen er drei Ausschnitte aus Don Giovanni kombinierte und dabei sowohl klaviertechnisch als auch kompositorisch Virtuosität bewies. Waren Mozarts Klaviersonaten immer wieder als „Musik für jugendliche Spieler“ aufgefasst worden, so etwa bei Robert Schumann, bemühte sich Edvard Grieg, den vermeintlichen Fehler der mangelnden Klangfülle durch Hinzufügung einer Begleitung durch ein zweites Klavier zu beheben.<ref>Hermann Jung: „Ein Meteor am musikalischen Horizonte“. Aspekte der Rezeptionsgeschichte. In: Matthias Schmidt: Mozarts Klavier- und Kammermusik. Laaber-Verlag, Laaber 2006 (= Das Mozart-Handbuch, Band 2), ISBN 3-89007-462-6, S. 501–550, hier 524f.</ref>

Nach Schubert dominierte das Vorbild Beethovens, insbesondere auch im Streichquartett,<ref>Marius Flothuis: Mozarts Streichquartette. Verlag C. H. Beck, München 1998 (= C. H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe, Band 2204), ISBN 3-406-43306-5, S. 108.</ref> wobei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen der Herausforderungen der Werke Beethovens, Schuberts, Schumanns und Felix Mendelssohn Bartholdys anspruchsvolle Kammermusik nur mit einzelnen oder wenigen Werken realisiert wurde. So zeigt sich das Außergewöhnliche von Mozarts Klarinettenquintett in der Nachfolge bei Johannes Brahms und Max Reger.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 518.</ref> Brahms dürfte auch bei seinem letzten Streichquintett an Mozart gedacht haben.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 563.</ref> Die Scheu der Komponisten, mit ihren Werken Vergleiche zu Mozart zu provozieren, führte dazu, dass das Sujet Don Juan bis zur Tondichtung des selbstbewussten jungen Richard Strauss gemieden wurde.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 578.</ref> Strauss gab zwar zu, „keine Melodien wie Mozart“ schreiben zu können, meinte aber, durch die Kunst, aus seinen Themen „alles herauszuholen, was drinnen steckt“, aus den Komponisten seiner Zeit herauszuragen.<ref>Hermann Danuser: Die Musik des 20. Jahrhunderts. Laaber-Verlag, Laaber 1984, ISBN 3-89007-037-X (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 7), S. 219.</ref>

Die Konzeption mancher Opern von Strauss folgt Vorbildern von Mozart: Der Rosenkavalier (1910, Libretto von Hugo von Hofmannsthal) entspricht Le nozze di Figaro, Die Frau ohne Schatten (1919, ebenfalls Hofmannsthal) der Zauberflöte.<ref>Hermann Danuser: Die Musik des 20. Jahrhunderts. Laaber-Verlag, Laaber 1984, ISBN 3-89007-037-X (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 7), S. 84.</ref> Die schweigsame Frau (1935, Libretto von Stefan Zweig) enthält als Rückblick auf die Geschichte der Opera buffa Mozart-Zitate.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 648.</ref> Im späten Oboenkonzert von 1945 kommt Strauss schließlich „seiner lebenslang verehrten ‚platonischen Idee‘ Mozart“ näher<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 674.</ref> als in den frühen Opern, wo trotz der Parallele zur Zauberflöte in der Frau ohne Schatten eine „dionysische Rausch-Ekstase“ stattfindet.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 602.</ref>

Eine solche Klangopulenz in der Nachfolge Richard Wagners erfuhr um 1900 zunehmend Widerstand, etwa durch Ferruccio Busoni, der 1907 einen Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst vorlegte. Vorbilder seiner Klassizität waren Bach und Mozart,<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 582.</ref> dessen „serenitas“ bei Busoni ein verklärtes Bild als „Inbegriff wahrhaft absoluter Musik“ ohne metaphysischen Ballast darstellt.<ref>Hermann Danuser: Die Musik des 20. Jahrhunderts (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft. Band 7). Laaber-Verlag, Laaber 1984, ISBN 3-89007-037-X, S. 149.</ref> Dennoch schwebte ihm das Mysterium als Opernideal vor, allerdings nach dem Modell der Zauberflöte.<ref>Hermann Danuser: Die Musik des 20. Jahrhunderts (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft. Band 7). Laaber-Verlag, Laaber 1984, ISBN 3-89007-037-X, S. 30.</ref>

Auch Reger pflegte um diese Zeit ein „Bach- und Mozart-Ideal“,<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 581.</ref> von seinen Werken sind insbesondere die Mozart-Variationen (1914) im Repertoire geblieben.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 565.</ref>

Im 19. Jahrhundert war die Komische Oper wie im 17. Jahrhundert eine „prekäre Gattung“, die in Deutschland neben Wagner nicht gedeihen konnte.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 290.</ref> Um 1900 fand der Überdruss an der inzwischen weit verbreiteten Wagner-Nachfolge mit dem „Primat einer kontinuierlichen Orchestermelodie“ im Schlagwort „Zurück zu Mozart“ Ausdruck, womit die Wiederentdeckung von handlungsreichem Dialog im Rezitativton alternierend mit „musikalischem Verweilen“ propagiert wurde. An die Stelle „der erdrückenden Geschichtslast von Wagners mythologischem Drama“ traten Komische Opern wie die von Ermanno Wolf-Ferrari von Le donne curiose (1903 nach Carlo Goldoni) bis La vedova scaltra (1931) und bürgerliche Komödien wie L’Heure espagnole (1911) von Maurice Ravel oder Kleider machen Leute (1910 nach Gottfried Keller) von Alexander Zemlinsky. Von Busoni sind aus dem Jahr 1917 Arlecchino und Turandot zu nennen.<ref>Hermann Danuser: Die Musik des 20. Jahrhunderts. Laaber-Verlag, Laaber 1984, ISBN 3-89007-037-X (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 7), S. 82.</ref> Der Schauspieler und Regisseur Ernst von Possart veranstaltete in München eine „Mozart-Renaissance“,<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 538f.</ref> der Dirigent und Komponist Felix Weingartner kreierte den Ausruf „Vorwärts zu Mozart!“<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 593.</ref>

1916/17 komponierte Serge Prokofieff seine erste Sinfonie, bekannt als Symphonie classique „im klassischen Stil Haydns und Mozarts“, freilich in transformierter Form.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 617.</ref> Arnold Schönberg nutzte in der Gigue seiner zwölftönigen Suite op. 25 einen Wechsel des Metrums, wie er schon bei Mozart anzutreffen ist.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 627.</ref> Igor Strawinsky schuf mit der Oper The Rake’s Progress 1947–51 sein zusammenfassendes neoklassizistisches Meisterwerk, gegliedert in Arien und Rezitative und mit deutlichen Mozartismen, die jedoch auch wegen des Bezugs zu The Beggar’s Opera vergröbert wurden.<ref>Stephen Walsh: Stravinsky, Igor (Fyodorovich). In: Grove Music Online. Oxford Music Online. Oxford University Press, Version: 20. Januar 2001. http://www.oxfordmusiconline.com./</ref> Hans Werner Henze stand in seiner Musiksprache in der Oper Der junge Lord (1965, Libretto von Ingeborg Bachmann) zwar Strawinskys Neoklassizismus nahe, teilte jedoch nicht dessen Prinzip der Parodie, sondern nutzte die Modelle der Vergangenheit ohne verfremdende Distanzierung, mit Anspielungen auf Mozart bis Gustav Mahler.<ref>Hermann Danuser: Die Musik des 20. Jahrhunderts. Laaber-Verlag, Laaber 1984, ISBN 3-89007-037-X (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 7), S. 355ff.</ref> Der Minimalist Michael Nyman nannte Mozart als Vorbild und zitierte ihn in seinen Werken.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 718.</ref>

John Cage integrierte in seinen experimentellen Kompositionsansatz mit Zufallsverfahren im HPSCHD-Projekt (1967) unter anderem Musik von Mozart.<ref>Reinhard Oehlschlägel: Wandlungen der Avantgarde. In: Helga de la Motte-Haber (Hrsg.): Geschichte der Musik im 20. Jahrhundert: 1975–2000. Laaber-Verlag, Laaber 2005, ISBN 3-89007-424-3 (= Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert, Band 4), S. 23–48, hier 26.</ref> Helmut Lachenmann übte in seinem Klarinettenkonzert Accanto (1975/6) Kritik an der „verdinglichten Schönheit der klassischen Musik“, indem Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 auf Tonband nur gelegentlich hörbar und mit einer durch diverse Spieltechniken verzerrten „Verformung von Strukturmerkmalen der Vorlage“ konfrontiert wird.<ref>Frank Hilberg: Dialektisches Komponieren. In: Helga de la Motte-Haber (Hrsg.): Geschichte der Musik im 20. Jahrhundert: 1975–2000. Laaber-Verlag, Laaber 2005, ISBN 3-89007-424-3 (= Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert, Band 4), S. 171–206, hier 182.</ref> In Bernhard Langs Musiktheater ODIO MOZART / I HATE MOZART (2006) wird in einer vorgeblichen Probensituation unter Verwendung von Turntablisten Mozart „gleichzeitig beschworen wie zum Verschwinden gebracht“ und „die ständige Repetition des Repertoires im Musikbetrieb kommentiert“.<ref>Daniel Ender: Das Verschwinden des Komponisten: Bernhard Lang und seine Arbeit am Steinbruch der Musikgeschichte. In: Neue Zeitschrift für Musik 175/4 (2014), S. 16–19, hier 17f.</ref>

Kanonisierung, Mozart-Forschung und andere Mozart-Texte

E. T. A. Hoffmann bezeichnete 1810 die Instrumentalwerke Haydns, Mozarts und Beethovens als „rein romantisch“, was als Auszeichnung gedacht war, da im Gegensatz zur Bestimmtheit der Vokalmusik eine „tönende Stimme des Erhabenen“ hörbar werde;<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 15.</ref> die Sinfonie dieser Komponisten dringe „zur Ahnung des Unendlichen, Absoluten“ vor.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 73.</ref> Im 19. Jahrhundert bildete sich erstmals ein Kanon klassischer Autoren der Musik aus, bei dem Mozart die Opera buffa repräsentierte.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 19.</ref> Die Idee einer „Wiener Klassik“ entsprang dem Bedürfnis nach einer national-musikalischen Klassik nach Vorbild der Weimarer Klassik.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft. Band 6). Athenaion, Wiesbaden 1980, ISBN 3-7997-0748-4, S. 27.</ref> Das „Klassische“ bei Mozart machte bereits sein Biograph Franz Xaver Niemetschek an der Wende zum 19. Jahrhundert an Eigenschaften wie dem „reinen Ausdruck der Empfindung“, an Individualität, Harmonie zwischen Originalität und Ökonomie, „größter Mannigfaltigkeit“ und „strengster Einheit“ fest. Die Vorstellung der Synthese von Gegensätzen entsprach dem Bedürfnis im 19. Jahrhundert, eine als zerrissen empfundene „Moderne“ zu überwinden oder zu versöhnen. In den 30er-Jahren jenes Jahrhunderts begann sich das „Klassische“ als Epochenbegriff zu verfestigen, wobei Mozarts Musik als Synonym für die „Einheit zwischen Idee und Form“ die „Vollendung der Kunst“ bedeutete. Diese Vorstellungen blieben lebendig und wurden nach 1850 mit der Idee des „Universalen“ von Mozarts Musik ergänzt.<ref>Matthias Schmidt: Mozart und die Differenz des „Klassischen“. Überlegungen zur musikalischen Ähnlichkeit. In: Gernot Gruber (Hrsg.): Wiener Klassik. Ein musikgeschichtlicher Begriff in Diskussion. Böhlau 2002, S. 141–175, hier 141f.</ref>

Eine wertvolle Materialsammlung verdanken wir Georg Nikolaus Nissen, dessen Mozart-Biographie 1829 von Mozarts Witwe posthum veröffentlicht wurde.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 394.</ref> Mozart war der erste Musiker, auf den die quellenkritische Methode der historischen Disziplin angewandt wurde, in der Monographie W. A. Mozart (1856–1859) von Otto Jahn.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 498.</ref> Nach den wissenschaftlichen Gesamtausgaben der Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Beethoven folgte 1876 die Mozarts.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 515.</ref> Ein Werkverzeichnis hatte Ludwig von Köchel 1862 herausgebracht.<ref name="MGG" />

Mehrere bedeutende Dichter nahmen sich der Mozart-Thematik an. Alexander Puschkin verhalf der Vergiftungshypothese in Mozart und Salieri (1832) „zu dichterischem Glanz“.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 394.</ref> Dieses Drama sowie Der steinerne Gast (1830) desselben Autors wurden vertont, letzteres von Alexander Dargomyschski mit unmelodiösem Sprechgesang „völlig unmozartisch“, ersteres von Nikolai Rimski-Korsakow in musikalischer Annäherung an Mozart, auch durch Zitate.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 426.</ref> Eduard Mörike wendete sich in der Novelle Mozart auf der Reise nach Prag (1855) von der üblichen Verniedlichung Mozarts ab ohne das Biedermeierliche hinter sich zu lassen. Mozarts Leben und seine Musik werden als Einheit betrachtet, Mozart spielt mit dem Leben und lässt „aus heiterer Gelöstheit heraus Todernstes aufblitzen“.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 396.</ref> Eine große Rolle spielt Mozart in der Erzählung Steppenwolf (1927) von Hermann Hesse. Das konventionell idealisierte Mozart-Bild wird den Zweifeln an der Kultur und am Daseins-Sinn des Protagonisten unterworfen.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 457ff.</ref> Im und nach dem 2. Weltkrieg entstanden von deutschen Emigranten „brillant geschriebene“ Mozart-Bücher, die als „Zuflucht und Bekenntnis“ gedeutet werden können, die Rede ist von der Dichterin Annette Kolb und dem Musikologen Alfred Einstein.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 462.</ref>

1905 verbesserte und erweiterte Paul von Waldersee das Köchelverzeichnis. 1914 gab Ludwig Schiedermair eine kritische Gesamtausgabe der Briefe W. A. Mozarts und seiner Familie heraus. Das Verhältnis von Mozarts Frühwerk zu seinem kompositorischen Umfeld wurde von Friedrich Chrysander, Oskar Fleischer und Hugo Riemann untersucht. Auf der Grundlage dieser Fortschritte in der Mozartforschung beruht Hermann Aberts umfangreiche Mozart-Monographie von 1919,<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 439f.</ref> die für längere Zeit das Mozart-Bild in der Forschung bestimmte.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 442.</ref>

Die Vorgehensweise, Leben und Werk unmittelbar aufeinander zu beziehen, der neben Abert auch Arthur Schurig und Teodor de Wyzewa gefolgt waren, wurde in den 1960er-Jahren kritisiert wegen ihrer Tendenz zur „biographisch-spekulativen und stilpsychologischen Deutung“.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 561.</ref> Wolfgang Hildesheimer schuf mit Mozart 1977 einen Text zwischen Wissenschaft und Literatur, der zum Publikumserfolg wurde.<ref>Arnulf Knafl: Rhetorik der Distanz. Wolfgang Hildesheimers Mozart und die Bruchstellen der Gattung ‚Biographie‘. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 533–544, hier 533.</ref> Entgegen der üblichen biographischen Postulate verzichtet Hildesheimer auf Aussagen zu Mozarts Leben, Denken und Fühlen, zeigt keine Beziehungen zwischen Leben und Werk auf und bietet keine Werk-Analysen.<ref>Arnulf Knafl: Rhetorik der Distanz. Wolfgang Hildesheimers Mozart und die Bruchstellen der Gattung ‚Biographie‘. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 533–544, hier 535ff.</ref> Mozarts Leben wird nicht als erzählerisches Kontinuum vermittelt.<ref>Arnulf Knafl: Rhetorik der Distanz. Wolfgang Hildesheimers Mozart und die Bruchstellen der Gattung ‚Biographie‘. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 533–544, hier 541.</ref> Als gründliche kulturhistorische Studie gilt Mozart in Wien (1986) von Volkmar Braunbehrens.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 491.</ref> Norbert Elias versteht Mozart 1993 in einem „mentalitätsgeschichtlich basierten, kulturtheoretischen Zugang“ als Beispiel für „die Genese der Moderne aus der Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem“.<ref>Volker Kalisch: Die politisch-ideologisch motivierte Mozartrezeption. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 513–532, hier 532.</ref> Als empfehlenswertes Mozart-Buch der 1990er-Jahre wurde außerdem Konrad Küsters musikalische Mozart-Biographie rezensiert.<ref>Frieder Reininghaus, Rezension in Neue Zeitschrift für Musik 152/12 (1991), S. 54–56, hier 55.</ref> Ulrich Konrad entwickelte aus seinem Artikel für das Lexikon Die Musik in Geschichte und Gegenwart 2005 zwei Buchveröffentlichungen.<ref>Melanie Unseld, Rezension in Die Musikforschung 59/4 (2006), S. 397–400, hier 398.</ref> Aus dieser Zeit um das Mozart-Jahr 2006 stammen zudem das siebenbändige Mozart-Handbuch im Laaber-Verlag<ref>Gernot Gruber, Matthias Schmidt, Dieter Borchmeyer et al. (Hrsg.): Das Mozart-Handbuch. 7 Bände, Laaber-Verlag, Laaber, 2006–2012.</ref> und eine umfangreiche Darstellung und Materialsammlung von Rudolph Angermüller auf DVD-ROM.<ref>Rudolph Angermüller: Wolfgang Amadeus Mozart, Leben und Werk: Biographien, Briefe und Zeitdokumente auf 36.000 Seiten; mit aktuellem Köchelverzeichnis. DVD-ROM, Directmedia Publishing, Berlin 2007, ISBN 978-3-86640-708-4.</ref> Laurenz Lütteken konnte durch Kontextualisierung in seinem Band Mozart. Leben und Musik im Zeitalter der Aufklärung (2017) „vielerlei Problemlagen in Bezug auf das ‚ungewöhnliche Individuum‘ Wolfgang Amadé Mozart“ auflösen.<ref>Gideon Stiening: Genie auf Distanz? In: Aufklärung 31 (2019), S. 349–354, hier 353.</ref>

Posthume Popularität

Mit Händel,<ref>Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten: Ein Kompendium, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2, S. 145–160.</ref> Gluck und Haydn zählt Mozart zu den ältesten Komponisten, deren Werk „ohne Kontinuitätsbruch“ regelmäßig aufgeführt wurde. Zum geschichtlichen Prozess der Herausbildung eines Opernrepertoires gehörten die Aufführungen von Don Giovanni und Zauberflöte.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 26.</ref> Das Repertoire tendierte bald dazu, historische Musik zu bevorzugen. Schon um 1840 war etwa in Leipzig mit Mozart der am öftesten aufgeführte Komponist bereits lange verstorben.<ref>Joachim Brügge: Mozart in Repertoireuntersuchungen zur Sinfonik der Wiener Klassik. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel: Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 562–570, hier 565.</ref> Darbietungen seines Requiems in Konzertsälen zeigen das steigende Bedürfnis nach einem ernsten Charakter der dortigen „geistvollen Unterhaltung“.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 510.</ref> Im Konzertrepertoire wurde Mozart jedoch bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Beethoven vom ersten Platz verdrängt.<ref>Joachim Brügge: Mozart in Repertoireuntersuchungen zur Sinfonik der Wiener Klassik. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel: Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007 (= Das Mozart-Handbuch, Band 1), ISBN 978-3-89007-461-0, S. 562–570, hier 566.</ref>

Neue Institutionen räumten Mozart ein großes Gewicht neben der jeweils aktuellen Musik ein, so etwa das 1862 eingeweihte Théâtre-Lyrique in Paris<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 496.</ref> oder die 1918 von Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss und Max Reinhardt konzipierten Salzburger Festspiele.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 612.</ref> Die großen Wiener und Salzburger Musikinstitutionen profitierten von der Berühmtheit ihrer „Mozart-Ensembles“.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 683.</ref> Im Gegensatz zum bekanntesten literarischen Klassiker, Johann Wolfgang von Goethe, der aus den Lektüre-Gewohnheiten im 20. Jahrhundert allmählich verschwand, avancierte Mozart zum Vertreter einer musikalischen Massenkultur, die auf der klassisch-romantischen Erbschaft basiert.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 278.</ref> Hatten etwa im Barock Opernaufführungen die Funktion von Repräsentation und Übermittlung einer Botschaft, was unter Nutzung bekannter Sujets aus der antiken Mythologie oder der römischen Geschichte realisiert wurde, wurde nun die Bekanntheit der kanonisierten Meisterwerke etwa Mozarts in Salzburg vorausgesetzt<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 744.</ref> bei der Idee des „Regietheaters“ nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Inszenierung zur zentralen Kategorie der Opernästhetik erhoben wurde.<ref>Carl Dahlhaus: Die Musik des 19. Jahrhunderts. Athenaion, Wiesbaden 1980 (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 6), ISBN 3-7997-0748-4, S. 290.</ref> Die „schöpferische Rücksichtslosigkeit“ der „Lust zu Bilderstürmerei“ wandte sich also auch gegen Così van tutte oder Don Giovanni, die „Umnutzung älterer Werke durch assoziative Zuspitzung“ setzte sich allgemein durch.<ref>Frieder Reininghaus: Musiktheater am Ende des 20. Jahrhunderts. In: Helga de la Motte-Haber (Hrsg.): Geschichte der Musik im 20. Jahrhundert: 1975–2000. Laaber-Verlag, Laaber 2005, ISBN 3-89007-424-3 (= Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert, Band 4), S. 99–130, hier 110f.</ref>

Ebenfalls auf einen Mangel an einer mit Mozart vergleichbaren aktuellen Gestalt zurückgeführt werden könnte die Tendenz, Mozart als „Popstar des 18. Jahrhunderts“ zu vermarkten.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 714.</ref> Aktuelle Identifikationswünsche wurden in den 1980er Jahren bedient durch den Pop-Rap-Song Rock Me Amadeus von Falco oder den Amadeus-Film von Miloš Forman,<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 712f.</ref> der das Klischee des heiteren Wunderkindes, das an der Welt scheitert und verarmt stirbt, durch ein bizarres, ähnlich falsches eines „renitenten, halbirren Genies“ ersetzt.<ref>Michael Heinemann: Kleine Geschichte der Musik. Reclam, Stuttgart 2004, S. 198.</ref> Der Musikmarkt nutzte die neuen Möglichkeiten der durchlässigeren Sphären, so pries ein Billiglabel „Mozarts Klarinettenkonzert“ mit dessen Bekanntheit durch den Film Jenseits von Afrika (1985) an.<ref>Gernot Gruber: Kulturgeschichte der europäischen Musik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2508-2 (Bärenreiter), ISBN 978-3-662-61629-1 (Metzler), S. 741.</ref>

Runde Geburtstage Mozarts werden als Mozartjahre begangen. So war es zum 200. Geburtstag 1956 „für jedes Land, das sich als Kulturnation versteht, […] eine Ehrenpflicht, offizielle Feiern abzuhalten“.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 464.</ref> Die Identifikation ist freilich in den „Mozartstädten“ Salzburg, Wien und Augsburg besonders hoch, wo die anlässlich des Mozartjahres 1991 Befragten zu 53 % Mozart „sehr liebten“, obwohl sich nur 13 % für Klassische Musik interessierten. Das „Musikland Österreich“ profitiert freilich erheblich vom „Markt Mozart“.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. In: Claudia Maria Knispel, Gernot Gruber (Hrsg.): Mozarts Welt und Nachwelt. Laaber-Verlag, Laaber 2009 (= Das Mozart-Handbuch, Band 5), ISBN 978-3-89007-465-8, S. 249–512, hier 505.</ref>

Die Republik Österreich hat Mozart mehrfach auf Münzen oder Banknoten gewürdigt, wie zum Beispiel auf der 5000-Schilling-Banknote von 1989 und der österreichischen 1-Euro-Münze. Die Bundesrepublik Deutschland hat zu Ehren seines 250. Geburtstages im Jahr 2006 eine 10-Euro-Silbermünze herausgebracht. Außerdem hat die Deutsche Post AG zum gleichen Anlass eine Sondermarke herausgegeben. Dies geschah bereits zum 225. Geburtstag seitens der Deutschen Post der DDR in Form einer Blockausgabe.

Daneben gibt es etliche Merchandising-Artikel (z. B. Mozartkugeln).

Mozart zu Ehren erhielt ein 1924 entdeckter Asteroid die Bezeichnung (1034) Mozartia und ein 1991 entdecktes Mineral den Namen Mozartit. Darüber hinaus trägt der Mozart-Piedmont-Gletscher vor der Westküste der antarktischen Alexander-I.-Insel seinen Namen. Auch die Pflanzengattung Mozartia <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}Urb.{{#if:| {{{5}}}|}} aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) ist nach ihm benannt.<ref>Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5, doi:10.3372/epolist2018.</ref>

Museen

Datei:Bertramka Mozart Museum.JPG
Die Villa Bertramka in Prag

In der Getreidegasse in Salzburg eröffnete 1880 die Internationale Stiftung Mozarteum im Geburtshaus Wolfgang Amadeus Mozarts (→ Hagenauerhaus) ein Museum.<ref>salzburg.info, abgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Ein weiteres Mozart-Museum befindet sich in der 1773 von der Familie Mozart bezogenen Wohnung im Tanzmeisterhaus am Makartplatz.<ref>salzburg.info, abgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> In Wien ist eine der Wohnungen Mozarts erhalten, sie wurde in ein Museum umgewandelt, das Mozarthaus Vienna in der Domgasse 5.<ref>mozarthausvienna.at, abgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Im Mozarthaus in der Altstadt von Augsburg befindet sich eine Gedenkstätte zur Geschichte der Familie Mozart. In diesem Haus wurde sein Vater Leopold geboren.<ref>kunstsammlungen-museen.augsburg.de, abgerufen am 7. Oktober 2025.</ref>

Im Prager Stadtteil Smíchov wurde 1956 in der sogenannten Vila Bertramka ein Mozartmuseum eingerichtet. Zu Mozarts Lebzeiten lag das Gebäude jenseits der Stadtmauer und diente der Familie des Komponisten Franz Xaver Duschek als Landgut. Es gehörte der Ehefrau Duscheks, der Sängerin Josepha Duschek, der Enkelin Ignatz Anton von Weisers, des Salzburger Bürgermeisters und Textdichters Mozarts. Mozart wohnte hier im Oktober 1787 (Vollendung und Uraufführung des Don Giovanni) und von Ende August bis Anfang September 1791 (Einstudierung und Uraufführung von La clemenza di Tito).<ref>{{#if:2014-01-04|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:https://web.archive.org/web/20140104215026/http://www.bertramka.com/geschichte-der-bertramka/lang=ge%7C{{#if:Geschichte der Bertramka|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://web.archive.org/web/20140104215026/http://www.bertramka.com/geschichte-der-bertramka/lang=ge}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Geschichte der Bertramka}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://www.bertramka.com/geschichte-der-bertramka/lang=ge%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C1}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Geschichte der Bertramka}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://www.bertramka.com/geschichte-der-bertramka/lang=ge}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Geschichte der Bertramka}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:1Museum des W. A. Mozarts und des Ehepaars Dušekhttps://web.archive.org/web/20140104215026/http://www.bertramka.com/geschichte-der-bertramka/lang=ge{{#if: 2009-08-19 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Mozart-Gesellschaft, Stiftung, Mozart-Orchester und Spielstätten

Datei:Mozart.birth.500pix.jpg
Mozarts Geburtshaus in Salzburg
Datei:Salzburg Mozarteum Saal.jpg
Großer Saal des Mozarteums

Die Deutsche Mozart-Gesellschaft (DMG) mit Sitz in Augsburg „widmet sich … der praktischen und wissenschaftlichen Pflege des Werkes von Wolfgang Amadé Mozart, der Erforschung des Lebens und Schaffens des Meisters und seiner Familie und der Erhaltung und Förderung der Mozart-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere des Geburtshauses von Leopold Mozart in Augsburg“.<ref>Die Deutsche Mozart-Gesellschaft – Ziele.</ref>

1841 unterstützten Mozarts Witwe und seine Söhne die Gründung von Dommusikverein und Mozarteum, woraus später das Mozarteumorchester Salzburg erwuchs.<ref>salzburgerfestspiele.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Das zweite Salzburger Mozart-Orchester ist die Camerata Salzburg, die 1952 von Bernhard Paumgartner aus Lehrern und Schülern der Universität Mozarteum gegründet wurde. Das Ziel der Camerata war und ist vorrangig die Mozart-Pflege. Ihr Chefdirigent Sándor Végh (1978–1997) prägte das Ideal, „jedes Stück wie im kammermusikalischen Zusammenspiel eines Streichquartetts anzugehen“.<ref>camerata.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref>

In Salzburg hat die Internationale Stiftung Mozarteum ihren Sitz. Sie wurde 1880 von Salzburger Bürgern gegründet und ist aus dem 1841 entstandenen Dommusikverein und Mozarteum hervorgegangen.<ref>mozarteum.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Sie übernahm 1881 die kurz zuvor gegründete Öffentliche Musikschule Mozarteum, nun Universität Mozarteum.<ref>moz.ac.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Die Autographensammlung der Stiftung enthält rund 200 Originalbriefe Mozarts, die Bibliotheca Mozartiana bietet 35.000 Titel.<ref>mozarteum.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> 1931 wurde das Zentralinstitut für Mozart-Forschung gegründet, das seit 2003 den Namen Akademie für Mozart-Forschung trägt.<ref name="mozarteum_geschichte">mozarteum.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Diese veranstaltet in regelmäßigen Abständen wissenschaftliche Tagungen, über die im Mozart-Jahrbuch berichtet wird,<ref>mozarteum.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> und gibt seit 1954 die Neue Mozart-Ausgabe heraus.<ref>mozarteum.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Seit 1956 veranstaltet die Stiftung die Mozartwoche. 1996 eröffnete sie im rekonstruierten Mozart-Wohnhaus ein neues Museum.<ref name="mozarteum_geschichte" /> Die Stiftung besitzt auch das Konzertgebäude Mozarteum mit zwei Sälen. Der Große Saal des Mozarteums wird nicht nur für den Salzburger Konzertbetrieb genutzt, sondern regelmäßig auch von den Salzburger Festspielen – mit Matineen, Liederabenden, Solistenkonzerten, aber auch Orchesterkonzerten – bespielt.

Zu den Spielstätten der Salzburger Festspiele zählt das Haus für Mozart in der Hofstallgasse. Ursprünglich stand an dieser Stelle die Große Winterreitschule, die 1925 für Schauspielproduktionen als Festspielhaus und 1927 für Opernaufführungen adaptiert wurde. Anlässlich des 250. Geburtstags Mozarts 2006 wurde die nun umbenannte Aufführungsstätte mit einer Neuproduktion von Le nozze di Figaro eröffnet.<ref>salzburgerfestspiele.at, aufgerufen am 7. Oktober 2025.</ref>

Erinnerungsstätten, Denkmäler und andere Werke der bildenden Kunst

Datei:Mozart-Denkmal Tiefurt.jpg
Altar in Tiefurt

Als primäre Erinnerungsstätten Mozarts gelten der Kenotaph im Garten von Giuseppe Antonio Bridi in Rovereto, der Altar (1799) im Schlosspark Tiefurt von Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach und der Pavillon (1792) im Garten von Franz Deyerkauf in Graz, alle drei als private Gedenkorte bald nach Mozarts Tod installiert.<ref>Saskia Jaszoltowski: Erinnerungsorte in der Musik. de Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-076379-9, S. 131f.</ref>

1837 wurde in Prag in der Universitätsbibliothek eine Mozart-Büste von Emanuel Max Ritter von Wachstein aufgestellt. Der Mozart-Hof am Ort des Sterbehauses in Wien beherbergte 1848 eine Büste von Johann Baptist Feßler, die sich 2022 im Dachgeschoß des Einkaufshauses Steffl der Kärntner Straße befand.<ref>Saskia Jaszoltowski: Erinnerungsorte in der Musik. de Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-076379-9, S. 131.</ref> Für die erste Semperoper (1838–1841) in Dresden schuf Ernst Rietschel Standfiguren von Gluck und Mozart.<ref>Peter Springer: Rietschel, Ernst (Friedrich-August). In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref>

Datei:Ludwig Michael Schwanthaler-Wolfgang Amadeus Mozart-Mozartplatz Salzburg-2.jpg
Mozartdenkmal am Mozartplatz in Salzburg

Ludwig Schwanthaler schuf für die 1842 eröffnete Walhalla in Donaustauf bei Regensburg eine Marmorbüste Mozarts und zugleich das erste in der Öffentlichkeit gefeierte Mozart-Denkmal, eine Bronzestatue in Salzburg, ebenfalls 1842 enthüllt.<ref>Saskia Jaszoltowski: Erinnerungsorte in der Musik. de Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-076379-9, S. 130.</ref> Wie sehr Mozart damals schon nicht nur lokalpatriotisch österreichisch, sondern als ständeübergreifender Besitz aller Deutschen verstanden wurde, zeigt die Planung und Finanzierung des Projektes: An den Plänen waren vor allem Nicht-Salzburger beteiligt, und unter den finanziellen Förderern findet man neben Kaiser Ferdinand I. die Könige von Preußen und Bayern, den Adel sowie bürgerliche Musikvereine und prominente Musiker.<ref>Gernot Gruber: Mozart und die Nachwelt. Piper, München u. Zürich, erweiterte Neuausgabe 1987, ISBN 3-492-10592-0, S. 165.</ref>

Eine bronzene Mozart-Statue befindet sich auf dem Kapuzinerberg. Diese wurde anlässlich des Ersten Internationalen Mozartfestes im Jahr 1877, einem Vorläufer der Salzburger Festspiele, enthüllt und stammt von Edmund Hellmer.<ref>Siehe: stadt-salzburg.at, abgerufen am 5. Oktober 2020.</ref> Dabei wurde auch das Zauberflötenhäuschen, in dem Mozart angeblich Die Zauberflöte komponiert hatte, hinter der Statue aufgestellt.<ref>Siehe: salzburg-rundgang.at, abgerufen am 12. Juni 2016.</ref>

Das Grabmonument auf dem Wiener Zentralfriedhof schuf Hanns Gasser 1859.<ref>Walter Krause: Gasser, Hans. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> In den 1860er Jahren schmückte Moritz von Schwind das Foyer der Wiener Staatsoper mit Fresken, darunter das Thema von Mozarts Zauberflöte.<ref>Rudolf M. Bisanz: Schwind, Moritz (Ludwig) von. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref>

Datei:Mozartdenkmal Wien 1900.jpg
Mozart-Denkmal in Wien, um 1900

Das marmorne Mozart-Denkmal (1896) im Wiener Burggarten ist das letzte Werk von Viktor Tilgner. Hier verbindet er das Neo-Rokoko mit Anflügen von Art nouveau und dem Gefühl für „Grande maniera“ in der Präsentation der Figur.<ref>Walter Krause: Tilgner, Victor (Oscar). In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Im Jahr 1862 wurde in Wien-Wieden (4. Bezirk) die Mozartgasse nach dem Komponisten benannt, 1899 der Mozartplatz. 1905 wurde dort der Mozart-Brunnen enthüllt,<ref>Thomas O. H. Kaiser: „Ich bin ein Musikus.“ Über Mozart. Eine biographische Annäherung. BoD, Norderstedt 2020, ISBN 978-3-7460-2845-3, S. 224.</ref> ein Frühwerk des Architekten Otto Schönthal aus der „Wagnerschule“ Otto Wagners und des Bildhauers Carl Wollek mit Bronzefiguren von Tamino und Pamina.<ref>Iain Boyd Whyte: Schönthal, Otto. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref>

Das Monument für Haydn, Mozart und Beethoven im Berliner Tiergarten von Rudolf Siemering musste von dessen Sohn vollendet werden.<ref>Peter Springer: Siemering, (Leopold) Rudolf. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Von Siemerings Nachfolger des Rauchmuseums in Berlin, Emil Hundrieser wurden Entwürfe dafür kurz vor dessen Tod präsentiert.<ref>Brigitte Hüfler: Hundrieser, (Franz Richard) Emil. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Der ungarische Bildhauer und Medailleur Fűlőp Beck Ő nutzte für seine Medaillen wie die mit Mozart von 1925 Vorbilder der Renaissance.<ref>S. Kontha: Beck Ő(tvős), Fűlőp. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref>

Louis-Ernest Barrias schuf mit seinem jungen Mozart, der in einer kindlich x-beinigen Haltung die Violine stimmt, eine dekorative Bronzefigur, die 1887 im Salon ausgestellt wurde.<ref>Philip Ward-Jackson: Barrias, Louis-Ernest. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Einen jungen Mozart mit Violine unter dem Arm hatte zuvor bereits Friedrich Ernst Pauli ebenfalls in Bronze gestaltet,<ref>Pauli, Friedrich Wilhelm. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref> einen kindlichen Mozart am Klavier 1873 der Historienmaler Ebenezer Crawford.<ref>Crawford, Ebenezer. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref>

Das Thema Mozarts auf dem Sterbebett wurde wiederholt behandelt. Das bekannteste Werk des Historienmalers William James Grant (1829–1866) trägt dafür den Titel The Requiem,<ref>Grant, William James. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref> auch die Darstellung von Mozarts letzten Augenblicken von Henry Jean Becquet gilt als dessen Meisterwerk.<ref>Becquet, Henry Jean. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Thomas W. Shields malte 1882 Mozart Singing his Last Requiem.<ref>Shields, Thomas W. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Im Musée de Bordeaux gibt es eine Skulptur des sterbenden Mozart von Rinaldo Carnielo (1853–1910).<ref>Carnielo, Rinaldo. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Simon Guérin schuf eine Apotheose Mozarts.<ref>Guérin, Simon. In: Benezit Dictionary of Artists. Oxford University Press, Version: 31. Oktober 2011. http://www.oxfordartconline.com./</ref>

Der Impressionist Max Slevogt portraitierte den Sänger Francisco d’Andrade als Don Giovanni in Das Champagnerlied (1901/1902).<ref>Berthold Roland: Slevogt, Max. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Raoul Dufy drückte seine Begeisterung für die Musik unter anderem in seiner Hommage an Mozart (1951) aus.<ref>Dora Pérez-Tibi: Dufy, Raoul. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Der Maler, Performance-Künstler und Bildhauer Jannis Kounellis verwendete in seinen Werken, die die Fragmentierung der modernen Gesellschaft zum Thema haben, Musik von Mozart.<ref>Antonello Negri: Kounellis, Jannis. In: Grove Art Online. Oxford University Press, Version: 2003. http://www.oxfordartconline.com./</ref> Die am Ursulinenplatz vor der Markuskirche 2005 aufgestellte Mozart-Skulptur Mozart – Eine Hommage von Markus Lüpertz stellt den Komponisten als weiblichen Torso dar.<ref>Siehe: salzburgfoundation.at, abgerufen am 3. Oktober 2025.</ref>

Bühnenwerke, Belletristik und Filme über Mozart

Bühnenwerke

Belletristik

Die Figur Wolfgang Amadeus Mozarts wurde in vielen Romanen und Erzählungen verarbeitet, unter anderem in

  • E. T. A. Hoffmann: Don Juan. In: Fantasiestücke in Callot’s Manier. 1814 (Ein reisender Enthusiast (E. T. A. Hoffmann?) wird während einer Don-Juan-Aufführung von Donna Anna in der Loge aufgesucht und für W. A. Mozart gehalten.)
  • Eduard Mörike: Mozart auf der Reise nach Prag. (Novelle, Erstveröffentlichung Juli und August 1855 im Morgenblatt für gebildete Stände Nr. 30–33, selbständig als Buch 1856).<ref>Mozart auf der Reise nach Prag: Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv</ref> „Die berühmteste Künstlernovelle des 19. Jahrhunderts“;<ref>Helmut Koopmann, in: E. Mörike, Sämtliche Werke. Band 1. Artemis und Winkler, Zürich 51997, S. 1055.</ref> aktuelle Ausgabe: Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-458-34827-1 (Auf der Reise zur Uraufführung des Don Giovanni in Prag gerät Mozart in das Schloss des Grafen von Schinzberg. Vor allem dessen Nichte Eugenie erahnt Mozarts Genialität, aber auch die Unausweichlichkeit seines nahen Todes und dass er sich „schnell und unaufhaltsam in seiner eigenen Glut“ verzehren wird.)
  • Hans Watzlik: „Die Krönungsoper“ (Wegweiser-Verlag Berlin 1935, Neudruck: Hofenberg Berlin 2022). Der Roman beschreibt Reise und Aufenthalt Mozarts in Prag zur Uraufführung der Oper „La clemenza di Tito“ am 6. September 1791 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater Prag aus Anlass der Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen.
  • Rotraut Hinderks-Kutscher: Donnerblitzbub Wolfgang Amadeus. Stuttgart 1943 (Kinder- und Jugendbuch.)
  • Rotraut Hinderks-Kutscher: Unsterblicher Wolfgang Amadeus Mozart. Stuttgart 1959 (Franckhs Musiker-Biographien für junge Menschen)
  • Hermann Hesse: Der Steppenwolf. Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-518-36675-0 (Mozart als Repräsentant der „Unsterblichen“ klärt den Protagonisten in einem erkenntnistheoretischen Vortrag über die ewige Differenz von Ideal und Wirklichkeit auf.)
  • Jörg G. Kastner: Mozartzauber. München 2001, ISBN 3-471-79456-5 (Spielt vor allem während der letzten Monate Mozarts bis kurz nach dessen Tod)
  • Wolf Wondratschek: Mozarts Friseur. DTV, München 2004, ISBN 3-423-13186-1 (Keiner verlässt Mozarts Friseur unverändert.)

Filme

Werke

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Werkverzeichnis

Opern

Jahr Titel KV
1767 Die Schuldigkeit des ersten Gebots KV 35
1767 Apollo et Hyacinthus KV 38
1768 Bastien und Bastienne KV 50
1768 La finta semplice KV 51
1770 Mitridate, re di Ponto KV 87
1771 Ascanio in Alba KV 111
1771 Il sogno di Scipione KV 126
1772 Lucio Silla KV 135
1775 La finta giardiniera / Die Gärtnerin aus Liebe KV 196
1775 Il re pastore KV 208
1780 Zaide (Fragment) KV 344
1781 Idomeneo KV 366
1782 Die Entführung aus dem Serail KV 384
1783 L’oca del Cairo (Fragment) KV 422
1783 Lo sposo deluso ossia La rivalità di tre donne per un solo amante (Fragment) KV 430
1786 Der Schauspieldirektor KV 486
1786 Le nozze di Figaro KV 492
1787 Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni KV 527
1790 Così fan tutte ossia La scuola degli amanti KV 588
1791 Die Zauberflöte KV 620
1791 La clemenza di Tito KV 621

Insgesamt 21 Opern.

Kirchenmusik

17 Messen, darunter

Siehe dazu den Artikel: Liste der Kirchenmusikwerke Mozarts

Datei:K626 Requiem Mozart.jpg
Ausschnitt aus der autographen Partitur des Requiems (KV 626)

Orchesterwerke

Sinfonien

Siehe Liste der Sinfonien Mozarts

Klavierkonzerte

Siehe Liste der Klavierkonzerte Mozarts

Werke für Streichinstrumente und Orchester

Siehe auch Violinkonzerte (Mozart)

  • 1773: Violinkonzert Nr. 1 B-Dur (KV 207)
  • 1774: Concertone für 2 Violinen C-Dur (KV 190/186E)
  • 1775: Violinkonzert Nr. 2 D-Dur (KV 211)
  • 1775: Violinkonzert Nr. 3 G-Dur (KV 216)
  • 1775: Violinkonzert Nr. 4 D-Dur (KV 218)
  • 1775: Violinkonzert Nr. 5 A-Dur (KV 219)
  • 1776: Adagio E-Dur (KV 261)
  • 1776: Rondo concertante für Violine und Orchester B-Dur (KV 269/261a)
  • 1778: Concerto für Violine und Klavier D-Dur (KV315f)
  • 1779: Sinfonia concertante für Violine und Viola Es-Dur (KV 364/320d)
  • 1779: Sinfonia concertante für Violine, Viola und Cello A-Dur (KV 320e)
  • 1781: Rondo C-Dur (KV 373)

Insgesamt 12 Werke.

Werke für Blasinstrumente und Orchester

Flötenkonzerte und -sätze

Hornkonzerte und -sätze {{#invoke:Vorlage:Siehe auch|f}}

  • 1781: Rondo für Horn und Orchester Es-Dur (KV 371)
  • 1791: Hornkonzert D-Dur (KV 412/514/386b)
  • 1783: Hornkonzert Es-Dur (KV 417)
  • 1786: Hornkonzert Es-Dur (KV 495)
  • 1787: Hornkonzert Es-Dur (KV 447)

Insgesamt 13 Werke.

Weitere Orchesterwerke

Serenaden

Notturni

  • 1778: Notturno für vier Orchester D-Dur (KV 286)

Divertimenti

  • 1772: Divertimento D-Dur (KV 131)
  • 1772: Divertimento D-Dur (KV 136/125 a): „Salzburger Sinfonie Nr. 1“
  • 1772: Divertimento B-Dur (KV 137/125 b): „Salzburger Sinfonie Nr. 2“
  • 1772: Divertimento F-Dur (KV 138/125 c): „Salzburger Sinfonie Nr. 3“
  • 1783–85: Divertimenti Nr. 1 bis 5 B-Dur (KV 229/439b)

Märsche

  • 1769: Marsch D-Dur (KV 62)
  • 1773: Marsch D-Dur (KV 167b)
  • 1774: Marsch D-Dur (KV 189c)
  • 1775: Marsch D-Dur (KV 213b)
  • 1776: Marsch D-Dur (KV 249)
  • 1779: Marsch D-Dur (KV 320a Nr. 1)
  • 1779: Marsch D-Dur (KV 320a Nr. 2)

Kassationen

  • 1769: Kassation B-Dur (KV 62a)
  • 1769: Kassation G-Dur (KV 63) (Final-Musik)

Insgesamt 23 Werke.

Kammermusik

Klaviermusik

Siehe Liste der Klaviermusikwerke Mozarts

Orgelwerke

Obwohl Mozart in einem Brief an seinen Vater vom 17. Oktober 1777 schrieb, dass die Orgel seine Passion sei und bekannte „Die Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren der König aller Instrumente“,<ref>Zitiert nach: Georg Nicolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozart’s. Leipzig 1828, S. 313.</ref> hat er nur wenige Orgelwerke komponiert.

  • Zwei kleine Fugen in G-Dur und D-Dur, KV 154a, wahrscheinlich 1772/1773 komponiert
  • Fuge g-Moll, KV 401, wahrscheinlich 1773 komponiert, endet als Fragment nach 95 Takten
  • Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr (Adagio und Allegro in f-Moll für ein Orgelwerk), KV 594, 1790 komponiert
  • Allegro und Andante (Fantasie in f-Moll) für eine Orgelwalze, KV 608, 1791 komponiert
  • Andante in F-Dur für Orgelwalze, KV 616, 1791 komponiert

Lieder

Insgesamt 42 Werke.

Kanons

Mozart hat textierte und untextierte Kanons geschrieben. Unter den textierten finden sich Werke mit kirchlichem Inhalt:

  • Kyrie (1770; KV 89)
  • Alleluia (1788; KV 553) – das Anfangsmotiv entstammt der Alleluja-Intonation der Karsamstagsliturgie
  • Ave Maria (1788; KV 554)

Es gibt aber auch Kanons mit zum Teil recht derbem Inhalt, der an Mozarts Bäsle-Briefe erinnert, die er an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart schrieb. In vielen Liederbüchern ist der originale Text durch einen neuen, „entschärften“ ersetzt. So zum Beispiel:

Der vierstimmige Kanon KV Anh. 191 (1788; 562c) ist für zwei Violinen, Viola und Bass gesetzt.

Literatur

Über Mozarts Person und seine Werke ist eine unüberschaubare Menge von Publikationen erschienen. Diese Liste kann nur die wichtigsten Quellen- und Standardwerke enthalten und ist mit Sicherheit trotzdem lückenhaft.

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  • Georg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn Geschriebenen; mit vielen neuen Beylagen, Steindrücken, Musikblättern und einem Facsimile. Leipzig 1828. (archive.org) Reprint herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Rudolph Angermüller. Olms, Hildesheim/Zürich u. a. 2010, ISBN 978-3-487-08493-0. (Reprint der Ausgabe 1828).
  • Otto Jahn: W. A. Mozart. 4 Bände. Leipzig 1856 ff. Reprint Directmedia Publishing, Berlin 2007, und Kleine digitale Bibliothek, Band 40, CD-ROM, ISBN 978-3-89853-340-9.
  • Arthur Schurig: Wolfgang Amadeus Mozart, sein Leben und sein Werk auf Grund der vornehmlich durch Nikolaus von Nissen gesammelten biographischen Quellen und der Ergebnisse der neuesten Forschung. 2 Bände. Leipzig 1913.
  • Hermann Abert: W. A. Mozart. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1919. (archive.org).
  • Alfred Einstein: Mozart, his character, his work. (1945). Deutsche Fassung (Originalausgabe): Mozart – Sein Charakter, sein Werk (1947). Neuauflage Fischer TB 2005, ISBN 3-596-17058-3.
  • Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978.
  • Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe in 7 Bänden. … erläutert von Joseph Heinz Eibl. Herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg. Bärenreiter, Kassel u. a. 1962 ff.
    Erweiterte Ausgabe, mit einer Einführung und Ergänzungen herausgegeben von Ulrich Konrad. 8 Bände. Bärenreiter, Kassel u. a., ISBN 3-7618-1749-5. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9.
    Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition. Herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg. [Zeilenzählung geringfügig abweichend von der Buchausgabe. Quellenangaben bei Zitaten i. d. R. nach der Online-Ausgabe].
  • Anna Amalie Abert: Die Opern Mozarts. Möseler Verlag, Wolfenbüttel/Zürich 1970.
  • Fritz Hennenberg: Wolfgang Amadeus Mozart. (1970), Rowohlt, Hamburg 2005, ISBN 3-499-50683-1.
  • Wolfgang Hildesheimer: Mozart. (1977), Neuauflage Insel TB, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-458-34826-3.
  • Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7. (archive.org).
  • Volkmar Braunbehrens (Text), Karl-Heinz Jürgens (Illustrationen): Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8.
  • Konrad Küster: Mozart. Eine musikalische Biographie. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990, ISBN 3-421-06572-1.
  • Manfred Hermann Schmid (Hrsg.): Mozart Studien. Schneider, Tutzing 1992–2013 (Band 1–22), Hollitzer, Wien 2015 ff. (Band 23 ff.), {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0942-5217|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

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}}.

  • Norbert Elias: Mozart. Zur Soziologie eines Genies. Aus dem Nachlass herausgegeben von Michael Schröter. Suhrkamp TB, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-38698-0.
  • Martin Geck: Mozart. Eine Biographie. Rowohlt, Hamburg 2005, ISBN 3-498-02492-2.
  • Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1.
  • Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0.
  • Maynard Solomon: Mozart. Ein Leben. Metzler, Stuttgart 2005, ISBN 3-476-02084-3.
  • Gernot Gruber, Matthias Schmidt, Dieter Borchmeyer et al. (Hrsg.): Das Mozart-Handbuch. 7 Bände, Laaber-Verlag, Laaber 2006–2012.
  • Rudolph Angermüller: Wolfgang Amadeus Mozart, Leben und Werk: Biographien, Briefe und Zeitdokumente auf 36.000 Seiten; mit aktuellem Köchelverzeichnis. DVD-ROM, Directmedia Publishing, Berlin 2007, ISBN 978-3-86640-708-4.
  • Christoph Wolff: Vor der Pforte meines Glücks. Mozart im Dienst des Kaisers (1788–1791). Übersetzt von Matthias Müller. Bärenreiter, Kassel 2013, ISBN 978-3-7618-2277-7.
  • Laurenz Lütteken: Mozart: Leben und Musik im Zeitalter der Aufklärung. C.H. Beck, München [2017], ISBN 978-3-406-71171-8.
  • Laurenz Lütteken: Die Zauberflöte: Mozart und der Abschied von der Aufklärung. C. H. Beck, München 2024, ISBN 978-3-406-81502-7. Auch als Online-Ausgabe erschienen.
  • Jutta Czeguhn: Feiern mit Wolferl. in: Süddeutsche Zeitung Nr. 13 (2026) vom 17./ 18. Januar 2026: S. R12

Weblinks

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Werkverzeichnisse, Noten, Dokumente

Hörbeispiele

Historische biografische Texte

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  }}{{#ifexpr: {{#if:20110522154122|1|0}}{{#if:|+1}}{{#if:|+1}}{{#if:|+1}}{{#if:|+1}} <> 1
    | {{#if:  || }}Vorlage:Webarchiv/Wartung/Parameter{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Genau einer der Parameter 'wayback', 'webciteID', 'archive-today', 'archive-is' oder 'archiv-url' muss angegeben werden.|1}}
  }}{{#if: 
    | {{#switch: {{#invoke:Webarchiv|getdomain|{{{archiv-url}}}}}
        | web.archive.org = 
          {{#if:  || }}{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Im Parameter 'archiv-url' wurde URL von Internet Archive erkannt, bitte Parameter 'wayback' benutzen.|1}} 
        | webcitation.org = 
          {{#if:  || }}{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Im Parameter 'archiv-url' wurde URL von WebCite erkannt, bitte Parameter 'webciteID' benutzen.|1}} 
        | archive.today |archive.is |archive.ph |archive.fo |archive.li |archive.md |archive.vn = 
          {{#if:  || }}{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Im Parameter 'archiv-url' wurde URL von archive.today erkannt, bitte Parameter 'archive-today' benutzen.|1}}
      }}{{#if: 
         | {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}
             | {{#if:  || }}Vorlage:Webarchiv/Wartung/Parameter{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Der Wert des Parameter 'archiv-datum' ist ungültig oder hat ein ungültiges Format.|1}}
          |  }} 
         | {{#if:  || }}Vorlage:Webarchiv/Wartung/Parameter{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Der Pflichtparameter 'archiv-datum' wurde nicht angegeben.|1}}
      }}
    | {{#if: 
         | {{#if:  || }}Vorlage:Webarchiv/Wartung/Parameter{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Der Parameter 'archiv-datum' ist nur in Verbindung mit 'archiv-url' angebbar.|1}}
      }}
  }}{{#if:{{#invoke:URLutil|isHostPathResource|http://asv.vatican.va/de/doc/1770.htm}}
    || {{#if:  || }}
  }}{{#if: Verleihung des Päpstlichen Ritterordens vom Goldenen Sporn an Wolfgang Amadeus Mozart (Giovanni Amadeo Wolfango Mozart), Rom 4. Juli 1770
    | {{#if: {{#invoke:WLink|isBracketedLink|Verleihung des Päpstlichen Ritterordens vom Goldenen Sporn an Wolfgang Amadeus Mozart (Giovanni Amadeo Wolfango Mozart), Rom 4. Juli 1770}}
        | {{#if:  || }}
      }}
    | {{#if:  || }}Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  }}{{#switch: 
    |addlarchives|addlpages= {{#if:  || }}{{#if: 1 |Vorlage:Webarchiv/Wartung/Parameter}}{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: enWP-Wert im Parameter 'format'.|1}}
  }}{{#ifeq: {{#invoke:Str|find|http://asv.vatican.va/de/doc/1770.htm%7Carchiv}} |-1
    || {{#ifeq: {{#invoke:Str|find|{{#invoke:Str|cropleft|http://asv.vatican.va/de/doc/1770.htm%7C4}}%7Chttp}} |-1
         || {{#switch: {{#invoke:Webarchiv|getdomain|http://asv.vatican.va/de/doc/1770.htm }}
              | abendblatt.de | daserste.ndr.de | inarchive.com | webcitation.org = 
              | #default = {{#if:  || }}{{#if: 1 |Vorlage:Webarchiv/Wartung/URL}}{{#invoke:TemplUtl|failure| Fehler bei Vorlage:Webarchiv: Archiv-URL im Parameter 'url' anstatt URL der Originalquelle. Entferne den vor der Original-URL stehenden Mementobestandteil und setze den Archivierungszeitstempel in den Parameter 'wayback', 'webciteID', 'archive.today' oder 'archive-is' ein, sofern nicht bereits befüllt.|1}}
            }} 
       }}
  }}

Gesellschaften

Anmerkungen

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